Energie- und Kommunikationstechnik

 

Türkei: Süßwasser stürzt ins Meer; Bild mit freundlicher Genehmigung von MGD (bitte anklicken)

Wasserkraft

 
Technologien zur regenerativen Energiegewinnung

und deren Förderung durch
Fördermittel der Länder- und des Bundes

 


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Prof. Dr. Gerd Brucker:

Öko -Energiepioniere und ihre globale Relevanz
Wasser - ein Pfarrer steigt um

Als Pfarrer Eckert aus dem praktischen Entwicklungsdienst in die Heimat zurückgekehrt war, hatte er neue Dimensionen für das Leben in der verschwendungsorientierten Bundesrepublik gewonnen. Er kaufte eine alte Mühle in Honau an der Echaz samt der jahrhunderte alten Wasserrechte und setzte das fast sechzig Jahre alte Turbinenwerk wieder in Gang, renovierte die Mühlkanäle und kleinen Wehranlagen. Die Echaz unterliegt seither seiner strengen ökologischen Kontrolle, damit die Wasserlebensgemeinschaften bei der Wasserabzweigung zur Stromgewinnung keinen Schaden nehmen. Die Mühle wurde zu einem attraktiven Domizil umgebaut und der erzeugte Überschußstrom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Bei geringerem Wasserstand kommt es hin und wieder schon einmal vor, daß etwas Energie aus dem öffentlichen Netz bezogen werden muß. Dann hat die Familie allerdings den dreifachen Preis dessen aufzubringen, den sie selbst als Energielieferant bei der Einspeisung ins Netz vom Energieversorgungsunternehmen bekommt. Dennoch lohnt sich der monatliche Zuverdienst durch die Stromerzeugung. Zwei bis drei Meter Gefällhöhe mehr und der Zuverdienst würde den Erstberuf - rein rechnerisch als Broterwerb gesehen - ersetzen können. Pfarrer Eckert nahm eine, historisch besehen, ruhmvolle Arbeit wieder auf, denn das Dorf Honau am Albaufstieg in der Nähe des Lichtensteins, war wohl das erste deutsche Dorf, das ab 1884 mit elektrischer Beleuchtung aus der örtlichen Wasserkrafterzeugung mit Hilfe von Kohlenfadenlampen beleuchtet worden ist. Erst 1982 wurden die Stromrechte und das Leitungsnetz an den nächsten Großkraftwerksbetreiber verkauft. Bis 1948 war der dezentrale Energieverbund mit den zwei nächsten Kleingemeinden ohne Anschluß an das Energienetz selbständig und produzierte umweltfreundlich, energieautark und krisenstabil selbst über beide Weltkriege hinweg eigenen Strom.

Im Zeichen der globalen Umweltverschmutzung und Klimakrise sind die kleinen Wasserwerke nun wieder im Kommen. Weit über 5000 Wasserpioniere wie Pfarrer Eckert wurden inzwischen zum Wirtschaftsfaktor. Kämen alle 30.000 hierzulande noch vorhandenen Wasserkraftanlagen mit durchschnittlich 50 Kilowatt Leistung wieder voll zum Einsatz, so könnte - trotz derzeitiger Energieverschwendung - sofort ein Kernkraftwerk abgeschaltet werden.

Welche Rolle Wasserkraftwerke bereits seit Jahren spielen, macht der vereidigte Kraftwerks-Sachverständige H. ROTH an Beispielen anschaulich: Bei Schäden an den Überlandleitungen sind Kleinanlagen in Bezirken Niederbayerns in der Lage, die Versorgung aufrecht zu erhalten. Viele Kleinanlagen sichern im Bayrischen Wald die Versorgung, da sie ohne Probleme Spitzenlasten abpuffern. Aus diesem Grund werden dort die Kleinwasseranlagenbetreiber mit den höchsten Vergütungen für die Netzeinspeisung in Deutschland bezahlt, nämlich mit 21 Pfennig pro Kilowattstunde. Ein Kleinwerk mit nur 50 kw Leistung kann in Ostbayern an einem Bach rund DM 27. 000 an Erlösen pro Jahr einbringen. Im industrialisierten Flachland der Augsburger Elektrizitätswerke kämen aufrund der niedrigen Vergütung nur DM 20.000 zusammen. Aber diese würde selbst bei einem eventuell notwendigen zehn- bis zwölffachen Kapitaleinsatz zur Renovierung alter, verfallener Wasserwerke für private Stromerzeuger eine noch erträgliche Verzinsung ermöglichen. Und so meldet auch der Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke geradezu eine Grüne Welle für Kleinwasserkraftwerke; die Verbandszeitschrift ,Das Wassertriebwerk" enthält neben Angeboten auch eine Menge an Nachfragen nach Kleinanlagen. Aber auch Behörden und Verwaltungen werden zunehmend auf vorhandene Potentiale für die saubere Energieerzeugung aufmerksam. So ließ beispielsweise die Landwirtschaftskammer Westfalen - Lippe eine kleine Mühle mit einer 9kW- Turbine wieder erneuern. Der erzeugte Strom treibt eine Wärmepumpe mit 27kW Heizleistung für 230 m2 Wohnraum und liefert Warmwasser. Zur Netzeinspeisung bleiben trotzdem noch 30.000 kWh jährlich übrig. Aufgrund des erfolgreichen Projekts ermittelten die engagierten Mitarbeiter weitere 850 alte Wasserkraftanlagen mit einem nutzbaren Potential von rund 100 Megawatt, die gesamte kinetische Energie verspricht noch einmal 190 Megawatt sauberer Energie in ihrem Bezirk.

Globale Energiebilanzen lassen erkennen, daß das vorhandene Wasserkraftpotential zur Zeit nur zu ca. 10% für die Stromerzeugung ausgschöpft wird. Die Leistung reicht von einigen 10 kW-Einheiten von Bächen bis zu 12.600 Mega- Watt- Einheiten im Itaipu- Kraftwerk in Brasilien. [...Das Kraftwerk in Brasilien] macht jedoch deutlich, daß die Eingriffe bei zentralen Wassergroßkraftwerken nicht reparable ökologische und sozialpolitische Schäden verursachen können. Die Ökologie der Kleingewässer, die Vernichtung ganzer ÖkosystemteiIe müssen deshalb stets in die Planung miteinbezogen werden. Daß hierin Ökologie- und Bürgerbewegungen ein kritischeres und verantwortungsbereiteres Bewußtsein besitzen und durchzusetzen vermögen, zeigen die erfolgreichen Bemühungen und Aktionen zum Schutz der Donau- Auen bei Hamburg in Österreich. Die slowakischen und ungarischen Natur- und Umweltschutzorganisationen versuchen auch im Rahmen des neuen Demokratiebewußtseins - so wie sie dies auch unter den alten Regimen versucht haben - die letzen Urwälder Europas in den Auenlandschaften der Donau ihrer Region zu retten, indem sie Groß- Stau-Wasserkraftwerke in den alten Auenwaldregionen verhindern. Ähnliches versuchen kanadische Indianer, deren Urlandschaften ebenfalls bedroht werden. Es wird deutlich, daß trotz aller vorhandenen Wasserpotentiale viele dezentrale und ökologiebezogene kleinere Kraftwerksanlagen vor den zentralen umweltzerstörenden Großbauprojekten Vorrang haben müssen. Und hierin bleibt Pfarrer Eckert mit seinem stets sorgsam auf die Ökologie des Flüßchens Echaz bezogenen Engagement Vorbild und Weggenosse aller verantwortungsvollen Stromerzeuger.

Das weltweit vorhandene wirtschaftliche Potential zur Stromerzeugung aus Wasserkraft wird auf 20.000 Mrd Kilowattstunden pro Jahr geschätzt (kWh/a). Dies entspricht 20% der Stromerzeugung. Durchschnittlich sind in Europa 33%, in Nordamerika 18% und auf den anderen Kontinenten weniger als 5% dieses Potentials ausgeschöpft. Das höchste nutzbare Potential haben Asien mit 5.300, Südamerika mit 3.300, Afrika und Nordamerika mit je 3.100 und Europa mit 1.400 Mrd kWh/a.

Die Informationen von Prof. Dr. Gerd Brucker, sind mit freundlicher Genehmigung des Autors entnommen aus:

Ökologie und Umweltschutz, Ein Aktionsbuch,
ISBN 3-494-01199-0

 

Beitragssammlung zu diesem Themenbereich:
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Förderprogramme zur Förderung von Anlagen zur Nutzung
regenerativer Energien bzw. zur Einsparung konventioneller Energieträger:

 
siehe hierzu auch

Das fünfte Rahmenprogramm der EU für Forschung und Technik
Das sechste Rahmenprogramm der EU für Forschung und Technik

 

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