Energie- und Kommunikationstechnik

 

Solartechnologie III

 
Technologien zur regenerativen Energiegewinnung

und deren Förderung durch
Fördermittel der Länder- und des Bundes

 


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Dr. Hermann Scheer

Photovoltaik:
,,Dampfmaschine" der solaren industriellen Revolution

Die von subventionsberater.de gekürzte Fassung der Eröffnungsrede von Hermann Scheer, Vorsitzender der 16. Europäischen Photovoltaik-Konferenz in Glasgow (15. Mai 2000), Präsident von EUROSOLAR, (http://www.eurosolar.org),   Mitglied des Deutschen Bundestags zur Initiierung der ,,Einführung Erneuerbarer Energien".

[...] Die Nutzung von Solarenergie aus Photovoltaik wird zum wichtigsten Träger des zukünftigen globalen Energiesystems, vielleicht überhaupt zur sinnvollsten Art der Energienutzung. Bis jetzt ist sie wohl der teuerste Weg zur Energiegewinnung. 

Sonnenenergie - Photovoltaik - Solarzellen

Die Gewinnung von elektrischer Energie mittels fossiler oder atomarer Brennstoffe per Dampfturbine und Magnetgenerator ist nicht nur veraltet und gefährlich, weil umwelt- und gesundheitsschädigend, sondern auch begrenzt, da sein Wärmelieferant auf der Erde nicht unbegrenzt vorhanden ist. Anderst bei Strom und auch Wärme aus der Sonne. Zu den Funktionsprinzipien - Problemen - Lösungswegen dieser neuen Technologie folgen Beiträge von Autoren, die sich intensiv mit dieser Materie auseinandersetzen.

Ergänzende Informationen zur Solartechnologie und deren wirtschaftliche Förderung finden Sie auch unter

http://www.solarfoerderung.de

[...] Meiner Meinung nach ist Photovoltaik aufgrund ihrer zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten die intelligenteste Energietechnologie. [...]

[... N]eues Denken in bezug auf Energie ist angesagt. Wir dürfen Energie nicht weiterhin auf konventionelle Art gewinnen und verbrauchen. Die PV- Industrie benötigt viel Unterstützung von außen , von außerhalb des herkömmlichen Energiesektors. Die Förderung der PV erfordert neue Wirtschaftlichkeitsberechnungen und neue Strukturen der Energieverfügbarkeit.

[...] Im allgemeinen ist der Kernpunkt bei Diskussionen über Energie der grundlegende ökologische Unterschied zwischen konventionellen und erneuerbaren Energiequellen. Im Laufe der nächsten Jahre wird ein weiterer wichtiger Unterschied sehr viel mehr an Aufmerksamkeit gewinnen: die begrenzte Verfügbarkeit der herkömmlichen Energiequellen, vor allem von Erdöl.

[...] Hier gibt es viele pessimistische Ansichten, die den langsamen und geringen Fortschritt bei der Einführung Erneuerbarer Energien angesichts des schnell ansteigenden Energiebedarfs der Menschheit hervorheben - ein Grund für die vielen Zweifel daran, daß die Menschheit weltweit die im Klimaprotokoll von Kyoto für 2010 festgelegten Ziele erreichen kann, bzw. daran, dass die EU bis zum Jahr 2010 ihr Ziel einer Verdoppelung des Beitrags der Erneuerbaren Energien von 6% auf 12% erreichen wird. Sämtliche ,Business-as-usual" Voraussagen werden jedoch nur dann Wirklichkeit, wenn es keine alternativen Initiativen gibt. Dieses alternative Engagement für Erneuerbare Energien ist noch immer zu schwach.

In Politik und Wirtschaft gibt es nicht genügend Taten. Daraus resultieren Zweifel am Können und der Glaubwürdigkeit der Entscheidungsträger. Viele Programme für Erneuerbare Energien wurden mit viel Tamtam angekündigt und nie in Kraft gesetzt, wie z.B. das Eine - Million - Dächer - Programm in den USA und das von der italienischen Regierung angekündigte 10.000 - Dächer - Programm. Das gibt dem pessimistischen Blick in die Zukunft Auftrieb.

Der optimistische Blick in die Zukunft gründet auf dem riesigen Potential der Sonnenenergie und dem Fortschritt in der diesbezüglichen technischen Entwicklung. Die Bandbreite reicht von Szenarien z.B. mit 100% Energieversorgung durch Erneuerbare - in einer Studie der französischen Groupe de Bellevue, in einer neueren Studie des Wuppertal-Instituts und in meinem Buch ,,Sonnenstrategie" - bis hin zu 50% - Szenarien bis zum Jahr 2050, z.B in Studien von Shell und BP.

[...] Es gibt zwei entscheidende Vorteile, überall und für jedermann: Solarenergie ist emissionsfrei und unbegrenzt verfügbar.

[...] Welcher Weg aber ist der richtige? [...] Der größte Denkfehler liegt darin, dass versucht wird, den Energiebedarf mit Energien auf dieselbe Weise wie mit den herkömmlichen Energien zu decken. Man versucht dabei, die jeweiligen herkömmlichen Energieangebote den Angeboten der Erneuerbaren Energie gleichzustellen, um so die herkömmliche Stromversorgung und Heizung und die herkömmlichen Brennstoffe jeweils aus Erneuerbaren Energien zu ersetzen. Dabei wird vorausgesetzt, dass Energiequellen kommen und gehen, die Strukturen des ökonomischen Energiesektors jedoch bleiben, zumindest in modifizierter Form.

[...] Und diese beschränkte Auffassung führt zu beschränkten Konzepten und Strategien. Dies führt zu einer Unterschätzung der Alternative und zu irreführenden Wirtschaftlichkeitsberechnungen.

Dies ist nur durch den dritten wichtigen Unterschied zwischen den herkömmlichen Energien, Großwasserkraft inbegriffen, und den Erneuerbaren Energien zu verdeutlichen.

Herkömmliche Energien haben eine sehr lange Liefer- und Verteilungskette: je mehr regionale herkömmliche Energiequellen erschöpft sind, desto länger wird die Kette von den wenigen Öl- und Gasfeldern, den Abbaustätten von Kohle und Uran, zu den Orten, wo die Menschen leben, arbeiten und Energie verbrauchen. Letztendlich ist diese konventionelle Energiekette weltweit die Regel geworden. Sie besteht aus 10 bis 20 Gliedern, von den Bohrtürmen über Transport, Lagerstätten, Umwandlung in Raffinerien und Kraftwerken bis hin zum Abfallmanagement und der Verteilung an alle Verbraucher.

Energie wird immer dezentral verbraucht. Die Versorgung mit herkömmlichen Energien ist von der Quelle an zentralisiert. Das globale Energiewirtschaftssystem ist mit seiner Infrastruktur und seinen transnationalen Unternehmen maßgeschneidert für die Nutzung herkömmlicher Energiequellen. Ohne die fossilen Energiequellen wäre es nie in seiner jetzigen Form entstanden. Wegen dieser Quellen ist es ein zusammenhängendes und ineinandergreifendes System und bildet die Grundlage für die heutige Energiewirtschaft, für deren Kategorien und Instrumente. Es hat seine eigenen Regeln bezüglich der Energieeffizienz und Produktivität.

Wären in der Vergangenheit Weichen zugunsten der Erneuerbaren Energien gestellt worden, gäbe es heute ein völlig anderes Energiesystem. Die Natur liefert uns überall Erneuerbare Energien, in unterschiedlichen Formen: in manchen Ländern gibt es mehr Sonnenstrahlung, in anderen mehr Wind, wieder andere haben mehr fließende Gewässer und manche haben bessere Bodenbedingungen für den Anbau von Biomasse für Energie.

Wird diese erneuerbare Primärenergie direkt genutzt oder in eine andere Energieform umgewandelt, so wird dabei immer weniger die herkömmliche, transnationale Energieversorgung gebraucht, je mehr Erneuerbare Energien eingeführt werden. Die Erneuerbaren Energien können und müssen die Energiestrukturen verändern, weg von der heutigen räumlichen Trennung von Energieerzeugung und Energieverbrauch - das Erneuerbare Energiesystern bringt beides wieder zusammen.

Die inhärente wirtschaftliche Logik des herkömmlichen Energiesystems besteht darin, die Energie - Infrastruktur im festen Griff einiger weniger zu belassen. Die inhärente Logik der Erneuerbaren Energien besteht in der Überwindung der heute nötigen Energie - Infrastrukturen, sie werden überflüssig. Die herkömmliche Primärenergie wird ersetzt durch Umwandlungstechnologien für Erneuerbare Energiequellen.

Eine augenfällige Möglichkeit ist dabei die Photovoltaik, weil sie kompromisslos ist: die Photonen kommen beim PV-Modul an und Elektronen verlassen es. So einfach ist das. Wenn dann noch Speichertechnik hinzukommt, sind der Anwendung keine Grenzen mehr gesetzt. Und das wird ganz bestimmt geschehen.

Die Nutzung der Solarenergie verursacht nur Kosten für die Technik und die Arbeitskräfte. Das Erneuerbare- Energie- Systern, auf das wir zusteuern, hat immer weniger miteinander verbundene Infrastrukturen. Es stellt nicht nur eine Herausforderung für den derzeitigen Energiesektor in der Gesamtwirtschaft dar, sondern bietet völlig neue Chancen für alle in diesem Bereich tätigen Industrien: Motoren- und Glasindustrie, Elektronikindustrie und Informationstechnologie.

[...] Für die Mobilisierung den Industrie gab es erschreckend wenig staatliche Programme. Das erste Förderprogramm, mit dem Ziel der Nutzung von PV für die Telekommunikation der US Army, das Ende der 70er Jahre anlaufen sollte, wurde in letzten Minute blockiert. Der zweite Versuch startete vor vier Jahren in Japan: bis zum Jahr 2010 sind dort 5 Gigawatt geplant. Der dritte Versuch läuft in Deutschland, mit dem 100.000-Dächer- Programm, das nun durch die Einführung des Erneuerbaren - Energien - Gesetzes sekundiert wird. Die möglichen Auswirkungen derartiger Gesetze zeigen sich an unserem Einspeisegesetz für Enneuerbare Energien, das innerhalb von sieben Jahren die Einführung von 4.500 MW Windkraft ermöglichte. Das ist ein Drittel der Installationen weltweit.

Dieses Gesetz muss andere zur Nachahmung anregen. Wenn Deutschland mit seinen besonderen und hohen Einspeisetarifen für Strom aus Photovoltaik in den nationalen Strom - Mix allein bleibt, wird sich die ganze Industrie einseitig entwickeln.

[...] Damit allerdings die Photovoltaik mobilisiert wird, bedarf es einer zweigleisigen Strategie. Die Zukunft der Photovoltaik liegt nicht nur in der Erstellung von PV - Anlagen für den allgemeinen Strombedarf anderer. ,,Solar home systems" in ländlichen Gegenden der Dritten Welt sind eine Musterbeispiel für PV - Anwendungen im allgemeinen, haben jedoch ein besonderes Anwendungsgebiet.

PV ist darüberhinaus eine einzigartige Chance, die Stromerzeugung in alle neu zu errichtenden Gebäude und, noch wichtigen, in möglichst viele elektrische und elektronische Geräte zu integrieren, einschließlich den Kommunikationsgeräte. Das reale Potential dieses zweiten Gleises wird selbst in den Diskussionen von Photovoltaikexperten grob unterschätzt. Eine Studie des deutschen Bundesumweltamts besagt, dass 20.000 MW des bundesweiten Stromverbrauchs von insgesamt 100.000 MW für die der verschiedenen stand - by - Geräte bereitgestellt werden.

Je effizienter all diese Geräte werden, desto eher wird es möglich, diesen gesamten Strom durch Strom aus PV zu ersetzen. Durch Photovoltaik können sie wesentlich effizienter werden. Dies ist eine Herausforderung für die Elektrogeräteindustrie, die diese bisher nur bruchstückhaft wahrgenommen hat.

Die Integration von PV in Handys oder Laptops ist keine Frage der Kosten pro kWh, sondern macht diese Geräte attraktiver und einfacher zu handhaben. Es ist keine Frage öffentlicher Förderprogramme sondern es geht hier um die Kreativität von Industriedesignern. Fährt man auf diesem zweiten Gleis, so braucht kein Strom mehr durch Netze und Kabel geliefert zu werden.

[...] Der [derzeit noch immer in Großkraftwerken dampfturbinenbetriebene] Strom[gewinnungs]sektor repräsentiert [.] eine Technologie des 18. Jahrhunderts.

[...] Der Weg zur Produktivität der Solarenengie heißt: Vermeidung der Kosten für die herkömmliche Energieversorgung. Nur 20% - 30% aller Stromkosten gehen in die Stromerzeugung: 70% - 80% sind Kosten für Transport, Lieferung und Verteilung.

Immer mehr dieser herkömmlichen Kosten können vermieden werden, wenn Solarenergie - Anwendungen entwickelt und eingeführt wenden. Mehr als jede andere Umwandlungstechnologie für Erneuerbare Energien bietet PV die Chance, sämtliche Kosten vor und nach der direkten Energieumwandlung zu vermeiden.

Die Zukunft der Photovoltaik liegt nicht in deren Integration in den konventionellen Energiesektor, sondern darin, auf diesen Sektor mit all seinen Zusatz- und Begleitkosten immer weitergehend zu verzichten. [...]

Diese Informationen sind mit freundlicher Genehmigung des Autors entnommen aus:

Dr. Hermann Scheer, in Solarzeitalter, 12.Jahrgang Heft 2, 2000
inter_office@eurosolar.org

 

Beitragssammlung zu diesem Themenbereich:
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Förderprogramme zur Förderung von Anlagen zur Nutzung
regenerativer Energien bzw. zur Einsparung konventioneller Energieträger:

 
siehe hierzu auch

Das fünfte Rahmenprogramm der EU für Forschung und Technik
Das sechste Rahmenprogramm der EU für Forschung und Technik

 

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