| L o b b y i n g
= Beeinflussung der Förderpolitik durch
die verschiedensten Interessengruppen
Wenn Länder, Regionen, Unternehmen und
deren Verbände, Gewerkschaften und sonstige (politik-) beratende Interessengruppen versuchen,
durch Informationszuspielung u.a. gezielt auf Rechtssetzungs-, und
Verwaltungsverfahren Einfluss zu nehmen, nennt man das <Lobbyismus>.
Über Lobbying auf
europäischer Ebene wird viel
gesprochen. Von der Beeinflussung der Europaparlamentarier in Strasbourg
bis zum Mittagessen mit den Kommissionsbeamten in der Nähe der Rue de la
Loi in Brüssel ist dabei oft die Rede. Weit über 1000 sog. Lobby-,
Verbindungs- und Vertretungsbüros haben sich bisher allein in und um
Brüssel angesiedelt. Tendenz steigend. Auch in Suiten von naheliegenden
Hotels soll es sog. politikberatende "Hinterzimmer
der Macht" geben. Die
offiziellen Lobbybüros bestehen tatsächlich teilweise
aus einem Postfach, verbunden mit einem Drehstuhl in einem Gemeinschaftsbüro. Die
attraktiven, jungen Mitarbeiter/-innen der Lobbybüros
in Brüssel sind Experten in der Auswertung der offiziellen Mitteilungen und Vorschläge der Europäischen
Kommission. Eben diese Dokumente werden fleißig zitiert, interpretiert
und für die eigene Interessengruppe
aufbereitet bzw. in eigenen Medien (newsletter, Förderbriefe,
Verbandsnachrichten) weitergeleitet. Weiter haben die Mitarbeiter/-innen
der Lobbybüros die Aufgabe, Besucher (-gruppen) und einzelne Personen
der Wichtigkeit mit ihren Belangen persönlich in Brüssel zu empfangen und durch die
Europäischen Institutionen zu führen.
Der einzelne Fördermittelantragsteller interessiert sich
jedoch weniger für die Beeinflussung der großen Europa-Politik, als
vielmehr dafür, wer seinen konkreten Projektvorschlag nach welchen
Kriterien entscheidet.
Wer sind also die Leute, die EU-Förderprogramme initiieren und
die europäischen Förderstrategien weit entfernt von Brüssel in die Praxis umsetzen
? Wo sitzen die Leute, die über die Bewilligung der Mittel für Ihr
konkretes Projekt entscheiden ? Ganz bestimmt nicht in einem Lobbybüro
und vielfach nicht einmal in Brüssel, Luxemboug oder Strasbourg. Nicht
die einzelnen Parlamentarier oder gar die Exekutivspitzen in Brüssel,
Bonn oder in den Landeshauptstädten entscheiden über den EU-Mittelfluss
an einzelne Projekte, sondern
ad hoc zusammengestellte Gutachter-, Planungs- bzw. Expertenausschüsse.
Zwei Drittel aller EU-Förderprogramme werden auf nationaler Ebene
administriert - entweder durch spezielle Nationale Agenturen,
Unterstützungs-, Programmumsetzungsstellen oder durch die Ministerien
der Länder und des Bundes. Die
EU-Fördermittelanträge werden bei einem Referat der Europäischen
Kommission, bei einer Agentur auf nationaler Ebene oder beim örtlich zuständigen Landes-Staats-,
-Wirtschafts-, -Sozial-, -Arbeits- oder -Umweltministerium eingereicht.
Einzelprojektlobbying
findet also am effektivsten "vor Ort" und direkt bei den
Ausschussmitgliedern statt.
Die beste Lobby sollte ein innovatives, europäisches, kooperatives,
nicht kommerzielles, konzeptionell ehrlich-neues, nachhaltiges, umweltgerechtes,
menschen- und tierfreundliches, nicht technologieüberfrachtetes, machbares Vorhaben von Bestand sein !
Leider ist es nicht immer so. Es menschelt überall, unten wie oben.
Unabhängig davon, ob sich die Antrags-(bewilligungs-)stelle in
Deutschland, Brüssel oder Luxembourg befindet, entscheidet über die
Bewilligung oder Ablehnung eines EU-Förderprojekts also nicht
willkürlich eine Einzelperson, sondern mehrere
Leute, die einen Ausschuss bilden. Die Ausschussmitglieder werden im Vorfeld einer Programmausschreibung gezielt
durch öffentliche Ausschreibung gerufen ("call
for experts"). Die Sachverständigen müssen i.d.R. einen
Hochschulabschluss und im zu bewertenden Fachbereich eine langjährige
Beruferfahrung / Kompetenz nachweisen. Die Arbeitszeit- und Reisekosten
der ausgewählten Experten werden von der Kommission entsprechend
honoriert. Nach Programmablauf wird die Namenliste der eingesetzten
Experten im Amtsblatt der EG bekannt gegeben oder diese können zumindest
erfragt werden. Die Ausschussmitglieder müssen sich bei der
Projektbeurteilung an fest vorgeschriebene Kriterien halten.
Die Adressen der in
Brüssel gelisteten Interessenverbände erhalten Sie auf
dem <Europaserver>
.
Das Generalsekretariat der Europäische
Kommission hat wohlweislich folgende Verhaltensregeln für Lobbyeinrichtungen ... zur
Wahrnehmung ihrer Interessen aufgestellt:
Zitatanfang: "The Commission has always been an
institution open to input from special interest groups. The Commission
believes this process to be fundamental to the development of sound and
workable policies. This dialogue has proved valuable to both the
Commission and to interested outside parties. The Commission
acknowledges the need for such outside input, welcomes it and intends to
build further on this practice in future. To this end the Commission is
taking a series of measures intended to br oaden participation in the
preparation of its decisions.
In the context of this wider dialogue, the Commission believes that
there should be a broad understanding with special interest groups on
some basic rules of conduct. Over the course of many years, both have
followed principles of conduct which the Commission would like to see
the special interest groups continue to adhere to.
The Commission feels that special interest groups are best placed to
establish and enforce codes of conduct. The Commission therefore invites
the sectors concerned to draw up such codes, which should include the
following minimum requirements.
1. Public presentation
Special interest groups should not misrepresent themselves to the public
by the use of any title, logo, symbol or form of words (particularly
those employed by the Commission) designed either to lend false
authority to the representative or to mislead clients and/or officials
as to his or her status.
2. Behaviour
Special interest groups should behave at all times in accordance with
the highest possible professional standards. Honesty and competence in
all dealings with the Commission are specifically viewed as being of the
greatest importance. Special interest groups should avoid working in
situations where a conflict of interests is either inevitable or likely
to arise. The representative should declare the name of the client for
whom he or she is working each time he or she consults the Commission.
In any communication with the Commission (either written and/or oral),
the representative should declare all previous contact he or she has had
with other representatives of the Commission regarding the same or a
related subject. Special interest groups should neither employ,
nor seek to employ, officials who are working for the Commission. Nor
should they offer any form of inducement to Commission officials in
order to obtain information or to receive privileged treatment.
3. Dissemination of Commission information
Special interest groups should not disseminate misleading information.
Special interest groups should not obtain information by dishonest means.
Special interest groups should not seek to trade copies of Commission
documents for profit.
4. Organizations
The establishment of one or more organizations, through which special
interest groups would communicate with the Commission, would be welcomed.
Such an organization should be open to all representatives of special
interest groups and it is therefore hoped that an individual firm's
subscription can be in proportion to its relative size." Zitatende aus
http://europa.eu.int/~annexe1_en.htm
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