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F u n d r a i s i n g
= Suche nach (privat) wirtschaftlichen Geldgebern / Spendern
Fundraising gehört thematisch eigentlich nicht in ein Fachwörterbuch der EU-Fördermittel, wird hier jedoch der Vollständigkeit halber mit aufgeführt, weil viele Geldgebersuchende neben öffentlichen Finanzierungsquellen auch private Geldgeber aufsuchen. Mit dem Begriff Fundraising werden eine ganze Reihe von subtilen, werbemäßig inzwischen raffiniert-ausgeklügelten Finanzierungsstrategien beschrieben, denen sich ganz massiv Vereine und Stiftungen im Kinder-, Natur-, oder Tierschutzbereich bedienen. Vom konzeptionellen Fundraising
einer NGO
wissen die Heerscharen idealistischer Helfer, die ihr know-how zum
Nulltarif abgeben oder denen wir in der
Fußgängerzone, an Infoständen, beim ehrenamtlichen Stallausmisten auf
dem Gnadenhof oder auch direkt an der Wohnungstür begegnen
nicht allzu viel. Die Entwicklung von Fundraising-Konzepten zur
Mittelbeschaffung
ist Chefsache, bei Vereinen dem Vorstand und einem engem Kreis vorbehalten.
Schaut man bei gemeinnützigen vereinen hinter die Kulissen - was gar
nicht so einfach ist, dann entpuppen sich Klüngel und konkrete familiäre
Verwandschaftsverhältnisse zwischen Vorstand, Rechnungsprüfer,
Geschäftsprüfer und Angestellten. Wie viel die einzelnen "Aktiven"
verdienen, kann nur mit viel Phantasie aus den geschönten
Geschäftsberichten herausinterpretiert werden. Selbst für zahlungskräftige Fördermitglieder gibt es innerhalb der
Vereine und Stiftungen nur schwer durchsetzbare Einsicht- und Einflussmöglichkeiten. Ist der
Spendensammler nicht zertifiziert, findet de facto keinerlei <Mittelverwendungsnachweiskontrolle>
statt. Geschäftsberichte sind kurz gefasste, oberflächliche
Selbstdarstellungen. Eine qualifizierte <Evaluierung>
durchgeführter Aktionen,
ja selbst eine einfache Überprüfung der Effektivität der Maßnahmen unterbleibt.
Professionelle Fundraiser versuchen gezielt, bei privaten Unternehmen (durch
Anbieten von Marketingaktionen)
und bei Privatpersonen (durch emotional aufgeladene Bittstellerbriefe;
Rundmails)
Gelder für einen guten Zweck zu erhalten.
Die
NGOs stehen dabei vielfach untereinander insgeheim in Konkurrenz;
wie übliche Akteure des Wirtschaftslebens. Da der professionelle
Fundraiser seinen Lebensunterhalt aus den Mitteln finanziert, die er
einsammelt, steht er von Anbeginn an in einem Interessen- und
Glaubwürdigkeitskonflikt. Fundraisingaktionen verbrauchen im
Durchschnitt nicht selten ein Drittel der eingeworbenen Spenden für die
Personalkosten. Die tatsächlichen Personalkosten eines Tierschutzvereins
verschlingen nicht selten zwei Drittel des gesamten Spendenaufkommens. Im Rahmen einer Fundraising-Strategie gilt
es zunächst einmal, mit öffentlichkeitswirksamen und spektakulären Aktionen
Aufmerksamkeit, Anteilnahme und spontanes Mitgefühl zu wecken. Die
mildtätige Gabe entspringt meist aus einer Emotion des Augenblicks, der
momentanen Betroffenheit aufgrund der Betrachtung von schockierenden
Bildern oder Filmen. Zentrales
Element einer Fundraising-Strategie ist die Formulierung einer Vision
und Mission, denn sensible junge, gutgläubige, aber auch alte und vor
allem leidgeprüfte, einsame und kranke Menschen, also die klassischen Spender, wollen schließlich in dem Bewusstsein geben, sich mit ihrem
Geld an
einer guten, großen, wichtigen Sache zu beteiligen - zum Beispiel
unschuldige Tiere oder Kinder retten. Emotionen spielen die maßgebliche
Rolle. Die Bilder im Fundraising müssen den Betrachter schockieren (abgemagerte
Kinder, gequälte Katzen,
Versuchskaninchen, ...), aber sollten auch so formuliert sein, dass sich
der Geldgeber sicher und wohl fühlt - ganz im Sinne "Wir sind die Guten"
oder "Geben ist seeliger als Nehmen." Die Katastrophe, die Armut, die Qual, das Leid,
die Naturzerstörung, die Ausbeutung oder die Misshandlung von
unschuldigen, bei jedermann beliebten Geschöpfen (Kind, Bär, Affe, Kaninchen, Hund)
sollte irgendwo weit weg sein (außerhalb der Region oder des
Einflussbereichs der Spender).
Die schrecklichen Bilder und Filme im Rahmen von Natur-, Tier- und
Kinderschutzkampagnen gehen erfahrungsgemäß wie Lauffeuer durch
die Natur-, Kinder- und Tierschutzszene und die gesamte Tagespresse. Warum
verbreiten sich Schockbilder eigentlich so rasant?
Weil Feindseligkeit immer gut ankommt? Weil Missstände, Gewalt, "böse"
Nachbarn und Katastrophen von je her unterhaltsamer sind als
Positivbeispiele? Weil die Tantiemen und Honorare für den Urheber an
Auflagehöhe und Verbreitung geknüpft sind? Weil mit Leidensbildern
besser Spenden zu sammeln ist? Schockbilder werden so
zum bloßen Instrument des Fundraising. Rationale Diskussionen über
Lösungsmöglichkeiten sind nicht gewollt. Kompromisse undenkbar. Die
Tatbereitschaft und Eigeninitiative soll sich aufs Spenden konzentrieren.
Als einzig angebotene Hoffnung und Lösung für den schockierten, seelisch
zutiefst verletzten, laienhaften und dadurch zudem handlungsunfähigen Betrachter
bleibt nur gut finanzierter Widerstand, also braucht es Geld, viel Geld,
um den Kampf gegen das "BÖSE" fortzuführen. Man gibt sich gekonnt
bescheiden "Schon ein Euro hilft ..." Als
Aushängeschilder für die hoch stilisierte oder in Aussicht gestellte
Lösung zur Minderung der Katastrophe, der
Armut, der Qual, des Leids, der Naturzerstörung, der Ausbeutung oder der
Misshandlung Schutzbefohlener bieten Prominente oder Honoratioren gerne
ihr Konterfei an. Da wäscht dann eine Hand die andere - die einen
bekommen Publizität, die anderen bekommen mehr Gewicht und "Seriösität"
in der Öffentlichkeit. Jedes <Werbemittel>
heiligt bei diesem Deal anscheinend den Spendenzweck, um einerseits im Gespräch zu
bleiben und andererseits über Journalisten als fachlich ahnungslose Handlanger
in die Medien zu kommen. Bei den Promis liegt auch der Schlüssel für heikle
Fundraising-Aktivitäten,
wie zum Beispiel der Frage nach Erbschaften oder die Übertragung brach
liegender Vermögenswerte. Institutionalisierte NGOs haben hierfür vorgefertigte
Schenkungs- und Testamentsformulare immer griffbereit. Um Förderer in mildtätiger Geberstimmung zu halten bzw. dieselben zudem
auch noch gleich als Multiplikatoren der Öffentlichkeitsarbeit zu
nutzen, wird bei einigen
Organisationen mit Papier,
Werbekrimskrams und allerlei Nippes nicht gespart.
Es
erscheint wahnwitzig und irrsinnig, wenn einerseits der Niedergang der
Natur und der Schutzräume von Wildtieren beklagt wird und dieselben Natur- und Tierschutzstiftungen
Hunderttausende von Hochglanzkalendern als Werbematerial drucken lassen.
Aus was wird
eigentlich Papier hergestellt und wie wird Papierpost transportiert?
Soll ich meine Verantwortung für den Schutz der
Natur einem verblichenen Herrn aus der Oberschicht überlassen, der mit seinem
Super-Objektiv
(zu damaliger Zeit für Otto-Normalbürger unerschwinglich)
die unberührten Dschungelgebiete auf der ganzen Welt heimsuchte? Und
heute heißt es bei der Stiftung, die mit seinem Namen Geld sammelt... "Mit
Ihrer Spende von 20 Euro, 50 Euro oder vielleicht sogar mehr, liebe Frau
...., setzen Sie ein Zeichen und bewirken Gutes ...
Obwohl der Ablasshandel im
solchermaßen missbrauchten Umwelt-, Natur und Tierschutz nach wie vor
boomt, ist Fundraising heutzutage nicht mehr so einfach. Manche Spender sind
nachdenklich geworden und fragen nach der tatsächlichen Verwendung der
Mittel. Manch ein Spender realisiert, dass sich am Leid
der Tiere, am Notzustand der Natur, dem Aussterben bedrohter Tierarten
oder mit dem Abholzen von Wildnis grundlegend nichts
ändert. Und mancher stellt überrascht fest, dass eigen´s entwickelte Aktivitäten
im persönlichen Lebensumfeld
und vor allem die eigene bescheidene, sparsame Lebensweise eine
viel größere und
tatsächlich nachvollziehbare positive Wirkung für den Schutz der Natur
und Tiere "vor Ort" haben. Um in die Presse zu kommen, warten dagegen junge, professionelle Spendensammler mit spektakulären Demo-Aktionen auf ... das Ganze spielt in unseren heillos übervölkerten Großstädten oder auf touristisch interessanten Plätzen mit unternehmungslustigen Pubertierenden ... notfalls mit zeigefreudigen, sexy Stars ... wie gesagt, es geht um die Verbreitung der Marke (Logo) durch Förderung publikumswirksamer Veranstaltungen. Ein paar Hundert oder Tausend Leute zusammen zu bringen ist so ganz leicht. Denn, was bietet die Stadt den Jungen, die fürs Indoor-Spieleland schon zu groß sind, als Freizeitattraktion? Sex in the City, Demos, Festivals, Clubs, Schlemmen, Einkaufen, Konsumieren, künstliche Kultur, .... Unterschriftenlistenaktionen, Kettenmails, Petitionsaufrufe, "Info" Stände, Protestaktionen im Rahmen von Neuspenderwerbung und Marken-Etablierung von NGOs kommen doch da wie gerufen, oder?
Wer
spendet denn eigentlich für den GUTEN Tierschutzweck und warum?
Hierzu ein Beispiel: Am Küchentisch sitzt allein eine Frau und blickt nachdenklich in das "Rinnsal", die aktuelle Hochglanzvereinszeitschrift von PROAnimalisch, diesmal blicken ihr vom Cover mehr als 60 hungrige Hundeaugen flehend entgegen. "Ohne Ihre Hilfe, müssen diese Hunde sterben, heißt es neben dem Patenschaftsvertragsvordruck und dem Spendenkonto." Ein tiefer Schmerz jagt durch ihre Brust: "Die Menschen, die gehören statt dessen vergast!", denkt sie. Die in 50 Jahren krumm und buckelig geschaffte 70jährige Zeitungsausträgerin spendet noch immer jedes Jahr für ProAnimalisch, obwohl sie selbst zum Leben kaum mehr als 100 Euro im Monat übrig hat. Wegen der Herz ergreifenden, leidenden Augen der unschuldigen, geschändeten Tiere, dieser Gott verlassenen Tierseelen ..., aber vor allem wegen der wunderschön, idyllisch gelegenen Gnadenhöfe und Landhäuser, wo diese armen, verwaisten Tiere durch ihre Patenschaft leben dürfen. Die vom Verein zum Erwerb ausgesuchten Anwesen liegen z.B. in einem abgelegenen Tal im Nordschwarzwald, in der Toskana, in der Türkei und in Spanien - bevorzugt inmitten von Natur- und Landschaftsschutzgebieten. "Die tun konkret was", sagt die alte Städterin bewundernd. "Die retten einsame, heimatlose, hungrige, todgeweihte Hunde (auch sie hatte früher einen Fifi). Die kaufen die Tod Geweihten in der Türkei, in Spanien, Polen oder China. Die geben ein Zuhause, und zwar dort, wo es sich noch leben lässt - fernab von schlechter Luft, Lärm und aggressivem Gerenne. Sie selbst fühlt sich genauso armselig und verlassen wie die von den Tierrettern präsentierten Tiere. Sie fühlt sich gedemütigt vom fremdbestimmten Leben in der Großstadt, gefangen in ihrem Schicksal und geschlagen mit rücksichtslosen, unverschämt lauten, inzwischen fast nur noch ausländisch sprechenden Nachbarn. Ihre Hände sind abgeschafft, alle Knochen tun ihr weh. Die viel zu teure, renovierungsbedürftige Großstadtmietwohnung ist ihr einziger Zufluchtsort. Die Tierretter von ProAnimalisch könnten das ändern, fühlt sie (Denken hat ihr niemand beigebracht!). Ihre intrinsischen Wünsche hat ihr nie jemand bewusst gemacht. Aber sie fühlt eine tiefe Verbundenheit zu den Tierrettern. Persönlich hat sie noch nie einen kennen gelernt - wer tatsächlich bei diesem Verein angestellt ist, wie die Spendengelder verwendet werden, was in der Satzung steht, weiß sie nicht. Sie achtet nicht darauf, dass die Vorstands- und Beiratsposten seit 20 Jahren in ein und derselben, familiären Hand liegen. Die Privatadressen der Nutznießer sind geheim. Die Alte kann nicht sagen, wer, wie viele und vor allem mit was die Vereinsspitze beschäftigt ist. Und doch gehört die Alte durch ihre Mitgliedschaft und ihre laufenden Extra-Spenden zum PROAnimalisch-Club wie zu einer großen Familie. Alle duzen sich recht schnell (kostet den Spendensammler ja nix). Man tauscht tierfreundliche, gaaaaaaanz liebe Grüße aus. Jedes Schreiben an die Alte beginnt mit "Meine liebe, getreue Tierfreundin". Und heuchelt politische Hintergrundarbeit vor. Erst der letzten Vereinszeitschrift lag ein Petitionsschreiben an den Herrn Minister (MdL) bei, welches die Alte getreu unterschrieben und ausreichend frankiert abgesendet hat - worum es genau ging, weiß sie nicht mehr. Aber auf jeden Fall kann sie sich an die alte ausgezehrte Eselin in der Türkei erinnern, die als Arbeitssklavin missbraucht wurde und von den Tierrettern frei gekauft wurde. Die tun was - die retten Tiere, ProAnimalisch rettet so arme, gezeichnete Kreaturen wie sich die abgeschaffte alte Handarbeiterin unbewusst tief im Innern ihres Herzens fühlt. ProAnimalisch gibt leidenden Geschöpfen eine "Heimat" für den Rest ihres Lebens - ein Gnadenbrot. Die gebrechliche Rentnerin wird wohl nie dazu kommen, die Gnadenhöfe, Landhäuser und Höfe in Alleinlage selbst in Augenschein zu nehmen und die dort im exklusivst ausgestatteten Obergeschosse mitsamt der dort lebenden Leute persönlich kennen zu lernen. Die dumme Arbeiterin fragt nicht, warum die Vorsitzende von ProAnimalisch seit Jahrzehnten mit einer Hand voll Hunden und Pferden inmitten eines Landschaftsschutzgebiets wie eine Millionärin residiert, fremd- äh, vereinsfinanziert, sie selbst ihr Leben lang aber in der stinkenden, lauten Stadt in einer kleinen, schäbigen Wohnung zugebracht hat. Die dumme Arbeiterin fragt nicht, warum die Vorsitzende von ProAnimalisch so adrett und erholt ausschaut, nie schwer arbeiten musste, also ein schönes Landleben mit Tieren fernab der Städte hatte (ohne zur allgemeinen Lebensmittelgewinnung beitragen zu müssen!), ganz ohne die typisch harte bäuerliche Arbeit, die normalerweise damit verbunden ist. Die dumme, alte Arbeiterin wird sterben und ihre spärlichen Ersparnisse dem Tierschutz vermachen.
Die abgeschaffte, alte, ungebildete Arbeiterin hat ...
... aber sie hat daraus Nichts, rein gar nichts über wahren Natur- und Tierschutz gelernt. Gesamtzusammenhänge hat die Alte durch solches Tierschutzengagement nicht verstanden. Sie hat nichts gelernt über artgerechte Tierhaltung oder den rücksichtsvollen Umgang mit pflanzlichem und tierischem Leben. Nicht einmal Achtung für ihr eigenes Leben hat sie bekommen. Muss sie auch gar nicht, denn sie gehört nicht zu den sensiblen-idealistischen intelligenten Input-Gebern, die sich Vereinseliten gerne "warm" halten. Die Zeitungsausträgerin gehört mit ihren 300 Euro, die noch heute von ihrer spärlichen Rente an ProAnimalisch gehen, lediglich zu den sog. Kleinspendern - zum absolut passiven Zahlvieh. Aber wie sagt man so lapidar in der Wirtschaftslehre: "Kleinvieh macht auch Mist"
von Alexander Glück
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