Fünf Beispiele von Meinungsbeeinflussung
durch transplantationsmedizinkonforme Information

Transplantationsmedizin ist grundsätzlich heikel. Sie stößt an moralisch ethische Grenzen bzw. verstößt u. U. sogar gegen diese. Um einem Menschen mittels einer  Organimplantation zu einem wie auch immer gearteten Weiterleben zu verhelfen, muss ein anderer Mensch sterben oder aber, wie bei Direktübertragung eines Organs, das Risiko einer Verschlechterung der künftigen (Über-) Lebensfähigkeit des weiterlebenden Spenders in Kauf nehmen. Ein für Gehirntod definierter Mensch hat unter Umständen noch nicht einmal explizit seine Zustimmung zur Entnahme von Organen aus seinem Körper erklärt. In der Regel sind weder Organspender, noch deren Angehörigen je unmittelbar Zeugen einer (Multi-) Organentnahme gewesen. Die Betroffenen wissen deshalb gar nicht, welcher Prozedur sie zustimmen.

Organempfänger, also auf das Schwerste leidende Menschen, wünschen sich oft ein Weiterleben um jeden Preis. Diese Haltung wird durch die (Heil-) Versprechungen der durchkommerzialisierten Transplantationsmedizin, im wesentlichen auch durch deren Medienbeeinflussung gestärkt. Die Angst vor dem endgültigen Aus lässt uns nur zu gern der Machbarkeitsgläubigkeit erliegen, Mediziner nicht ausgenommen. Wer möchte Menschen scheinbar ohne Zukunft den Wunsch nach (Weiter-) Leben verwehren? Also setzen hier die Medienbeiträge an, die von Handschrift der transplantationsmedizinischen Zunft gezeichnet sind. Diese suggerieren mittels unvollständiger Information Lebenschancen, die es in der dabei verstandenen Ausprägung nicht gibt. Der Preis dieser Form von Lebenserhaltung wird heruntergespielt, verharmlost und vorenthalten. Diese Form der Meinungsbeeinflussung vermittelt den Verdacht, dass es auch hier nicht in erster Linie um Menschenleben geht, sondern, wie so oft, um Machbarkeit, Macht und Kommerz als Weg dahin. Der Patient bleibt als  Mensch dabei ebenso auf der Strecke, wie der Helfer. Folgende Beispiele veranschaulichen, dass diese Erfahrungen auf Analysen beruhen und somit wahr sind.

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1. Beispiel:

,,Mit Spenderherz auf Titeljagd" ...

... hieß am Montag den 01. Dezember 2003 die von einem privaten Sender ausgestrahlte ,,Reportage" über das Leben von Menschen mit implantierten Organen.

 

Gezeigt wurde sportliche Höchstleistung unter olympischen Bedingungen von Menschen, die wir ohne transplantationsmedizinische Eingriffe bestenfalls in den Sterbeabteilungen der Siechenhäuser vermuten würden.  Prominente Organempfänger, wie etwa der amerikanische Schauspieler Larry Hagemann, der sich durch lebenslangen Alkoholkonsum und durch Drogenexzesse seine Leber ruiniert hat, und nur dank Organspende eines (als Photo über dem Rasierspiegel) in besonderen Ehren gehaltenen Menschen noch am Leben ist, zeichnete sich in diesem Beitrag weniger als Sportler aus, sondern eher als öffentlicher Sympathieträger, der für mehr Organspendebereitschaft in der Bevölkerung wirbt.

Schwerpunktaussagen des Films sind, dass Organempfänger mehrjährige Überlebenschancen mit Fremdorganen hätten, dass die Medizin so weit fortgeschritten sei, dass  Organempfänger eine hohe Lebensqualität erwarten könnten, trotz der ständigen Notwendigkeit der Unterdrückung des Immunsystems durch tägliche (Multi-) Medikamenteneinnahme. Trotz Immunsuppression sei es möglich, sich wieder in von Keimen nicht gerade armen Schwimmbadgewässern zu tummeln, so wie es die einstigen Sportler/innen mit ihren ,neuen'  Organen in ihren Körpern in diesem Film sichtbar vor Augen führen. Die neu gewonnene Lebensqualität gehe soweit, dass ein Organempfänger wieder zu sportlichen Höchstleistungen befähigt sei, wie es bei den Weltspielen der Organimplantierten vermittelt wird. Gerade auch junge Menschen treten hier in den Vordergrund, die ohne Organspende auf Grund schicksalhafter Erkrankungen vermutlich längst auf dem Friedhof liegen würden. Wer möchte diesen Hoffnungsträgern nicht ein "wiedergewonnenes" Leben wünschen?

Die Sucht nach körperlicher Höchstform und -leistung, welche in der vorgestellten Reportage unentwegt zum Ausdruck kommt, vermittelt dem sensibleren Zuschauer ungewollt den Eindruck, dass im Schulmedizinbetrieb zwar Leben an Lebenstagen verlängert, der tiefere Sinn unseres Lebens an sich aber nicht vermittelt wird. Ein Menschenleben definiert sich in unserer ökonomischen Welt wohl vor allem an seiner Leistungsfähigkeit - wer nichts leistet (leisten kann) ist, sozialverträglich formuliert, ein bedenkliches Mitglied unserer Gesellschaft - wer behindert ist, bekommt dies, trotz aller Fürsorgebemühungen genügend zu spüren. Von daher wird verständlich, dass sich die Daseinsberechtigung eines Menschen noch immer vor allem über die Ausprägung und Funktion seines Großhirns definiert.

Zweifellos bemüht sich der Filmbeitrag explizit wie unterschwellig, um eine Steigerung der Organspendebereitschaft beim Zuschauer bzw. in der Bevölkerung überhaupt. Ethisch, moralisch, psychologisch und medizinisch problematische Aspekte der Organtransplantation und des Lebens mit einem Spenderorgan werden vage angedeutet, aber keinesfalls ausgeleuchtet. Es wird sogar der Eindruck erweckt, dass eine Organentnahme am Hirntoten nur bei Vorliegen eines Spendeausweises bzw. der ausdrücklichen Einwilligung naher Angehöriger vorgenommen werden würde.

Unter diesen Gesichtspunkten ist es nicht möglich, einer solchen Reportage das Qualitätsmerkmal neutraler Aufklärung anzuheften, deren wir dringend bedürfen, um diesem Problembereich menschlicher Schicksale die Züge menschlicher Sozialfürsorge unter dem Sammelbegriff Humanität in jeder Hinsicht zuzuführen. Viel eher klingt aus solchen propagandagleichen Versuchen die Hilflosigkeit der Transplantationsmedizin selbst heraus, die unfähig ist, sich aus ihrem kommerziellen Zwang zu lösen und das Recht des Menschen auf Leben in Würde zum Zentrum ihres Handelns zu erklären.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass letztlich auch auf das Pflege- und Operationspersonal in den Krankheitszentren keine besondere Rücksicht genommen wird bzw. werden kann, das an den Ex- und Implantationen aus Profession beteiligt ist. Die wenigsten der Schwestern, Pfleger und Ärzte in diesem Tätigkeitsbereich weisen zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn grundlegend fatalistische Neigungen auf. Doch da sie mit ihrer Seele allein gelassen werden, angesichts der  massiven Eingriffe in die Leiber von noch nicht wirklich Toten, also nur per gesetzlicher, unter Umständen sogar pseudowissenschaftlicher Definition, für tot Erklärten, allenfalls Sterbenden auf dem Explantationstischen, brutal konfrontiert werden, ist es nicht verwunderlich, dass der zwischenmenschliche Umgang auch hier immer kühlere Züge annimmt. 

Auch als erfahrenem Klinikpersonal einer Explantation beiwohnen zu müssen, stellt immer wieder ein Trauma dar, das wirklich zu bewältigen niemand vermag - Verdrängung wird hier groß geschrieben. Effektiv wird durch den Eingriff des Explantationspersonals hier im OP ein Mensch de facto getötet, denn die künstlich geschaffene  juristische Erklärung, dass dieser schon tot sei, ist auch biologisch nicht haltbar und einfach im Interesse des Kommerzes an den Haaren herbeigezogen. Von einem wirklich Toten können keine Organe explantiert werden, da diese dann tot sind und somit eben gerade nicht mehr Leben spendend. Schon die normale Arbeit in einem OP stellt eine besondere seelische Anforderung an die dort Tätigen dar und ist nur unter der Prämisse möglich, dass zumindest die Absicht besteht, durch derartige Eingriffe das Leben desjenigen zu bewahren, an dem diese Eingriffe vorgenommen werden. Wohl bemerkt, vor dem Gesetz ist ein solcher Eingriff immer noch eine Form der Körperverletzung und darf nur nach  vollständiger Aufklärung des Betroffenen mit dessen ausdrücklichem Einverständnis durchgeführt werden. In der Regel ist es mit dieser Aufklärung allerdings nicht all zu weit her, viele Patienten werden ohnehin für nicht geistig ebenbürtig erachtet, so dass sich ein Erklärungsversuch schon von vorn herein erübrigt. 

Unter diesen Umständen bleibt dem Klinikpersonal nur der Strohhalm, dass sich dieser noch nicht tote Mensch vor ihnen in einem irreversiblen Zustand des Sterbens befindet, von dem es für diesen kein Zurück mehr gibt, jedenfalls soweit uns dies unsere Erfahrungen uns lehren. Leider gibt es aber auch hier immer wieder Ereignisse, die diese Erfahrungen Lügen strafen, indem Totgeglaubte wieder zum Leben erwachen. Haben die Explanteure und mit ihnen die gesamte, dies bewilligende Gesellschaft evtl. doch ein Leben von einem für tot Erklärten auf dem Gewissen? Fürwahr, kein schöner Gedanke.

Sicherlich ist es auch in dieser Lebenswirklichkeit möglich, mittels ausgefeilter psychologischer Tricks, die seelische Verformung des Explantationspersonals zu kompensieren, das Gesehene und Geschehene ungeschehen und ungesehen zu machen vermögen jedoch auch sie nicht angesichts des Todes, der hier permanent im Raum schwebt. Diese Dramatik vermag auch nicht aufzulösen, indem neuerlich versucht wird, den sicherlich selbstlosen Spender zu ehren, wie dies die oben besagte so genannte Reportage ins Feld führt. Leider sind im oben genannten Filmbeitrag all jene Organempfänger nicht zu Wort gekommen, denen die Implantation nicht zu neuen irdischen Höhenflügen verholfen hat. Und ein statistischer Vergleich bezüglich Erfolg- und Misserfolg für diese Art der Behandlungstechnik fehlt natürlich sowieso. Dafür wurden Emotionen pur geboten. 

Die <Erfahrungen der OP-Schwester>, die hier unter subventionsberater.de ihre seelische Auseinandersetzung mit ihren berufsbedingten Eindrücken vermittelt, führen uns vor Augen, dass eine Explantation keine romantische Angelegenheit ist und gerade auch beim Personal in den OP's der Kliniken vielfältige Spuren hinterlassen, die bei der gesellschaftlichen und ökonomischen Kostenkalkulation für diese Art von Medizin allgemein unter den Tisch fallen, von der moralischen Deformation ganz zu schweigen. Diese allesamt sind so schwerwiegend, dass sie nicht einfach damit abgetan werden können, dass durch diese Art der Medizintechnik auch Menschenleben verlängert wird/werden kann. Dieser Beitrag unter dem Titel

Erlebnis einer Multiorganentnahme

stellt niemanden bloß, auch der Vorgang des Explantierens von Organen von Sterbenden bzw. für Hirntod erklärten, ist nicht bewertet worden. Die Mitarbeiterin weist darauf hin, dass das OP-Personal bei Explantationen besonderen seelischen Belastungen ausgesetzt sei, bei deren Bewältigung jeder OP - Mitarbeiter letztlich jedoch auf sich alleine gestelltsein würde. Es würde für die Organisatoren der Transplatationsmedizin sprechen, wenn sie dem Aspekt der seelischen Bedrückung ihres Personals in ihren Programmen Rechnung tragen würden.

 

zu den Exponaten von Werner Hiekel bei subventionsberater.deDer Vorgang der Explantation von Organen an einem für Tod erklärten Menschen, ist in einigen Beiträgen, insbesondere denen von Herrn <Richard Fuchs> umfassen dargestellt. Vor allem bei den Multiorganentnahmen wird der Körper des so genannten ,,Organspenders" ungeheuer stark in Mitleidenschaft gezogen, während der OP also erheblich entstellt. Das Wiederherrichten nach deren endgültigen irreversiblen Ableben durch die Hand der Explanteure wird erfahrungsgemäß wohl sehr häufig dem "einfachen" Personal überlassen. Einige Mitarbeiter belastet dies.  

Aus existenziellen Ängsten heraus, hat die Mitarbeiterin später um Löschung ihres Beitrags aus den Internetseiten von subventionsberater.de gebeten. Vermutlich sind derartige Bedenken nicht irrational sonder durchaus begründet, und das in einem Tätigkeitsbereich, in welchem grundsätzlich humanitäres Gedankengut den Ton angeben sollte. Ich bedaure diese Entwicklung in jeder Hinsicht zutiefst. Inzwischen finden Sie diese OP-Erfahrungen wieder hier bei uns unter der URL

http://www.subventionsberater.de/sterben/explanti.htm

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2. Beispiel:

,,Mit Spenderherz auf Ganovenjagd" ...

Eine Organtransplantation stellt noch immer einen erheblichen Eingriff in den Organismus eines Menschen dar. Der Operierte bedarf einer langen Rekonvaleszenzzeit mit umfassender Rehabilitation und die Auswirkungen der Implantation gehen auch danach nicht spurlos am Organempfänger vorbei. Dessen zukünftiger Lebensweg ist nicht mehr vergleichbar mit dem vorangegangenen.

Gänzlich anders wird die Wirklichkeit einer solchen Krankengeschichte 2002 in dem us-amerikanischen Triller BLOOD WORK vermittelt, der am 27. Juni 2005 vom ZDF ausgestrahlt wurde.

Ein alternder FBI-Agent, gespielt vom allmählich vielleicht auch mal älter und reifer werdenden Clint Eastwood, erleidet im Diensteinsatz einen Herzinfarkt. Er erwacht danach mit einem neuen Herzen in seiner Brust. Nach gerade mal vierzehn Tagen wird er bereits aus seinem Krankenhaus als bedingt geheilt entlassen - die amerikanische Transplantationstechnik scheint wesentlich weiter zu sein, als unsere. Aber offensichtlich ist in den USA die Lust zum Organspenden auch nicht ausgeprägter, als hier bei uns in Süddeutschland, so dass es, insbesondere bei seltenen Blutgruppen und Gewebstypen, zu Spenderorganengpässen kommt. Wie in Amerika vorgeblich typisch, wird scheinbar recht unkonventionell gelöst, denn Killer würden gezielt, zuweilen sogar per Auftragt für den rechten Ersatzorgannachschub sorgen. Dieser filmische Hinweis ist jedoch nicht als versteckte Kritik mit ermahnendem Charakter gegen derartige Auswüchse zu verstehen, sondern einfach als seichte Unterhaltung mit einfallsloser Handlungsführung.

Seit gerade mal 30 Tagen mit einem Spenderherz versorgt, wird Clint Eastwood als pensionierter Terry aus edlen Gründen wieder zum Ganovenjäger, sehr zum Missfallen seiner keineswegs durchsetzungsfähigen Ärztin. Immerhin scheint in den USA so eine Herztransplantation auch als erhebliche körperliche Belastung eine Pensionierung von den aufreibenden Diensten des ehrwürdigen FBI nach sich zu ziehen, doch unseren menschenfreundlichen Superheldenmacho Eastwood ficht das alles natürlich nicht an, wenn es um die Sache der Guten gegen die Bösen geht. Eindeutig  entscheidet hier der Wert einer edlen Sache darüber, wie ein Organempfänger sein neues Organ trotz überaus anstrengender Lebensführung verträgt. Terry darf sich im Film zwar ein paar mal an seine Brust mit dem Ersatz - Herz greifen, bekommt auch leicht Fieber, als ein Indiz auf die beginnende Organabstoßung, schluckt hin und wieder aus der flachen Hand ein paar Pillen zur Unterdrückung der Immunreaktion seines Körpers auf das fremde Gewebe, etwa so, wie gelegentliches Aspirin, doch darüber hinaus klappt alles wie immer wie am Schnürchen. Der Mann löst seinen Fall in einer verschleißenden Weise mit viel Aktion, die sogar einen durch und durch gesunden Menschen flach legen würde.

Im romantisch erotisch sentimental geprägten Finale schließlich steuert er, vom Zuschauer heiß ersehnt,  seine Jacht mit seiner Linken in einen stimmungsvoll geröteten Sonnenuntergang über das Meer, in seinem rechten Arm eine aufregend temperamentvolle, überaus erotisch geprägte junge Mexikanerin, die auch gleich noch ihren pubertierenden Sohn mit in die junge Beziehung zu dem eigentlich alten Mann einbringt. Wenn das keine wünschenswerte Aussichten für einen frischen Spendeherzempfänger sind, noch dazu im fortgeschrittenen Alter? Fazit: Ein neues Herz erleichtert den zweiten oder sogar dritten Frühling eines nicht mehr gerade jungen Mannes.

Wo ist der lebende Organempfänger, der mir solche Lebensqualität aus eigener Erfahrung belegt?

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3. Beispiel:

,,Wir haben eine Niere für Sie!"

Seit Jahrzehnten leben wir in dem Wissen, dass man Organe verpflanzen kann. Dass sich hinter jeder Transplantation trotz in die Schlagzeilen geratener Tollwut eine logistische Kraftanstrengung verbirgt und Menschen in der Tabuzone Tod agieren, verdrängen wir gern."

Diese Eröffnung eines Artikels unter oben genanntem Titel stand in Sonntag Aktuell vom 12. Juni 2005 auf Seite 3 unter der Rubrik „Zeitgeschehen“. Dieses Blatt ist die Sonntagsausgabe einer Vielzahl verschiedener Zeitungen aus dem selben Druckhaus im Stuttgarter Raum. Die darin wiedergegebene Abhandlung vermittelt den Eindruck einer gesteuerten Auseinandersetzung mit der Problematik Organtransplantation auf Hirntodbasis zu Gunsten der Transplantationsmedizin und dem von dieser Institution vermittelten Weltbild. Er dient somit sicherlich auch der gesteuerten Beeinflussung von Menschen. Statt reiner Aufklärung bedient sich dessen Schreiberin der Emotionalisierung.

Schon die Eröffnung ähnelt einer Gehirnwäsche, nach dem Prinzip >steter Tropfen höhlt den Stein<. Leider werden somit irgendwann einmal alle an diese verbogene Realität glauben, Transplantationsmediziner mit ihrer eigentümlichen Definition von „Geheilt“ mit eingeschlossen. Seit Christian Barnards anrüchigen Herztransplantationsversuche im afrikanischen Kapstadt der Sechziger wissen denkende Menschen, dass Organtransplantationen bei höheren Säugetieren, also auch beim Mensch, grundsätzlich problematisch sind und nach Ausführung letztendlich immer einen von Menschenhand gestalteten Tod provozieren. Die Abstoßungsreaktion implantierter Organe durch den menschlichen Organismus ist auch unter Immunsuppression nicht gelöst, das Leben mit einem fremden Organ bedeutet in jedem Fall eine elementare Beeinträchtigung der Qualität des Überlebens. Die Möglichkeit der Verpflanzung von Organen zur Fortsetzung eines von seinem natürlichen Ende bedrohten Menschenlebens ist somit eben kein Sicherheit vermittelnder Weg zur Lebenserhaltung für jedermann unter allen Umständen, es sei denn nach dem Prinzip des Hamsters Goofy, dem sein studentischer Besitzer bereits schon zu Barnards Zeiten einfach mal so eben geschwind ein Herzchen eingesetzt hat, eine mikrochirurgische Meisterleitung zwar, aber ohne Aussicht auf anhaltenden Erfolg, ungeachtet moralisch ethischer Aspekte.

Der Titel „Wir haben eine Niere für Sie!“ gleicht einem konsumorientierten Appell an den inneren Schweinehund in uns Menschen, nach dem Motto, was interessiert mich die Art der Organbeschaffung, wenn Mediziner mir ein Weiterleben für den Fall eines Organvesagens versprechen, z.B. weil ich mich zu Tode gearbeitet, gelebt, gesoffen, oder wegen von mir selbst ungewollter ungesunder Umweltbedingungen zugrunde gerichtet habe, zivilisationsbedingten Faktoren also, die nichts mit gesundheitlicher Benachteiligung von Natur aus gemeinsam haben. Wir werden Sie retten, wenn Sie dereinst dran sein werden, ein unhaltbares Versprechen verbunden mit einem Besitzanspruch an Organe, die den Heilsversprechern (noch) gar nicht gehören. Der Seitenschwenk auf aktuelle Problematiken wie Tollwut, Aids, Hepatitis oder auch simpler Herpes, mit für den Organempfänger möglicherweise tödlichen Konsequenzen, trägt den Geschmack vernebelnder Pseudoaufklärung in sich. In Kombination mit dem Verweis auf die logistische Perfektion gerade auch unter dem Eindruck des Todes, suggeriert, dass die (Organ-) Macher alles im Griff hätten.

Sogleich wird auch die beschwichtigende sentimentale Saite geschwungen: „So kann ein Leben enden. Leise und unspektakulär. […] bekam Eugen Z. fürchterliche Kopfschmerzen. [Er ...] nahm eine Tablette und war nach wenigen Minuten nicht mehr ansprechbar. Der Notarzt wies den Rentner ins Krankenhaus ein. Die Untersuchung bestätigte den Verdacht des Hausarztes: Hirnblutung." Übersetzt in Alltagsdeutsch muss an dieser Stelle geschrieben stehen, dass ein Mann mit Kopfschmerzen von anfang an falsch behandelt worden ist. Statt eine Hirnblutung zu vermuten und als solche notfallmedizinisch zu behandeln, erliegt der Schwerstkranke der Suggestion der PharmaWerbung und schluckt statt dessen nachteilige Schmerztabletten, die ihm u. U. aktuell auch noch sein Hausarzt verordnet hat. Gemäß unseres Drei- und Mehrklassengesundheitswesens ist der lebensbedrohlich erkrankte Mann auch nicht umgehend auf eine Notstation verbracht worden, sondern durfte erst einmal den Instanzenweg über seinen Hausarzt genießen. „Trotz sofortiger Operation verbessert sich der Zustand des Patienten nicht. Sein Gehirn war zu lange von der Blut- und Sauerstoffversorgung abgeschnitten gewesen. Nach drei Minuten Unterversorgung stirbt die Schaltzentrale des Körpers ab. „Was kann man jetzt noch tun?“ […]  der Anblick täuscht: Dieser rosig ausschauende, warme Körper, dessen Brustkorb sich hebt und senkt, dessen Herz weiter schlägt, ist der Körper eines Toten. Eines Menschen, dessen Gehirn nicht mehr arbeitet […] Geräte haben [die Körpererhaltungsfunktionen] übernommen. Aber auch das geht nur für begrenzte Zeit.“ Böswillige würden hier sagen, dass es sinnvoller gewesen wäre, das Leben des Mannes durch eine angemessene Therapie zu bewahren, dass sich das Medizinsystem auf die hier in diesem speziellen Fall eingeschlagene Art und Weise wohl er der Beschaffung bzw. Sicherung eines potentiellen Organspenders zugewandt hat. Und schließlich sind Mediziner ja halt auch nur Menschen, die nicht jeden vom Tod erretten können. In Zukunft vielleicht einmal werden derartig zugrunde gehende Menschen nicht mehr als Organspender sondern gleich als Gehirnempfänger betrachtet werden, doch bis dahin wird es noch ein paar Tage dauern, doch diese Form medizinischen Fortschritts ist nicht aufzuhalten.

Nachdem das Schicksal wieder einmal so heftig zugeschlagen und die eigentlich alles überragende Kunst unserer Mediziner dem Mann nicht mehr hat helfen können, wird von den selbstlos heldenhaften Lebensbewahrern den vom endgültigen Abschiedsschmerz liebenden Verwandten die Irreversibilität des Schicksals ihres Angehörigen in ausgeklügelt motivierender Psychotechnik eindrücklich nahe gebracht. Um das eigentlich angestrebte Ziel der Organgewinnung zu erreichen, wird jetzt das Heldenhafte der Selbstlosigkeit gepriesen, indem der Gebieter über Leben und Tod im weißen Kittel sein Glorienlied versprüht, das da heißt: ,,[Nicht verzagen, Es] gibt […] die Möglichkeit der Organspende.“ Du kannst christusgleich einem todkranken fremden Menschen ohne medizinisch erkennbare Hoffnung ein Weiterleben schenken, wie immer sich das dann in dessen Zukunft auch gestalten mag, und darüber hinaus selbstredend auch gleich noch dem allenthalb klammen Medizinbetrieb Gutes tun, der mittels eines explantierbaren Menschen, gemäß einschlägiger Literatur, bis zu einer Million Euro umzusetzen vermag. Wenn sich doch nur nicht noch immer so viele Krankenhäuser zieren würden – ja ja, ihr bösen abtrünnigen oder unbelehrbaren Kollegen der weißen Zunft, ihr wollt wohl, trotz umfangreicher, fast alles schon erdrückender ideologischer Einflussnahme, noch immer nicht so recht an einem Strang mit euren Vordenkern ziehen?!  Habt ihr denn nicht genug Mumm, euch der rechten Gesinnung transplantationsmedizinischer Totaliät zuzuwenden? „Nur“ 40 % der explantationsfähigen Gesundheitsmonumente in Beton und Glas stünden bislang bundesweit mit der Deutschen Stiftung für Organtransplantation in Kontakt. Sind es überhaupt so viele, oder sind das nicht etwa schon viel zu viele? Mancher Mensch fühlt sich echt mulmig, wenn er als Patient ein Klinikum betritt, betreten muss, an dessen Eingänge unübersehbar, fast schon nötigend schrille Organspendeaufrufe Litfasssäulen und Organspenderausweisvermittlungsauslagen zieren. Wer weiß, wie rasch man eine solche gesundheitliche Wiederinstandsetzungsstätte in handliche Einzelteile zerlegt auf Eiswürfeln in Styroporkisten verpackt über verborgene Hintereingänge per Rettungshubschrauber wieder verlässt?

Da folgt sogleich die juristisch und auch die politische Keule, die uns einprägsam vor Augen führt, dass juristisches Recht keineswegs in jedem Fall das Recht eines Menschen schützt, zum Beispiel das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und Entscheidungsautonomie. Besagter SONNTAG AKTUELL - Artikel resümiert, nicht zuletzt auch mit einem Hauch moralischer Erpressung gegen die meldeunwilligen Nichttransplantierer aus den eigenen Reihen: „Obwohl das Transplantationsgesetz von 1997 für alle [.] Kliniken eine Meldepflicht zwingend vorschreibt. Denn es gibt zu wenig Spenderorgane. 11.855 Menschen warteten am 1. Juni 2005 auf eine Niere, Leber, Bauchspeicheldrüse, ein Herz oder eine Lunge.

Es folgt der absolute Hammer, der schon zu Genüge in seiner umfassenden Realität durch den deutschen und internationalen Blätterwald gerauscht ist: „Deshalb hat man ein Seniorprogramm initiiert, durch das auch über 65-jährige Menschen [noch] Organspender werden können. Es vergrößert den Kreis der Spender. Es werden jedoch nur Leber[n] und Nieren verpflanzt und die nur an über 65-Jährige vorwiegend aus dem gleichen Bundesland. Denn je älter die Organe sind, desto kürzer bleiben sie außerhalb des Körpers trotz Kühlung funktionstüchtig. Eine Leber hat zwölf Stunden Zeit, eine Niere 24 Stunden, ein Herz muss innerhalb von vier Stunden wieder in seinem neuen Körper schlagen.“ Hoffen wir, dass diese Organe auch im Empfängerorganismus noch lange genug funktionieren werden. Dass die Wirklichkeit hier andere Töne anschlägt, ist bekannt. Nicht immer erwacht ein Senior mit dem Herz eines ehemaligen Seniors, oder eines einsam verstorbenen Fixers oder Obdachlosen ohne Angehörige. Der Empfänger jeden Alters muss schon froh sein, wenn er ein vollständiges Organ erhalten hat, denn eine Leber kann man teilen, Hauptsache es wurde ein Stück davon implantiert, so dass die Krankenkasse zahlt.

Vorgeblich sind die Angehörigen in unserem Zeitungsbeitrag letztendlich mal wieder einig, dass der eben noch im Sterben Liegende natürlich in jedem Fall darin einwilligen würde, sich zu Gunsten eines anderen, offensichtlich Bedürftigen zerlegen zu lassen, um „[…] durch seinen Tod anderen zu helfen“. Mögen sich diese Angehörigen da nur nicht gründlich täuschen, denn sie haben ja keine Ahnung von dem, was den bislang von ihnen noch so sehr geliebten Familienangehörigen von jetzt an erwartet. Alle Befürworter solcher Prozeduren sollten solchen Ausschlachtungen beizuwohnen haben, wohl wissend, dass in ihrer Zukunft auch ihnen selbiges widerfahren kann. Aber keine Angst, … „In Deutschland gilt [ja] die erweiterte Zustimmungsregelung. Angehörige können nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen einer Organspende zustimmen“ ohne je dafür Rechenschaft ablegen zu müssen, was natürlich auch ebenso für erwünschte oder eben ungewollte Erben gilt und für diese u. U. sehr praktisch ist.

Jetzt geht alles ruck zuck. Ist der Organentnahme erst einmal zugestimmt, startet zügig das grundsätzlich emotionsfrei eingespielte Räderwerk der Gesamtorganisation „Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO)" unwiderruflich zu schnurren. „Tag und Nacht sind deren Büros erreichbar. Kurz nachdem die Nachricht einer möglichen Organspende bei Monika Weber [einer fleißigen, multifunktionalen OP-Schwester, einem Mädchen für alles und alle] in Stuttgart eingegangen ist, sitzt die gelernte OP-Schwester schon den Angehörigen gegenüber und führt [motivationspsychologisch ausgiebig gründlich trainierte] Gespräche [mit den Angehörigen ….] Monika Weber begegnet den Angehörigen behutsam und mit Respekt. Sie überredet niemanden […,] wird […] manchmal für lange Zeit zur fast seelsorgerischen Begleiterin und muss gleichzeitig eine Maschinerie ins Laufen bringen, an deren Ende eine Organverpflanzung stehen kann. Denn das ist die technische Seite ihres Tuns. Monika Weber muss den Krankenhäusern die notwendigen Utensilien zur Organentnahme zur Verfügung stellen. Die Styroporboxen etwa, in denen später die Organe transportiert werden. Zwischen den vielen Gesprächen mit Angehörigen und Ärzten überträgt Monika Weber endlos anmutende Kolonnen von Krankendaten. Und zwischendurch steht die Koordinatorin am Bett des Menschen, den sie immer noch Patient nennt, streicht ihm behutsam über den Unterarm und sagt: „Man weiß nie, wo die Seele gerade ist." Monika Weber vergisst bei keinem ihrer Einsätze, dass sie einen sehr existenziellen Vorgang begleitet, der die Grenzen des rein medizinisch Machbaren übersteigt. Sie erklärt den Angehörigen genau, was geschehen wird. Sie sagt, dass man den Toten aufbahren kann, weil sein Gesicht völlig unversehrt bleibt und man auch seinem Körper nichts anmerken wird.

In dieser Art und Leier geht es ewig weiter. Wie sehr wünsche ich hilflosen und in ihren Betten gebundenen Menschen zu bewußtseinerfüllten Lebzeiten eine derart einfühlsame Krankenschwester am KrankenBett, die sich Zeit nehmen darf, einem Patienten, trotz rationalisierendem Cardex, einfach mal so den Arm zu streicheln, dessen Problemen zuzuhören, ohne dabei den Zeitdruck des stringent vorgeschriebenen Organisationsablaufes im Medizinbetrieb permanenten im Magen zu spüren. Der Zynismus im hier vorgestellten Artikel findet seinen nicht mehr zu toppenden Höhepunkt bei der Versicherung der zu erwartenden Unversehrtheit des freiwilligen oder auch unfreiwilligen Organspenders. Warum wohl werden  Explantationen von der Außenwelt  hermetisch abgeschirmt? Mögen sich die Hinterbliebenen nur ja nicht an einem leer geräumten und danach schludrig lieblos zugenähten, mit Zellstoff ausgestopften Torso oder Schädel erregen, damit diese auch weiterhin in aller Ruhe weiter zu schlafen vermögen.

Es kommt halt, wie es kommen muss. Wer wissen will, wie sich dieses große Herausschneiden, die Schlacht mit kaltem Stahl  gestaltet und wie sich die Menschen im Medizinbetrieb und der Explantierte dabei empfinden und benehmen, der mag dies in den anderen Beiträgen hier unter subventionsberater.de nachlesen, zum Beispiel in den <Erfahrungen einer OP-Schwester> oder bei <Die Organspender> von Richard Fuchs. 

Eine Blutprobe des Patienten [treffender wäre hier wohl die Bezeichnung <des potentiellen Organspenders> anstelle des Begriffs <Patient> Anm.] ist auf dem Weg nach Heidelberg. Im dortigen Labor wird es auf seine Gewebemerkmale untersucht. Dort findet auch ein Bluttest statt, der sagt, ob der Empfänger das Organ abstoßen wird. Um eine Tollwutinfektion nachzuweisen, müsste das gesamte Gehirn untersucht werden. Und auch dann wäre das Ergebnis der langen Inkubationszeit wegen nicht sicher. Untersucht wird auf Virusinfektionen wie HIV oder Hepatitis [wo bleibt Herpes? Anm.]. Vier bis fünf Stunden dauert es, bis die Daten vorliegen. Sie gehen zur Eurotransplantzentrale. Im niederländischen Leiden sind die Daten aller Menschen gespeichert, die auf ein Organ warten. Ihre Blutgruppe, ihre Gewebemerkmale, ihre Erkrankung und das [noch] behandelnde [bzw. die Organe warm haltende] Krankenhaus [sprich Explantationszentrum]. […] Normalerweise finden Organentnahmen nachts statt, wenn die Operationssäle frei sind. […] Die optimale Versorgung der Organe darf auch bis zu ihrer Entnahme nicht unterbrochen werden. Monika Webers Handy klingelt. Es ist der schon vor Stunden informierte Leberexperte aus Tübingen. Er meldet, dass er mit einer Kollegin soeben ins Taxi steige. Die einzelnen Handlungsstränge verknüpfen sich. […] Die Narkoseärztin will den Totenschein sehen. Sie sagt, es sei schwer, den Tod zu akzeptieren bei einem Menschen, der lebendig aussieht [mal sehen, wie lange sie noch so empfinden wird, anbetracht des Explantationsvolumens, das in Zukunft auf sie zukommen wird]. […] Um die Organe in einen Zustand zu versetzen, der ihren Stoffwechsel auf ein Minimum reduziert, wird das Blut aus dem Körper des Toten gepumpt und durch eine vier Grad kalte Flüssigkeit ersetzt. Dadurch verlangsamt sich der Herzschlag. Im Zeitraffer wird aus dem rosigen Gesicht das gelbwächserne Antlitz eines Toten. Die Narkoseärztin schaltet die Geräte ab. „Drei Menschen werden leben", sagt sie. „Das muss man sich immer wieder vor Augen halten.".“ Leider irrt sich die vorgeblich so empfindsame Narkoseärztin aktuell auch in diesem Punkt, denn eines der bei dieser Ausweidung entnommenen Organe wird letztlich doch noch nur weggeworfen, da es für eine Implantation untauglich sei. Es wird leider auch vergessen zu erwähnen, dass bei solchen Explantationen meist nicht nur drei oder vier Organe entnommen werden, sondern unzählig viel mehr, bis hin zu den Hornhäuten, Gehörknöchelchen (hoffentlich wird dabei das Gesicht für die letzte Aufbahrung nicht doch noch beschädigt), Hautpartien und viele andere Teilen mehr. Haben Sie schon einmal nachgedacht, warum ein Gehirntoter erst noch betäubt werden muss, wenn ihm von den weißkittligen Herausschneidern die Eingeweide und anderes mehr aus dem Körper gezerrt werden sollen? Richtig, ohne Betäubung schlagen die vorgeblich Toten u. U. recht heftig um sich, und das ist natürlich nicht praktisch. Aber das alles braucht Sie als Angehörige/r oder zukünftige/r Organspender/in nicht zu beunruhigen, denn für all dieses Schlagen und Schwitzen, für all die körperlichen Erregungen des für tot Erklärten, haben unsere Allwissenden die für sie passende Erklärung bereit. Es handle sich bei solchen Reaktionen um rein spinale Reflexe, für die allein die unbewussten Teile unseres Nervensystems zuständig seien. Ist das nicht phantastisch? 

Monika Weber [,die organisierende und koordinierende Multifunktions- OP-Schwester] bindet den Unterkiefer des Toten vorsichtig mit einer Mullbinde fest“, denn die Ärzte sind bekanntlicherweise dafür ja nicht zuständig. „Um 20.10 Uhr liegt die Leber in einer Edelstahlschüssel. Ich würde sie transplantieren", sagt der Experte. Die endgültige Entscheidung werden die Ärzte in Essen treffen.“ … „Um zwei Uhr nachts ruft die Essener Klinik an. Die Fachärzte dort haben sich nach einer weiteren Gewebeuntersuchung gegen das Einpflanzen entschieden. Die Leber sei doch vorgeschädigt.“ So viel zur liebevollen Nachbehandlung des/der Ausgeweideten.

Was sich hier so anhört, als würden Ärzte verlässlich sorgfältig hantieren, lässt sich auch ganz anders interpretieren, nämlich eine völlig unnötig herausgeschnittene SpenderLeber wird Wegwerfware – na ja, immerhin gibt es ja doch noch zwei Überlebende. Hoffen wir, dass es wahr sein mag, dass Gehirntote keine Wahrnehmungen bezüglich ihrer Explantation haben und dass das <buddhistische Prinzip> des Sterbens in den für die Entwicklung wesentlichen Phasen in jedem Fall falsch ist.

Ein Taxifahrer, der fast alle Organe fährt, wird alarmiert. Die Leber wird in zerstoßenes Eis gebettet und in eine Styroporbox gepackt. Der Taxifahrer wartet schon. „Alles klar", sagt er und eilt mit der Box auf dem Arm zu seinem Auto. […] Kurz nach Mitternacht tätigt Monika Weber den versprochenen Anruf. Sie sagt den Angehörigen, dass es vorbei ist.“ Gott sei dank für den Organspender. Auf kaltem Stahl,  den geschundenen Leib gefüllt mit Eiswürfeln, unter grellem Strahl der OP-Lampen hat er von fremder Menschen Hand bedingt endgültig irreversibel sein Leben für immer ausgehaucht.

 

Die Abbildung zu Anfang der Darstellung der Anbahnung der Kausalitätskette, die in der angedeuteten Zerlegung endet, zeigt den hier zitierten einschlägigen Zeitungsartikel in seiner originalen Aufmachung mit einem Photo der fleißigen Allround – OP-Schwester, die sich einen passenden Styropack zum Transport der Spenderorgane als einem einigermaßen handlichen Täschchenersatz unter ihren Arm geklemmt hat. Der Modegeschmack hierbei erscheint allerdings gewöhnungsbedürftig.

Die hier zuvor vermittelte Kritik findet, auch für ihre polemische Tönung, ihre moralische und soziale Berechtigung in der dreisten Pseudoaufklärung und -sentimentalität des hier von der Transplantationsindustrie sicherlich nicht unbeeinflussten Zeitungsartikels.

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4. Beispiel:

,,Verschwunden"

Eigentlich ist es unrühmlich, aus dem Springerschen Massenbewegungsboulevardblatt BILD zu zitieren. Da sich jedoch auch unsere scheinbar führenden Politikerköpfe mittels dieses Sensationsmediums ungeniert im Parlament bilden lassen, sei der hier vorliegende Ausrutscher gnädigst verziehen.

Unter der wie üblich reißerischen Überschrift ,,Junge mit Spenderherz - verschwunden!" lenkt das Blatt in seiner Stuttgarter Ausgabe vom 20. Juli 2005 die Aufmerksamkeit seiner hoch verehrten Leserschaft auf das Schicksal eines 17 jährigen Jungen, der seit 10 Jahren mit einem Spenderherz lebt, sofern man der hier zitierten Berichterstattung überhaupt trauen kann. Dieser Junge sei es nun leid gewesen, ständig so viele Medikamente zur Unterdrückung seines Immunsystems schlucken zu müssen, um einer möglichen Abstoßungsreaktion seines Körpers gegen das implantierte Spenderorgan zuvor zu kommen. Er sei deshalb vor einigen Tagen verschwunden um sich und der Welt zu beweisen, dass er ohne Immunsuppression trotz Spenderherz in seiner Brust überleben könne. Die  ihn behandelnden Ärzte stellen hierzu in der BILD unmissverständlich fest, dass dies unmöglich sei. Das Weglassen der von ihnen verordneten Medikamente wäre eindeutig und unmissverständlich als für den Jungen lebensbedrohlich zu bezeichnen.

Im Eifer der Sympathiewerbung für den Jungen vermittelt das hier zitierte Springerblättchen sicherlich ungewollt  die Kehrseite der allseits propagierten Transplantationsmedizin, indem es Fakten benennt, die die Transplantationstechnokraten nur zu gerne verschweigen. Der Junge habe immer sehr darunter gelitten, dass er nicht wie seine Mitschüler leben und aktiv werden könne, Fußballspiel und andere besonderen körperlichen Belastungen vermeiden müsse, und dass seine  lebenserhaltenden Medikamente doch immer recht starke Nebenwirkungen mit sich gebracht hätten. In jedem Fall habe ihn seine ständige, ununterbrochene und unabdingbare Abhängigkeit von gerade diesen Medikamenten so sehr in seelische Nöte gestürzt, dass er vor wenigen Tagen zur Verzweiflung seiner Eltern irgendwo hin ins Unbekannte abgetaucht sei, was eine unmittelbare, sofortige polizeiliche Grosssuchaktion zur Erhaltung seines bedrohten Lebens unabdingbar gemacht hätte. Das Leben mit einem Spenderorgan ist eben schlicht und einfach doch nicht so easy, wie es uns unserer gängigen Medien hier auf dieser Internetseite nur zu gerne weiß machen möchten.

Dem Jungen hingegen gilt die Sympathie, damit er trotz der ihm gegebenen seelischen Grausamkeit seiner Situation auch seinem weiteren Leben für sich Positives abzugewinnen vermag.

Hi Doc, es reicht halt nicht aus, einfach nur Leben um jeden Preis zu verlängern !

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Organspende als Teil der Fahrausbildung, aus der StZ 02.07.05 Seite 5

Wer seine Bereitschaft erklärt, eines Tages als Organspender zur Verfügung zu stehen, trifft eine sehr weitreichende Entscheidung. Bis heute ist niemandem bekannt, was ein hirntoter Mensch erlebt, wenn ihm bei lebendigem Leib seine Organe herausgeschnitten werden. Die Erfahrungsberichte von einst aufgrund ihres Hirnstatus für Tod erklärten, danach aber wieder ins kommunikative Leben Zurückgekehrten, lassen uns diesbezüglich Schlimmstes befürchten. Die Entscheidung zur Organspendebereitschaft kommt aber erst dann zum Vollzug, wenn der potentielle Spender seinen autonomen Willen nicht mehr erklären kann. Darum hält sich die Spendewilligkeit unter uns Menschen schon sehr in Grenzen, denn wer legt sich schon gern willenlos unter willkürlich tötende Messer? Deshalb sollen heute psychologisch ausgeklügelte kollektiv autoritäre Rahmenbedingungen  geschaffen werden, unter denen sich zur Organspende aufgeforderte Menschen unter dem Eindruck der einschüchternden Lebenssituation eher scheuen, ihre Einwilligung dazu zu verweigern (z.B. um sich gegenüber einer gegenwärtigen Dominanzperson nicht blamieren zu müssen). Die hier aufgezeigte politische Initiative, abgedruckt in der StZ vom 02.07.2005 auf Seite 5, zählt genau zu dieser Kategorie <manipulativer> Meinungsbeeinflussung. Ihre befürwortende Protektion durch Politiker definiert deren demokratisches Weltbild und deren christlicher Charakter.

© peter bechen

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Informationen zum Themenbereich Organtransplantation finden Sie unter ...

www.robertorotondo.de
www.transplantation-information.de

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