Qualen von Eltern, die ihr sterbendes Kind zur Organentnahme freigegeben haben

Für jeden von uns ist es dramatisch, mit dem Tod konfrontiert zu werden, für liebevolle Eltern jedoch ist es ein unauslöschliches Trauma, wenn sie damit konfrontiert werden, dass ihr Kind verunglückt ist - im Sterben liegt.

 

Und während sie noch mit sich selbst um das Warum? ringen, sich fragen, in wie weit sie womöglich versagt, ihrem Kind den nötigen Schutz nicht ausreichend gesichert haben und sich so schon indirekt schuldig genug fühlen, tritt in diesem Augenblick ein Arzt auf sie zu, der eigentlich Lebenserhalter sein sollte, um sie mit Hilfe trainierter psychologischer Gesprächsführung dazu zu bewegen, die Organe ihres Kindes zur Explantation freizugeben. In den wenigen Minuten, die ihnen noch verbleiben, ihr geliebtes Kind im Sterben zu begleiten, sich seelisch von ihm zu verabschieden, sich für ewig zu trennen, just dann sollen sie abwägen, was wichtiger ist - das als grausam empfundene Sterben ihres Kindes oder die Hoffnung eines ihnen fremden kranken Menschen auf ein Weiterleben mit implantierten Lebendorganen.

Ungeachtet aller offenen Fragen bezüglich der Qualität des Weiterlebens dieses Kranken und der unklärbaren Frage, was ein Sterbender erlebt, wenn er durch Messers Schneide endgültig zu Tode gebracht wird, bedeutet eine solche Konfrontation schlichtweg eine absolute Überforderung der Entscheidungsfähigkeit eines Menschen. Genauer gesagt ist diese Entscheidung pro Explantation unter dieser Voraussetzung im Grunde genommen (menschen-)rechtswidrig bzw. zumindest rechtsungültig, da diese in und unter seelischer Not somit also unter Zwang unter Abwesenheit des Vollbesitzes der geistigen Kräfte zustande kommt. Der auf diese Weise überforderte nahe Angehörige wird nachträglich vermutlich ein Leben lang unter dieser Drucksituation, also unter seiner Entscheidung zu leiden haben, auch wenn er sich Erklärungsmodelle zu seiner Rechtfertigung schafft.

Selbst wenn der Sterbende sich zu Lebzeiten für eine Explantation erklärt hat, haben nahestehende, seelisch verbundene Angehörige im Fall ihrer zusätzlich bekräftigenden Einwilligung zu einer Explantation trotzdem allem noch immer mit Selbstzweifel zu kämpfen. Wieviel schwerer haben es da wohl Eltern, insbesondere die einst lebenspendende Mutter wenn sie unter dem Druck der Zeit des Sterbens der voraussichtlich noch explantierbaren biologischen Organsubstanz und angesichts der eigenen emotionalen Ohnmacht infolge ihres intensiven seelischen Beziehungsverlustes zu dem/r ihr Anvertrauten.

Die Erfahrung zeigt, dass die Schulmedizin hierauf nicht eingeht. Nach erfolgter Einwilligung müssen die Eltern selbst mit ihrer Entscheidung und ihren Empfindungen dazu fertig werden. Selbst wenn ihnen psychologische Unterstützung zuteil wird, müssen sie ihre inneren Schmerzen dennoch noch immer selbst tragen. Darüber hinaus kann ihnen niemand gerechtfertigt versichern, was ein Mensch in erduldender Weise er-,,lebt" wenn er sein Leben in seinen letzten Zügen aushaucht und ihm dabei auch noch seine bis dahin noch lebenden Organe mutwillig bzw. fremdbestimmt  herausgeschnitten werden.

Unter diesen Gesichtspunkten ist zweifelhaft, ob diese Art von Medizin ein Segen für die Menschheit insgesamt ist.

© peter bechen

Leserzuschrift:
 

An die Angehörigen von "hirntoten" Menschen

Renate Focke

 

Vertraut auf eure Wahrnehmung:

  • Ihr seht einen geliebten Menschen vor euch, der beatmet wird und an Apparate angeschlossen ist, dessen Herz aber aus eigener Kraft schlägt. Dieser Mensch liegt im Sterben, weil sein Gehirn unwiderruflich zerstört ist, doch er ist warm und durchblutet.
     

  • Ihr haltet seine Hand und sagt ihm, wie sehr ihr ihn liebt und wie sehr ihr ihn vermissen werdet. Ihr fühlt Nähe und Verbundenheit.
     

  • Doch  man sagt  euch, dass euer Angehöriger "hirntot" ist.
     

  • Man sagt  euch, er könne "Leben weitergeben", wenn ihr der Organspende zustimmt.
     

  • Man erwartet  von euch, dass ihr für euren Angehörigen entscheidet, der nicht mehr gefragt werden kann.
     

  • Man sagt euch, die Organspende gäbe seinem Tod einen Sinn.
     

  • Man sagt euch, die Organentnahme werde so vorgenommen, dass seine Würde gewahrt werde.
     

  • Lasst euch nicht überreden, vertraut auf euer Gefühl.
    .

  • Die innere Stimme ist der einzige Wegweiser, auf den ihr euch in dieser Schocksituation verlassen könnt. Denn im Schockzustand kann man sich nicht informieren, nachfragen und Argumente abwägen.
     

  • Ihr seid in dieser schweren Zeit nicht auch noch verantwortlich für andere kranke Menschen, ihr seid nur verantwortlich für euren sterbenden Angehörigen und für euch selbst.
     

  • Begleitet ihn in seiner restlichen Lebenszeit, wenn die Beatmung abgestellt wird und das Herz allmählich aufhört zu schlagen. Bleibt bei ihm und nehmt gegenseitig Abschied.
     

  • Ein geschütztes Sterben ist kostbar und nicht wiederholbar und ist ein elementares Menschenrecht.
     

  • Erst viel später nach dem Tod eures Angehörigen werdet ihr dankbar sein für diese Erfahrung.


Wenn ihr der Organentnahme zustimmt, besteht die große Gefahr, dass ihr es später bitter bereut:

  • Denn die Würde eures Angehörigen kann bei einer Organentnahme nicht gewahrt werden.
     

  • Aus einem sterbenden Patienten wird plötzlich ein Organspender, der "konditioniert" werden muss für die Organentnahme. Es geht dann nicht mehr um das Wohl eures Angehörigen, sondern ausschließlich um die Erhaltung der Funktionsfähigkeit seiner Organe für andere. Ihr könnt nicht sicher sein, ob nur die Organe entnommen wurden, deren Entnahme ihr zugestimmt habt, denn viele Gewebe unterliegen nicht der Zustimmungspflicht.
     

  • Ihr könnt euren Angehörigen nicht im Sterben begleiten. Das übernehmen stattdessen die Explantations - Chirurgen. Und erst während der Explantation,, wenn das Blut durch eine die Organe konservierende Kühlflüssigkeit ersetzt worden ist, stirbt euer Angehöriger zu Ende.
     

  • Wenn ihr später leidet unter der Zustimmung zur Organentnahme, wird man euch sagen, dass ihr keinen Grund dafür habt, denn euer Angehöriger war ja amtlich tot zum Zeitpunkt der Explantation.

Deshalb:
Vertraut auf eure Wahrnehmung und eure innere Stimme!

 Anmerkung:

Ich habe 1997 der "Organspende" meines Sohnes zugestimmt und bereue meine Zustimmung jeden Tag.
 

Osterholz-Scharmbeck

Renate Focke

Die Elterninitiative:

"Kritische Ansichten
zur Organtransplantation"

www.initiative-kao.de

 

Ist die Würde des Menschen unantastbar?

Renate Focke

Wenn ich am Ende eines Briefes "herzliche" Grüße schreibe, befällt mich ein Unbehagen. Bei den Redewendungen "sich ein Herz fassen" und "Hand aufs Herz" bekomme ich Herzklopfen. Warum diese Reaktion auf tradierte und vertraute Sprachbilder? Weil sie für mich ihren warmen Klang verloren haben und Ausdruck eines ganz anderen Sachverhalts geworden sind:

"Sich ein Herz fassen" und "Hand aufs Herz" drücken für mich den Zugriff der Transplantationsmedizin auf die Organe und Gewebeteile von sogenannten "hirntoten" Spendern aus. Bei "jemanden auf Herz und Nieren prüfen" sehe ich den sachlich-prüfenden Blick der Explanteure, ob die dargebotenen Teile auch brauchbar sind. Mit "Es geht unter die Haut" assoziiere ich die Tatsache, dass der Körper des "Hirntoten" aufgeschnitten wird, um Organe zu entnehmen, und dass diese Menschen für andere "ihre Haut zu Markte tragen".

Diese in die Wirklichkeit umgesetzten Redewendungen werden nur noch übertroffen durch neue Wortschöpfungen wie "der innerlich Enthauptete", "der künstlich am Leben erhaltene Restkörper", "das menschliche Gemüse" und ""Kadavertransplantate".

Was bleibt vom Menschen, wenn er, wie die Transplantationsmediziner sagen, kein "Individuum" und keine "Person" mehr ist? - Genau: Verwertungsmasse!

 

Die Würde des Menschen ist .. antastbar.

 

Kontaktaufnahme mit der Urheberin ist 
per email über die Redaktion möglich. 
Der Text ist urheberrechtlich geschützt 
© 2004 Renate Focke

 

Weitere Informationen finden Sie auch unter:

 

www.robertorotondo.de
www.transplantation-information.de

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