aus: STUTTGARTER ZEITUNG
Die Stuttgarter Straßenbahn AG
(SSB - AG) (Informationen hierzu im Internet unter
http://de.wikipedia.org/~enbahnen und unter
http://www.ssb-ag.de/), die zwischenzeitlich ihren Namen
eigentlich zu Unrecht trägt, da
sie ja keine Straßenbahnen mehr betreibt, sondern moderne, weil
superschnelle Stadtbahnen, kommt aus den Schlagzeilen der regionalen
Zeitungen nicht heraus. Zum einen stechen deren eigenen halbseitigen
Werbeanzeigen ins Auge, in welchen die Vorzüge der
Schienenfahrzeuge vom rasanten Typ DT8 hervorgehoben werden, dem
gegenüber stehen die redaktionellen Beiträge über tragische Unfälle mit Menschen und Kraftfahrzeugen, für welche im
wesentlichen meist die Unachtsamkeit der Fußgänger, Bahnbenutzer und
KFZ - Lenker als Ursache zugrunde gelegt werden. Zuweilen werden
auch die Tarife dieses Verkehrsmittels als preisgünstig gelobt. Die
Bahn als AG der Stadt ist als Inserent für Zeitungsmacher halt ein
lukrativer Auftraggeber.

Stuttgart
Alexanderstraße Ecke Charlottenstraße B27.
Hier erzwingt die Stadtbahntechnik u. U. ebenso
gefährliche wie unerwünschte Begegnungen bei höchst
provisorischen verkehrstechnischen Abhilfeversuchen.
Das Foto zeigt
das weite Ausscheren der Bahn vorne
und hinten an den einzelnen Segmenten, aber auch
das Unterschneiden in deren Mittelbereich bei engen Kurven.
Mit einem solchen Verhalten rechnen viele Verkehrsteilnehmer
nicht und geraten somit oftmals unvermittelt an/unter die Bahn.
Deshalb werden diese Kurven, für die dieser Wagentyp
eigentlich nicht konzipiert ist, lang gestreckt gestaltet.
Wer die Mühe macht, sich einmal die Stadtbahn Stuttgarts, deren
Trassenführungen - und Straßenüberquerungen vor Ort zu Gemüte zu
führen, erkennt bald mühelos, dass die Ursache für viele, vielleicht
sogar die meisten dieser Unfälle in der Konstruktionsart und
Dimensionierung dieses Verkehrsmittels und seiner Aufwendigkeit,
auch bei dessen Trassenführung und Haltestellen in Relation zur Enge
vieler durchfahrener Stadtteile begründet liegt.

Stuttgart
Alexanderstraße.
Menschen suchen kurze, auch gewohnte Wege,
technische System erzwingen Trennung
für den "Fortschritt".
Der schienengebundene Verkehr ist, bei angemessener Anwendung und
Ausgestaltung, ein wichtiger Beitrag zur dringend notwendigen
Humanisierung der Lebensbedingungen der Menschen in hoch
verdichteten (Groß-) Städten. Deshalb bemühen sich die folgenden
Beiträge um eine Analyse der zuvor angerissenen Unfallursachen, die
in einer Fehlanpassung der Technik der Stuttgarter Stadtbahn an ihre
städtebauliche Umgebung in Stuttgart und in deren für diese
Umgebungsbedingungen höchst ungenügenden Sicherheitseinrichtungen begründet
liegen.

Karlsruhe Stadtzentrum
- Kultur ist Lebensgefühl,
technische Systeme sollten dem Rechnung tragen
und nicht etwa die Verhältnisse des Dienens
auf den Kopf stellen.
Vorläufiges Fazit:
Für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen in engen
Großstädten, sind einfach gestaltete und an die vorhandenen
Umgebungsbedingungen angepasste, elektrisch betriebene Bahnen
notwendig, die eine verbraucherfreundliche Preisgestaltung und
flexible, verbrauchernahe Fahrplanmodifikation und Nutzung
ermöglichen. Einfache und dadurch preisgünstige Konzepte
(Konzeptionen) sind im
raschen Wandel technologischer Systeme und Lösungen in unserer schnelllebigen
Zeit auf Dauer erfolgreicher als aufwendige, teure und inflexible
Großtechnologien. Großvolumige, schwerste, vor allem nur auf
Hochgeschwindigkeit getrimmte Stadtbahnwagen, die auf kostspieligen,
weil aufwendig erstellten, breiten Trassen durch ohnehin schon viel zu enge
,Gassen' nur höchst eingeschränkt manövrierfähig über die alle anderen
behindernden Gleise brettern, sind mitnichten der Weisheit letzter
Schluss. Alternativbeispiele, wie zum Beispiel auch aus Karlsruhe,
zeigen, dass es auch in unseren Tagen noch anders geht, wenn der
Mensch in den Mittelpunkt gerückt wird.
Die
einzige endgültiger Lösung in den alten Stuttgarter Stadtteilen wird
letztendlich nur noch die vollständige Versenkung der Stadtbahn in
den Untergrund sein. Hier wären die Milliarden des Herrn Schuster
und Co. sicherlich besser und bürgerfreundlicher ja -näher
angewandt, als bei der höchst undemokratischen Versenkung des
Hauptbahnhofs im Rahmen von Stuttgart 21 zu Gunsten einiger weniger
politiknaher Immobilien- und Grundstücksspekulanten. Zu bedauern
sind in diesem Fall dann allerdings mal wieder all die unzähligen
Baustellenanwohner während der langjährigen Buddeleien.
Und wenn schon die Stadtbahn vergraben wird, dann bitte auch gleich
noch die Autostraßen mit dazu. Denn dann können endlich mal wieder
Kinder auf verkehrs- und verkehrslärmfreien Straßen spielen und müssen nicht länger
ihr Leben vor Computer fristen und dabei verschwenden, ebenso wie
deren Eltern.
In diesem Sinne
Peter Bechen