Regine Rau:
MENSCHEN in AOTEAROA - NEUSEELAND

Interview KAIKOURA Südinsel 23. November 1994

Sorry, dass kein Photo von Tony dabei ist.

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Das war einer der 2 Filme, den die Kamera nicht transportiert hat!

Persönliche Daten:
  • TONY, Neuseeländer
  • 43 Jahre
  • geschieden,
    lebt mit 15-jährigem Sohn zusammen
  • 2 Kinder,
    eine 13-jährige Tochter,
    lebt bei der Mutter

1. Wann und woher kamen Deine Vorfahren, hast Du die Länder mal besucht?

Von Mutter's Seite bin ich die 3. Generation, ihre Leute kamen aus Irland. Von Vater's bin ich die 4. Generation; sie kamen aus England. Ich war noch nie in Europa, würde jedoch gerne mal Irland und England besuchen!

 

2. Wie wichtig sind Deine Wurzeln?

Sie sind wichtig für mich! Mich hat meine Schei-dung entwurzelt, eine Weile aus der Bahn geworfen - meine Frau und meine Kinder waren auch Wurzeln für mich! Geboren und aufgewachsen bin ich in Christchurch, auf der Südinsel. Später bin ich nach Kaikoura gezogen und lebe ich heute noch da. Über meine Ur-sprungsfamilie gibt es nichts Besonderes zu sagen - halt traditionell und konventionell, wie viele Familien damals in NZ. Ich wollte Lokführer werden und habe es tatsächlich auch gemacht! Dieser Beruf hat mich stark geprägt; ich bin 24 Jahre hier auf der Südinsel gefahren. Lange Zeit hat mir dieses Leben gefallen, unterwegs zu sein, oft auch in anderen Orten über Nacht zu bleiben. Nun, in den letzten Jahren hat sich technisch viel verändert. Anfänglich fuhren wir zu dritt auf der Lok, am Schluß fuhr ich allein ... Das viele Unterwegs sein hat auch mit zum Scheitern meiner Ehe beigetragen. Die Trennung von meiner Frau und den Kindern war ein Trauma für mich! Wir waren 12 Jahre verheiratet und ich dachte damals sehr konventionell - das hieß für immer zusammen bleiben, egal was geschieht. Bei unserer Heirat waren wir nicht so jung; ich war 29, meine Frau 27 und trotzdem ging es nicht gut. Meine Frau zog mit den Kindern auf die Nordinsel, also weit weg und es war hart für mich, die Kinder nicht mehr zu sehen. Nach der Scheidung habe ich eine Weile allein gelebt. Das war so frustrierend, denn auf der Lok konnte ich mit niemand mehr sprechen und nun auch noch zu Hause! Da war niemand mehr, wenn ich heimkam ...

Der Sohn hat sich dann entschieden wieder bei mir zu leben, kam zurück. Das fand ich gut und beschloss, mein Leben zu ändern. Ich gab meinen Job bei der Bahn auf - der Beruf hat mir durch die Veränderungen sowieso keinen Spaß mehr gemacht - und mit meine Rente reicht es ganz gut für unseren Alltag. Ich beschloss zu Hause zu bleiben, den Haushalt zu machen, mich mehr um den Sohn zu kümmern und beruflich als freischaffender Land- schaftsmaler zu arbeiten. Seit 25 Jahren male ich schon überwiegend Landschaften; zuerst war es nebenberuflich, also ein Hobby und jetzt ist das mein Beruf. Dieses "neue" Leben geht so seit einem Jahr und macht Spaß! Ich genieße es, mir meine Zeit zu Hause selbst einteilen zu können, selbst zu bestimmen, was, wann und wie ich es tue. Mit dem Sohn komme ich gut klar.

3. Deine stärksten Eindrücke/Wechsel der Sichtweisen im Leben?

Ja, so haben also die Scheidung und die technischen Veränderungen in meinem Job - was ich zuerst mal als negativ empfunden habe - auch etwas Gutes gehabt. Ohne diesen Leidensdruck hätte ich mit Sicherheit nichts geändert! Mein Wertesystem hat sich auch geändert. Früher war ich sehr materialistisch eingestellt, heute denke ich, Geld ist auch nicht alles im Leben. Ich habe jetzt weniger als früher, bin jedoch glücklicher und zufriedener, lebe viel bewusster. Die Tochter kommt uns in den Ferien besuchen und unser Verhältnis ist besser, als ich gedacht habe.

4. Deine Ziele, Pläne, Wünsche für die Zukunft?

Privat habe ich Sehnsucht nach einer neuen Partnerschaft, heiraten oder so zusammen leben. Aber es ist nicht einfach eine neue Frau zu finden, wieder zu vertrauen! Meine Tochter und mein Sohn sind mir wichtig. Da ich jetzt für den Sohn verantwortlich bin, achte ich mehr auf seine Erziehung. Er ist gerade in der Pubertät, einem wirklich schwierigen Alter und ich finde es gut, dass wir "Männer" zusammen sind. Beruflich möchte ich als Landschaftsmaler erfolgreich sein, Anerkennung bekommen. Nicht so sehr das Geld, obwohl das natürlich auch wichtig ist, mehr die Anerkennung als Künstler! Ich plane im nächsten Jahr eine Ausstellung in Christchurch. Das ist ein gezieltes Projekt, auf das ich hin arbeite. Dann lerne ich nach und nach, mich als Künstler zu vermarkten, die Werbetrommel für mich zu rühren. Das ist viel Neues für mich und ist sehr aufregend.

5. Welche Kontakte/Erfahrungen hast Du mit anderen ethnischen Gruppen?

In der Nachbarschaft leben auch Maori. Dann im Pub, da sind auch Maori und viele Touristen von überall her. Da habe ich auch Dich getroffen! Es macht mir Freude mit unterschied-lichen Leuten zu reden, mich auszutauschen. Es ist völlig unwichtig für mich, welche Hautfarbe und Rasse. Die Menschenvielfalt finde ich inspirierend.

6. Wie siehst Du die Zukunft NZ's im Zusammenleben?

Wenn eines meiner Kinder jemand "Fremden" heiraten würde, wäre das für mich ok. Es ist ihr Leben, ihre Ent-scheidung! Gäbe es deswegen mit anderen Leuten Schwierigkeiten, ich würde helfen, so gut ich kann. Ansonsten hätte ich gerne eine gemeinsame Kultur mit allen, die hier leben. Das ist jedoch nicht so einfach, denn die Meisten bewegen sich in kleinen Zirkeln, gehen nicht heraus, pflegen keinen Kontakt zu den Anderen; zum Beispiel die Leute von den Inseln oder Asiaten. Das ist meine Erfahrung und ich finde das schade. Maori separieren sich meiner Ansicht nach zu stark, kulturell und politisch. Das empfinde ich manchmal als zu extrem. So zu einer harmonischen Einheit in NZ zu kommen - und das wünsche ich mir - ist sehr schwer. Ich bin jedoch der Meinung, dass jeder bei sich selbst im Alltag anfangen muss. Außerdem denke ich, dass Rassismus in jedem Menschen steckt, für mich also der Punkt, wie wir miteinander umgehen wollen, wenn da rassistische Tendenzen sind.

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© by Regine Rau; layouted by Peter Bechen