Regine Rau:
MENSCHEN in AOTEAROA - NEUSEELAND

Interview OKARITO Südinsel 4. Dezember 1994

Persönliche Daten:


1. Wann und woher kamen Deine Vorfahren, hast Du die Länder mal besucht?

Über meine Leute weiß ich nichts, denn Mutter und Vater wollen darüber nicht sprechen. Zu den Großeltern hatten wir keinen Kontakt. Natürlich würde ich gerne mehr wissen. Aber immer wenn ich davon spreche, weichen sie aus; es muss ein Familiengeheimnis geben! Da sie am liebsten schottische Musik hören, glaube ich, dass sie aus Schottland stammen. Ich bin wahrscheinlich die 3.Generation in NZ. Leider war ich nie in Schottland. Auch ich habe eine Leidenschaft für die Musik, möchte nach Edinburgh zum großen Musikfestival!

2. Wie wichtig sind Deine Wurzeln?

Die sind wichtig. Für mich ist Neuseeland meine Heimat, ich identifiziere mich stark mit "meinem" Land. Ich bin in Nelson geboren und habe 6 Geschwister, 3 Schwestern und 3 Brüder. Meine Familie ist auch meine Heimat! Ich habe heute noch engen und guten Kontakt zu meinen Eltern, rufe an und besuche sie oft. Sie leben jetzt in Christchurch. Zu den Geschwistern ist der Kontakt eher lose. Mit 17 habe ich mit der Schule aufgehört, wollte arbeiten und Geld verdienen. Schon vorher, in den Schulferien, hatte ich alle möglichen Jobs. Eine Ausbildung war damals nicht so wichtig wie heute! Ich fing dann bei der Bahn in der Verwaltung an zu arbeiten und blieb über 5 Jahre. Dann fuhr ich eine Zeit lang Lastwagen und habe in verschiedenen Fabriken gearbeitet, am Schluss in einer großen Reifenfabrik in Christchurch. Da habe ich gut ver- dient und konnte mir ein Haus bauen, zum Erstaunen meiner Geschwister! In der Zwisch- enzeit hatte ich Rosanne auf einer Party getroffen; ich war damals 23, sie 17. Wir haben uns verliebt, 1 1/2 Jahre später geheiratet, bekamen 3 Söhne. In der Reifenfabrik gab es Unruhen und Streiks; es war unklar, wie es mit den Arbeitsplätzen weiter gehen sollte - also eine unsichere Zukunft! Ich fragte Rosanne, was sie von einer Lebensveränderung halte - meine Idee war von der Stadt weg zu gehen, eine Farm zu pachten - und sie war einverstanden. Wir bewarben uns und bekamen schnell eine Zusage, zogen dann mit Kind und Kegel los. Das war nun ein neues Leben für uns und wir mußten viel dazu lernen. Auch viel harte Arbeit und am Anfang noch Nebenjobs, da das Geld nicht gereicht hat. Da haben wir Farmarbeit von Grund auf gelernt und es hat auch Spaß gemacht. Nach 7 Jahren waren wir dann soweit und haben uns auf der Südinsel, an der Westküste eine eigene Farm gekauft, die wir 10 Jahre bewirtschaftet haben. Wir waren damals mit unse- rem Leben zufrieden. Keiner der Söhne wollte dann die Farm weiterbewirtschaften; so verkauften wir. Die Jungens waren erwachsen, gingen aus dem Haus. Ich übernahm einen Job als Hotelmanager in einem kleineren Ort, R. jobbte in einem anderen Ort auch in einem Hotel. In dieser Zeit lebten wir in einem Wohnwagen, hier an der Küste auf einem Campingplatz. Der Platz und die Umgebung haben uns gut gefallen und wir beschlossen hier Land zu kaufen. Wir bauten 2 Häuser, ein Motel und die Back-Packer Lodge. R. ist für die Gäste verantwortlich, ich arbeite nach wie vor im Hotel als Manager. Wir sind zu-frieden, können uns nicht mehr vorstellen, in der Stadt zu leben.

3. Deine stärksten Eindrücke/Wechsel der Sichtweisen im Leben?

Der Bestand unserer Ehe - heute nicht selbstverständlich, solange verheiratet zu sein! Dann finde ich schön, dass wir einen guten Draht zu den Söhnen haben; das ist auch wichtig. Rosanne und ich haben immer gemeinsame Ziel und diese auch umgesetzt. Vielleicht gehen andere Bezieh-ungen kaputt, weil sie keine Ziele haben? Ich bin mit meinem Lebensverlauf zufrieden, denke das Beste daraus gemacht haben.

4. Deine Ziele, Pläne, Wünsche für die Zukunft?

Wir überlegen uns nun, wie wir unser Alter verbringen wollen. So von heute auf morgen mit der Arbeit auf zuhören können wir uns nicht vorstellen. So planen wir die Gästehäuser und das Angebot für Gäste noch auszubauen, z. B. auch Ausflüge anzubieten. Wir haben beide Spaß im Umgang mit Men- schen; unsere Gäste merken das, fühlen sich wohl bei uns. Unsere Nachbarschaft ist ok, wir kommen gut klar, also für uns ein idealer Ort, um länger zu verweilen. Später wollen wir mit einem Bus durch Neuseeland fahren und alles anschauen, so ganz gemütlich. Und meinen Volkswagen - ich liebe ihn! Ich habe Lust, den mal auseinander zu nehmen und wieder zusammen zu basteln ...

5. Welch Kontakte/Erfahrungen hast Du mit anderen ethnischen Gruppen?

Nicht viele - auf der Südinsel leben meist "Weiße". Ein Nachbar ist mit einer chinesischen Frau aus Hawai verheiratet, im Nachbarort leben einige Philipino's und dann eben Touristen aus allen Ländern. Interessant ist sich mit den Leuten zu unterhalten, sich über unterschiedliche Lebensstile und Erfahrungen auszutauschen!

6. Wie siehst Du die Zukunft NZ's im Zusammenleben?

Persönlich bin ich enttäuscht. Ich hatte in der Schule Maori-Freunde. Wir haben uns gut verstanden und dachte, wir gehören zusammen, sind alle Neuseeländer! Wenn ich jetzt die Situation mit dem Landkonflikt sehe, das gefällt mir nicht! Ich kann ja verstehen, dass sie eigene Schulen haben wollen, um Kultur und Sprache zu bewahren. Ich halte es auch für wichtig, von einander zu lernen. Unfair finde ich, dass Maori für Land, was sie nie gekauft haben, so viel Geld von der Regierung bekommen sollen (1 Billion NZ-Dollar); das sind Steuer- gelder. Wenn ich Land will, muss ich kaufen oder pachten! Am liebsten würde ich ohne Streit und Konflikt zusammenleben.

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© by Regine Rau; layouted by Peter Bechen