Regine Rau:

6 Wochen als Gast im Kloster Wat Tham Seua - KRABI / Südthailand

 
Rückkehr ins Kloster

Als ich vor 7 Jahren einen Tag auf dem Klostergelände Wat Tham Seua verbrachte, hätte ich nicht gedacht nach Thailand zurückzukommen! Jetzt, mit 58 im Vorruhestand, erinnerte ich mich an diesen spirituellen Platz und beschloss für längere Zeit Thailand zu besuchen.

Mein Start sollte ein Gastaufenhthalt im Kloster Wat Tham Seua sein, um mehr und ausreichend Zeit für diesen schönen Ort zu haben. Das würde mein erster Klosteraufenhalt werden und nicht zufällig in einem buddhistischen Kloster. Die Basisphilosophie des Buddhismus interessierte mich schon länger; ausserdem wollte ich herausfinden, ob der Buddhismus hier auch als Religion mit Personenanbetung / Verehrung praktiziert wird, wie im Christentum und im Islam. Deutsche BuddhistenInnen streiten das gerne ab, behaupten "der Buddhismus" sei ausschliesslich eine Philosophie …  

buddha.gif (8955 Byte)Ich wollte auch mehr über die "Lehre der Alten", den THEREVADA - Buddhismus lernen, der in Thailand praktiziert wird, um später einen Vergleich zur anderen Richtung des Buddhismus - des MAHAYANA zu haben (Tibet, Nepal, Indien - Besuch geplant). Weitere Ziele waren, das Land besser kennenzulernen und meine wenigen Sprachkenntnisse zu verbessern.

Das Kloster, auch "Tiger Cave Temple" genannt, hat Mönch Luang Phor Chamnean Sirasatetho vor 27 Jahren gegründet. Er wurde hier in einer Höhle beim Meditieren von einem Tiger überrascht und verschont! Aus Dankbarkeit gründete er an dieser Stelle das Kloster Wat Tham Seua. Es liegt 6 Km ausserhalb KRABI / Südthailand, nicht weit von der malayischen Grenze entfernt. Weithin sicht- und erkennbar ist der Ort durch eine golden Pagode auf einem 300 m hohen Felsen und einer grossen Bhuddha - Statue, die noch vergoldet wird. 1237 Stufen führen auf den Gipfel und bei schönem Wetter bietet sich hier ein phantastischer Rundblick über die Region. Ich fand das Klostergelände - mehrere kleine Täler, hohe Felsen und Höhlen - schon bei meinem ersten Besuch magisch.

Der Gründer ist aus meiner Sicht ein besonderer Mensch, da er sich ausgerechnet diesen Platz für seine Meditationen ausgesucht hat! Das Kloster ist heute in Thailand berühmt wegen der Geschichte, seiner schönen, ruhigen Umgebung und hat sich schnell vergrössert. Heute leben zeitweise bis zu 300 Nonnen/ Mönche und Gäste da, für länger oder auf Zeit. Viele kommen aus der Riesenstadt Bangkok zu einem Retreat = Rückzug, um zu regenerieren. Übrigens bekommen Thailand's Beamte einmal während des Arbeitslebens eine 3-monatige Auszeitmöglichkeit für ein Retreat in einem Kloster!

Ich wusste, das Wat Tham Seua ein gemischtes Kloster (für Nonnen und Mönche) ist und das Frau / Mann in Thailand jederzeit in's Kloster kommen kann, für eine Weile als Nonne / Mönch oder Gast für ein Retreat auf bestimmte Zeit. So flog ich hin, mietete in Krabi für eine Woche ein Zimmer, regelte administrative Ding wie "Hausbank", Postlagerungsadresse, Internetcafe etc. Ausserdem machte ich mich auf die Suche nach einer englischsprechenden Thai-Frau, die mir als Übersetzerin helfen sollte mit Chefnonne, der Nr. 1 zu klären, ob und wann ich kommen kann. JA!

Was ich brauche, was es kostet?

Was brauche ich? Kopfkissen, Bettwäsche, Handtücher, 2 Nonnenkleider (auch als Gast!) und persönliche Sachen. Bett, Matten und Moskitonetz seien vorhanden. 

Stimmt die Information, dass ich "umsonst" im Kloster leben kann? Ja, keine Hausmiete und kein Geld für das Essen, aber natürlich könne ich Spenden = Donation geben und in der Küche, der Werkstatt oder in den Gärten mitarbeiten. Das sei freiwillig und meine Entscheidung! Kenne ich die Regeln, eine Nonne / Mönch im Kloster zu sein? Nein, nicht wirklich! Einiges hatte ich darüber gelesen, war jedoch unsicher ob und wie das in den Klöstern jeweils gehandhabt wurde. Ok,  Elisabeth, eine amerikanische Nonne, solle mich einweisen. Danach könne ich mich entscheiden, ob ich Nonne sein oder als Gast kommen wolle.


Hier die allgemeinen 8 Regeln,
die auch in der abendlichen Hauptzeremonie gesungen werden:

  1. Nicht töten
  2. Nicht stehlen
  3. Sexuell nicht aktiv sein
  4. Über niemand schlecht reden
  5. Keine Drogen nehmen
  6. Vom Mittag bis zur Morgendämmerung nicht essen
  7. Nicht tanzen, singen, Musik hören oder spielen, keine Shows anschauen, keinen Schmuck tragen, nicht schminken oder parfümieren
  8. Nicht in luxeriösen Betten schlafen, auf luxeriösen Stühlen sitzen

Lebensbedingungen im Kloster

Dankbar für die Übersetzungshilfe und Informationen zog ich von dannen. Ich beschloss keine Nonne auf Zeit zu werden, da ich immer noch rauchte und nicht wusste, ob ich das aufgeben wollte. Ausserdem verstand und akzeptierte ich einen Teil von Regel 7 nicht - wir haben in Deutschland sehr gute Musik- und Tanztherapien, singen und musizieren kann gesund sein ….  Alle anderen Regeln fand ich akzeptabel, habe mich auch daran gehalten. Später stellt sich dann im Klosteralltag heraus, dass es auch hier menschelte - Radio wurde gehört, zum Teil ferngesehen, einige Mönche rauchten öffentlich und das nicht essen dürfen am Nachmittag und Abend wurde durch kalorienreiche Drinks und Süssigkeiten unterlaufen.

Wegen meiner Grösse passten mir die weissen, kaufbaren Nonnenkleider nicht; so liess ich mir welche schneidern; das dauert in Thailand nur einen Tag. Meine Hauswirtin, die regen Anteil an meinem Vorhaben nahm, fuhr mich nach 3 Tagen netterweise raus ins Kloster. Ich war mächtig aufgeregt - begab ich mich doch in eine mir fremde Welt, ohne viel Thai-Sprachkenntnisse - und dazu gehörte Mut! Im schnellgewachsenen Nonnendorf wurde mir eine einfache Holzhütte zugewiesen, mit klassischer Thai-Toilette und kalter Dusche, das heisst mit einer Schöpfkelle Wasser über sich zu giessen. Das war ok - mehr hatte ich nicht erwartet. Ich kehrte erst mal aus, entfernte die Spinnweben; das Haus war offensichtlich länger nicht bewohnt. Dann machte ich mir mit meinem Tauchsieder Kaffee, setzte mich auf die Treppe und schaute mich um - Häuser in verschieden Stilen / Grössen mit zum Teil schönen Gärten, im Hintergrund Busch und Urwald. Warum diese Unterschiede? Später fand ich heraus, das einige Häuser nur 1 x im Jahr ein paar Wochen von Spenderinnen genutzt werden. Die restliche Zeit sind sie für Gäste freigegeben. Manche Häuser wurden von Nonnen/Mönchen, die zum Teil schon viel Jahre dort leben, selbst finanziert und sie erzählen gerne, was das gekostet hat.

Nach einer Weile kam eine der alte Nonnen und forderte mich per Handzeichen auf ihr zu folgen. Ich verschloss meine Tür - Anweisung von Nonne Nr. 1 und sie führte mich dann 3 Stunden herum, stellte mich als Farang = weisse Fremde aus Deutschland vor und löste damit Gelächter, Unsicherheit und Irritation aus. Bis jetzt waren ausser Elisabeth keine "Westerners" im Kloster, mehr Fremde aus Singapore, Malaysia, China und Taiwan, die mehr den weiblichen Buddha Guan Im verehren, deren grosse Statue auf dem Gelände steht. Wie mit mir umgehen, wenn reden nicht möglich war? Nun, ein Lächeln war der Anfang … Jedes Mal, wenn wir eine Buddhastatue passierten oder einen Mönch trafen musste ich mich verbeugen, vor manchen ganz tief. Letztere standen in der strikten Kloster-Hierarchie wohl ganz oben, was leider (oder gut so!?) an Ihrer Kleidung nicht erkennbar war.

Von Moskitos zerstochen - ich hatte vergessen mich einzureiben, den vielen neuen Eindrücken und Verbeugungen ganz erschlagen, kam ich müde zurück und machte ein Schläfchen.

Um 20 Uhr ging ich dann zur Abendzeremonie in die grosse Tempelhalle, die um die "Tiger-Cave" in die Felsen hinein gebaut ist. Glockengeläut fordert zum Kommen auf und dort erwartet den Gast ein eindrucksvolles Bild: auf der obersten Marmorplattform sitzen die Mönche als Stellvertreter Buddha's, der Nächsten die alten und dann die jüngeren Nonnen, ganz hintern die Gäste und BesucherInnen. Ich liess mich auf einer Matte im Lotossitz nieder und machte den Anderen alles nach, da ich noch nie in einem buddhistischen Tempel bei einer Zeremonie dabei war. Schon nach kurzer Zeit konnte ich nicht mehr sitzen - alle Knochen taten mir weh! Den Thai's fiel das offensichtlich nicht schwer, da sie diese Art von Kindheit an gewohnt sind. Ich rutschte hin und her, hatte Bedenken meine NachbarnInnen zu stören, die mich eh alle mit neugierigen Blicken musterten, über mich redeten. Dann brachte mir eine Nonne lächelnd einen "nomalen" Stuhl und ich setzte mich dankbar in die letzte Reihe. Die Zeremonie ging eine Stunde, mit den Gesängen in der aus Indien stammenden PALI - Sprache, dem Heimatland Buddha' s. Sie hörten sich an wie die Litaneien einer katholischen Messe. Die Nonnen / Mönche hatten jeweils eine VorsängerIn, die sich in jeder Zeremonie abwechselnden, wie sich später herausstellte. Alles beindruckte mich sehr, auch die phanastische Akkustik. Ich kniff mich ab und zu, um herauszufinden, ob ich wirklich da war, das real erlebte!

Zufrieden, mein Ziel erreicht zu haben, schlief ich die erste Nacht vor Ort tief und gut. Natürlich schaute ich vorher, welches Getier sich in meiner Hütte angesammelt hatte, um zu entscheiden, wer bleiben kann / wer gehen muss … .

Die Nonnen/Mönche stehen vor 4 Uhr morgens auf, um zur ersten Zeremonie zu gehen. Ich um 5.30 Uhr, um später in der Küche mit den anderen Nonnen um 6 Uhr bei Sonnenaufgang zu frühstücken und mir dann in einem ausgeliehenen Henkeltopf das Mittagessen ins Haus zu nehmen. Es gab immer genug Reis und zweierlei Gerichte mit Fleich/Fisch und Gemüse zur Auswahl. Ein Gericht davon war immer sehr scharf; auf das verzichtete ich am Morgen gerne und die ausschöpfende Nonne warnte mich freundlicherweise ab dem 2. Tag! Auch gab es Früchte zum Mitnehmen. All das fand ich allerdings auch erst später heraus. Die erste Woche wurde mir als Gast ein eurpäisches Frühstück (Toast, Marmelade, Früchte und Kaffee!), zusammen mit dem Frühstück der Mönche, zur 7 Uhr Zeremonie im Tempel an einem extra Tisch serviert! Da ich jedoch mehrere Wochen bleiben und nicht immer eine Ausnahme sein wollte, machte ich mich sachkundiger und landete so morgens in der Küche, gehörte nun dazu!

Die 7 Uhr-Zeremonie beeindruckte mich am meisten, da hier im Gegensatz zum Abend alle Mönche anwesend waren. Das Mönchsfrühstück wurde von Nonnen und teilweise von Gästen serviert - eine grosse Ehre, da Stellvertreter Buddha's! Ich durfte mitmachen, musste jedoch aufpassen / mich umstellen, da buddhistische Mönche nie direkt etwas von Frauen nehmen - also indirekt, das bedeutet vorher abstellen! Anfänglich habe ich das oft vergessen und sie warteten dann einfach.

Mönch Nummer 1

Selten war Mönch Nr.1 anwesend - in den 6 Wochen 3 Mal! Meist reiste er in Thailand umher oder jetete durch die Welt, dortige Thai - Menschen betreuend und Spendengelder einsammelnd. War er da, sass er auf einem seiner bombastischen Stühle / Throne und alles wuselte dienernd und aufgeregt um ihn herum. Zwei Mal fuhr ich morgens um 5 Uhr mit raus zu einer Spendensammelaktion, wo Nr. 1 beim Einsammeln der zahlreichen Gaben auch die Menschen segnete; auch hierbei war immer grosse Aufgeregtheit um seine Person.

Wie sah sonst mein Alltag hier aus?

Vor der Morgenzeremonie machte ich meine täglichen Yoga/Gymnastikübungen im Garten, was bei den Nonnen Verwunderung oder Heiterkeit auslöste, da offen- sichtlich ungewohnt. Nach der Frühstückszeremonie stand bei allen Hausarbeit an, das heißt fegen, waschen oder im klostereigenen Supermarkt einkaufen, in dem es alles ausser Zigaretten und Alkohol gab. Morgens um 8.30 fuhr auch der "Nonnenexpress" kostenlos in die Stadt, mit Zeit um zur Bank, zum Markt etc. zu gehen. Wollten Mönche mit, mussten sie neben dem Fahrer sitzen; neben Frauen zu sitzen ist ebenfalls gegen ihre Regeln. Morgens studierte ich meist deutsche/englische Bücher über Buddhismus und meditierte auf der Tempelplattform im Tal der 1000-jährigen Bäume, dem Khiri Wang Valley - meinem Lieblingsplatz. Später arbeitete ich auch im Garten, zupfte vor allem Unkraut, was in der Wärme / Feuchtigkeit rasend schnell wuchs - im August / September ist Regenzeit in Südthailand. Nach einer Woche hatte ich das Rauchen aufgegeben, was mir dort leicht fiel und wechselte auch in das Haus, das mir die "Schneidernonne" anbot. Jetzt hatte ich mehr Komfort, z. B. einen Ventilator, eine kleine voll eingerichtete Küche, sowie mehr Möbel. Hier wohnte ich bis zum Schluss. Von selber hätte ich jedoch nicht nach einer anderen Behausung gefragt, da ich dankbar war überhaupt als Gast da sein zu können.

Nach dem 12 Uhr-Essen einen Mittagsschlaf und dann 3 Stunden Mitarbeit in der Werkstatt - ich schnitt Stoffbildchen von Mönch Nr.1 aus, faltete und steckte sie mit einem Glücksarmband in eine Tüte. Diese bekamen BesucherInnnen als Geschenk / Glücksbringer, wenn sie gespendet hatten. Dabei sass ich zusammen mit Nonnen / Mönchen auf dem Boden in der Werkstatt. Bei gutem Wetter arbeiteten wir aussen in einem der vielen kleinen Häuser, wo Kerzen, Räucherstäbchen, frische Blüten und Souvniers verkauft werden. Dabei ging es immer lustig zu - Radiomusik, Scherze und Gelächter, Gespräche - leider habe ich wenig verstanden. Bei der Arbeit wurden wir ausreichend mit Kaffee / Tee / Saft, Bonbons und Kaugummi versorgt. Aussen zu arbeiten hat mir bestenens gefallen - von da konnten wir alle BucherInnen sehen, die das Kloster betraten. Da waren alle Hautfarben/Gesichter und Sprachen der Welt zu sehen/zu hören. Manchmal zogen die neben mir Sitzenden hörbar die Luft ein, wenn mal wieder einige Besucher in zu kurzen Shorts und Tops rumliefen oder gar die Männer mit freiem Oberkörper! Das ist für Thai-Menschen zu viel Haut; da sie jedoch entweder zu höflich sind oder nicht englisch sprechen geht's halt immer so weiter … . Manchmal forderten sie mich auf, mit den Leuten zu sprechen. Sie konnten übrigens genau unterscheiden, welche Leute aus anderen, asiatischen Ländern waren. Mir fiel das erst schwer, merkte jedoch bald, dass alle erwachsenen Thai's hochgeschlossen und konservativ - thai, bzw. europäisch gekleidet waren, während die Anderen auch zum Teil über die Stränge schlugen. Gewundert hat mich das schon, denn in fast jedem Reisführer steht die Kleiderordnung für Klöster / Tempel, die sich nicht zu den Regeln in Europa oder sonstwo unterscheidet! Am Spätnachmittag dann Meditation auf der Terasse des Initationstempels, mit Blick in ein liebliches Tal. Hier bekommen alle, die sich entschlossen haben Nonne / Mönch zu werden in einer speziellen Zeremonie ihren Kopf geschoren; später wird das ohne grossen Aufwand zwei mal im Monat gemacht, jeweils zu Halb- und Vollmond.

Danach noch Walking ums Klostergelände, zu dem ich allerdings meine privaten Kleider trug, da das in Nonnenkleidern nicht akzeptabel war. Apropos Nonnenkleider - die Umstellung von überwiegend bequemen Hosen zum relativ engen Rock fiel mir sehr schwer, hatte ich doch weniger Bewegungsfreiheit und tippelte damit wie eine Geisha. Die Schneidernonne hat die Röcke dann abgeändert und es ging etwas besser.

Die vielen Verbeugungen habe ich auf die Tempelzeremonien reduziert. "Meinem" dicken, lachenden Lieblingsbuddha am Tempeleingang warf ich im Vorbeigehen immer eine Kusshand zu, da er im Gegensatz zu anderen voller Leben ist!

Der Tag endete mit der 20 Uhr Zeremonie. Alle Zeremonien / Andachten wurden per Lautsprecher überall hin übertragen, also auch in den letzten Winkel der Täler und Höhlen, wo die meisten Mönche leben. Das war vor sieben Jahren noch nicht der Fall; ebenso wenig gab es die Mikrophone im Haupttempel, sowie die blinkenden Lichter um Buddha's Haupt! So hat auch hier westliche Technik Einzug gehalten. Viele der Nonnen / Mönche hatten ein Handy, einige Waschmaschinen und Fernseher. Den Nonnen war übrigens nicht erlaubt ausserhalb des Nonnendorfes zu wohnen, während die Mönche die Wahl hatten in normalen Häusern oder Höhlen zu wohnen. Das hätte ich gerne auch ausprobiert!

Retreat über Buddhismus im Camp SUAN MOKKH

Alles hatte also einen geregelten Ablauf, was auch für mich angenehm war und sich wahrscheinlich nicht gross zu europäischen Klöstern unterscheidet. Ausserdem hat mir gefallen auch praktisch mitarbeiten zu können, da ich nicht der Typ bin immer zu meditieren. Nur verstand ich leider nicht viel in den Zeremonien; auch merkte ich aus Beobachtungen, dass es mehr als nur sitzende Meditationen geben musste. Elisabeth, die amerikanische Nonne riet mir zu einem 10-tägigen, englischsprachigen Retreat über Buddhismus in dem internationalen Camp SUAN MOKKH, 45 Min. von der Stadt Surat Thani / Mittelthailand entfernt. Sie gab mir dazu einige schriftliche Info' und aus dem Internet holte noch Hinweise zu den jeweils am ersten Tag eines Monats anfangenden Tagen. Nach 3 Wochen im Kloster beschloss ich hin zu fahren und hinterher noch mal 3 Wochen mit dem neuen Wissen in What Tam Sua zu verbringen. Die meisten meiner Utensilien liess ich im Haus im Kloster zurück und machte mich mit kleinem Gepäck auf den Weg. Dort angekommen stellte ich fest, dass die Regeln veraltet waren. Jetzt waren es 10 stilleTage, zusammen reden war also nicht erlaubt und es war verboten das Camp zu verlassen! Begeistert war ich darüber nicht, da ich die Regeln vor meiner Entscheidung wissen möchte. Ich beschloss dann zu bleiben, da ich begierig war dazu zu lernen. Allerdings nervte mich der Manager des Camps, ein ca. 75-jähriger Mann mit deutschem Akzent (er verleugnete seine Herkunft!) mit seinem militärisch / rüden Ton, den ich nicht ausstehen konnte. Auch fand ich schade, dass die über 100 TeilnehmerInnen sich nicht am ersten Abend vorstellen konnten. So selbstverständlich finde ich es nicht, dass sich Menschen aus aller Welt friedlich treffen … .

Meine Lernerfahrungen im Camp

Was habe ich dort gelernt und ausprobiert, was fand ich gut? Verschiedene Meditaitonstechniken im Sitzen, Stehen und Gehen, sowie viele Informationen über die hiesige buddhistische Philosophie in den "Dhama-Talks", die in Englisch von verschiednenen Mönchen Vorlesungen gleich gehalten wurden; auch bekamen wir die englischen Texte des PALI-Chanting der Tempelzeremonien. Die morgendliche Yoga/Gymnastikstunde um 5 Uhr in den Sonnenaufgang hinein war klasse! Auch die heisse Quelle vor Ort überraschend und angnehm, sowie das schöne Gelände des Camps. Wir haben die meiste Zeit aussen in der Natur verbracht. Auf dem klassischen Thai-Holzkopfkissen in meiner Nonnenzelle habe ich gut geschlafen, das tat meinem Rücken sehr gut. Nicht gefallen hat mir das lange nicht reden dürfen. Es hatte zur Folge, das alle aneinander vorbei oder beim Essen vor sich hin sahen. Kein Lächeln, kein Einsatz von Körpersprache, also langweilig und öde. So setzte ich mich bald allein zum Essen an einen schönen Platz und schaute lieber in die Natur! Auch das Thai-Personal war dort seltsam, lächelte nie - also kein Vergleich mit der humanen Atmosphäre in Wat Tham Seua und wie ein erneuter Kulturschock für mich. Nach 8 Tagen war mein Mass an Isolation voll und ich "flüchtete", sass wieder mit Genuss unter fröhlichen, miteinander redenden Tahi-Menschen im öffentlichen Bus nach KRABI. Da ich nach diesen strikten Regeln nicht gleich ins Kloster zurück wollte - mein Freiheitsdrang war danach extrem gross - gönnte ich mir "Urlaub" am langen und schönen Strand in Krabi - AONANG.

"Urlaub" am Strand und zurück ins Kloster

Ich machte lange Strandgänge, schwamm viel und hatte Spass an Unterhaltungen mit anderen Gästen. Ich fing wieder an zu rauchen, hatte eine Infektion im Mund mit geschwollenen Backen - der Redestau …(?) . Erst nach 10 Tagen war ich wieder bereit mich auf Regeln einzulassen, zurück ins Kloster zu gehen. Dann war es gut - wie nach Haus kommen! Alle begrüssten mich freundlich und versuchten herauszubekommen, was ich erlebt hatte. Ich probierte mit meinem neuen Wissen neue Meditionsformen, die mir gut taten und sang bei den Pali-Chantes mit. Auch hatte ich nun einen niedrigen Sitzstuhl für die Zeremonien, sass also wieder zwischen den Anderen!

Abschied vom Kloster

Nicht zufrieden war ich mit meinen Thai - Sprachkenntnissen. Ich hatte wenig gelernt, durch den ständigen Wechsel in's Englische. Alle im Kloster erwarteten jedoch nach meiner Rückkehr auch perfekte Thai-Sprache! So waren die letzten Wochen im Wat Tham Seua auf der einen Seite gut, auf der Anderen waren wir alle leicht entnervt wegen andauernder Verständigungsschwierigkeiten schon bei Kleinigkeiten. Die Stimmung kippte merklich um, meine Gastzeit ging atmosphärisch dem Ende zu. Schade - ich wäre gerne noch eine Weile geblieben, aber Geduld / Gastfreundschaft soll Frau / Mann nicht strapazieren! Zum Abschied bekam ich, wie übrigens zu Beginn, viele Süssigkeiten geschenkt und das Signal, zu einem Retreat wiederkommen zu können. Einige Nonnen halfen mir in wehmütiger Stimmung beim Packen/Tragen. Die "Schneider Hausnonne", die auch die Spendengelder abrechnete und die Klosterbuchhaltung machte, wollte überraschenderweise am letzten Tag Geld von mir für das Haus / den Garten. Erstaunt bezog ich mich auf die Klosterregeln, wollte nicht bezahlen. Daraufhin schimpfte sie plötzlich in Englisch! pauschal auf die Farangs "die alles in Thailand umsonst haben wollten" … Da kam Neid, Eifersucht und Frustration rüber! Verägert, denn ich hatte nicht wenig Geld gespendet und gearbeitet, sprach ich mit Mönch Nr. 1 (Nonne Nr. 1 war im Krankenhaus) und wies diesen pauschalen Vorwurf nachdrücklich zurück. Er war ebenfalls verärgert - das Verhalten dieser Nonne sei gegen die Klosterregeln. So deckte ich am Schluss noch eine "Klostermafia" auf, ein in die eigene Tasche Wirtschaften. Viel Umgang mit Geld korrupiert offentsichtlich auch buddhistische Menschen!

Mit gemischten Gefühlen verliess ich Wat Tham Seua, "meinen magischen Platz". Einerseits traurig, weil vieles sehr schön war, ich viel gelernt und ganz liebe, hilfsbereite, gastfreundliche Menschen dort getroffen habe, auf der anderen Seite geschockt über den plumpen Abkassierversuch und die Art und Weise pauschal auf Ausländer zu schimpfen.

F A Z I T ...

... meines Aufenthaltes: es menschelt überall, ohne gute Thai-Sprachkenntnisse ist es besser dort kein Retreat als Nonne / Mönch / Gast durchzuführen und natürlich ist Buddhismus in Thailand auch Religion!

Für Westerers gibt es bessere Plätze, da dort auch Englisch gesprochen wird. Hier einige Hinweise und Adressen:

  • Das grosse Kloster in CHIANG MAI / Nordthailand - im Moment mehrere Westerners Nonne/Mönch
     
  • 10-tägiges, internationales/englischsprachiges Camp SUAN MOKKH http://www.suanmokkh.org
     
  • ONG MANEE Meditaionscenter, Province Songkla-Südthailand Fax [Thailand] 074 - 484482

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