Regine Rau:
MENSCHEN in AOTEAROA - NEUSEELAND

Interview DUNEDIN Südinsel 20.Dezember 1994

Sorry, dass kein Photo von Stefen dabei ist.

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Das war einer der 2 Filme, den die Kamera nicht transportiert hat!

Persönliche Daten:
  • STEFEN, Neuseeländer
  • 20 Jahre
  • nicht verheiratet, lebt mit Bruder bei seiner Mutter
  • keine Kinder

1. Wann und woher kamen Deine Vorfahren, hast Du mal deren Länder besucht?

Beide Seiten kommen aus Schottland. Von Mutter's Seite bin ich die 5.Generation, von Vater's Seite die 2.Generation, er ist auf den Fiji geboren! In Schottland war ich noch nie, habe jedoch Lust einen Besuch zu machen.

2. Wie wichtig sind Deine Wurzeln?

Wichtig! Meine Mutter hat eine sehr große Familie, die hier in der Umgebung lebt. Wir sehen uns oft - ein gutes Gefühl sie zu treffen, Zeit miteinander zu verbringen. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, wie ich 13 war. Gott sei Dank sind sie nicht im Streit aus einander, haben noch guten Kontakt. Mein jüngster Bruder und ich leben hier mit Mutter, der Mittlere lebt beim Vater in Wellington. Wir sehen uns oft, besuchen uns gegenseitig.

Als Kind bin ich mit meinen Eltern viel im Ausland herumgereist. Vater ist Ingenieur und war beruflich in anderen Ländern eingesetzt - so bin ich zum Beispiel in Deutschland ge-boren, war 1 Jahr in England, Pakistan, Italien und Australien und 2 Jahre in Indonesien. In den Ferien besuchten wir unsere Verwandten in NZ. Dadurch besuchte ich viele verschiedene Schulen und es war schwer, in kurzer Zeit Freundschaften zu schließen! Auf der anderen Seite hat mir das Herumziehen Spaß gemacht - neue Länder, neue Plätze und Häuser zu entdecken ... Leider spreche ich keine Fremdsprachen, weil die Zeit immer zu kurz war!

Seit 8 Jahren leben wir nun ständig in NZ, haben unseren festen Wohnsitz in Dunedin. Ich fühle mich sehr wohl, mein Reisebedarf ist vorerst gedeckt - vielleicht später mal wieder! Seit 2 Jahren gehe ich hier auf die Uni, studiere Zoologie und Informatik, habe noch 1-2 Jahre vor mir. Neben dem Studium tauche ich gerne und fahre mit Leidenschaft Ski.

3. Deine stärksten Eindrücke/Wechsel der Sichtweisen im Leben?

Das Herumreisen und die damit verbundenen Wechsel, manchmal toll und manchmal nervend. Dann die vielen Schulwechsel ... Die Scheidung der Eltern war für mich nicht so einschneidend, weil wir nie ein "normales" Familienleben hatten. Vater war ja auch allein unterwegs, halt oft nicht da. Zu meiner einen Großmutter habe ich eine besonders enge Beziehung, die mich positiv geprägt hat. Dort habe ich viele Ferien verbracht, sogar mal eine Weile da gelebt - sie ist mir sehr nah. Und nun die sehr gute Erfahrung 8 Jahre auf dem selben Fleck zu sein, Freundschaften zu schließen und zu pflegen, zu Hause zu sein! Verliebt war ich bis jetzt noch nicht so richtig, hatte einfach oft keine Gelegenheit auf viele junge Frauen zu treffen ... Da war also bis jetzt nichts prägendes.

4. Deine Ziele, Pläne, Wünsche für die Zukunft?

Nun, mit dem Studium fertig werden - da bin ich dann ca. 22. Ich bin noch nicht sicher, was ich hinterher machen will. Viel-leicht nach Australien gehen; ich kann ja als Neuseeländer da jederzeit leben und arbei-ten, z. B. in einem Zoo oder in der Forschung, da gibt es für mich einige Möglichkeiten. Australien wäre auch gut wegen dem Tauchen ... In die Armee möchte ich nicht, habe kein Interesse daran. Gott sei Dank ist das in NZ freiwillig, eine Berufsarmee. Mit jemandem zusammenleben, heiraten - ja, das kann ich mir später vorstellen. Kinder zu haben, der Gedanke ist mir ganz fremd. Aber das kann sich noch ändern ...

5. Welche Kontakte/Erfahrungen hast Du mit anderern ethnischen Gruppen?

Hier im Backpacker-Hostal meiner Mutter habe ich Dich getroffen und natürlich viele Leute aus allen möglichen Ländern. Unsere Familie lebt auch hier im Haus und ich helfe manchmal aus. Ich finde interessant, dass nun andere Menschen das Haus, die Stadt entdecken und ich jetzt sesshaft bin! Ich habe einige Maori-Cousins und auf der Uni Kontakte mit Maori und AsiatenInnen. Mir gefällt es von und über andere etwas zulernen, sich auszutauschen. Auch ist es für mich wichtig, Stützpunkte und Netzwerke in anderen Ländern zu haben, wenn ich wieder Lust bekomme zu reisen oder dort zu arbeiten.

6. Wie siehst Du die Zukunft NZ's im Zusammenleben?

Ich sehe da nicht viele Konflikte zwischen Maori und "Weißen". Viele sind ja ganz zufrieden. Ich finde es ok, wenn Maori ihre eigenen Grundschulen haben, ihre Sprache und Kultur zuerst lernen. Aller-dings sollte das Hin und Her mit der Vergangenheit aufhören. Wenn da was falsch gelaufen ist, sollte es bereinigt werden um die Zukunft nicht mehr zu belasten. Ansonsten finde ich, daß unsere Regierung zu viele EinwanderInnen ins Land lässt, die dann oft dem Staat zur Last fallen. Wenn Menschen kommen und arbeiten wollen, finde ich das in Ordnung - egal woher und welche Hautfarbe sie haben, ob sie sich mischen wollen oder nicht. Ich weiß jedoch, dass es da manchmal Probleme gibt. Zum Beispiel hat einer meiner Freunde eine Chinesin geheiratet. Ihre Familie war über den "Weißen" nicht begeistert - sie hätten einen Chinesen vorgezogen ...

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© by Regine Rau; layouted by Peter Bechen