Regine Rau:
MENSCHEN in AOTEAROA - NEUSEELAND

Interview AUCKLAND Nordinsel 25.Februar 1995

Persönliche Daten:


1. Wann und woher kamen Deine Vorfahren, hast Du mal deren Länder besucht?

Die Vorfahren von Mutter's Seite kamen Ende des letzten Jahrhunderts aus England, die von Vater's Seite ungefähr zur selben Zeit aus Irland. So bin ich von beiden Seiten die 4.Generation in NZ. Ich identifiziere mich sehr stark als Neuseeländer! England und Irland habe ich bis jetzt noch nicht besucht - es ist mir auch nicht wichtig.

2. Wie wichtig sind Deine Wurzeln?

Auch die Vorfahren erscheinen mir nicht so wichtig, jedoch meine Familie, in der ich aufgewachsen bin. Ich habe zwar hier in NZ jede Menge Verwandte von Mutter's Seite und auch Kontakt zu ihnen, zu Vater's Seite nicht. Meine Eltern waren vor ihrer Ehe schon mal verheiratet und so habe ich eine Stiefschwester und einen Stiefbruder aus dieser Zeit. Aus der neuen Ehe gibt es 2 Kinder, ich und meine Zwillingsschwester, die sehr verschieden von mir ist. Sie heiratet demnächst! Unser Familienleben war nicht sehr erfreulich, denn mein Vater trank und wir hatten oft Sorgen, speziell Geldprobleme. Meine Mutter versuchte die Familie zusammenzuhalten, uns die Wärme zu geben, die wir brauchten. Wir hatten schlimme Zeiten, denn der Vater hat sich nicht um uns gekümmert, viele Probleme gebracht ... Zu ihm habe ich ein sehr zwie-spältiges Verhältnis. Meine Mutter liebe ich sehr, sie ist eine tolle Frau! Ich bin in Auckland geboren und aufgewachsen. Wir haben immer an der Küste gelebt und Mutter ging mit uns Kindern am Wochenende oft fischen. Wir waren sehr erfolgreich und haben die Fische hinterher immer gleich verspeist. Das ist eine meiner guten Erinnerungen an meine Kindheit! Mit meiner Zwillingsschwester hatte ich insgesamt ein gutes Verhältnis - natürlich haben wir uns auch gestritten! Als Teenager muss ich manchmal unmöglich ge-wesen sein, rüde und abweisend, also schlecht drauf. Obwohl mir die Erinnerung daran oft fehlt, glaube ich ihr es, wenn sie davon erzählt, vertraue ihr.

Meine Schulzeit war ganz ok, ich war jedoch nicht der Beste. Später, im College, da war ich unter den Ersten! Ich habe mit Wirtschaft, Finanzwesen und Buchhaltung begonnen und dann das Interesse daran verloren - hatte eine Krise, wollte lieber arbeiten und Geld verdienen. In der Schulzeit habe ich gerne Sport gemacht, Fußball in der Liga gespielt, auch eine Zeitlang getanzt, später mehr Zeit für das für mich wichtigere Akkordeonspiel gebraucht. Fast 10 Jahre spielte ich in einem Orchester, mit dem ich auch in NZ herum-gereist bin – das war klasse! In dieser Zeit habe ich anderen Kindern auch Unterricht gegeben. Ich war sogar mit diesem Instrument mal Jugendmeister in NZ! Heute tanze ich nicht mehr, spiele kein Akkordeon, treibe im Moment keinen Sport - habe ganz andere Prioritäten ...

3. Deine stärksten Eindrücke/Wechsel der Sichtweisen im Leben?

Rückblickend meine schlimmen Jahre als Teenager; da hat sich viel für mich persönlich verändert! Einmal wurde ich in Haft genommen, weil ich illegale Autorennen auf der Straße gefahren bin. Das war keine gute Erfahrung - mit dem Arrest, dem Gericht und so ...! Mein Anwalt hat mich da raus geholt. Ich hatte dann zuerst Befürchtungen wegen meines Lebenslaufes bei der Jobsuche. In NZ wirst du bei Bewerbungsgesprächen immer auch nach kriminellen Vergehen gefragt! Ich habe mich dann entschlossen ehrlich zu sein, zu sagen was ich gemacht habe. Das hat den Leuten imponiert und war nie ein Nachteil für mich. Diese gute Erfahrung hat mir geholfen, weiter zu mir, zu meinem Verhalten zu stehen! Ein weiterer, starker Ein-druck ist meine Mutter, sie hat einen großen, positiven Einfluss auf mich. Dann habe ich aus meiner Kindheit einen Blutsbruder. Wir haben uns mit 8 Jahren getroffen und uns erst mal gehasst. Mit der Zeit hat sich das geändert und wir sind bis heute die besten Freunde. Das ist toll!!!

Eine weitere, wichtige Person war meine Jugendberaterin (councelor). Mit ihr konnte ich über alles sprechen; sie hatte Zeit für mich und war eine sehr gute Zuhörerin. Sie hat mir mit den Gesprächen geholfen meine Familiensituation zu bewältigen. Das ist ebenfalls ein starker Eindruck in meinem Leben! Ich möchte auch Jugendberater werden, anderen Menschen helfen können. Ich weiß, dass ich die Fähigkeit dazu mit meinen spezifischen Familienerfahrungen der Suchtabhängigkeit. So habe ich dann 1 Jahr ein der Uni in Auck- land Psychologie und Erziehung studiert, die Grundlage, um Jugendberater zu werden. Nun ist mir das Geld ausgegangen; später will ich unbedingt die Ausbildung fertig machen! Vor diesem Job hier als Verkaufsberater und Außendienstmitarbeiter habe ich fast 3 Jahre als Buchhalter gearbeitet, 1 Jahr im Kindergarten und 1 1/2 Jahre in einem Carpark. Ich bin stolz auf das, was ich bisher trotz meiner miesen Kindheit geleistet habe!

4. Deine Ziele, Pläne, Wünsche für die Zukunft?

Neben meiner Arbeit mein Studium zu Ende zu bringen und später ein paar Jahre als selbständiger Jugendberater arbeiten. Hier, in meinem Job, möchte ich in 2-3 Jahren Manager sein! Im Alter möchte ich gerne eine Farm haben ... Heiraten will ich auch, am liebsten Michelle, mit der ich schon zusammen lebe. Wir wollen auch Kinder. Dann möchte ich auch wieder musizieren, Akkordeon spielen. Das ist halt eine Zeitfrage! Insgesamt habe ich, im Vergleich zu früher, jetzt sehr klare Ziele. Es ist ein gutes Gefühl für mich, aktiv diese Ziele zu verwirklichen!

5. Welche Kontakte/Erfahrungen hast Du mit anderen ethnischen Gruppen?

Aus meiner Schulzeit kaum, da gab es nur wenige. Jetzt habe ich speziell durch meinen Job hier sehr viele Kontakte mit Maori, Isländern, Indern, Chinesen etc., das ist die Mehrzahl unserer Kunden hier im Laden, die Geräte, wie einen Fernseher ausleihen wollen. Da sind einige Leute dabei, die sind wirklich in Ordnung, mit denen komme ich gut zurecht. Die Mehrheit dieser Minderheiten jedoch spielt diesen Status bei uns oft ganz übel aus - das nervt mich ziemlich. Wenn sie nicht bezahlen können, drücken sie damit oft auf die Tränendrüse, versuchen einen zu erpressen, können auf einmal kein Englisch mehr sprechen, werfen einem Rassismus vor, anstatt über das Anliegende klar und offen zu sprechen ... Meine Kollege und ich sind zu allen gleich freundlich und zuvorkommend, machen keine Unterschiede. Auch ein Appell, uns gegenüber fair zu sein, fruchtet oft nichts - manchmal hilft es. An der Uni gibt es viele asiatischen Studenten. Auch hier wenig gute Erfahrungen - sie kapseln sich oft ab, schließen einen aus, in dem sie nur ihre "Sprache" sprechen - nicht offen für einen Austausch sind! Schade. Das sind meine Erfahrungen hier in Auckland, woanders ist es vielleicht besser.

6. Wie siehst Du die Zukunft NZ's im Zusammenleben?

Schlecht! Wenn ich den Land-konflikt mit den Maori anschaue - das finde ich einfach unfair, dass sie "ihr altes" Land einklagen - Sie waren auch nicht die Ureinwohner NZ's - vor ihnen waren schon andere da, die SIE dann vertrieben oder ausgerottet haben ... Warum sollen/wollen sie jetzt anders behandelt werden, klagen vor Gericht? Ich finde das jedenfalls nicht gut; der ganze Aufruhr ärgert mich! Dann die Situation in Auckland, speziell in diesem Viertel, in dem ich arbeite. Diese Leute bemühen sich ja oft gar nicht, sich in unsere Gesellschaft einzuleben. Sie wollen meist nur ihre Rechte und was ist mit den Pflichten? Insofern habe ich kein gutes Gefühl. Zu einer guten Beziehung gehören immer zwei, die sich bemühen müssen, gut miteinander klar zu kommen!

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© by Regine Rau; layouted by Peter Bechen