Regine Rau:
MENSCHEN in AOTEAROA - NEUSEELAND

Interview HAMILTON Nordinsel 12.Februar 1995

Persönliche Daten:


1. Wann und woher kamen Deine Vorfahren, hast Du mal deren Länder besucht?

Ich bin in hier geboren und fühle mich auch als ein Neuseeländer! Meine Mutter kam im Alter von 19 Jahren von den Cook-Islands nach NZ, Vater kam von den Nine-Islands. Über Mutter's Seite weiß ich viel mehr, als über Vater's. Mutter, 1 Bruder und ich lebten für ein Jahr in ihrem Dorf als ich 10 war. Die Großmutter war krank, brauchte Hilfe. Für mich und meinen Bruder war das seltsam, als ob die Uhr zurück gedreht wäre! Da der traditionelle Island-Stil, zu Hause das moderne NZ-Stil ... Ich habe auch Verwandte in Tahiti, die uns dieses Jahr besuchen wollen; Tahiti selbst kenne ich nicht. Meine Frau, die Tochter und ich wollen bald Vater's Insel kennen lernen.

2. Wie wichtig sind Deine Wurzeln?

Ich finde es schon wichtig, zu wissen woher man kommt! Auch in welcher Familie man aufwächst, ist entscheidend, denke ich. Da habe ich Glück gehabt; liebevolle Eltern, zuverlässig und helfend in allen Lebenslagen. Das war wichtig für meine Geschwister und mich. Wir sind 5 Kinder, 4 Jungens und 1 Mädchen; ich bin der Zweitälteste. Unsere Eltern haben in der Kommune mitgearbeitet, in Kirchen-gruppen, hauptsächlich mit Menschen von den Inseln und haben ihre Erfahrungen weiter gegeben. Beide, Vater und Mutter, sind noch immer stark mit ihrer Heimat verbunden, haben jedoch auch hier in NZ Wurzeln gefasst. Wir Kinder sind ja die 1.Generation unserer Familie, die hier geboren und aufgewachsen ist. So wurde bei uns zu Hause alter, traditioneller Stil mit modernem, westlichen Stil gemischt. Ein Teil unserer großen Ver- wandtschaft lebt auch hier in NZ, der andere Teil auf den Inseln. Mein Vater starb vor 8 Monaten und das war ein schmerzhafter Verlust für uns alle. Ich und meine Mutter vermissen ihn sehr; die 2 waren ein glückliches Paar! In die Schule bin ich nicht be- sonders gerne gegangen. Ich ziehe Handarbeit der Kopfarbeit vor! Auch das Stillsitzen hat mich genervt ... Ein Nachbar von uns hat ein Fuhrunternehmen, das mich mächtig gereizt hat. Ich habe dort dann schon in den Schulferien gejobbt. Mit 16 Jahren bin ich von der Schule, habe in dem Unternehmen zuerst als Lader gearbeitet und als ich mit 18 meinen Führerschein hatte, fing ich als Truckfahrer an, fahre bis heute. Meine Arbeit macht mir Spaß, auf der Straße zu sein, einen Truck zu fahren, das ist meiner Ansicht nach eine besondere Lebensphilosophie! Der Schichtdienst gefällt mir auch. Ich bin auf der Nord-insel unterwegs, kenne mich da sehr gut aus. Meine Frau Patrina habe ich vor 3 Jahren in einer Jugendgruppe der Kirche kennen gelernt. Wie meine Eltern habe ich in der Kirche mitgearbeitet, eine Jugendgruppe geleitet. Ich mochte Patrina sofort, obwohl sie mir das nicht glaubt! Wir haben uns dann besser kennen- und liebegelernt. Als sie schwanger wurde, waren wir sehr unsicher, schon bereit für ein Kind zu sein. Patrina hat sich dann dafür entschieden und wir heirateten. Jetzt bin ich glücklich und stolz auf meine Familie. Kinder fand ich früher nicht interessant; seit die Tochter da ist, finde ich es sehr aufre-gend! P. ist nicht so stabil wie ich. Sie ist oft krank, hatte eine schwere Geburt. Ihre Kindheit war miserabel und das macht ihr oft zu schaffen! Meine Eltern haben sie mit offenen Armen aufgenommen, dass ersetzt ihr jedoch nicht ihren Vater, ihre Mutter.

3. Deine stärksten Eindrücke/Wechsel der Sichtweisen im Leben?

Der Tod des Vaters, ein starker Verlust für mich und die erste Erfahrung für mich, einen mir nahestehenden Menschen zu verlieren. Dann meine schöne Kindheit, mein Elternhaus. Das Eingewöhnen mit Patrina in unseren Ehealltag, eine schöne Erfahrung, jedoch nicht immer einfach. Die Tochter aufwachsen zu sehen, also viele und große Veränderungen in meinem Leben!

4. Deine Ziel, Pläne, Wünsche für die Zukunft?

Mein eigens Transportunternehmen zu haben, mein eigener Boss zu sein! Das war das Motto meines Vaters und ich habe es übernommen, finde es gut. Dann Vater's Heimatinsel zu besuchen, die ich bis jetzt noch nicht kenne. Mutter hat übrigens vor, auf den Cook-Islands, auf dem Grundstück der Eltern, ein Haus zu bauen, als 2.Wohnsitz für die Familie. Auch der Gedanke gefällt mir. Später kann ich mir vorstellen Geistlicher in unserer Kirche zu werden. Ich bin sehr mit ihr verbunden; mir macht es Freude, für andere Menschen etwas zu tun, für sie da zu sein.

5. Welche Kontakte/Erfahrungen hast Du mit anderen ethnischen Gruppen?

Nun, mit Islandern von anderen Inseln und mit Maori. Wir sind alle abergläubisch, aber auf eine andere Art und nicht so stark in alte Traditionen verhaftet, wie Maori. Islander sind mehr relaxter beim Tanzen, bei den Maori ist das alles strukturierter, mit strengen Tanz- regeln. Das Essen ist unterschiedlich, der Humor. Insgesamt kommen wir jedoch gut klar, besser oft wir mit den "Weißen". Die Leute europäischer Herkunft können uns manchmal nicht verstehen, versuchen es auch oft nicht. Wir haben z. B. alle einen starken Familien- sinn und Familienzusammenhalt, helfen uns untereinander. Auch pflegen wir mehr Kör- perkontakte, sind spontaner als sie!

6. Wie siehst du die Zukunft NZ's im Zusammenleben?

Unser Zusammenleben hier ist wirklich nicht schlecht! Klar, manches könnte besser sein, ich bin jedoch insgesamt zu- frieden. Es ist eine gute Mischung hier in Hamilton und in NZ. Klar, da ist der Konflikt mir den Maori und der Regierung wegen ihrem Land. Ich sympathisiere mit ihnen, finde es aber wichtig, dass der Konflikt bald beendet wird. Dass das manchmal so extreme Formen annimmt, kann ich nicht nachvollziehen ... Aber Maori sind ja auch in einer anderen Situation, wie die Menschen, die später nach NZ kamen.

 

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© by Regine Rau; layouted by Peter Bechen