Regine Rau:
MENSCHEN in AOTEAROA - NEUSEELAND

Interview KAIKOURA Südinsel 15. Januar 1995

Persönliche Daten:


1. Wann und woher kamen Deine Vorfahren, hast Du die Länder mal besucht? Von Mutter's Seite kam der Vater aus England und die Mutter aus Dänemark. Sie hatten die 1. Viehfarm mit Jersey-Kühen auf der Nordinsel. Hier bin ich die 3.Generation. Die Leute von Vater's Seite kamen alle aus England und auch da bin ich die 3.Generation in NZ. Ich war noch nie im Ausland, denn früher war es mir nicht möglich zu reisen. Heute, im Alter, bin nicht mehr daran interessiert.

2. Wie wichtig sind Deine Wurzeln?

Neuseeland als Heimat ist sehr wichtig für mich. Mit meiner Familie bin ich nicht so sehr verbunden und auch die Nordinsel ist nicht so mein Geschmack! Ich bin in Auckland geboren und aufgewachsen. Der größte Teil meiner Familie lebt immer noch da. Vor über 30 Jahren, 1959, bin ich auf einer Urlaubsreise nach Kaikoura gekommen, verbrachte einige Wochen hier. Ich war so fasziniert von dem Ort und der Umgebung, dass ich da geblieben bin! Hier lernte ich auch später meine Frau ken- nen, die in der Nachbarschaft wohnte und Lehrerin am Ort war. In meiner Ursprungs- familie waren wir 3 Kinder. Ich bin auf die erste koeduierte Schule in NZ gegangen, also Mädchen und Jungen gemischt. Auch waren mehr Maori auf der Schule als "Weiße", ich war also eine Minderheit. Mein Elternhaus war normal, nichts außergewöhnliches. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zum Schreiner gemacht und 15 Jahre in dem diesem Beruf gearbeitet. Dann fing ich hier bei einer Abteilung der Canterbury Universität an, mit einer Mischung aus Schreinern und Naturschutzarbeit und blieb 10 Jahre. Darauf folgte eine 18-jährige Tätig- keit als Umweltschutzberater hier in der Region. Seit einem halben Jahr bin ich nun Touristenführer für Küsten- und Buschwanderungen, nach dem ich vorher einen Lehrgang dafür gemacht habe. Das macht mir Spaß, denn ich kann hier alle meine vorher gesam- melten Erfahrungen einbringen und an interessierte Touristen weiter geben. Ich hoffe, diesen Job noch lange machen zu können!

Glücklich bin ich darüber, dass ich alles verbinden kann, meine Naturliebe, die Liebe zu Bäumen und Pflanzen. Übrigens liebe ich es bis heute, Holzschnitzereien zu machen! Der Umgang mit Menschen macht mir auch Freude. Ich treffe auf Leute aus aller Welt, so auch auf Dich! Ich bekomme positives Feet-back und denke, dass das eine gute Idee war, die begleiteten Wanderungen hier einzuführen. Über die Erfahrungen als Umweltschutz- berater habe ich übrigens auch ein Buch geschrieben, was heute noch auf dem Markt ist. Ich habe die spannende Entwicklung Kaikoura´s vom kleinen Fischerdorf zum Touristen- ort erlebt. Einiges hat sich zum Guten, anderes zum Schlechten verändert - wie überall, wenn sich der Tourismus entwickelt.

3. Deine stärksten Eindrücke/Wechsel der Sichtweisen im Leben?

Der Wechsel von der Nord- auf die Südinsel, meine Heirat und meine Frau, meine Kinder! Auch die Erfahrung, dass es mit 50 Jahren schwer ist, einen neuen Job zu finden, zum "alten Eisen" zu gehören, dann doch wieder Fuß zu fassen. Meine Job mit meinem Hobby unter "einen Hut" zu bekommen!

4. Deine Ziele, Pläne, Wünsche für die Zukunft?

Über die Rentengrenze von 65 Jahren hinaus arbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, einfach von heute auf morgen auf zuhören! Dann möchte ich mehr Zeit für mein Hobby, das Kochen. Ich tue es leidenschaftlich gerne und anscheinend schmeckt es auch. Besonders Spaß macht mir das Essen in einer speziel- len Form zu präsentieren. Ansonsten wollen meine Frau und ich auch unseren Lebens- abend hier am Ort verbringen. Die Kinder sind nun erwachsen und unabhängig, es geht ihnen gut. Wir hoffen gesund zu bleiben und unser Alter genießen zu können.

5. Welche Kontakte/Erfahrungen hast Du mit anderen ethnischen Gruppen?

Ich mit vielen Maori-Kindern in die Schule gegangen, hatte Freunde unter ihnen. Für uns Kinder war das normal - wir haben über Rassen und Hautfarben nicht nachgedacht und keine Konflikte. Hier in K. gibt es eingewanderte Holländer, Deutsche, Dänen - alle sind ein bisschen anders, auch die Engländer, die Schotten, die Iren. Das ist interessant, ich mache da so meine Studien! Auch einige Maori leben hier, mit denen ich im Alltag zu tun habe und gut klar komme.

6. Wie siehst Du die Zukunft NZ's im Zusammenleben?

Heute gibt viel mehr Konflikte zwischen Maori und Pakeha als früher. Ich verstehe nicht warum - früher haben wir doch friedlich zusammengelebt! Nun, Maori fordern nun mehr ihre Rechte und das bringt Un- ruhe ins Land. Vieles kann ich nach vollziehen; manchmal denke ich, fordern sie zu viel! Vielleicht haben sie zu lange zurückgesteckt? Jedenfalls hoffe ich, dass sich die Konflikte klären und die Zeiten wieder ruhiger werden, denn Platz für alle haben wir doch in Neuseeland!

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© by Regine Rau; layouted by Peter Bechen