Regine Rau:
MENSCHEN in AOTEAROA - NEUSEELAND

Interview DUNEDIN Südinsel 24.Dezember 1995

Sorry, dass kein Photo von Donna dabei ist.

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Das war einer der 2 Filme, den die Kamera nicht transportiert hat!

Persönliche Daten:
  • DONNA 'DEMANTE', Neuseeländerin
  • 26 Jahre
  • nicht verheiratet, lebt mit Freund und Hund zusammen
  • keine Kinder

1. Wann und woher kamen Deine Vorfahren, hast Du mal deren Länder besucht?

Alle Vorfahren kommen aus Schottland! Von Mutter's und Vater's Seite bin ich jeweils die 3.Generation in NZ. Bis jetzt war ich noch nicht in dort. Selbstverständlich möchte ich gerne hin, die Umgebung, die Atmosphäre kennenlernen. Es ist eine Sache des Geldes ...

2. Wie wichtig sind Deine Wurzeln?

Für mich ist wichtig, zu wissen wer ich bin, woher ich komme, was mich geprägt hat. Es ist kein Zufall, daß ich hier in Dunedin gelandet bin, der schottischsten Stadt in NZ! Nachdem ich auf der Nordinsel geboren und aufgewach-sen bin, war es für mich wichtig hierher zu kommen. Dieser Ort mit seinen Einwohner-Innen, seiner Architektur hat auch etwas mit meinen Wurzeln zu tun. In Schottland habe ich noch Verwandte, jedoch kaum Kontakte. Gerne möchte ich mehr über sie herausfin-den - was sie früher gemacht haben, was sie heute tun. Das ist viel Arbeit und ich komme nur langsam voran! Eines weiß ich mit Sicherheit, eine Künstlerin gab es in letzter Zeit nicht in der Familie. Mein Elternhaus ist ganz wichtig. Wir lebten erst auf dem Land, waren eine "normale Familie". An diese Zeit habe ich gute Erinnerungen. Mein 2 Jahre jüngerer Bruder und ich fingen schon früh an eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Ich habe alles mögliche gemacht, modelliert, Theater gespielt und Performances inszeniert. Meine Mutter hat das gefördert, der Vater war eher stolz, wenn wir Erfolg hatten. Wir zogen dann in die Stadt. Das war eine große Umstellung für uns Kinder, nicht mehr so viel Freiraum zu haben. Als ich 11 war, verließ uns die Mutter, um ihr eigenes Leben zu leben. Das war für uns restlichen 3 zuerst ein Schock; ich hatte nicht bemerkt, daß sie sich mit der Familie nicht wohl gefühlt hat! Ihr Beruf als Heilerin/Heilpraktikerin wurde ihr immer wichtiger und sie war überzeugt, in der Zukunft nur alleine leben zu können. Von da ab "erzog" uns Vater mehr schlecht als recht. Er war total überfordert und ließ es einfach laufen. Mein Bruder und ich mußten sehen, wie wir über die Runden kamen - das hat uns früh selbständig gemacht! Das ich Kunst studieren wollte wußte ich mit 14; viele haben versucht mir das auszureden, nur meine Mutter hat mich unterstützt. Mit 18 ging ich nach Auckland auf die Kunstakademie. Die 2 Jahre, die ich dort studiert habe waren langweilig! Die Atmosphäre war nicht besonders - es gab wenig Impulse, auch die Stadt fand ich nicht besonders anregend. Seit 6 Jahren lebe ich in Dunedin als "freie" Künstlerin. Hier fühle ich mich wohl, habe Klima und Atmosphäre die ich brau-che, um arbeiten zu können. Die Stadt ist nicht so materialistisch wie Auckland; Kunst wird als wichtiger Teil der Kultur gesehen. Hier bekomme ich Impulse und Inspiration, auch das notwendige Feetback. Der Austausch unter KünstlernInnen ist da - spinnen, phi-losophieren, essen, lieben, leben - ein sehr kreativer Platz! Mein Geld verdiene ich durch den Verkauf meiner Skulpturen; nebenbei arbeite ich in Cafe's, weil es für den Alltag nicht immer reicht. Eine feste Anstellung kann ich mir nicht vorstellen - ich brauche meinen Rhythmus. Seit 2 Jahren lebe und arbeite ich nun hier in einer alten, großen Fa-briketage, habe viel Platz, um mich auszubreiten - das ist toll! Ich kann mich austoben, ar-beite viel, manchmal "rund um die Uhr". Ich habe einen guten Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut, meine Ersatzfamilie und bekomme viel Wärme und Anerkennung. Als Künst-lerin habe ich mir einen Namen gemacht, werde immer bekannter!

3. Deine stärksten Eindrücke/Wechsel der Sichtweisen im Leben?

Wie Mutter ging - das war hart! Erst nach und nach verstehe ich besser, daß sie es tun mußte, daß es für sie wichtig war. Es hilft mir jetzt, meine Prioritäten zu setzen, mich als Künstlerin ernst zunehmen, meinen Weg zugehen. Heute finde ich es gut, dass sie diesen Schritt gemacht hat und sie mit Leib und Seele mit ihrem Beruf verbunden ist. Als Kind habe ich das nicht verstanden. Wir sind uns zugeneigt, sie unterstützt mich nach wie vor. Dann der Entschluss nach Dunedin zu gehen. Das war richtig und hat mein Leben sehr positiv verändert. Auch mich mit meinem Berufswunsch durch zu setzten, das zu leben, was ich immer wollte!

4. Welche Ziele, Pläne, Wünsche hast Du für die Zukunft?

Von langer Planung halte ich nichts, aber natürlich habe ich Ideen, Ziele. Ich will hier noch eine Weile bleiben und dann Richtung Norden, nach Oamaru ziehen. Das ist ein Projekt zusammen mit Anderen - wir wollen eine KünstlerInnenkolonie gründen, dort leben und arbeiten. Der Ort ist ideal - ein altes Kloster mit schönen Räumen und viel Land dazu, ein sehr schöner, kreativer Platz. Es reizt mich dort auch mit Kindern zusammenzuleben. Eigene Kinder will ich vorerst nicht. Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Anerkennung und finanzielle Unter-stützung von der Regierung für die Künstlerinnen und Künstler unserer Landes! Ich finde es nervend, zeit- und energieaufreibend, als kreativer Mensch immer um die täglichen Existenz kämpfen zu müssen. Ich wünsche mir auch mehr Stolz auf die KünstlerInnen NZ's, denn es gibt hier, vergleichsweise mit anderen Ländern, eine sehr interessante Entwicklung! Die Regierung sollte mehr mit Stipendien und Geld unterstützen, mehr im Ausland für unsere Kultur werben. Für mich persönlich finde ich gut, gelernt zu haben bessere Honorare auszuhandeln und Verträge zu machen. Ich habe festgestellt, dass vor allem Frauen dazu neigen, sich "unter Wert" zu verkaufen! Dieser Lernprozess ist mir sehr schwer gefallen. Geld ist wichtig, es bedeutet persönliche und berufliche Freiheit.

5. Welche Kontakte/Erfahrungen hast Du mit anderen ethnischen Gruppen?

Beim berühmten Friedensmarsch vor einigen Jahren in NZ hatte ich zum ersten Mal intensivere Kontakte mit Maori. Nur wenige von ihnen sind mitgelaufen, was wir Pakeha nicht ver-standen haben. Wir kamen auf der Route immer mehr ins Gespräch und ich war erstaunt, dass die Meisten sich in der Regel nicht von den Zielen der Weißen angesprochen fühlen, sich nicht damit identifizieren können. Damals haben wir viel geredet, unsere Gefühle ausgetauscht, diskutiert. Gott sei Dank hat sich da aus deren Sichtweise etwas geändert. In Dunedin, überhaupt auf der Südinsel gibt es wenig Maori und Isländer. Es geht hier meist "europäisch" zu. Für mich sind Kontakte zu anderen Kulturkreisen wichtig. Das ist das Einzige, was ich hier vermisse! Auf Tagungen und Symposien treffe ich sie und der Austausch ist gut und inspirierend.

6. Wie siehst Du die Zukunft NZ's im Zusammenleben?

Ich möchte mehr zusammen machen, voneinander lernen. Mir gefällt, dass die Maori einen stärkeren Familienzusam-menhalt haben als wir Pakeha. Leider klappt das mit dem "Zusammen" nicht so. Ich gebe Kunstunterricht und die wenigen Maori-Kinder sind meist isoliert. Wenn wir Gruppen-arbeiten machen und die Kinder sich ihre Gruppe aussuchen können, bleiben die Maori-Kinder oft übrig! So ist es für mich als Lehrerin natürlich eine wichtige Aufgabe, die Kin-der zu integrieren. Ich erlebe es mehr als ein Nebeneinander. Schade, es ginge bestimmt gut, wenn Neugierde und Respekt da wären. Auf der Nordinsel läuft das besser! Beim KünstlerInnenprojekt sind wir interessiert an allen, die Lust haben mitzumachen, also "bunt" gemischt. Wenn Menschen aus anderen Ländern nur nach NZ kommen, um Geld verdienen, habe ich gemischte Gefühle. Ich würde ihnen nur eine begrenzte Aufenthalts-genehmigung geben, anstatt einer Dauerhaften. Die Identifizierung mit dem Land ist not-wendig, um sich als Mensch aktiv in eine Gemeinschaft einzubringen!

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© by Regine Rau; layouted by Peter Bechen