Regine Rau:
MENSCHEN in AOTEAROA - NEUSEELAND

Interview KAIKOURA Südinsel 22. November 1994

Persönliche Daten:

1. Wann und woher kamen Deine Vorfahren, hast Du die Länder mal besucht?

Mutter's Leute kamen aus Skandinavien - das Land ist nicht bekannt. Vater's Seite kommt aus Schottland. Er war Steinmetz, der hier in seinem Beruf weiter gearbeitet hat und sein Elternhaus aus Schottland nachgebaut haben soll! Von beiden bin ich hier die 5.Generation und es gibt viele Familienphoto's und Geschichten ... Bis jetzt hat mir die Zeit und das Geld dazu gefehlt, nach Europa zu gehen. Ich habe das noch vor!

2. Wie wichtig sind Deine Wurzeln?

Die Wurzeln sind für mich sehr wichtig und interessant dazu! Meine Schwester ist gerade dabei, den väterlichen Stammbaum aufzuarbeiten. Von Mutter's Seite wissen wir zu wenig, da ist das nicht möglich. In NZ sind wir eine große Familie - wir halten zusammen und geben uns gegenseitig Rückhalt. Auch das ist für mich sehr wichtig und ich bin stolz auf meine Familie. Geboren und aufgewachsen bin ich hier auf der Südinsel, im Ortago Distrikt. Insgesamt habe ich bis jetzt ein gutes Leben gehabt. Von meinen Eltern bekam ich viel Liebe und konnte die gewünschte Ausbildung als Krankenschwester machen. Ich habe allerdings nur kurz in diesem Beruf gearbeitet,dann bald geheiratet und die 3 Kinder bekommen. Mein Mann hat sich als Schreiner selbständig gemacht und ich habe ihm geholfen - neben Haushalt und Kindern - die Buchhaltung zu machen, den ganzen Bürokram zu erledigen. Es hat mir Spaß gemacht das alles zu managen! Wir haben überhaupt alles selbst gemacht - ein Haus gebaut, tapeziert und gemalert, Auto's repariert - meist um Geld zu sparen. Das war eine gute Lebenspraxis und hat mich unabhängiger gemacht. Mein Mann hat sich dann in seinem Beruf nicht mehr wohl gefühlt, wollte etwas Neues machen. So beschlossen wir das Fischrestaurant hier zu kaufen, umzuziehen. Ich wollte eigentlich nicht weg, habe mich wohl gefühlt. Ich hatte nebenbei angefangen Grundstücke und Häuser zu makeln und war dabei sehr erfolgreich. Das dauert ja eine Weile, bis Du dir einen Namen gemacht hast und dann weg ziehen! Für ihn war es jedoch wichtig; er was sehr depressiv, hatte zu nichts mehr Lust. Der Anfang mit dem Restaurant war schwer - viel Neues und harte Arbeit. Mein Mann hing weiter rum, machte nicht so mit, wie es notwendig gewesen wäre ... Nach einem Jahr hat er alles hingeschmissen, die Arbeit, die Ehe und wir waren 22 Jahre verheiratet! Gott sei Dank hat er das Geld im Restaurant gelassen; ich habe dann geholfen einen Job für ihn zu finden, so dass er wieder auf die Beine kam. In dieser Zeit hat es im Restaurant auch noch gebrannt; da kam einiges zusammen und es war nicht leicht für mich! Ich bin jetzt seit 6 Jahren geschieden und 5 Jahre hat es gebraucht, bis die Kinder und ich uns wieder aufgerappelt haben! Mit dem Restaurant ging es nach und nach bergauf, besonders nach dem ich auf das Dach einen 6 Meter langen Hummer montiert habe. Das ist ein guter "Augenfang", der Gäste anzieht und eine prima Reklame. Das war meine Idee und zu-sammen mit einer Freundin habe ich das Tier neben meiner Alltagsarbeit in einem halben Jahr gebaut. Ein Maler hat es angemalt, lackiert und auf dem Dach montiert. Seit dem haben wir viel mehr Gäste! Ich bin stolz darauf, alles geschafft und mehr Erfolg zu haben. Das Restaurant ist immer noch ein Familienbetrieb; eine Tochter hilft und mein Schwiegersohn arbeitet auch mit.

3. Deine stärksten Eindrücke/Wechsel der Sichtweisen im Leben?

Mein Leben ohne Mann zu meistern. Ich habe im Laufe der Zeit durch's Ausprobieren immer mehr Talente bei mir entdeckt. Das ist toll! Natürlich gehe ich mit meinen Lebenserfahrungen heute anders an die Dinge ran. Ich bin hartnäckiger, kämpfe mehr, bin nicht mehr das liebe, nette Frauchen und weiß was ich will, was ich nicht will.

4. Deine Ziele, Pläne, Wünsche für die Zukunft?

Ich will das Restaurant verkaufen, da die Kinder es nicht allein weiterführen wollen und ich endlich mehr Zeit für mich haben will! Ich habe mein ganzes Leben viel gearbeitet - keine Zeit für Freundschaften und Beziehungen. Das fehlt mir immer mehr und da ich nun mit meinem Freund zusammen lebe, möchte ich auch diese Beziehung mehr pflegen. Reisen will ich auch! Da es für mich extrem wichtig ist, eigenes Geld zu haben, meine eigenen Entscheidungen zu treffen, war das alles notwendig. Nur so konnte ich mir einiges Geld als Sicherheit zurücklegen.

5. Welche Kontakte/Erfahrungen hast Du mit anderen ethnischen Gruppen?

Im Restaurant sind Touristen aus der ganzen Welt - eine sehr spannende Angelegenheit! Ich nehme mir auch Zeit für einen Plausch, finde es interessant was die Leute so machen ... Da gibt es dann auch manchmal Sonderwünsche mit nationalem Geschmack und ich bemühe mich, dem gerecht zu werden. Da es aber Sprachbarrieren gibt, ist das nicht immer ein-fach! Privat hatte und habe ich zu wenig Zeit für intensivere Kontakte. Aus der Schulzeit habe ich auch keine; da lebten "nur Weiße", also wenig Erfahrungen mit anderen Rassen.

6. Wie siehst Du die Zukunft NZ´s im Zusammenleben?

Für mich sind alle Menschen gleich. Manchmal kann ich die Maori nicht verstehen, wenn sie für ihre alten Traditionen kämpfen - wir sind doch alle Neuseeländer! Das Leben geht doch weiter ... Ich bin da eher praktisch veranlagt, für mich zählt das Heute und das Morgen. Ich finde es extrem, daß die Maori heute um ihr altes Land kämpfen, eigene Schulen gründen. Ich bin immer für einen Mittelweg - für ein Miteinander, egal welche Rasse und Hautfarbe! Wichtig finde ich auch, in andere Länder zu gehen, zu reisen und andere Erfahrungen zu sammeln. So macht gerade eine Tochter von mir eine Ausbildung in Australien und das bekommt ihr sehr gut.

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© by Regine Rau; layouted by Peter Bechen