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Wir sind ein Teil der Erde

Die Rede des Häuptlings Seattle vom Stamme der Duwamish im Gebiet Washington
an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1855

(romantisierte Fassung aus den 70ern)

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Mit einer ergänzenden Anmerkung zu den Menschenrechten
aus "Ökologie und Umweltschutz - ein Aktionsbuch"
von Prof. Dr. Gerd Brucker

und der Darstellung
einer moralisch ethischen Rechtfertigung der Zerstörung von Naturvölkern
aus "Durch unsichtbare Mauern"
von Jutta Ditfurth

 
 

1855 ,,bot" US - Präsident Franklin Pierce (1804-1869) den geschlagenen Duwamish - Indianern den Verkauf ihres Landes an weiße Siedler (vor allem Einwanderer aus Europa) an, während der Stamm selbst in ein karges Reservat umziehen musste. Für Indianer war es von ihrem Selbstverständnis und von ihrer Kultur her unbegreiflich, wie man etwas verkaufen kann, was einem nicht gehört - denn die Erde ist dem Menschen nur geliehen.

Als die Indianer noch ein Volk waren, das träumte und glaubte, sein Land und seine Bestimmung seien unteilbar . . .

Der große Häuptling in Washington sendet Nachricht, dass er unser Land zu kaufen wünscht.

Der große Häuptling sendet uns auch Worte der Freundschaft und des guten Willens.

Das ist freundlich von ihm, denn wir wissen, er bedarf unserer Freundschaft nicht. Aber wir werden sein Angebot bedenken, denn wir wissen - wenn wir nicht verkaufen - kommt vielleicht der weiße Mann mit Gewehren und nimmt sich unser Land.

Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen - oder die Wärme der Erde?

Diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen

- wie könnt ihr sie von uns kaufen?

Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes.

Der Saft, der in den Bäumen steigt, trägt die Erinnerung des roten Mannes.

Die Toten der Weißen vergessen das Land ihrer Geburt, wenn sie fortgehen, um unter den Sternen zu wandeln. Unsere Toten vergessen diese wunderbare Erde nie, denn sie ist des roten Mannes Mutter.

Wir sind ein Teil der Erde und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der große Adler - sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen - die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys - und des Menschen sie alle gehören zur gleichen Familie.

Wenn also der große Häuptling in Washington uns Nachricht sendet,
dass er unser Land zu kaufen gedenkt, so verlangt er viel von uns.

Der große Häuptling teilt uns mit, dass er uns einen Platz gibt, wo wir angenehm und für uns leben können. Er wird unser Vater sein und wir seine Kinder.

Aber kann das jemals sein?

Gott liebt Euer Volk und hat seine roten Kinder verlassen. Er schickt Maschinen,
um dem weißen Mann bei seiner Arbeit zu helfen und baut große Dörfer für ihn. Er macht Euer Volk stärker, Tag für Tag.
Bald werdet Ihr das Land überfluten, wie Flüsse Schluchten hinabstürzen nach einem unerwarteten Regen.

Mein Volk ist wie eine ebbende Gezeit -
aber ohne Wiederkehr.

Nein, wir sind verschiedene Rassen.
Unsere Kinder spielen nicht zusammen und unsere Alten erzählen andere Geschichten:

Glänzendes Wasser, das sich in Bächen und Flüssen bewegt, ist nicht nur Wasser sondern das Blut unserer Vorfahren.

Wenn wir Euch Land verkaufen, müsst Ihr wissen, dass es heilig ist und Eure Kinder lehren, dass es heilig ist und dass jede flüchtige Spiegelung im klaren Wasser der Seen von Ereignissen und Überlieferungen aus dem Leben meines Volkes erzählt.

Das Murmeln des Wassers ist die Stimme meiner Vorväter.

Die Flüsse sind unsere Brüder - sie stillen unseren Durst. Die Flüsse tragen unsere Kanus und nähren unsere Kinder.

Wenn wir Euch Land verkaufen, so müsst Ihr Euch daran erinnern und Eure Kinder lehren:

Die Flüsse sind unsere Brüder - und Eure und Ihr müsst von nun an den Flüssen Eure Güte geben, so wie jedem anderen Bruder auch.

Der rote Mann zog sich immer zurück vor dem eindringenden weißen Mann - so wie der Frühnebel in den Bergen vor der Morgensonne weicht.

Aber die Asche unserer Väter ist heilig, ihre Gräber sind geweihter Boden und so sind diese Hügel, diese Bäume, dieser Teil der Erde uns geweiht.

Wir wissen, dass der weiße Mann unsere Art nicht versteht. Ein Teil des Landes ist ihm gleich jedem anderen, denn er ist ein Fremder, der kommt in der Nacht und nimmt von der Erde, was immer er braucht. Die Erde ist sein Bruder nicht, sondern Feind, und wenn er sie erobert hat, schreitet er weiter.

Er lässt die Gräber seiner Väter zurück - und kümmert sich nicht.

Er stiehlt die Erde von seinen Kindern - und kümmert sich nicht.

Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Plündern, zum Verkaufen wie Schafe oder glänzende Perlen.

Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als eine Wüste.

Ich weiß nicht - unsere Art ist anders als die Eure.
 

Der Anblick Eurer Städte schmerzt die Augen des roten Mannes.
Vielleicht, weil der rote Mann ein Wilder ist und nicht versteht?

Es gibt keine Stille in den Städten der Weißen. Das Geklappere scheint unsere Ohren nur zu beleidigen.

Was gibt es schon im Leben, wenn man nicht den einsamen Schrei des Ziegenmelkervogels hören kann, oder das Gestreite der Frösche am Teich bei Nacht.

Ich bin ein roter Mann und verstehe das nicht. Der Indianer mag das sanfte Geräusch des Windes, der über eine Teichfläche streicht und den Geruch des Windes, gereinigt vom Mittagsregen oder schwer vom Duft der Kiefern.

Die Luft ist kostbar für den roten Mann

  • denn alle Dinge teilen denselben Atem

  • das Tier,

  • der Baum,

  • der Mensch

- sie alle teilen denselben Atem.

Der weiße Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken, wie ein Mann,
der seit vielen Tagen stirbt, ist er abgestumpft gegen den Gestank.

Aber wenn wir Euch unser Land verkaufen, dürft Ihr nicht vergessen, dass die Luft uns kostbar ist. Der Wind gab unseren Vätern den ersten Atem und empfängt den letzten.

Und wenn wir Euch unser Land verkaufen, so müsst Ihr es als ein besonderes und geweihtes schätzen, als einen Ort, wo auch der weiße Mann spürt, dass der Wind süß duftet von den Wiesenblumen.

Das Ansinnen, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken, und wenn wir uns entschließen anzunehmen, so nur unter einer Bedingung:

Der weiße Mann muss die Tiere des Landes behandeln wie seine Brüder.

Ich bin ein Wilder und verstehe es nicht anders.

Ich habe tausend verrottende Büffel gesehen, vom weißen Mann zurückgelassen - erschossen aus einem vorüber fahrenden Zug. Ich bin ein Wilder und kann nicht verstehen, wie das qualmende Eisenpferd wichtiger sein soll als der Büffel, den wir nur töten, um am Leben zu bleiben.

Was ist der Mensch ohne die Tiere? Wären alle Tiere fort, so stürbe der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht - geschieht bald auch den Menschen.

Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde.

Lehrt Eure Kinder, was wir unsere Kinder lehren: Die Erde ist Eure Mutter.
Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespeien sie sich selbst.

Denn das wissen wir - die Erde gehört nicht den Menschen
- der Mensch gehört der Erde.

Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer Ihr dem Gewebe antut, das tut Ihr Euch selber an.

Nein, Tag und Nacht können nicht zusammenleben.

Unsere Toten leben fort in den süßen Flüssen der Erde, kehren wieder mit des Frühlings leisem Schritt, und es ist ihre Seele im Wind, der die Oberfläche der Teiche kräuselt.

Das Ansinnen des weißen Mannes, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken.

Aber mein Volk fragt, was denn will der weiße Mann kaufen? Wie kann man den Himmel oder die Wärme der Erde kaufen
oder die Schnelligkeit der Antilope? Wie können wir Euch diese Dinge verkaufen - und wie könnt Ihr sie kaufen? Könnt Ihr denn mit der Erde tun, was Ihr wollt - nur weil der rote Mann ein Stück Papier unterzeichnet - und es dem weißen Manne gibt? Wenn wir nicht die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers besitzen - wie könnt Ihr sie von uns kaufen?

Könnt Ihr die Büffel zurückkaufen, wenn der letzte getötet ist?

Wir werden Euer Angebot bedenken, in das Reservat zu gehen. Unsere Kinder sehen ihre Väter gedemütigt und besiegt.
Unsere Krieger wurden beschämt. Nach Niederlagen verbringen sie ihre Tage müßig - vergiften ihren Körper mit süßer Speise und starkem Trunk. Es ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen. Es sind nicht mehr viele.

Aber warum soll ich trauern über den Untergang meines Volkes? Völker bestehen aus Menschen - nichts anderem. Menschen kommen und gehen wie die Wellen im Meer.

Eines wissen wir, was der weiße Mann vielleicht eines Tages erst entdeckt:

Unser Gott ist derselbe Gott. Ihr denkt vielleicht, dass Ihr ihn besitzt -so wie Ihr unser Land zu besitzen trachtet - aber das könnt Ihr nicht. Er ist der Gott der Menschen - gleichermaßen der Roten und der Weißen. Dieses Land ist ihm wertvoll und die Erde zu verletzen heißt,
ihren Schöpfer zu verachten.

Auch die Weißen werden vergehen, eher vielleicht als alle anderen Stämme. Fahret fort, Euer Bett zu verseuchen und eines Nachts werdet Ihr im eigenen Abfall ersticken. Aber in Eurem Untergang werdet Ihr hell strahlen, angefeuert von der Stärke des Gottes, der Euch in dieses Land brachte und Euch bestimmte, über dieses Land und den roten Mann zu herrschen. Diese Bestimmung ist uns ein Rätsel.

Wenn die Büffel alle geschlachtet sind - die wilden Pferde gezähmt - die heimlichen Winkel des Waldes schwer vom Geruch vieler Menschen - und der Anblick reifer Hügel geschändet von redenden Drähten - wo ist das Dickicht
- fort; wo der Adler - fort und was bedeutet es, Lebewohl zu sagen dem schnellen Pony und der Jagd:

 

Das Ende des Lebens
und der Beginn des Überlebens.

 

Gott gab Euch Herrschaft über die Tiere, die Wälder und den roten Mann aus einem besonderen Grund - doch dieser Grund ist uns ein Rätsel. Vielleicht könnten wir es verstehen, wenn wir wüßten, wovon der weiße Mann träumt welche Hoffnungen er seinen Kindern an langen Winterabenden schildert - und welche Visionen er in ihre Vorstellungen brennt, so dass sie sich nach einem Morgen sehnen?

Aber wir sind Wilde - die Träume des weißen Mannes sind uns verborgen. Und weil sie uns verborgen sind, werden wir unsere eigenen Wege gehen.

Da ist nicht viel, was uns verbindet.

Doch eines wissen wir - unser Gott ist derselbe Gott. Diese Erde ist ihm heilig. Selbst der weiße Mann kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Vielleicht sind wir doch Brüder.

Wir werden sehen.

 

 

„[...] Die Indianerreservate des neunzehnten Jahrhunderts waren [...] die primitiven Vorläufer der Konzentrationslager: Der Unterschied lag im Entwicklungsstand der Technik, die Absicht aber war im Grunde die gleiche. Die Nazis betrieben die Vernichtung der Juden mit ausgeklügelten Methoden, die amerikanischen Militärs setzten auf Einsperren, Verhungernlassen und pockeninfizierte Decken, mit denen sie ganze Stämme, die keine Abwehrkräfte gegen die Krankheit besaßen, ausrotteten. In beiden Fällen wurde das Volk von den Unterdrückern gettoisiert, wurden Land und Besitz konfisziert und die Menschen mit Gewaltmärschen an entlegene Orte deportiert, wo man sie demoralisieren und vernichten konnte. Viele amerikanische Indianer sind daher der Ansicht, dass sie, ähnlich wie die Juden in Europa, Opfer eines systematischen Völkermordversuchs waren.“

aus: Yonassan Gershom,
Kehren die Opfer des Holocaust wieder?;
ISBN 3-7235-1002-7

 

Menschenrechte und Ökologie

In fast allen Regionen der Erde werden einheimische Völker, die früher oder zur Zeit noch in einer naturangepaßten Form in bestimmten Lebensräumen ressourcenschonend lebten und leben, in dramatischem Ausmaß stille Opfer von Vertreibung, Mord, Folter, Unterdrückung und Haft. Die Bedrohung nimmt stetig zu, findet aber in der Öffentlichkeit so gut wie keine Beachtung. 1991 hielten sich mehrere Vertreter dieser Völker in der Bundesrepublik Deutschland auf, um auf die akute Gefährdung ihrer Kulturen aufmerksam zu machen (z. B. Indianer aus Brasilien, Inun-Eskimos, Labrador, Papuas und Vertreter von Völkern auf den Philippinen). Diese Kampagne verlief von den Medien unbeachtet. Der Raubbau in den uralten Lebensräumen folgt der kurzfristig ausgelegten Profitmaximierung bei der Ausbeutung natürlicher und künstlich ausgebrachter pflanzlicher und tierischer Produkte und dem Gewinnstreben beim Abbau von Bodenschätzen in den Volksgebieten der einheimischen Bevölkerung. Die ökologischen Folgen sind katastrophal. So schwinden die ohnehin stark übernutzten Bodenressourcen Süd-Ostasiens und Südamerikas mit der ursprünglichen Vegetation. Die weltklimatischen Folgen werden mit 10-15 % des anthropogen bedingten Gesamteinflusses eingeschätzt.
 

Aktion

Folgende Initiativen haben sich zu einem Organisationsbündnis zusammengeschlossen: amnesty international (ai), die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), das Institut für Ethnologie und angewandte Ökologie (Infoe), das Foodfirst Information & Action Network (FIAN), die Initiative für die Menschenrechte aller Bürgerinnen der ASEAN-Staaten (Imbas), das Philippinenbüro, die Kampagne für das Leben in Amazonien und die Brasiliennachrichten. Sie arbeiten gemeinsam an einem internationalen, verbesserten Menschenrechtsschutz und der Stabilisierung ökologischer Bedingungen. In diesem Zusammenhang ist ein Informationsbuch als Hilfe für die Beteiligung an und für die Vorbereitung von Aktionen erschienen: GRIEB, H., HERMANNS, B., STROHSCHEIDT-FUNKEN, E.: Wer ihr Land nimmt, zerstört ihr Leben. Hamburg 1991. (Vgl. auch Ökologie, dritte Welt)

Mit freundlicher Genehmigung des Autors aus

Prof. Dr. Gerd Brucker,
Ökologie und Umweltschutz,
Ein Aktionsbuch,
ISBN 3-494-01199-0

 

 

siehe hierzu auch
| unsere gebrauchten Bücher |

 

 

von einem Prof. der sich jeden Millimeter durch Fähigkeit erarbeitet
und sich stets für seine Studenten und für Bildungssuchende eingesetzt hat,
der die Hochschule zum Bestandteil des Lebens machen wollte und
für all das kein Bundesverdienstkreuz umgehängt bekommen hat.

Gerd Brucker
Ökologie und Umweltschutz
ein Aktionsbuch

für Verantwortungsbewußte
 

 

 

Yanomamis leben überall, nicht nur im Amazonas -
Kulturen werden stündlich im Interesse des egoistischen Vorteils
einiger weniger vernichtet:

Eine mutige Reportage
im Kampf um das Lebensrecht eines Volkes

Die letzte Jagd

Rüdiger Nehberg 

 

 

Anmerkung:

»Die Ureinwohner Nordamerikas gehören zu den kulturell vielfältigsten Völkern unserer Erde […. über die unzählige] verallgemeinernde Klischees [existieren … wie z. B.] Indianer als "edle Wilde" [oder] als [.] "erste[ ] Ökologen"[, als] blutrünstige Wilde [oder, wie] in Filmen wie "Der mit dein Wolf tanzt" [, ..] als friedliebende Opfer des Fortschritts [.]. [Die ….] Weißen [.] glauben [.] sich auf einer höheren Entwicklungsstufe [, ] halten [die] eigene Gesellschaft für kultiviert, zivilisiert und modern, die indianische [.] für primitiv und traditionell [, .] nehmen [..] aber auch die natürliche Weisheit und Erdverbundenheit der Indianer wahr.

[… D]ie Ureinwohner [Nordamerikas wehren sich] gegen jedes Vorurteil über ihre Grausamkeit [,] misstrauen aber auch all jenen, die indianische Glaubensinhalte aus dem Kontext reißen und in das Weltbild des "New Age" integrieren. Wobei die meisten vermutlich nichts dagegen einzuwenden haben, wenn ihre Gesellschaften als Modell für die Rettung der Umwelt betrachtet werden.

Indianer legen großen Wert auf Respekt. Andere sollten dies berücksichtigen und auf ihrer Suche nach spiritueller Erlösung nicht zu tief in Bereiche eindringen, die den Indianern heilig sind. Auch sollten sie sich davor hüten zu glauben, sie wüssten, was Indianer denken. […]

Zu diesem Respekt gehört auch zu akzeptieren, dass Indianer eigene Wege der Erkenntnis beschreiten. […] Die eigene Version der Herkunft und Identität zu verwerfen, ist der erste Schritt in den kulturellen Untergang. […]

Angehörige anderer Kulturen müssen [.] begreifen, dass ihrem Wissen Grenzen gesetzt sind:
Sie können alles über Indianer wissen, jedoch niemals erahnen, was es heißt, Indianer zu sein. […] Ihre Kulturen weisen einen Reichtum, eine Flexibilität und Anpassungsfähigkeit auf, die grobe Klischees niemals enthalten. Diese Eigenschaften ermöglichten es den Indianern, die traumatischen fünf Jahrhunderte seit der Ankunft der Weißen zu überleben.«

aus:  INDIANER,
L. J. Zimmerman,
ISBN 3-426-66603-0,
Knaur München 1998

 

Die Besiedelung Nordamerikas durch die Ureinwohner Amerikas soll vor etwas mehr als 10.000 Jahren erfolgt sein. Mammutjäger und deren Angehörige haben dazu wohl die  damals begehbare Beringstrasse zwischen Sibirien und Alaska benutzt und sich danach über den gesamten amerikanischen Kontinent verbreitet. Aus der Zeit von vor 15.000 Jahren hat man bislang im wesentlichen keine Spuren menschlichen Lebens auf dem nordamerikanische Kontinent gefunden. Dem hingegen sind in Südamerika Spuren von Menschen gefunden worden, die älter als 30.000 Jahre zu sein scheinen. Die Ureinwohner selbst sehen sich gemäß ihren Überlieferungen als ursprünglich auf diesem Kontinent entstandene Menschen.

Informationen zum Weltbild und der Lebensauffassung der Indianer, ihren Gebräuche und Sitten, aber auch deren physische und psychische Zerstörung durch die eingewanderten Europäer, mittels Landenteignung, Deportation, kulturelle Unterdrückung, auch durch die so genannten christlichen Leitwerte der Eroberer, finden sich zur Genüge in der einschlägigen Literatur, wie der hier oben zitierten von Knaur.

 

 

Die moralisch ethische Rechtfertigung der Zerstörung von ursprünglich lebenden, sozusagen unkultivierten Naturvölkern zeigt sich an folgendem Textauszug aus dem Buch

"Durch unsichtbare Mauern" von Jutta Ditfurth
aus dem Jahr 2002, ISBN 3-462-03083-3,
Kiepenheuer & Witsch Köln).
 

In besagter, hier ungekürzt wiedergegebener Textpassage bezieht sich Frau Ditfurth auf die Autorin Hannah Arendt, hier speziell wird von ihr aus deren Schriftwerk "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" von 1951 zitiert.:
 

Die "Neger" sind schuld am Rassismus, […] weil sie "die christlich-jüdische Annahme der Einheit und Gleichheit aller Menschen" "auf eine sehr ernste Probe" stellen. Denn die Europäer waren "in Afrika und Australien zum ersten Male mit Menschen konfrontiert (...), die von sich aus ganz offenbar weder das, was wir menschliche Vernunft, noch was wir menschliche Empfindungen nennen, besaßen, die keinerlei Kultur, auch nicht eine primitive Kultur, hervorgebracht hatten, ja, kaum im Rahmen feststehender Volksgebräuche lebten und deren politische Organisation Formen, die wir auch aus dem tierischen Gemeinschaftsleben kennen, kaum überschritten".
Der "in Afrika beheimatete Rassebegriff" war nichts als ein "Notbehelf", mit dem die Europäer auf das "Entsetzen" reagieren, "dass solche Wesen auch Menschen sein könnten", und dem "entsprang der Entschluss, auf keinen Fall der gleichen Gattung Lebewesen anzugehören".
Der "erste grauenhafte Schrecken" hatte die Vorfahren der Buren, niederländische Siedler aus dem 17. Jahrhundert, "in die Barbarei gezwungen", "die tiefe Angst vor einem fast ins Tierhafte, nämlich wirklich ins Rassische degenerierten Volk, das doch trotz seiner absoluten Fremdheit zweifellos eine Spezies des Homo sapiens war. Denn was auch immer die Menschheit an Schrecken vor wilden barbarischen Stämmen gekannt hat, das grundsätzliche Entsetzen, das den europäischen Menschen befiel, als er Neger - nicht in einzelnen exportierten Exemplaren, sondern als Bevölkerung eines ganzen Kontinentes - kennen lernte, hat nirgends seinesgleichen".

Arendt, die den Antisemitismus in Teilen der Linken zu Recht geißelt, gibt sich selbst hemmungslosem Rassismus hin, wenn sie fortfährt:
"Hier, unter dem Zwang des Zusammenlebens mit schwarzen Stämmen, verlor die Idee der Menschheit und des gemeinsamen Ursprungs des Menschengeschlechts, wie die christlich-jüdische Tradition des Abendlandes sie lehrt, zum ersten Mal ihre zwingende Überzeugungskraft, und der Wunsch nach systematischer Ausrottung ganzer Rassen setzte sich umso stärker fest."

Arendt sagt selbstverständlich auch: "Es gibt keine Rechtfertigung des Rassewahns, weder eine theoretische noch eine politische", aber der Barbaren "wesentliches Merkmal (...) ist, von der Natur zu leben, ohne sie für den eigenen Nutzen herrichten zu können, das, was die Erde gibt, hinzunehmen, ohne den geschenkten Schätzen eine für den Menschen brauchbare und von ihm beherrschte Welt zu erzeugen".       Und:

"Wirkliche Rassen in diesem Sinne scheinen auf der Erde nur in Afrika und Australien vorgekommen zu sein; sie sind bis heute die einzigen ganz geschichts- und tatenlosen Menschen von denen wir wissen, die einzigen, die sich weder eine Welt erbaut noch die Natur in irgendeinem Sinne in ihren Dienst gezwungen haben."          Und:

"Was sie von anderen Völkern unterschied, war nicht die Hautfarbe; was sie auch physisch erschreckend und abstoßend machte, war die katastrophale Unterlegenheit oder Zugehörigkeit zur Natur, der sie keine menschliche Welt entgegensetzen konnten."

Barbarische Un- oder Untermenschen also. Ein tiefer Blick in den Abgrund des Rassismus im aufgeklärten Bürgertum.

"Wie rassistisch sind doch unsere schönen Seelen." (Jean Paul Sartre)

Zitatende

 

Wieso also wundern wir uns noch immer über die all gegenwärtige Ausprägung zivilisierter Kulturgesellschaften bezüglich der in diesen real angewandten Menschenrechte, der in diesen gewährten Menschenwürde, der geschaffenen Lebenswelt und den Umgang der Menschen mit unserer Erde?

 

Anmerkung:

Hannah Arendt war eine amerikanische Politologin und Schriftstellerin deutscher Herkunft und semitischer Abstammung. Weltweit bekannt wurde sie durch ihre Schriftwerke über Totalitarismus.
1951 erschien ihr sehr erfolgreiches Buch The Origins of Totalitarism
(dt. 1955 Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft).
Das Werk ist eine Gegenüberstellung von Nationalsozialismus und Bolschewismus mit aus der Antike bekannten Formen totalitärer Machtsystemen zur Analyse mögliche Ursprünge des Totalitarismus.

Der Erfolg brachte der Autorin Einladungen und Lehraufträge renommierter Universitäten.

Ihr 1963 erschienenes Buch Eichmann in Jerusalem, A Report of the Banality of Evil, dt. 1964 Eichmann in Jerusalem, Ein Bericht von der Banalität des Bösen, erregte weltweit Aufsehen. Ihre Reportage über den Prozess gegen den nationalsozialistischen Kriegsverbrecher Adolf Eichmann resümierte, dass es zu einfach sei, die Verantwortung für den Holocaust an Einzelpersonen wie Eichmann festzumachen, vielmehr sei die noch immer allgegenwärtige Gefahr aufzudecken und zu so präventiv zu bannen.
Die Veröffentlichung löste heftige Kontroversen aus.

Infoquelle zur Anmerkung: Microsoft Encarta Enzyklopädie 2003.

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