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Sieben Uhr
morgens. Sonne, Vogelgezwitscher, in der Ferne grasen ein paar Kühe. »Du
musst die Blütenköpfe richtig festhalten und mit den Fingern abknipsen«,
erklärt mir Hanife, die Rosenpflückerin, geduldig zum dritten Mal. Gar
nicht so einfach, denn das Erntegut schmeichelt den Fingern zart und
weich, die Stängel jedoch pieksen. Schließlich gelingt es und während
wir uns austauschen, sammeln wir Rosenblüten, bis unsere Hände die
duftende Fülle nicht mehr fassen können und sie in Hanife’s blauer
Pflückschürze gleiten lassen.

Eine
der 32 Familien,
die für WELEDA aktiv sind
Was Hanife
während der Saison mit den anderen Pflückern täglich frühmorgens
erntet, bildet nach dem Wiegen ein von Tag zu Tag größeres Blütenmeer
in der Sammelhalle des Destillenbesitzers Yussuf, Bruder ihres Mannes
Ramazan Aydin. Er kooperiert mit Hüseyin Kinaci, einem der großen
Rosenblütenverarbeiter im Tal von Isparta, der seit zwei Jahren in
Senir biologisches Rosenöl zur Parfümierung von Weleda Produkten
herstellt. 32 Bauern haben damals Mut bewiesen, sind von Weleda im
Bio-Anbau geschult und vom türkischen Berater Rauf Önal vor Ort
betreut und unterstützt worden. Einigen war die Arbeit zu aufwändig.
Neue kamen hinzu, weil sich herumsprach, dass Bio-Anbau für Mensch und
Pflanzen gesünder ist und man sein Geld pünktlich bekommt und zwar
garantiert und über Jahre hinweg.
Allerdings
nur, wenn die Regeln der EU-Bio-Verordnung genau eingehalten werden.
»Bio-Anbau ist nicht romantisch, sondern hochprofessionell« erklärt
Berater Rauf Önal den Anbauern der Kooperative von Ayvalipinar, die
sich über Bio-Rosenanbau für Weleda informieren. Die Alten unter den
vielen Wettergegerbten im Teehaus erinnern sich. Denn bevor die Leute
aus den Industrieländern vor 50 Jahren kamen und von Kunstdüngern und
chemischer Schädlingsbekämpfung schwärmten, haben sie Schädlinge
traditionell mit Nützlingen bekämpft, mit Mist gedüngt und die Natur
genau im Blick gehabt. Diese Arbeit ist schwerer und härter, aber viel
gesünder für Mensch und Pflanze.
Ziel:
gesunde Blüten, gesunde Pflanzen, gesunde Böden, gesunde Menschen,
gesunde Produkte!
Rauf
Önal

»Wer
unterstützt uns? Braucht man neue Pflanzen? Wer gleicht den geringeren
Ertrag aus?« Nuri Ercetin, ebenfalls bedeutender Destillateur in der
Türkei, beruhigt die Gemüter. Bas Schneiders, Weleda
Rohstoffeinkäufer, und Michael Straub, Leiter des Weleda
Heilpflanzengartens, erklären die Vertragsbedingungen, während vom
nahen Minarett der Ruf zum Gebet erklingt. Abnahmesicherheit,
Ertragsausgleich, Seminare, enge Betreuung und schließlich Gesundheit
für Boden, Pflanze und Mensch stehen zur Diskussion. »Wir werden etwas
gewinnen, nicht verlieren« stellt einer der Bauern nachdenklich fest.
Beim Gang über die kleinen Rosenfelder zückt Michael Straub seine
Lupe, untersucht Blüten und Blattwerk, schaut kritisch die
Bodenverhältnisse an, prüft Luftfeuchtigkeit und Geländelage. Er
weiß genau, wie man Damaszenerrosen bei Laune hält.
Die
Bio-Felder der Rosenanbauer von Hüseyin Kinaci stehen nach zwei
Umstellungsjahren hervorragend da. Die Pflanzen sind gesund, der Boden
ist locker. Michael Straub freut sich: Die Nützlingszahl steigtständig
und hält so die Schädlinge in Schach. Der Aufwand hat sich auf jeden
Fall gelohnt. Übrigens erkennt man von Weitem, welche Rosen biologisch
angebaut sind. Im Dorf Kusculak, hoch über dem Burdursee gelegen,
leuchtet Lavendel nahe den kräftigen Rosenpflanzen. Im Schatten von
Aprikosenund Olivenbäumen schweift der Blick über die Hügel zu
schneebedeckten Gipfeln des Taurusgebirges. Und bleibt unterwegs an
Feldflächen unterschiedlicher Grünschattierungen hängen. Alles Rosen,
reagiert Spezialist Rauf Önal lächelnd auf meinen fragenden Blick,
teils biologisch angebaut, teils konventionell. »Man erkennt am Farbton
des Laubs die Düngerzusammensetzung. «Ich bin beruhigt, hier kann
eigentlich nichts schief gehen. Die Anbauer wissen durch die vielen
Seminare nun sehr gut Bescheid. Bei Unsicherheiten können sie sich
immer melden, 24 Stunden am Tag.
Und Hanife?
Sie sammelt noch sorgfältig ein paar heruntergefallene Rosenblättchen
in die Schürze und freut sich, denn für heute ist die Ernte erledigt.
Wenn die Sonne hoch steht, verfliegt das ätherische Öl in den Blüten.
Also muss man aufhören. Schließlich hat sie noch viel vor: der
elfjährige Sohn Osman kommt von der Schule, das Vieh muss versorgt und
auf die Weide gebracht, der Haushalt will erledigt und das Essen gekocht
sein. Den Feierabend hat sie sich verdient. Übrigens sei ich
mittlerweile ganz gut im Rosenpflücken, lobt Hanife, die Erfahrene. Nur
leider viel zu langsam. Und sie atmet genüsslich den betörenden
Blütenduft ein.
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