Daten des Landes

Der Tourismus als Friedensstifter

 
mit

Tavit Köletavitoglu
 

erschienen in
 

TÜRKISCHE ALLGEMEINE
 

deutschsprachige
Monatszeitschrift
in der Türkei
 

 
Heft Nr. 107 - 8. Jahrgang
Seite 28 ff

 

 
 

 

Interview über die Lage der Auslandsinvestitionen und die EU - Beziehungen

mit Tavit Köletavitoglu,

Gründer und Vorsitzender des Vorstands von Atlas Developments und gleichzeitig der Vorsitzender des hohen Beirates des Verbandes der türkischen Tourismusinvestoren-TYD, bei dem er vier Jahre lang Vorsitzender war.

wiedergegeben
mit freundlicher Genehmigung

bei
subventionsberater.de

 
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                                                           (Titel: Türkische Allgemeine)

 

Der Tourismus als Friedensstifter

 Wie würden Sie die türkische Wirtschaft bewerten?

Die türkische Ökonomie war jahrelang eingeschlossen hinter den Zollmauern. In den 80'er Jahren wurden jedoch wichtige Schritte getan, um diese Mauern zu sprengen. Es wurden Gesetze verabschiedet, die dazu beitrugen, die Wirtschaft zu liberalisieren und die türkische Ökonomie in die Weltökonomie zu integrieren. In den Vordergrund traten meines Erachtens die Förderung von Auslandsinvestitionen und des Exports. So rückte die Türkei nicht zuletzt auch durch die Fluktuation von Ausländern ins Augenmerk, womit die Türkei die Chance bekam, ein realistischeres Bild zu vermitteln.

 Was hat der Tourismus für eine Funktion?

Es gibt auch andere positive Reformen - wie z. B. der Wohnungsfond - aber diese
beziehen sich auf die Türkei intern und haben mit der Integrität der Türkei mit der Welt nichts zu tun.

Der Tourismus als ökonomischer Faktor nach Außen ist meines Erachtens der bedeutendste Motor der Weltökonomie, die ständig wächst und dabei immer globaler wird. Objektiv betrachtet besitzt der Tourismus sowohl nationale als auch internationale Eigenschaften, die dazu beitragen, dass auch andere Sektoren sich entwickeln. Der Tourismus hat soziale und ökonomische Pflichten und führt zur Weiterentwicklung und Integrierung des Landes in die Weltökonomie. Es ist nicht falsch, zu behaupten, dass der Tourismus die wichtigste Rolle übernimmt, um den Weltfrieden zu gewährleisten. In Anbetracht der EU Diskussionen sollte man deswegen dem Tourismus eine wichtige Aufgabe zuschreiben. Und eine Türkei, die mittels des Tourismus bekannter geworden ist, hat eine größere Chance als eine unbekannte Türkei. Nichts kann ein realistischeres Bild über die Türkei vermitteln, als ein Tourist, der ins Land kommt und als Bote wieder in sein Heimatland zurückkehrt. Man kann so viele Filme machen, Bücher schreiben, wie man will, nichts hat eine derartige Wirkung wie der Tourismus.

 Was würden Sie zur EU und dem Tourismus sagen?

Die EU ist für die Türkei ein Gesellschaftsprojekt. Beim Beitritt der Türkei in die EU hat der Tourismus eine wichtige Aufgabe: Der Beitrag zum Weltfrieden.

Kein anderer Sektor kann sich mit dieser bedeutenden Funktion messen. Mit dieser „heiligen" Aufgabe, die der Tourismus hat, sind nicht nur die Beschäftigten oder Investoren in diesem Bereich berufen, sondern der öffentliche Privatsektor. Ich bin der Meinung, dass der Tourismus eine Katalysator - Rolle hat in Bezug der Umsetzung der Kopenhager-Kriterien, und zwar in folgenden Bereichen:
Menschenrechte, Demokratisierung, die richtige Interpretation des Laizismus und andere Bereiche. Auch wenn es zunächst so aussieht, als hätten diese wichtige Themen keinen Bezug zum Tourismus, muss ich doch betonen, dass das interaktive sich einander kennen lernen als Resultat des Tourismus, dazu beitragen wird, die Probleme bei der Umsetzung der Kriterien zu beseitigen.

Auch in ökonomischer Dimension kann der Tourismus eine entscheidende Rolle spielen:
bei der Umsetzung der Maastricht-Kriterien.
Nur im Tourismussektor hat die Türkische Republik den größten Konkurrenz-Vorteil. Folgende Bereiche sind hier besonders wichtig:
Schaffung von Arbeitsplätzen, Verbraucherverhalten von Menschen, die hier her kommen, weil sie die Türkei kennen lernen wollen, Entwicklung von touristischen Gebieten.

 Wie kann die Türkei in den globalen Markt integriert werden?

Um die Maastricht-Kriterien umzusetzen, müssen in diesem Land Investitionen gefördert werden und neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Wenn man bedenkt, dass hier das Kapital fehlt und man auf ausländische Investitionen angewiesen ist, so muss man akzeptieren, dass der Tourismus hinsichtlich seiner Konkurrenz-Vorteile ein Weg sein kann. Ich behaupte, dass der Tourismus das wichtigste Instrument des ausländischen Kapitals ist. Tourismus ist das beste Mittel und der passendste Faktor für die Integration der Türkei in den globalen Investitionsmarkt. Er ist ein Sektor, der die Kredite der Weltbanken sowie ihre Rückzahlungen sichert und in diesem Bereich recht dynamisch sein kann.

 Was gibt es für Möglichkeiten für die Türkei?

Die Investitionssummen für die Schaffung von Arbeitsplätzen ist viel weniger als in einem beliebigen Sektor. Deswegen wird der Tourismus-Sektor prioritär behandelt vom Welt-Kapitalmarkt. Je schneller wir die Hürden des ausländischen Kapitals beseitigen, desto schneller kann der Tourismus seine Pflichten erfüllen. Darüber hinaus ist zu betonen, dass der Tourismussektor die meisten jungen Leute beschäftigen kann. Man muss bedenken, dass das Durchschnittsalter der Einwohner in der Türkei sehr jung ist. Das bedeutet leider nicht, dass diese Bevölkerung am besten ausgebildet ist. Deswegen kann ich ein weiteres Argument hinzufügen, nämlich dass die jungen Leute am schnellsten und leichtesten im Tourismussektor mit wenig Aufwand ausgebildet und beschäftigt werden können.

In keinem anderen Land in Europa, dass erwägt, ein Touristen-Land zu sein, gibt es dieselbe Möglichkeit. Denn sowohl die kulturellen und historischen Vorteile, als auch die geopolitischen Möglichkeiten und der Faktor des Durchschnittsalters, gibt es in keinem anderen Land. Deswegen ist der Tourismus das wichtigste Instrument für die Umsetzung der Kopenhagener- und der Maastricht-Kriterien. Der türkische Tourismus hat sich heute den Standards wie Raum-, Hygiene-, Bildungsstandards der EU vollkommen angepasst. Man kann sogar behaupten, dass die Türkei sogar diese Standards weit überholt hat. Ich bin überzeugt davon, dass die Türkei ihre Rolle im Tourismus gut spielen wird, sowohl die Tourismus-Bürokratie in Ankara, als auch die wirtschaftlichen Faktoren, die sich auf Istanbul intensiviert haben und die Nichtregierungsorganisationen im Tourismusbereich.

 Welche Faktoren haben denn die nötige Infrastruktur?

Die am bereitetsten Faktoren sind die Investoren, Wirtschafter, Hotelbesitzer, Fluglinienfirmen usw., weil sie nämlich ständig in starker Konkurrenz stehen und deswegen schon die europäischen Standards erreicht haben. Das Gleiche kann ich aber nicht gerade für die Bürokratie sagen. Denn sie sind sehr unwissend, sie sind sich der Bedeutung des Tourismus bewusst, kennen sich mit der Materie aber nicht aus. Die Tourismus-Bürokraten sind nicht ausreichend bereit für die EU. Leider muss ich hinzufügen, dass deren Ausbildung mangelhaft ist, obwohl sie sich der Bedeutung des Tourismus durchaus bewusst sind. Nur Interesse und Bewusstsein ist leider nicht ausreichend. Man kann sagen, dass in diesem Bereich eine Fortbildung notwendig ist. Auch die Gesetzesgebungen bedürfen einer Revision. Ich bin der Meinung, dass der Aufschwung im Tourismus in den 80er Jahren auf die Projektreserven der 70er Jahre zurückzuführen ist. Derzeit stehen aber keine aktuellen Reserven zur Verfügung, und die derzeitige Bürokratie ist auf keinen Fall fähig, relevante Projekte auszuarbeiten. Die einzige
Nichtregierungsorganisation, die über ein ausgearbeitetes Gesetz verfügt ist TÜRSAB (Verband der türkischen Reiseagenturen). Aber dieses Gesetz ist etwa 32 Jahre alt und im wahrsten Sinn des Wortes überholt. Man zeigt auch keinerlei Bemühungen, dieses Gesetz zu aktualisieren.

Und die Bedeutung der NGO's (Nichtregierungsorganisationen) muss sich ändern.

 

Wer ist Tavit Köletavitoglu?

1951 in Malatya geboren,
studierte Stadt- und Landschaftsplanung in der METU
(Middle East Technical University).
Er war beschäftigt bei den Stadtverwaltungen in Ankara und Istanbul und mehreren Organisationen wie Internationale Tourismus-Investitionen A.S.,
Verband der Tourismus-Investitionen der Türkei,
TÜSES (Türkische Sozioökonomische und politische Forschungsstiftung),
TUGEV (Stiftung für Entwicklung und Bildung des Tourismus),
Gruppe des Türkisch-Deutschen Dialogs.

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