Landschaftsräume:
Die
Türkei läßt sich in sieben Landschaftsräume untergliedern, nämlich
in Thrakien und die an das Marmarameer angrenzenden Gebiete, die
Regionen am Ägäischen Meer und am Mittelmeer, das Gebiet am Schwarzen
Meer, Westanatolien, das inneranatolische Hochland, das Gebirgsland im
Osten des Landes und Südostanatolien.
Thrakien
ist fruchtbar und wird von zahlreichen Wasserläufen durchzogen.
Trotzdem wird nur etwa ein Viertel der Region als Ackerland genutzt.
Von den
schmalen und hügeligen Küstengebieten am Ägäischen Meer und am
Mittelmeer wird nur rund ein Fünftel als Ackerland bewirtschaftet. Im
Osten davon, in der Ebene Çukurova, liegt das größte
Baumwollanbaugebiet der Türkei. Diese Region ist mit dem Landesinneren
durch die Kilikische Pforte (Külek Bogazi) im Taurus verbunden.
Die
anatolische Küstenregion erhebt sich direkt von der Schwarzmeerküste
zum Pontischen Gebirge. Sie ist vorwiegen schmal und wird auf Grund der
steilen Berghänge nur etwa 16 Prozent ackerbaulich genutzt.
Von
Westanatolien ist nur knapp ein Fünftel für den Ackerbau geeignet.
Das
inneranatolische Hochland mit der Hauptstadt Ankara ist die geographisch
größte Region der Türkei und vollständig von Gebirgen umschlossen
(höchster Berg ist der Erciyes Dagi mit 3 916 Metern).
Im
Hochgebirgsland im Osten der Türkei liegt der 5.122 Meter hohe Berg
Ararat (Agri Dagi), an dem nach der Bibel die Arche Noah landete Hier
entspringen die Flüsse Tigris (Dicle) und Euphrat (Firat).
Der
Südosten Anatoliens wird von einem flachwelligen Plateau eingenommen,
im Norden, Osten und Westen von Bergen umgeben und ist seit der Antike
von großer Bedeutung für die Landwirtschaft.
Einige
Flüsse haben Bedeutung für die Erzeugung elektrischer Energie durch
Wasserkraft oder liefern das Wasser für Bewässerungsanlagen.
Klima:
Die
Türkei hat Anteil an verschiedenen Klimazonen. An den Küsten des
Mittelmeeres und der Ägäis herrscht mediterranes Klima mit langen,
heißen Sommern und milden, feuchten Wintern. In Istanbul liegt die
mittlere Januartemperatur bei 5 °C, die mittlere Julitemperatur bei 22
°C. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt 720 Millimeter. An der
Mittelmeerküste und an der Küste der Ägäis fällt knapp die Hälfte
des jährlichen Niederschlags in den Monaten Dezember und Januar. Das
inneranatolischen Hochland hat kontinentales Klima mit großen
Temperaturunterschieden. Die Sommer sind heißer, die Winter wesentlich
kälter als an der Küste. In Ankara liegt die mittlere Januartemperatur
bei 0 °C, die mittlere Julitemperatur bei 24 °C. Der mittlere
Jahresniederschlag beträgt deshalb nur rund 370 Millimeter und ist
somit wesentlich geringer als in den küstennahen Regionen. In der
Schwarzmeerregion ist das Klima mild, bei hohen Niederschlägen. Die
höchsten Sommertemperaturen der Türkei herrschen in Südostanatolien;
im Juli und August liegen sie im Schnitt über 30°C.
Kultur:
Das
Gebiet der heutigen Türkei war die Heimat ethnisch und kulturell
unterschiedlicher Volksgruppen. Hier wirkten Hethiter, Phryger, Assyrer,
Griechen, Perser, Römer und Araber. Die nomadischen Vorfahren der
heutigen Türken kamen im 11. Jahrhundert n. Chr. aus Zentralasien.
Heute sind mehr als 70 Prozent der Bevölkerung Türken und etwa 20
Prozent Kurden sowie zahlreiche kleinere Gruppen wie Araber, Griechen,
Armenier und Tscherkessen die alle ihre kulturelle Identität weitgehend
bewahrt haben.
Medizin:
Die
medizinische Versorgung der sozial schwächeren Bevölkerungsteile wird
in der Türkei staatlich finanziert. In ländlichen Gegenden sind
medizinische Einrichtungen und medizinisch ausgebildete Fachkräfte
knapp. Insgesamt gesehen liegt die Versorgung mit Fachpersonal und
Medikamenten unter dem europäischen Durchschnitt.
Bildung:
Seit der
ersten Verfassung wurde eine allgemeine Schulpflicht für die
Grundschule und der gebührenfreie Besuch aller staatlichen Schulen
verankert. Es besteht eine allgemeine Schulpflicht für die Dauer von
fünf Jahren. Durch die systematische Förderung des Bildungswesens
konnte die Analphabetenrate auf etwa 18 Prozent gesenkt werden. Der
Zugang zu den Universitäten der Türkei ist einem strengen
Auswahlverfahren unterworfen.
Medien:
In
der Türkei werden rund 330 Tageszeitungen publiziert, viele in
geringer Auflage. Die einflussreichsten Blätter sind Cumhuriyet,
Sabah, Hürriyet, Milliyet und Türkiye; alle aus Istanbul.
Zudem erscheinen viele Wochen- und Monatszeitschriften.
Die
Regierung betreibt vier nationale Radiosender und fünf
Fernsehsender; außerdem sind mehrere private und staatliche
Fernsehstationen in Betrieb.
Verwaltung
und Politik
Das
Mehrparteiensystem wurde 1946 eingeführt. Nach der Verfassung
von 1982 ist die Große Nationalversammlung (Einkammerparlament)
das gesetzgebende Organ. Sie besteht aus 550 Mitgliedern, die in
direkter Wahl auf fünf Jahre gewählt werden. Regierungschef
ist der Ministerpräsident, der die Mehrheitspartei
beziehungsweise die Mehrheitskoalition repräsentiert.
Staatsoberhaupt ist der vom Parlament für eine Amtszeit von
sieben Jahren gewählte Präsident. Er ernennt den
Ministerpräsidenten und auf dessen Vorschlag die Minister. Eine
Wiederwahl des Präsidenten ist nicht möglich. Wahlberechtigt
sind alle Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben.
1934 erhielten die Frauen das Wahlrecht.
Kommunalverwaltung:
Die
Türkei ist in 74 Provinzen untergliedert, an deren Spitze ein
Gouverneur als Regierungsvertreter steht. Die Provinzen sind in
Bezirke und Gemeinden unterteilt. Den Bezirken kommt nur geringe
politische Bedeutung zu. Die Gemeinden können Gemeindesteuern
erheben und verfügen über weitere Vollmachten auf lokaler
Ebene.
Wirtschaft:
Die
schnelle Industrialisierung und das Wirtschaftswachstum der
achtziger Jahre basierten auf der gezielten Förderung der
Wirtschaft durch staatliche Investitionen. Neben Erfolgen bei
den Beschäftigungs- und Produktionszahlen verzeichnete die
Türkei in der Vergangenheit jedoch auch eine hohe
Staatsverschuldung und Inflationsrate.
Etwa
die Hälfte aller Erwerbstätigen arbeitet in Land-, Forst- und
Fischereiwirtschaft, 30 Prozent im Dienstleistungsgewerbe und 20
Prozent in der Industrie. Über eine Million türkischer
Staatsbürger arbeiten im Ausland, insbesondere in Deutschland
und Saudi-Arabien.
Der
bedeutendste Gewerkschaftsdachverband ist der Bund türkischer
Gewerkschaften mit über 1,9 Millionen Mitgliedern.
Innerhalb
der Türkei besteht hinsichtlich der wirtschaftlichen
Entwicklung ein markantes West-Ost-Gefälle zwischen dem
industriell geprägten Westen und den agrarisch strukturierten
östlichen Landesteilen. Außenwirtschaftlich sucht die Türkei
eine engere Einbindung in die Europäische Union und strebt nach
stärkerer Einflussnahme im zentralasiatischen und im
kaukasischen Wirtschaftsraum.
Verkehrswesen:
Die
staatliche Eisenbahn der türkischen Republik verfügt über ein
etwa 10.400 Kilometer langes Schienennetz. Das Straßennetz
umfasst rund 60.000 Kilometer, davon zwei Drittel asphaltiert.
Die
führenden Häfen sind Istanbul und Izmir; weitere wichtige
Hafenstädte sind Trabzon, Giresun, Samsun sowie Zonguldak am
Schwarzen Meer und Iskenderun und Mersin im Süden.
Die
nationale Fluggesellschaft Turkish Airlines bietet Inlands- und
Auslandsflüge an. Internationale Flughäfen befinden sich in
Istanbul, Ankara, Adana, Antalya und Izmir.
Währung
und Bankwesen:
Währungseinheit
der Türkei ist die Türkische Lira, bestehend aus 100 Kurus.
Außenhandel:
Die
jährlichen Importkosten der Türkei sind im Allgemeinen höher
als die Exporterlöse, die Handelsbilanz ist dementsprechend
negativ. Importiert werden vorwiegend Erdöl, Maschinen,
chemische und pharmazeutische Produkte, Düngemittel, Eisen und
Stahl sowie Fahrzeuge. Hauptexportgüter sind Textilien, Obst
und Gemüse, chemische Erzeugnisse, Metalle, Tabak und Weizen.
Der Tourismus ist in der Türkei ein wichtiger Devisenbringer.
Die Haupthandelspartner des Landes sind Deutschland, Italien,
Frankreich, Großbritannien, Saudi-Arabien, Russland und die
USA. Im März 1995 stimmte die Europäische Union (EU) der
Aufnahme der Türkei in die Zollunion zu.