K o n z e r n e . / . T r a n s n a t i o n a l e . K o n z e r n e . (TNC)


Kleine Konzernkunde

,,Ein Konzern besteht aus der Zusammenfassung mehrerer rechtlich selbständig bleibender Unternehmen. Sie sind in der Regel in wirtschaftlicher, technischer, finanzieller und organisatorischer Hinsicht der Konzernleitung des herrschenden Unternehmens oder einer Dachgesellschaft (Holding) unterstellt. Ein Konzern muß nicht zwangsläufig so groß sein wie beispielsweise DaimlerChrysler, Sony, IBM oder Siemens, er kann im Prinzip auch aus einigen kleineren unabhängigen Firmen bestehen.

Für Betriebswirte, Juristen, Steuerexperten und Gewerkschafter sind Konzerne nicht gleich Konzerne. Die Fachleute unterscheiden zum Beispiel Konzernunternehmen von verbundenen Unternehmen, klassifizieren Konzerne aufgrund der bestehenden überwiegenden Bindung als Beteiligungs- oder Vertragskonzerne, differenzieren zwischen Finanz- und Sachkonzernen und zwischen Horizontal-, Vertikal- und Diagonal- bzw. Mischkonzernen, unterteilen Konzerne nach dem Abhängigkeitsverhältnis in Koordinations- und Subordinationskonzerne etc. Diverse Paragraphen der Rechtsprechung regeln die Rechnungslegungsvorschriften für den Konzernabschluß, den Konzernlagebericht und die Konzernabschlußprüfung.

Für Gewerkschafter sind insbesondere die Mitbestimmungsvorschriften und die Arbeitsmöglichkeiten für den Konzernbetriebsrat und neuerdings die Euro-Betriebsräte entscheidend. Europäische Betriebsräte kommen übrigens immer dann zum Zuge, wenn multinationale Unternehmen in der Europäischen Union mindestens 1000 Beschäftigte haben (wenigstens 150 pro Land). Bei VW proben die Gewerkschafter sogar schon die Etablierung eines Welt - Betriebsrates.

Nationale, multinationale und transnationale Konzerne entstehen vor allem mit dem Ziel, den technischen Produktionsablauf zu rationalisieren, das Kapital zu konzentrieren, die Leitung durch vielfältige Personalunionen des Managements zu zentralisieren und Kosten zu reduzieren. Wenn - quasi nebenbei - auch noch eine größere Marktmacht dabei herausspringt - um so besser... Das für die bundesrepublikanische Geschäftswelt maßgebliche Handbuch der Großunternehmen (der sogenannte Hoppenstedt) verzeichnet in Deutschland derzeit rund 23.000 Firmen mit einem Umsatz von über 10 Millionen Euro bzw. mit mehr als 150 Beschäftigten. 500 und mehr Beschäftigte verdienen ihr Geld in einem von bundesweit rund 3.500 Großunternehmen. Die [...] im Mittelpunkt stehenden Konzerne erzielen freilich durchweg schwindelerregend hohe Umsätze von weit mehr als einer Milliarde Mark und beschäftigen in der Regel Tausende von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern; sie bilden sozusagen die Speerspitze der (auch) in Deutschland aktiven Großunternehmen."

(Mit freundlicher Genehmigung des Autors <Dr. Johann Günther König> aus ,Alle Macht den Konzernen' [ro ro ro, ISBN 3 499 22486 0] entnommen.)

Enzyklopädische Definition:

In einem Konzern sind rechtlich selbständige Unternehmen unter einer einheitlichen Leitung vereinigt. Dabei blieben die abhängigen Unternehmen zwar rechtlich selbständig, aber ihre wirtschaftliche Selbständigkeit geben sie auf. Ein Konzern wird von der Muttergesellschaft geleitet, welche die Mehrheit der Aktien der Tochtergesellschaften hält. Die Muttergesellschaft kann selbst produzieren oder aber die Tochtergesellschaften auch nur verwalten."

Dabei unterscheiden wir zwischen vertikalen, horizontalen und gemischten Konzernen. Bei ersteren vereinigt der Konzern Unternehmen, welche aufeinander folgende Produktionsstufen bewerkstelligen, z.B. von der Rohstoffbasis bis zum Vertrieb. In horizontalen Konzernen sindUnternehmen der gleichen Produktionsstufe zusammengeschlossen, z. B. mehrere Gaswerke, während sich in Mischkonzernen hingegen Unternehmen verschiedenster Art zusammengeschlossen finden, z.B. Banken, Versicherungen, Reiseunternehmen.

Konzerne, die transnational oder international sind, also in mehreren Staaten Produktionsstätten (Tochtergesellschaften) unterhalten, bezeichnen wir als Transnationale Konzerne (TNC). Deren Vorteil liegt in der Möglichkeit zur Kostensenkung durch Ausnutzung billiger Roh- und Betriebsstoffe oder günstiger Transportkosten, der Ausnutzung oder Erpressung von staatlichen Investitionsprogrammen und Steuervorteilen, der Umgehung von Handelsbeschränkungen durch die Verlagerung der Produktion in die potentiellen Abnehmerländer oder Staaten, mit den größt möglichen Zugeständnissen, mangelnden gesetzlichen Hemmnissen, den billigsten Arbeitskräften usw. Dabei forcieren die multinationalen Konzerne die vertikale Integration, um jede Stufe des wirtschaftlichen Geschehens innerhalb eines Wirtschaftszweiges kontrollieren zu können. Von der Ausbeutung der Rohstoffe über die Errichtung der Produktionsanlagen bis hin zur Produktion und der Vermarktung der Produkte können sie so die Preise festlegen, die dann nicht mehr dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage unterliegen. So entstehen immer größer werdende Bereiche bürokratisch betriebswirtschaftlicher Planung innerhalb einer ansonsten freien Marktwirtschaft, auf die solche multinationalen Konzerne durch ihre Möglichkeiten der umfassenden Ressourcenkontrolle nicht mehr angewiesen sind.

Der Hauptanteil der multinationalen (globalen) Aktivitäten der TNC's erfolgt in den Industrienationen. 45% der 600 der weltweit größten multinationalen Konzernen sind in den Vereinigten Staaten beheimatet, gefolgt von Japan (16%), Großbritannien (10%). Im Jahr 1996 z.B. wickelten rund 38.000 multinationale Unternehmen mit insgesamt 250.000 Tochterfirmen etwa ein Drittel des gesamten Welthandels untereinander ab.

(auszugsweise basierend auf Informationen  
der Mircrosoft® Enzyklopädie Encarta®)

Auslegung:

Was für die einen die sehnlichst erwünschte berufliche Geborgenheitsnische, ist für die anderen die Bedrohung für den Weltfrieden schlechthin - die Konzerne, in unserer heutigen Zeit ganz besonders die weltweit operierenden Transnationalen Konzerne. Hier ermöglicht die gebündelte Macht ungeheuer großen Kapitals und zentralisiert ausgerichteten menschlichen Willens die maximale Freisetzung von Produktivität und intensivster Forschung, auch Grundlagenforschung, jedenfalls unter idealisierter Weltsicht. Die Realität ist und bleibt, dass sich hierbei aber auch Systeme entwickeln, die sich verselbstständigen und somit jeder Kontrolle menschlicher Vernunft entziehen. Basierend auf den Eigenschaften der menschlichen Psyche entfalten sich so Kräfte, die sich nicht mehr am Wohl der Menschheit sondern ausschließlich an der Aufrecht-, Machterhaltung und Expansion des Systems orientieren. Auch das einzelne Individuum innerhalb dieses Systems hat, selbst auf höchsten Positionen, keine Möglichkeit mehr, dieser Dynamik wirkungsvoll entgegen zu treten. Der Mensch droht zum Erfüllungsgehilfen eines irrational begründeten mathematischen Systems zu werden.

siehe hierzu auch <outsorcing>, <just in time> und <MAI - die Macht der Konzerne>

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