Neid, neidisch, neiden, beneiden
Neidkultur
 


Sind Sie ein Neider oder fühlen sie sich eher beneidet? Wollen Sie jemanden etwas absprechen oder gar wegnehmen oder haben Sie Angst, dass ihnen etwas weggenommen werden könnte bzw. wird, von dem Sie ausgehen, dass es ausschließlich Ihnen gehört bzw. zusteht?

Neid steht im Ruf des moralisch Verwerflichen, der Beneidete hingegen wird moralisch überwiegend neutral betrachtet. Dabei kann der Grund für das Beneidet werden durchaus auch aus unmoralischen Quellen gespeist werden (worden sein). Verwerflich ist, dass ausgerechnet diejenigen, die sich da beneidet fühlen, statt mit einer selbstkritischen Analyse der Neidursache mit der moralischen Keule agieren, indem sie gesellschaftlich Benachteiligten üble, materialistisch begründete Neidkultur vorwerfen, um ihnen so den Mund zu verbieten. Dabei vergessen die von den Göttern mal wieder Bevorzugten unserer Schicksalsgemeinschaften, dass die schlimmsten Neider sich just aus den eigenen Reihen der Wohlhabenden rekrutieren, z. B. weil diese es nicht ertragen können, wenn Konkurrenten von irgend etwas mehr haben, oder es diesen leichter zugefallen ist, als einem selbst. Die Motive solcher Neider ohne reale Not sind moralisch verwerflich.

Aus abendländisch-christlicher Sicht, war bzw. ist Rechtschaffenheit im Christentum, unter dem Aspekt der zehn Gebote schon immer eine wirksame, in die Schranken verweisende Rechtfertigung elitärer Schichten unserer Gesellschaften gewesen, oft ohne die tiefere Bedeutung gerade dieser Leitwerte auch für sich selbst verinnerlicht zu haben. Besonders die so genannte Society-Kultur ist vor allem auf Neid aufgebaut, der grundsätzlichen Triebfeder für Konkurrenzverhalten, frönt den materiellen und den hierarchischen Äußerlichkeiten wie Haben und Bestimmen. Ich habe, was du nicht hast, was du dir nicht leisten kannst, angefangen vom Modepüppchen bis hin zur Jacht, vor allem potente Macht. Dem gegenüber steht der gewissermaßen impotente Mittellose, mit nahezu nichts, als seinem Leben, über das er noch nicht einmal wirklich selbst bestimmen darf. Sein Neid hingegen ist darin begründet, dass das, was er dem Wohlhabenden neidet, im Wesentlichen ohne sein Zutun, ohne seiner Hände und auch ohne seines Geistes Arbeit nicht hätte entstehen können. Der Wohlstand des Anderen begründet seine Armut, heute schillernd seelenlos mit mangelnder Teilhabe aus dem Reich der Chancen umschrieben. Der ohnehin schon ungerecht Bevorzugte bestimmt die Lebensqualität der "Armen" in allen wesentlichen wirtschaftlichen und sozialen Gefügen unter  dem Bewusstsein, dass aller Leben, das des Reichen ebenso, wie das des Armen, gleich endlich und unwiederbringlich einmalig ist.

Wie viel Wohlstand entspringt nicht den Wurzeln individueller Genialität, sondern familiärer Erbschaft, also Gottes Gnaden, schnöder Bereicherung unter purem Egoismus, knall harter Ellenbogenmentalität nach dem <Überlebensprinzip> des vorgeblich Stärkeren mit dem Hauch des Faschistischen, verwurzelt in einer Form von Lebensverachtung?

Der Neid des Habenichts in seiner naiven Einfältigkeit beruht zuweilen noch nicht einmal auf dem Prinzip der Bösartigkeit, das dieser Gesellschaftsgruppe von manchen unterstellt wird, sondern basiert sogar auf dem Gefühl des Beneidens, einer Form von Bewunderung, des dem anderen Gönnens, des sich Freuens über die verdienten Qualitäten eines vom Schicksal glücklich Begünstigten und findet zum Beispiel sehr eindrucksvoll seinen Ausdruck in der Formulierung: "Oh ich beneide dich so sehr um dein Können, um deine Fähigkeiten". Diese Form des Neids beinhaltet eben gerade nicht die Absicht, dem Beneideten Vorteile absprechen zu wollen. Zweifellos kann solcher Neid nicht im Zusammenhang mit den die eigene Lebensexistenz bedrohenden Ungleichverhältnissen entwickelt und empfunden werden.

De facto ist der exorbitante materielle Lebensbedarf der so genannten Wohlhabenden für die gesamte Lebenswelt dieser Erde auf die einzelnen Köpfe aller insgesamt umgerechnet für uns bei weitem bedrohlicher, als der realisierbare materielle Lebensanspruch der Habenichtse, die sich mit ihrer Art des unreflektierten Neidens allenfalls selbst im Zaum halten.

 

Soweit der soziokulturelle, also moralische Aspekt des Begriffs Neid. Unter sozioökonomischem Gesichtswinkel stellt sich Neid als moralisches Bewertungskriterium für das wirtschaftliche System dar, dem wir unsere Gesellschaft unterworfen haben, nämlich dem Kapitalismus. Alle Lebewesen, also auch wir Menschen haben naturgegeben grundlegende Bedürfnisse zur Erhaltung unserer Leben. Dazu gehört im Wesentlich die Energiezufuhr in Form von materieller Nahrung, der Energieerhalt in Gestalt von dem Klima angepasster Kleidung und einem ebenso diesem entsprechenden Wohnraum. Gerade an den beiden zuletzt genannten  zeigt sich aber, dass sowohl die Bekleidung, als auch die Wohnung nicht nur der Befriedigung unserer generellen Grundbedürfnisse dienen, sondern den in unserer Gesellschaft darüber hinaus gehenden individuellen sozialen Bedürfnissen, wie z.B. dem Status, welche mit elementaren Lebensfaktoren nichts mehr zu tun haben. Im Kapitalismus werden solche künstliche Bedürfnisse über die Schiene, du bist etwas besonderes, wenn  du …. bewusst forciert bzw. gefördert. Aus den wirklich sehr unterschiedlichen sozialen Möglichkeiten der Mitglieder einer Gesellschaft der Befriedigung dieser als Kaufanreiz geschaffenen Bedürfnisse nachzukommen, die der Profilierung des eigenen Ansehens und den daraus resultierenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteilen dienen, erwächst Neid als Reaktion des sozial Schwächeren, dem durch die systematisierte Weise der Deprivatisation die Möglichkeit genommen bzw. vorenthalten wird, seine in ihm schlummernden Fähigkeiten der eigenen Neugier folgend zu entdecken, zu erproben und so weiter zu entwickeln. Wie dies zu verstehen ist, bedarf einer Erläuterung:

Lebewesen, wie der Mensch, empfinden als Element zur Bewältigung der Anforderungen, welche ihre materielle und darauf aufbauend ihre soziale Umwelt an sie stellt, das auf Gefühl basierende Antriebsmoment Neugier. Dieses bewegt den jeweiligen Menschen dazu, die (Lebens-) Zusammenhänge seiner Umwelt zu entdecken und damit die eigenen Lebenserhaltungsmöglichkeiten zu entfalten. In einer Gesellschaft jedoch, in der die Zugangsmöglichkeiten, die „Welt“ zu entdecken an ökonomische Bedingungen gekoppelt sind, kommen zwangsläufig all jene zu kurz, die aus moralischen, aber auch aus im Intellekt bzw. im Mangel an Aggression begründeten Momenten nicht in der Lage sind, sich derart durchzusetzen, dass sie gewissermaßen den berühmten goldenen Löffel nicht mit in die Windel gelegt bekommen bzw. sich selbigen durch eigene Schläue selbst erringen. Diese zu Kurzgekommen, also alle aus welchen Gründen auch immer finanziell/sozial Benachteiligten haben in der latent oder auch offen reglementierten Gesellschaft  zwangsläufig keine Möglichkeit, über ihre Neugier ihre individuellen geistigen und körperlichen Fähigkeiten als Antwort auf die Anforderungen ihrer natürlichen und sozialen Umwelt zu entdecken und zu entfalten. Diese Diskrepanz äußert sich schließlich zum einen als das Gefühl Neid mit den Komponenten, das möchte ich auch dürfen und können, warum immer nur du bzw. der oder die, bis hin zu, es ist ungerecht, dass der oder die stets bevorzugt ist/sind, bzw. wenn ich dieses nicht haben kann oder machen darf, dann brauchst auch du dieses nicht zu haben oder machen zu dürfen. Da Neugier ein elementares Bedürfnis zur Förderung der eigenen Lebenserhaltung darstellt, bedeutet deren Unterdrückung zwangsläufig einen Energiestau. Dieser Stau durch Deprivatisation, also, gesellschaftlich gesprochen, durch Entrechtung, entwickelt schließlich ein Aggressionspotential, welches dazu dienen soll, den Unterdrücker beseitigen zu können. Wo dies nicht klappt, zerstört der Aggressive letztendlich sich selbst, z.B. durch körperliche oder geistige Erkrankung, oder aber auch durch Zerstörung der Lebensgrundlagen (z. B. auch der Umwelt) oder verfällt in Lethargie. Dies lässt sich auch auf die menschliche Gesellschaft als Struktur selbst generalisieren. Eine Gesellschaft, die auf umfassende Unterdrückung der Entfaltungsmöglichkeiten seiner Mitglieder aufgebaut ist, zerstört sich letztendlich selbst. Genau an dieser Stelle finden faschistoide Gesellschaften mit dem so genannten Überlebensrecht des jeweils Stärksten stets ihr selbst induziertes Ende (siehe hierzu auch Faschismus). Die Zukunft der Menschheit liegt darum nicht in der Fortsetzung des von der Natur auferlegten Lebensrecht des „materiell“ Stärksten, sondern in der gemeinsamen Höherentwicklung des kollektiven und individuellen Geistigen zum Wohle aller.

peter bechen



Aus dem Wörterbuch für Sie gelesen:
aus Encarta Prof. 2003 Wörterbuch

Neid
[..] das Gefühl der Unzufriedenheit darüber, dass andere Leute etw. haben, das man selbst nicht hat, aber gern hätte […] Missgunst

nei·den
[...] ein Gefühl der Unzufriedenheit haben, weil j-d etw. hat, das man selbst gern hätte […] j-m etw. missgönnen […]

nei·disch
[…] Unzufriedenheit darüber empfinden, dass ein anderer etw. hat, das man selbst nicht hat, aber gern hätte

Miss·gunst
[…] das Gefühl, dass man nicht will, dass es j-d anderem besser geht als einem selbst […]

die Vermögensverhältnisse in unserem Land und anderswo

lesen Sie hierzu auch
<Vermögensverhältnisse in Deutschland>


siehe auch:

Asozial, Antiamerikanismus, Faschismus, Gerechtigkeit, Kaufrückhalt, Neid, Verschwörung

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