K a p i t a l  (von mittellateinisch capitale = Grundsumme),


  • Betriebswirschaftslehre: die Gesamtheit der Sach- und Finanzmittel eines Betriebes.

  • Rechnungswesen:   Kapital = Gesamtvermögen, das ein einzelner oder eine Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt besitzt, im Gegensatz zum Einkommen, das aus diesem Vermögen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes gewonnen wurde.

Darum weist eine Firma ein Kapitalkonto (meistens Bilanz genannt) mit den Vermögenswerten und ein Einkommenskonto, das den Fluß bei Waren und Forderungen während eines bestimmten Zeitraumes beschreibt.

Im 19.   Jahrhundert galt als Kapital nur das Wirtschaftsvermögen, nich jedoch Grund und Boden oder Erzvorkommen oder Einkommen aus Kapital (Gewinn oder Zins) sowie Miete und Pacht.

Es gibt also

  • Anlagekapital
    (Grund und Boden, Gebäude und Maschinen) und

  • Umlaufkapital
    (nichterneuerbare Güter, wie z.  B. Rohmaterial und Brennstoff, sowie auf die Mittel, die benötigt werden, um Löhne zu zahlen und andere Forderungen an das Unternehmen zu erfüllen).

Des weiteren wird unterschieden zwischen

  • Produktivkapital (Maschinen, Rohmaterial und andere körperliche Güter) und

  • Finanzkapital (Forderungen gegen Güter wie z.B. Wertpapiere und Forderungskonten).

Gemäß der klassischen Theorie á la Adam Smith ist das Kapital ein Wertedepot, das durch Arbeit erzeugt wird. Ein Teil des Kapitals besteht aus Verbrauchsgütern, die dem Lebensunterhalt der Arbeiter dienen, die die Güter für den zukünftigen Konsum herstellen. Ein weiterer Teil besteht aus Produktionsgütern, die in die weitere Produktion zurückfließen, in Erwartung zukünftiger Erträge. Der Gebrauch von Investitionsgütern erhöht die Arbeitsproduktivität, dadurch wird es möglich, mehr zu erzeugen, als für die Erhaltung der Arbeitskraft erforderlich ist. Dieser Überschuß bildet den Zins oder Gewinn, der auf das Kapital gezahlt wird. Zinsen und Gewinne erhöhen das Kapital, wenn sie wieder in die Produktion fließen.

Für Karl Marx bestand Kapital nur aus den Produktivgütern, die Einkommen unabhängig von den Anstrengungen des Eigentümers erbringen. Das Werkzeug eines Handwerkers oder das Land eines kleinen Bauern sind in diesem Sinne kein Kapital.

Für Sozialisten ist Kapital eine bestimmende Kraft in der Gesellschaft, die entsteht, wenn eine kleine Gruppe von Personen, die Kapitalisten, die in der Regel die meisten der Produktionsmittel besitzen, und wenn eine viel größere Gruppe, nämlich die Arbeiter, nicht mehr als den puren Lebenserhalt als Entlohnung für die Verwendung der Produktionsmittel zum Nutzen der Eigentümer erhält.

Mitte des 19.   Jahrhunderts entwickelten die britischen Wirtschaftswissenschaftler William Nassau senior und John Stuart Mill eine psychologische Theorie des Kapitals, die auf einer systematischen Untersuchung der Motive für Genügsamkeit beruhte. Ausgehend von der Annahme, daß die Befriedigung durch gegenwärtigen Konsum psychologisch einer verzögerten Befriedigung vorzuziehen ist, argumentierten sie, daß das Kapital durch Konsumverzicht von Personen entsteht, die auf eine Entlohnung ihrer Enthaltsamkeit in der Zukunft hoffen. Weil solche Personen gewillt sind, auf heutigen Konsum zu verzichten, kann die Produktionskraft von der Erzeugung von Verbrauchsgütern auf die Erzeugung künftiger Produktionsmittel gelenkt werden; folglich wird die Produktionskapazität der Volkswirtschaft erhöht. Und so wie körperliche Arbeit den Lohn rechtfertigt, rechtfertigt daher Verzicht Zinsen und Gewinne.

Soweit die Verzichtstheorie auf subjektiven Überlegungen beruhte, bot sie keine adäquate Basis für objektive Wirtschaftsanalysen.

Eugen Böhm-Bawerk und Alfred Marshall stimmten mit den Verzichtstheoretikern darin überein, daß die Aussicht auf zukünftige Erträge Einzelpersonen motiviert, auf Konsum zu verzichten und einen Teil ihres Einkommens zur Produktionsförderung zu verwenden. Doch sie fügten hinzu, daß die Höhe des Ertrags vom Zugewinn an Produktivität abhängt, der aus dem Zuwachs von Kapital im Produktionsprozeß entsteht. Kapitalzuwächse machen die Produktion umständlicher, wodurch größere Verzögerungen verursacht werden, bevor Erträge entstehen. Kapital, so behaupteten sie, würde demgemäß abhängen vom Mittelweg, den man finde zwischen dem Wunsch nach sofortiger Befriedigung durch Konsum und dem Wunsch nach den zukünftigen Gewinnen, die aus einem umständlicheren Produktionsprozeß erwartet würden.

Ablehnung fand diese Theorie durch <John Maynard Keynes>, weil sie die Diskrepanz zwischen gespartem Geld und entstandenem Kapital nicht erklären könne. Obwohl gemäß aller vorausgegangenen Kapitaltheorien die Ersparnisse immer den Investitionen entsprechen sollten, zeigte Keynes, daß die Entscheidung, in Investitionsgüter zu investieren, sich sehr von der Entscheidung zum Sparen unterscheidet. Wenn eine Investition keinen Profit verspricht, bleibt die Sparrate weiterhin etwa gleich. Aber es kommt zu einer starken Liquiditätspräferenz: Einzelpersonen, Unternehmen und Banken sparen, statt zu investieren. Wenn eine Liquiditätspräferenz vorherrscht, verursacht sie eine Nichtbeschäftigung des Kapitals, die wiederum zur Nichtbeschäftigung der Arbeiter, also zur Arbeitslosigkeit führt.

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