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Sozial, unsozial, asozial, verwerflich, oder nicht? Eine moralisch gewichtete Differenzierung
Auf einsamen Wegen,
in einer düsteren Ecke einer heruntergekommenen
Gegend, begegnen Sie einer verlotterten Gestalt mit vorgestreckter Hand,
die mit zwar schwerer Zunge, dennoch latent unmissverständlich
bedrohlich zur Abgabe eines „Heiermanns“ nötigt, der vor wenigen Jahren
noch einem Fünfmarkstück entsprach. Bei vielen Zeitgenossen, erst
recht bei in dichten Pelzen gehüllten Damen,
forciert derartiges Erleben nachhaltig negative Emotionen. Das
Sicherheitsempfinden ist erschüttert, wo bleibt das ultimative Gesetz zu
dessen Bewahrung bzw. Wiederherstellung? Vielleicht sehen wir auch aus diesem Grund in
unseren Tagen zunehmend seltener offen erkennbar Wohlhabende an
sozialen Brennpunkten? Wer wünscht sich schon kulturell und sozial
Abgestürzten unkontrollierbar im „Dunkeln“ zu begegnen? Aus der Spannung
permanenter unterschwelliger Angst erwächst Abneigung, entwickelt sich
Begrifflichkeit wie Asi oder expliziter noch Asozialer. Gemeint sind
damit nicht nur Jammergestalten in dunklen Ecken verelendender Städte,
sondern zunehmend mehr oder weniger alle Abgestürzten mit auffallend
gestörtem, unberechenbarem Sozialverhalten, Menschen in Gettos mit in
verfallenden Häusern heruntergerissenen Briefkästen, mit angesengten und
aggressiv beschmierten Fahrstühlen und Fassaden, mit mutwillig
verdreckten und zugemüllten Strassen. Dabei wird unreflektiert
unterstellt, dass ein solcher Asozialer dem Mit- und Füreinander der
Gesellschaft nicht diene, sondern eher schade. Bei ausführlicher
Betrachtung ist diese Annahme bereits im Grundprinzip ein Trugschluss,
denn gerade durch die vom Schicksal und den gesellschaftlich
geschaffenen Existenzbedingungen Geschlagenen, den Hoffnungslosen im
Zustand permanenter offener Demütigung willkürlicher Fremdbestimmung,
wird die kollektive Angst der von der Gesellschaft Abhängigen vor
Absturz in Ausweglosigkeit als Haupttriebfeder bürgerlichen Gehorsams
forciert, und das nicht nur in den von Willkür determinierten Systemen.
So ist das Putz- und Ausstaffiergehabe aller Ordentlichen zu verstehen,
nach dem Motto, wir mögen zwar nicht unbedingt zu den (Erfolg-) Reichsten
gehören, aber wir sind in jedem Fall ordentlich, sauber und somit
stromlinienförmig angepasst, und somit also keine Asozialen.
Ist man während den Hauptverkehrszeiten mit Bus und Bahn unterwegs, bzw.
wenn man damit unterwegs sein muss, wird man zunehmend recht offensiv
aufgesetzt demutsvoll von auf betont schmuddelig wir-loyal bzw. auf flippig
gestylten Leuten um `nen Euro fürs Essen, Trinken oder auch einfach mal
Telefonieren bzw. zum Nachkaufen verloren gegangener Fahrberechtigungen
„angehauen“. Derartige berufliche Schnorrer findet man zahlreich in
Einkaufspassagen, auf Bahnhöfen und deren Vorplätze, auf Marktplätzen
und vor allem in den zentralen Grünanlagen großer Städte. Dort
vertreiben sich diese schauspielerisch in gewisser Weise begabten
Akteure ihre Langeweile zwischen ihren einzelnen Schnorraktionen,
zuweilen auch mit Drogen aller Art, aufgeheizten Diskussion, unzähligen
Zigaretten in Kette und zunehmend mehr Tieren zur Unterstützung der
Mitleidstour. Deren Gang zum Sozialamt ebenso wie zur Armenküche ist
obligatorische und wird mit expliziter Anspruchshaltung beschritten.
Diese Gefühlstourdrücker halten sich mit Hilfe ihres Aussehens und
Verhaltens bewusst, teilweise auch provozierend am Rand der Gesellschaft
auf und beanspruchen dabei sogar den öffentlichen Raum als ihren
originären Lebensraum. Von ihrem Habitus her sind diese Spezialisten nur
schwerlich von real Gestrauchelten zu differenzieren. Folglich stufen
angeschnorrte und auch verunsicherte Bürger gerade auch diese „Null-Bock-Ihr-könnt-mich-mal-Mentalitätsjünger
als asozial ein. Doch ist bei dieser gezielt zur Schau gestellten
vordergründigen Armut und Mittellosigkeit nicht viel eher der Begriff
Unsozial als Definition zutreffen, mit der wesentlichen Unterscheidung,
dass hier absichtsvolles, wohl durchdachtes Handeln zur eigenen
Vorteilsbeschaffung ohne Rücksicht auf die sozialen Konsequenzen für die
Angemachten vorliegt und eben keine reaktive, unreflektier- und
unentrinnbare Opfersituation?
Wahrhaftig materiell/sozial Benachteiligte sind meist sehr darum bemüht,
in ihrer Umgebung, vor allem gegenüber der Obrigkeit einen sauberen,
gepflegten, möglichst unauffälligen Eindruck zu hinterlassen - wenn sie
sich überhaupt noch in die Öffentlichkeit begeben. So bemühen sie sich
darum, trotz materiellem Mangel möglichst mithalten zu können, z. B.
auch in modischen Dingen und kaufen sich dann halt ihre Bluse nicht von
Wallis, sondern im Discount, hergestellt in Fernost. Genau hier setz
denn auch die Werbemaschinerie an, um auch aus dieser Bevölkerungsgruppe
heraus zu quetschen, was irgendwie noch geht, mit nachfolgend
gesamtgesellschaftlich höchst nachteiligen Folgen über hohe Verschuldung
(siehe hierzu „Werbung
ist Lüge“ und „Vermögensverhältnisse in
Deutschland“). Derartige „Arme“ verstecken sich aus Scham und werden so
an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Um am gesellschaftlichen Leben
aktiv teilnehmen zu können, benötigen wir in jedem Fall Geld, ein Auto
als Status und Fortbewegungsmittel, und anderes teures Equipment z. B.
für gesellschaftlich geachtete sportliche Freizeitaktivitäten. Für
mittellose Familien stellen selbst die geschwätzigen Straßenfeste
bereits ein Problem dar.
Doch als was sind denn
dann all jene einzustufen, die kein Problem damit
haben, trotz besseren Wissens über die eigene Vermögenslage sich nach
und nach kontinuierlich zur immerzu weiter anwachsenden XXL-Familie zu
mausern, zu 100 Prozent vom Sozialamt gesponsert. Einige Spezialisten
darunter verstehen es sogar, dank ihrer zahlreichen Schar sich auf diese
soziale Weise in einem Vorort ein schmuckes Haus sogar mit Garten auf Kosten der
Allgemeinheit zukommen zu lassen, mit der Option, so ein
insgesamt gesehen angenehmeres Leben führen zu können, als
etwa ein kinderloses Doppelverdienerpaar, das sich seine ultimativ teure
Mietwohnung oder auch auf Kredit finanzierte Eigentumswohnung tagtäglich
erarbeiten muss und gerade deshalb kaum je eine Chance sieht, seinen
Wunsch nach eigenen Kindern zu verwirklichen. Handeln die hier oben genannten
Sozialvorteilsbeschaffungsspezialisten wohl durchdacht, absichtsvoll oder
reaktiv und unüberlegt? Handelt es sich hierbei also um als Asoziale
bezeichnete Arme oder um unsoziale arme Schnorrer?
Ist, in diesem Zusammenhang
auch noch betrachtet, der gewandte Börsenmakler, ein ausgefuchster, mit allen Wassern gewaschener Versicherungs- oder auch
Bausparkassenvertreter, ein durchtriebener und gerade deshalb
erfolgreicher Werbetexter, ein geschmeidiger, gar abgebrühter und somit
hoch angesehener (Wendehals-) Politiker, oder gar der anmaßende, dabei
skrupellose Manager, ebenso wie auch der seine Mitmenschen überrumpelnde
Telefontarifanbieter mit viel Kleingedrucktem nach angelsächsisch-
kapitalistischem Vorbild, der gerade den Armen das alltäglich zum Leben
dringend benötigte „Klein-„Geld im großen Stil aus den Taschen zieht,
des schnellen Euros willen, möglichst rasch und aufwandsarm
erwirtschaftet für ein lang währendes eigenes Leben im Wohlstand, mit
der Konsequenz einer überschuldeten Gesellschaft, mit Konsumenten, die
sich ihren existenziellen Grundkonsum nicht mehr wirklich leisten
können, so dass volkswirtschaftlich nur noch Export als Basispfeiler
verbleibt, sozial? Sind diese schicken Maßanzugträger mit ihrer
eigennützigen Auffassung von Moral, dem Sozialgefüge menschlicher
Gemeinschaften förderlicher, als der so genannte Asoziale? Sind in der
Finanzwelt bewanderte, diese sogar selbst determinierende
„Geldmachprofis“ gesellschaftlich gesehen als sozial oder doch gar als
unsozial für das gemeinschaftliche Gefüge zu bewerten? Ist deren Tun,
deren perspektivisch verengte egozentrische Profitorientierung, dem
kulturellen, gar dem lebenserhaltenden und -verbessernden Mit- und
Füreinander förderlich, direkt wie indirekt?
„Asozial“ ähnelt in unserer Vorstellungswelt im gewissen Sinn dem
Begriff „Unsozial“, allerdings wird er im Gegensatz zu Unsozial meist
beleidigend bis diskriminierend verwandt. Seine Bedeutung bezieht sich
auf das Verhältnis von Menschen im gesellschaftlichen Kontext, auf
Fähig- bzw. Unfähigkeit, auf einen Mangel an Fertigkeit zum Umgang
miteinander und charakterisiert die zwischenmenschliche Kommunikation
und Interaktion. Doch im Gegensatz zu „Unsozial“, das auf bewusst
initiiertem und intellektuell durchdachtem, absichtsvollem und somit
voll zu verantwortendem Handeln resultiert, bedeutet Asozial eher die
aus Inkompetenz heraus bedingte Unfähigkeit eines Individuums zum
konstruktiv aufbauenden und gesellschaftlich sich ergänzenden
Miteinander, mit daraus resultierender Destruktivität sowohl für den
„Asozialen“ selbst, wie auch für die davon betroffene Gemeinschaft. Mit
„asozial“ bezeichnen wir demnach als von einer mehr oder weniger
latenten Unfähigkeit betroffene Menschen, deren Asoziales nicht aus
planmäßig herbeigeführter Böswillig- oder gar berechneter
Hinterhältigkeit zum eigenen Vorteil resultiert, sondern aus schlichter
reaktiver sozialer Unfähigkeit. Dieser Begriff bezieht sich vor allem
auf Menschen, die ihr Dasein am unteren Rand der Gesellschaften fristen
(müssen), aber nicht außerhalb derselben. Sie sind moralisch für ihr Tun
weniger verantwortlich zu machen, als die durchschauend Handelnden.
Dem hingegen sind die gesellschaftlichen Auswirkungen der im Eigennutz
politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich bewusst Handelnden, der Ausgestalter oder Vorgeber der Gesellschaftsstrukturen und der diesen
zugrunde liegenden Lebensbedingungen, eher in der Mitte bis hin zum
oberen Rand der Gesellschaften zu suchen, inklusive den diese exklusive
Randgruppe, im Interesse eines ebenso angestrebten Eigennutzes,
bedienenden Opportunisten und Zuträger. Deren negative Gesamtwirkung auf
die gesellschaftliche Entwicklung, im materiellen ebenso, wie im
Moralischen, lässt sich eher mit unsozial als mit asozial beschrieben,
denn eine Handlung, deren Intention als unsozial bezeichnet werden kann,
basiert auf Bewusstsein. Dennoch neigen wir dazu, abgrenzungslos vor
allem die destruktive Auswirkung der zu Anfang beschriebenen Asozialen
als unsozial zu bezeichnen, obwohl deren Handlungen eher weniger
absichtsvoll, also reaktiv initiiert sind und somit für die Auswirkungen
ihres Tuns weniger verantwortlich zu machen sind, als die eines real
Unsozialen, der geplant vorsätzlich das Unsoziale seines Wirkens im
Interesse seines ausschließlichen Eigennutzes in Kauf nimmt.
Schon vor über zwanzig Jahren schrieb die argentinisch-deutsche Autorin
Esther Vilar ein Büchlein mit dem provokanten Titel „Der betörende Glanz
der Dummheit“ (siehe ISBN 3-430-19368-0 bzw. 3-423-11260-3). Darin
definiert sie gleich zu Anfang den Begriff Intelligenz in Abgrenzung zur
technischen Intelligenz von Maschinen wie folgt:
„[Intelligenz ist …] zum einen Phantasie (Vorstellungsvermögen,
Einbildungskraft, Einfallsreichtum, die Fähigkeit zu abstraktem Denken)
und zum andern Sensibilität (Empfindsamkeit, Einfühlungsvermögen,
Instinkt, Mitgefühl, Takt). Stark vereinfacht sind diese Qualitäten
erkennbar an dem Maß an Originalität, Kreativität und Humor, über die
eine bestimmte Person verfügt, und - da sie sich dank ihrer Sensibilität
in andere "hineindenken" kann - aus dem Grad an Rücksicht,
Hilfsbereitschaft und Toleranz, die sie ihnen entgegenbringt.“
Diese Definition lässt sich ohne weiteres zusammenfassen mit „Sozialer
Fähig-, Fertigkeit und Kompetenz“. Diese Eigenschaften beschreiben einen
sozialen Menschen, der dem gesellschaftlichen Mit- und Füreinander
förderlich ist.
Im Gegenzug hierzu umreißt die Autorin den Begriff Dummheit:
„[…] Dummheit [kann man] definieren als Phantasielosigkeit (Mangel an
Vorstellungsvermögen und Einbildungskraft, Einfallsarmut, die
Unfähigkeit zu abstraktem Denken) und Unsensibilität (Instinktlosigkeit,
Taktlosigkeit, Gefühlskälte, Dickfelligkeit). Ein dummer Mensch wäre
demnach unoriginell, unkreativ und humorlos und gegenüber anderen - in
die er sich ja mangels Feingefühl nicht hineinversetzen kann -
mitleidlos, rücksichtslos und intolerant. Dummheit darf nicht länger mit
Ignoranz (Unwissenheit) verwechselt werden: Bildung (Wissen) kann man
kaufen, Intelligenz nicht.“
Und weiter schreibt sie:
„Nach dem hier verwendeten Begriff kann also auch jemand, der es in
unserer Gesellschaft aus eigener Kraft zu hohem Ansehen und Reichtum
bringt - ein brillanter Unternehmer etwa, ein gefeierter Chirurg, ein
erfolgreicher Wissenschaftler -, im Grunde ein dummer Mensch sein,
während sich unter Umständen hinter einem so genannten Versager ein
überdurchschnittlich Intelligenter verbirgt."
Esther Vilar definiert also die Dummheit der Mächtigen als deren Mangel
an Einfühlungs-, Vorstellungsvermögen und Sensibilität, somit als deren
Unfähigkeit zu sozial verträglicher bzw. förderlicher konstruktiver
Interaktion. Demnach aber trifft somit der Begriff Asozial in seiner
zuvor bereits umrissenen eigentlichen Bedeutung ohne Diskriminierung und
Agitation den Wirkmechanismus der so genannten HighSociety, der „Oberen
Zehntausend“ auf die Ausprägung zivilisatorischer Strukturen
menschlicher Gesellschaften. Wenn also das unsoziale Wirken nicht
weniger Mächtiger, bzw. der Mächtigen überhaupt, nicht aus deren bewusst
geplanter Willkür herrührt, sondern ein Produkt deren sozialer
Inkompetenz darstellt, dann ist der Begriff Asozial als Attribut für
deren gesellschaftliches Tun eher angebracht, als die Bezeichnung
Unsozial, die auf „intelligenter“ Verhaltensdisposition nach Vilar’scher
Definition basiert. Das folgende, verallgemeinernde Beispiel der Autorin
veranschaulicht diese Konsequenz:
„Wer […] dem Verhalten unserer Oberschicht Beachtung schenkt, wird sich
[..] fragen, was [.] in den Köpfen dieser Elitemenschen vor sich geht.
Was denkt [..] ein [.] Fabrikdirektor, wenn er seinen neuen Ferrari vor
den Werkhallen seiner Arbeiter parkt? Denkt er: Jetzt will ich diesen
armen Teufeln einmal zeigen, wie weit es ein ehrlicher Mann in unserer
Gesellschaft bringen kann? Der Anblick dieses Superschlittens wird
bestimmt ein Symbol der Hoffnung für sie werden?
Was denkt eine New Yorkerin, wenn sie in einem
Dreißigtausend-Dollar-Pelz vom Shopping bei Saks zum Tee ins Plaza
schlendert, womöglich vorbei an Leuten, die nicht wissen, wo sie die
Nacht verbringen sollen? Denkt sie: Ist das nicht wunderbar, dass ich
all [.] diesen einfachen Menschen diese herrlichen Tierkadaver zeigen
kann? […]
Was denkt das südamerikanische Society-Paar, wenn es die Mauer um seine
Villa […] mit Stacheldraht und Glassplittern bestücken läßt? Denkt es:
Wollen wir doch den lieben Pauschaltouristen ein Geheimnis schenken -
diese unüberwindbaren Mauern werden ihre Phantasie beflügeln wie sonst
nichts?
Was denken Yachtbesitzer, wenn sie, bestaunt von zerlumpten Kindern, in
einem malerisch-trostlosen Küstenort an Deck ihres Fahrzeugs ein üppiges
Diner verzehren? Denken sie: Leben und leben lassen? Oder: Das wäre doch
nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Oder: Dafür haben die dieses
herrliche südliche Klima?
Was treibt einen [Adeligen, einen] Grafen, einen Herzog sich als Herzog
einzuführen? Etwa: Lassen sie sich von meinen Tischmanieren bloß nicht
blenden, in Wahrheit gehören meine Vorfahren zu jenem Pack, das die
Menschenrechte ignorierte, den sozialen Fortschritt blockierte, seine
Bauern ausbeutete, seine Knechte züchtigte, seine Mägde schwängerte?“
(lese speziell hierzu auch: Bernd Engelmann, Die Aufsteiger, Wie
Herrschaftshäuser und Finanzimperien entstanden; Steidl Verlag 1989,
z.B. als Taschenbuch unter ISBN 3-88243-119-9)
So stellt sich abschließend die Frage, wessen Inkompetenz zu sozialem
Verhalten sich fataler für das Miteinander von Menschen in einer
Gesellschaft auswirkt? Das betont gepflegte, kulturbeflissene Standes-
und Statusritual, das in so genannter sinnentleerter, weil aufgesetzter
Höflichkeit, historisch resultierend aus Höfischkeit, seinen Ausdruck
findet, ist sicher kein Zeichen realitätsbezogener sozialer Kompetenz,
gar Fertigkeit, sondern wohl eher Tarnmäntelchen u. U. recht böswilliger
Egoismen. Durch Benimmrituale bemäntelter unsozialer nar(r)zistischer
Eigennutz ist jedoch augenscheinlich weniger selbstzerstörerisch, als
das Asoziale der sozial Schwachen, sprich Mittellosen, in der Regel in
Kombination mit einem von Natur aus gegebenen oder durch
zivilisatorische Zwänge bedingtem Mangel an kognitiven Fähig- und
Fertigkeiten.
peter bechen
Wie definieren Wörterbücher
die genannten Begrifflichkeiten?
In Microsoft® Encarta® Enzyklopädie
heißt es hierzu unter anderem,
dass „aso·zi·al“
1. nicht fähig, sich in eine soziale Gemeinschaft einzufügen, nicht
sozial
2. die menschliche Gemeinschaft schädigend, ihr feindlich gesinnt
bedeuten würde,
und „un·so·zi·al“
ohne Rücksicht auf andere, bes. Schwächere.
(ohne namentlich näher benanntem Autor)
Ausführlicher heißt es hierzu:
„Asozial“, vom Lateinischen „ungesellschaftlich“, bedeute, unfähig zu
sein, in einer Gemeinschaft zu leben, also auch am Rande der
Gesellschaft lebend,
und wortwörtlich weiterzitiert:
„Asozial ist eine [.] moralisch stark abwertende Bezeichnung für ein von
den sozialen Normen abweichendes Verhalten. Randgruppen […] wird ein
nicht gesellschaftskonformes […] Handeln unterstellt. […]
Soziale Kompetenz, die Fähigkeit einer Person, alle Anforderungen des
sozialen und gesellschaftlichen Lebens zu erfüllen. […] Die soziale
Kompetenz äußert sich in einer überdurchschnittlichen Fähigkeit, mit
anderen Personen interagieren zu können, d. h. beispielsweise in
Konfliktsituationen in befriedigender Weise […] mit [.] Menschen
verkehren zu können. […] Personen mit hoher sozialer Kompetenz [zeichnen
sich] durch [.] Einfühlungsvermögen [.], Verantwortungsbewusstsein, [.]
Fairness, [.] Gerechtigkeitsempfinden, [.] Teamfähigkeit [..] und [.]
die Fähigkeit, eigene wie fremde Anliegen in eine ansprechende
rhetorische Form zu bringen [aus]. […]
Eigentliche soziale Kompetenz ist das Resultat von Lernen in und aus
sozialen Erfahrungen, die sich gerade wegen ihres sozialen Gehalts einer
instrumentellen Verwertbarkeit entziehen“.
Zitiert aus einem Beitrag von:
Wolfgang Habermeyer.
siehe auch:
Asozial,
Antiamerikanismus, Faschismus,
Gerechtigkeit,
Kaufrückhalt, Neid, Verschwörung
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