Angebot und Nachfrage
Das Begriffspaar Angebot und Nachfrage
ist ein echter Schulbuchklassiker, der uns Menschen gern glauben läßt,
daß unser wirtschaftliches Zusammenleben wie ein mathematisches
Zusammenspiel funktioniert, bei der Menschen nur zu gern zu seelenlosen
Funktionsgrößen reduziert werden können. Die Definition heißt aus dieser
Perspektive heraus in den einschlägigen
Nachschlagewerken, wie zum Beispiel auch der MS - Encarta (hier
verwendete Informationsquelle), in etwa wie
folgt:
Angebot und Nachfrage
...
....
sind dynamisch zusammenwirkende Größen,
welche in einer lehrbuchgerechten Marktwirtschaft die
Höhe der Preise für Waren und Dienstleistungen
bestimmen. Der Preis ergibt sich hierbei als Verhältnis
zwischen angebotener Ware / Dienstleistung und ihrer
Nachfrage
Ein eindrucksvolles Beispiel dieses derart anonymisierten Zusammenspiels
und dessen soziokulturellen Auswirkungen kennen all jene Schüler recht
anschaulich,
die sich unter den Schulbänken in die legendären Geschichten von Asterix und Obelix den Galliern des unvergesslichen
Texters Rene Goscinny und des m. E. leider nur zeichnerisch versierten
Albert Uderzo versenken und denen dabei der Band Asterix & Obelix GmbH & Co Kg (heute wieder als Nachdruck im Ehapa
Verlag erhältlich; Abb. aus Asterix Band 33) in die Finger gerät. Vor bald vierzig Jahren
schon begriffen Gymnasiasten an WG's auf diese Weise, wie Angebot und
Nachfrage mit all ihren katastrophalen kulturellen und sozialen Folgen
wirklich zusammenspielen.
In den Lexikas hingegen werden die Pferdefüsse
dieses auch nur von Menschen geschaffenen Systems freundlich umschrieben, indem
da steht:
Wenn ein Produkt auf dem
Wirtschaftmarkt in großer Menge angeboten wird, fällt
der dafür erzielbare Preis, weil nicht genügend Käufer
vorhanden sind, die das Angebot kaufen. In diesem Fall
wird der Anbieter versuchen, eine künstliche Motivation
beim Käufer zum Kauf seines Angebot zu wecken, z.B.
durch bedürfnisweckende <Werbung>.
Übersteigt jedoch die Nachfrage nach einer
Sache oder Leistung deren angebotene Menge, so treiben
die Käufer gegenseitig die Preise nach oben, in dem sie
bereit sind, mehr dafür zu bezahlen, um den Mitbewerber
zu überflügeln und auf jeden Fall die wirklich oder
scheinbar spärlich vorhandene [und evtl. wirklich oder aber auch nur
scheinbar lebensnotwendige] Mangelware zu ergattern.
Demnach also nur bei geschickter Beeinflussung des Käufers, um es
nicht Manipulation zu nennen, läßt sich für Profiteure maximaler Gewinn
erzielen, der nicht in Relation zu den Herstellungskosten des Produkts steht und somit für das volkswirtschaftliche
Miteinander durch ungleichmäßige Kapital-, Dienstleistungs- und Güterverteilung auch
schädlich sein kann. Die dazugehörende und geläufige
Motivationsweckung erfolgt im Wesentlichen vor allem über private und
auch öffentliche vorgeblichen Informations(massen)medien, deren offene und/oder
versteckte Botschaft auf die im Unterbewussten verankerten
Gefühle der potentiellen Nachfrager zielen.
Ist der
Preis eines Angebots hoch kalkuliert, kann es sein, daß
es zwar genügend Menschen gibt, die sich diese Ware /
Dienstleistung gern kaufen wollen, aber mangels Geld
nicht kaufen können. Die Nachfrage sinkt also mangels
Kapital (Kaufkraft). Entweder wird dann der Preis des Angebots, wenn
kalkulatorisch möglich, gesenkt, oder die möglichen
Nachfrager werden zur Kreditaufnahme ge-/ verführt (monetärer
Ausfluss) oder das Produkt ist auf dem Markt unter den vorhandenen
Umständen zur Deckung der Herstellungskosten nicht ausreichend absetzbar
(siehe hierzu auch
KAUFRÜCKHALTUNG / KAUFVERWEIGERUNG).
Die Begriffe Angebot und Nachfrage stehen
nicht für die Menge an Waren und Dienstleistungen, die
tatsächlich verkauft und gekauft werden; das Angebot ist
vielmehr die Menge, die für den Verkauf zur Verfügung
steht, oder die Menge, die der Verkäufer bereit ist, zu
einem bestimmten Preis zu verkaufen.
Die Nachfrage, die
manchmal auch effektive (tatsächliche) Nachfrage genannt
wird, ist die Menge, welche die Käufer zu einem
bestimmten Preis zu kaufen bereit / fähig sind.
Von
wirtschaftlicher Bedeutung in der Marktwirtschaft ist dabei nur die
zahlungsfähige Nachfrage, also die Nachfrage, deren Kaufkraft hinreicht,
die geforderten Preise zu bezahlen (siehe MS-Encarta 2003)
Noch
deutlicher wird das Seelenlose des Begriffspaares, wenn wir uns in die
"Niederungen" menschlicher Gesellschaften begeben, die sich grundlegend
umfassend an
kapitalistischen Maximen orientieren. Infolge der zahlreichen eindeutig
unheilbaren Krankheiten, seien sie nun Folge unserer technokratischen
Systeme oder gottgegebenes Schicksal, ist die Nachfrage nach wirksamen
Heilmitteln und Heilern unermesslich groß. Dem gegenüber steht ein
Minimum an wirklich hilfreichen Präparaten und fähigen Helfern. Um aber das
monetär verwertbare enorme Nachfragepotential all der immens Leidenden
nicht einfach wirkungslos verpuffen zu lassen, um auf jeden Fall dieses
vorhandene aber auf ehrliche Weise noch immer nicht zu befriedigende Kaufpotential profitabel abzuschöpfen, werden, bis hin zu den TV -
Endlosseifenblasengeschichten, geschickt übermittelte Versprechungen geboren, welche
bereits am Markt vorhandenen oder scheinbar neu entwickelten Präparate
Wirkungen andichten, die diese nicht wirklich (zuverlässig) erfüllen können, versprechen Helfer
spektakuläre Erfolge, um dadurch allenfalls den eigenen Geldbeutel gesunden zu
lassen.
In Planwirtschaften gibt es idealistisch
gesehen das wirtschaftliche Steuerungsprinzip von Angebot
und Nachfrage nicht. Hier müssen mittels statistischer
Befragungen/Untersuchungen die Bedürfnisse aller
Menschen und die gesamtgesellschaftlichen
Angebotsmöglichkeiten ermittelt werden. Solche
zentralisierte Steuerungsverfahren setzen ein hohes Maß
an moralisch ethischer Selbstdisziplin aller Beteiligten voraus, was leicht
zu Disziplinierung umschlagen kann.
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peter bechen
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