Hoffnungen einer Sechzehnjährigen
 

Ich bin ein Mädchen, 16 Jahre alt und habe seit Februar 2004 Leukämie (ALL). Dies wurde dieses Jahr festgestellt und zwar nur dadurch, dass ich Grippe hatte und dazu noch Kreislaufstörungen.

Tja, dann kam ich ins Krankenhaus.

Ich musste anfangs zwei Monate lang in einem einzigen Zimmer bleiben. In einem Zimmer eingesperrt, das war Horror für mich, es kann sich keiner vorstellen was ich in den zwei Monaten durchgemacht habe an Schmerzen. Ich leide sehr stark an Schmerzen nach der Chemo und den Spritzen, die ich bekomme.

 
Meiner Familie geht es auch überhaupt nicht gut. Und zu mir hieß es,  entweder ich mache mit oder ich muss sterben . Ich war ziemlich fertig mit mir selbst und allem. Es gab eine Zeit, da wollte ich niemanden hören und sehen. So etwas Schlimmes wünscht man keinem!!!

 
Ich musste die Schule hinschmeißen und meine Hobbys. So verliere ich jetzt 2 Jahre Unterricht, kann gerade mal noch meinen Abschluss machen. Bis jetzt durfte ich nicht ins Schwimm- oder Hallenbad, ich darf mehr als die Hälfte von dem, was ich früher getan habe, nicht mehr tun - auch das ist schrecklich für mich.

 
Wirklich, ich wünsche niemandem diese Krankheit.

Die Leukämie habe ich seit Februar 2005 und im April wurde ich operiert. Mir wurde ein Port implantiert, damit man es immer wieder anstecken kann, die Infusionen und die Chemo. Das ist eine zusätzliche Belastung und Schmerzen. Ich muss auch immer nach der Chemotherapie davon ausgehen, dass ich vielleicht Fieber bekomme, weil ja die Chemo die ganzen Zellen kaputt macht. Meine Arme sind schon total kaputt. Damit meine ich meine Venen. Vom Blutabnehmen tun die auch weh. Oder diese regelmäßigen Knochenmarkpunktionen und Lumbalpunktionen - davon habe ich auch ziemliche Schmerzen. Ich darf nicht einmal meine Regel bekommen, weil die Gefahr zu groß ist, dass ich deshalb verbluten könnte.

 
Ich bin jetzt so weit, dass ich ab und zu raus kann, was mich aber sehr anstrengt. Ich trage immer ein Tuch und eine Mütze, weil meine Haare ausgefallen sind. Ich fühle mich oft allein, auch wenn ich meine Freunde habe. Die können auch nur begrenzt damit umgehen und leiden wie meine Familie sehr darunter. Ich hoffe nur, dass das alles bald endlich vorbei ist und dass die Leukämie auch nicht mehr zurück kommt. Ich will auch nicht mehr im Aufzug oder so ohnmächtig werden und auch nicht mehr Angst haben müssen, dass ich Grippe bekomme.

 
Geschrieben am 30. Dezember 2004

 

 
Anmerkung:
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Die zuletzt sechzehnjährige Urheberin der Originalfassung des oben wiedergegebenen Zeilen wurde am 02. Mai 2005 beerdigt. Wie bei dieser Art von Leukämieerkrankung üblich, sei das Mädchen einen grausamen Tod gestorben, bei der ihm zuletzt das eigene Blut durch Öffnungen des Körpers, seinen Augenhöhlen und sogar durch die Poren seiner Haut ausgetreten ist. Die so genannten Helfer waren mal wieder machtlos, entgegen aller heute öffentlich üblichen PR:

So verbreitete am 27.10.2005 der Autor Michael Petersen unter dem Lei(d/t)thema 'Bilanz eines Medizinerlebens: Mut zur Wahrheit" die Erkenntnis eines altershalber scheidenden Mediziners einer bekannten Südwestdeutschen Uniklinik die Erkenntnis: "Kindern kann man nichts vormachen". Hier heißt es u.a.: "Ich sage immer, Lügen ist das Schlimmste, was man mit Kindern machen kann [...]." Und weiter läßt er den Arzt ausführen, dass Anfang der siebziger Jahre die Heilungschancen für ein Kind, das an einem Tumor [nicht Leukämie; Anm. P. B.] erkrankt war, zehn Prozent betragen hätte, während heute die Heilungschance bei 70 Prozent liegen würde.

StZ 224/2005 Seite 10 Rubrik Medizin
 

Was als Heilung zu verstehen ist, führt der Autor jedoch nicht aus. Immerhin  verschweigt er wenigstens nicht, dass trotz besserer Heilungschancen der Tod noch immer gegenwärtig sei.

 

Die ursprüngliche Vorlage zum oben auf dieser Internetseite wiedergegebenen Text der Sechzehnjährigen entspricht zwei Briefen, welche der Teenager während einer seiner unendlich langen Krankenhausaufenthalte verfasst und verschickt hat. Die Wiedergabe folgt diktionsgerecht den Originalen.

Der Übermittler dieser Briefe hält die Erkrankung des Mädchens nicht für schicksalhaft gegeben. Er sieht einen Zusammenhang zwischen der Krankheit des Mädchens und den überwiegend schwermetallhaltigen Giftmüllablagerungen einer ortsansässigen Galvanik in dem naturbelassen wirkendem Tal im Norden des Schwarzwaldes, in welchem das Mädchen seine Kindheit verbracht haben soll. Ob dieser postulierte Zusammenhang letztlich tatsächlich haltbar ist, ist in seiner Beweisführung sicherlich problematisch.

Die Giftmülldeponie jedoch ist Fakt. Sie soll aber keine Auswirkungen auf die dortige Umgebung und die Menschen darin haben, denn die Deponie sei vorschrifts- und sachgerecht. So jedenfalls sehen es die zuständige Behörde und der Giftmüllverursacher. Letzterer ist der einzige nennenswert größere Arbeitsgeber für die Menschen am Ort.

Eine persönliche Befragung von mir in besagtem Tal hat einen eigentümlichen Eindruck in mir hinterlassen. Die unmittelbar von der Deponie und deren möglichen Austragungen tangierten Menschen in dieser für Naturfreunde sicherlich einladend wirkenden Schwarzwaldseitentalnatur möchten nicht öffentlich in Erscheinung treten. Sie fürchten Kosten durch Boden- und Wasseruntersuchungen zur Abklärung evtl. Zusammenhänge zwischen ihren Erkrankungen und den abgelagerten Galvanikklärschlämmen. Sie haben Angst, von den hiervon nicht unmittelbar betroffenen Bewohnern des Ortes, zu dem dieses Tal gehört, z.B. als Arbeitsplatzdenunzianten angeprangert zu werden. In den beiden von mir befragten Häusern mit jeweils drei bzw. vier Wohnpartien seien, nach Aussage einer selbst bereits Erkrankten vier bzw. fünf Personen an spezifischen Krebsarten erkrankt. Allerdings waren bzw. sind die Mehrzahl der hiervon betroffenen Personen lohnabhängig beschäftigte Mitarbeiter der besagten Fabrik dort vor Ort, ganz in der Nähe der Wohnhäuser. Die von mir interviewte Person empfindet ihre Erkrankung als Kainsmal, an dessen Zustandekommen sie sich unschuldig fühlt.

Peter Bechen

 

 

 

Adentum:
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"DER TOD EINER JUNGFRAU

Ein Kind, ein Mädchen, wuchs in heiterer Fröhlichkeit heran [...] wurde zur Jungfrau [...]. Ehe das zweite Jahrzehnt ihres Lebens um war, musste sie sterben - und alle künftigen Jahre [...] voll geträumter Hoffnungen, [...] Freuden [...] schöne[r] Handlungen [...], etwa an der Seite des Gatten, in der Mitte lieblicher Kinder, [...] - alles, alles ist abgeschnitten und dahin. [...] aus dem Kranze der Freuden ist eine Blume dahin, und der Schmerz - wenn es auch irrig wäre - sagt immer: »Die verlorene Blume wäre die schönste gewesen.«

Die Mutter der gestorbenen Jungfrau, [...] die sich so gerne ergeben hätte, wenn nur der große Schmerz und die Ergebung zu vereinigen gewesen wäre, wenn nur nicht die Seele alle Dinge sagte, welche den Schmerz nähren - wie gut die Verstorbene war, [...] wie arm sie nun sei, dass sie in dem kühlen Grabe liegen müsse -, [...] saß eines Tages in der Abenddämmerung in ihrem Stübchen, und weinte, und klagte den grausamen, furchtbaren, hässlichen Tod an, dass er so viel hinwegnehmen könne, was keine Wiederkehr erlebe, und sagte sich die schmerzenreichsten Dinge, die ihr die heißesten Tränen aus dem Herzen in die Augen trieben, immer wieder und immer wieder vor.

Als es auf diese Weise dunkler und dunkler geworden war, [...] stand mit einem Male ein sehr schöner Engel vor ihr. Seine Haare flossen so licht und lieblich von der Stirne über den Nacken hinab, seine Augen waren so groß und so sanft und so trauernd, seine Gestalt war einfach, klar und licht, dass nicht eine einzige, auch nicht die kleinste Makel an ihr war.

»Ich bin von deiner Tochter gekommen [...] um welche du immer weinst. [...] Ihre Aufgabe auf dieser Erde ist gewesen, ein [...] Kind zu sein, eine [...] Jungfrau zu werden, dieses Bild [...] in dem Herzen der Ihrigen zu hinterlassen, und zu sterben. Ihr hat sich das schönste Los entfaltet. In der Jugend, wo alle die schönsten Engel in das Herz des Menschen einziehen und es mit holder Freude erfüllen - der Engel der Tugend mit der sanften Befriedigung, der Engel der Hoffnung mit dem Morgenrote lieblicher Zukunft, der Engel der Schönheit mit dem Spiegel des Herzens, in dem sich alles spiegelt, was groß, erhaben, freudenreich, sittlich, sanft und holdselig ist -, in dieser Zeit, wo der einzigste und innigste Schein der Freude um das menschliche Herz liegt, ist sie hinweggenommen worden, und alle Dornenwege des Lebens sind ihr erspart worden [...]. Diese harten Stufen, die die Menschen zu übersteigen haben, ehe sie in ein anderes, nicht gekanntes, nicht geahntes, nicht begriffenes Leben eingehen, sind ihr erspart worden; auf weichen Flügeln ist sie hinübergetragen worden in das Leben, dessen Seligkeit noch in kein irdisches Auge gekommen ist, und auch von keinem irdischen Auge gefasst werden könnte. Du hast gesagt und gedacht, dass sie [...] belohnt werden sollte - und dieser Lohn ist ihr gekommen. Weißt du denn nicht, dass schon in der alten Heidenzeit, wenn eine Mutter um den höchsten Lohn für die höchste Tugend ihres Sohnes bat, der Tod für diesen höchsten Lohn angesehen wurde?«

Die Mutter des gestorbenen Mädchens [...] fragte:
»So hat meine Tochter jetzt gar keinen Schmerz mehr?«
»Weil keinem Erdengebornen der Schmerz erspart werden kann«, antwortete der Engel, »und weil keine Geburt ohne Schmerzen ist, so ist es auch nicht die Geburt zum andern Leben, und deine Tochter musste daher die lange Krankheit vor ihrem Tode überstehen. Jetzt aber hat sie keinen andern Schmerz, als nur den, dass sich ihre Eltern und Geschwister zu sehr um sie grämen. Sie ist eine der Seligen. Sie hat nichts verloren, sondern gewonnen. Nur die auf Erden zurückgeblieben sind, haben verloren. [...]

Um den eigenen Verlust trauern ist desto sündhafter, je mehr man an sich selbst denkt - jene Trauer darfst du nicht haben. Aber der edle, sanfte Schmerz ist erlaubt, den man darüber hat, dass das liebe, holde Beispiel [...] nicht mehr um uns ist, die wir noch zu leben haben.

Dieser Schmerz macht besser und reiner [...]«
[...]
»Ich habe sie [.] getröstet«, antwortete der Engel, [...]
»Ich bin der Todesengel« [...]

aus: Adalbert Stifter, Der Tod einer Jungfrau, ISBN 3-88379-806-1
 

 

 

 

Glossar:
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Im Blut des Menschen schwimmen vor allem rote Blutkörperchen, die für die Sauerstoffversorgung zuständig sind. Die weißen Blutkörperchen, die auch Leukozyten genannt werden, helfen dem Menschen, gesund zu bleiben. Leukämie ist eine Krebserkrankung des Blutes und der blutbildenden Gewebe. Typisch hierfür ist die Überproduktion unreifer, unnormaler weißer Blutkörperchen. Blutkrebs führt dazu, dass die Zahl der Leukozyten extrem zunimmt und gleichzeitig weniger rote Blutkörperchen gebildet werden. Die weißen Blutkörperchen können aber nicht endgültig zu funktionierenden Zellen reifen. Das Blut wird mit entarteten, unreifen Leukozyten überschwemmt.

Fieber und Knochenschmerzen gelten als ersten Alarmsignale einer Leukämie. Später kommen Blutungen hinzu, die sich nur schwer stillen lassen. Blaue Flecke, Gewichtsabnahme und schließlich immer häufiger auftretende Infektionen mit zunehmender Schwere sind typisch.

Die Entstehung der meisten Leukämieformen ist nicht exakt geklärt. Auslöser dieser Krankheit können radioaktive Strahlung sein, ebenso wie  bestimmte Chemikalien, wie z.B. Benzol  und evtl. auch Elektrosmog. Der Tschernobylunfall hat in Griechenland ein um den Faktor 2,6 erhöhtes Leukämierisiko bei Kindern bewirkt, die sich zu diesem Zeitpunkt im Embryonalstadium befunden haben. Nach den Atombombenexplosionen in Hiroschima und Nagasaki nahmen die Leukämiefälle drastisch zu. Krebs steht als Todesursache bei Erwachsenen in der westlichen Welt an zweiter Stelle, im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wird Krebs voraussichtlich zur Haupttodesursache werden. Bei Kindern im Alter zwischen 1 und 14 Jahren ist Krebs heute bereits die Todesursache Nummer eins. Bei Kindern ist lymphatische Leukämie die häufigste Krebsform, gefolgt von bösartigen Hirntumoren.

Dies wird auch durch die Beobachtung bestätigt, dass die meisten Krebserkrankungen vornehmlich umweltbedingt und nicht so sehr erblich bedingt sind. Es werden aber auch zuweilen die genetischen Erbfaktoren als Erkrankungsursache genannt. Zwei Virustypen verursacht die T-Zellen-Leukämie, auch Erbfaktoren spielen hier eine Rolle.

Eine Einteilung der Leukämie erfolgt gemäß den Blutzellentypen oder Zellreihen, die im Blutkreislauf vorherrschen. Bei myeloische Leukämien liegen Wucherung der Myeloblasten vor, bei lymphozytische Leukämien unreife Lymphozyten und bei monozytische Leukämien unreife Monozyten.

Akute Leukämie treten eher bei Kindern und jungen Erwachsenen auf, chronische bei  Erwachsenen im mittleren Alter. Es gelten als klinische Symptome der akuten Leukämie unregelmäßiges Fieber, Blutungsneigung an Zahnfleisch, Schleimhäuten und unter der Haut sowie rasch fortschreitende Anämie (Blutarmut). Die chronische myeloische Leukämie ist darüber hinaus auch durch eine Vergrößerung der Milz gekennzeichnet, chronische lymphozytische Leukämie durch Anschwellen der Lymphknoten. Kennzeichnend für eine chronische Leukämie ist ein schleichender, oft symptomloser Verlauf.

Infoquelle: MS Encarta 2003 & StZ 224/2005 S. 10

Als Quellen für weitere Informationen werden von der StZ (27.09.2005; Seite 10) folgende URL's angegeben:

www.leukaemie-online.de
www.kinderkrebsstiftung.de/dlfh.html

 

alle Angaben und Hinweise auf externe Quellen ohne Gewähr
 

 

 

 

 

          

 

 - weiter zu Austherapiert, Schwerstbehinderte in Deutschland