Makellosigkeit,

Schönheitssucht,

die Folgen
 

Das Äußere des Menschen, dessen körperliche Schönheit, gleichgesetzt mit Makellosigkeit, auch im übertragenen Sinn, bestimmt "schicksalhaft" dessen Lebensweg, die Schönheitsindustrie floriert, erzeugt seelisches Leid und verursacht dabei immense zu vergesellschaftende Kosten.


Schönheit bestimmt bei vielen lebenslang Denken und Handeln, ist Wunsch- und Zielvorstellung vieler Menschen. Gemeint ist weniger die Ästhetik der Kunst oder des Schöngeistes, eher die Harmonie der Farben, die Perfektion der Linien des menschlichen Körpers, dessen äußeres Erscheinungsbild also.

 
Im Lexikon heißt es hierzu:

Schön·heit
die; -, -en;
1. nur Sg; die schöne (1) Beschaffenheit, das Schönsein: Ihre S. ist unwiderstehlich || K-: Schönheits-, -mittel, -operation, -pflege, -sinn
2. e-e mst weibliche Person, die sehr schön (1) ist: Seine Freundin ist e-e richtige S. || -K: Dorf-, Film-
[…]       
(aus Microsofts® Encarta® Enzyklopädie)

 
Auch diese Erklärung unterstreicht die Einseitigkeit der Ausrichtung unseres Augenmerks auf das Körperliche, auf die Proportionen und die Oberfläche des irdischen, bedauerlicher Weise von Natur aus vergänglichen materiellen Leibes.

 

Bereits mit Eintreten der Pubertät rückt das eigene Aussehen ins Zentrum, in Relation zum vermeintlich besseren körperlichen Erscheinungsbild des oder der einen, oder eines bzw. einer Anderen, bestimmt fortan das Bewusstsein des bzw. der Heranwachsenden und trägt zu dessen/deren seelischer Komplexbildung bei (von den Prinzessinnenphasen kleiner Mädchen einmal abgesehen). Ein als angenehm empfundenes, für sich selbst akzeptables Äußeres bildet in der Vorstellungswelt die Grundlage erotischer Attraktivität, steigert die soziale Chance auf Teilhabe am materiellen Reichtum einer Gesellschaft, deren Arbeitsleben und Wirtschaft und selbstredend an der biologischen Reproduktion.

 
Infolge uralter Traditionen gilt für Frauen noch immer mehr, als wie für Männer, dass sie über ihr weibliches Äußeres, über die Attraktivität ihres weiblichen Geschlechts, nebst zugehörigem Spezialverhalten, an ihren Sozial- und Geschlechtspartner gelangen und über diesen an ihren zukünftigen materiellen Wohlstand herankommen. Dies gilt für alle Sozialschichten, aber nach oben hin zunehmend. Zum Aussehen gesellen sich entsprechende fundamentale Verhaltensgepflogenheiten, auch Rituale, die dazu geeignet sind, der ersehnten Person der "Begierde" durch Betören, Duft und Anmut, durch geschickt konstruierte Eifersuchtskonstellationen und durch Anbetung, durch Ablehnung nach Anmache, durch angebliches Versprechen und nachfolgendem Vorenthalten, durch Weibchen und Walküre, zunehmend den Verstand zu rauben bzw. deren Kopf zu verdrehen.

 
Dabei ist Schönheit kein absolut beschreibbarer, stetig wiederholbarer, wissenschaftlich eindeutig definierbarer Zustand, sondern eher Geschmacksache, aber Geschmack ist bekanntlich manipulierbar. Es scheint naturgegebene Körpermerkmale zu geben, die Aufmerksamkeit erregen, und gleichzeitig scheint auch der jeweilige Zeitgeist die Geschmäcker zu beeinflussen, vielleicht sogar zu bestimmen. Dies gilt heute anbetracht medialer Steuerung mehr denn je (siehe Manipulation und Werbung und | hier |). Wie subtil diese permanent latente Manipulation Menschengruppen sogar diskriminiert sei an folgendem Exzerpt aufgezeigt:

"Und deshalb haben wir es [.] satt, weiterhin Euer diffamierendes Verjüngungsangebot zu konsumieren: Eure Verjüngungscremes, [-]lotions, [-masken, -dragees, -kapseln, -zäpfchen ...] Wangenrot, [...] Eure Spezialtönungen für unsere grauen Haare, Eure Spezialwässerchen gegen Haarausfall, Eure Toupets für unsere Glatzen, Eure Trimmgeräte für unsere Bäuche, Eure Silikonbusen, Silikonärsche, Silikonschwänze, Eure jugendlichen Kleider in jugendlichen Farben, Eure verjüngenden Schlamm-„Moor- und Wechselbäder, [....], Eure teuflische Verjüngungschirurgie mitsamt dem ganzen Folterarsenal an intramuskulären, intravenösen, subkutanen, sublingualen, infraokularen, paralumbalen, extratyroidalen, supraglutealen und so weiter Spritzen, mit denen Ihr uns immer wieder neue Jugend schenken wollt.

Denn während Ihr uns alle diese Wundermittelchen empfehlt, behauptet Ihr ja nichts anderes, als dass »jung« ein anderes Wort für Schönheit ist, und »alt« eines für Hässlichkeit. [...]"

aus: Esther Vilar,
'Alt heißt schön',
ISBN 3-404-60401-6

 

 

 

 Schönheit im kontinuierlichen Spiegel der Presse

 

Zu manchen Zeiten, in manchen Epochen bzw. Gesellschaften galt bzw. gilt Schwabbeliges als an- und aufregend, heute hingegen scheint eher der Klappergeist angesagt, jedenfalls auf den Laufstegen der so genannten Großen Welt. Sehr junge Menschen, eigentlich fast noch Kinder mit magerem Knochengerippe in schwindsüchtigem Teint, staksen über die Catwalks und müssen sich mit scheinbar provokanten Bewegungsmustern anbiedern, die auf Eigenwilligkeit schließen lassen, um so einen entzückend kindlichen Dickkopf auszudrücken, den zu überwinden es leider noch immer so manchen zu gelüsten scheint.
 

Schönheit reimt sich in unseren Tagen vor allem auf Schönheit der Jugend. So ist auch nicht verwunderlich, dass halbe "Kinder" bedauernswert der Mode und der Egoprofilierung weltmännisch dubioser Modezaren geopfert werden, deren Persönlichkeiten bei tiefer reichender Betrachtung in diesem Licht ebenso fragwürdig bis verachtenswert erscheinen, wie die Persönlichkeiten derer erlauchten, gar erlesenen Zielgruppe. Ein Hauch charakterlicher Perversion gegenüber Kindern und unreifen Jugendlichen, bis hin zu noch immer charakterlich ungefestigten Heranwachsenden, wabert aus den Tempeln der Haute Couture und färbt in zunehmend bedenklich verruchten Farben und Perspektiven die Welt unserer Medien.
 

"Sagt einmal: Was ist denn eigentlich so schön an Euch? Vielleicht Eure prallen, unfertigen Gesichter? Eure in Unwissenheit strahlenden Augen? Euer kerngesundes Allerweltslächeln? Eure flotten, kleinen Bewegungen? Eure am ganzen Körper faltenfrei ausgestopfte Menschenhaut? [...]
 
Du lieber Himmel, seid Ihr denn blind?
Schaut uns doch' an.
Schaut uns an.
Aber richtig."

aus: 'Alt heißt schön'


In Zeiten, in denen Menschen sich zunehmend in der Arbeitswelt im Interesse der Erhaltung hinterfragenswerter axiomatisch hochstilisierter Systeme  und Gedankenschablonen für einen immer schäbigeren Lohn versklaven müssen, und dabei nichts anderes zu Markte zu tragen haben, als die willkürlich verfügbar zu machende Kraft ihres Körper und dessen Äußeres, in einer Welt, in der körperliche Schönheit mehr Wirkung zeigt, als Geist und Kompetenz des Charakters, in der Schein wichtiger ist, als Sein, steigert sich der seelische Druck auf den Einzelnen ins Unermessliche, erringt allein Äußerlichkeit die Emporen des Bewusstseins, bleibt den Menschen nur noch, sich am gesellschaftlich determinierten Schönheitsideal der Zeit zu orientieren, sich daran zu messen, sich danach zu richten und heute zunehmend auch richten zu lassen, um nicht von vorne herein verloren zu haben, evtl. sogar zum Preis des gesundheitlichen Ruins. Wie viel Leid, wie viel Trauer entsteht durch diese geistige Pervertierung, durch diesen moralisch nicht zu vertretenden Akt von Inhumanität.

 

D
ie bezeichnete Not trifft nicht nur Menschen, die von ihrer Natur nicht die zur jeweiligen Zeit erwünschten körperlichen Attraktivitäten aufweisen, sondern auch solche, die gemeinhin sicherlich für schön gehalten werden.

Der alltägliche morgendliche Blick in den Spiegel und nachfolgend in die BoulevardMagazine, in Kombination mit den schillernden Exzessen degenerierender Filmmedien, lösen täglich tiefe seelische Krisen aus und füllen in Folge davon die Praxen der geheiligten, gesellschaftlich in ihrem Charakter überhöhten Götter in Weiß auf den Sockeln der Verherrlichung in eigener Unterwerfung, den abgehobenen Managern einer zunehmend pervertierten Technomedizin. So unendlich vielen Menschen dieser zivilisierten Welt werden gezielt oder unverantwortlich unhinterfragt seelische Krisen bezüglich ihres Aussehens über unrealistische Vergleiche mit schminktechnisch aufgemotzten Show-"Größen" vermittelt, welche daraufhin vorgegebener Maßen mittels massiver chirurgischer und anderer geeigneter kosmetischer Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit zwanghaft wieder zu neutralisieren sind. Im Grunde intakte, weil gesunde Körper werden verletzt, um das angerichtete seelische Leid zu kompensieren, im Interesse der Vermarktung von Geldkreislaufpumpen. Ist auch dies ein Indiz christlicher oder anderer vorgeblich so zivilisierter religiöser Lei(d/t)kulturen, denen sich Menschen zu unterwerfen haben, damit alles immer schön beim Gewohnten bleiben mag?
 

Ein Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, das seine vorgeblichen Individuen zu Gunsten einiger Weniger (siehe Armut und Reichtum in Deutschland) und eines Zuviel an unreflektierter Reproduktion, des zur Entfaltung individueller geistiger und körperlicher Fähigkeiten notwendigen Lebensraumes durch exzessive Urbanisierung, Naturferne und Lebensentfremdung enteignet, bleibt dem Einzelnen kaum mehr als pure Sexualität und exzessive Essbegierde als einzige noch verbleibenden wirksame Erfahrungslieferanten. Beide deformieren in ihrer Einseitigkeit und ihrem Übermaß auf Dauer infolge der allumfassend anhaftenden Seelenlosigkeit zur Quelle kontinuierlichen, zunehmenden Frustes, dem entkommen zu können, nur noch Illusionen versprechen, die wahnhafte Sucht nach makellos schöner "Perfektion" der Körperoberfläche und seiner Proportionen, nach Vervollkommnung der Muskelbeherrschung und Bewegung, nach willkürlich steuerbarer Mimik und Gestik, nach Starrummel und Glitzerwelt. Wo immer die zivilisatorisch oder genetisch bedingten Leibesfüllen, oder aber der Mangel an genau diesen Rundungen, dem Traum in Vergeblichkeit entgegenstehen, sollen bequemes, technisch beherrschbares Fettabsaugen oder aber üppige Silikoneinlagen helfen, dass vermeintliche Gleichgewicht der betrübten Seele wieder herzustellen, mit medizintechnischen Mitteln selbstredend, die deren selbstgefälligen Jongleure Geld, Macht und Ruhm vermitteln und so den Fortgang der kulturellen Dekadenz schmieren.

"Greif die Liane, Jane, greif sie", und Jane griff zu -
"ahi ahi o h j e …", und immer weiter so ...

 

Unsere Schönheitsindustrie in all ihren Facetten hat derartige strukturelle und vor allem materielle Dimensionen angenommen, dass auch für die Politik (siehe Politiker) zwingend geworden ist, diesen Dschungel zu lichten, um die hierdurch entstehenden gesellschaftlichen und gesellschaftsstrukturellen Bedingungen erfassen zu können, insbesondere in Hinsicht auf die hierbei zu vergesellschaftenden Kosten und deren Entwicklungen und deren exorbitanten Steigerungen. Licht in dieses Dunkel wirft dieser Tage ein Forschungsprojekt im Auftrag der Bundesanstalt für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) der Bundesregierung, welches von der GP Forschungsgruppe des Instituts für Grundlagen und Programmforschung in München unter der Projektnummer 05HS020 in den Jahren von 2005 bis 2007 realisiert worden ist. Der hierbei von Dr. Dieter Korczak verfasste, ebenso fundierte wie aufschlussreiche Abschlussbericht ist inzwischen im Internet vom Server der Bundesregierung abrufbar.

Ausmaß, Probleme
und Handlungsbedarf
für den Bereich "Schönheitsoperationen"

Der Forschungsbericht liefert objektive und belastbare Zahlen (Erscheinungsdatum: 16.07.2007)

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), vertreten durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), hat Ende 2005 ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben, das verlässliche Informationen über Ausmaß, Probleme und Handlungsbedarf für den Bereich "Schönheitsoperationen" ermitteln sollte.

Nach Schätzungen des Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen (VDPC) (jetzt: Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen - DGPRÄC) beläuft sich der Umsatz mit ästhetischer Medizin in Deutschland jährlich auf fünf Milliarden Euro, davon sollen 800 Millionen Euro auf plastische Operationen entfallen, die nicht primär medizinisch indiziert sind.

Primäres Ziel des Forschungsprojektes war es deshalb, im Rahmen einer wissenschaftlichen Bearbeitung eine Marktanalyse und einen fundierten Überblick

- über die Inanspruchnahme dieser Dienstleistung,
- die daraus für die Verbraucherinnen
  und Verbraucher entstehenden Probleme sowie
- den daraus resultierenden gesellschaftlichen Folgekosten

zu geben.

Die einzelnen Beiträge zu
"Schönheitsoperationen: Daten, Probleme, Rechtsfragen"
finden sie unter

- http://www.bmelv.de/cln_045/nn_749972/....

- Patientenfragebogen zu Schönheitsoperationen
   
( pdf 3.432 Mbyte )

- Abschlussbericht Schönheitsoperationen
   
(pdf 1.581 Mbyte)

 

 

 Werbung eines
 Cremeproduzenten

 Abbildungen wie
 in den stets
 wiederkehrenden
 Veröffentlichungen
 der Printmedien
 

 

 

Aus einem jener Werbeblättchen, die wöchentlich kostenfrei und meist unerwünscht die Briefkästen vorwiegende der "einfachen" Bürger überfüllen und verstopfen:

Unter dem Titel ...
 

"Traumbusen für 2.999.- €"

wird eindrucksvoll die aktuelle Synthese zwischen Geschäftemachen und medizinischer Kunst verdeutlicht. Im Text der Werbung einer Gruppe, die unter dem Namen "Deutscher Ärzte xxx" firmiert, heißt es ... 

"Ein schöner Busen ist keine Frage des Preises. Schönheits-Chirurgie muss [...] nicht teuer sein. Im Gegensatz zu Billigangeboten im östlichen Ausland, setzen wir mit unserem Programm ausschließlich auf erfahrene Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit Sitz bzw. Zulassung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Nur so sind die gewünschten medizinischen Standards und Rechtssicherheit zu gewährleisten. Die absolute Spezialisierung auf Schönheitsoperationen, Mengenrabatte beim Einkauf von Implantaten sowie optimale Auslastung von Operationssälen und Mitarbeiterressourcen sorgen für sensationell günstige Preise. Wir sagen Ihnen, wo es diese Angebote [...] gibt. Rufen Sie uns an, wir beraten Sie gerne!
 

[...] Das Komplettangebot
beinhaltet im Einzelnen folgende Leistung

  • Medizinische Voruntersuchung

  • Eingehende Beratung und Aufklärung

  • Vorbereitung, Organisation und Terminabstimmung

  • Silikon-Gel-Implantate der höchsten Qualitätsstufe
    weltweit führender Hersteller

  • Lebenslange Garantie auf Ihre Implantate

  • Anästhesie

  • Implantation inkl. aller medizinisch notwendigen Nebenleistungen
    [notwendig = die Not wenden?]

  • Nachsorge

Alles zum Paketpreis.
Weitere Informationen hierzu und zur Fettabsaugung:

2-Zonen 1.499.- €, Facelift 2.899.- €, Bauchdeckenstraffung 2.599.- €,
sowie Bruststraffung 2.099.- €

finden Sie unter [...]"

 
Ob auch das wohl als "hübsch" zu bewertende Gesicht und die ganz offensichtliche Jugend der hier abgebildeten Werbeträgerin im Komplettpreis der "Busenvergrößerung" gleich mit enthalten ist, kann der Aufmerksamkeitsweckung leider nicht entnommen werden. Wichtiger scheint zu sein, dass in diesem Fall hier speziell ausschließlich Deutsche Mediziner zu einem vorgeblich höchst attraktiven "Vorzugs-" Preis aktiv werden wollen, der "Schönheits-" Reisen überflüssig machen soll. Die "Schönheits-" Chirurgen dieser Werbefläche pflegen selbstredend ein besonders eigenwilliges Verständnis ihres ärztlichen bzw. hippokratischen Eids. Sie ergänzen demgemäß ordentlich klein gedruckt ihr Angebot mit folgendem Abschluss:

"Ausführliche Aufklärung über Risiken und zu erwartende Ergebnisse einer Schönheitsoperation erhalten Sie beim individuellen Beratungsgespräch mit Ihrem Arzt."

 

 subventionsberater.de hat keinen Einfluss auf die auf dieser Seite vermerkten externen
 Informationsquellen und kann deshalb auch keine Gewährleistung für diese abgeben.
 Die Hinweise dienen dem informellen aufmerksam machen auf Meinungen,
 Entwicklungen und Trends.

 peter bechen

 - zurück zur Themenübersicht -