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Modellprojekt "Akupunktur"

Hintergründe zur Akupunktur durch Schulmediziner
für Kassenpatienten

Dass schulmedizinische Heilmethoden nicht immer helfen, ist hinlänglich bekannt, vor allem den so genannten "Austherapierten". Betroffene suchen darum zunehmend Hilfe bei den Wurzeln unserer modernen, vielleicht gerade deshalb so hilflosen Medizin, nämlich bei Großmutters Heilkräutern und Krankenbehandlungsratschlägen, also bei der eigentlichen, ursprünglich traditionellen Medizin, bei den auf Erfahrung begründeten Heilverfahren, zu der auch die so genannte traditionelle chinesische Medizin gehört, die kurz TCM genannt wird.

Bis vor einigen Jahrzehnten noch fristeten derartige Therapieverfahren in unserer technokratisch "aufgeklärten" Welt ein zugewiesenes Mauerblümchendasein, also auch die fernöstlichen Akupunkturtechniken. Bis schließlich immer mehr Hoffnung suchende Menschen bei derartigen Praktiken körperliches und seelisches Heil zu suchen begannen. Unter diesen neuen Umständen wurden die Herren der weißen Zunft flugs hellhörig. Natürlich bestand und besteht das Risiko, dass Hilfesuchende selbstüberheblichen und sich selbst überschätzenden Scharlatanen in die all zu ausnehmenden Arme laufen. Aber es ist dennoch fraglich, ob gerade diese Gefahr das Motiv für die Schulmediziner liefert, vorgeblich Kranke vor genau solchen raffgierigen Risikotherapeuten schützen zu wollen? Es ist eher anzunehmen, dass sich mit Akupunktur und einigen anderen erfahrungsmedizinisch begründeten alternativen Heilverfahren eben gerade auch in der routinierten, weil straff durchorganisierten, technikfreundlichen schulmedizinischen Praxis, nebenbei mal geschwind noch ein paar einträgliche Honorare zusätzlich zum Alltagsgeschäft abschöpfen lassen. Anders ist nämlich nicht zu verstehen, dass z. B. die gerade in Akupunktur oftmals eigentlich nur in (gesponserten?) kurzurlaubsverdächtigen Schnellaufwaschwochenendkursen in bester Umgebung, dürftig bis schlecht ausgebildeten Schulmediziner, sich nicht davor scheuen, auch mal auf die Schnelle noch ein paar der traditionell langen Mehrmals- oder aber  modern kurzen Einmalwegwerfakupunkturnadeln in die Haut ihrer ratlosen Patienten zu drücken. Da kann es dann schon auch mal vorkommen, dass so ein Patient nicht nur das oberflächliche Kurzuntersuchungs- und Rezeptausfertigungs- Verfahren kennenlernen darf, sondern anschließend gleich mal, auf einem schlichten Stuhl sitzend, in einem unpersönlichen Nebenraum der i.d.R. stets hektischen Praxis auch gleich mal das Picksen chinesischer Nadeln in seiner Haut kennen lernt, welche nach einer viertel bis maximal halben Stunde absitzender Verweildauer von einer eigentlich unqualifizierten Helferin wieder entfernt werden. Auch so kann zuweilen kostspielige Akupunktur aussehen, obwohl der Helfer im Grunde kein Scharlatan sein möchte und jeder Insider die Bedeutung einer harmonischen Atmosphäre und entspannten Liegens für den Erfolg einer effektiven Nadelung kennt.

Dass es unsere Schulmediziner inzwischen so eifrig in die Gefilde der TCM drängt, liegt also nicht unbedingt in deren gewandeltem Bewusstsein begründet, sondern weil es seit dem Jahr 2000 das Modellprojekt "Akupunktur" zur Erprobung dieser Behandlungsmethode exklusiv für diese Berufsgruppe gibt, so dass Schulmediziner derartige Behandlungen jetzt auch mit den gesetzlichen Krankenkassen verrechnen können. Mussten vormals diese oftmals als Versicherte zweiter Klasse bezeichneten Patienten ihre Kosten für das Einstechen von Akupunkturnadeln und ähnlichen Behandlungen selbst bezahlen, so dass sie lieber gleich zu scheinbar fundiert vorgebildeten Therapeuten gelaufen sind, so finden sich diese Kranken nun der Krankenkassenerstattungen wegen in schulmedizinischen Praxen ein, um sich dort mit den Nadeln therapieren zu lassen, in dem Wissen, dass ihnen diese Prozedur ja von ihren Kassen ersetzt werden wird. Leer gehen bei dieser rechtlich herbeigeführten Situation hingegen all jene Heiltherapeuten aus, deren fachliche Ausbildung bezüglich alternativer Heilverfahren meist zwar fundierter ist, die aber als derartige Spezialisten eben gerade deshalb keine Kassenzulassung erlangen.

So erging bzw. ergeht es einer Ärztin aus der südwestdeutschen Metropole Stuttgart. Diese Medizinerin hat ursprünglich eine vollständige universitäre schulmedizinische Ausbildung genossen, sich später aber aus der Erfahrung der Praxis heraus ausschließlich der Akupunktur zugewandt. Deren Qualifikation in dieser wirklich altherkömmlichen Behandlungsweise erstreckt sich folglich eben nicht nur über unterhaltsame Wochenendkurse aus zweiter und dritter Hand, sondern über mehrere Jahre direkt an der Quelle. Als reine Akupunkturärztin erhält sie natürlich keine Kassenzulassung und kann somit auch nicht ihre bezüglich den schulmedizinischen Kassenärzten verhältnismäßig bescheidenen Honorare gegenüber den üblichen öffentlichen Krankenkassen geltend machen.

Durch die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen entstehen somit im Bereich der TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin Wettbewerbsverzerrungen zu Gunsten einer oftmals weniger qualifizierten Interessensgruppe mit starker Lobby, zum Nachteil besser Qualifizierter ohne derart mächtigem politischen Einfluss, die somit um ihre tägliche Berufsexistenz bangen müssen. Unter diesem aktuell beschriebenen Eindruck ist der nachfolgend beigefügte Brief jener hier angegebenen Ärztin an das Gesundheitsministerium des Bundes entstanden, der heute hier veröffentlicht wird, um Leidtragenden Einblick in gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe zu vermitteln.

 

Schreiben an die Bundesregierung

 
Bundesministerium für Gesundheit
Frau Ulla Schmidt
Berlin

von

Dr. med. XXXXXX Kxxxxx Fxxxxx

Ärztin - Akupunktur
Traditionelle Chinesische Medizin

Tel. 0711 - xx xx - xxx



Sehr geehrte Frau Gesundheitsministerin Ulla Schmidt,


Als approbierte Ärztin mit achtjähriger Weiterbildung auf dem Gebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) behandle ich meine Patienten inzwischen ausschließlich mit den Methoden der TCM - also ohne Schulmedizin mit sehr gutem Erfolg. Ich weiß, dass die hierbei angewendeten Behandlungsmethoden sehr viel Zeit und Geduld erfordern, vor allem da die meisten Patienten zuvor eine Odyssee durch die schulmedizinischen Institutionen hinter sich gebracht haben, um dann austherapiert und "ausgeschöpft" ihre ganze Hoffnung in die Akupunktur und deren begleitende traditionell chinesischen Methoden setzen.

Um den besonderen Bedürfnissen dieser Patienten gerecht zu werden, um sie auf einem hohen Qualitätsniveau grundlegend sorgfältig und gründlich behandeln zu können, habe ich mit hohem finanziellen Einsatz nach langjähriger eigenständiger Ausbildung eine Privatpraxis eröffnet. Doch da Akupunktur und TCM bei den gesetzlichen Kostenträgern bislang bedauerlicher Weise noch immer kein offiziell anerkanntes Fachgebiet ist, besitze ich somit keine Kassenzulassung. Dies benutzen die gesetzlichen Krankenkassen als Argument, um die für bedürftige Patienten dringend notwendige Behandlungskostenübernahme zum Nachteil ihrer Versicherten zu verweigern, und das, obwohl bis vor 2 Jahren nahezu alle gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Akupunkturbehandlungen zumindest teilweise übernommen haben.

Seit 2000 läuft inzwischen das Modellprojekt "Akupunktur" zur Erprobung dieser Behandlungsmethode und just genau seitdem werden die Behandlungkosten hierfür von den gesetzlichen Kassen nur noch dann getragen, wenn die Therapie von Kassenärzten ausgeführt werden. Kassenärzte jedoch sind überwiegend Mediziner, deren Haupttätigkeit die Schulmedizin ist, mit der dieser zugrunde liegenden universitären Vorbildung und Denkmethoden. Sie führen Akupunktur und andere Techniken der TCM allenfalls nebenbei aus, logischerweise ohne die langjährig erworbenen aufwändigen und umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen der grundständigen Ärzte der Chinesischen Medizin, die, so wie auch ich, ihr Wissen über diese nachhaltige, menschennahe Heilmethode nicht nur in gesponserten Schnellbleichewochenendseminaren erworben haben. Wieder einmal werden die Privatärzte von diesem Projekt ausgeschlossen. Zum Abschluss dieses Projektes soll dann entschlossen werden, ob Akupunktur in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden wird, und das auf der Basis der Arbeitserkenntnisse dieser Kassenärzten mit Zusatzausbildung. (!)

Ist denn in unseren Tagen hier in unserem Land eine grundlegende und umfassende Qualifikation in der medizinischen Arbeit überhaupt nicht mehr essenziell, ist das Wohlergehen und die individuelle Zufriedenheit auch des nicht wohlhabenden Patienten in unserem Gesundheitswesen nicht mehr von Bedeutung? In meiner Praxis wird ein Patient bei jeder Therapiesitzung 60 Minuten lang von mir persönlich kontinuierlich unter Anwendung aller Möglichkeiten und Methoden der TCM behandelt. Nach meinen persönlichen Erkenntnissen bekommen Patienten bei den meisten Kassenärzte, aus Zeit- wie auch aus Erfahrungsmangel, nur eine kurze Akupunkturbehandlung, das heißt 3 - 5 Nadeln im Sitzen, statt in entspannter Liegehaltung auf einer Liege, und bereits nach spätestens 20 Minuten werden diese Nadeln dann von einer Helferin wieder entfernt, meist auch noch ohne besondere Rücksichtnahme auf die individuelle Be- und Empfindlichkeit des einzelnen Patienten.

Natürlich wenden sich diese Patienten, die erfolglos bei unzureichend bis mangelhaft vorgebildeten Kassenärzte behandelt worden sind, dann für eine zweite Behandlungsserie mit Akupunktur und TCM an grundlegend erfahrene Ärzte. So entstehen nicht nur doppelte Kosten, einmal durch die Kassen getragen und dann noch einmal von dem Patienten selbst bezahlt, sondern es geht auch für eine Erfolg versprechende Behandlung wertvolle Zeit verloren, so dass sich der Krankheitsverlauf verlängern kann und das Krankheitsbild sich womöglich gar verschlimmert. Patienten die sich diese private Liquidation nicht leisten können, bleiben ganz auf der Strecke bzw. leiden weiterhin an ihren Krankheitssymptomen - sie dürfen auf Grund ihres sozialen Status nicht an einer sanften und i.d.R. nebenwirkungslosen Therapie partizipieren bzw. von ihr profitieren. Somit entstehen durch diese Leidtragenden im Gesundheitswesen weiterhin unnötig hohe Kosten für hilflose Therapien und unangebrachte Medikamente, ein ruinöser Beitrag für unser Gesundheitssystem.

Es stellt inzwischen keine Frage mehr dar, dass Akupunktur bei den meisten Schmerzzuständen wie auch bei sehr vielen anderen Krankheitsbildern wirksam ist, welche sich durch die Schulmedizin nicht beeinflussen lassen, und das überwiegend ohne schädliche Nebenwirkungen, was auch kostengünstiger ist, was gerade jetzt von Nutzen wäre, wo doch im Gesundheits- und Sozialwesen so sehr gespart werden muss.

Über die Wirksamkeit der Behandlung mit Nadeln wird in den einschlägigen Medien und Fachzeitschriften immer wieder berichtet. Dabei wird den Patienten überwiegend empfohlen sich selbst qualifizierte Ärzte auszusuchen, doch genau bei diesen dafür wirklich qualifizierten Ärzten werden dann die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen - wie immer, der übliche soziale Widerspruch derer, die es sich mittels ihres Einkommens leisten können. Diese Ungerechtigkeit den vom Leid gequälten Patienten wie auch den Privatärzte gegenüber, die sich aus triftigen fachlichen Gründen von der Schulmedizin abgewandt haben, um hypokratisch verantwortliche Arbeit zu verrichten, sollten von ihnen, der Gesundheitsministerin, zur Kenntnis genommen und mittels entsprechender öffentlicher Stellungsnahmen beeinflusst werden.

Bezüglich meiner persönlichen Situation füge ich Ihnen die Kopien des Nachweis meiner Qualifikation und meiner Erfahrung auf dem Gebiet der TCM und deren Akupunkturmethoden bei, sowie die Ablehnungen der Krankenkassen bezüglich meiner Zulassung für das Modellprojekt Akupunktur, nur aufgrund dessen, dass ich keine Kassenärztin bin. In der gleichen Situation, wie ich, sind viele meiner Kollegen, deren Patienten sehr unglücklich darüber sind, die aber nicht den Mut haben, ihre Empörung und Verzweiflung öffentlich vernehmlich zum Ausdruck zu bringen.

Mit freundlichem Gruss
Dr. Kxxxxxxx Fxxxxxx

 

Antwortschreiben der Bundesregierung:
 
Bundesministerium
für Gesundheit
und Soziale Sicherung

Referatsleiterin Dr. Friede - Mohr http://www.bmgs.de

Bonn, 14, Februar 2003



Sehr geehrte Frau Dr. med. Fxxxxx

für Ihr Schreiben vom 13. Januar 2003 danke ich Ihnen.

Die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung haben im Krankheitsfall Anspruch auf ärztliche Behandlung. In der Anwendung der zur Behandlung geeigneten Therapie ist der Arzt bei Berücksichtigung der Regeln der ärztlichen Kunst grundsätzlich frei. Er hat hierbei als zur Versorgung der Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung zugelassener Vertragsarzt insbesondere die gesetzlichen und sonstigen Regeln des Krankenversicherungsrechts zu beachten.

Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, wie die von Ihnen angesprochene Akupunktur, dürfen zu Lasten der Krankenkasse nur abgerechnet werden, wenn der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen auf Antrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, einer Kassenärztlichen Vereinigung oder eines Spitzenverbandes der Krankenkassen in Richtlinien Empfehlungen über die Anerkennung des diagnostischen und therapeutischen Nutzens der neuen Methode abgegeben hat (§ 135 SGB V). Diese Richtlinien sind nach den Regeln des SGB V für Vertragsärzte und Krankenkassen verbindlich. Die Ärzte dürfen also nur die neuen Leistungen zu Lasten der Krankenkassen erbringen, zu denen der Bundesausschuss eine positive Entscheidung getroffen hat. Ein Leistungsanspruch des Versicherten hinsichtlich neuer Methoden in Diagnose und Therapie ist also nicht nur ausgeschlossen bei ablehnenden Entscheidungen des Bundesausschusses, sondern auch im Fall des Fehlens einer solchen Entscheidung. Damit soll sichergestellt werden, dass neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden erst nach ausreichender Prüfling in dem dafür vorgesehenen Verfahren in der gesetzlichen Krankenversicherung eingesetzt werden. Grundlage dieser Entscheidungen des Bundesausschusses sind die Richtlinien über die Bewertung ärztlicher Untersuchungs- und Behandlungsmethoden gemäß § 135 Abs. 1 SGB V vom 10. Dezember 1999, in denen der Bundesausschuss die fachlichen und medizinischen Kriterien einschließlich des zu beachtenden Verfahrens geregelt hat.

Der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen hat in seiner Sitzung am 16. Oktober 2000 beschlossen, die Akupunktur in die Liste der nicht anerkannten Methoden der vorgenannten Richtlinien aufzunehmen. Ausgenommen ist die Behandlung bei den Indikationen chronische Kopfschmerzen, chronische LWS-Schmerzen und chronische osteoarthritische Schmerzen, soweit sie im Rahmen von Modellversuchen nach §§ 63 ff SGB V unter den vom Bundesausschuss näher bezeichneten Vorgaben erfolgt.

Bei den Beschlüssen des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen handelt es sich um Entscheidungen, die der Bundesausschuss in eigener Verantwortung trifft: Beanstandungen durch das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung kommen nur bei Verstößen gegen das geltende Recht in Betracht. Bei der Einschätzung der mit den gesetzlichen Bestimmungen verbundenen medizinischen und wissenschaftlichen Fragen besteht ein Beurteilungs- und Wertungsspielraum für den Bundesausschuss. Sofern entsprechende Beurteilungen und Wertungen im Rahmen des geltenden Rechts liegen, sind die Folgerungen der Selbstverwaltung vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung zu respektieren.

Der o.a. Beschluss über die Ergänzung der „Richtlinien über die Einführung neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden und über die Überprüfung erbrachter vertragsärztlicher Leistungen" hinsichtlich der Akupunktur, die dem Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung zur Prüfung vorlag, wurde nicht beanstandet, da ein Verstoß gegen geltendes Recht nicht vorlag.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Dr. Christina Friede-Mohr
 

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