Vermögen in Deutschland
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Wer sind die ,Reichen‘ ...
... hinter den hohen Mauern der Sekretion, der seriösen Zurückgezogenheit, Geheimhaltung und Verschwiegenheit, die einerseits unser Wirtschaftsleben, unsere Arbeits- und Lebenswelt bestimmen und sich andererseits in entlegene ‚Oasen‘ verziehen, um dort, vor Neidern und Gewalttätern scheinbar sicher, sich den vermeintlichen Bequemlichkeiten ihres Wirkens ,hinzugeben‘?

aktualisiert Juli 2008; opt. ab 1024 x 768

 
 

Die Dokumentation dieser Seite soll Aufschluss darüber bieten, in der Hoffnung auf Konsensfindung - denn wir alle haben nur eine Erde und jeder nur genau ein Leben. Diese im Kampf der Gesellschaftsgruppen zu vernichten, oder negativ zu beeinträchtigen, ist inhuman und kurzsichtig.
 

 

Durchschnittsbürger verfügen, bei überbordender Informationsüberflutung, kaum noch über die Lebens-Zeit, sich Aufschluss über die realen Verhältnisse der Verteilung der Vermögen in unserm Land zu verschaffen. Für demokratische Grundstrukturen ist solches Wissen grundlegende Voraussetzung. So ist erfreulich, dass sich Autoren unterschiedlichster Disziplinen dieser Thematik beherzt angenommen und Mühen der Recherchen auf sich genommen haben, wie die beiden Schriftsteller Dorothee Beck und Hartmut Meine in ihrem gemeinsamen Buch

,Wasserprediger und Weintrinker –
wie Reichtum vertuscht und Armut verdrängt wird
'

(Steidl Verlag Göttingen 1997, ISBN 3-88243-527-5).

Deren Werk vermittelt die Inspiration zur vorliegenden Internetseite bezüglich der Vermögensverhältnisse in unserem Land. Die Seite wird kontinuierlich fortentwickelt mit grundlegenden und aktuellen Informationen zur Thematik Reichtum und Armut in Deutschland.

Einige Angaben in den folgenden Beiträgen beziehen sich inhaltlich mit freundlicher Genehmigung der beiden genannten Autoren auf Fakten aus deren Buch zum Wasserpredigen und Weintrinken. Zwar ist dieses Infomaterial dann schon aus der Mitte der 90er Jahre und somit keineswegs taufrisch, aber die hierin erkennbaren Trends sind leider noch immer hochaktuell. Die sozialen Gegensätze und Egoismen haben sich weiter verschärft und bewirken bereits gesellschaftliche Destabilisierung, leicht zu erkennen an den Entwicklungen in unserem Nachbarland Frankreich. Ergänzungen mit offiziell geläufigen Daten gegenwärtiger Printmedien liefern die traurige Bestätigung.

 

 

 
Die Reichen werden immer reicher ...
schreibt
aus Financial Times Deutschland 01.03.2002

Das Vermögen der Betuchten wird laut Boston Consulting Group bis zum Jahr 2005 im Schnitt um 8,9% per anno und das der Superreichen mit über 5 Mio. US$ Vermögen sogar um 11,6% pro Jahr ansteigen.

 

Trotz ihres teilweise immensen Reichtums werden unsere Vermögenden, um sie nicht als ,(Be-)Herrschende' zu bezeichnen, augenscheinlich keineswegs sorgenfrei. Obwohl ihnen der alltägliche Kampf ums nackte Überleben der Habenichtse erspart bleibt, müssen sie sich ständig ihren Kopf darüber zerbrechen, wie ihr Wohlstand weiterhin zu stabilisieren und am besten auch gleich noch expandieren sei? Um ihnen diese sicherlich Tage füllende Qual zu erleichtern, offerieren Vermögensverwalter und Anlageberater mehr oder weniger nützliche (siehe hierzu auch Jäger oder Beute? - Sieger im Finanzdschungel erfolgreicher Kapitalanlagen von Petermann & Partner), zuweilen auch dubiose Dienste frei nach dem Motto:

 

 

,,Leben Sie, wir kümmern uns um die Details ... [...]. Wenn auch die Konjunktur lahmt, eines ist sicher: Das weltweite Geldvermögen wächst beeindruckend. [...]. In Zukunft ist der wahre Luxus Aufmerksamkeit und Zeit."

Financial Times Deutschland vom 01. März 2002 auf Seite 12

 
Ist das etwa eine eindeutig zweideutige Aufforderung an die unzähligen meist ,untätigen' Arbeitslosen, die doch von allem vor allem nur viel Zeit haben?

 

Hunger-Warnung

Während ein Ende der Weltwirtschaftskrise noch gar nicht absehbar ist, braut sich das nächste Unheil zusammen: Hunger [...] warnt das von der Berliner Humboldt-Universität initiierte Forum für Nahrung und Landwirtschaft vor Knappheit, weltweit steigenden Preisen und Hungeraufständen.

Als größter Kostentreiber für die Landwirtschar, würden sich [...] die Energiepreise erweisen. [...]

aus: DIE ZEIT Nr. 17 Seite 29

 
 

Intention dieser Dokumentation

Geld kommt zu Geld ist eine alte Weisheit. Dass damit nicht jene paar Mark Bankzinsen gemeint sind, welche das Heer der Kleinsparer für ihr entbehrungsreich vom Mund Abgespartes zu Niedrigzinssätzen gutgeschrieben bekommen, ist eine traurige Lebenserfahrung. Bitterer noch gestaltet sich diese Lehre für all jene, die sich mittels dieser Methode über Jahre hinweg mühsam eine Eigentumswohnung erspart haben, in der Hoffnung nun ein Zuhause für die scheinbar immerwährende Zukunft zu haben. Nach kurzer Zeit bereits erleben sie die Nichtlebbarkeit solcher sozialen Schmelztiegel an lauten Straßen mit zu vielen einander widersprechenden Mitbewohnern. In ihrem fortgeschrittenen Leben revidieren sie schmerzlich ihre Zukunftshoffnungen, ziehen wieder aus, um dann wenig später womöglich gar die selbe Erfahrung auf höherer Eskalationsebene noch bitterer mit dem eigenen Häuschen erneut zu riskieren, oder gar um endgültig zu resignieren. Die alte Wohnung wird unter trügerischen Illusionen vermietet, weil sich verkaufen für derartige Objekte in unseren Tagen schon lange nicht mehr lohnt. Doch statt großer Renditen per fetter Mieten stellen sich nur Ärger, Sorgen, Kosten, Grundsteuerbelastungen, Verwaltungs- und Behördenauseinandersetzungen und andere soziale Nachteile ein. Und in Zeiten möglicher Kriege, kann das vorgeblich sichere Eigene ganz plötzlich völlig wertlos werden.

 

Wer also macht den großen Reibach durch den ,leistungslosen‘ Einsatz von Kapital - wo sind die Zinsenschneider, die unser Steuer- und Sozialsystem auf höchster Ebene zu ihren eigenen, höchst egoistischen Gunsten so enorm belasten, dass letztendlich der soziale Frieden in unserm Land gefährdet sein wird? Der freiwirtschaftlich orientierte <Helmut Creutz> beschreibt diese real existierende Situation in seinen Beiträgen ausführlich, die ich auf <seinen Seiten> bei uns für Sie aufgearbeitet habe. Doch darauf befragt, wer denn nun diese maßgeblichen Großkapitalisten seien, für deren Kapitalerträge die ,Kleinen‘ immer mehr, immer schneller, und immer entmenschlichter schuften müssen, um deren Renditeforderungen zu befriedigen, für die wir unseren Staat über Steuer- und sonstige Vergünstigungen und Subventionen hoch verschuldet haben, bleibt er prinzipiell eine eindeutige Antwort schuldig. Nicht dass er nichts zu antworten wüsste, nein, er möchte vermeiden, dass Sozialneid geschürt wird.

Und im persönlichen Kontakt mit ,Reichen‘ ist ohne weiteres zu erkennen, dass diese tatsächlich Angst haben, Furcht vor den Menschen auf der Strasse, vor den Armen, hart ausgedrückt vor denen, die in ihren Augen zuweilen der ,Pöbel‘ sind. Sie fürchten deren Neid und deren Möglichkeiten zur Gewaltanwendung - daher der laute Schrei nach mehr ,Sicherheit'. Darum bauen diese Herrschaften je nach Macht ihrer hierarchischen Höhe mittels ihres Reichtums zum vermeintlichen Selbstschutz hohe ,Mauern' der Anonymität, der Seriosität, des unter sich seins, flüchten auf abgelegene, selbstredend hochtechnisierte Inseln oder andere, per finanzieller Macht abgrenzbare ‚Oasen‘, beeinflussen staatliche Systeme, soziales und kulturelles Bewusstsein und bestimmen wirtschaftliche Strukturen. Dass jedoch ihr gesellschaftliches Wirken ihre eigene Situation definiert, entschwindet deren überwiegend keineswegs selbstkritischen Horizont, denn Angst um Kapital- und Machtverlust, Prestige, Rivalität, Neid, Egoismen, Bequemlichkeit und Todesangst bestimmen das Leben und Wirken dieser oberen Zehntausend. Sie unterliegen ihren eigenen System- und Selbstbildzwängen.

Der einfache Mensch von der ,Straße' erliegt in der Regel dem Irrtum, dass jene Großgeldbeutelträger auf Grund ihres Kapitalbesitzes zugleich auch intelligente, besonnene Menschen seien, die allzeit die moralischen, sozialen, ökologischen und auch ökonomischen Auswirkungen ihres Tuns zu reflektieren vermögen. Doch dem ist nicht grundsätzlich so. Mit Geld umgehen können, heißt nur, die Regeln der Kapitalwirtschaft und PR - Politik zu beherrschen, keinesfalls aber ist es qualitativer Ausdruck moralischer Kompetenz, menschlicher bzw. charakterlicher Größe und schon garnicht von Bereitschaft und Fähigkeit zur sozialen Verantwortungsübernahme. Und auch die Grundüberzeugung des Helmut Creutz, dass ausschließlich die Zinswirtschaft ursächliches Übel unserer sozialen Misere sei, ist einseitig. Die alten Landlords, der Geldadel und die Neureichen, und natürlich auch all die Radfahrer, die sich nach ,oben‘ managen oder politisch rhetorisieren wollen, bestimmen nicht nur über Ihre Kapitalerträge und Kapitalertragszwänge unser aller Alltag, sondern vor allem durch ihre Einflussnahme auf die Politik, ihre Macht zur Gestaltung unserer Arbeitswelt und -bedingungen. Und diese Einflussnahme ist noch nicht einmal unbedingt das Produkt deren Schlauheit oder gar intellektuellen Analyse, sondern sie ist zwingendes Ergebnis deren eigenen Systemzwänge.

Damit sich demokratische Haltungen in einer Gesellschaft als Grundvoraussetzung für ein gemeinsames lebenswertes Überleben entwickeln, ist es für jeden daran Beteiligten wichtig zu wissen, wer welchen Einfluss ausübt, bzw. ausüben kann, und wie er es realisiert, denn nur so wird es den Interessensgruppen unserer Gesellschaft möglich sein, sich aufeinander zu zu bewegen, sich zu verstehen, sich gegenseitig zu ergänzen, um so inhumane Missverhältnisse aufzulösen. Die jetzige Situation der unüberbrückbaren Unterschiede, der Heuchelei und falschen Versprechungen, endet zwingend immer wieder in der Spirale von Gewalt und Resignation, Hoffnung, Erwartung und Enttäuschung, also letztlich der Rezession und der daran anschließenden Gewalteskalation. Wie sagen doch so manche geliftete politische Prediger unserer Zeit so schön, Rezession begänne im Kopf - dort sei sie zu stoppen. Hoffentlich denken sie hierbei nicht abermals nur wieder an Manipulation und Indoktrination, sondern an einen ehrlichen, ,nachhaltigen' Ausgleich der ,Fronten‘, um es mit der bereits fortgeschrittenen kriegerischen Begrifflichkeit unserer Tage zu umschreiben.
 
Vergleiche hierzu im Internet auch die Publikationsseiten der Bundeszentrale für politische Bildung unter der URL:

http://www.bpb.de/publikationen/TIKE8T,0,0,
Armut_und_Reichtum_in_Deutschland.html#top

und hier bei
www.marktlex.de

Kaufrückhaltung
im
Lexikon der Marktwirtschaft

 

| themen |

 http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/stundenloehne.htm

 

Was ist Vermögen
 - wer ist vermögend?
 

 

„[..] Das Geheimnis der großen Vermögen, von denen scheinbar niemand weiß, wie sie entstanden sind, ist ein Verbrechen, das nur ungesühnt bleibt, weil es geschickt ausgeführt ist."

aus Vater Goriot von Honore de Balzac
 

Im Buch der Wasser- und Weintrinker von Dorothee Beck und Hartmut Meine heißt es hierzu:

„[...] In Deutschland lebten 1996 47 Familien mit einem Vermögen von mindestens einer Milliarde Dollar [..., sozusagen ganz oben] mit 19,89 Milliarden Mark die Industriellenfamilie Quandt [...]. Die Superreichen [.] sind Einzelpersonen, Familien und ganze Clans [...]. Der Club der Milliardäre hat fast ausschließlich männliche Mitglieder. [...] Dem Club gehören ausschließlich Wessis an. Wen wundert[ e]s, dass die Wiedervereinigung mangels ostdeutscher Masse in der High Society nicht stattfand"

[... vor allem da nicht wenige der alten Landlords und auch des Geldadels samt Großkapital unmittelbar nach dem/ihrem Kaiser/Hitlerreich sich in ihren demokratisierten Westen abgesetzt und hier dann ordentlich Entschädigung kassiert haben, um nunmehr nach der Wiedervereinigung 1989 ihre bereits früher entschädigten Objekte im Osten zurückfordern (Anm. von P.B.)].

Von den superreichen Familien sind 22 in der Industrie tätig, elf im Handel. Drei besitzen Mischkonzerne, drei Medienkonzerne und zehn fallen unter die Rubrik »sonstige«. Die Mehrheit sind alte Dynastien des Geldadels. Nur zwölf Familien zählen zu den Neureichen, darunter die Besitzer des Softwareunternehmens SAP und acht Handelsriesen, wie Albrecht, Beisheim, Haub und Herz. [...]  Über [eine Gesamtsumme von] 263,67 Milliarden Mark [ca. 130 Mrd. Euro] verfügen die 47 reichsten Familien Deutschlands nach Schätzungen, immerhin ein knappes Drittel dessen, was die unteren 16 Millionen Haushalte in Deutschland besitzen. Oder anders ausgedrückt mehr als die Hälfte des Bundeshaushalts von 1997."

„[... Dazu zählen auch] Chantal Grundig mit 2,8 Milliarden, Heinz Bauer (Bauer-Verlag) mit 2,3 Milliarden, Heinz G. Baus (Bauhaus) mit 1,8 Milliarden, Otto Happel (GEA Maschinen- und Anlagenbau) mit 1,5 Milliarden, Rolf Deyhle (Musicals, Filme, Immobilien, mit 1,2 Milliarden, Friede Springer (Springer - Verlag) mit 1,1 Milliarden und Anton Schlecker (Drogerie - Discounter) mit einer Milliarde Mark an."

 

    

DIE ZEIT v. 20.10.05 S. 40

 

Bei der Berechnung der Höhe von Vermögen ist schwierig, Sachwerte in Geldgrößen anzugeben und Vermögen, wie z.B. Aktien und andere Beteiligungen als Geld zu bewerten, denn aus leidvoller Erfahrung wissen wir, das Vermögenswert wie Immobilien und Wertpapier immer nur so viel wert sind, wie eine potentieller Käufer dafür zu bezahlen bereit ist.
 

470.000.000.000.000 Dollar (=470 BILLIONEN Dollar) sollen laut dem Deutschen Institut für Wirtschaft in Köln, 2004 im weltweiten Devisenhandel umgesetzt worden sein. Somit würde im internationalen Währungshandel allein derzeit pro Jahr rund 40mal mehr umgesetzt werden, als für Waren und Dienstleistungen, was Ahnungsweise auf die spekulativen weltweiten Währungskäufe schließen lässt. Seit 2001 habe der Umsatz um 130 BILLIONEN Dollar, also knapp um 40% zugenommen.

 

Zum Vergleich:
Der Nordamerikaner Bill Gates soll über mehr als 56 Mrd.$ verfügen, von denen er allerdings beträchtliche Summen in Stiftungen eingebracht habe.

 

  StZ 07.12.05 S.15

 

 

Maßhalten!

[...] Im Jahr 1524 mahnt ein Zeitgenosse angesichts der gewaltigen Umwälzungen des Frühkapitalismus die hohe Politik:

»Dieweil lassen sie Diebe hängen, die einen Gulden oder einen halben gestohlen haben, und machen Geschäfte mit denen, die alle Welt berauben und mehr stehlen, als alle anderen, damit ja das Spichwort wahr bleibe:

Große Diebe hängen die kleinen Diebe, und ... kleine Diebe liegen im (Schuld)turm und Stock, aber öffentliche Diebe gehen in Gold und Seide.«   Martin Luther

aus: DIE ZEIT Nr. 17 Seite 29

 

Aktuelles Zahlen- und umfangreiches Datenmaterial, und auch veranschaulichende Aufrechnungen zum Einkommens-Größenvergleich der so genannten Armen oder auch nicht ganz so armen zur Welt des Vermögens bzw. der Vermögenden finden Interessierte ausführlich aufgelistet und kommentiert auf den Seiten des Karlsruher Anwalts Dr. Harald Wozniewski

unter dem Überbegriff  MEUDALISMUS =
moderner Feudalismus

 unter dessen URL's

http://www.meudalismus.dr-wo.de (dessen Homepage)
http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/stundenloehne.htm (Relationen)
http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/personen.htm (Vermögende)
http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/100reiche.htm (Machtbasis)

und vieles andere mehr.

 

Wiederum erstrahlte der Reichtum [...] vor seinem geistigen Auge. Dort hatte er den Luxus gesehen, [...] Vergoldungen, Dinge, die offensichtlich wertvoll waren, den geistlosen Luxus des Parvenus, die Verschwendung der ausgehaltenen Frau ...

Er sah die Welt wie sie ist: dem Reichtum gegenüber sind Gesetze und Sitten machtlos [...] Gold ist Tugend! [...]

Dann werden Sie verstehen, was die Welt ist: eine Versammlung von Narren und Bösewichtern. Aber passen Sie auf, dass Sie weder zu den einen, noch zu den anderen gehören. [...]

Wenn ich Erfolg habe, fragt mich keiner, wer bist du? Ich bin dann einfach der Herr Mill[ard]är, der Bürger ... ."

aus Vater Goriot von Honoré de Balzac
 

| themen |

 

 

Die superreichen
deutschen Familien
und deren jeweilige Kapitalbasis
 
(für Sie gelesen bei Wasser- und Wein u. a. m.)

 

Familie Quandt 19,89 Mrd. DM

[... A]lte Industriellenfamilie [...] BMW, Varta, Altana, CEAG u.a. An BMW besitzen die Quandts 48,1%; 17,9% gehören Johanna Quandt, dritte Ehefrau und Witwe des legendären Herbert Quandt. 17 % hält ihr Sohn Stefan und 13,2 % ihre Tochter Susanne Klatten, die 1997 den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitz von ihrer Mutter übernommen hat. Auch Stefan gehört dem Gremium an. [...] Umsatz 1996: rund 60 Mrd. DM, Gewinn: 820 Mio. DM. Susanne Klatten hält über 50 % an der Altana AG, einem Pharma- und Chemiekonzern in Bad Homburg. Nach der Trennung vom Babykost - Anbieter Milupa stieg die Liquidität des Konzerns um 700 Mio. DM. Stefan Quandt hält 100 % der Delton - Beteiligungs - AG, einem Mischkonzern mit 1 Mrd. DM Umsatz. Der andere Familienzweig (Sonja Quandt - Wolf, Sabina und Sven Quandt) besitzt 38 % der Anteile an der Varta AG, Hannover, und weitere Vermögensbeteiligungen.

 

Die Stuttgarter Zeitung schreibt am 12. Oktober 2005, dass die Gebrüder Albrecht (s.u.), auch ALDI - Brüder genannt, erneut die reichsten Deutschen seien. Die Information hierzu stamme aus dem Manager-Magazin, nach dessen Angaben die beiden Herren über ein geschätztes Vermögen von jeweils mehr als 15 Milliarden Euro verfügen würden. Demnach kämen die beiden Senioren auf die Plätze neun und zehn der Liste der Reichsten in dieser Welt. Karl Albrecht habe sein Vermögen 2004 um 400 Millionen Euro auf 15,6 Milliarden Euro gesteigert und damit den größten Zuwachs unter den Superreichen erzielt.

Doch tatsächlich weiß niemand so ganz genau, wie reich die beiden wirklich sind, da sie sich bislang immer als echte Geheimniskrämer erweisen, wenn's um Geld geht (s.u).

Dem Magazin nach folgen des weiteren Susanne Klatten (s.o. / BMW- u. Altana- Miteigentümerin)
mit geschätzten
7,8 Milliarden Euro kurz vor dem Bertelsmann-Eigentümer Reinhard Mohn aus Gütersloh mit gerade mal 6,5 Milliarden Euro, vor dem Versandhaus Otto und dem Großindustriellen Friedrich Karl Flick, der aber aus Steuergründen doch eigentlich schon seit einiger Zeit Österreicher ist? Familie Porsche (Porsche und VW) verfügen gerade mal über geschätzte 4,95 Milliarden Euro. Als reiche Großfamilien zählen u. a. auch noch die Familien Haniel (Metro), Brenninkmeyer (C&A) und Siemens.

Da die Vermögen all dieser Kapitalkräftigen dem Text des Magazins gemäß immer nur geschätzt sind, stellt sich die Frage, wie da wohl die Finanzbehörde herausfinden kann, wie viel Steuern derartige Herrschaften für die solidarische Gemeinschaft aufzubringen haben, sofern sie überhaupt in Deutschland Steuern zahlen, bzw. ob diese Herrschaften wohl auch schon alle auf den Bahamas oder sonstigen Oasen "zu Hause" sind?

 

Und für H. Nannen's Magazin STERN 46/2005 Seite 248 gilt Susanne Klatten aus dem Hause Quandt immerhin als reichste Frau Deutschlands neben ihrem Job als Mutter:

Susanne Klatten [...] ist Aufsichtsrätin bei BMW und [.] sitzt im Kontrollgremium des Pharma- und Chemiekonzerns Altana. [...] Nur die greisen Albrecht-Brüder [...] haben noch mehr.
Allein Klattens Aktienvermögen an BMW und Altana beläuft sich auf gut sechs Milliarden Euro. Daneben hat [...] Klatten reichlich Bargeld auf der hohen Kante. Sie kassiert [...] hohe Dividenden von ihren Unternehmen. In diesem Jahr hat ihr der Autokonzern 48 Millionen Euro überwiesen, von Altana kamen sogar fast 67 Millionen Euro.

[...] Das Familientrio hält knapp 47 Prozent der Aktien des Autokonzerns und schützt ihn vor feindlicher Übernahme. [...]

Susanne Klatten und Stefan Quandt werden eines Tages die Aktien ihrer Mutter Johanna Quandt erben, die nächstes Jahr 80 wird.. Es geht um ein Paket im Kurswert von mehr als 3,7 Milliarden Euro. [...]"

 

Familie Quandt
 größter Unterstützer von Parteien

[...] Mit einer Spendensumme von rund 3,2 Millionen Euro war die Industriellenfamilie Quandt seit In-Kraft-Treten des neuen Parteiengesetzes Mitte 2002 der größte Unterstützer politischer Parteien. Die Familienmitglieder Susanne Klatten, Stefan Quandt und Mutter Johanna Quandt zahlten in diesem Zeitraum zusammen rund 1,34 Millionen Euro. Auch die von der Familie kontrollierten Unternehmen BMW (1,1 Millionen Euro) und Altana (795 000 Euro) gehörten zu den Großspendern."

lt. STN 284 v. 08.12.2006 S. 2 v.  „Capital"

 

Johanna Quandt, ihr Sohn Stefan Quandt und ihre Tochter Susanne Klatten, die gemeinsam 46,6 Prozent aller Stammaktien an dem bayerischen Automobilkonzern halten, können für Mitte Mai aber immer noch mit einer Überweisung von 181.000.000,- Euro rechnen.

Klatten hält neben ihrer BMW - Beteiligung auch ein Aktienpaket von 92 Prozent an der Spezialchemiefirma Altana, das ihr eine weitere Dividende von 12,5 Millionen Euro einbringen wird. Außerdem stockte sie vergangene Woche ihre Beteiligung an den Grafit- und Carbonspezialisten SGL Carbon auf 16,5 Prozent auf. Dort muss sie allerdings auf eine Dividende verzichten."

aus: DIE ZEIT Nr. 17 2009; Seite 29

 

In der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT erschien am 03.Mai 2007 unter Was bewegt Susanne Klatten" ein Porträt der Dividendenkönigin Deutschlands auf Seite 19f. Diesen finden Sie im Internet unter

http://www.zeit.de/2007/19/P-Klatten

So heißt es ziemlich zu Anfang des Artikels:

[...] 
A
n diesem Freitag bekommt Susanne Hanna Ursula Klatten, geborene Quandt, die größte Dividendenzahlung, die jemals in Deutschland an einen einzelnen Aktionär gezahlt wurde - zwei Milliarden und 366 Millionen Euro. Um so viel Geld anzuhäufen, müsste man fünfeinhalb Jahre lang täglich eine Million im Lotto gewinnen.
"

Des weiteren versucht der Beitrag in die seelische Tiefe dieser Frau zu gehen, um heraus zu finden, ob sie denn nun eine kalte Kapitalistin sei, und was sie wohl an ihrem immensen Vermögen reizt. Es wird sogar die Problematik der Herkunft des Quandt'schen Vermögens gestreift, vor allem in wie weit dieses ursprünglich eigentlich einmal semitisches FirmenKapital gewesen sei, das während der Nazidiktatur unter "nicht ganz zu klärenden" Umständen seinen Besitzer gewechselt haben soll. Abgerundet wird der Beitrag durch folgendes biografisches Fragment als Kurzübersicht über den Klatten'schen Werdegang wie folgt:

Susanne Klatten wurde 1962 in Bad Homburg
als Tochter des Industriellen Herbert Quandt
und seiner dritten Ehefrau Johanna geboren. Als ihr Vater 1982 starb, erbte sie gemeinsam mit [.] Mutter und [..] Bruder [..] die Kontrollmehrheit an BMW.
Sie erhielt [.] weniger Aktien als ihr Bruder,
bekam aber zum Ausgleich [.] die Mehrheit an der Altana AG, einem Pharma- und Chemiekonzern, der 1982 aus einer weiteren Quandt Firma, der Varta AG, herausgelöst worden war. [...] Nach dem Abitur 1981 lernte Susanne Klatten den Beruf der Werbekauffrau und studierte Betriebswirtschaftslehre an der University of Buckingham. Am International Management Development Institute in Lausanne machte sie 1988 einen MBA. Mit 31 Jahren zog sie 1993 in den Altana - Aufsichtsrat ein, seit 1997 gehört sie auch dem Aufsichtsrat von BMW an. Mit ihrem Ehemann Jan Klaffen, einem Halbbruder des EM.TV-Chefs Werner Klatten, hat sie drei Kinder."
 

Natürlich stellt sich bei dieser Lektüre die Frage, warum in unseren Tagen in so vielen Publikationen das Privatleben von Menschen so umfangreich wie ausführlich dargelegt wird?

Für uns alle im vorliegenden Fall entscheidend ist doch wohl ausschließlich der wirtschaftliche und daraus resultierend der politische und somit auch gesellschaftliche Einfluss dieser Frau bzw. dieser Familie und deren Auswirkungen auf das Leben jedes einzelnen in diesem Land. Aber eigentlich hätte ja auch genau dieses für unsere emsigen Volksrhetoriker zu gelten, die in der Regel an allen Ecken und Enden wie aus dem "Nichts" auftauchen, einzig ihres mehr oder weniger freundlichen, werbeträchtig garnierten Konterfeis, gepaart mit geschickter Medienbeeinflussung alle vier oder fünf Jahre per anonymem Kreuzchen gewählt werden, und die doch an so vielen lauschigen Plätzchen im Verborgenen ihren Einfluss in bedeutenden politischen wie wirtschaftlichen Gremien geltend machen, ohne auch nur das geringste Bisschen ihres Privatlebens, ihres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkens und sogar ihres Werdegangs den durch sie betroffenen Bürgern zugänglich zu machen.

Für funktionierende echte Demokratien jedoch ist politische, wirtschaftliche und daraus resultierend gesellschaftliche Transparenz existenziell, gepaart mit realer Bildung der "Massen" und einer grundlegender Vermittlung von Entscheidungskompetenzen auch für diese unsere Wirtschaft im Eigentlichen tragenden „einfachen" Menschen.

Gerade die Klatschnachrichten aus dem Jahre 2008/09 bezüglich Frau Klattens emotionalen Privatleben, welches sich vor einem zu allem entschlossenen bayrischen Gericht ausbreitet haben soll, zeigt dennoch eindrücklich, dass unsere so genannten wohlhabenden, "kultivierten" "Leistungsträger", die doch in Wahrheit allenfalls Entscheidungsträger sein können, eben auch nur Menschen sind, die im Grunde der gewaltigen sozialen Verantwortung macht ihres gewaltigen Vermögens und ihres daraus resultierenden Einflusses, in keiner Weise jemals gerecht werden können, auch wenn sie sich, unter humanitären und dem Allgemeinwohl dienlichen Aspekten betrachtet, noch so sehr darum bemühen. Die Konzentration von Kapital, Macht und Einfluss ist in jedem Fall niemals der Weisheit letzter Schluss. Auch demokratische Prinzipien vermögen nicht das Negative solcher Einseitigkeiten durch gegenseitiges Ausspielen unterschiedlicher Macht- Potentiale auf Dauer zu egalisieren.

 

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Theo und Karl Albrecht 19,55 Mrd. DM

Besitzer von Aldi [...] mit [über] 2900 Filialen und mehreren hundert ausländischen Niederlassungen.

[...] Nord - Kette (Theo Albrecht) [..] Süd-Kette (Karl Albrecht) [.]. Die beiden Brüder haben ihre Anteile in die Markus - Stiftung und die Siepmann - Stiftung eingebracht [geläufige Steuerspar - und Erbschaftssteuerungsmethode (Anm. P.B.)]. [...] Albrecht - [Söhne] spielen im Management nur eine Nebenrolle. Umsatz 1995: 32,5 Mrd. DM, Gewinn: nicht veröffentlicht, Beschäftigte: über 20.000.

 

Die Mehrheit an den in Deutschland in die Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG Nord und Süd aufgeteilten Regionalgesellschaften halten steuerlich vorteilhafte Familienstiftungen der Gebrüder Albrecht (Markus- und Siepmann-Stiftung). Insgesamt wacht das Aldi - Imperium in Deutschland über derzeit mehr als dreißig in der Rechtsform der GmbH & Co. KG geführte Firmen. Als Seehafenspediteur nutzt der Konzern zum Beispiel die hauseigene Mickedeit & Co. KG in Hamburg. Die von Aldi vertriebenen Eier stammen auch aus eigenen Legebatterien, denn die Geflügel-Hof Herten GmbH gehört ebenso zum "Laden" wie die Alva-Verwaltung GmbH & Co. KG, die Versicherungsangebote für die Aldi-Mitarbeiter makelt. [...] ... der Aldi-Jahresumsatz von Fachleuten lediglich geschätzt werden kann - der raffiniert verschachtelte Konzern hat noch nie eine Bilanz vorgelegt, geschweige denn seine Gewinne ausgewiesen ...".

(aus: <Johann - Günther König>;
,Alle Macht den Konzernen';
(ro ro ro, ISBN 3 499 22486 0))

 

Curt Engelhorn und Familie 18,7 Mrd. DM

 
Familie Haniel 15,81 Mrd. DM

[...] 33,3 % des Handelsriesen Metro. Weitere Konzernsparten sind Waschraumhygiene, Baustoffe, Reedereien und Industrie - Logistik. Die Industriellenfamilie aus Duisburg hat ca. 930 Mitglieder, unter ihnen 420 Gesellschafter der Haniel & Cie. Umsatz 1995: 24,2 Mrd. DM, Gewinn: 275,2 Mio. DM. Beschäftigte 28485. Die Familie [...] beherrscht mit 50,32 % die GEHE AG, Stuttgart, ein Pharma - Großhandelsunternehmen, das 25 % des europäischen Marktes kontrolliert.

 
Familie Merck und H.-J. Langmann 9,52 Mrd. DM

Die Darmstädter Familie Merck hält über [...] 74 % der Merck KGaA, die in den Bereichen Pharmazie, Arzneimittel, Reagenzien, Laborgeräte und Chemikalien tätig ist und zahlreiche in- und ausländische Beteiligungen hat. Der Vorsitzende der Geschäftsleitung Hans - Joachim Langmann (72) ist mit einer Merck-Erbin verheiratet. Die 50 Gesellschafter der E. Merck gehören zum engeren Familienkreis. Sie wählen einen elfköpfigen Familienrat. Dieser bestimmt den neunköpfigen Gesellschafterrat, dem auch externe Personen angehören. Familien- und Gesellschafterrat treffen die strategischen Vorgaben für die Geschäftsleitung. Umsatz 1995: 6,2 Mrd. DM, Gewinn: 368,5 Mio. DM, Beschäftigte: 27762.

 
Familie Henkel und Albrecht Woeste 8,84 Mrd. DM

Die Henkel KGaA stellt u.a. Persil, Spee, Pril und Pattex her und ist in der Chemieindustrie tätig. 1995 übernahm der Konzern die Schwarzkopf - Gruppe (Schauma, Kaloderma, Bac u.a.). Konrad Henkel, das Familienoberhaupt, übergab 1990 den Vorsitz des Gesellschafterausschusses und des Aufsichtsrates an Albrecht Woeste aus der vierten Henkel - Generation. Er blieb aber in beiden Gremien Ehrenvorsitzender. Woeste ist Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank und besitzt die Metallfirma R. Woeste & Co. in Düsseldorf. Henkels Frau Gabriele profiliert sich als Kunstmäzenin und pflegt gute Kontakte in Politik und Gesellschaft. Die Familie besitzt alle stimmberechtigten Vorzugsaktien (Familien von Fritz Henkel 40 %, Hugo Henkel 40 % und Emmy Henkel 20 %) und 33 % der Vorzugsaktien. Den Rest halten 41000 Aktionäre, die erst seit 1996 stimmberechtigte Aktien kaufen können. Die Stimmenmehrheit des Henkel - Clans ist bis 2016 vertraglich fixiert. Umsatz 1995: 14,2 Mrd. DM, Gewinn: 488 Mio. DM, Beschäftigte weltweit: 41644.

 
Erivan Haub und Familie 8,5 Mrd. DM

Besitzt [...] den Branchenriesen Tengelmann mit 7.500 Filialen, Kaiser's, Plus, LeDi, Grosso, Magnet, OBI, Wissoll - Schokolade und in den USA 54 % von A & P. Der alleingeschäftsführende Gesellschafter Erivan Haub (64) gilt als Vorreiter in Sachen nachhaltiges Wirtschaften. Er übertrug 1997 seinem Sohn Karl - Erivan (37) das operative Geschäft. Die beiden anderen Söhne Georg und Christian haben ebenfalls leitende Positionen. Umsatz 1994/95: 49,9 Mrd. DM, davon in Deutschland 25,5 Mrd. DM, Gewinn: nicht veröffentlicht, Beschäftigte weltweit: rund 200 000."

 
Otto Beisheim 8,16 Mrd. DM

Hält 33 % [... von] Metro, Baar / Schweiz und Düsseldorf [...] und verfügt über die Stimmenmehrheit. Er lebt steuersparend in der Schweiz. Das operative Geschäft führt der ehemalige IBM - Manager Erwin Conradi. Zum Konzern gehören u.a. die Metro - Großmärkte, Kaufhof, Galeria Kaufhof (früher Horten), Kaufhalle, Media - Markt, Saturn, Vobis, die Praktiker Baumärkte Real, Massa und Jacque's Weindepot. Umsatz der Holding: 75,1 Mrd. DM, Gewinn: 853,4 Mio. DM, Beschäftigte: 178 594. Über die Telfi Handels AG beliefert Beisheim Pro 7 und Kabel 1 mit Spielfilmen. Beisheim arbeitet eng mit seinem Freund Leo Kirch [weiter unten] zusammen. Ein mysteriöser Kauf und Rückkauf von Filmrechten beschäftigt die Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung.

 
Familie Boehringer 7,99 Mrd. DM

Den Familien Boehringer und von Baumbach aus Ingelheim/Rhein gehört die Boehringer Ingelheim Gruppe (nicht zu verwechseln mit Boehringer Mannheim), [weiter oben], die zu den zwanzig größten Pharmakonzernen der Welt zählt (Thomapyrin). Neben dem Vorsitzenden Erich von Baumbach sitzen im Gesellschafterausschuß Albert, Hans und Otto Boehringer. Nach einem Dioxin - Skandal im Werk Hamburg - Moorfleet, wo bis 1984 das Insektenvernichtungsmittel Lindan produziert wurde, starben viele Beschäftigte an Krebs. Die Erkrankungen wurden als Berufskrankheit anerkannt. Umsatz 1995: 6,4 Mrd. DM, Gewinn: 273 Mio. DM, Beschäftigte: 23377.

 
Friedrich Karl Flick jr. 7,65 Mrd. DM

[...] In den 80erJahren war [Friedrich Karl Flick jr.]in den Flick - Skandal um Steuerhinterziehung und Bestechung hoher deutscher Politiker verwickelt. Nachdem bereits seine Neffen und deren Schwester Dagmar Gräfin Vitzham jeweils mit dreistelligen Millionenbeträgen ausgezahlt worden waren, verkaufte Flick die Reste des Imperiums an die Deutsche Bank, die es später weiter veräußerte. Flick lebt seitdem in Österreich und übertrug sein Vermögen steuersparend an die »Dr. Flicksche Privatstiftung Rottenmann«. Die beiden Neffen verwalten ihr Vermögen in der Schweiz in den Firmen Flimag, Flimax, Gerag und Garel. Friedrich - Christian war lange mit Maya Gräfin von Schönburg-Glauchan verheiratet, einer Schwester von Gloria von Thurn und Taxis [weiter unten]. Bei der Scheidung setzte sie einen Unterhalt von 21 Mio. DM durch.

 
Michael Otto und Familie 7,65 Mrd. DM

[...] 100 % der Otto AG für Beteiligungen, die 50 % des Otto - Konzerns hält (vgl. Nr. 27 und 28). Dr. Michael Otto (54) ist Vorstandsvorsitzender und Werner Otto Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates. [...] Der Konzern hält neben dem Branchenprimus Otto-Versand zahlreiche in- und ausländische Beteiligungen, u.a. die Versandhäuser Schwab, Witt und Heine sowie den Sportartikelanbieter Sport - Scheck. Umsatz 1995: 24,8 Mrd. DM, Gewinn: 449,2 Mio. DM. Beschäftigte: 54000 weltweit.

 
Rolf Gerling 6,8 Mrd. DM

Mit 70 % Mehrheitsbesitzer und Aufsichtsratsvorsitzender der Gerling Konzern Versicherungs - Beteiligungs AG in Köln, dem größten deutschen Industrie –Versicherungs - Unternehmen. (Umsatz 1995: 11,1 Mrd. DM, Beschäftigte: 9900.) Die Deutsche Bank hält 30 % der Anteile. Sohn von Dr. Hans Gerling, der den Konzern in der Nachkriegszeit leitete. [...] Rolf Gerling engagiert sich für ein ökologisches Management.

 
Familie Schickedanz 6,29 Mrd. DM

[...] Schwiegersohn Wolfgang Bühler [leitet] die Schickedanz - Gruppe mit dem Herzstück Quelle - Versand. Bühler ist Vorsitzender des Aufsichts- und des Verwaltungsrates der Quelle Schickedanz AG & Co. Das Kapital liegt bei der Schickedanz Holding - Stiftung & Co, KG. Zur Gruppe gehören auch Modehäuser wie Sinn und Leffers, die Ketten Foto - Quelle und Apollo Optik sowie 20 % des größten deutschen Reiseveranstalters TUI. Umsatz 1995/96: 12,1 Mrd. DM, Gewinn: 110 Mio. DM, Beschäftigte: 28700. 1997 erwarb die Gruppe 20 % der Anteile der Karstadt AG.

 
Familie Schmidt - Ruthenbeck 6,12 Mrd. DM

[...] Heute besitzt die Familie ein Drittel des Metro - Konzerns [...]).

 
Günter Herz und Familie 6,12 Mrd. DM

Besitzer der Tchibo Holding AG in Hamburg, die auch 75,1% der Anteile des Reemtsma Zigarettenkonzerns und 25,9% des Chemiekonzerns Beiersdorf (Nivea, Hansaplast, 8 x 4 Deo, Labello, Tesafilm u.a., Medizin- und Pharmaprodukte) hält. Firmengründer Max Herz hinterließ 1965 das Firmenvermögen seiner Frau Ingeburg und den fünf Kindern Günter, Michael, Joachim, Wolfgang und Daniela Herz - Schnoeckl. Alle Familienmitglieder sind an der Tchibo Holding und vielen anderen Firmen beteiligt. Günter Herz (57) leitet den Konzern. 1996 übernahm Tchibo den Hauptkonkurrenten Eduscho. Die Reemtsma - Cigarettenfabriken GmbH in Hamburg (West, Peter Stuyvesant, R1, R6, Ernte 23, Cabinet, Davidoff, John Players, Atika u.a.) hält in Deutschland einen Marktanteil von 23,7 %. Umsatz des Gesamtkonzerns 1995: 12,9 Mrd. DM (nach Abzug der Tabaksteuer 6,2 Mrd. DM), Gewinn: 301,4 Mio. DM, Beschäftigte: 13 609.

 
Dietmar Hopp und Söhne 6,12 Mrd. DM

Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender des Walldorfer Softwarekonzerns SAP, dem Weltmarktführer für Unternehmenssoftware. Hopp und seinen Söhnen Oliver und Daniel gehören 18,46% von SAP, zum Teil über die Dietmar Hopp Stiftung GmbH i.G. Der Rest der Aktien liegt bei Hasso Plattner und Klaus Tschira [...]. Mitbegründer Hans - Werner Hector[...] hat nach internen Querelen seine Anteile bis auf 5 % verkauft. SAP wurde 1972 von fünf ehemaligen IBM-Managern gegründet, 1988 in eine AG umgewandelt und erfreut sich bei Anlegern und Analysten steigender Beliebtheit. Umsatz 1996: 3,7 Mrd. DM, Gewinn: 567 Mio. DM, Beschäftigte: etwa 9000.

 
Familien Piech und Porsche 5,78 Mrd. DM

Die Familien Piéch und Porsche teilen sich je zur Hälfte alle Stamm- und 25 % der Vorzugsaktien der Porsche AG in Stuttgart. Ihnen gehört auch die Porsche Holding OHG in Salzburg, das größte österreichische Handelsunternehmen, das die Exklusivrechte für den Import aller VW - Produkte hält. Die Kinder von Ferdinand Porsche, dem »Vater« des VW Käfers, führen die beiden Linien der Familie: Ferdinand »Ferry« Porsche (geb. 1909) die deutsche, seine Schwester Louise Piéch (geb. 1904) die österreichische. Louises Sohn Hans - Michael und Ferrys Sohn Wolfgang sind Geschäftsführer der österreichischen Porsche Holding OHG und Aufsichtsratsmitglieder der Stuttgarter Porsche AG. Diesem Gremium gehört auch Louises Sohn Ferdinand Piéch an, der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG.

 

 

Dividenden:
Porsche - Clan überholt die Quandts

Der Clan der Porsches und Piechs kassiert in diesem Jahr erstmals eine höhere Dividende als die BMW - Eignerfamilie Quandt. [...] Während Porsche [...] für 2008 eine Sonderdividende in Rekordhöhe ausschüttete, kürzt BMW die Gewinnbeteiligung seiner Aktionäre wegen der schlechten Geschäftsentwicklung drastisch. [...]"

aus: DIE ZEIT Nr. 17 2009; Seite 29

 

 
Adolf Merckle und Familie 5,27 Mrd. DM

Besitzer von Phoenix Pharmaziehandel, der ein Drittel des deutschen Marktes kontrolliert, und von Ratiopharm [...]. Adolf Merckle (63) und seine Frau Ruth aus Blaubeuren bei Ulm halten 11 % von Heidelberger Zement und einige Industriebeteiligungen. Die Familie betreibt zusammen mit dem Haus Hohenzollern - Sigmaringen die Fürstliche Hohenzollersche Werke Lauchertal GmbH & Co, KG in Sigmaringen, die zahlreiche mittlere Betriebe der Metallindustrie betreibt. Merckles Sohn Ludwig rückte 1997 in die Geschäftsführung nach.

 
Wilhelm und August von Finck 5,27 Mrd. DM

Erben der Firmengründer von Allianz, dem einflußreichsten deutschen Versicherungskonzern, besitzen heute jedoch nur noch 5 % der Allianz AG Holding. Die Brüder Finck verkauften seit 1990 deutsche Firmenbeteiligungen, u.a. das Bankhaus Merck, Finck & Co. und die ISAR - Amperwerke Sie halten mehrheitlich die Anteile an der Sektkellerei J. Oppermann, an Würzburger Hofbräu und der Custodia Holding AG mit der Löwenbräu AG in München, der LB Nymphenburg Grundstücks AG und der staatlichen Mineralbrunnen AG in Brückenau. Weitläufiger Grundbesitz (ca. 10000 ha) in und um München sowie in Oberbayern.

 
Leo Kirch und Familie 4,76 Mrd. DM

Kontrolliert mehrere Privatsender neue digitale Kanäle und besitzt die Rechte an unzähligen Spielfilmen und Fernsehserien. Geschäftsbeziehungen zu Metro - Besitzer Otto Beisheim [weite oben]. Sein Sohn Thomas Kirch managt den Sender Pro 7. Der »Medien - Mogul« (70) besitzt 40,4 % am Axel Springer Verlag, ist Mitglied im Aufsichtsrat und hat damit Einfluß auf zahlreiche Tageszeitungen, Zeitschriften, Fernseh- und Hörfunksender sowie Buchverlage. Zusammem mit Bertelsmann [weiter unten] und der WAZ-Gruppe [weiter unten] beherrscht er den Pay - TV - Sender Premiere.

(Die Pleiten des Leo Kirch dürften dessen offizielles Vermögen
inzwischen ein wenig geschmälert haben.) 

 
Rudolf August Oetker und Familie 4,76 Mrd. DM

[...] Oetker - Gruppe in Bielefeld mit den Säulen Nahrungsmittel (Backhilfsmittel, Tiefkühlkost, Eis, Ültje - Erdnüsse und Langnese - Honig [Langnese-Eis kommt dagegen von Unilever (org. Anm. des Autors)], Sekt (Henkell - Trocken, Fürst Metternich, Söhnlein Rheingold und Rüttgers Club), den Wodka Gorbatschow, Batida de Coco, Brauereien (Binding, DAB, Radeberger, Berliner Kindl und Clausthaler) und Reedereien. Zur Gruppe zählen das Bielefelder Bankhaus Lampe, die Condor - Versicherung und zahlreiche europäische Luxushotels. Oetker hält 14 % an der Parfümerie - Kette Douglas. Der »alte Herr« Rudolf August Oetker ist zu 100 % Kommanditist der Dr. August Oetker KG. Große Teile des Konzerns wurden 1990 auf acht Kinder aus den drei Oetker - Ehen aufgeteilt. Persönlich haftende Gesellschafter sind August Oetker, der Sohn von Rudolf August, Dr. Guido Sandler und Dr. Ernst F. Schröder. Umsatz der Gruppe 1995: 4,8 Mrd. DM, Reederei 1,6 Mrd. DM, konzernweit rund 8 Mrd. DM. Gewinn: nicht veröffentlicht, Beschäftigte: 12159.

 
Karl-Heinz Kipp und Familie 4,76 Mrd. DM

Kipp gründete den Verbrauchermarkt Massa, verkaufte aber Mitte der 80er Jahre für über 1 Mrd. an Metro. Die Massa - Immobilien gehören dem Clan noch und bringen bis ins Jahr 2015 mehr als 100 Millionen Mark garantierte Pachteinnahmen. Karl -Heinz Kipp lebt steuersparend in der Schweiz und investiert dort in Luxushotels (z.B. Grandhotel Tschuggen in Arosa). Er teilt sich den Immobilienbesitz, zu dem auch vier Wolkenkratzer mit über 100 000 qm Bürofläche in New York gehören, mit seiner Tochter Ursula L. Bechtolsheimer und zahlte seinen Sohn Ernst - Ludwig aus, der mit seiner Familie als Aussteiger und Erfinder in Florida lebt.

 
Familie von Siemens 4,42 Mrd. DM

180 Mitglieder der Familie von Siemens halten 6,94% der Aktien der Münchner Siemens AG, dem zweitgrößten deutschen und einem der weltweit führenden Elektro - Konzerne. Die Palette der Produkte reicht vom Mikrochip über Glühbirnen und Elektroherde bis zu Kernkraftwerken und dem ICE. Peter von Siemens vertritt die Familie im Aufsichtsrat. 56 Mio. Aktien sind im Umlauf. Die 923 636 Vorzugsaktien sind ausschließlich in Familienbesitz. Ihr Stimmrecht versechsfacht sich bei strategischen Entscheidungen, so dass Familie Siemens einen Stimmenanteil von 14 % hat. Umsatz 1994/95: 88,7 Mrd. DM, Gewinn: 2,1 Mrd. DM, Beschäftigte weltweit 373 800.

 
Reinhard Mohn und Familie 4,08 Mrd. DM

Reinhard Mohn (75) hält 2,6 % und die Familie 17,9 % am zweitgrößten Medienkonzern der Welt, der Bertelsmann AG, Gütersloh. 68,8% liegen bei der gemeinnützigen Bertelsmann - Stiftung. Mohn ist deren Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der AG. Der Konzern ist in allen Segmenten des internationalen Medienmarktes tätig: Bücher (Bertelsmann Club und Verlage), CD- und Tonträgerfirmen (RCA, Ariola u.a.), Privatfernsehen (RTL, Premiere, RTL 2, Vox u.a.). Zeitschriften (Grunar & Jahr, vgl. Nr. 37). Bertelsmann betreibt auch eine der größten Druckereien, die Mohndruck in Gütersloh. Umsatz 1995: 20,5 Mrd. DM, Gewinn: 817 Mio. DM, Beschäftigte: 57397 weltweit und 33116 in Deutschland.

 
Dieter Schwarz 3,91 Mrd. DM

[..] Handelskette Lidl & Schwarz, die in Deutschland 1.500 und im europäischen Ausland 750 Discount - Läden hat. Die Familienstiftung Dieter Schwarz ist persönlich haftender Gesellschafter der Lidl & Schwarz Stiftung & Co, KG in Neckarsulm, als deren Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Schwarz fungiert.

 

Gerade in den letzten Jahren, seit der Jahrtausendwende, hat die Handelskette Lidl mächtig zugelegt. Man spricht bereits davon, dass Lidl den Discounter Aldi überholt habe. Demnach dürfte sich selbstredend auch das Vermögen des Dieter Schwarz vermehrt haben, so dass der oben angegebene Wert allenfalls noch als Untergrenze zu betrachten ist.

Die Art und Weise aber, wie dieser Herr(scher) sein Geld macht, umreißen die Recherchen von verdi. Gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter jedenfalls mag Schwarz nicht besonders gut leiden, ebenso wenig solche, die all zu oft aufs stille Örtchen wollen. Soviel zu dessen Sozialverständnis.

Dafür erhalten dann seine Käufer vor allem billig Ware, ob diese allerdings auch preisgünstig ist, sei jedem zur Entscheidung selbst überlassen, der diese Nahrung essen oder die anderen Lockvogelprodukte konsumieren muss bzw. möchte.

 

In der Pressemitteilung der Globalisierungskritiker attac vom 17.11.2005 heißt es unter der Prämisse "Lidl verramscht Nahrung, Umwelt, Menschenrechte" wie folgt:

„[...]  Attac, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die Fair-Handelsorganisation BanaFair haben [...] gegen die Einkaufspolitik und die mangelnde Transparenz des Lidl-Konzerns protestiert [...] für das Recht der Konsumentinnen und Konsumenten, mehr über die Herkunft der billigen Lidl-Produkte zu erfahren. "Lidl versteckt sich vor der Öffentlichkeit und umgeht den Dialog mit Produzenten und Kritikern", sagte Jutta Sundermann von Attac. "Das wollen wir nicht akzeptieren. Wir sind hier, um dem Konzern zu sagen: Legt die Karten auf den Tisch und sorgt für anständige Produktionsbedingungen." Der Konzern, der als Reaktion auf Kritik die Verantwortung für das eigene Handeln bestreitet, gilt als überaus intransparent. Mit mehr als 600 GmbHs und Stiftungen hat sich die Lidl-Schwarz-Gruppe eine unüberschaubare und schwer angreifbare Struktur geschaffen.

Was Lidl mit seiner gewaltigen Marktmacht in den Produktionsländern anrichtet, erläuterte Natalia Landívar aus Ekuador, die eng mit der LandarbeiterInnen-Vereinigung FENACLE und BanaFair kooperiert. "Die Beschaffungspolitik marktbeherrschender Konzerne wie Lidl ist mitverantwortlich für die gravierende Verschlechterung sozialer und ökologischer Bedingungen auf den Bananenplantagen Ekuadors". Landívar berichtete von der Verletzung grundlegender Arbeits- und Gewerkschaftsrechte der BananenarbeiterInnen und Kinderarbeit sowie von Dumpingpreisen für kleine ProduzentInnen: "Für die billigen Bananen bei Lidl bezahlen die Menschen in Ekuador einen hohen Preis."

Auch in Deutschland drückt Lidl die Preise immer weiter nach unten. Die Bauern erhalten einen Milchpreis, der schon lange nicht mehr kostendeckend ist, sagte Georg Janßen, Geschäftsführer der AbL. [...] "Mit diesem Preisdruck macht Lidl kleine Höfe kaputt und zerstört die bäuerliche Landwirtschaft, und das lassen wir uns nicht mehr bieten. [...] Eine nachhaltige Milchproduktion, die qualitativ hochwertige Lebensmittel und gute Arbeitsbedingungen garantiert und sowohl umwelt- als auch sozialverträglich ist, wird bei Lidl-Dumpingpreisen unmöglich."

Weitere Informationen von und Kontakt zu Attac:

Jutta Sundermann, Tel. (0175) 8666 769;
http://www.attac.de/lidl-kampagne

Ver.di Publik schreibt auf Seite 9 seines Dezember Heftes (2005) unter dem Gesichtspunkt „Die Näherinnnen aus der Black Box - [.] Konzerne lassen ihre Kleidung [...] unter menschenunwürdigen [menschenverachtenden Arbeitsverhältnisse und -b]edingungen produzieren. [...] Sie nähen im Akkord wie in einer Legebatterie [...] bis zu 90 Stunden an sieben Tagen in der Woche:

"Starker Stoff bei Lidl & Co
Auch bei Lidl, Aldi, Plus und WalMart landen Billig-Textilien aus Südostasien in den Ramschkisten. Und so wie inzwischen die Wettbewerbsspirale in den Herstellerländern weiter die Löhne und Arbeitsbedingungen der Näher/ innen drückt, werden auch in Deutschland die Folgen einer schier grenzenlos billigen Produktion immer deutlicher. Konsumenten haben die Schnäppchenjagd zum Hobby gemacht oder sind so arm, dass das Geld nur für billig reicht. Die Discounter geraten dabei längst auch in die Preisspirale nach unten. Mit der Konsequenz, dass sich die Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten zunehmend verschlechtern."

 

Stefan Schörghuber 3,57 Mrd. DM

Kontrolliert die Bayerische Braustiftung J. Schörghuber & Co, Holding KG, die 57,4 % der Paulaner – Salvator - Beteiligungs AG und 98 % der Hacker - Pschorr-Beteiligungs AG hält. Der 35 jährige Schörghuber fungiert in beiden Gesellschaften als Aufsichtsratsvorsitzender. Er kontrolliert auch andere bekannte Brauereien, ist größter deutscher Coca – Cola - Abfüller und hat zahlreiche Brauereien in Asien gekauft. Daneben kontrolliert er etwa 170 Firmen, darunter die Hotelkette Arabella und die Fluggesellschaft Bavaria.

 
Familie Brost 3,57 Mrd. DM

Besitzt zusammen mit Familie Funke [nächste] die Essener WAZ-Gruppe mit dem Flaggschiff Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Beide Familien halten ferner 25 % des Otto-Versands in Hamburg (vgl. Nr. 11). Das Vermögen liegt zu 30 % bei Anneliese Brost und zu 20 % bei Erich Schumann, dem Adoptivsohn des Firmengründers Erich Brost. Schumann ist Mitgeschäftsführer der WAZ-Gruppe und investierte 1996 500 Mio. DM in den Bertelsmann Konzern (vgl. Nr. 24).

 
Familie Funke 3,57 Mrd. DM

[...] (WAZ-Gruppe, Otto - Versand). [...]

 
Alfred von Oppenheim und Familie 3,4 Mrd. DM

Kontrolliert das Privatbankhaus Sal. Oppenheim jr. & Co. in Köln, fungiert als Aufsichtsratsvorsitzender und sitzt gemeinsam mit Friedrich Carl und Manfred Oppenheim im Aktionärsausschuß. Geschäftsführer der Privatbank ist der ehemalige Bundesbankchef Karl - Otto Pöhl. Bilanzsumme: 29,6 Mrd. DM, Zinsüberschuß 1995: 184,6 Mio. DM, Gewinn: 60,6 Mio. DM.

 
Hasso Plattner 3,06 Mrd. DM

[.] 19,26 % Mitbesitzer und Vorstandsmitglied des größten deutschen Softwarehauses SAP [...].

(siehe aktuelle Anmerkung)

 

Hugo Mann und Familie 3,06 Mrd. DM

[...] Mann Mobilia und Wertkauf. [...]

 

MANN MOBILIA

Jetzt wird doch entlassen
Bei der Übernahme durch XXX Lutz war von Personalabbau noch nicht die Rede

[.] Im Sommer hat der österreichische Möbelkonzern XXX Lutz das Möbelhaus Mann Mobilia gekauft. Mann Mobilia besteht aus sieben Möbelhäusern im Südwesten Deutschlands, einem Lager in Mannheim und einer Hauptverwaltung in Karlsruhe. Entgegen ersten Ankündigungen der neuen Eigentümer wird es jetzt doch zu Entlassungen kommen. 98 der 171 Beschäftigten der Hauptverwaltung haben ihre Kündigungen erhalten, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Roland Wiesler. Für sie wurden ein Sozialplan und Interessenausgleich ausgehandelt. Betroffen sind vorwiegend Arbeitsplätze in Bereichen wie Rechnungswesen, Lohnbuchhaltung, Werbung, Rechtsabteilung, Buchhaltung, Warenwirtschaft, Controlling oder EDV. Diese Aufgaben sollen künftig in der Firmenzentrale im österreichischen Wels erledigt werden, wo die XXX LutzGruppe ihren Sitz hat. Bei Mann Mobilia arbeiteten bislang rund 1800 Beschäftigte. [...] Für die Beschäftigten des Lagers und in den Möbelhäusern haben die neuen Eigentümer dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Roland Wiesler bereits angekündigt, dass auch über die Wochenarbeitszeit, einen Tag weniger Urlaub und die Streichung von Zuschlägen geredet werden solle. [...] XXX Lutz ist der zweitgrößte Möbelhändler der Welt [... und gilt] nicht unbedingt als gewerkschaftsfreundlich."

Nachzulesen in VER.DI PUBLIK Dez. 05 Seite 7

  

Familie Röchling 2,72 Mrd. DM

Die alte Völklinger Familie beherrschte seit Mitte des vorigen Jahrhunderts einen Stahl- und Rüstungskonzern, zog sich Ende der 70er Jahre aber aus der Stahlindustrie zurück. Heute gehört 188 Familienmitgliedern und 84 anderen Gesellschaftern die Gebr. Röchling KG in Mannheim. Mit 66,5 % kontrolliert die Gesellschaft die Rheinmetall AG Berlin, die in der Rüstungsindustrie (Rheinmetall Industrie GmbH, Mauser Werke Oberndorf), Autozulieferindustrie (Pierburg GmbH, seit 1997 Kolbenschmidt GmbH), Maschinenbau (Jagenberg AG), Bürosysteme (Mauser - Waldeck AG) und Kommunikationsindustrie (Hirschmann) tätig ist. Zur. Röchling - Gruppe zählt auch die DeTeWe, die Deutsche Telefonwerke AG & Co. Berlin, Unternehmen der Meß- und Regeltechnik, der Kunststoff- und Automatisierungstechnik. Der Ehemann einer Röchling -Tochter, Kurt Wigand Freiherr von Salmuth, ist Vorsitzender des Gesellschafterausschusses. Georg Sigismund und Gebhard Freiherr von Salmuth gehören dem Gremium ebenfalls an. Umsatz 1995: 5,7 Mrd. DM, Gewinn: 27 Mio. DM, Beschäftigte: 25907.

 
Klaus Tschira und Familie 2,72 Mrd. DM

Mit 17,85 % Mitbesitzer und Vorstandsmitglied von SAP, dem größten deutschen Softwarehaus [...]).

 
Karl Diehl und Familie 2,55 Mrd. DM

Der 90jährige Karl Diehl, ein Duz - Freund von Franz Josef Strauß, sitzt noch immer im Verwaltungsrat der Diehl GmbH & Go, KG. Die Geschäftsführung des Familienkonzerns hat sein Sohn Thomas übernommen. Im Verwaltungsrat sind mit Werner und Peter Diehl weitere Söhne vertreten. Gesamtumsatz 1995: 3,1 Mrd. DM, davon 1,2 Mrd. im Rüstungsgeschäft. Weitere Aktivitäten in der Metall- und Elektronikbranche, z.B. Junghans Uhren. Beschäftigte 1995: über 13000.

 
Familie Simon 2,55 Mrd. DM

Besitzer der Bitburger Brauerei Th. Simon GmbH (Bitburger, Schultheiss, Köstritzer Schwarzbier, Gerolsteiner Brunnen, Bad Pyrmonter Mineralbrunnen u.a.). Geschäftsführer ist Dr. Axel Th. Simon. Umsatz 1995: 1,2 Mrd. DM, Gewinn: 38,8 Mio. DM.

 
Prinz Albert von Thurn und Taxis 2,55 Mrd. DM

Prinzessin Gloria von Thurn und Taxis, geborene Gräfin von Schönburg - Glauchan, [...] gesetzliche Vertreterin mit Generalvollmacht für den 14jährigen Sohn Prinz Albert [.]. Die Familie verfügt über weitläufigen Grundbesitz (ca. 36.000 ha) und gilt als Europas größter Waldbesitzer.

 
Familie Jahr 2,55 Mrd. DM

[...] 25 % des Grunar & Jahr Verlages. [...Miteigentümer sind Bertelsmann und RTL] Im Verlag erscheinen u.a. Stern, Brigitte, Frau im Spiegel, Eltern, Geo, Capital und TV-Today. Umsatz 1996/97: 4,73 Mrd. DM, Betriebsergebnis: 660 Mio. DM, Überschuß 1995: 242 Mio. DM.

 
Familie Freudenberg 2,55 Mrd. DM

[...] Freudenberg & Co. in Weinheim/Bergstraße [...] Mischkonzern, der in der Dichtungs- und Schwingungstechnik, Vliesstoffherstellung (u.a. Vileda) sowie in der Leder- und Schuhindustrie tätig ist und zahlreiche Industriebeteiligungen, vor allem in Japan, hält. Dr. Reinhart Freudenberg leitet das Unternehmen. Dem Gesellschafterausschuß gehören u.a. Hermann, Dieter und Dr. Wolfram Freudenberg an. Die Kapitalanteile liegen bei 275 Familienangehörigen und sind nur im Familienkreis übertragbar. Umsatz 1995: 5 Mrd. DM, Gewinn: 134,3 Mio. DM.


Familie Bosch 2,38 Mrd. DM

[Fam. ...] Bosch jr. besitzen 8% der Robert Bosch GmbH [...] Die Familie [...] ist aber nicht an der Unternehmensführung beteiligt. 92% der Anteile werden von der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH gehalten. Im Kuratorium der Stiftung sitzen die Familienmitglieder Irmgard Bosch und Eva Madelung. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Dr. Karl Gutbrod, fungiert gleichzeitig als Aufsichtsrat der Robert Bosch GmbH. Der Konzern ist u.a. in den Branchen Autoelektronik, Haushaltsgeräte und Kommunikationstechnik aktiv. Umsatz 1995: 35,8 Mrd. DM, Gewinn: 550 Mio. DM, Beschäftigte weltweit: 158 000.

 
Hans - Werner Hector 2,21 Mrd. DM

Mitbegründer von SAP [...v]erkaufte seine Anteile [.] bis auf 5%. [...]

 
Familie Knauf 2,21 Mrd. DM

[...] Gebr. Knauf Westdeutsche Gipswerke [...].

 
Reinhold Würth und Familie 2,21 Mrd. DM

[...]  Hersteller von Schrauben und Verbindungselementen. [...]

 

Was man mit Geld,
außer Fabriken bauen und Vermögen bilden,
noch so alles machen kann:

 

Milliardärsfamilie macht sich auch für Bildung stark

Die Würths gründen in Hohenlohe eine freie Schule mit reformpädagogischem Konzept ...  [Reformpädagogik wird an den staatlichen PH's zwar vermittelt, an öffentlichen Schulen jedoch kaum realisiert. Anm. P.B.]

Bettina Würth leitet [...] einen Weltkonzern. Jetzt [...] möchte die 44-jährige Milliardärstochter und Geschäftsfrau Bettina Würth auch dem Nachwuchs von Arbeitern und Ausländern eine Chance für eine ungewöhnlich gute Erziehung bieten. Schon im kommenden September wird deshalb [...] im Gebäude der ehemaligen Landwirtschaftsschule der Lehrbetrieb an einer neuen Privatschule starten. Diese soll mit finanzieller Hilfe der Unternehmerfamilie Würth „ein zusätzliches Angebot zur klassischen Schullandschaft" anbieten. „Wir wollen, dass jedes Kind die Schule als Gewinner verlässt", umschreibt Bettina Würth das Ziel der geplanten Ganztagseinrichtung, die sowohl auf Jahrgangsklassen als auch auf die gewohnte Unterrichtseinteilung in 45-Minuten-Blöcke verzichtet.

Seit zwei Jahren ist die Groß- und Einzelhandelskauffrau Mitglied der Konzernführung der Künzelsauer Firma Adolf Würth GmbH & Co KG, [... ein] weltweit operierende[r] Schraubenhandel mit 50 000 Mitarbeitern und mehr als sechs Milliarden Euro Jahresumsatz [...]. Als Vorbild gilt [...] die [.] Schule [...] in der [...] nach der Montessori-Pädagogik unterrichtet wird."

Nachzulesen in StZ Nr.3 vom 04.01.2006 S. 7

 
 

Familie Leibbrand 2,04 Mrd. DM

[...] Die Willi Leibbrand KG hält 100% der Offenbacher Lederfabrik Goldpfeil.

 
 Familie Reimann 2,04 Mrd. DM

Besitzer der Benckiser GmbH, ein Konzern mit Aktivitäten u.a. in den Bereichen Waschmittel (Calgon, Calgonit) und Parfüm (Joop, Jil Sander, Davidoff). [...] Günter Reimann - Dubbers vertritt die Familie im Aufsichtsrat des Benckiser Konzerns. Umsatz: 4,7 Mrd. DM, Gewinn: 101 Mio. DM, Beschäftigte: 9463.


Familie Conle 2,04 Mrd. DM

Die Conle & Co, OHG Duisburg besitzt 60,6% des größten deutschen Charterflugunternehmens LTU GmbH & Co, KG in Düsseldorf. [...] (WestLB, 34,3% der Anteile) [...]. Zur LTU gehören Beteiligungen an Jahn - Reisen, Transair, Meier's Weltreisen, Tjaerborg - Reisen u.a. Umsatz 1994/95: 3,9 Mrd. DM, Gewinn: 124,9 Mio. DM, Beschäftigte: 4990.

 
Familie Ströher 1,7 Mrd. DM

[...D]er Ströher Familie gehören insgesamt 78% des zweitgrößten Haarkosmetikherstellers der Welt, der Wella AG. Sylvia Ströher, welche die Familie im Aufsichtsrat vertritt, hält 25%, Erika Pohl 23%‚ Claudia Ebert 8,4% und Ursula Ströher 5,5%. [...]. Wella stellt u.a. Jrish Moos, Homme, Tosca und Gabriela Sabatini her. Der Konzern ist weltweit aktiv und hält zahlreiche Beteiligungen im In- und Ausland. Umsatz 1995: 3,5 Mrd. DM, Gewinn: 74,2 Mio. DM, Beschäftigte: 16500.

 
Familie Werhahn 1,7 Mrd. DM

190 Familiengesellschafter der rheinisch - katholischen Familie besitzen 49% der STRABAG AG in Köln, dem fünftgrößten deutschen Baukonzern. [...] Leitende Funktionen haben Anton, Michael und Wilhelm Werhahn, der die Familie auch im Aufsichtsrat der STRABAG vertritt. Die Familie soll Aktienpakete von RWE und Krupp - Hoesch besitzen und hält zahlreiche Beteiligungen, z.B. an den Zwilling - Werken in Solingen, der Wilkens und Söhne GmbH in Bremen und an Unternehmen der Baustoff- und Mühlenindustrie. (v.DB&HM)

 

 

Der Mittelstand stellt in Deutschland sieben von zehn Arbeitsplätzen, er bildet acht von zehn Lehrlingen aus und erwirtschaftet knapp 60 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. [...] So geht es in den allermeisten Mittelstandsfirmen nicht um die Bedienung gieriger Aktionäre. Der Profit finanziert - zusammen mit den Krediten der Banken -Wachstum und Innovation, also das langfristige Überleben des Unternehmens. Und so gibt es auch in Deutschland genügend Betriebe, die kämpfen, ihrem eigenen Willen folgen und sich der reinen Lehre des Kapitalmarkts widersetzen.

[...] Eine Eigenkapitalrendite von mindestens 20 Prozent, dazu soll das Unternehmen jedes Jahr um gut zehn Prozent wachsen. [...] ein Unternehmen, dass zu 100 Prozent im Familienbesitz ist. Natürlich zählt auch [...] der Gewinn. »Unsere Anteilseigner wollen schon Geld sehen, [...] [a]ber sie sind keine Kuponschneider.« Der Familie geht es um die Zukunft der Firma. Der Vorteil: Geld und Strategie kommen [...] aus einer Hand. Und wenn die Inhaber überzeugt sind, dass sich die Investition in ein teures Produkt langfristig lohnt, sind sie dafür auch bereit, kurzfristig auf Rendite zu verzichten.

»Den Mitarbeitern und der Heimatregion gerecht zu werden ist für Mittelständler eine Selbstverständlichkeit« [...] Wer seine Beschäftigten fair behandele, sie fördere und so ihre Motivation steigere, stehe besser da [... d]as Personal ist der einzige wirklich steigerungsfähige Erfolgsfaktor, den die industrialisierten Volkswirtschaften des Westens noch haben.« Statt Milliarden zu investieren, um die Menschen aus den Unternehmen zu werfen, solle die Wirtschaft darüber nachdenken, mit demselben Geld ihre Beschäftigten anders einzusetzen und Innovationsrate, Kundenbindung sowie Produktivität zu steigern."

aus DIE ZEIT 01.12.06 S.27

 
In der vorangegangenen Auflistung der Vermögenden sind allerdings die meisten Mitglieder der althistorischen Landlords überwiegend unberücksichtigt geblieben, also just jene Herrschaften mit vorgeblich bläulichem Blut, deren bessere Hälften so gern ausladende Hüte tragen. Die wirtschaftlichen Aktivitäten und politische Einflussnahme dieser einstigen Erben göttlicher Gnaden sind seit den kriegerischen Wirren des vergangenen Jahrhunderts, außer der PR einiger bevorzugt Schirme schwingender Exoten, zunehmend dem wirtschaftsanalytischen kritischen Bewusstsein der Öffentlichkeit entschwunden und geistern nur noch durch die einschlägigen Boulevardgazetten. In einer ihrer altehrwürdigen Residenzen gewährten 2005 einige wenige der Von und Zu's anlässlich einer Wahlabendparty zur Parteien(qual)wahl einen dezenten Hauch von Einblick in deren höchsteigene Auffassung von Gemeinsinn:
In einem politischen öffentlich rechtlichen Magazin kam zur Sprache, dass die erlauchten Damen und Herren ihre Aktivitäten künftig wohl doch eher in Billiglohnländer auszulagern trachten, wenn sich nicht die rechte politische Strömung in unserem Lande durchzusetzen vermag. Ob diese Auffassung als repräsentativ für diese Gesellschaftsschicht betrachtet werden kann, muss unsere Zukunft erweisen.

 

Gerade die Süddeutschen pflegen zunehmend wieder Ihren einstigen "Herren" mit Erlaucht und ähnlich antiquierten Begriffen zu schmeicheln, um nicht zu sagen zu schleimen. Die rechtliche Wirklichkeit dieser Herrschaften jedoch definiert treffend eine Leserin des Wochenmagazins DIE ZEIT, Frau Heide B., eine Lehrerin aus Wien. In der Ausgabe vom 07. Mai 2009 in Nummer 20, stellt sie unter dem Titel

"Die Gräfin?"

fest, dass es in Deutschland keinen Adel mehr gibt. Und dies ist keinesfalls hintergründig zu verstehen, sondern ganz direkt, weil es ...

..- den Adel [...in unserem Lande] nicht mehr [gibt, ...] denn Majestäten, Hoheiten, Durchlauchten und Erlauchten sind in Deutschland passe [...] Es gibt bei uns keine bevorrechtigten Klassen, folglich [auch] keinen Adel mehr [...] weil sich unser Land vor fast 90 Jahren von einer konstitutionellen Monarchie in eine parlamentarische Republik verwandelte. Die am 11. August 1919 von der Nationalversammlung beschlossene [..] Weimarer Verfassung [...] mit den Grundrechten und den Grundpflichten in Artikel 109 unter anderem die Aufhebung des Adels, der bislang auch nicht wieder zugelassen wurde (bestätigt mit Artikel 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland): »Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich. (...) Öffentlich-rechtliche Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes sind aufzuheben. Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden. Titel dürfen nur verliehen werden, wenn sie ein Amt oder einen Beruf bezeichnen; akademische Grade sind hierdurch nicht betroffen.«

Quasi über Nacht wurden aus Edelleuten normale Bürgerliche; sie alle verloren ihre Adelsprädikate, die flugs ihren Familiennamen de jure hinzugefügt wurden. [...]"


Mit den moralischen Aspekten in der geschichtlichen Entwicklung unserer Hochwohlgeborenen hat sich ausgiebig der aufklärende Schriftsteller Bernt Engelmann in seinem Buch ...

Die Aufsteiger
Wie Herrschaftshäuser und
Finanzimperien entstanden
"
(ISBN 3-88243-119-9)
 

 

... befasst. Bei dessen Lektüre vermittelt sich zwingend der Eindruck, dass just jene eigennützige Amoral, die gerade erst auch in der aktuellen Finanzkrise einmündet(e), genau so wenig eine neue Erfindung ist, all die vielen anderen historisch bereit begründeten gesellschaftlichen Unarten. So heißt es treffend auf der Backpage besagten Buches:
 

[Dies ist e]in gefährliches Buch, das manche Illusion zerstör[t ...], etwa das Kindermärchen, dass man/ frau allein mit Fleiß, Anstand, Sparsamkeit und etwas Glück zu gigantischem Reichtum kommen und damit eine für alle Zeiten gesicherte Dynastie begründen könne. [... H]ier geht es um den ganz großen Reichtum, der sich bis in Himalaya - Gipfelhöhe auftürmen ließe und ebenso beständig ist wie dort das ewige Eis! Für die Anhäufung so gigantischer Vermögen sind Treu und Redlichkeit ganz und gar nicht vonnöten, sogar sehr hinderlich. Dazu braucht man/frau kühne Strategien und ein Mindestmaß an Skrupeln ! Bernt Engelmann [...] hat mit sorgfältigen Recherchen erkundet und anschaulich dargestellt, wie der Reichtum und die damit verbundene Macht der schon seit Generationen superreichen Familien dieser Erde entstanden ist - von der Zeit vor der großen Französischen Revolution bis in die jüngste Gegenwart"

 

 

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Eine weitere Buchempfehlung
zum immerwährend aktuellen Thema Geld:


 
Dieter Korczak (Hg.)

Geld und andere Leidenschaften
 
Macht,
Eitelkeit und Glück

„Zum Golde drängt, am ,Gelde' hängt doch alles": Geiz und Glück, Gier und Luxus, Macht und Status, Eitelkeit und Narzissmus, Armut und Mangel sind Facetten des seit Jahrhunderten währenden Gold- und Geldrausches. Ausschließlich auf Geldvermehrung fixiert, häufen wenige Menschen immer mehr Geld zu immer höheren Geldtürmen. Die privaten Vermögen (Barvermögen, Luxusgüter) entziehen sich unserer Vorstellungskraft.

Doch: Macht Geld auch glücklich? Was für eine Art der Befriedigung schaffen diese immensen Geldbeträge? Dienen sie nur als Ersatz für andere Leidenschaften? Wie wirken sich Reichsein und Geldhaben auf das menschliche Wohlgefühl aus?

Die Beiträge in diesem Sammelband geben auf diese Fragen differenzierte Antworten. Soziologen, Psychologen, Ökonomen, Bankiers und Erziehungswissenschaftler, Glücksforscher und Unternehmer äußern sich aus ganz unterschiedlicher Sicht zum „Wert des Geldes" als „Maßstab für Wert", zum „Geld als Glücksbringer" und zur „Verantwortung", die mit dem Besitz von Geld verbunden ist.

Das Buch erscheint im Asanger Verlag mit der ISBN 3-89334-456-X (siehe hierzu unter http://www.asanger.de).

 

weitere Informationen zum Autor finden Sie | hier ... |

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Die Einkommen
der deutschen Topmanager

 
Zitation aus Wasserprediger und Weintrinker:

„British Gas schlüsselt [...] auf, was seine Vorstandsmitglieder verdienen. [...] Auch in Schweden und Frankreich sollen die Vorstandsbezüge offengelegt werden. In den USA haben die institutionellen Anleger ebenfalls durchgesetzt, dass die Vorstandsetagen sämtliche Gehaltsbestandteile bekanntgeben müssen.

 

(STN 02.08.04 S.1)

 
Die Herren in bundesdeutschen Führungsetagen lieben es diskreter. Dennoch ist offensichtlich, dass unsere Firmenlenker sich nicht lumpen lassen, wenn es ums Geldverdienen geht - trotz flotter Sprüche über wettbewerbsschädigende soziale Besitzstände und immense Arbeitskosten im Hochlohnland Deutschland. Die Gehälter der Vorstände vieler deutscher Unternehmen lassen sich nur [kalkulatorisch] schätzen. [...]

Zum Beispiel Bertelsmann: Für das Geschäftsjahr 1994/95 wies der zweitgrößte Medienkonzern der Welt Gesamtbezüge des Vorstandes in Höhe von 30.124.523 Mark aus. Für die acht Vorstandsmitglieder Mark Wössner, Gerd Schulte Hillen, Dr. Michael Dornemann, Dr. Siegfried Luther, Dr. Thomas Middelhoff, Bernhard von Minckwitz, Dr. Gunter Thielen und Frank Wössner ergibt sich ein Jahresgehalt von durchschnittlich 3.765.565 Mark. Vorstandsvorsitzender Mark Wössner liegt bei etwa 5,5 Millionen und ist damit Topverdiener im deutschen Management, zumindest was die in den Geschäftsberichten der Unternehmen publizierten Summen angeht. [...] Die Bertelsmänner waren 1995 die bestbezahlten Manager in Deutschland. Das durchschnittliche Gehalt der Beschäftigten von Bertelsmann betrug im gleichen Jahr 65.613 Mark. Ein Vorstandsmitglied verdiente 57mal soviel. Oder anders ausgedrückt: Vom Gehalt der acht Chefs könnten 459 ArbeitnehmerInnen bezahlt werden - die Belegschaft eines mittelständischen Betriebs.

[Der Spiegel nennt auch für den ehemaligen Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, einen Peanuts - Betrag von rund vier Millionen Mark Jahresgehalt. Laut Geschäftsbericht der Deutschen Bank verdienen dessen Vorstandskollegen durchschnittlich knapp zwei Millionen.]

Von den 100 größten deutschen Firmen [...sind ü]ber die Hälfte [deren] Manager [.] Einkommensmillionäre. [...]

Soweit die beiden Autoren Dorothee Beck und Hartmut Meine in ihrem gemeinsamen Buch zum Wassertrinken anno 1995. Sie lieferten damals auch noch die folgende Auflistung zu den in jener Zeit wenigstens einigermaßen bekannten Managereinkommen. Darin ist auch das damals noch bescheiden ausgefallene jährliche Salär des Herrn Jürgen Schrempp aufgeführt, jenes Oberlenkers des späteren DaimlerChryslerWeltKonzerns, der infolge seiner erfolgreichen Unternehmensführung Ende 2005 aus allen Geschäftsbereichen dort ausschied. Hierzu mehr unter Daimler-Benz / Jürgen Schrempp.
 

Die 20 bestbezahlten Manager:
 

Jahresverdienst/
Stundenlohn/DM

Firma/
Vorstandsvorsitzender
3.765.565
1.202
Bertelsmann
Mark Wössner
2.752.500
879
Adidas
Robert Louis-Dreyfus
2.307.000
737
Haniel
DieterSchadt
1.990.236
635
Daimler-Benz
Jürgen Schrempp
1.962.186
626
Deutsche Bank
Hilmar Kopper
1.948.250
622
IBM Deutschland
Edmund Hug
1.888.889
603
BASF
Jürgen Strube
1.808.714
577
Karstadt
Walter Deuss
1.763.065
563
Volkswagen
Ferdinand Piéch
1.700.000
543
Thyssen
Dieter Vogel
1.675.000
535
ITT
Klaus Lederer
(ausgeschieden)
1.645.402
525
Bayer
ManfredSchneider
1.628.958
520
Spar
Helmut Dotterweich
1.623.400
518
Continental
Hubertus von Grünberg
1.614.286
515
BMW
Bernd Pischetsrieder
1.589.845
508
Dresdner Bank
Jürgen Sarrazin
1.473.492
470
Metallgesellschaft
Karl-Josef  Neukirchen
1.463.025
467
Mannesmann
Joachim Funk
1.460.000
466
Krupp-Hoesch
Gerhard Cromme
1.460.000
466
VEBA
Ulrich Hartmann

Stand 1995." (aus DB&HM)

 

 2006 - Manager aktuell:
 

6.950.000 Euro   für   Joseph Ackermann,
Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG
(siehe auch nachfolgenden Zeitungsausschnitt unten)
1.750.000 Euro   für   Hasso Plattner,
ehem. SAP-Vorstandssprecher
1.700.000 Euro   für   Nikolaus Schweickart,
Vorstandsvorsitzender der Altana AG
1.700.000 Euro   für   Werner Seifert,
Vorstandsvorsitzender der Deut. Börse AG
1.350.000 Euro   für   Werner Wenning,
Vorstandsvorsitzender der Bayer AG
1.240.000 Euro   für   Ekkehard Schulz,
Vorstandsvorsitzender der Thyssen-Krupp AG

Wohlbemerkt, nur wenige Konzernchefs
veröffentlichen ihr Gehalt.

nachzulesen in der STN Nr. 115/2003
bezüglich 2002 unter dem Titel:

 "Bremse gegen Raffgier von Managern"

 

Unter dem Titel "Banken: Verrechnet" war in der "DIE ZEIT" Nr. 15 (1.4.04) zu lesen, dass der Deutsche Bank Vorstandssprecher Josef Ackermann mit 11 Millionen Euro im Jahr 2003 mehr verdiente, als jeder andere deutsche Manager, sogar deutlich mehr als der siebenköpfige Vorstand der Commerzbank (zusammen 7 Millionen Euro) oder der sechsköpfige der HypoVereinsbank (zusammen: 8 Millionen Euro). Verglichen mit der obigen Vorjahresinformation der STN kommt dies nahezu einer Verdopplung seiner Vorstandsbezüge gleich.

„[...] Für Kopfschütteln sorgten in der Frankfurter Bankenszene vor allem die Bezüge der drei Vorstandskollegen von Ackermann, die nach der Änderung des Führungsmodells an sich nur noch Stabsfunktionen wahrnehmen. Sie erhielten jeweils 5,2 Millionen Euro". Und weiter hieß es hier „Die Gehaltssteigerungen der vier Deutsche- Bank- Vorstände beliefen sich im abgelaufenen Jahr auf 10 Millionen Euro. Umgerechnet auf die knapp 22.000 Tarifangestellten des Kreditinstituts in Deutschland, macht das rund 450 Euro pro Kopf [...].".

Anlässlich des Mannesmannskandals und der Wiederaufnahme der Verfahren gegen Ackermann, Esser et. al. widmet DIE ZEIT am 21.12.2005 dem aus der Schweiz kommenden Banker mit einem Faible für angloamerikanisches Investmentbanking auf zwei Druckseiten eine lesenswerte mehrspaltige Kurzretrospektive über dessen bisherige Bankerkarriere mit all ihren Höhenflügen und Niederungen ....

Lassen wir uns doch noch einmal überraschen, wer in der nun folgenden Runde „unsere" Gesetze wie und in wessen Interesse auslegen wird?!

 

Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines mittleren Arbeiters liegt bei Brutto 25 - 30.000 Euro (bei Lohnsteigerungsraten von maximal 2%)

 

Ergänzung zu Esser's MillionenDarüber hinaus haben sich die Vorstandsspezialisten, wie wir inzwischen aus den aktuellen Entwicklungen wissen, neue Einkommensquellen erschlossen, die gerade dann zu sprudeln beginnen, wenn die Herren und wenigen Damen mit ihrem Wirken im eigentlichen Sinn versagt haben. Was sie dabei "verdienen" kann in Relation zum Otto- Normalverbraucher am Beispiel der 30 Millionen Euro Abfindung und deren möglichen Zinseszinsen des ehemaligen Mannesmann - Vorstands <Klaus Esser> recht anschaulich verdeutlicht werden, wie dies <Helmut Creutz> in seinem Artikel hier bei uns realisiert hat. Als Beitrag zur Vertrauensbildung des Normalbürgers in die Kunst ihrer Profis und Förderung ihrer Konsumbereitschaft kann dieser heute schon durchaus gängige Akt wohl kaum empfunden werden. Und dass die deutsche Gesetzgebung ausgerechnet hier mal wieder ihre Lücken erweist, zeigt, wer diese Gesetze bei ihrer Entstehung im wesentlichen beeinflusst hat.

Unter dem Titel „Klaus Esser muss Niederlage einstecken" >beschwichtigt< der Journalist Jürgen Zurheide am 28. April 2005 seine Lesergemeinde in der StZ indem er feststellt, dass der Ex- Mannesmann- Chef das von ihm geforderte Schmerzensgeld in Höhe von 200.000 Euro wegen der von den Behörden gegen seine Person durchgeführten strafrechtlichen Ermittlungen vom Düsseldorfer Berufungsgericht nicht zugesprochen bekommen habe. Aber, so wörtlich, „Es hat sich gelohnt, dieses Verfahren zu führen" hätte Klaus Esser den Journalisten am Ende mit auf den Weg gegeben, denn das Gericht hatte ihm doch immerhin Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro zugebilligt, um dem armen Manager jene Schmerzen doch wenigstens zu lindern, deretwegen Klaus Esser abermals vor Gericht gezogen war, weil er sich nie mit den Ermittlungen gegen sich habe abfinden können. „Im jetzt beendeten Zivilverfahren hat Esser [.] versucht, die gesamten Ermittlungen gegen ihn für unrechtmäßig zu erklären."
 

DIE ZEIT vom 20.10.2005 Seite 40:

Gier vor Gericht

Der Bundesgerichtshof will den Mannesmann-Prozess offenbar neu verhandeln lassen.

Gleich zu Beginn die Enttäuschung. Klaus Tolksdorf sagt: »Wir werden hier keine grundsätzlich neuen Antworten auf die Frage geben, ob das Strafrecht der Vergütung von Managern Grenzen setzt.« Ob aber »Zahlungen in solcher Höhe moralisch anstößig sind, ob sie den gesellschaftlichen Frieden gefährden, darüber mag man geteilter Meinung sein«. Man kann also auch ja sagen. [...]" 

Am 26. Oktober 2006 war es dann endlich so weit - der noch immer weit hin bekannte Mannesmann(öffentlichkeits)prozess ging in seine erzwungene zweite Runde.

Die STUTTGARTER schrieb am 27.10.06 in Nummer 249 auf Seite 13 hierzu, dass Herr Ackermann sich darum bemüht habe, tadellos und frei von Provokation aufzutreten. Der somit neuerdings noch höchst bescheidene Mann sei außerdem auch der einzige von all den netten Mitangeklagten gewesen, der sein Einkommen offen gelegt habe. Josef Ackermanns' Einkommen belaufe sich demnach, oh Wunder, nicht mehr nur auf 11, sondern auf 11,9 Millionen, zuzüglich weiterer Kapitalerträge und Bezüge, summa summarum also zwischen 15 bis 20 Millionen - auf ein paar mehr oder weniger, soll es ja auch nicht mehr ankommen. Das Publikum im Gerichtssaal habe diese Offenbarung mit höflich verhaltenem Erstaunen aufgenommen.

Demnach dürfte also jeder Deutsche Bank Angestellte die Bezüge seiner Vorstände nicht nur mit 450, sondern mit etwa dem Doppelten davon subventionieren. Wie viele Kinder von solchen Angestellten würden sich einer besseren Bildung, Gesundheit und Lebensqualität erfreuen, wenn ihren Eltern so mir nichts dir nichts plötzlich 900 Euro pro Jahr mehr zur Verfügung stünden.
Aber so darf man öffentlich natürlich nicht denken und schon gar nicht schreiben, denn ohne Ackermänner gäbe es ja auch keine Bank und somit auch keinen Arbeitsplatz und somit noch weniger versorgte Kinder - oder etwa nicht?

 
 

Statt "Manager" wie Ackermann und Esser, falls sie verurteilt werden, ins Gefängnis zu stecken, sollte man - sozialpolitisch und pädagogisch wertvoll - sie verurteilen zu zehn Jahren Harz IV (unter Einfrierung ihres gesamten Vermögens - auch auf zehn Jahre).

... die Tatsache, dass vor Gericht der einzige Ort zu sein scheint, an dem Manager überhaupt noch wirksam belangt werden können ...

aus Leserzuschriften in DIE ZEIT v.09.11.06 S. 27

 
Mangels öffentlichem Interesse ...
... wurde das Verfahren im Mannesmannprozess von Stefan Drees, dem vorsitzenden Richter am Düsseldorfer Landgericht, gegen Auflagen aus der Portokasse eingestellt !!!

"War da was?  Nun ja, immerhin der angeblich größte, wichtigste Prozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Jedenfalls der mit den prominentesten Namen. Die Sache Mannesmann. Jahrelang hat sie die Redaktionen der meisten europäischen Blätter bewegt, die Teams ungezählter TV-Stationen auf Trab gehalten, die Hirne an den Stammtischen zum Glühen gebracht."

DIE ZEIT v. 30.11.06 S.30 (nicht Seite 1)

Heute schreiben wir beinahe Weihnachten 2006. Rechtzeitig zum Nikolaus ist der zweite Prozess, wie ein Riesengeschenk an die Mannesmannakteure, in Düsseldorf sang und klanglos untergegangen. Wir sind dergleichen in Deutschland in der Nachehrenmännerära von Kohl über Pfahls bis Strauss inzwischen ja schon gewohnt. Wer wagt unter solchen Umständen noch Italiens recht emsigen Medienmogul und Spezialpolitiker Berlusconi als mafiös zu bezeichnen?

Gegen Bezahlung einer im Verhältnis kleinen Abstandssumme durften die ehrenhafte Exclusivanzugträger aus den einstigen und aktuellen Vorstandsetagen von Mannesmann und Deutsche Bank ihr seriöses Köfferchen der Internas und des Backgroundmanagement erfolgreich im Gerichtssaal endgültig zuklappen und die ungeliebte Wirkungsstätte der Justitia (das ist die inzwischen tendenzielle Göttin mit den sicherlich nicht zufällig verbundenen = geblendeten Augen) nach spontaner Selbstauslegung anscheinend straffrei  verlassen. Die Deutsche Bank und mit ihr die mit diesem Institut eng verbundenen Gönner mögen es der recht sprechenden (siehe unter Gerechtigkeit) noch immer traditionsbewussten deutschen Justiz danken, dass ihnen der seit langen Jahren gewohnte, mehr oder weniger sensible schweizer Supervictorybanker zur weiteren globalen Arbeitsplatzverschiebung erhalten bleibt. Und, wie schon einmal erlebt, formen sich auch diesmal, nur  ein klein wenig verdeckter, die V - aus in den dunkelblauen Manteltaschen, schließlich fühlen sich die ehrenwerten Herrschaften ja wahrhaft unschuldig bezüglich ihres eigennützigen internen sozialen Absicherungsverhaltens.

 
"Eiertanz im Saal 111

Zur Erinnerung: Es geht um [...] Prämien und Abfindungen von 57Millionen Euro. Untreue nennen Juristen das ...
Geflossen ist das Geld [..] 2000, nach der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch [...] Vodafone. Angeklagt sind [...] Josef Ackermann [...], Joachim Funk [...], Klaus Zwickel, der der IG Metall vorstand. Außerdem Klaus Esser [...] Die Einzelprämie für ihn, 16 Millionen Euro, hielt und hält sich beständig im Fokus des öffentlichen Interesses".

DIE ZEIT v. 30.11.06 S.30

 
Moral, was ist das, und vor allem für wen?

"Und auch wer weiß, dass in Strafprozessen Moral und Ethik keinen Platz haben, schon gar nicht das berühmte gesunde Volksempfinden, wird staunen dürfen. So einfach und so schnell können die Vertreter des Gesetzes ihr Handtuch werfen, ohne auch nur ernsthaft zu versuchen, einen passenden Haken zu finden."

" ... wenn Josef Ackermann 3,2 Millionen Euro zahlt, Klaus Esser 1,5 Millionen und Joachim Funk eine Million. Klaus Zwickel kommt mit 60 000 Euro davon".

DIE ZEIT v. 30.11.06 S.30

 
Der momentan noch aktuelle Ausgang der Mannesmannaffäre lehrt den einfachen Mann von der Strasse, wenn die Gemeinschaft in diesem Land über die eintreibende Justiz mit 10 % an der Gesamtsumme der doch recht beachtlichen ("Beute-")Summe von knapp 60 Millionen beteiligt wird, dann lassen sich die Augen der Justitia in ganz besonderer Weise nachhaltig verbinden.

"Haben wir hier schon eine 'Ökonomisierung des Strafverfahrens'? Wer bereits viel Geld hat, kann sich [..] freikaufen. Aber das Gericht soll doch gerade klären, [...] ob zu Recht so viel Geld erworben wurde. [...] wurde eine Chance zur [...] Orientierungshilfe [...] vertan"

"... empfinde ich es als blanken Hohn, wenn Herr Ackermann bei der Einstellung des Verfahrens im Mannesmann-Prozess mit einer Geldauflage von 3,2 Millionen Euro bei einem geschätzten Privatvermögen von rund 100 Millionen Euro davonkommt. [...] Die Großen können sich freikaufen, die Kleinen hängt man."

"Nach der Einstellung des Strafverfahrens gegen den Partei-spendensünder Helmut Kohl drängt sich [...] der Eindruck auf, die Strafjustiz lasse prominente Straftäter straffrei ausgehen, den 'kleinen Mann auf der Straße' aber bestrafe sie. [...] Der Fall Ackermann und andere führt einmal mehr das Straf- und Strafprozessrecht ad absurdum. Wenn selbst in diesem Fall, der längst als Paradigma der Wirtschaftskriminalität in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte gilt, die Einstellung "erkauft" werden kann, kommen künftig [...] Staatsanwälte und Richter nicht mehr daran vorbei, gegenüber Wirtschaftskriminellen einen schwunghaften Ablasshandel zu eröffnen.

Fatal ist außerdem, dass die Verfahrenseinstellung nicht einmal schriftlich zu begründen ist [, ...] an denen sich die Rechtspraxis orientieren könnte. So haftet [der] Verfahrenseinstellung der Odem des Unkalkulierbaren und der Kungelei an. Dies untergräbt die Autorität der Strafjustiz".

DIE ZEIT v. 14.12.06 S.24

 
Die Generalbundesanwaltschaft wird diesmal sicherlich keinen Einspruch mehr einlegen. Im letzten Jahr noch wäre eine solcher "Freispruch" unter Berücksichtigung des Volkes Wille nicht möglich gewesen, aber inzwischen hat sich ja auch die Politk gewendet und einschlägige Medien haben des Volkes Wille geführt, haben drastisch aufgezeigt, welch herber Verlust ein Profi vom Schlage Ackermann für die Bankenwelt wäre. Selbst Essers' Image ist auf diese Weise zu dem eines bedauernswert Verführten gesunken. Es geht in unserer Geldwelt nicht um die Pfründe, auch die Ehrenhaftigkeit dabei muss stimmen. Die erkennbare Resonanz des Volkes hält sich nach stetiger Abnutzung in Grenzen, wen wundert?

Doch noch immer regt sich auch ganz offiziell Unmut, wie in den folgenden Zeitungsleserzuschriften:

"Der Prozess hätte zu Ende geführt werden müssen [...] Die Begründung für die Einstellung ist abenteuerlich: Es kann überhaupt nicht die Rede davon sein, dass kein öffentliches Interesse mehr an der Fortsetzung des Verfahrens besteht. Ich habe daher Strafanzeige wegen Strafvereitelung im Amt [...] gestellt [..]. Durch die Einstellung des Verfahrens ist mein Vertrauen in die deutsche Justiz nachhaltig erschüttert worden. ..."

DIE ZEIT v. 14.12.06 S.24

 
"Mit dem Kuhhandel vom Düsseldorfer Landgericht hat sich der Rechtsstaat seiner Glaubwürdigkeit beraubt .... das ist Edeldünger für die Feinde eines demokratischen Rechtsstaates ... [wo] rechtschaffenen kleinen und fleißigen Leuten ins Herz gestochen wird."

"Eine klatschende Ohrfeige für den ehemaligen Generalbundesanwalt und eine ... für den Strafsenat beim BGH, die beide für die Revision im Mannesmann-Prozess standen"

"Jetzt haben wir den Beweis: Deutschland ist eine Bananenrepublik! ... ein Herr Ackermann und weitere Mannesmann-Profiteure können sich ... aus der Portokasse freikaufen."

STUTTGARTER NACHRICHTEN vom 08.12.2006

 

Wer noch immer glaubt, dass nur rücksichtslose Computerspielvorbilder Menschen zu unsozialer Gewalt animieren, der irrt, auch vorgelebte und erlebte willkürlich erscheinende Ungerechtigkeit und Perspektivlosigkeit provoziert Demütigung durch aufgezwungene Macht- und Bedeutungslosigkeit.

Alle Macht geht vom(/dem) Volke aus.

 
So regt sich letztlich auch niemand, wenn die täglich für uns ackernde Männer im Gesamten überproportional viel einstecken, anbetracht der einfachen Multimediagötter à la Jauch und Christiansen, die nebenbei geschwind 10 Millionen fürs Quasseln mitnehmen. Wer produziert hier wohl mehr Volksvermögen?

 

Energieversorgungskonzerne 2004/5:

Eon Vorstandsvorsitzender:
Wulf H. Berntat

Gehalt 2004: 3,1 Mio. Euro
Umsatz Jan.-Sept. 2005: 39,9 Mrd. Euro
Gewinn*
(= vor Steuer und Zinsen) Jan.-Sept. 2005: 5,5 Mrd. Euro
Umsatzrendite. 13,8 Prozent

RWE Vorstandsvorsitzender:
Harry Roels
Gehalt 2004: 4,8 Mio. Euro plus Aktienoptionen im Wert von 7,5 Mio. Euro
Umsatz Jan.-Sept. 2005: 29,4 Mrd. Euro
Gewinn* Jan.-Sept. 2005: 4,7 Mrd. Euro
Umsatzrendite: 16 Prozent

Vattenfall Europe Vorstandsvorsitzender:
Klaus Rauscher

Gehalt 2004: 1,1 Mio. Euro
Umsatz Jan.-Sept. 2005: 8,8 Mrd. Euro
Gewinn* Jan.-Sept. 2005: 0,81 Mrd. Euro
Umsatzrendite: 9,2 Prozent

EnBW Vorstandsvorsitzender:
Prof. Utz Claassen
Gehalt 2004: 4,2 Mio. Euro
Umsatz Jan.-Sept. 2005: 7,6 Mrd. Euro
Gewinn*  Jan.-Sept. 2005: 1,1 Mrd. Euro
Umsatzrendite: 14,5 Prozent
"

(Quelle: Stern 2/2006 S.102)

 

Auch bei der EnBW scheint der Haussegen schief gehangen zu haben. Die ENBW ist jener Energieriese, dem das Land Baden Württemberg und mehrere Kommunen erst vor wenigen Jahren ihre regionalen Energieversorgungsunternehmen gewissermaßen als letztes Tafelsilber verscherbelt haben (davon sollen 3,5 Mrd. ín die Landesstiftung geflossen sein). Eva Drews schreibt am 28. April 2005 in der StZ unter dem Titel ,,DER STAATSANWALT ERMITTELT", dass gegen den EnBW-Chef ermittelt werde, gegen dessen Jahresverdienst von nahezu 4,2 Millionen Euro laut dem französischen Staatskonzern Electricité de France (oh, habe die Franzosen ihre Energieversorger etwa noch nicht verramscht sprich privatisiert?) für die diesjährige Hauptversammlung ein Votum vorgelegen hätte. Zur Begründung des exorpitanten Gehalts des Vorstandsvorsitzenden Claasen hieß es in der Zeitung im Wortlaut:

„Zugetragen hat sich das Ganze [...] im Personalausschuss des EnBW-Aufsichtsrats, in dem [...] Marc Boudier, [...] der bisherige Ulmer Landrat Wolfgang Schürle sowie [...] die Betriebsräte Peter Neubrand und Rolf Koch [...] gemeinsam die Höhe des flexiblen Gehalts des Vorstandschefs fest[gelegt hätten]. Dass es für Claassen rund 3,4 Millionen Euro Tantieme geworden sind, lag an den Betriebsräten [...]: Sowohl Neubrand als auch Koch sollen für das fürstliche Gehalt votiert haben. [...] Neubrand und Koch hatten bereits Anfang des Jahres mit einem Schreiben, das sie im Namen des gesamten EnBW-Betriebsrats versandten, Claassen demonstrativ den Rücken gestärkt und sich damit bei vielen Arbeitnehmervertretern in die Nesseln gesetzt. Neubrand hat dadurch den Vorsitz des Gesamtbetriebsrats verloren. stellvertretender Aufsichtsratschef und Mitglied des Personalausschusses ist er aber nach wie vor. [... Letztlich] sollen dann zwei Vertreter der Arbeitnehmer [...] gemurrt haben, ein solches Gehalt passe nicht in die heutige Zeit. Dennoch passierte die großzügige Entlohnung das Kontrollgremium. Zum Vergleich: die Tantieme von Wulf Bernotat. Chef des Dax- notierten Konkurrenten Eon für das Jahr 2004 belief sich [... auf] insgesamt 3.1 Millionen Euro [...]. 'Und wenn ich der Staatsanwalt wäre, der gegen Claassen wegen Bilanzfälschung ermittelt, würde es mich erst recht interessieren, wenn Herr Claassen von einer großen wirtschaftlichen Differenz zwischen den Jahren 2003 und 2004 finanziell profitiert'."

EnBW hat inzwischen ordentlich an der Gaspreisschraube gedreht und weitere Strompreissteigerungen werden folgen - die Politik scheint dabei, wie gehabt machtlos (siehe <Staat>).

Unter der Überschrift "Panne im ENBW-Verfahren kostet Anklägerin die Karriere", war in der StZ am 15. Nov.2005 auf Seite 6 zu lesen, dass eine ordentliche Staatsanwältin, die des Öfteren schon erfolgreichgegen sich rechtlich eigenwillig verhaltende Prominente ermittelt habe,  ihren Job als Chefermittlerin verlor, weil ihr eine Panne bei ihren Ermittlungen u.a. gegen den ENBW-Vorstandsvorsitzenden Clasen (s.o.) unterlaufen sei. Eigentümlicherweise habe Utz Clasen von diesem Lapsus erfahren, den sonst kaum ein Bürger bemerkt, gegen welchen im Verdeckten ermittelt wird. In Juristenkreisen erwecke der Fall den Eindruck, dass hier unverhältnismäßig die Macht eines Managers auf dem Weg über die Politik auf das Gleichgewicht der Waage der Justicia drücke (nachzulesen auch am 17.11.2005 Seite 6 in der StZ).

 

  

 

Jürgen Schrempp's Aktivitäten als Daimler Manager haben sich wohl eher als nachteilig für den DaimlerChryslerKonzern erwiesen. So jedenfalls zeichnet <Johann - Günther König> weiter unten auf dieser Seite (siehe hier ...) dessen Tätigkeitsprofil. Nichts desto trotz hat dieser weltbekannte Unternehmensführer immer gut dabei verdient.

"[...]  Jürgen E. Schrempp [musste i]n seiner zehn Jahre und sieben Monate währenden Amtszeit als Vorstandsvorsitzender bei Daimler Benz beziehungsweise DaimlerChrysler [..] viele Fehlschläge einstecken: die jahrelangen Misserfolge bei Chrysler, das Scheitern seiner Welt AG durch den Rückzug bei Mitsubishi und die Trennung von Hyundai, das Bilanz-Desaster mit dem Verfall des Aktienkurses, die auf Grund der Überproduktion entstandenen Ladenhüter auf den Mercedes-Halden, in den Showrooms und den Smart-Towers, die Wahl zum schlechtesten Manager weltweit und vieles andere mehr. Dafür, dass wenigstens die Bezahlung stimmte, sorgte Hilmar Kopper zusammen mit den übrigen Mitgliedern des Präsidialausschusses ...
...  einig aber war man sich offensichtlich in dem entscheidenden Punkt: DaimlerChrysler war eine Aktiengesellschaft mit WeltAG-Anspruch, also mussten auch Welt-AG-Gehälter gezahlt werden."

»Die besten Mitarbeiter gewinnen wir nur dann für uns, wenn wir sie international wettbewerbsfähig und leistungsorientiert bezahlen.«
Jürgen E. Schrempp bei der Übernahmehauptversammlung
am 18. September 1998

aus: Das Daimler-Desaster von J. Grässlin
ISBN-13: 978-3-426-27267-1
Droemer Verlag 2005
www.juergengraesslin.com

 

Und weiter heißt es aufschlussreich bei Jürgen Grässlin:

"In Wirtschaft wie Politik wird nach Leistung und Verantwortung bezahlt. Besonders beeindruckend offenbart sich dieses Verhältnis beim Vergleich des DaimlerChrysler-Vorsitzenden mit dem deutschen Bundeskanzler. Als Vorstandsvorsitzender von DaimlerChrysler verdiente Jürgen E. Schrempp im Jahr durchschnittlich rund 5.700.000 Euro, Gerhard Schröder [als Bundeskanzler, allerdings ohne Berechnung von 'Nebenjobs'] 213.077 Euro - also weniger als ein Sechsundzwanzigstel. Anders gesagt: Um das Jahresgehalt des Bundeskanzlers zu erwirtschaften, musste Daimler-Boss Schrempp 13,6 Tage, also knapp zwei Wochen, arbeiten. So gerecht ist die Welt.

[...] Wie hoch waren die Zuwendungen an die einzelnen Vorstände, wie hoch die an den Vorstandsvorsitzenden? [...] Antworten auf solche Fragen wurden den Aktionären [nicht] mitgeteilt. Über die Höhe der Einzelzuwendungen an die Vorstände und an den Vorstandsvorsitzenden vereinbarten die Vertreter der Kapital- und der Arbeitnehmerseite Stillschweigen.

[...] lässt sich abschätzen, dass Schrempp für seine Vorsitzendentätigkeit von Mai 1995 bis Dezember 2005 - ohne Aktienoptionen - ein Gehalt von rund 43,48 Millionen Euro erhalten hat. Bezieht man in diese Berechnung Schrempps Zuwendungen für seine 44-jährige Mitarbeit bei Daimler-Benz bzw. DaimlerChrysler und: vor allem seine Vorsitzendentätigkeit bei der Dasa sowie sein Gehalt als Mitglied des Vorstands der Daimler-Benz Holding ab 1989 mit ein, so liegt dieser Wert wohl nochmals um mehrere Millionen Euro höher.
Insgesamt dürfte Jürgen E. Schrempp als Vorstandsmitglied bzw. Vorstandsvorsitzender mehr als 50 Millionen Euro erhalten haben - ohne Aktienoptionen, versteht sich.
[...] Im September 1998 hatte Jürgen E. Schrempp erklärt, »der Manager soll durchaus spüren, wenn das Geschäft nicht sehr gut geht«. Seit dem Jahr 1999 gingen die Geschäfte überwiegend sehr schlecht. Schrempp hätte fortan eine Gehaltsminderung erfahren und spätestens im Katastrophenjahr 2001 zurücktreten müssen.
Wäre Schrempp noch länger im Amt geblieben, hätte er unter Umständen ab dem Jahr 2006 sein Gehalt veröffentlichen müssen. Das wollte er immer vermeiden. Während [...] seiner Regentschaft bei Daimler hatte er sich für die Einführung eines US-amerikanischen Gehaltsniveaus bei deutscher Nichtveröffentlichungspflicht stark gemacht. [...] Daimler-Manager wie Schrempp und seine Mitstreiter erhielten mithin die höchsten Gehälter in der Republik - und der Begriff der »sozialen Marktwirtschaft« eine völlig neue Bedeutung.

 

Die Deutsche Bank
 - Profiteur von Schrempps Rücktritt


Die Deutsche Bank [als] größter Anteilseigner der DaimlerChrysler AG, [startete n]ach der Ad-hocMeldung [von Schrempps Rücktritt] um 10.32 Uhr  [...und g]egen 17.00 Uhr hatte sie 35 Millionen Aktien [...] abgestoßen [...] profitierte [...] vom Schrempp-Rücktrittsbonus und konnte knapp 1,4 Milliarden Euro platzieren.

[...] 1995, als Jürgen E. Schrempp mit Hilmar Koppers Rückendeckung zum Vorstandsvorsitzenden der Daimler-Benz AG berufen worden war, hielt die Deutsche Bank noch eine 24,4-prozentige Beteiligung am größten deutschen Industriekonzern, was einem Marktwert von 9.063.000.000 DM entsprach. Zum 31. Dezember 1998, dem Jahr, als Daimler-Benz die Chrysler Corporation übernommen hatte, lag der Kapitalanteil der Deutschen Bank an DaimlerChrysler nur noch bei 12 Prozent, was angesichts des gestiegenen Aktienkurses einen beachtlichen Marktwert von 19.732.000.000 Euro bedeutete [...] womit das Einrat Kuwait zum größten Anteilseigner avancierte.
[...] Vieles sprach dafür, dass [...] die Deutsche Bank den Daimler-Chef zum Rücktritt veranlasst hatte [...] mutmaßten, Schrempps Rücktritt sei nicht ganz freiwillig erfolgt."

 

Nunmehr titelte Ihn die Stuttgarter Nachrichten am 29. Oktober 2005 mit der Aussage: "Ich nehme mich nicht zu wichtig". Dieser resümierende Spruch des Konzernchefs als Bilanz seiner zum Jahresende 2005 zur Neige gegangenen Führungstätigkeit, hat es in sich. Denn laut der Postille fürs Volk aus dem Hause Springer, dem Boulevardblatt BILD, wird selbiger Herr zukünftig zusätzlich auch im steuerlich günstigen Kitzbühel wohnen, ...

"Grüßen Sie mir die Impalas am See vor Ihrem Rundhaus in Südafrika"

Jürgen Grässlin 2005

... der landschaftlich reizvollen Rückzugsoase für gestresste Personen des öffentlichen Lebens, sozusagen im internen Kreis gutbetuchter Gleichgesinnter. Seine Landhaus-Villa zum Preis von 5 Millionen, so jedenfalls schreibt BILD STUTTGART am 03.11.2005 auf Seite 3, wird ihm dabei sicherlich den nötigen Wohlfühleffekt liefern, so dass es kaum mehr wesentlich sein wird, ob er sich selbst wichtig nimmt, oder nicht, denn sein Vermögen und Ambiente wird schon dafür sorgen, dass ihn andere wichtig nehmen (müssen/dürfen).

| themen |

 

Schnelles Geld mit ...
 

... Aktienoptionen

Doch damit das hierzu notwendige Einstandsvermögen nach all den vielen Jahren seiner ordentlich dotierten Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender, deren Vergütung er als Vorstandschef ja weitgehend selbst festgelegt hat, nicht all zu knapp ausfällt, bietet sich Schrempp durch seinen unvermittelten Abgang die Möglichkeit, mittels inzwischen lukrativer Aktienoptionen seines sinkenden Sterns auf allen Strassen ...

[lesen Sie auch Gefährliche konstruktive Mängel bei DaimlerChrysler-/Mercedes Benz hier bei marktlex.de]

... geschwind noch noch ein paar Millionen Euro dazu zu verdienen. So informiert die Stuttgarter Zeitung am 04.08.2005 auf Seite 11 unter dem Titel "Das sind zerstörerische Unsitten, Professor Adams macht Daimler -Chef Schrempp für Fehlentwicklung bei Gehältern verantwortlich", dass Schrempp, der bislang pro Jahr etwa 8 bis 12 Millionen Euro bei seinem Konzern verdient habe und dadurch allein schon auf etwa 100 Millionen Euro für seine zehnjährige Tätigkeit bei Daimler gekommen sei, nun evtl. auch noch seinen Vorteil aus einem Fünftel von 15 Prozent von 86,5 Millionen Aktienoptionen ziehen könne, wofür natürlich der Konzern gerade stehen müsse.

StN v.18.08.2005 S. 11:

[...] Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat den Verdacht, dass vor der Rücktrittsankündigung von Daimler-Chef Jürgen Schrempp strafbare Insidergeschäfte mit der Daimler-Aktie stattfanden. [...]
Bisher gibt es keine Personen, gegen die sich ein konkreter Verdacht richtet. Ein solcher kann erst aufkommen, wenn die Bafin überprüft hat, ob Personen, die auffällige Aktienkäufe vorgenommen haben, Zugang zu Insiderinformationen haben. Als Insider gelten alle, die Zugang zu nicht öffentlichen Informationen haben, die im Falle ihrer Veröffentlichung den Kurs eines Unternehmens erheblich beeinflussen können. Hierzu gehört auch Schrempps Rücktrittsankündigung. Die Nutzung von solchem Insiderwissen ist in Deutschland seit- 1995 strafbar. Daher sind Führungskräfte verpflichtet, Transaktionen mit der Aktie an, den Arbeitgeber zu melden, der diese dann unverzüglich zu veröffentlichen hat. Diese Verpflichtung gilt, auch für nahe Verwandte. Allerdings wird damit nicht ausgeschlossen, dass Personen mit Insiderinformationen Transaktionen über Strohmänner abwickeln. [...]"

Durch den Abgang von Schrempp haben die Aktien des DaimlerKonzerns kräftig zugelegt, wen wunderts'. Natürlich wird nun bereits ermittelt, welche Insider hieraus wohl ihren Nutzen gezogen und billige Aktien am Tag nach der Bekanntgabe des Rücktritts Schrempp's teuer verkauft haben könnten. Schrempp selbst hat solches Verhalten freilich nicht nötig. Er kann ja seine im Wert gestiegenen Aktienoptionen ebenso legal geltend machen, wie sein Mercedes-Chef-Kollege Cordes, der am 29. Juli 2005, quasi über Nacht, 1.009.175 Euro auf diese Weise dazu verdient haben soll.
 

 

StN 18.08.2005 Titelseite

 
StZ 05.08.05 Seite 9:

„Immer mehr Manager machen Gebrauch vom Aktienoptionsprogramm [...]
Das große Kassemachen auf der Führungsetage von DaimlerChrysler geht weiter. Nach Mercedes-Chef Eckhard Cordes haben sieben weitere Topmanager ihre Aktienoptionen eingelöst und dabei 1,7 Millionen Euro Gewinn gemacht. [...] Machen alle Manager in vollem Umfang von ihren Optionen Gebrauch, dann muss Daimler-Chrysler allein für dieses Jahr 55.6 Millionen Euro in Form von Zuschüssen zahlen. [...] Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisiert die Koppelung der Optionen an den Aktienkurs. Der Kurssprung der Daimler-Aktie habe [...] nichts mit Leistung zu tun, sondern mit der Hoffnung, dass unter einem neuen Chef alles besser wird."

Den Begriff "Aktienoptionen" erklärt die StZ wie folgt:

„Einige Aktiengesellschaften setzen so genannte Optionsprogramme ein, um vor allem Führungskräften eine vom Aktienkurs abhängige Vergütung zu gewähren und damit deren Gehalt deutlich aufzubessern - sofern der Aktienkurs steigt. Klettert der Wert der Papiere an der Börse kräftig, winken den Managern satte Gewinne, die ihr Festgehalt oft um das Vielfache übersteigen können."

 

Der Jürgen Schrempp - Biograph Jürgen Grässlin aus Freiburg i.B., im Internet zu finden unter der URL www.juergengraesslin.com , bezeichnet Aktienoptionen als ein reines Selbstbereicherungsprogramm für die ohnehin schon Bevorzugten. In seinem Buch "Das Daimler Deasaster" schildert er, dass Führungskräfte von DaimlerChrysler/ Mercedes Benz unmittelbar nach Schrempp's Rücktrittsankündigung 2005 vom sofort darauf einsetzenden Aktienkurssprung durch Ausübung von Aktienoptienen auf Kosten des Konzerns, also sowohl der Aktionäre, als auch der Mitarbeiter, einen enormen Reibach ausschließlich zum eigenen Vorteil gemacht hätten:

"[...] Eckhard Cordes reagierte [nach der Rücktrittsbekanntgabe Schrempps'] schnell und konsequent: Der Mercedes-Chef bat Hilmar Kopper um [.] Auflösung seines [...] laufenden Vertrags. Am 29. Juli, nur einen Tag nach [..] Meldung des [.] Schrempp-Rücktritts [...] löste Cordes außerbörslich Aktienoptionen ein: Zu einem Ausübungspreis von 34,40 Euro erwarb der Mercedes-Chef 92.500 Aktien im Gesamtvolumen von 3.182.000 Euro, die er noch am gleichen Tag vor Börsenschluss zu einem Kurs von 39,58 Euro wieder abstieß. Das Verkaufsvolumen betrug 3.661.150 Euro, so dass Cordes allein mit diesem Optionsgeschäft innerhalb von Stunden einen Gewinn von 479.150 Euro erzielte.

Zusätzlich stand ihm noch ein [..] Barausgleich zu, [...] so dass Cordes mit seinen 92.500 Aktien an diesem Tag eine weitere halbe Million Euro [...] aus der Konzernkasse zugesprochen erhielt. Alles in allem kassierte der Mercedes-Vorsitzende an einem einzigen Tag einen Gesamtgewinn von rund 950.000 Euro - eine Summe, für die ein Schichtarbeiter am Mercedes-Produktionsband [...] mehr als 26 Jahre arbeiten müsste. [...]

Da die Optionsgeschäfte zeitnah auf der DaimlerChrysler-Homepage veröffentlicht werden, konnte alle Welt die Informationen kombinieren und das Signal des Noch-Mercedes-Chefs deuten: Ich, Eckhard Cordes, beende meine Tätigkeit bei der DaimlerChrysler AG.

[...] In den Jahren von 2002 bis 2004 hatte DaimlerChrysler seinen rund 6.000 Topmanagern Optionen auf 92,4 Millionen Aktien erteilt. [...] Dank des zeitweilig mehr als zehnprozentigen Sprungs der DCX [nach der Schremppschen Rücktrittsankündigung]  wurde die Zwanzigprozenthürde genommen, und die ersten Führungskräfte schlugen zu. Zu den Profiteuren des Schrempp Zuschlags zählte [.] Smart-Chef Ulrich Walker. [...] Durch den außerbörslichen Aktienerwerb und den anschließenden Verkauf in Frankfurt von 20.000 Wertpapieren sicherte er sich an einem Tag 112.800 Euro. Zuzüglich des Daimler-Barausgleichs verdiente Walker mit diesem Deal rund 225.000 Euro.

[...] nutzten weitere Führungskräfte ihre Optionen für Spekulations- Gewinne. Wolfgang Diez, Chef der Bussparte bei Mercedes, fuhr mit 20.000 Aktien inklusive Barausgleich einen Gesamtgewinn von 230.600 Euro ein. Auch Harald Böstler, [...] Leiter der japanischen Nutzfahrzeugtochter Fuso [...] machte er mit seinen 10.000 Aktien einen Gewinn von 118.500 Euro. [...] Kauffmanns 20.000 Aktien brachten dem Chef des Konzern-Controllings 219.200 Euro Gewinn und [...] Vertriebsmanager GünterEgle, der mit seinen 15.000 eingelösten und verkauften Aktien ein Plus von 166.950 Euro einfuhr.

An diesem goldenen Freitag erzielten sechs Daimler-Manager einen Spekulationsgewinn von 782.600 Euro. Zuzüglich des Barausgleichs aus der Konzernkasse in Höhe von 773.550 Euro betrug der Tagesgewinn satte 1,5 Millionen Euro.

Einige Tage danach [...] Thomas W Sidliks Aktiengeschäfte [...] brachten dem Verkaufsvorstand einen Spekulationsgewinn von 462.250 Euro. Zusammen mit dem von DaimlerChrysler - sprich: den Aktionärinnen und Aktionären - bezahlten Barausgleich durfte sich Sidlik über rund 891.000 Euro in seiner Privatkasse freuen.

[...] keiner der Topmanager, die von dem vor allein infolge von Schrempps Rücktrittsmeldung gestiegenen Aktienkurs profitierten, hatte eine besondere Leistung für diesen Höhenflug des Aktienkurses erbracht.

[...] Im Arbeitnehmerlager hatte sich Cordes durch die stringente Umsetzung des so genannten »Effizienzsteigerungsprogramms« [...] nicht nur Freunde gemacht. Mit der Einführung der 40 Stunden-Woche im Entwicklungs- und Planungsbereich, der Abschaffung der »Steinkühler-Pause« und anderen Kostensenkungsmaßnahmen sollten bis zum Jahr 2007 drei Milliarden Euro eingespart werden. [...]

[...] Während bei Chrysler rund 26.000 und bei Mitsubishi rund 9.000 Beschäftigte rücksichtslos entlassen werden, plant der Vorstand eine schamlose Selbstbereicherung in Milliardenhöhe [...] auf Kosten der betrieblichen Allgemeinheit [.] Dieser [...]plan belegt einmal mehr, wie das DaimlerChrysler-Managernent im Elfenbeinturm des Shareholder Value lebt und soziale Not ignoriert [...] während Topmanager die Situation ausnutzten, um Kasse zu machen, hatten viele Beschäftigte Angst um ihren Arbeitsplatz. [...] Vor diesem Hintergrund hatte Jürgen E. Schrempps Verzicht auf die Auszahlung seines Gehaltes [ca. 14 Mill. Euro] bis zum Vertragsende 2008, die er selbst als »nicht für angemessen« erachtete, ehrenwert geklungen. Dass er auf seine Aktienoptionen verzichtet hätte, ist nicht bekannt.

[...] Der Hamburger Wirtschaftsprofessor Michael Adams geht davon aus, dass der Vorstandsvorsitzende rund 20 Prozent der gesamten Vorstandsoptionen zugesprochen bekam, wobei allein dem Vorstand 15 Prozent der insgesamt 86,5 Millionen ausstehenden Optionen zustünden, das wären12,975 Millionen. Da die Laufzeit der Aktienoptionen bei DaimlerChrysler zehn Jahre beträgt, böten sich »astronomische leistungslose Gewinnmöglichkeiten«, kritisiert Adams.

[...] Nach Berechnungen der Wirtschaftwoche erhielte der Ex-Daimler-Chef  [Schrempp] 79 Millionen Euro für den Fall, dass sich der Wert der DaimlerChrysler-Aktie bis zum Jahr 2011 verdoppeln würde, auch wenn bis dahin einige der Optionen verfallen wären. Sollte sich die DCX bereits 2009 im Wert verdoppeln, so stünden ihm rund 101 Millionen Euro aus seinen Aktienoptionen zu.

»Ich kann versichern, dass ich ein glücklicher Mensch bin«, sagte der Daimler-Vorsitzende anlässlich seiner Rücktrittsverkündung."

aus: Das Daimler-Desaster von J. Grässlin
ISBN-13: 978-3-426-27267-1
Droemer Verlag 2005
www.juergengraesslin.com

 

Eine freundliche Interpretation für die Selbstbedienungsmentalität unserer verantwortungsbewussten Unternehmensführer bietet ein Leser der Sonntag Aktuell am 14 August 2005 (Seite 13):

„Es besteht keinerlei Gefahr für Daimler, denn die paar Millionen, die von der Geschäftsleitung abgesahnt [...] werden, sind doch Peanuts. Die Arbeiter und Angestellten verzichten weiter auf Lohnerhöhungen und arbeiten nochmals eine Stunde länger, natürlich ohne Lohnausgleich, und schon sind die lächerlichen Millionen wieder drin. Was verlangen Sie von einem Aufsichtsrat, der ebenfalls große Summen absahnt? Doch nicht etwa Aufsicht über die Handlungen der Geschäftsleitung. Da würde er ja an dem Ast sägen, auf dem er sitzt."
 

Nun ja, auf der unteren Hälfte der StN-Seite vom 29.10.05 findet sich auch noch der Titel "Stellenabbau ist immer schmerzlich" zum Ausscheiden des Konzernchefs Schrempp. Der Abbau seiner Stelle ist damit kaum gemeint. Schrempp strebe übrigens in Zukunft eine Beraterstelle an. EineEinmann-Ich-AG wird's wohl sicherlich nicht sein. Vielleicht wird Jürgen Schrempp, wie bereits schon andere aus seiner Riege von nun an unseren glücklosen Politikern seinen erfahrenen Rat für ordentliches Honorar antragen, auf dass es nur noch aufwärts gehen mag mit unserem Land.

Ns.:
Die Ermittlungen der Bafin seien inzwischen wg. Unergiebigkeit eingestellt worden (Nov.05).

 

„Zu dem radikalen Renditestreben kann man nur sagen, es ist Zeit, dass jeder Mitarbeiter zum Miteigentümer gemacht wird, damit jeder seinen gerechten Anteil am Unternehmenserfolg bekommt [...]"

„[...] wer hat heute die Macht? [...] Die Continental AG gehört gerade noch zu 10,3 Prozent Aktionären in Deutschland, jedoch zu 58,5 'Prozent Aktionären in Nordamerika und Großbritannien/Irland. Die Firma Merck in Darmstadt gehört zu 22 Prozent Aktionären in Deutschland, aber zu 76 Prozent institutionellen Anlegern im Ausland."

„[...] Gewinnerzielung ist die einzige Daseinsberechtigung eines Unternehmens [... v]on Anstand und Tugend kann man nicht leben, von Gewinnen schon. [...]."

„Mit [.] Appellen und gutem Zureden ist es im heutigen Klima eines Raubtierkapitalismus nicht getan. Wo das Grundgesetz nicht freiwillig eingehalten wird, muss seine Befolgung erzwungen werden."

„Die nächsten Revolutionen richten sich nicht mehr gegen die Obrigkeiten, sondern gegen die Großindustrien."

aus Leserzuschriften in der DIE ZEIT 51/2005 S.26

 

Die Verantwortung der Funktionseliten -
Die zwiespältige Rolle der Managerklasse:

Wir brauchen auch nicht die größten Banken,
besser wäre es, wir hätten die solidesten Banken.

Wir brauchen auch nicht die größten Automobilhersteller; es wäre jedoch schön, wenn sie die wenigsten Rückrufe wegen Konstruktions- oder Herstellungsmängel aufwiesen und wenn ihre Fahrzeuge umweltschonender wären, als andere.

Es kommt kaum jemals vor, dass ein Manager mit innerer Genugtuung darauf verweist, er habe [...] die Beschäftigung [...] um soundsoviele Arbeitsplätze steigern können.

Manager verfolgen vorwiegend eigensüchtige, eigennützige Ziele. Wenn alles gut geht, dann mehren sie mit ihrer Arbeit auch den Wohlstand des Volkes. [...] denn es geht nicht mehr alles gut.

Helmut Schmidt 1998
Altbundeskanzler
Auf der Suche nach einer öffentlichen Moral
ISBN 3-421-05150-X; Seite 97 f.

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„Ob <Konzernchefs>, die sich Gehälter in Millionenhöhe auszahlen lassen, bereits den Tatbestand der Ausbeutung erfüllen - die zunehmende Zahl der Geringverdiener kommt ja nicht von ungefähr -, ist übrigens eine Frage, die angelsächsische und amerikanische Journalisten aus gebotenem Anlaß schon seit längerem stellen. In den USA liegen beispielsweise die Bezüge der Chief Executive Officers genannten Industriekapitäne mittlerweile um das 326fache über dem Durchschnittslohn eines Arbeiters. "The winner takes all", sagt man in den USA",

schildert <Johann - Günther König> in seinem Buch ,Alle Macht den Konzernen' (ro ro ro, ISBN 3 499 22486 0) die Verhältnisse in den USA, als Vergleich zu den bei uns sich derzeit ebenfalls etablierenden Perspektiven.

 
Ob das Einkommen dieser hochdotierten ,Spezialisten' mit der Leistungskraft derer vorgeblichen Fachkompetenz in einem rechten Verhältnis steht, kann auf der Basis des Gesamterfolgs unserer Wirtschaft beurteilt werden. Wie es mit dieser bestellt ist, ist täglich in jeder Presse nachzulesen. Bei <Johann - Günther König> wird ,sicherheitshalber' darauf hingewiesen,

,,[...] dass sich die Vorstände in Deutschland selbst bei nachgewiesenem Missmanagement in der Regel auf ihren Sesseln halten, also ohnehin autark gegenüber etwaiger Kritik sind. [...] Die Woche: ,Während die Beschäftigten damit rechnen müssen, arbeitslos zu werden, wenn ihr Betrieb nicht mehr die geforderte Rendite bringt, laufen die verantwortlichen Unternehmensführer nur selten Gefahr, deswegen ihren Job zu verlieren‘ (2.8.1996). ,Nicht wenigen Managern gelingt es, allen Missgriffen zum Trotz, ihre Karriere scheinbar unbeschadet fortzusetzen. Prominentestes Beispiel: der Daimler-Benz-Vorstandschef Jürgen Schrempp. 2,3 Milliarden Mark kostete den Konzern das von ihm maßgeblich eingefädelte Fokker-Abenteuer. [...] ,Erst habe ich geweint und mich danach phantastisch gefühlt', kommentierte Schrempp das selbstverschuldete Fiasko" (ebda.). Der heutige DaimlerChrysler-Boss sieht inzwischen einer grandiosen Vervielfachung seiner Vorstandsbezüge entgegen und lässt sich in Firmenbroschüren als ,leidenschaftlicher Bergsteiger‘ porträtieren: ,Sieht es als seine Aufgabe, anderen zu helfen, damit sie es mit ihm an die Spitze schaffen‘."
 

Trotzdem werden die Schuldigen für diese Dauermisere nach gewohntem Muster nahezu immer bei den einfachen Arbeitern und Angestellten und natürlich ganz besonders bei den Beamten gesucht, frei nach dem Motto deutsche Kinder sind aufsäßig, Schüler dumm, Lehrer feriensüchtig und fortbildungsunwillig, Arbeiter faul Beamte stur, träge und hinterm Mond - und die Arbeitslosen gar generell freiwillig ohne feste Beschäftigung; und die Konsumenten sind nicht mehr ausreichend kaufrauschorientiert.

,,Die Vorstandsvorsitzenden müssen sich in der Regel nicht mit dem angegebenen Durchschnittsgehalt begnügen. Eine betriebliche Altersvorsorge, Reisepauschalen, die private Nutzung von Dienstwagen und andere Privilegien sind nicht eingerechnet. Bei der Berechnung der Stundenlöhne wird eine 60 - Stunden - Woche unterstellt. Danach kostet eine Wössner - Stunde 1202 Mark. Der Ärmste unter den Top 20 des deutschen Managements, der VEBA - Vorsitzende Ulrich Hartmann, läßt sich jede Stunde mit 466 Mark vergüten. Der Ecklohn in der niedersächsischen Metallindustrie beträgt einschließlich Leistungszulage 22,16 Deutsche Mark. [...]." (v.DB&HM)

Die Quellen der Managermacht definiert <Johann - Günther König>

,,Die Hohezeit der Manager begann in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg [...] indem die angestellten Unternehmensleiter die Macht von den Kapitaleignern übernahmen [... Sie] haben [.]nicht etwa ,Vatermorde' begangen und die Kapitaleigner ausgeschaltet; nein, sie haben sich im Laufe der Jahrzehnte selbst zu vermögenden und einflußreichen Kapitaleignern gemausert [...] und verfolgen die Interessen der besitzenden Klasse. [...] Die Manager haben aber nicht nur große Vermögen und außergewöhnliche Privilegien angesammelt, sondern pflegen ihren Machterhaltungstrieb in den ihnen eigentlich zur Kontrolle übergeordneten Aufsichtsräten, in denen sie sich ja in wechselnder Besetzung und überkreuz geschickt festgesetzt haben. [...] ,Im deutschen System kontrolliert sich letztlich eine Kaste von Vorständen und Aufsichtsräten gemeinsam, das heißt, sie arbeiten sich selbst in die Hände. Der Vorstand lenkt, der Aufsichtsrat kontrolliert - so ist es vom Gesetz vorgeschrieben. Da hier wie dort aber die gleiche Spezies - eben Manager - sitzt, verhindern Kumpanei und Interessenidentität, dass das Rollenspiel im Sinne des Gesetzgebers funktioniert. Die Schlüsselrolle spielen dabei... die Großbanken und Versicherungen über ihre enormen Industriebeteiligungen, Aufsichtsratmandate und das sogenannte Depotstimmrecht‘ (Bruhn 1998)."

(siehe hierzu auch <Konzerne> und <Lobbyismus>)

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Bei Aufsichtsratschefs
wird nicht gespart

 
Vergütung steigt bei den Dax-Unternehmen im Schnitt um 11% -
Kritik an hoher Bezahlung der Stellvertreter

 

"Der wirtschaftliche Erfolg der deutschen Konzerne füllt auch die Taschen ihrer Aufsichtsräte. Die Vergütungen der Kontrolleure steigen im laufenden Jahr im Schnitt um neun Prozent. Vor allem die Aufsichtsratsvorsitzenden profitieren von dieser Entwicklung [...]"
(aus der StZ vom 13.12.2005)

 

Zitation aus Weintrinker ...
 

Aufsichtsräte

[...] Aufsichtsräte bestehen je nach Unternehmensgröße aus zwölf bis 20 Mitgliedern und treffen sich jedes Jahr zu zwei bis vier Sitzungen. Sie werden je zur Hälfte von den Kapitaleignern und von den Beschäftigten bestellt. Die Tätigkeit als Aufsichtsrat eines großen Konzerns wird großzügig vergütet und stellt für Topmanager eine attraktive Nebenbeschäftigung dar, die nicht viel Zeit kostet. Zwei bis vier Sitzungstage bringen in einigen Firmen mehr als 100.000 Mark. Im Durchschnitt zahlen die 80 größten deutschen Konzerne 46.377 Mark. Mehr als die Hälfte der Aufsichtsratsmitglieder erhält eine Tantieme von mehr als 31.625 Mark. [...]

 

Die Top 20 der Aufsichtsräte

Firma

Durchschnitts-
tantieme/DM

Aufsichtsrat-
vorsitzender
Ruhrgas 134.254 Klaus Liesen
Heidelberger
Zement
119.187 Wolfgang Röller
Commerzbank 113.200 Walter Seipp
Hapag Lloyd 108.900 Andre Leyson
Deutsche Bank 106.835 F Wilhelm Christians
(durch Kopper ersetzt)
Dresdner Bank 103.286 Wolfgang Rölle
(wg. Steuerhinterziehung abgetreten)
Linde 100.625 Hermann J. Strenger
Hoechst 98.286 Rolf Sammet
Bayer 94.229 Hermann J. Strenger
VEBA 90.909 Hermann J. Strenger
BASF 90.476 Hans Albers
Karstadt 89.250 Guido Sandler
Preussag 87.729 Friedel Neuber
Beiersdorf 87.231 Hans Meinhardt
Mannesmann 86.444 Hilmar Kopper
Schering 82.118 Klaus Subjetzki
Bayerische
Vereinsbank
81.667 Maximilian Hackl
Bayerische
Hypo
81.250 Klaus Götte
Springer 80.667 Bernhard Servatius
BMW 80.000 Eberhard von Kuenheim

Quelle lt D. Beck: Liedtke 1997, Stand 1995

Auch die Angaben über Tantiemen sind nur Durchschnittswerte. [...]

 

Viele Manager sitzen in mehreren Aufsichtsräten zugleich. Besonders rührig sind die Vorstandsmitglieder der Großbanken, die auf diese Weise Unternehmen kontrollieren, an denen sie Anteile halten. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Hilmar Kopper tummelte sich 1995 in acht größeren Aufsichtsräten. Legt man die durchschnittlichen Tantiemen zugrunde, läßt sich für Peanut - Kopper folgende Bilanz erstellen:

Aufsichtsratsmandate von Hilmar Kopper

Unternehmen Funktion

Durchschnitts-
tantiemen/DM

Daimler- Benz Vorsitzender 22.263
Mannesmann Vorsitzender 86.444
Bayer Mitglied 94.229
Lufthansa Mitglied 16.450
Linde Mitglied 100.625
RWE Mitglied 68.508
VEBA Mitglied 90.909
Münchner Rück Mitglied 51.400

Quelle: Liedtke 1997, Stand 1995

 

[...] Da Daimler - Benz zu den wenigen Unternehmen gehört, die ihren Aufsichtsratsvorsitzenden viermal soviel zahlen wie »normalen« Aufsichtsratsmitgliedern, hat Kopper in Stuttgart 1996 über 300.000 Mark kassiert. 1996 dürfte er daher insgesamt ein Zubrot von etwa 800.000 Mark erhalten haben. Inzwischen ist Kopper vom Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank an die Spitze des Aufsichtsrats gewechselt. Sein Nachfolger Rolf E. Breuer sollte allerdings kaum schlechter dastehen. [...] (aus DB&HM)

Zitatende

 

So gesehen wird natürlich verständlich, wie sich die 24 stündigen Arbeitstage dieser Highstaffs zusammensetzen - oder muß ich sagen, wer auf vielen Hochzeiten tanzt, der ... .

Aufsichtsrat aktuell: 

Unter "Aufsichtsrat bedient sich" veröffentlicht DER SPIEGEL 23/2003, dass der 20köpfige Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa AG sich ein neues Vergütungssystem genehmigen will, welches faktisch einer Anhebung derer Bezüge um 166 Prozent gleich kommt.

In der Hauptversammlung der AG sollen am 18. Juni des Jahres auch gleich einige Top - Manager aus der Wirtschaft in den Aufsichtsrat der AG aufgenommen werden, wie z.B. Allianzchef Michael Diekmann und Deutsche Bank Vorstandssprecher Josef Ackermann (letzterer bezieht schon knapp 7 Mill. Euro per anno von der D. B. Anm. P.B.).

Ins Auge gefasst sei fortan eine Grundvergütung für die Aufsichtsratmandate der AG in Höhe von 20.000 Euro und variable Vergütungen aus Dividentenausschüttungen für einfache Mitgleider über 55.000 Euro und für den Vorsitzenden über 165.000 Euro. Als Schlichter für die Gegenanträge der wenig erfreuten Aktionäre ist der bereits 76 Jahre alte ehemalige Wirtschaftsminister <Otto Graf Lambsdorf> vorgesehen, der diese Funktion jedoch offensichtlich auch nur mit einer extra hierfür neu vorgesetzten Sonderregelung ausüben darf, da er über 70 Jahre alt ist; aber wo ein Wille ist, ist halt auch ein Weg.

Stand 2003

 

Vergütung der Aufsichtsratschefs

Dax-Unternehmen

2005

Verände-
rung zu
2004 in %

Adidas
Allianz
Altana
BASF
Bayer
Bayer. Hypovereinsbank
BMW
Commerzbank
 Continental
Daimler-Chrysler
Deutsche Bank
Deutsche Börse
Deutsche Lufthansa
Deutsche Post
Deutsche Telekom
E.on
Fresenius M. C.
Henkel
Infineon
Linde
MAN
Metro
Münchner Rück
RWE
SAP
Schering
Siemens
Thyssen-Krupp
TUI
Volkswagen

  42.000
228.560
207.400
250.000
198.000
130.000
279.000
154.000
162.200
238.200
315.250
188.000
  91.500
132.000
166.900
354.390
150.530
360.800
  58.820
212.250
140.060
182.370
190.250
220.500
100.000
311.300
187.000
330.000
139.490
247.000

     0
+   7
+   9
+ 19
+   2
 - 21
+   7
+   7
+ 45
     0
+ 15
+   4
+ 24
+ 30
+ 69
+ 18
+ 35
+ 31
 -   4
+   9
+ 36
 -   2
+ 21
+   8
     0
 - 15
     0
+ 43
+   3
     0

Quelle lt. StZ v.13.12.2005 S.12: Towers Perrin

 

 

Continental:

„Endzeitstimmung in Hannover-Stöcken. Ende 2006 werden hier 320 Jobs verloren gehen. Die Arbeit wird dann in Osteuropa erledigt [...] läuft die Produktion von Pkw-Reifen in Hannover-Stöcken aus, das hat Continental-Chef Manfred Wennemer vergangene Woche verfügt. Obwohl das Werk durchaus profitabel ist und Conti beim Gewinn das vierte Rekordjahr in Folge ansteuert. Obwohl die Conti-Aktie seit Jahren zu den Besten im Dax gehört. Und obwohl erst im Juli eine Betriebsvereinbarung in Kraft trat: Die Arbeiter in Hannover-Stöcken verzichteten auf ihre Lohnerhöhung, auf ihre Einmalzahlung und ihre bezahlten Pausen. Knapp 10 Prozent weniger haben sie damit in der Tasche. [...] Manfred Wennemer sagt, Rekordgewinne und Arbeitsplatzabbau hätten »überhaupt nichts miteinander zu tun«.

Wie Wennemer argumentieren auch andere Unternehmenslenker in Deutschland. Wie der Conti-Chef schreiben sie die besten Zahlen seit Jahren - und setzen dennoch Leute auf die Straße."

aus DIE ZEIT vom 01.12.05 S. 25 unter "Manager ohne Moral?"

 

 


DIE ZEIT Nr. 49, 01.12.2005:

Ist also, was gut für die Aktionäre ist, schlecht für Deutschland?

 
Wer Anfang des Jahres ein Indexzertifikat auf den Dax kaufte, kann sich heute über einen Gewinn von 25 Prozent freuen. Zugleich werden die 30 im Dax notierten Konzerne nach Angaben der HypoVereinsbank dieses Jahr rund 17,5 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten - stolze 7 Milliarden mehr als 2002. Von den rasant gestiegenen Gewinnen der großen deutschen Konzerne profitiert also »der Markt« - investiert dagegen wurde bisher wenig.

[...] Höhere Renditen der Unternehmen werden durch stagnierende Löhne, Mehrarbeit oder Entlassungen vor allem von den Beschäftigten »erwirtschaft«.
Die Deutsche Bank empfiehlt Investoren in einer jüngst veröffentlichten Studie, sich besonders solchen Unternehmen zuzuwenden, die ihre Arbeitskosten deutlich senken. Zehn Prozent niedrigere Ausgaben für das Personal bedeuteten 40 Prozent mehr Profit, heißt es in der Analyse. Was daraus folgt, zeigt der Gewinnanteil am deutschen Volkseinkommen, der seit fünf Jahren ebenso rapide steigt, wie der Anteil der Löhne fällt:
(siehe nachfolgende Diagramme Arbeit vs. Kapital)

Quelle:  Arbeit versus Kapital,  DIE ZEIT Nr. 49, 01.12.2005, Seite27; IXIS CIB

 

  

 

Selbst unter Topmanagern grummelt es [...] Geld beruhigt oft das schlechte Gewissen [...] losgelöst von Moral und Anstand

DIE ZEIT Nr. 49 S. 27

 
 
Zusammensetzung des Volkseinkommens

in den Jahren 2002 bis 2004
in Mrd. Euro

   

2002                                  2003                             2004 

Das Volkseinkommen ist die Summe der Erwerbs- und Vermögenseinkommen wie Löhne, Gehälter, Mieten, Pachten, Zinsen oder Gewinne. In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen deutlich schneller gestiegen als die Einkommen aus unselbstständiger Arbeit. Während Letztere von 2002 bis 2004 lediglich um rund sechs Milliarden Euro gestiegen sind, kletterten die Einkommen der Unternehmer und Vermögensbesitzer um rund 70 Milliarden Euro.

Quelle: lt. DIE ZEIT vom 21.12.2005 Seite 29

 

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Schlecht bezahlt und hart arbeitend
Diäten im Landtag steigen automatisch [...]

 

Ein Leserbrief in der StZ vom 22. Oktober 2005 Seite 22:

[...] Bei uns liegt doch einiges schief. Da verordnen sich die Landtagsabgeordneten höhere Diäten, und das soll jetzt jedes Jahr automatisch erfolgen. Es wird [.] von den Steuergeldern derjenigen bezahlt, die um den Erhalt des Weihnachts- und Urlaubsgeldes und ihrer Arbeitszeit kämpfen müssen. Wir wissen [.], dass Angestellte [...] schlecht bezahlt [... härter] arbeiten müssen, als unsere Landtagsabgeordneten, die [... als Halbtagsparlamentarier (Anm. P.B.)] nicht schlecht bezahlt werden und [...] zu ihren 4.750 Euro [auch noch] diverse Zulagen bekommen. [...] Uns wird [.] gepredigt, es sei kein Geld da. Können die [Mandatsträger] sich nicht auch danach richten? (G. G.)

 

 

Unter dem Titel ...

,Die hohe Politik der Selbstbedienung -
Verdienste und Nebenverdienste unserer
<
Politiker>‘

... wenden sich die Autoren Beck und Meine auch den Politikern und deren Einkommensverhältnissen zu. Sie schreiben:

»Sparen zwingt zur Kreativität«, dozierte  Bundesarbeitsminister Norbert Blüm [...], »Das Land muß auf einen Teil des Wohlstands verzichten«, assistierte der grüne Bundestagsabgeordnete Oswald Metzger. [...] Blüm trägt als Bundesminister monatlich 22.784 Mark plus 600 Mark Dienstaufwandsentschädigung und eine halbe Abgeordnetendiät nach Hause. Metzger erhält zur Zeit 11.825 Mark monatlich an Diäten, dazu 6.251 Mark steuerfreie Aufwandspauschale.

[...] Gerhard Mayer-Vorfelder (CDU) rechtfertigt die Zuzahlung bei Arzneimitteln mit dem Motto: »Was nichts kostet, ist nichts wert. Wenn jemand zum Nulltarif alle Leistungen bekommt, verliert er das Bewußtsein, wie groß diese Leistungen sind.« [..E]r kostet das Land Baden-Württemberg derzeit über 19.575 Mark an Ministerbezügen, inklusive steuerfreier Aufwandspauschale.

[...] Otto Graf Lambsdorff, ehemaliger Steuerhinterzieher, predigt die Besteuerung von Renten und Arbeitslosengeld. Dabei kassiert er seine Abgeordnetendiät und sein Ruhegehalt von 4.000 DM als Ex - Wirtschaftsminister quasi als Taschengeld neben seinen Einnahmen aus zehn Aufsichtsratsmandaten, drei Vorstandsposten und diversen anderen Aktivitäten (geschätzt zwei Millionen Mark im Jahr).

[...] Bundespräsident Roman Herzog versichert [...] er werde sich schützend vor alle Armen stellen, nicht jedoch die 100 - prozentige Lohnfortzahlung bei Krankheit verteidigen. Dabei hat er selbst die Fortzahlung seiner Amtsbezüge von zur Zeit 29.402 Mark im Monat bis ans Lebensende sicher [...]. Außerdem ein Büro, einen persönlichen Referenten, eine Sekretärin und einen Dienstwagen samt Fahrer. Eine Altersversorgung von 100 Prozent des letzten Gehalts in Zeiten, in denen über die Absenkung des Rentenniveaus auf unter 70 Prozent gefeilscht wird. Zur Zeit kann Herzog jeden Monat zusätzlich und steuerfrei 11.000 Mark für Repräsentationspflichten ausgeben.

[...] 1991 mußte der baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) seinen Hut nehmen, weil er sich allzu offensichtlich von seinen Wirtschaftsfreunden hatte aushalten lassen. Er hat seither mehr als eine Million Mark an Versorgungsbezügen bekommen, obwohl er inzwischen ein Vorstandsgehalt bei der Jenoptik in Jena bekommt.

[...] Wer 18 Jahre lang als Volksvertreterln in Bonn durchgehalten hat, kann sich bereits mit 55 Jahren aufs Altenteil setzen. Nach acht Jahren gibt es bereits 3.885 Mark. Ein Durchschnittsarbeitnehmer müßte dafür 82 Jahre lang arbeiten. Privat Versicherte müssen für diese Rente 1.000 Mark monatlich zahlen. Für 8.325 Mark, auf die sich Bundestagsabgeordnete nach 18 Jahren freuen können, ginge Otto Normalverdiener 175 Jahre lang zur Arbeit. In der privaten Rentenversicherung muß man dafür über 2.300 Mark monatlich berappen. Wären die Abgeordneten bei der gesetzlichen Rentenversicherung angemeldet, könnten sie nach acht Jahren nur mit 683 Mark Rente rechnen und nach 18 Jahren mit 1.537 Mark.

[...] Auch Übergangsgeld ist eine feine Sache. Für jedes Jahr Mitgliedschaft im Bundestag bekommt ein Ex - MdB eine Abgeordnetendiät gezahlt, maximal 18 Monate lang. Ex - Regierungsmitglieder erhalten zunächst drei Monate lang ihr volles Gehalt weiter. Danach wird der Betrag um die Hälfte reduziert und so lange gezahlt, wie der Betroffene regiert hat, maximal 33 Monate.

[...] Den goldenen Handschlag gibt es unabhängig vom Grund für den Austieg. Ex-Bundesverkehrsmjnister Günther Krause mußte seinen Hut nehmen, weil er seine private Putzfrau vom Arbeitsamt hatte finanzieren lassen. Ex - Wirtschaftsminister Jürgen W. Möllemann hatte sein Amt zur Werbung für die Geschäfte eines angeheirateten Vetters mißbraucht. 1993 dankte die gesamte Landesregierung von Sachsen - Anhalt ab, weil ihre vier Westimporte sich besonders dreist bedient hatten. Skandale einer Größenordnung, die für Otto Normalverdiener unweigerlich die fristlose Kündigung ohne jegliche Abfindung zur Folge hätten. Die Staatskasse zahlt trotzdem.

Für eine anständige Altersvorsorge läßt es sich als Mitglied der Bonner Regierung relativ schnell sorgen: Nach zwei Jahren bekommt man 15 Prozent der Amtsbezüge, nach drei Jahren 20, nach vier Jahren 29 Prozent. Nach 23 Amtsjahren hat man Anspruch auf 75 Prozent der Amtsbezüge, einschließlich Ortszuschlag. Zur Zeit sind das 18.234 Mark monatlich für einen Bundesminister. Geschafft hat die Höchstversorgung bisher nur der ehemalige Außenminister Hans - Dietrich Genscher. Hätte er in seiner Amtszeit in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, wäre er über die derzeitige Standardeckrente von 1.975 Mark nicht hinausgekommen.

[...] Der Spiegel machte nicht weniger als 80 Bundestagsabgeordnete ausfindig, die neben ihren Diäten als ehemalige Mitglieder in Bundes- oder Landesregierungen weitere Einkommen beziehen.

 

Die Top Ten:

Gerhard Stoltenberg (CDU), ehemals Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, Finanz- und Verteidigungsminister, hat bisher mindestens 850.000 Mark an Übergangsgeld und Pension eingestrichen. Der frühere Bundesgesundheitsminister Heiner Geißler (CDU) bringt es schätzungsweise auf 800.000 Mark. An dritter Stelle dürfte der ehemalige erste Bürgermeister von Hamburg und heutige Bundestagsvizepräsident Hans - Ulrich Klose (SPD) stehen, der insgesamt 200.000 Mark Übergangsgeld bekam und nun monatlich 24.500 Mark verdient - Bürgermeisterpension aus Hamburg und Diäten aus Bonn. Dann folgen Rechtsausleger Heinrich Lummer (CDU), der für fünf Jahre als Innensenator und Bürgermeister in Berlin insgesamt über 600.000 Mark bekommen hat, etwa genauso viel wie Ex - Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff. Friedhelm Ost (CDU, Bonner Regierungssprecher) und Cornelia Schmalz - Jacobsen (FDP, Familiensenatorin in Berlin) sind mit etwa 500.000 Mark an Übergangsgeld und Pension dabei, Dietmar Schlee (CDU, Minister in Stuttgart) und der frühere Entwicklungshilfeminister Jürgen Warnke (CSU) mit mehr als 400.000 Mark. Auf dem zehnten Platz steht Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth mit mehr als 300.000 Mark für ihre Zeit als Bonner Familienministerin.

DoppelverdienerInnen sind auch fast alle Regierungsmitglieder: [der damalige] Bundeskanzler Helmut Kohl, alle MinisterInnen sowie 28 parlamentarische Staatssekretärinnen und -sekretäre kassieren zusätzlich ihre halbe Abgeordnetendiät. Diese allerdings nur zwölfmal im Jahr, während ihnen als öffentlichen AmtsträgerInnen ein 13. Monatsgehalt zusteht. [...]"

 

Die Länderchefs verdienen grundlegend durchschnittlich im Monat 20.000 DM, die Bundesspitzenpolitiker ca. 25.000 – 30.000 DM. Bundestagsabgeordnete verdienen grundständig ca 12.000 DM und Landtagsabgeordnete zwischen 4.000 und 12.000 DM.

Quelle: Bericht des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltssusschuß des Bundestags vom 10. Mai 1996.
Quelle: Bundestagsdrucksache: 13/6637

 

„[...] Einige Länderchefs sitzen in Aufsichtsräten, Gerhard Schröder [Mitte der 90er] zum Beispiel bei VW. Der Niedersachse darf aber nur 10.000 Mark von seinen Tantiemen behalten. Die Mitglieder der Landesregierung von Baden-Württemberg teilen sich nicht weniger als 30 Mandate in Aufsichts- und Verwaltungsräten. Allerdings dürfen sie ihre Tantiemen nur bis zur Höhe von 12.000 Mark behalten. [...] 

[...] Genaueres läßt sich über die Realeinkommen der Bonner Volksvertreter nicht herausfinden. Sie müssen zwar bestimmte Nebentätigkeiten angeben. Doch über die finanziellen Verhältnisse und eventuellen Abhängigkeiten erfährt man auf diese Weise nur Bruchstücke. [...]" (v.DB&HM)

 

 

Information des Deutschen Bundestages zu den Diäten und Aufwandsentschädigungen der Bundestagsabgeordneten und deren Mitarbeiter unter der URL

http://www.bundestag.de/mdb15/
mdb_diaeten/index.html

 

Union bei Spenden vorne

[...] Die Union hat nach Darstellung des Wirtschaftsmagazins „Capital" in den vergangenen Jahren mit weitem Abstand am meisten Spenden von über 50 000 Euro und mehr erhalten.
Seit Mitte 2002 habe die CDU allein von den zehn wichtigsten Parteispendern rund 5,11 Millionen Euro bekommen, gefolgt von der CSU mit 2,48 Millionen Euro, berichtet das Blatt. Damit entfielen auf die Unionsparteien zusammen rund 7,59 Millionen Euro. Die SPD erhielt 1,77 Millionen Euro. Die FDP wurde mit 1,05 Millionen Euro und die Grünen mit 240 000 Euro bedacht.
[...] Zu den wichtigsten Spendern zählten [die Familie Quandt,] ferner die Deutsche Bank mit 1,55 Millionen Euro seit Juli 2002, DaimlerChrysler mit 1,2 Millionen Euro und die Allianz mit 1,05 Millionen Euro".

lt. ddp in STN 284 v. 08.12.2006 S. 2 v.  „Capital"

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Die Pensionsbezüge ...

... eines gefloppten Wirtschaftsministers
und seine weitere Kariere in der Privatwirtschaft

 
Wie bei Managern scheint in unseren Tagen auch bei Politikern zu gelten, dass wenn sie beruflich daneben hauen, sich für sie neue Einnahmequellen erschließen. Nicht nur, dass sie als quasi "Rentner" nun mehr Zeit für ihre Nebenpöstchen haben, nein, auch die alte Quelle sprudelt munter weiter, so dass ein totaler sozialer Bankrott auch bei erhöhten Lebensansprüchen kaum zu befürchten ist. Mit ein wenig Kleverness, sprudeln die alten Einkommen sogar recht beachtlich weiter, wie dieser Tage in einer Stuttgarter Zeitung unter "Döring erwartet üppige Pension" zu lesen war.

Da stand, dass es der EX-Wirtschaftsminister nach all seinen Flowtex- und Hunziger- Affärchen doch recht gut gemanaged habe, dass seine Pensionsansprüche stattlicher ausfallen werden. Genau heißt es hier (STZ 139 /2004 S.3):
 

„[Baden Württembergs] Walter Döring [...] bezog [.] inklusive Weihnachtsgeld und Familienzuschlag [...als Minister] monatlich 11.017 Euro brutto, [a]ls Landtagsabgeordneter [..] zusätzlich rund 4.500 Euro [...]. Nach seinem Ausscheiden am 1. Juli [...], weil er Landtagsabgeordneter bleibt, [gilt, dass d]ie Kürzungen bei den Ministerversorgungen, die das aktuelle Ministergesetz vorsieht, [.] im Fall Döring keine Anwendung [findet]. Grund: Döring ist seit dem 12. Juni 1996 im Amt. Für ihn gilt damit das alte Ministergesetz aus dem Jahr 1991, das weit höhere Pensionsansprüche vorsieht. Danach hat [... er] am 30. Juni nach genau acht Jahren und 19 Tagen im Amt einen sofortigen Anspruch auf ein Ruhegehalt von 55 Prozent seiner letzten Ministerbezüge erarbeitet.

Da das alte Ministergesetz in Baden-Württemberg vorsieht, dass Minister, die weniger als acht Jahre im Amt waren, ihre Pension erst vom 55. Lebensjahr an erhalten, hätte der 50-jährige Döring noch vor acht Tagen nicht zurücktreten können, ohne erhebliche Pensionseinbußen in Kauf zu nehmen. [... So] erhält Walter Döring [...] ein Ruhegehalt von monatlich 4.196 Euro.

Seine Abgeordnetenentschädigung erhöht sich auf 4.666 Euro zuzüglich diverser Pauschalen."

 

Herr Döring war übrigens inzwischen, nach eigenen Worten, sehr erfolgreich auf Arbeitssuche, allerdings nicht mehr in seinem ursprünglich ehrenwerten Beruf als Englisch- und Geschichtslehrer in Schwäbisch Hall, sondern als Unternehmensberater, und in absehbarer Zeit wohl vielleicht auch mal wieder als Politiker im Ländle oder gar im Bund, denn Politik sei nun mal sein eigentliches Leben - so etwa habe er sich gegenüber der Stuttgarter Zeitung (siehe StZ vom 06.12.2005 auf Seite 6) geäußert.

Seit gut einem Jahr sei der einst über die oben angerissenen Affären „gestürzte FDP-Star" inzwischen schon in der Wirtschaft tätig, wo er auch in seinem neuen Beruf wieder flotte Sprüche klopfe, lautet der entsprechend viel sagende Titel des angegebenen Artikels. Die Arbeitslosigkeit des einstigen Politikers jedenfalls hat nicht besonders lang gedauert - da sage mir doch noch mal einer, dass es in Deutschland keine Arbeitsplätze gebe, oder dass Politiker faul oder gar anspruchslos wären, denn schließlich handelt es sich hier in diesem speziellen Fall ja nicht gerade um einen EinEuroJob. Viel mehr bewege Walter Döring inzwischen wieder ordentlich Geld als „Vorstandsmitglied der Stuttgarter [.] AG, Gesellschaft für Restrukturierung und Management" für das er für auf Mittelständler spezialisierte Berater eifrig Kunden wirbt.

„"In kürzester Zeit" habe sich der Exminister in das ungewohnte Metier eingearbeitet, "sehr strukturiert und gut organisiert" mache er den Job. Für das Unternehmen [...] bedeute er längst einen "echten Mehrwert". Kein Wunder, dass der Liberale inzwischen auch Aktionär ist.

Döring solle das Beratungsgeschäft "durch Kontakte anreichern" [...]. Eigene Erfahrungen kann Döring beisteuern, wenn Unternehmen sich internationalisieren wollen. Nach mehr als fünfzig Auslandsreisen als Minister weiß er, wie man sich wo bewegen muss. "In den gesamten arabischen Raum", wirbt die [.] AG auf ihrer Internetseite, habe er gute Kontakte. Und die für Förderfragen zuständigen Stellen in Berlin und Brüssel seien ihm ebenfalls vertraut. [...] Zwischen Wirtschaft und Politik, bilanziert Döring ein gutes Jahr nach seinem Wechsel, "müsste es viel mehr Austausch geben".".

 

Und da tun die in Berlin und sonst noch wo in den Parlamenten doch gerade so, als wenn der Ex-Kanzler Gerhard Schröder der erste gewesen wäre, der sich sein Vitamin B als Politiker nachträglich und vielleicht auch gleichzeitig in der freien Wirtschaft vergolden läßt/ließ. Wie war das doch noch mit Scharping, dem Bruder aus dem Hause Schäuble, dem Alt- Standingovationsmanager und Ehrenwortschreiber und all den vielen anderen zuvor und danach, nicht zuletzt auch in der Branche der Waffenschieber?

Das wahrhaft Gute an der Politikerlaufbahn ist die absolute Haftungsfreiheit für das eigene politische Tun, die Möglichkeit der Interessensverquickung, das umgehend hohe Einkommen, auch für Habenichtse und natürlich die grundsolide lebenslange Absicherung nach kurzer Zeit, auch wenn die Damen und Herren danach in der freien Wirtschaft, auf dem von ihnen zuvor bereiteten und danach kräftig beackerten Boden, über die Pensionsbezüge hinaus noch Unsummen dazu verdienen. Ein Politiker muss wohl während seiner mehr oder weniger kurzen Amtsperiode nur unentwegt darauf achten, dass er von seiner Konkurrenz nicht gar zu schnell aus seinem sta[a]t[t]lichen Broterwerb hinaus katapultiert wird, der Rest folgt dann wie von selbst.

 

Ob ein Volksvertreter mit solchem Einkommen überhaupt noch die Ängste und Alltagsbewältigungsprobleme derer kennt, die man ,Volk' nennt und deren Interessen er zu vertreten ha (deren Wohl mehren und Schaden von ihnen zu wenden), die im Gegensatz zu dem Volksrhetoriker jedoch nur über einen Bruchteil von dessen Einkommen und Vermögen zum ,Überleben‘ verfügt? Und dann heißt es da auch noch so schön, sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist – tja, und Geld geht zum Geld – ist das nicht die Antwort darauf, warum sich so wenig Volkes Wille verwirklicht, das in der Regel rhetorisch und monetär nicht so bewandert ist, seine Interessen zu realisieren, ja sogar noch nicht einmal selbst zu erkennen.
 

Viele Bürger dieses Landes sind der Auffassung, dass Politiker als hoch qualifizierte Fachleute ein hohes Einkommen erhalten müssten, um sie gegen monetäre Beeinflussung und Vorteilsnahme zu wappnen. Doch meines Erachtens ist dies falsch, und unsere Lebenswirklichkeit beweist mir dies – nicht das Einkommen schützt einen Politiker vor der Verführung des Geldes, sondern ausschließlich dessen moralische Integrität, Politiker sind und waren immer wieder in Affären und Schiebereien und innerparteiliche Mauscheleien verwickelt, und es fragt sich auch, worin sich denn nun die hohe Qualifikation dieser Damen und Herren Rhetoriker definiert?

 
Begriffsdefinitionen zur Wörtern aus der Marktwirtschaft hier bei marktlex.de

Was wir wirklich brauchen, sind in Ihrer Grundhaltung ehrliche, charakterlich integere Menschen mit humaner, das Leben allumfassend achtender Gesinnung, welche sich den Auswirkungen ihres Handelns mit aufrechtem Gewissen zu stellen bereit sind - ohne Parteizwang - ohne Sachzwang - ohne Notlügen, ohne Verfilzung mit wirtschaftlichen Interessensgruppen.

 (siehe hierzu auch <Politiker>)

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Das Einkommen der Mediengrößen:

Talkmaster

Noch vor wenigen Jahren hieß es, dass die Entlohnung eines Menschen an dessen beruflicher Verantwortung ausgerichtet sei. Dem entsprechend verdient ein Monteur natürlich weniger als ein Politiker  (- und ein Arzt?).
Dass ein Manager eigentlich eine hohe Verantwortung trägt, mag niemand bezweifeln, also ist seine Entlohnung auch höher, als die eines durchschnittlichen Menschen. Ob dieser Firmenlenker für seine Aktivitäten im Zweifelsfall dann allerdings auch gerade steht, steht auf einem anderen Blatt geschrieben und ist in unsere Zeit doch sehr in Verruf geraten. Ob somit sein hohes Salär durch seine vorgebliche Verantwortung noch gerechtfertigt ist, scheint mehr als zweifelhaft zu sein.

Doch wo ist denn nun die Verantwortung, die begründet, dass Unterhaltungs-funktionsstelleninhaber à la Günther Jauch oder auch Sabine Christiansen pro Jahr mit jeweils fast 10 Millionen Euro für ein paar Talks entlohnt werden? Schaffen z.B. gerade diese beiden, stellvertretend für diese derart ausufernde Einkommensgruppe, ein deutlich beträchtlicheres Volksvermögen,  als beispielsweise ein Bankmanager à la Ackermann? Was empfindet der einfacher Mensch in diesem demokratischen Land, der sein ganzes Leben lang schuftet, dabei womöglich auch noch seine Gesundheit ruiniert und dem es dennoch niemals gelingt, auch nur annähernd die Summe zusammen zu bekommen, die derartige Show- und Konzerngrößen in einem einzigen Monat mal so geschwind auf ihr in- oder ausländisches Konto überwiesen bekommen? Eine Antwort hierzu geben zwei Leser der STUTTGARTER NACHRICHTEN am 08.12.2006 auf der Seite 15 in ihren Leserbriefen:

"...  und dies zu einem Preis, der einem die Zornesröte ins Gesicht treibt. Denn wenn ich richtig gelesen habe, soll Herr Jauch - wie auch Frau Christiansen - neun Millionen Euro jährlich erhalten für einen Polit-Talk mit fragwürdigem Informations- und Unterhaltungswert ..."

"... und da lese ich ...., dass Günther Jauch neun Millionen Euro .... - womit er sich ja in bester Gesellschaft mit den Topmanagern ... befindet ... Mit Verlaub - mich widert das an."

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Unter „Vergütung aktuell - Einstiegsgehälter sinken in allen Branchen"
schreibt die FAZ am 24.12.2005 auf Seite 55:

„Berufsanfänger haben im vergangenen Jahr weniger verdient [...]. Selbst Ingenieure mußten sich mit weniger zufriedengeben, obwohl sie als Mitarbeiter sehr gesucht sind. [...] Firmen stellen näher am Tarif ein, und [.] Bewerber sind bescheidener geworden [...] Dies ist bei den Ingenieuren, Mathematikern, Physikern und Informatikern der Fall, unabhängig davon, welchen Abschluss sie haben. Aber auch viele Betriebswirtschaftler hatten 2005 geringere Einstiegsgehälter als die Absolventen 2003. [...] Dabei hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt für die Hochschulabgänger leicht verbessert. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Anstellungen von Ingenieuren und Kaufleuten insgesamt um etwa 20 Prozent. Allerdings [...]: Ein Fünftel der Unternehmen hat im vergangenen halben Jahr gar keine Berufsanfänger eingestellt. [...] Die Bewerber trauen sich nicht, hohe Forderungen zu stellen [...]"

 

Derzeit übliche Einstiegsgehälter für Absolventen (in Euro)
Berufsabschluss 2003 2004 2005
BWL, VWL (Uni)

BWL (FH)

BWL
(BA / Bachelor)

Ingenieure,
Informatiker
Naturwissenschaftler (Uni)

Ingenieure,
Informatiker
Naturwissenschaftler (FH)


Ingenieure,
Informatiker
(BA / Bachelor)
 

43.248

38.162

38.162

 

46.550

 

41.205

 

41.844

47.395

43.426

41.747

 

48.629

 

43.546

 

42.258

44.525

41.000

37.740

 

44.769

 

40.589

 

40.890

Quelle: lt. FAZ; 24.12.2005; Seite 55; IG-Metall

Wann immer möglich, sollte jeder von uns
mit seinem Einkommen auskommen
können.

Nicht immer klappt es mit der Einhaltung dieses sicherlich nicht unbedeutenden Vorsatzes. Nicht immer ist Verschwendungssucht die Ursache dafür, das am Monatsende noch so viele Tage bei gleichzeitig so wenig Geldmitteln mehr übrig ist. Während die einen locker sagen können, ich zitiere einen Großverdiener mit einem offiziellen Großeinkommen von monatlich 17.600 Euro, seines Zeichens Vermögensberater, den der Stern in seiner Titelstory in Heft 12/2008 auf Seite 46 vorstellt:

Ich kann mir alle Wünsche erfüllen [, bin] völlig frei [und] kann [auch mal] einfach einen Ausflug mit meiner Familie machen [wenn mir danach ist].

Dem hingegen bleibt Menschen mit einem Einkommen von unter 2.000 Euro pro Monat eben nur noch der reine Zweckoptimismus oder eben staatsbürgerlicher Idealismus pur. Während also ein Teil der arbeitenden Bevölkerung eindeutig zuviel bekommt, bzw. den Hals nicht voll genug bekommen kann und deshalb schon gar nicht mehr weiß, wohin mit all dem Geld, müssen sehr viel mehr Menschen Tag für Tag auf Leben verzichten. Und da in jeder Wirtschaft eben alles miteinander verwoben ist, heißt das im Klartext, dass das Zuviel der einen mit dem Zuwenig der anderen erkauft wird. Mit Gerechtigkeit und Moral jedenfalls hat das Argumentieren von wegen bessere Bezahlung und mehr Status für mehr Verantwortung und vorgeblich auch mehr Arbeitsleistung und Wertschöpfung, und so weiter, nichts zu tun, sondern schlicht und einfach ausschließlich mit eigennützigem Egoismus, der bereit ist, auch über "Leichen" zu gehen. Ein Mensch in diesem Land braucht pro Monat, unter Einbeziehung seines Grundrechts auf Leben, auf ein eigenes Haus in lebenswerter Umgebung in etwa dreieinhalb bis maximal 5.000 Euro. Wer mehr in Anspruch nimmt, kann dies nur über durch nichts zu rechtfertigender Benachteiligung seiner Mitbürger.

Wie sich die Einkommensverhältnisse in unserem Land vermutlich annähernd gestalten, haben die Leute vom Stern zusammengetragen, auf deren Erkenntnisse die nachfolgende Auflistung beruht. Demnach sollen

"Vermögensberater bis zu 18.000 Euro, Wirtschaftsprüfer ebenfalls bis zu 18.000 Euro, Unternehmensberater - 20.000, ein Patentanwalt bis zu 75.000 Euro verdienen.

Des weiteren eine Synchronsprecherin bis 15.000, ein Druckereibesitzer - 13.500, ein Softwarespezialist bis 13.000, ein Rechtsanwalt bis 75.000 Euro pro Monat "verdienen"."

Und weiter verdient ein/e (bis zu /in Euro)
 

  • Werbetexterin 12.000

  • Sicherheitsdienst 10.000

  • Seelotse 9.000

  • Steuerberater 12.000

  • Binnenschiffer 7.750

  • Immobilienmakler 7.500

  • Tauchlehrer 7.100

  • Physiotherapeut 6.000

  • Schuhmacher 5.335

  • Versicherungsberater 12.500

  • Illustrator 12.000

  • Heilpraktikerin 5.000

  • Kürschner 5.000

  • Musiktherapeut 5.000

  • Architekt 5.000

  • Rätselmacher 5.000

  • Ambulanter
    Pflegedienst 4.800

  • Psychotherapeut 5.000

  • Innenarchitektin 4.500

  • Hausarzt  8.300

  • Bauunternehmer 4.200

  • Landwirt 4.165

  • Boutiqueinhaber 4.100

  • Fabrikant 4.000

  • Marktforscher 4.000

  • Detektiv 8.300

  • PR-
    Agenturbesitzerin 3.750

  • Artist/
    Zirkusdirektor 3.750

  • Bildhauerin 3.750

  • Regisseur 3.600

  • Geologe 3.750

  • Forstwirt 3.500

  • Schornsteinfeger 3.585

  • IT-Berater 3.350

  • Bäcker 8.800

  • Versicherungs-
    makler 3.300

  • Logopädin 3.260

  • Fotograf 6.665

  • Zoohändler 3.250

  • Apotheker 7.080

  • Imbissbuden-
    besitzer 3.000

  • Koch 3.000

  • Gutachter 3.000
  • Imker 3.000
  • Prostituierte 3.000
  • Friseur 4.150
  • Fitnesstrainerin 3.000
  • Tierarzt 2.900
  • Kfz-Werkstatt-
    betreiber 7.800
  • Kioskbesitzerin 3750
  • Bierbrauer 2.800
  • Weinhändler 2.750
  • Taxifahrer 2.670
  • Optiker 2.600
  • Bestatter 12.500
  • Autohändler 2.500
  • Winzer 3.150
  • Veranstaltungs-
    techniker 2.500
  • Alleinunterhalter 2.500
  • Trauerrednerin 2.500
  • Modedesignerin 4.170
  • Eiscafebesitzer 2.500
  • Masseurin 2.500
  • Dolmetscher 2.350
  • Restaurator 3.000
  • Fischer 2.100
  • Schauspieler 2.085
  • Journalistin 6.665
  • Schäfer 2.800
  • Haushaltshilfe 2.000
  • Goldschmied 1.940
  • Fahrlehrer 4.500
  • Gastronomin 1.800
  • Instrumentenbauer 6.500
  • Buchhändler 1.700
  • Discjockey 1.665
  • Kosmetikerin 1.625
  • Markthändlerin 1.500
  • Tierpräparator 1.500
  • Hebamme 3.400
  • Ernährungs-
    beraterin 1.450
  • Schriftsteller 1.400
  • Musiker 1.310
  • Schuldenberater 3.300
  • Tanzlehrerin 1.250
  • Tagesmutter 2.000
  • Fahrradkurier 1.000
  • Komponist 1.045
  • Künstler 860
  • Ladenbesitzerin 500
  • Sängerin 820
  • Reitlehrerin 0

Die Einkommenswerte sollen sich im Sternartikel auf das monatliche Einkommen befragter Personen beziehen.

 

Von Beginn an hat eine Entwicklung das Wirtschaftsjahr 2005 geprägt: Personalstellenabbau. Konzerne mit teils erheblicher Gewinnsteigerungen trennen sich von Beschäftigten -

 

Personalstellenabbau
 

2005

2006
(voraussichtlich)

 

ALCAN 300 AGFA
PHOTO 1.700
ALCATEL 200 OPEL 9.000
ALSTROM 1.000 KARSTADT/
QUELLE 5.700
AUWÄRTER 155 WALTERBAU 3.000
CROSS HÜLLER 190 AEG 1.750
DANAHER 100 GENERALI 2.000
DIEHL AKO 314  
EDEKA 3.200  
EPCOS 150  
ESSELTE LEITZ 160  
EX-CELL-O 100 FORD 1.300
FREUDENBERG 410 LINDE 1160
GETRAG 200 MIELE 1100
GROHE 1.200 GROHE 1.240
HANSAMETALL 200  
HEIDELBERGER
CEMENT 244
HAMBURG-
MANNHEIMER 1.000
HEWLETT-
PACKARD 1.500
HEWLETT-
PACKARD 1.500
IBM 2.000 IBM 1.600
KVERNELAND 256 DEUTSCHEBANK 1.920
MÄRKLIN 70  
MARCONI 1.000  
MERCEDES 16.000  
MTU 500  
NEOPLAN 414  
PANASONIC 600  
PEGUFORM 500  
PLOUCQUET 200  
SCHEFENACKER 300  
SÜDWESTBANK 116  
TELEKOM 5.500 TELEKOM 32.000
VOLVO 220  
VOSSLOH-
SCHWABE 140
HYPOVEREINS-
BANK 2.400

Quelle: STZ v. 31.12.05 S.15 & DIE ZEIT v. 29.12.2005 S.22
alle Angaben ohne Gewähr

 

Der kontinuierliche Stellenabbau landauf landab ist sicherlich ein probates Mittel zur Belebung der Binnennachfrage in Deutschland. Aber da gibt es ja bekanntlich noch genügend Erbvermögen, das unbedingt auch noch abgesch(r)öpft werden will, bevor das Potential der verhinderten Konsumenten eine Neuorientierung in der Personalpolitik initiieren kann (siehe hierzu auch Kaufrückhalt - Kaufkraftverweigerung). Deutschland als Entwicklungsland zur Beseitigung betrieblicher Mitbestimmung ist letztlich wohl  kaum erstrebenswert.

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Unternehmer und Investoren aktuell:

 
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... als unbedingtes Geschenk Ihres Bundesland?

Hier die Geschichte des Investors / Unternehmers Rolf Deyhle, wie sie in den Zeitungen stand:

In Baden Württemberg ist der Unternehmer Deyhle, so man Zeitungsjournalisten noch glauben darf, ein den Landespolitikern recht gut bekannter Unternehmer bzw. Investor. Gemäß einschlägiger Literatur soll er gar mit 0,6 Mrd. Euro ausgestattet (gewesen) sein. Er macht(e) gern in Musicals, Filmen und Immobilien. Eigentlich stünde der in Stuttgart Gablenberg geborene Unternehmensprofi eher der SPD nahe, dennoch habe er sich immer ordentlich mit dem eben erst ausgeschiedenen, politisch ehr konservativ orientierten langjährigen Landesvaters verstanden, von dem dieser Tage in der Wochenzeitung DIE ZEIT  unter Leben / Wochenschau vom 20.10.2005 auf Seite 66 mit der Titelergänzung "Der Anfänger - ein gemeinsames Bier mit dem Erstsemester Erwin Teufel in einer Münchner Studentenkneipe, gestanden hat, dass selbiger inzwischen in München Philosophie studiere, was einen seiner jungen Kommilitonen zu der tiefgründigen Bemerkung bewog, dass es vielleicht schlüssiger wäre, zuerst Philosophie zu studieren, und dann Politiker zu werden.

Ende des zur Neige gegangenen Jahrtausends habe Deyhle eine weitläufig entwickelte Immobilie inmitten eines Schutzgebiets bewohnt, in welchem eigentlich gar nicht hätte gebaut werden dürfen. Ob da politisch was dabei gelaufen ist, weiß niemand so recht. Eines Tages ist selbige vielleicht sogar unerwünschter Weise in der regionalen Presse aufgetaucht. Kurze Zeit später ist ein solches Anwesen für 16 Millionen bei einer Stuttgarter Privatbank ausgeschrieben worden.

Mit Stuttgart eng verbunden, hat Rolf Deyhle aus dem im einst vor sich hin dümpelnden alten Stuttgarter SI nahe dem Flughafen, ein florierendes Musicalzentrum mit allem Drum und Dran einschließlich Spielbank und Relaxenvironment- Großbad geschaffen, welches Zuschauerströme anlocken und den Tourismus zwecks Übernachtungen ankurbeln helfen sollte. Leider liess die Wirkung des Neuartigen und Schönen eines Tages zunehmend zu wünschen übrig, so dass seine Musicalbetreiber-Stella AG mangels Nachfrage, oder vielleicht auch wegen eines Missmanagements, in die Miesen rutschte, in eine Schieflage, welche die Stuttgarter Landesregierung zu beheben getrachtet haben soll. Sie habe Rolf Deyhle deshalb scheinbar uneigennützig einen Kredit über 50 Mill. DM sprich 25 Mill. Euro  zukommen lassen, der mit einer Landesbürgschaft über 30 Mill. DM abgesichert gewesen sein soll. Doch der Laden lief dennoch nicht mehr an, so dass sein Konkurs unausweichlich wurde. Da jedoch die 50 Mill. DM wohl bei all den Abwicklungen außen vor blieben, habe die Staatsanwaltschaft ihrerseits zu ermitteln begonnen. Hat Rolf Deyhle etwa die Öffentlichkeit betrogen oder gar Gelder veruntreut? Sein Anwalt behauptete, dass dem nicht so gewesen sei, denn Rolf Deyhle habe jene 50 Millionen Deutsche Mark einfach so bedingungslos zur freien Verfügung von der Landesregierung ausgehändigt bekommen. Dass diese Aussage ihre Richtigkeit habe, beeilte sich damals deshalb sogleich der Wirtschaftsminister Döring (siehe oben) der Öffentlichkeit zu erklären. Natürlich habe man von politischer Seite erwartet, dass der Unternehmer speziell mit diesem Geld die marode StellaAG wieder flott machen würde, um Arbeitsplätze in der Region zu erhalten, aber vertraglich explizit festgelegt habe man diese Intention natürlich nicht, stand zu jener Zeit in den Stuttgarter Zeitungen zu lesen.

Demnach, so dachten belesene Stuttgarter, sei der Unternehmer Deyhle wohl ebenso pleite, wie der einstige Medienmogul Leo Kirch, und wer möchte schon einem nackten Mann das letzte Hemd ausziehen? Doch weit gefehlt, Deyhle meldete sich in jenen turbulenten Tagen wenig später höchst persönlich in einem Leserbrief zu Wort, in welchem er ausdrücklich feststellte, dass er persönlich keineswegs pleite sei. Ob die 'geschenkten' Millionen dabei behilflich gewesen sind? Auf Nachfrage war danach nur noch gerüchteweise was zu vernehmen, nämlich dass sich Rolf Deyhle inzwischen in Sachen Musical unternehmerisch vor allem auf Sylt aufhalte.

Das ganze ist erst wenige Jahre her, da meldet sich Rolf Deyhle nun in der Stuttgarter Zeitung vom 19. Oktober 2005 nach langen Jahren des Schweigens mit einem neuen Projekt zur Belebung des Tourismuses der Landeshauptstadt Stuttgart wieder zu Wort:

„Rolf Deyhle will Stuttgart mit einem neuen [Kultur?] -Projekt zu einem weiteren Schub bei den Übernachtungszahlen verhelfen. [...] Seit 1998, als die Banken die Macht in seiner einst unüberschaubaren Firmengruppe übernahmen, hatte er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. [...] Wenig später erfahren die Zuhörer [...], dass die Zeit der Zurückgezogenheit offenbar vorbei ist. Er stellte seine Vision von der Umgestaltung der Stuttgarter Kulturmeile mit einer Hügellandschaft über der Konrad-Adenauer-Straße, einem Künstlerviertel zwischen Staatsgalerie und Landtag und einem Pferdebrunnen als neuem Wahrzeichen vor. 'Gerne bin ich bereit, an einer solchen Gesamtentwicklung mitzuwirken und meine jahrzehntelangen Erfahrungen und mein Knowhow auf dem Gebiet der Schaffung von touristischen Großanlagen und Projekten und aus dem Entertainmentbereich voll einzubringen.'

[...] im Handel mit Filmrechten war Deyhle nach Leo Kirch die Nummer zwei in der Branche. [...] Als drittes Standbein baute Deyhle Ende der 80er Jahre den Musicalkonzern Stella auf, der Mitte der 90er Jahre praktisch eine Monopolstellung in Deutschland hatte. Sein Werk ist auch der Ausbau des alten Stuttgarter SI-Centrums in Möhringen zum heutigen Unterhaltungszentrum mit zwei Musicaltheatern, einem Hotel, der Spielbank, der Wellness- und Saunalandschaft Schwaben-Quellen, einem Großkino und fast 20 gastronomischen Einrichtungen. [...] Daran änderte auch die Schieflage der Unternehmensgruppe Deyhle, deren Auflösung und - in der Folge - die zweimalige Insolvenz des Musicalunternehmens nichts."

Inzwischen ist es raus, was die schwäbische Landeshauptstadt Stuttgart von dem oben so gut gesponserten Unternehmer Deyhle zu erwarten hat. Die Stuttgarter Presse vom 27. Januar 2007 unter Kultur auf Seite 15 informiert, dass sich der gewichtige Herr dieser Tage endgültig als Kunstsammler zurück gemeldet habe und die Stuttgarter Staatsgalerie mit einem bislang unausgestellten ungewöhnlichen Renoir von etwa 1860 als Leihgabe beglücken wird. Was man doch so alles für ein paar Millionen so nebenbei bekommen kann - den kunstbegeisterten Steuerzahler wird's jedenfalls erfreuen, und Kunst und Geld gehören bekanntlich ja auch zusammen.  

Für Unternehmer und Investoren scheint ein guter Draht zur Politik augenscheinlich vorteilhaft für den Erfolg zu sein, vielleicht auch, weil Politiker eine zunehmend kürzer werdende Halbwertzeit aufweisen und im übrigen sowieso nicht für die von ihnen angerichteten Schäden haften, ... na, vielleicht ist dem doch auch nicht mehr ganz so = siehe EQUAL.

Und dann ist es soweit, der einst von Baden Württemberg mit 50 Millionen DM (=ca. 25 Mill. Euro) bedachte Investor übt sich als Gönner und hängt mit einem feuchten Auge seinen Renoir „Dame im Pelz" in die Stuttgarter Staatsgalerie, offensichtlich zur Erbauung des Publikums: „Sie wirkt so natürlich und ist wunderschön", jedenfalls schreibt in etwa so die STUTTGARTER am 03. Februar 2006 auf Seite 26 (siehe Abbildung). Vollendet wird der Artikel mit einem Bild der Fotoreporterin Franziska Kraufmann, die für den stillen Betrachter Aufschlussreiches rüberbringt, ob nun gewollt oder zufällig: da sitzt ein Investor und stehen zwei Herren, der ohne Schildchen ist der Chef der Galerie und der mit ist ein Mitarbeiter. Ob das Verleihen seines Bildes Herrn Deyhle so erschöpft hat, oder ob er einfach gewohnt ist zu sitzen, während stellvertretende Begünstigte um ihn herum stehen, oder ob er Probleme mit seinen Beinen hat, ist dem Begleittext leider nicht zu entnehmen. In jedem Fall erfreut sich die Leihgabe öffentlicher Resonanz, oder ist damit eher der Spender gemeint? Weitere Leihgaben sind evtl. noch möglich, Bildung fürs Volk, dem Herrn sei Dank.

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Honoré de Balzac's Rat
für den Weg zum Erfolg als Jurist und überhaupt:

Wie fangen wir es bloß an, dass die Pfanne voll wird? Vorläufig müssen wir uns durch das Gesetzbuch hindurchessen, das ist weder amüsant noch sehr lehrreich, muss aber sein. Also gut. Dann machen wir unsere Examina, werden Anwalt, um nachher Gerichtspräsident zu werden und arme Teufel, die viel besser sind als wir, mit dem eingebrannten Kainszeichen der Zuchthäusler auf der Schulter ins Gefängnis zu schicken und den Reichen zu beweisen, dass sie sich ruhig schlafen legen dürfen. Das ist nicht lustig und dauert sehr lange. Zwei Jahre muss man zuerst in Paris herumschwitzen und die Leckereien anstaunen, die man selbst gern essen möchte. Es ist ermüdend, sich immer etwas zu wünschen, was man doch nicht bekommt. [...] Wenn Sie vernünftig sind und Milch trinken, werden Sie nach grässlicher Langeweile und vielen Entsagungen, die einen Hund wild machen könnten, zuerst zum Gehilfen irgendeines Narren in einem Provinznest ernannt, wo Ihnen die Regierung ein Gehalt von tausend Franken hinwirft, wie einem Metzgerhund den Knochen. So, nun kläffe hinter den Dieben her, verteidige die Reichen, köpfe beherzte Männer! Danke schön! Und wenn Sie keine Protektion haben, verkommen Sie in Ihrem Provinzloch. Mit dreißig Jahren können Sie es zum Richter mit einem Jahresgehalt von zwölfhundert Franken gebracht haben, wenn Sie nicht schon vorher diesen Beruf an den Nagel gehängt haben. Wenn Sie vierzig sind, heiraten Sie dann irgendeine Müllerstochter, die als Mitgift eine Rente von mindestens sechstausend Franken bekommt Na, ich danke bestens! Haben Sie aber Gönner, so können Sie mit dreißig Jahren schon königlicher Staatsanwalt sein, tausend Taler verdienen und die Tochter des Bürgermeisters heiraten. Wenn Sie dann noch ein kleine politische Gemeinheit begehen, können Sie mit vierzig Jahren Generalprokurator sein und Abgeordneter werden. Denken Sie daran, mein liebes Kind, dass unser Gewissen manches wird aushalten müssen, dass wir zwanzig langweilige Jahre heimlichen Elends zu ertragen haben werden [...] Außerdem kann ich Ihnen die Mitteilung machen, dass es nur zwanzig Generalprokuratorstellen [...] gibt und dass Sie zu zwanzigtausend Bewerbern gehören, von denen viele gern ihre Familie verkauften, um eine Stufe höher zu steigen. Wenn dieses Handwerk Sie aber anwidert, müssen wir uns nach etwas anderem umsehen. Will der Herr [...] vielleicht Advokat werden? Ei, das ist hübsch! Zehn Jahre muss man Gott weiß was durchmachen, monatlich tausend Franken verausgaben, eine Bibliothek, ein Arbeitsbüro haben, in Gesellschaft gehen, anderen Anwälten den Talar küssen, um auch einmal Fälle zu bekommen, den Gerichtssaal mit der Zunge ablecken. Ich wollte noch gar nichts sagen, wenn Sie reich dabei würden, aber zeigen Sie mir [...] fünf Advokaten, die auf der Höhe ihrer Laufbahn mehr als fünfzigtausend Franken im Jahr verdienen! Lieber wollte ich Seeräuber werden, als dass ich mich so erniedrigte! Und woher wollen Sie übrigens das Geld nehmen? Das ist kein Vergnügen, sage ich Ihnen. Rechnen wir meinetwegen mit der Mitgift einer Frau. Wollen Sie sich verheiraten? Das hieße doch, sich einen Stein um den Hals hängen. Und wenn Sie eine Geldheirat machen, wie verträgt sich das mit dem Ehrgefühl und der vornehmen Gesinnung? Wie eine Schlange müssten Sie sich vor Ihrer Frau krümmen, Ihrer Schwiegermutter die Füße lecken und Gemeinheiten begehen, vor denen sich ein Schwein ekeln würde! Pfui Teufel! Wenn Sie glücklich würden, ginge es noch an. Aber ein solches Leben wird trist sein wie ein schmutziger Rinnstein.

So sieht's am Scheideweg des Lebens aus, mein junger Freund,
Sie müssen sich entscheiden! [...]

Wie kommt man rasch zu Geld: das ist das Problem, über dem heutzutage mit Ihnen fünfzigtausend junge Männer in der gleichen Lage brüten. Machen Sie sich ein Bild von den ungeheuren Anstrengungen, die Ihnen bevorstehen, und von der Erbitterung des Kampfes. Wie die Spinnen müssen Sie sich gegenseitig auffressen, denn wo sind fünfzigtausend gute Stellen! Wissen Sie, wie man hier seinen Weg macht? Als leuchtendes Genie oder als geschickter Verbrecher. Man muss entweder wie eine Kanonenkugel, in die Gesellschaft einschlagen oder sich wie eine Seuche hineinschleichen. Anständigkeit führt zu gar nichts. Die Verderbtheit ist mächtig, weil das Genie selten ist. Sie ist die Waffe der Mittelmäßigkeit, von der es übergenug gibt, ihre Dolchspitzen finden Sie darum überall. Sie werden Frauen kennenlernen, deren Ehemänner nur sechstausend Franken für den Haushalt beibringen, die aber mehr als zehntausend Franken für ihre Toiletten ausgeben. Sie werden Beamte finden, die mit zwölfhundert Franken ein Landgut erwerben. Sie werden erleben, dass Frauen sich verkaufen, um mit dem Sohn eines Pairs von Frankreich ausfahren zu können. .... ."

aus:

Honoré de Balzac,
Vater Goriot,

bzw.
dessen menschlichen Komödien
bzw.
den Komödien der Menschen

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Deutschlands Armutsberichte

 
Wie es derweil den zunehmend zahlreicher werdenden Ärmsten unter den Armen in unserem ach so reichen Lande geht, das lag bis vor wenigen Jahren noch überwiegend im Land der Spekulation. Seit der vergangenen Rot-Grün-Koalition können wir dies in den Armutsberichten erfahren. Leider hat das BMGS schon mehrmals die entsprechenden Interneturls verändert, so dass nie auf lange Sicht die Seiten verbindlich hier angegeben werden können. Ob das System hat, liegt im Dunkeln? Zur Zeit finden Sie selbige unter folgenden urls:

<Übersicht über die Armutseiten>

Diese befinden sich alle auf dem Server des Bundesministeriums für Gesundheit in verschiedenen Formaten.

Sie können davon ausgehen, dass sich die URL's dazu ständig ändern und es ist zu befürchten, dass dieser Wirr Warr System hat. Auch wenn die einzelnen elementaren Publikationen auf den Servern des Bundes und der Länder nicht immer zuverlässig verbindlich gefunden werden können, die Zunahme der Armut unter den Ärmsten in unserem Land ist sicher, auch wenn es nun mal wieder scheinbar wirtschaftlich "bergauf" geht. Solange sich gerade in der Politik niemand für die Gruppe der absolut Benachteiligten wirklich stark macht, wird sie auch weiterhin die Zeche für die "anderen" zu bezahlen haben.

 
Am 23 Juni 2005 schrieb DIE ZEIT auf Seite 32, dass die Kinderarmut in Deutschland seit Anfang der neunziger Jahre deutlich gestiegen sei. Das sei das Ergebnis einer Studie des Unicef Mitarbeiters Miles Corak sowie der Ökonomen Michael Fertig und Marcus Tamm vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Und weiter heißt es:

„Lebten 1991 noch weniger als acht Prozent der Kinder unterhalb der Armutsgrenze, so sind es heute deutlich über zehn Prozent.
Die Forscher beobachteten dabei nicht nur eine Zunahme der relativen, sondern auch der absoluten Armut. Das heißt, dass nicht nur die Ungleichheit zwischen Kindern aus so genannten guten und schlechten Verhältnissen deutlich gestiegen ist. Kinder aus unteren Einkommensschichten müssen heute auch mit weniger Geld auskommen als ihre Altersgenossen zu Anfang der neunziger Jahre. Besonders betroffen von Armut sind nach dem Ergebnis der Studie Kinder von Alleinerziehenden und Ausländern. Während vier von zehn Kindern allein erziehender Elternteile in Armut leben, sind es in Familien mit zwei Erwachsenen nur vier von hundert. [...]"

In Leipzig sei ein Armenhilfeverein "Helfende Hände" gegründet worden, der über Ver.di Leipzig Tel.: 0341 - 21 609-12 bzw. Fax: 0341 - 21 609-90 und die email lpzhelfendehaende@aol.com kontaktiert werden kann.

Laut Tagessatz (Sozialhilfe) stünden einem unter 14 Jahre alten Kind im Osten für das Frühstück 50 Cent, das Mittagessen und Abendbrot je 89 Cent zu. Darüber hinaus gibt es nichts oder muss an anderer Stelle eingespart werden.
(VER.DI PUBLIK 12 - 01 2005/06 Seite 7)

Die Zunehmende Armut gerade unter den ohnehin schon Schwachen hat nicht unwesentlich  mit den Ambitionen des Staates zu tun, seiner hohen Verschuldung dadurch Herr zu werden, dass im Bundes- und Länderhaushalten gespart wird, auf Teufel komm raus, vor allem bei den Bevölkerungsgruppen, die sich mangels Lobby und Einflussmöglichkeiten scheinbar nicht zu wehren vermögen, während gleichzeitig noch immer die uralte Parole geschwungen wird, dass man dem Markt, also den Kapital- und Produktionsmittelinhabern möglichst freie Hand lassen solle. Die Crux hieraus aus der Geschichte, schreiben sich zwischenzeitlich sogar die Braunen wieder auf ihre propagandistischen Fahnen, indem sie, gewisser Maßen als aktuelle eigene Neuentdeckung auf folgende Sachverhalte hinweisen, die bereits 1983 in einem Buch eines ZEIT-Autors im Robinson Verlag nachzulesen waren:
 

"Was die Regierung ihnen zumutete, waren höhere Beiträge für die Arbeitslosenversicherung bei weniger Unterstützung; Gehaltskürzungen für Beamte und Angestellte; Ergänzungsabgaben zur Einkommensteuer, eine Ledigensteuer, Getränkesteuern. [...] Das Bürgertum jedoch setzte Vertrauen in [den] Kurs des eisernen Sparens. Aber aller Schwung [...] konnte nicht verhindern, dass bis Jahresende die Arbeitslosenzahl auf fast fünf Millionen anschwoll [...] Hauptsache, die Währung blieb stabil. [...] Auf keinen Fall dürfe der Staat eingreifen man solle ruhig auf die »Selbstheilungskräfte« der Wirtschaft vertrauen. Der Markt mit seinem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage werde alles regeln. [...] Immer mehr Arbeiter wurden auf die Straße gesetzt, bald auch die Angestellten, die Junglehrer, die verarmten Mieter[,] Schulabgänger, Lehrlinge und Studenten [...]. Das Krisenjahr 1931 stellte 1930 noch weit in den Schatten: [...] fast bis zu 25 Prozent wurden innerhalb eines Jahres die Bezüge der Beamten gekürzt, drastisch zusammengestrichen erst recht die Unterstützungssätze der Arbeitslosen. Die ausgesteuerten Erwerbslosen fielen der Wohlfahrt zur Last, so dass die Gemeinden, ohnehin tief in der Kreide, neue Schulden machen mussten. [...] Dennoch fielen den Verantwortlichen keine anderen Rezepte ein. Sparsamkeit hieß [.] das Allheilmittel [...] Er wollte die Tarifverträge beseitigen und die Arbeitslosenversicherung liquidieren, für alle Unterstützten die Bedürftigkeitsprüfung anordnen [...] Trotz eisernen Sparens konnte Brüning zu keiner Zeit den Haushalt ausgleichen. Und auch die Hoffnung auf steigende Exporte trog. Brüning hatte die deutschen Produktionskosten um zwanzig Prozent senken wollen, damit die deutsche Industrie auf den Weltmärkten konkurrenzfähiger wurde. [...]"

aus: Der 30 Januar von Karl Heinz Janßen;
ISBN 3-88592-037-9

Sogar Hitler vertrat die Auffassung, dass es unklug sei, das Kapital und die Wirtschaft in seiner Freiheit einzuengen. Heute wissen wir, dass auch Wirtschaftsexperten, Insider, ja sogar Wirtschaftskapitäne und Großunternehmer nicht allwissend sind, zumindest sollte dies aus der Geschichte heraus längst bekannt sein. Dem Markt keine Grenzen setzen heißt, der Spekulation, der Sucht nach dem schnellen, verantwortungslos gewonnenen Geld Tür und Tor öffnen - die Zunahme der Spekulationen, der Spekulanten und deren von diesen verursachten Tragödien spricht eine deutliche Sprache hierzu. Und dafür Armut der ohnehin schon Ärmsten zuzulassen, ist in keiner Weise zu rechtfertigen, denn wie bereits erwähnt, wir alle haben immer nur jeweils ein Leben, und alle Menschen sind gleich, zumindest steht es so geschrieben als Grundlage für eine reale Demokratie als Garant für individuelle Freiheit für jeden einzelnen Bürger dieses Landes.

 

 

Wenn wir jedoch wissen wollen, was denn nun in unserem noch immer ach so reichen Land an Armut möglich ist, der möge sich doch einmal an das "Märchen" 'Schwefelhölzchen' von Hans Christian Andersen von vor über 150 Jahren erinnern. Zur Gedächtnisstütze hier eine auszugsweise kurze Zusammenfassung aus einer der deutschen Übersetzung von 1984, ISBN 3-88379-805-3:

Es war entsetzlich kalt [...] der letzte Abend des Jahres. In dieser Kälte und Finsternis ging auf der Straße ein kleines, armes Mädchen, mit bloßem Kopfe und nackten Füßen. [...]

Niemand hatte den ganzen langen Tag ihr etwas abgekauft, niemand ihr einen Pfennig geschenkt. Zitternd vor Kälte und Hunger schlich sie einher, ein Bild des Jammers, die arme Kleine! Die Schneeflocken bedeckten ihr langes, blondes Haar [...]

Aus allen Fenstern glänzten die Lichter, und es roch ganz herrlich nach Gänsebraten: es war ja Silvesterabend. Ja, daran dachte sie!

In einem Winkel, von zwei Häusern gebildet [...] setzte sie sich hin und kauerte sich zusammen. Die kleinen Füße hatte sie an sich gezogen; aber es fror sie noch mehr, und nach Hause zu gehen, wagte sie nicht: sie hatte ja keine Schwefelhölzchen verkauft und brachte keinen Pfennig Geld. Von ihrem Vater würde sie gewiss Schläge bekommen, und zu Hause war es auch kalt; über sich hatten sie nur das Dach, durch welches der Wind pfiff, wenn auch die größten Spalten mit Stroh und Lumpen zugestopft waren.

Ihre kleinen Hände waren beinahe vor Kälte erstarrt. Ach! Ein Schwefelhölzchen konnte ihr gar wohl tun, wenn sie nur ein einziges aus dem Bunde herausziehen, es an die Wand streichen und sich die Finger erwärmen dürfte.

Sie zog eins heraus. Ruscht! wie sprühte, wie brannte es! Es war eine warme, helle Flamme, wie ein Lichtchen, als sie die Hände darüber hielt [...]. Es schien [.] dem kleinen Mädchen, als säße sie vor einem großen, eisernen Ofen mit polierten Messingfüßen [...]. Das Feuer brannte so gesegnet, es wärmte so schön [...] sie konnte in [ein] Zimmer hineinsehen.

Auf dem Tische war ein schneeweißes Tischtuch ausgebreitet, darauf stand glänzendes Porzellangeschirr, und herrlich dampfte die gebratene Gans, mit Äpfeln und getrockneten Pflaumen gefüllt. [...]

Die Weihnachtslichter stiegen höher und höher; sie sah sie jetzt als Sterne am Himmel; einer davon fiel herunter und bildete einen langen Feuerstreifen. "Jetzt stirbt jemand!" dachte das kleine Mädchen [...]

"
Großmutter!" rief die Kleine. "Oh! Nimm mich mit! Ich weiß, du entfernst dich, wenn das Schwefelhölzchen erlischt [...]. Und die Schwefelhölzchen leuchteten mit einem solchen Glanze, [...] die Großmutter war nie früher so schön, so groß gewesen; sie nahm das kleine Mädchen auf ihre Arme, und beide flogen in Glanz und Freude so hoch, so hoch; und dort oben war weder Kälte noch Hunger, noch Angst [...].

Aber im Winkel an die Mauer gelehnt, saß in der kalten Morgenstunde das arme Mädchen mit roten Backen und mit lächelndem Munde - erfroren an des alten Jahres letztem Abend.
[...] "Sie hat sich erwärmen wollen!" sagte man. [...]

Was es früher schon gab, das ist auch heute gerade auch bei jederzeit möglich, denn Moral und Ethik sind wandelbare Begriffe, es muss dazu nur lange genug manipuliert werden.

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frei nach Titanic, ISBN 3-455-08777-9:

Nicht nur gegen Asylanten wird diese Weltanschauung realisiert !

Die Methode dazu ist nicht nur manuelle,
sondern vor allem suggestive Manipulation
nach gewohntem Muster wie folgt:

 


Wasserprediger und Weintrinker

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
und predigten öffentlich Wasser.

Heinrich Heine; Wintermärchen


Bedenklich, weil durchaus berechtigt, ist das Resümee der Autoren Dorothee Beck und Hartmut Meine, dass es immer wieder Bessergestellte bzw. -verdienende sind, die den sozial Benachteiligten Wasser zu trinken empfehlen, obwohl sie selbst moralisch ungeniert, aber nach außen hin versteckt dicken Wein schlürfen.

In unseren Tagen jedoch entwickelt sich ganz ungeniert die Tendenz, Reichtum wieder protzig - plakativ demonstrativ zur Schau zur stellen - zum einen als Leistungsanreiz, für vorgeblich erreichbaren Lohn bei ,unumschränkt solidarischem', sprich ,selbstlosem' Leistungseinsatz mit verstecktem Egoismus, aber auch um Macht zu demonstrieren, mit den Säbeln zu rasseln, pardon, mit den Regenschirmen die verhasste Meute zu prügeln, womit die ,bedenklich aufsässig' Machtlosen in Grenzen gehalten werden sollen. Zur Kompensation der daraus sich entwickelnden ,Unsicherheiten' bedarf es hierzu dann, gewissermaßen im Gegenzug, ,ultimativer' Gesetze zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit bzw. des sozialen ,Friedens'..

Und <Johann - Günther König> definiert das soziale Missverhältnis unseres Land ursächlich, indem er schreibt: ,,Wenn Kapital immer dort investiert würde, wo die unbefriedigten Bedürfnisse am größten sind, hätten wir vielleicht Anlass, von der Bundesrepublik als einer [ausgeglichenen] ,Wohlstandsgesellschaft' zu reden. Davon kann in unserer Gesellschaft, der an der Schwelle zum dritten Jahrtausend fast sieben Millionen Arbeitsplätze - oder besser: Erwerbsmöglichkeiten - fehlen, an die drei Millionen Menschen auf Sozialhilfe angewiesen sind und bereits jedes siebte Kind unter sieben Jahren im Sozialhilfebezug ist, aber schlechterdings nicht die Rede sein.

(aus: ,Alle Macht den Konzernen' (ro ro ro, ISBN 3 499 22486 0))

 
 


 

Alle Menschen sind gleich,
doch manche sind gleicher.

George Orwell, Animals Farm

 

Armut ist die schlimmste Form von Gewalt

Mohandas Karamchand Gandhi
Mahatma Gandhi
 

 

Einigkeit, Recht und Freiheit
oder
Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit?

 
 


siehe hierzu auch
<
Kaufrückhaltung>

und

hier bei marktlex.de

 

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Staatsverschuldung Deutschlands

 
Im Gegensatz zum kontinuierlich zunehmenden überproportionalen Reichtum einiger weniger, ist unser Staat (Bundesrepublik Deutschland) als Terrainbeschaffer für obigen Reichtum z.Zt. vordergründig mit beinahe

1.500.000.000.000 (in Worten: einskommafünfbillionen) Euro

 bei rasch steigender Tendenz bei seinen Kapitalgebern (siehe ebenso oben) verschuldet.

In diese Summe noch nicht eingerechnet ist der Betrag für die zukünftige Pensionen der treu ergebenen fleißigen Staatsdiener, die für wenig Geld das leisten, was Politiker einbrocken. Eigentlich müsste unser aller Staat als Arbeitgeber der verfügbaren Beamten aus den laufenden Haushalten Rückstellungen für deren zu erwartenden Pensionen bilden, doch dann würden ja weitere Löcher in den aktuellen Staatshaushalten auftauchen, also werden deren in der Regel bis auf wenige Ausnahmen keineswegs üppigen Altersversorgungen zukünftigen Generationen aufgebürdet oder aber eben einfach nie ausbezahlt, wie z.B. bei den Renten durch Erhöhung des Pensionierungsalters. Zählen wir die in Zukunft bereits zu entrichtenden Pensionen und Politikerversorgungen hinzu, belaufen sich die Schulden unserer bereits gehörig ausgenommenen Republik auf sage und schreibe fast 5 Billionen Euro - die Gelddruckpresse lässt grüßen. 

 

DIE ZEIT Nr. 5 2006 Seite 28 v. 26.01.06:

 USA 2005:

Leistungsbilanzdefizit: 700 Billionen US-Dollar
Staatsverschuldung: 40 Billionen US-Dollar

 

 

 
Schon der konservative Adenauer, der gern mal den fürsorglichen Patriarchen gab (man höre nur mal seine Rede an die Nation zur ReMilitarisierung Deutschlands) soll auch nicht ganz ohne Schulden ausgekommen sein; bereits in den frühen Siebzigern, als der gesamte Bundeshaushalt noch etwa 250 Mrd. DM betrug, beliefen sich die jährlichen direkten und indirekten Remilitarisierungskosten auf ca. 40 Mrd. DM, machten die Staatsschulden in etwa genau diese Summe aus. Damit dürfte die Beherrschung des Gleichgewichts des Schreckens, also der Kalte Krieg, in zweifacher Weise zur Staatsverschuldung mit beigetragen haben, nämlich als Kosten für die Remilitarisierung (Schreibers und CO lassen schön grüßen) und anschließend zur Sanierung der nicht zuletzt auch hierdurch bankrott gewirtschafteten einstigen DDR.

 

Als Kurt Georg Kiesinger [...] 1966 [...] zum Bundeskanzler gewählt wird, ist die Zeit des Wirtschaftswundermachers Ludwig Erhard [.] vorbei [.] ist die deutsche Wirtschaft [...] nicht gewachsen [..] der Bundeshaushalt ins Minus gerutscht. Die Zahl der Arbeitslosen liegt bei 673.000.

Um [...] Vertrauen [...] einzuflößen, greift die [.] Regierung auf die Lehren [...] John Maynard Keynes zurück. Der Ökonom hatte [...] die These aufgestellt, dass der freie Markt allein eine Volkswirtschaft mitunter nicht aus einer Konjunkturkrise befreien könne. Stattdessen müsse der Staat für neues Wachstum sorgen, indem er zusätzliches Geld ausgibt. Im nächsten Aufschwung könne er dann die Steuermehreinnahmen zur Schuldentilgung nutzen.

[So ...] verabschiedet die Große Koalition [...] 1967, was unter Ludwig Erhard noch undenkbar gewesen wäre: das erste Konjunkturprogramm der Bundesrepublik Deutschland. Dafür nimmt die Regierung einen Kredit über 2,5 Milliarden Mark auf. Die öffentlichen Investitionen kommen der Bahn zugute, der Post, dem Straßenbau sowie Bildung und Forschung. [...] 1967 [...] ein zweites [...] Konjunkturprogramm mit einem Volumen von 5,3 Milliarden Mark. Die Wirkung bleibt nicht aus. Die zusätzliche Nachfrage erzeugt zusätzliche Umsätze. 1968 wächst die deutsche Wirtschaft um 7,3 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt [...] 1969 auf 243.000, die Zahl der offenen Stellen steigt auf 700.000. [...]

[...] Anstatt die Schulden wieder abzubauen, zahlt die Regierung nur einen Teil der angehäuften Kredite zurück. Die restlichen Mehreinnahmen verteilt sie lieber an ihre Wähler. [...]

Quelle: DIE ZEIT v. 29.12.2005 S.22

 

Schon damals hat man das Zurückzahlen der Staatskredite leider immer wieder nur zu gern auf nachfolgende Generationen verschoben.

Anlässlich der Glasperlenpolitik des ebenfalls konservativen Ehrenwortspezialisten ist 1989 und danach wohl auch noch die gesamte Wiedervereinigung Deutschlands auf Pump finanziert worden. Trotz der elegant treuhändig spekulativen Verwertung der ehemaligen DDR, sind somit die bis dato knapp 1,5 Billionen Euro an Staatsschulden aufgelaufen.

Faktisch gesehen ist Deutschland somit pleite, und auch das noch immer unterschwellig vorhandene Geschwafel von der Wiedereinführung der harten DM als Währung ist realistisch betrachtet verhängnisvolle Utopie.

Auf den Privatkonten zumindest einiger Bürger der Republik sollen zusammen immerhin Werte über 4,5 Billionen gespart liegen, was durchschnittlich gerechnet pro Bürger immerhin 56.250 Euro ergeben würde, Alte und Junge, Reiche und Arme eingeschlossen. Hoffen wir, dass dieses Vermögen nicht die Begehrlichkeit weckt, wie früher schon oftmals geübt die Staatsschulden zu begleichen, denn genau hierzu rät ein gewisser Franziskus von Ritter-Groenesteyn in seinem Gastkommentar im katholischen Internetmagazin http://www.kath.net unter 

"Hurra wir sind bankrott!"

unter der url  http://www.kath.net/detail.php?id=12043. Nachdem dieser Herr die Staatsverschuldung Deutschlands mit den folgenden Worten dramatisch darlegt:
 

„Man muss die gigantische Zahl unserer Staatsschulden von aktuell 1.461.264.166.816,-- Euro [... in] kleinere Happen zerlegen, um sie [.] zu begreifen. Allein die jährliche Zinslast beträgt bei einem [.] Zinssatz von 3,62 % p.a. bereits 52,9 Mrd. Euro; dies entspricht einer Neuverschuldung von rund 4,4 Mrd. Euro pro Monat bzw. 146 Mio. Euro pro Tag! Man könnte also allein von den Zinsen nur eines einzigen Tages zwei Folgen von „Herr der Ringe“ produzieren. Man bedenke, wieviel Menschen dabei beschäftigt wären.

Zum Vergleich dazu die jährlichen Steuereinnahmen des Staates:
Im Haushalt 2005 sind sie mit 191 Mrd. Euro veranschlagt. [...] Folglich sieht auch der neue Haushalt 2006 nicht etwa ein Schuldenverminderung sondern, wie nicht anders zu erwarten, eine Neuverschuldung von 41 Mrd. Euro vor [...] wächst der Schuldenberg und mit ihm die Zinsen. ",

bietet der Mann als Lösungsweg, die Bürger dieses Landes in ihre Pflicht zu nehmen, grotesker Weise unter dem Leit(/d)gedanken  „Eigentum verpflichtet":
 

„Sind wir also dem steil nach oben wachsenden Schuldenberg hilflos ausgeliefert?

Wir sind es nicht, wenn wir anfangen als Bürger unseres Landes Verantwortung zu übernehmen und umzudenken ... [...]

... können wir nun mit Blick auf das deutsche Privatvermögen entgegenrufen “Hurra, wir sind [.] nicht [bankrott]! [...] ... nennen wir Deutsche[n doch] rund 5 Billionen Euro unser Privatvermögen. „Eigentum verpflichtet“, sagt der Volksmund und er hat recht. Aus der Sozialverpflichtung jeglichen Eigentums heraus lässt sich die Antwort formulieren, die unsere Probleme dauerhaft lösen könnte.

Im Prinzip ist es ebenso einfach wie radikal: Der Staat vereinnahmt im ersten Schritt eine Sonderabgabe in Höhe der Staatsverschuldung, natürlich gestaffelt nach dem tatsächlichen Anteil der jeweiligen Haushalte am Volksvermögen, zahlt davon seine Schulden zurück und senkt im Gegenzug entfallender Zinszahlungen die Steuern entsprechend ab.

Die mögliche Folge wäre, neben der kompletten Staatsentschuldung, ein Übermaß an frei werdender Liquidität, sehr niedrige Zinsen und infolge dessen ein ungeahnter Investitionsschub, der unsere Wirtschaft nun wirklich voranbringen würde. ",

wobei genau betrachtet vor allem diejenigen Bürger gemeint sind, die schon immer die Zeche zu bezahlen hatten, ohne davon wirklichen, vor allem selbst bestimmten Nutzen zu haben, denn als historisches Beispiel zitiert der Ritter die Währungsreform von 1948:
 

„1948 haben uns die Siegermächte in der Währungsreform ein scheinbares Opfer aufgezwungen. Doch das Opfer kehrte sich schon am nächsten Tag in Segen. Waren die Regale vor der Reform leer und verwaist und blühte der Schwarzmarkt zu Wucherpreisen, so waren plötzlich die Regale über Nacht gefüllt, es gab alles, und der Schwarzmarkt war wie ausgelöscht."

Hinter hohen Klostermauern geschützt mag diese Betrachtungsweise berechtigt sein, doch der scheinbar bibelfeste Mann vergaß zu erwähnen, dass die Waren 1948 auch vor der Währungsreform schon in den Regalen der Geschäfte gestanden haben, dass aber eigennütziger Egoismus dafür gesorgt hat, dass lieber Mitbürger auf der Strasse dem Verhungern preis gegeben wurden, als dass ihnen ohne Aussicht auf Profit dringend zum Leben benötigte Waren ausgehändigte.

Darüber hinaus haben die Dynastien Thyssen, Krupp (Bohlen-Halbach), Flick und auch die Schmetterlinge sammelnde Afrikaabenteurer Rothschilds, und all die vielen (anderen) Waffen- und Geldschieber, bei der genannten Währungsreform kaum Federn lassen müssen. Nicht Sachwerte (z.B. Liegenschaften etc.) sind durch die Geldumstellung 1948 in Mitleidenschaft gezogen worden, sondern vor allem das Bargeld, die mühsam zusammengekratzten, meist vom Mund abgesparten (Altersversorgungsvorsorge-) Ersparnisse der ohnehin vom Schicksal überwiegend nicht gerade Verwöhnten. Wenn nicht Egoismus und Selbstbereicherungsmentalität unser Land nach dem letzten Weltkrieg regiert hätten und noch immer regieren würden und könnten, würden sich solche Staatsverschuldungskatastrophen, wie unsere gegenwärtige, nicht mehr wiederholen können. Statt dessen ist nun zu befürchten, dass die Staatsverschuldung mal wieder klamm heimlich nach bewährtem Muster getilgt wird, in dem die Gelddrucker mehr zu tun bekommen. Wie das geht, zeigen die folgenden geschichtlichen Rück- und Ausblicke aus gängigen literarischen Quellen:


 

Was kommt zuerst - Finanzkrise, Bankencrash, Krieg, Inflation

 
Spekulation, Finanzkrise

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.


Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!


Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.


Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.


Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!


Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.


Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.


Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!


Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.


Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird ein bisschen
Krieg gemacht.


Kurt Tucholsky, 1930

 

Es ist wahrhaft erstaunlich, wie Geschichte sich stets wiederholt, trotz Mahnung:

Wer aus der Vergangenheit nichts lernt,
indem er/sie sie vergisst,
oder indem diese vergessen gemacht wird,
ist verdammt, selbige stets zu wiederholen.

frei nach George Santayana

 
Die aktuelle Krise hat zumindest schon mal den einen
Krieg bereits gehabt, nämlich den Irakkrieg des George Walker Bush, des Sohns des einstigen amerikanischen Geheimdienstchefs und des nachmaligen amerikanischen Präsidenten, Bush senior, der selbst wiederum Initiators bereits des ersten amerikanischen Irakkriegs war. Der einstige irakische, wenig demokratische Saddam war, so wissen wir ebenso, zu jener Zeit eigentlich ebenfalls als Verbündeter eben jenes bereits angedeuteten amerikanischen Geheimdienstes als erwünschtes Bollwerk gegen den sozusagen revolutionären Iran, den es anscheinend so immanent nach Atom gelüstet. Weil aber der irakische Vasall Saddam "ungehorsam" geworden war, wurde kostenintensiver als alle Kriege zuvor eine ganze Generation in Kriegswirren gestürzt, so dass sich daraus schließlich die aktuelle weltweite System- und Wirtschaftskrise entwickeln konnte, die in mehr oder weniger naher Zukunft noch in eine finale Inflation zu münden vermag.
Übrigens war jener einstige deutsche Außenminister, der nachfolgend weiter unten noch zur Inflation per Zitation zu Wort kommt, zusammen mit seinem "Schröder" nicht ganz unbeteiligt am den Krieg begleitenden großen Deal der offiziellen deutschen Nichtbeteiligung und dafür indirekten deutschen wirtschaftlichen Beteiligung an den miesen Krediten amerikanischer Häuslesbauer und Spekulanten. Ob allerdings auch noch jener Krieg folgen wird, der dazu dienen soll, mächtiger werdende Systemveränderer in deren finalen Wirkung auszuschalten, bleibt noch abzuwarten.

 

Inflation
- das Schreckgespenst des Jahrhunderts, sie erreichte ihren Höhe- und Endpunkt im November 1923, als ein Dollar 4,2 Billionen Mark kostete; 300 Papierfabriken und 150 Druckereien mussten das Papiergeld drucken; das Nachsehen hatten die Arbeitet (für ein Pfund Butter musste man zwei Tage arbeiten) und der Mittelstand, der seine ganzen Ersparnisse verlor; verdient hatten der Staat, der seine Schulden los wurde, Landwirtschaft, Industrie und Spekulanten.

aus: Der 30 Januar von Karl Heinz Janßen;
ISBN 3-88592-037-9

 

„In Deutschland schlug noch ein weiterer Faktor extrem negativ zu Buche, nämlich die inflationäre Enteignung [...] durch die Hyperinflation und die Währungsreform [...]. Finanzwirtschaftlich gesehen war der Weltkrieg für das Reich nichts anderes gewesen als eine gewaltige Hausse-Spekulation [...]. Nachdem Deutschland [..] aber verloren hatte, war das Reich faktisch pleite, wenn es seine »inneren [.]schulden« und dazu noch die »äußeren [.]schulden« [...] hätte begleichen wollen. Also mu[ss]te es zuerst und vor allem die inneren [.]schulden unbedingt loswerden, und so griffen die Verantwortlichen zur Enteignung durch Inflation [...] und am Ende dieser Operation [...] haben die gesamten inneren [.]schulden des Deutschen Reichs in Höhe von 154 Milliarden Mark nur noch den Wert von 15,4 Pfennig [...]!",

schreibt Joschka Fischer noch 1994 in 'Risiko Deutschland', ISBN 3-426-80075-6 (Knauer Taschenbuch). Natürlich bezog er sich dabei auf die Schulden des Ersten Weltkriegs und hätte dabei vielleicht auch genau so gut die des Zweiten meinen können, oder gar die unserer heutige exorbitanten Staatsverschuldung, die ja auch nichts anderes ist, als die Folge eines Krieges, des Weltwirtschafts-, -religions-, -anschauungs- und -ideologienkriegs?

Welche Wirkung eine solche fiskalische staatliche ("Entlastungs-") Operation haben kann, erläutert Fischers Weiterführung mit ...

"Fiskalisch gesehen ist der [.] Weltkrieg der billigste Krieg, der je geführt wurde.[.] Freilich blieb bei diesem Enteignungsschlag die deutsche Mittelklasse mit ihrem Vermögen größtenteils auf der Strecke und wurde in den Ruin, in tiefe Verzweiflung und Verbitterung gestürzt. [...]“

dito

"Es gab den Zentralbanken damit die Möglichkeit, viel Liquidität zu schaffen, ohne die Inflation zu treiben. Das ließ die Kurse und die Gewinne und die Immobilienpreise steigen. [...] Die US-Notenbank flutet gerade die Märkte mit Geld. Offenbar fühlt sie sich nicht mehr an die Lehre gebunden, dass sich die Zentralbanken um den Geldwert zu kümmern haben ..."

aus: stern, 27.03.08 S. 162

 

 

Inzwischen hat die Inflation auch Deutschland bzw. die Eurozone eingeholt. Und gerade in Europa haben viele Staaten eine wenig ruhmreiche Vergangenheit stets rasanter Inflation über Generationen hinweg.

 

<Helmut Creutz>
veranschaulicht unsere Staatsverschuldungsproblematik mit folgender Ausführung:
  

Staatsentschuldung in 85 Jahren?

Wie man in [...] der Presse lesen konnte, hat der Bundesrechnungshof vorgerechnet, dass der Bund, bei jährlichen Tilgungen von zehn Milliarden Euro, 85 Jahre brauchen würde, um seine Schulden abzubauen [also noch nicht die Schulden der Bundesländer; Anm. P.B.].

Das ist vordergründig richtig gerechnet, denn 85 mal 10 Milliarden ergeben jene rund 850 Milliarden Euro, die alleine der Bund in Deutschland bis zum Jahresende 2004 angesammelt hat.

Allerdings wurde diese Rechnung [...] ohne die Zinsen gemacht! Denn selbst wenn der Bund im kommenden Jahr mit einer solchen Tilgung beginnen würde: Die Zinszahlungen, die heute bei rund 40 Milliarden jährlich liegen, laufen wie bei jeder Hypothek für die Restschuld weiter! Geht man bei der angedachten linearen Tilgung und der sich daraus er gebenden durchschnittlichen Restschuld von 425 Milliarden Euro in den 85 Jahren aus, dann wären bei einer Verzinsung von fünf Prozent, neben der Tilgungssumme von 10 Milliarden, im Durchschnitt jährlich auch noch 21 Milliarden Zinsen fällig, insgesamt also 31 Milliarden p.a.! Dabei würde der Gesamtaufwand im ersten Jahr bei 52 Milliarden liegen und erst im letzten Tilgungsjahr dem vom Bundesrechnungshof ermittelten Betrag von 10 Milliarden nahe kommen.

Bezieht man Gesamtzahlungen auf die Laufzeit von 85 Jahren, dann fallen also, neben der Schuldentilgung von 850 Milliarden, auch noch Zinszahlungen in Höhe von 1.785 Milliarden Euro an. Die insgesamt zu zahlende Summe ist mit rund 2.635 Milliarden Euro gut drei Mal so hoch wie die vom Rechnungshof genannte Größe! Zwar pflegte der Bund seine Zinszahlungen bisher weitgehend über Neukreditaufnahmen zu finanzieren, aber dieser Weg ist zukünftig ausgeschlossen, wenn die Tilgungsrechnung in 85 Jahren aufgehen soll."

 

... dass unser Staat bei einer Tilgungsleistung auf die Staatsschulden von monatlich 1 Milliarde EUR ungefähr 120 Jahre brauchen würde, um schuldenfrei zu werden [... und dass dazu] derzeit zusätzlich ca. 7 Milliarden EURO monatlich an Zinsen aufzubringen wären.

 

Die Schwere unsere Staatsverschuldung zeigen auch die folgenden
Entschuldungsmodelle:

 

Staatsverschuldung insgesamt:
ca. 1.465.000.000.000,00 (1,465 Billionen) Euro

Staatsverschuldung pro Kopf der Bevölkerung: 17.775 Euro
Zuwachs der Schulden (Zinsen) pro Sekunde: etwa 1.700 Euro

nachzulesen beim Bund der Steuerzahler unter www.steuerzahler.de
Jährliche Zinslast pro Kopf der Bevölkerung aus der Staatsverschuldung: rund 1.000,00 Euro.

 

Entschuldungsmodell 1:
Jeder Bürger, Alte und Kinder eingeschlossen, zahlen fortan monatlich 400 Euro Sondersteuer zur Staatsentschuldung. In deisem Fall benötigen wir 5 Jahre bis zur Schuldenfreiheit.

 

Entschuldungsmodell 2:
Alle Besitzer von Geldvermögen in ganz Deutschland treten Ihre gesamten Zinserträge aus ihren Vermögensanlagen (also nicht ihr angelegtes Vermögen) an den Staat als Sondersteuer ab. Der Staat wäre u. d. U. nach 5 Jahren schuldenfrei. Würde wir diese Zinserträge allerdings unter allen Bürgern dieses Landes gleichmäßig verteilen, erhielte jeder in diesem Land (Arme, Babies und Rentner eingeschlossen) jährlich eine Sonderzuwendung über 4.000 Euro.

 

Entschuldungsmodell 3:
Würden alle öffentlichen Haushalte des Bundes und der Länder zusammen jeden Monat 1 Milliarde (1.000.000.000,00) EUR Schulden zu tilgen und dazu noch die 7 Milliarden Euro zahlen, die zur Zeit monatlich allein für Zinsen aufgebracht werden müssen, zusammen also 8 Milliarden Euro im Monat bezahlen, dann wäre unser Staat nach 125 Jahren schuldenfrei. Insgesamt hätte die Bundesrepublik dann bei einem Zinssatz von 5,6% bei monatlich 8 Milliarden für Zins plus Tilgung 1,5 Billionen an Schulden, 10,5 Billionen an Zinsen an die Kapitalgeber (zurück) gezahlt. Umgerechnet pro Kopf an Menschen wären dann in diesem Zeitraum in unserem Land allein an Zinsen 126.000 Euro aufgebracht worden.

 

Anzahl der Jahre seit 1970, in denen
der Staat Schulden abgebaut hat: 
0

An diesen Perspektiven misst sich der Wahrheitsgehalt
der  Aussagen unserer Politiker und deren Moralauffassung.

 

„... wurde von Seiten der Europäischen Zentralbank [...] darauf hingewiesen, dass die Zeiten des billigen Geldes [.] zu Ende gehen [...] dass eine 0,5-prozentige Zinserhöhung beim Staat zu Mehrausgaben für den Zinsendienst von rund 7 Milliarden EUR führt [...] dass die geplanten Einnahmen aus der Mehrwertsteuererhöhung [etc.] zu einem erheblichen Teil in den Zinsendienst des Staates fließen werden. Geplante [...] Programme zur Belebung der Wirtschaft werden so von vornherein Makulatur.

Die Zinszahlungen des Staates kommen den Haushalten zugute, die ihr Vermögen in Bundesschatzbriefen und Bundesobligationen angelegt haben. Der Staat wird seiner originären Aufgabe gerecht: Er verteilt um [...] von den Habenichtsen und Arbeitern zu den Vermögenden und Kapitalanlegern. Das Fortschreiten der Spaltung unserer Gesellschaft ist offenkundig. Unruhen, wie in Frankreich [...] als deutliche Warnsignale [...]"

Quelle: www.humanwirtschaft.de
HUMAN Wirtschaft 11/12. 2005/06

 

 | themen |

DIE ZEIT v. 24.02.05 S.37:

 

„Nach dem Verkauf von Krankenhäusern und Klärwerken drohen vielen Gemeinden hohe Schadenersatzklagen

[...]."

 

  . | themen |

 

Ein ,guter' Rat zum Schluß ...

 
Ein ,Häppchen Lebensweisheit‘ präsentierte am 29.12. 2001 eine Boulevardpresse in Form eines herzerwärmenden Kommentars. Unter dem Titel

 

Ich wär‘ so gerne Millionär ...",

... druckte sie: "Für 100 Millionen Mark wechselt [Fußballprofi XY. nach Z.!] [....] ein Mensch ist sowieso unbezahlbar. Aber wird nicht zu viel für Spitzenleistungen bezahlt? 10 Mill. pro Filmrolle für S[.]! 60 Mill. Abfindung für den [.] Mannesmann - Chef ! Über 100 Millionen [...] für [den Rennprofi S.] ! Dreistellige Millionenbezüge für die [ ... ,abgehalfterten' Tennisprofis] ! Wer das bezahlt? Der Kinobesucher, der [xyz] -Fan [...]. Die Handybenutzer, Biertrinker und Zigarettenraucher, [welche] die Produkte kaufen, für die mit hoch bezahlten Promis geworben wird."

 

Sollen die kommerziell gesponserten ,Emporkömmlinge‘ zu Werbezwecken gar zu fett gefüttert worden sein? Die Alteingesessenen sind wohl kaum gemeint, denn ihnen steht das überreichlich Zubedachte, wenn schon nicht Kraft der eigenen Leistung, so doch wenigstens aus ,Gottes Gnaden‘ zu. Besagter Kommentar erteilt zum Abschluß noch den ,humanen' Rat, nämlich:

 

„Hand aufs Herz, ist Millionär zu werden nicht ein Traum, den sich viele erfüllen wollen? Z. B. [...] wenn viele Millionen Lottospieler mit ihrem Einsatz Woche für Woche wenige Millionäre küren.

Deshalb:
Kein Neid - statt dessen weiterträumen."

 

Dieser abschließende Kommentar ist selbstredend. Er stammt vorgeblich aus der Feder von Hans - Olaf Henkel, Ex - BDI - Chef (siehe <Staatszukunft und Demokratie>). Zur sozialen Konsensfindung wird dieses ,Meisterwerk christlicher Nächstenliebe' kaum beitragen.

(Die im Kommentar enthaltene latente <Werbung> für gut bezahlte ,Promis‘ habe ich bewußt vermieden).

 

Im selben Blatt heißt es, in der unteren Seitenhälfte:

Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft entfällt in Deutschland ein Viertel des Geldvermögens (rd. 1.000 Milliarden Mark) auf nur 0,5 Prozent der Bevölkerung."

 

Schön zu wissen, dass so wenigen Mitbürgern mehr Vermögen zur Verfügung steht, als dem ganzen Staatshaushalt für den Rest der ,Menschheit‘ in diesem Land. Aber dies ist natürlich zu kurz gegriffen, denn schließlich erwirtschaftet das von diesem Vermögen eingesetzte Kapital neues Vermögen, so dass hierbei Steuern für unser Land zur Bewältigung der kommunalen/staatlichen Gemeinschaftsaufgaben a(b/n)fallen. Oder etwa doch nicht? Um mit den Worten des romantisierten <Indianers> zu enden – Wir werden sehen!

 

Eine Leserzuschrift in DIE ZEIT Nr. 17 2009 nennt das Kind beim Namen, indem er die manipulative Grundlage des Henkel'schen Beitrag aus einem ähnlichen Zusammenhang heraus benennt:

 

"[ ...] in den letzten 20 Jahren [zu] beobachte[n ...] ist die [...] gelenkte und zutiefst inhumane Verunsicherung der [die eigentliche erschaffende Leistung erbringende] arbeitenden Bevölkerung, indem [ihr] ein verzerrtes Bild der Realität gezeichnet wurde nach dem Motto: Ihr müsst jetzt alle den Gürtel enger schnallen! Ihr müsst mehr arbeiten für weniger Geld! Ihr müsst auf Urlaub und Überstundenzuschlag verzichten! Ihr sollt[.] Angst um euren Arbeitsplatz haben, dann seid ihr besser zu manipulieren, dann tut ihr alles für unser Geld!

Am Ende dieses schleichenden mentalen Umgestaltungsprozesses hat man [...] Duckmäuser[.], die sich fügsam jeder » lausiblen« Rezession anpass[en], um unsere Ökonomie zu retten. Nur wessen Ökonomie ist es denn eigentlich geworden?

Im Grunde [sind wir längst] eine [...] Zwangsgemeinschaft [.] unfreie[r] Bürger[.], die von supranationalen, global agierenden Konzernen gemolken w[erden]."

 

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peter bechen

 

 

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