Sag' mir was Du isst und ich sage Dir, wer Du bist:
 

Eurosuppe - Euroverkehr; Essen in Europa; Lebensmittelimitate u. zusatzstoffe;
Abfall u. Klärschlamm als Nahrung

NovelFood, FunktionalFood und (Pflanzen-) Gentechnologie und -patentierung

... ein informative Sammlung für (un-)ruhige Lesestunden -  Guten Appetit

»Wenn eine Kennzeichnung vorgeschrieben wird, gibt es in Deutschland keine Gentechnik mehr.«

Walter P. Hammes,
Professor am Institut für Lebensmitteltechnologie
der Universität Stuttgart-Hohenheim,
VDI-Nachrichten, 6.3.92

 

„Wir müssen davon ausgehen, dass wir kein Material mehr aus den Supermarktregalen rausholen können, weil es wahrscheinlich schon verzehrt ist" [...] dass 2.600 Tonnen der nicht für den menschlichen Verzehr geeigneten Tierreste [...] schon aufgebraucht sind" [...] Abfälle [...] wie Schlachtkörperteile, Geflügelreste, Schweineschwarten und Knochen, die nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind.

StZ vom 17.10.2005 Seite 16

 

Inhaltsübersicht
  

Prof. Dr. Gerd Brucker:
 

Eurosuppe
Verkehr zur Suppenverteilung
Lebensmittel&EU-Binnenmarkt
Nahrungsmittelimitate
GenetechOrganismen
Krankenhausgen im Acker?

Richard Fuchs:
 

NovelFood- Etikettenschwindel

FunktionalFood
Gentech&EU-Recht
Transgene Pflanzen?

Patent auf Leben

marktlex.de:
 

"BIO"- oder "NATÜRLICH"

aktuelle Presse:
 

NovelFood- GenTechSchlupfloch
EU macht Gen - Tomaten
DIOXIN und BSE
Tierarzneimittelfolgen

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Prof. Dr. Gerd Brucker:

Eurosuppe - Euroverkehr

100 Gramm Suppenpulver einer handelsüblichen Hühnersuppe für vier Teller offenbaren die Gesamtproblematik zentralisierter Eßindustrie bereits heute, ohne Berücksichtigung der Herstellung von Lebensmitteln aus Abfällen.

Das folgende Rezept gilt europa- ja teilweise sogar weltweit. Verfolgt man die Produktlinien, so erhät man einen Einblick in die energieaufwendig gesteuerten Warenströme.

35 g Eiernudeln:
hergestellt aus Weizenmehl mit Trockenei-Pulver.
Diese Spezialanfertigung für Trockensuppen wird zur Verbesserung der Instanteigenschaften nach dem Ausformen mit Wasserdampf behandelt.

Hartweizen: Italien, USA Trockenei: Holland, Deutschland

6 g Salz:
Kochsalz

5 g Würze:
Proteinhydrolysat;
künstliche Brühe, gewonnen durch Auflösen von Eiweißresten in Salzsäure.
Als Eiweißreste finden Verwendung: Fischmehl, Weizenkleber, Sojaeiweiß
(Rückstand nach der Extraktion des Ölanteils mit Leichtbenzin zur Margarineherstellung).

Fischmehl: Norwegen, Dänemark, USA Weizenkleber, Soja: USA

5 g Stärke:
Enzymatisch oder physikalisch vorbehandelte Stärke aus Mais ("Quellstärke").
Verbessert das "Mouthfeel", verhindert das sofortige Absinken der Gemüsekrümel.

Maisstärke: USA

4 g Würzzubereitung:
aus Gewürzeextrakten und Spezialaromen vom Typ "Suppenhuhn" und "Suppengrün".
Huhnaroma läßt sich z. B. wie folgt herstellen:
Man läßt Cysteinhydrochlorid
(meist aus chinesischem Menschenhaar oder Schweineborsten gewonnen),
Glycinhydrochlorid
(z. B. durch Umsetzung von Hexamethylentetramin - ein Konservierungsstoff - mit Ammoniak und Chloressigsäure gewonnen),
Traubenzucker und Arabinose in Natronlauge bei 95° köcheln.

Huhnaroma: Haarverwertung und EG-Schlachthöfe, Chem. Industrie europaweit

3 g Geschmacksverstärker:
Mischung aus Glutamat (2,7 g) mit Inosinat und Guanylat (zusammen 0,3 g).
Glutamat verstärkt den Fleisch- und Bouillongeschmack, erlaubt also die Verringerung der eingesetzten Aromen;
Guanylat und Inosinat verstärken die Wirkung des Glutamats und unterdrücken einen säuerlichen bis bitteren Fehlgeschmack.

Geschmacksverstärker: Chem. Industrie

3 g Huhn:
Hühnerklein; 5mm stark, gefriergetrocknet, 3 % der Gesamtmenge; pro Teller sind das 0,75 %

Hühnerklein aus Massentierhaltung: europaweit

3 g Zucker:
Glucosesirup; unterstützt den leicht süßlichen Geschmack von Hühnerfleisch und -brühe.

3 g Fett:
Spezielles Fettpulver für Instantsuppen; z. B. auf der Basis von gehärtetem Sojaöl und Rindertalg, Träger für die Geschmacksstoffe, verbessert das "Mouthfeel".

Fettpulver: teils USA, teils Deutschland

2 g Gemüse (Lauch, Karotten):
kurzzeitblanchiertes Gemüse,
anschließend gefriergetrocknet (Lauch, Sellerie) oder explosionsgetrocknet (Karotten).

Gemüse: europaweit

0,1 g Farbstoff:
Beta-Carotin oder Zuckercouleur (E 150);
sorgen für den typisch gelblich-bräunlichen Farbton einer "echten" Hühnerbrühe.

Farbstoffe, Antioxidantien u. a.: Chem. Industrie europaweit

0,05 g Antioxidantien:
E 310, Propylgallat, und E 320, Butylhydroxyanisol,
verhindern das Ranzigwerden des Fettanteils und stabilisieren die Aromen.
E 330, Zitronensäure, verstärkt als "Synergist" deren Wirkung.

30 g Maltodextrin:
Füllstoff aus hydrolysierter Stärke.
Gibt das Gefühl, eine ganze Menge Suppe erstanden zu haben.
Das hier angegebene Rezept reicht für 4 Teller Suppe.

Maltodextrin: Deutschland, USA

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Die weiter zentralisierte Herstellung von Fertigprodukten, die europaweite, grenzenlose Verteilung wird Rohstoffe quer durch den Kontinent und in veränderter Form wieder zurückführen. So kommen Hühnerteile, Gemüse beispielsweise aus Frankreich, gelangen zur Produktion nach Belgien und finden ihre Verteilung anschließend von Süddeutschland ausgehend in die gesamte <Europäische Gemeinschaft>, oder die Warenströme gelangen als Halbfertigprodukte nach Süddeutschland und finden von dort aus den Weg wieder zurück in die Ursprungsländer. Dasselbe findet im nationalen Rahmen bereits bei anderen Branchen, so vor allem bei der Automobilindustrie statt. Die Intensiverung der Handelsströme innerhalb der EG wird nach einer Studie des Prognos Instituts Basel (1991) bis zum Jahr 2000 die Transportleistungen durch <Lastkraftwagen> um mindestens 40% anheben. Die zunehmende Arbeitsteilung, besonders im Hinblick auf die Zulieferindustrie in Südeuropa und die Optimierung der nahezu stundengenau berechneten <just-in-time-Produktion> führen zu neuen logistischen Strukturen, die vor allem die Straßen noch stärker überschwemmen. Außerdem wird sich aufgrund der Assoziierung von osteuropäischen Ländern der Ost-West-Güterverkehr bis zum Jahr 2000 verzehnfachen. Die Analysen für den Personenverkehr gehen von einem Wachstum von 7,5 % bis zum Jahr 2010 aus. Das ist, als wenn ganz Italien nochmals auf Reisen ginge. Mittel- und langfristig sieht die Prognos AG eine Steuerung nur, wenn alle Kosten, die der Verkehr verursacht, also auch die Kosten der <Umweltbelastung> dem einzelnen Transportvorgang angelastet werden.

Zusammen mit dem Ansteigen des Energieverbrauches werden die Verkehrsströme entgegen den Erfordernissen einer zukunftsorientierten Umweltpolitik eine Steigerung der S02 Emissionen um 8-9 % und der Stickoxide um 12-14% bis zum Jahr 2000 bewirken. Derlei Warnungen sind in einem von der EG in Auftrag gegebenen "Task-Force-Bericht" enthalten (Schneider 1991).

Untersuchungen und Gutachten zu den Auswirkungen des EG-Binnenmarkts für bestimmte regionale Wirtschaftsräume: T.Schlegel, Prognos AG, Steingraben 42, CH-4011 Basel, Tel.: 00441 / 611 / 2233200.

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Prof. Dr. Gerd Brucker:

Lebensmittel und Europäischer Binnenmarkt

Den kulinarischen Reichtümern von zwölf europäischen Ländern sollen keine Fesseln angelegt werden - dies strebt die EG-Kommission für die lebensmittelrechtlichen Bestimmungen für den gemeinsamen Markt an. Hinter dieser Formel verbergen sich jedoch eine Menge Probleme. In diesem Sinne verweist das Katalyseinstitut für angewandte Umweltforschung e.V. (1990, 493) denn auch auf die Beispiele der Auseinandersetzung um die EG-weite Zulassung der radioaktiven Bestrahlung von Nahrungsmitteln zwecks Entkeimung und auf die Diskussionen um die Zulassung des gentechnisch hergestellten Wachstumshormons "rBST" und um Radioaktivitätsgrenzwerte für Nahrungsmittel.

Grundsätzlich gilt als sogenanntes Ursprungsland-Prinzip, daß ein Erzeugnis, das in einem Mitgliedsstaat rechtmäßig produziert und in den Verkehr gebracht worden ist, überall in der Gemeinschaft verkauft werden darf. Und so kann hormonhaltiges Fleisch, das in Holland produziert wird - trotz Hormonverbots in Deutschland - auf einheimischen Theken verkauft werden. Das trifft auch für radioaktiv bestrahlte Lebensmittel zu. Der Vertrieb manipulierter, industriemäßig billig produzierter Lebensmittel wird durch die Holdings offensiv vorbereitet.Diese besitzen eine aktive Lobby und das gewünschte Forum für Themen, die ihre Produkte betreffen, vor allem auch in den Medien, die zum Teil schon ihnen gehören. Die Privatisierung von Rundfunk und Fernsehen hat dieser Branche bereits Tür und Tor auch im deutschen Medienmarkt geöffnet. Daß es sich hierbei nicht nur um ein nationales oder nur europäisches Phänomen handelt, machte der Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik deutlich, als er darauf hinwies, daß Entwicklungsländern und sogenannten Schwellenländern der Zugang zum EG-Markt nicht nur durch gesetzgeberische Maßnahmen künftig noch weiter erschwert wird (SAND, 111).

Diese Länder verfügen über keine Lobby und medienwirksamen Druckmittel wie Japan und die USA. Innerhalb der Gemeinschaft jedoch verstärkt sich bei grenzenlosen Transportmöglichkeiten der Subventionsbetrug. Die Europäische Kommission in Brüssel zeigt sich vor dem Europäischen Parlament in Straßburg "stark beunruhigt". Da es nicht nur um Falschdeklarationen geht, wie sie im Agrarsektor üblich sind, sondern auch um "fast legalen Schwindel", der ohne Duldung der Behörden nicht möglich wäre (KELLER, MEIER 1989).

Das Ursprungsland-Prinzip wird aus zwei Gründen auf Dauer zu einer Nivellierung des Lebensmittelrechts führen. Einmal besteht für multinationale Konzerne die Möglichkeit, dort zu produzieren, wo billigere Produktionsmöglichkeiten bestehen und die jeweiligen lokalen lebensmittelrechtlichen Bestimmungen diesen Trend unterstützen. Zum anderen werden nationale Produzenten wohl nicht dauerhaft einen strengeren Maßstab akzeptieren als ihre Konkurrenten, die aus anderen Ländern des Binnenmarkts importieren. Wird dies so belassen, so kommen im Laufe der Zeit stillschweigend Regelungen zustande, die durch die EG-Kommission vor der Öffnung des Binnenmarkts verwaltungsrechtlich organisiert hätten werden müssen. Da für grobe Verstöße nur 19 Verwaltungsbeamte in der EG zur Verfügung stehen, sind wieder einmal kritische Humanökologen und Konsumenten gefragt, damit das angelaufene "Eurodumping" auf dem Lebensmittelsektor nicht die mittleren und kleineren Agrar- und Verarbeitungsbetriebe, die zwar mit geringerem Ertrag wirtschaften, dabei aber auch geringere Umwelteingriffe verursachen, ruiniert.

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Prof. Dr. Gerd Brucker:

Aus europäischen Landen frisch auf den Tisch

- künstliche Nahrungsmittel -

Billigprodukte: Realität und patentierte Zukunfsperspektiven

Das Geschäft mit Aromen und Geschmacksstoffen wächst weltweit. Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherbände: "Es gibt heute nahezu keine Lebensmittelproduktgruppe mehr, in denen keine Aromen eingesetzt werden."
(Springerpresse 2000)

Die <Verordnung> (EG) Nr. 2295/2000 der Kommission vom 16. Oktober 2000 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 2921/90 über die Gewährung von Beihilfen für die zur Herstellung von Kasein und Kaseinaten bestimmte Magermilch können Sie hier abrufen.

Lebensmittelimitate gibt es bereits seit einiger Zeit. Der großflächige Einsatz ist nach der Öffnung des Binnenmarktes möglich. Hier soll das Problem am Beispiel der Käseimitate dargestellt werden, gegen die sich die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft [Bauernblatt, 33378 Rheda-Wiedenbrück] länderübergreifend zur Wehr setzt:

Käseimitat ist Kunstkäse ohne Milch.

Zusammensetzung:
Protein, Öl, Geschmacksstoffe und technisches Know-how.
Zur Zeit wird das Protein noch aus Milchweiß (Kasein) gewonnen.

Man denkt aber daran, es zukünftig weitgehend aus Einzellerprotein (Bakterieneiweiß) herzustellen, zum Beispiel gemäß des <Hoechst-Patents> für "Schmelzkäsescheiben-Analoga" (30.12. 82 Anmeldung):

Verwendet werden Bakterien des Stammes Methylomonas clara ATCC 31226, die auf Methanol wachsen, gedeihen und sich massenhaft vermehren lassen. Die Einzeller werden geerntet, von störenden Fetten und Nukleinsäuren befreit und anschließend aufgespalten sowie mit Labkasein, Butter, Salz, Zitronensäure, Käsefarbe und Wasser vermischt. Das Produkt ist auf Großhandelsbasis um ca. 30 % biliger als Naturkäse.

Auch aus Soja produzierter Ersatzkäse kommt bereits zum Verkauf. Neben der Pizza-Industrie werden solche Ersatzprodukte bei Schulspeiseprogrammen und bei der Kühl- und Fertiggerichtsindustrie verwendet, so beispielsweise in den Geschmacks- und Konsistenzrichtungen "Mozarella", "Parmesan", "Povolone", verschiedene Schmelzkäse und "Emmentaler".

Neben den o. g. ökologischen Problemen ergeben sich aus ernährungswissenschaftlicher Sicht folgende Aspekte:

  1. Die Imitat-Rohstoffe müssen tiefgreifender verändert werden als bei den Originalen. Der Verlust essentieller Nähr- und Geschmackstoffe ist nur mit neuen, aufwendigen Anaysenverfahren zu verfolgen.
  2. Auch das Problem der Meßbarkeit von Fremdstoffen und neuer Verbindungen, die beim Herstellungsprozeß entstehen, und im Produkt verbleiben, ist ungenügend gelöst.
  3. Die Nährstoffzusammensetzung ist anders als bei Milchprodukten, manche Zusatzstoffe müssen als bedenklich eingestuft werden.
  4. Die Deklaration der Inhaltsstoffe überfordert viele Verbraucher. Der Aufdruck ländlicher Motive, des Originalprodukts oder der Hinweis auf die diätetische Bedeutung des fettreduzierten Produkts spiegeln natürliche Produkte mit geringen Eingriffen beim Herstellungsprozeß vor.
  5. Bei Großküchen, Fertiggerichten und Fast-Food-Restaurants gibt es keine Kontrollmöglichkeiten

Innerhalb der EG - so wird geschätzt - werden 70000 - 120000 Klein- und Mittelbetriebe dem künftigen Konkurrenzdruck der großindustriell hergestellten Imitate, die teilweise als Diätlebensmittel den Markt erobern, unterliegen. Dies mag der geplanten Flächenstillegung zugute kommen, die landschaftspflegerische Begleitplanung kostet die mitteleuropäischen Staaten bei konsequenter naturnaher Planung jedoch DM 2 000," pro Hektar und Jahr. Ein Extensivierungsprogramm, das eine Ökologisierung der Produktion zum Ziele hätte, wäre bedeutend billiger, die Umweltbelastung durch das gesteigerte Verkehrsaufkommen geringer und die Regionalisierung des Markts hätte größere Chancen.

Stattdessen gibt es Zukunftsperspektiven, die die Massenbilligproduktion mit Ersatzstoffen in den Bereich des Möglichen rücken. Entsprechende Patentschriften liegen vor:

Herstellung künstlicher Muscheln, Tintenfische, Würstchen aus Soja- Gerinnungsprodukten und Fischteilchen.
 
Inhalt: "Fein gemahlener Sojagries" wird in Wasser aufgeschwemmt, erhitzt, zentrifugiert. Zurück bleibt eine milchige Flüssigkeit. Durch Zugabe von Calciumsalz wird daraus ein Gerinnungsprodukt hergestellt. Nach einer Glättung stopft man dieses in eine Glaskolonne, in der eine Caiciumcioridlösung zirkuliert. Fertig. "Die erhaltene Textur ist mit derjenigen von gekochten Weichtieren vergleichbar." Geeignet für alle Arten von Fertiggerichten.
 
Deutsche Patentanmeldung
 
Milchersatz aus diversen Abfällen und Milchrückständen.
 
Inhalt: "Flüssige Nachprodukte" der modernen Molkereitechnologie werden mit "bearbeiteten Schlachtabfällen, Lederabfällen, Abfällen der Fleisch- und/oder Fischindustrie", aber auch mit "Kartoffelschälabfällen" oder "künstlich gezüchteten Einzellern" vermengt und in Säuren gerührt. Die Endprodukte "besitzen einen guten Geschmack und ein weißes bis gelbliches Aussehen .... "
 
Europäische Patentschrift
 
Milchshakes fürAbmagerungswillige aus unverdaulichen Kunstfetten.
 
Inhalt: "Diese Erfindung stellt eine höchst schmackhafte Emulsion von einem Polyol-Polyester und einer Schließmuskel-Auslaufsperre ("Anti-Anal-Leakage Agent", eine Art Antidurchfallmittel) bereit in Form eines milchshake-ähnlichen Getränks." Ein Putz- und Waschmittelkonzern versucht auf diese Weise eine Diversifikation der Produktpalette,
 
Europäische Patentschrift

Auch beim Fleisch wird man eines Tages noch genauer hinschauen müssen.

Sonst handelt man sich möglicherweise eine Fälschung ein, die aus Schimmelpilzen hergestellt wurde. In Großbritannien erfreut sich solch ein Pilz bereits wachsender Beliebtheit. Seit 1985 ist dort nach entsprechenden Werbeaussagen "eine neue und gesunde, ballaststoffreiche Eiweißnahrung" auf dem Markt.

In einer Nährlösung aus Glukose, Ammoniumphosphat, Kalium, anderen Mineralien und Spurenelementen verdoppelt sich der Pilz alle eineinhalb Stunden. Diese Biomasse wird geerntet, durch Hitzschock von einem Großteil ihrer Ribonukleinsäuren befreit und gefiltert. Am Ende gibt die Anlage eine graue, leicht pilzig schmeckende Masse ab. Die wird mit Färb- und Geschmacksstoffen versetzt - und fertig sind das Gulasch oder die "Tenda Burgers", die "Chocolate Crunches" oder die "Geflügelbrust."
 
Am 27.Mai 1985 wurde der Londoner Herstellerfirma für ein solches Produkt unter dem Aktenzeichen P2626067.3-41 das bundesdeutsche Patent erteilt.
 
Das Sonderangebot könnte beispielsweise auch eine Schokolade sein, hergestellt aus Pferde-, <Rinder[wahn]>- oder Schweineblut, 1 bis 20 Anteile Kakao, dazu noch ein kleiner Schuß Milch und etwas Mehl. Die Paste läßt sich geschmacklich verfeinern: beispielsweise mit "250 Gramm zerkleinerterten Nüssen, 200 Milliliter Marsala und 40 Milliliter Sambuca". So wird aus zwei Kilogramm Blut, einem Kilo Zucker, Kakaomasse und Kakaobutter eine Masse, die "nach dem Abkühlen zum Guß in Tafelform geeignet" ist. Das Patent meldete ein Düsseldorfer 1983 an. In einem europäischen Land wurde die industrielle Produktion bereits erprobt.

Ein weiterer Rohproduktmarkt: Für den amerikanischen Lebensmittelexperten DIETRICH KNORR ist die Verwendung von Chitin die derzeitige "Herausforderung für Lebensmittelforschung und -entwicklung." Es wird allen Ernstes daran gearbeitet, Ballaststoffe für Brot herzustellen, die aus den Chitinpanzern von Küchenschaben, Maikäfern, Stubenfliegen oder Heuschrecken gewonnen wurden. Versuche, aus Insekten Lebensmittelbestandteile zu gewinnen, gelten in der Lebensmittelforschung als zukunftsweisend (WIRTZ 1987).

Die Lebensmittelindustrie, die mit einem Jahresumsatz mit weit über 150 Milliarden Mark der wichtigste Wirtschaftsfaktor in Deutschland ist, setzt Zusatzstoffe längst nicht mehr ausschließlich dazu ein, Nahrungsmittel haltbar, bunt oder maschinengerecht zu machen. Bestimmte Zusatzstoffe verleiten dazu, mehr an bestimmten Produkten zu konsumieren, als man eigentlich will oder überhaupt verträgt.

Als besonders offensichtliches Aromabeispiel soll das folgende Geschmacksdesign aus der Kartoffelchipsindustrie dienen:

Der würzige Geschmack stammt nicht von den Paprikafarmen der riesigen Agrarsteppen Ungarns, er wird schlichtweg in den Testlabors der Nahrungs- und Genußmittelindustrie kreiert. Als "backgroundflavor" wird zunächst der Geruch nach frischen Bratkartoffeln beigegeben. Dieser abgerundete Kartoffelgeschmack rührt von 2-Methoxy-3-äthylpyrazin. Der richtige, normgebende, typische Chipsgeschmack wird u. a. durch 2-Äthyl-3,6-dimenthylpyrazin und Glutamat als umstrittenen Geschmacksverstärker erreicht. Ein produktbedingter Fehlgeschmack kann durch Geschmacksverstärker unterdrückt werden. Das ungarische Paprika- und Pusztagewürz schließlich wird durch 2-Methoxy-3-isobutylpyrazin erreicht, dessen Schärfe das Original bei geringer Dosis preiswert und billig zu imitieren vermag.
Quelle: Prof. Dr. Gerd Brucker,
Ökologie und Umweltschutz,
Ein Aktionsbuch,
ISBN 3-494-01199-0
Stand 1991

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Nicht alles was als ,,BIO" - oder ,,NATÜRLICH" deklariert wird, ist dies im eigentlichen Sinn des Verständnisses:

Essen Sie gern Joghurt? Wenn ja, dann achten Sie bestimmt auf die Zutatenliste, weil Sie wissen wollen, was Ihnen da präsentiert wird. Und wußten Sie auch schon, was es bedeuten kann, wenn da steht, daß das cremig feine Produkt frei von Konservierungsstoffen sei und woraus die delikaten Aromen bestehen? Mittels der tollen <Gen - Technologie> vermag mensch mittlerweile Mikroorganismen zu kreieren, welche die Milch zu Joghurt verwandeln, dabei pilzgleich Antibiotika zu produzieren, was dem Ganzen als nicht zu deklarierendem, weil natürlichem Konservierungsmittel dient, und nebenbei dann auch noch schöne Farben und wohlschmeckende Geschmacksaromen gewinnt, die natürlich auch nicht angegeben werden müssen. Nun noch ein kleines Beerchen ,,hineinblubben" lassen und fertig ist der schnelle Becher für zwischendurch für den selbstbewußten, weil aufgeklärt gesunden Menschen. Anm. P. Bechen

<Richard Fuchs>

 

Novelfood-Verordnung,
der Etikettenschwindel!

Weitere Informationen zum Autor hier unter subventionsbeater.de

Maximal 20 Prozent Gen Food gekennzeichnet!
Kennzeichnung erst ab 1. November 1997

Mit dem Inkrafttreten der NovelFood -Verordnung Nr <258/97> des Europäischen Parlaments und des Rates, am 15. Mai 1997, ist das Kennzeichnungs-Verwirrspiel perfekt.

Von diesem Zeitpunkt an unterliegen »neuartige Lebensmittel« einem einheitlichen Genehmigungs- und Anmeldeverfahren. Mit neuartig werden, sehr zurückhaltend, zum überwiegenden Teil die Lebensmittel beschrieben, bei deren Herstellung Gentechnik beteiligt war.

Verschont bleiben Enzyme, Aromen, Zusatzstoffe und Extraktionslösungsmittel, die auf die gleiche Art hergestellt wurden. Zunächst sollen die bis zu dem Inkrafttreten der Verordnung bereits zugelassenen gen-manipulierten Organismen, wie z.B. der Ciba-Mais oder das MonsantoSoja kennzeichnungsfrei bleiben, obwohl durch Verfahren für verändertes Erbgut mit Hilfe der Polymerasekettenreaktion lnhaltsstoffe sehr genau nachgewiesen werden können. Da die EU-Kommission, unterstützt von den Mitgliedsstaaten, drei Monate lang tief geschlafen hat, werden Verbraucherlnnen zunächst generell vergeblich nach einer Kennzeichnung suchen. Wie geprüft werden soll, ist ebenso wenig klar, wie gekennzeichnet wird. Es fehlt an klaren Vorgaben für die Industrie. Die fehlenden Ausführungsbestimmungen der Novelfood-Verordnung zur Kennzeichnung machen zunächst eine praktische Umsetzung im Sinne des Verbraucherschutzes unmöglich.

Zum Start der Kennzeichnungspflicht hat die EUFIC einen Verbraucherdienst via Telefon und Internet zu Fragen der Gentechnik eingerichtet. EUFIC in Brüssel ist nach eigenen Angaben eine »gemeinnützige Organisation, die wissenschaftlich fundiert und verständlich über Ernährungsfragen informiert«. EUFIC sieht sich unabhängig, gesteht aber auf Anfrage ein, Geld von der Industrie zu bekommen. Diese Beratergruppen machen es notwendig, daß auch sie besser gekennzeichnet werden!

Wer nun gehofft hatte, die NovelFood-Verordnung würde nach wenigen Monaten in die Praxis umgesetzt, sah sich getäuscht. Im Sommer 1997 knickte die Kommission abermals vor der US-Gentech-Lobby ein. Da spätestens im September oder Oktober in den USA genmanipulierter Mais und gentechnisch verändertes Soja geerntet und in die Europäische Union exportiert wird, entschieden der »Ständige Lebensmittelausschuß« und die EU-Kommission, diese Großlieferungen erst ab 1. November 1997 zu kennzeichnen. Damit droht die Gefahr, daß Gentech-Soja wie im letzten Jahr ungekennzeichnet in die EU importiert wird und die aus den Lieferungen hergestellten Produkte ungekennzeichnet in den Handel kommen werden. Es handelt sich zudem um weitaus größere Mengen als die, die 1996 in europäischen Häfen gelöscht wurden. Obwohl die NovelFood-Verordnung <97/258/EWG> seit Mitte Mai gültiges Recht ist, mußte die Kommission auf eine parlamentarische Anfrage hin zugeben, daß sie gegenwärtig nicht in der Lage ist, geltendes EU-Recht umzusetzen.

Der Skandal: Label »Gentechnikfrei«, auch für Gen-Food

Bei dem Vorschlag zur Novellierung der Etikettierungsrichtlinie durch die Kommission zeichnet sich ein weiterer Skandal ab. In Bezug auf die Möglichkeit einer Positivkennzeichnung »gentechnikfrei«, die auf Druck der EuroGrünen in die NovelFood - Verordnung aufgenommen wurde, plant die Kommission den größten Betrug in der Lebensmittelpolitik:

Wie in dem Grundsatzpapier beschrieben, bietet sie es der Industrie an, alle gentechnisch erzeugten Lebensmittel, die lediglich keine »lebenden« gentechnisch veränderten Organismen enthalten, als gentechnikfrei zu deklarieren. Das würde bedeuten, daß fast alle bislang bekannten genmanipulierten Lebensmittel mit wenigen Ausnahmen, wie etwa Käse und Joghurt, als gentechnikfrei verkauft werden dürften.

Hier wurde die Chance einer klaren Eingrenzung hinsichtlich einer Positivkennzeichnung »gentechnikfrei« verpaßt, welche die NovelFood-Verordnung ausdrücklich eröffnet. Nun zeichnet sich ab, daß die Nahrungsmittelindustrie alle Produkte, die nicht nach der NovelFood-Verordnung behandelt werden, auch dann als »gentechnikfrei« deklarieren wird, wenn sie genmanipulierte Ausgangsprodukte enthaltenl Die Kommission und der Ständige Lebensmittelausschuß versäumten es, klare Vergabekriterien zu benennen. Das heißt, daß sich Verbraucherlnnen in Zukunft nicht einmal auf eine Positivkennzeichnung verlassen können, wenn sie Essen aus dem Genlabor meiden möchten.

Ursprünglich versprach die Kommission in einem Grundsatzpapier die Schaffung eines kohärenten Rechtsrahmens zur Kennzeichnung gentechnisch erzeugter Produkte über die verschiedenen Produktstufen hinweg, Inzwischen aber werden mehr und mehr die Kennzeichnungsbestimmungen zu Lasten von Verbraucherlnnen dem Wunschzettel der Industrie angepaßt. Bislang waren sich Europäisches Parlament und Ministerrat darin einig, daß als Kriterium für die Kennzeichnung von genmanipulierten Nahrungsmitteln der Nachweis von genmanipuliertem Erbgut im Endprodukt gelten soll. Durch die Anwendung dieses Kriteriums fallen bereits rund 80 Prozent der genmanipulierten Nahrungsmittel durch das Raster der Kennzeichnungspflicht. Nun aber strebt die Kommission an, auf eine Kennzeichnung vollends zu verzichten. In den Leitlinien wird ganz offenbar diskutiert, daß Gen-Food nur dann gekennzeichnet werden soll, wenn sich im Endprodukt ein neues Protein nachweisen läßt. Würde die unverarbeitete »Flavr Savr-Tomate« in der EU zur Vermarktung beantragt und zugelassen, müßte sie nach diesen Plänen nicht gekennzeichnet werden. Denn bei dieser Tomate wurde ein Gen kopiert und an anderer Stelle eingefügt, das aus der Tomate selbst stammt, so daß die Tomate das auf dem Gen verschlüsselte Protein in größeren Mengen produziert. Ebenso wie hier, wäre ein Nachweis von fremden Proteinen in den meisten Endprodukten nicht zu führen, deren Ausgangsmaterial eine neue Generation gentechnisch veränderter Pflanzen sind. Die Kommission plant, diese im Grundsatzpapier genannten Leitlinien unter Ausschluß der Öffentlichkeit umzusetzen. (<Hiltrud Breyer> MdEP, Pressemitteilung, Brüssel, 14. 8. 97)

»Antimatsch«-<Tomaten> und der faule Kompromiß«

Welche verschlungenen Pfade nahm die NovelFood-Verordnung? Die Einfuhren von »Antimatsch«-Tomaten, Gentech-Soja, Gen-Mais in dem bislang für diese Produkte weitestgehend ungeregelten europäischen Markt ließen die Forderung nach einer Verabschiedung der NovelFood-Verordnung immer deutlicher werden. Unter dem Begriff Novel Food verbirgt sich eine große Palette unterschiedlichster Lebensmittel, wie z.B. exotische Früchte, Algenproteine, hochdrucksterilisierte Produkte, Zusatzstoffe mit neuen chemischen Strukturen und vor allem Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Organismen. Bei der jüngsten Neufassung der NovelfoodVerordnung geht es vor allem um die Zulassung und Kennzeichnung von Produkten, bei deren Gewinnung oder Herstellung Verfahren der Gentechnik zur Anwendung kam.

Die mangelnde Akzeptanz der Verbraucherlnnen für Nahrungsmittel aus dem Genlabor steht im krassen Gegensatz zu den Absatzbemühungen der Anbieter. Rund 80 Prozent der Bevölkerung Deutschlands lehnt den Verzehr von Nahrungsmitteln aus dem Genlabor ab. Daher liegt es nahe, daß die Lobby der Anbieter in der Vergangenheit alles versuchte, eine Kennzeichnungspflicht zu verhindern. In Brüssel, dort wo die Zahl der Lobbyisten größer (und auch wirksamer) zu sein scheint als die Zahl der Politiker und Beamten, gelingt es nur selten auszumachen, wer die Politik bestimmt.

In Brüssel bewacht der Hund die Wurst

Symptomatisch für die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Kommission, ist der Fall Prof. Rey, der <Hiltrud Breyer>, Europa-Abgeordnete zu folgender schriftlicher Anfrage (E-1813/95) veranlaßte:

  1. Trifft es zu, daß Professor Rey, der Verantwortliche des Scientific Committee for Food (SCF), der Kommission für den Bereich Säuglings- und Kleinkindernahrung bzw. sein Institut selbst Studien für die Industrie durchführen?
  2. Trifft es zu, daß er diese von ihm oder seinen Mitarbeitern durchgeführten Studien im Rahmen des SCF selbst überprüft und bewertet?
  3. Trifft es zu, daß Professor Rey Studien und wissenschaftliche Aussagen zu Säuglings- und Kleinkindernahrung, die nicht von ihm und seinem Institut durchgeführt werden, in der Regel negativ beurteilt?
  4. Wie bewertet die Kommission den Interessenkonflikt?«

Im Namen der Kommission antwortete <Bangemann> am 18. 7. 95:

»Es entspricht der gängigen Praxis, daß professionell arbeitende Wissenschaftler für ihre Institute, für Regierungen und für die Industrie tätig sind. (...).«

In Brüssel streitet man sich seit 1989 über die »Novelfood-Verordnung«, der »Verordnung über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzusätze«. Das Europaparlament forderte im Zusammenhang mit insgesamt 13 Entwürfen bis 1995 eine Anzahl von Verschärfungen, die die Kommission annähernd ausnahmslos ignorierte. Auch mit dem 14. überarbeiteten Entwurf lehnte die Kommission eine generelle Kennzeichnungspflicht ab. Mitte 1995 legte Industrie-Kommissar und Vorsitzender der Kommission Martin Bangemann, der auch für Essen und Trinken zuständig ist - soweit lndustrieerzeugnisse verzehrt und getrunken werden —‚ diesen Entwurf vor. Da in den meisten Ländern Europas bereits Gen-Food ohne Kennzeichnung verkauft wird, sollte mit der Novelfood-Verordnung Ordnung geschaffen bzw. verordnet werden, in welchem Umfang Verbraucherlnnen Informationen vorenthalten werden sollen.

Wie zu befürchten war, kam es nicht zu einer generellen Kennzeichnung. Denn deutlich war die Handschrift der Lebensmittelindustrie in dem Entwurf der Novelfood-Verordnung zu erkennen, bei Formulierungen wie dieser etwa: »Lebensmittel, die aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellt wurden, welche keine wesentliche Veränderung ihrer Zusammensetzung, ihres Nährwertes oder ihrer Bestimmung im Vergleich zu Erzeugnissen erfahren haben, die auf herkömmliche Weise hergestellt wurden«, sollten von der Verordnung ausgeschlossen bleiben. Was Bangemann mit dieser ausgefeilten Formulierung meinte, erläuterte er den beeindruckten Ministern an dem Beispiel der Zuckerrübe: »Aus einer gentechnisch veränderten Zuckerrübe hergestellter Zucker, der sich nicht vom herkömmlichen Zucker unterscheidet«, solle auch wie herkömmlicher Zucker behandelt werden - also nicht genehmigungs- und kennzeichnungspflichtig sein. Derart informiert und überzeugt, verabschiedete der Ministerrat die Verordnung im Oktober 1995. In Deutschland stieß die stark eingeschränkte Kennzeichnungspflicht auf heftige Kritik.

Bangemann sieht Konsumenten durch <Werbung> ausreichend aufgeklärt

Kommissar Bangemann befürchtete als Folge wahrhaftiger Aufklärung eine unnötige Verwirrung der Verbraucherlnnen und meinte, diese seien durch Produktwerbung hinlänglich aufgeklärt. Im gleichen Jahr empfahl er eine Mittelkürzung für die Verbraucherzentralen. Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände forderte hingegen, daß Verbraucherlnnen über jeden Eingriff, der von einer natürlichen Produktionsweise abweicht, informiert werden müßten.

1996 kam es nach erneuter zäher Verhandlung am 27. November im Vermittlungsausschuß zwischen Europaparlament und Ministerrat zur Novelfood-Verordnung - mit einem Abstimmungsergebnis von 314 zu 626 Stimmen - zu einem Kompromiß zweiter Klasse für den Verbraucherschutz. Es war höchste Zeit für eine Entscheidung, da immer mehr Novelfood auf den europäischen Markt drängte und es bislang keine Regelung gab. Eine umfassende Kennzeichnung genmanipulierter Lebensmittel konnte aber wieder nicht erreicht werden. Je nach Standpunkt, wird der Kompromiß als Fortschritt bezeichnet, denn die Kommission wollte ursprünglich gar keine Kennzeichnung. Gekennzeichnet werden sollte, wenn mit einer wissenschaftlichen Analyse nach gewiesen werden kann, daß sich gen-technische Produkte von herkömmlichen unterscheiden.Dieser Nachweis kann zumindest dann sicher geführt werden, wenn bekannt ist, nach was man suchen soll. Bis heute können Analysen erstellt werden, denn die gentechnischen Veränderungen sind bekannt und werden in Patentschriften offengelegt. Es wird befürchtet, daß sich dies bald ändern könnte. Dann sind andere Nachweisverfahren gefragt.

Zwar wurde mit der neuen Verordnung beispielsweise auch erreicht, daß Veränderungen an agronomischen Merkmalen (wie Herbizidresistenz) gekennzeichnet werden müssen - doch wie gekennzeichnet werden soll, blieb offen. Derzeit ist der überwiegende Teil der transgenen Pflanzen vor allem gegen Schädlinge oder Pflanzengifte resistent. Für Verbraucherlnnen unverständlich ist die Regelung, daß zwar die genmanipulierte Sojabohne gekennzeichnet wird, nicht aber das daraus gewonnene Öl oder Lecithin. Sojaöl und -lecithin ist in etwa 30000 Nahrungs- und Genußmitteln enthalten. Verzichtet wird auch auf eine Kennzeichnung von Fleisch von Tieren,die mit transgenem Sojaschrot gefüttert wurden. 80 Prozent der GenSoja gehen als Sojaschrot in die Tierfütterung. Gen-Mais wird ebenfalls an Tiere verfüttert. Ohne Kennzeichnung bleibt auch Zucker aus genmanipulierten Zuckerrüben, ebenso wie der Süßstoff aus gen-technischer Produktion. Lebensmittel, die genmanipulierte Zusatz- und Hilfsstoffe, wie Aromen oder Enzyme, enthalten, bleiben ebenfalls von der Kennzeichnungspflicht verschont. Die Anti-Matsch-Tomate roh, »lebensfähig« muß ebenso gekennzeichnet werden wie Erdbeeren, die mit Hilfe eines Kabeljau-Gens frostresistent gemacht wurden. Die Frage, ob Ketchup, Mark oder PizzaBelag aus Anti-Matsch-Tomaten als nicht mehr »lebensfähig« im Sinne der Verordnung und damit kennzeichnungspflichtig sind, konnte Klaus-Dieter Jany, bei der Bundesanstalt für Ernährung in Karlsruhe, für Uberwachung der Kennzeichnung zuständig, auf der Pressekonferenz von Greenpeace/BUND am 9. 12. 96 nicht beantworten. Trotz der vorausgegangenen öffentlichen Proteste gegen den Import und die ungekennzeichnete Vermarktung von genmanipulierten Sojabohnen aus den USA, sieht die neue Verordnung explizit vor, daß Großlieferungen von einer generellen Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind. D. h., bei Großlieferungen, in denen herkömmliche und genmanipulierte Erzeugnisse gemischt sind, beschränkt sich die Kenntlichmachung auf »kann gentechnisch modifzierte Organismen enthalten«. Hier besteht die Gefahr, daß diese Ausnahmeregelung Großlieferanten dazu dienen kann, klare Kennzeichnungen generell zu umgehen.

Als Erfolg der neuen NovelfoodVerordnung, hätte die Positivkennzeichnung bewertet werden können, für die der Nachweis erbracht werden kann, daß bei der Herstellung keine Gentechnik zum Einsatz kam. Die Umkehrung der Beweispflicht kann allerdings zu einem unzumutbarem Aufwand führen. Doch diese Chance wurde in Ermangelung klarer Vergabekriterien verspielt.

In der Verordnung fehlen detaillierte Sicherheitsbestimmungen zur Überprüfung gesundheitlicher Auswirkungen ebenso wie eine Verfügung, die eine unabhängige Überprüfung der Lebensmittelsicherheit ermöglicht. Hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Gefahren durch den Verzehr von Novelfood heißt es vage: »Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, die in den Verkehr gebracht werden und die genetisch veränderte Organismen enthalten, dürfen keine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen.« Für die Vermarktung der meisten GentechLebensmittel genügt eine einfache Anmeldung bei der Kommission. Einsprüche von Mitgliedsstaaten müssen erhoben werden, bevor weitere Untersuchungen unternommen werden. Ein öffentliches Register fehlt ebenso wie eine Offenlegung der Gesundheitsprüfungsergebnisse oder eine umfassende Haftung. <Hiltrud Breyer>, MdEP, bezeichnet den Kompromiß mit den vielen Schlupflöchern als einen Pyrrhussieg für den Verbraucherschutz. (Pressemitteilung, 28. 11.96) Geplant ist eine Klage gegen die NovelFood-Verordnung, um weitgehende nationale Kennzeichnungsregelungen zu ermöglichen.

Die Entmündigung des Verbrauchers

Mit dem Ergebnis zeigte sich der Bund für Lebensrecht und Lebensmittelkunde, der Spitzenverband der Deutschen Lebensmittelwirtschaft, ebenso zufrieden wie DIE ZEIT (6. 12. 96), indem sie schrieb:

»Selten setzten sich die Parlamentarier so erfolgreich für die Interessen der europäischen Verbraucher ein. Selten wehrten sie sich so vehement gegen die Forderungen der Wirtschaft.«

Kritik an dem halbherzigen Ergebnis übten u.a. Verbraucherverbände, die EuroGrünen, Greenpeace, der Bund für Umwelt und Naturschutz, Reformhäuser. Die Ausnahmeregelungen für eine Kennzeichnung genmanipulierter Lebensmittel komme einer Entmündigung des Verbrauchers gleich. Der ablehnenden Haltung der Verbraucherlnnen wegen kamen inzwischen Mühlenbetriebe, Verarbeiter und Handelsketten entgegen, die eine Verarbeitung und Vermarktung von Gen-Fond ablehnen oder zumindest kennzeichnen wollen. Die Verbraucherinitiative plant den Aufbau einer unabhängigen Datenbank, mit deren Hilfe Verbraucherlnnen erfahren können, welche Lebensmittel, in welcher Form z.B. Gen techSoja enthalten. Denn lt. einer ForsaUm frage für die Zeitung »Die Woche« erklärten 77 Prozent der Befragten, daß sie keine genveränderten Produkte essen wollen. 94 Prozent verlangten eine Kennzeichnung. Die ablehnende Haltung der Verbraucherlnnen kann auch bei ungekennzeichneten Lebensmitteln zu einem Absatzrückgang führen. Während der Trend bei Endverbraucherlnnen und Gastronomie zunächst noch hin zum Kauf sogenannter »Convenience-Produkte« ging, den bequemen Produkten mit dem langen industriellen Verarbeitungsprozeß und kurzer Zubereitungszeit, kann dieser sich bei zunehmender Ungewißheit hinsichtlich der lnhaltsstoffe schon bald wieder umkehren. Wer beispielsweise in jedem Fischstäbchen Gentech-Soja vermuten muß, kauft zunächst vielleicht doch lieber frischen Seelachs bis er schließlich feststellen muß, daß dieser in norwegischen Zuchtstationen aufgewachsene Seelachs auch genmanipuliert wurde.

Die geheime Verschwörung im Hintergrund

Wer sind die Nutznießer der »grünen Gentechnologie«, die so überflüssig ist wie ein Kropf? Es sind transnationale Chemie- und Nahrungsmittelkonzerne, Finanzmagnate und Regierungen, die deren Interessen vertreten - nicht zuletzt auch das Heer von Wissenschaftlern am Dauertropf der Forschungsgelder. Letztere Gruppe hat sich nach dem Prinzip, »publish or perish« zu Ankündigungsweltmeistern entwickelt, damit die Geldquellen nicht versiegen.

In Erwartung größerer Gewinne kauften Chemiekonzerne seit Ende der siebziger Jahre Saatgutfirmen oder beteiligten sich an ihnen. Vor dem Hintergrund des stagnierenden und auch rückläufigen Absatzes von Pestiziden, schufen sie auf diese Weise gegenüber der Agrarwirtschaft die Voraussetzung für einen Abnahmezwang für Pflanzengifte. Nach dem Prinzip: gentechnisch manipulieren, patentieren und konfiszieren gelingt so der Verkauf von gentechnisch verändertem Saatgut im Doppelpack mit Pestiziden. Bei der Privatisierung der Evolution waren Patentämter ebenso hilfreich wie oberste Gerichte, Politiker, Banken und internationale Organisationen.

Eine von ihnen ist die mächtige UNO mit ihrem Ausschuß, der »Codex alimentarias«. Dieser Ausschuß setzt sich zusammen von Vertretern der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Welternährungsorganisation FAO. Die WHO in Genf vertritt sehr stark die Interessen der Pharmaindustrie. Hinter verschlossenen Türen erarbeitet dieser Ausschuß unbeachtet von der Öffentlichkeit weltweit verbindliche lebensmittelrechtliche Normen. Vergleichbar mit der Bioethik-Deklaration der UNESCO, sollen die globalen Regelungsversuche des »Codex alimentaris« europäische Verordnungen und Richtlinien zu Gunsten einer ungehemmten Biotechnologie außer Kraft setzen. Um die Vormachtstellung zu Gunsten der Gentechnik made in <USA> zu sichern, setzten sich die USA schon im Oktober 1994 im Codex Alimentarius dafür ein, jedwede Kennzeichnung gentechnisch hergestellter Produkte schlichtweg zu verbieten. Verstärkt werden die absatzfördernden Maßnahmen durch gleichgerichtete Aktivitäten der internationale <GATT> (General Agreement of Tarifs and Trade) im Rahmen der globalen Wirtschaftsförderung. Der Einfluß dieser Organisationen auf die Brüsseler Kommission zu Gunsten der Biotechnologie ist unübersehbar.

PR-Agentur Bursen-Marsteller:
. . . keiner wäscht grüner

Während Politberater der großen Organisation Einfluß nehmen auf Entscheidungen der Brüsseler Administration und nationale Gesetzgebungen, besorgen weltweit agierende PRAgenturen das Geschäft mit der Akzeptanzbeschaffung bei der sich noch sträubenden Bevölkerung. Eine der ganz großen ist die amerikanische Firma Bursen-Marsteller. Groß ist sie auch im Rein waschen von Skandalen. Die geheimen Verführer fanden sich für eine europaweite Gentechnik- Kampagne mit der »European Association for Bioindustries - EuropaBio« zusammen. Neben Kleinfirmen und Wissenschaftlern, die im Bereich Gentechnologie tätig sind, zählen 37 der größten Lebensmittel- und Chemiekonzerne zu dieser Vereinigung:

Nestle, Novartis, Hoffmann-La Roche, Unilever, Danone, <Bayer>, <Hoechst>, Calgene, Monsanto, Rhöne-Pulenc et cetera.

Diese Konzerne verfügen gemeinsam über eine Bilanzsumme von über 500 Milliarden Dollar Der Vorsitzende von EuropaBio, Jürgen Drews, Präsident von »International Research« bei Hoffmann-La Roche, sagte zur Wochen Zeitung Zürich (18. 7. 97):

»Bei einem günstigen Verlauf« könnten bis im Jahr 2005 drei Millionen Arbeitsplätze angeboten werden und mit der Biotechnologie ein Wert von 250 Milliarden Ecu erwirtschaftet werden. Mit »günstigem Verlauf« meint er »Gesetzgebungen, die der Entwicklung der Bioindustrie möglichst nicht im Wege stehen, sondern ihr entgegenkommen.« Es gelte außerdem, Konsumentlnnen davon zu überzeugen, daß die Gentechnik eine »unschuldige Technologie« sei, die, wenn man sie nur lasse, »viel Gutes tun« könne.

Den Part der Überzeugungsarbeit will nun gegen gutes Geld BursenMarsteller übernehmen. Sie ist in 32 Ländern auf allen Kontinenten präsent und will nun ihren Auftraggebern vermitteln, wie man mit einem Kommunikationsprogramm die Wahrnehmungen der Verbraucherlnnen ändern kann. Und das geht laut Strategiepapier so: »Stay off killing fields« - meidet tödliche Minenfelder; dazu zähle die gesamte Diskussion über gesundheitliche und ökologische Risiken der Gentechnologie. Ein weiterer heißer Tip: »Erzählt Geschichten, statt Sachdebatten zu führen«, <Sachargumente> hätten keinen Newswert, würden von den Medien deshalb kaum aufgenommen, doch gute Geschichten gingen in Minuten um die Welt. Redet von Wohltaten statt von Profiten.

»Die Bioindustrie muß aufhören, ihren eigenen Anwalt zu spielen.«

Bursen-Marsteller hat im »Schönlügen« oft Pionierarbeit geleistet. In den USA organisierte sie »Wise Use«-Gruppen, eigentliche Bürgerrechtsbewegungen, die zum Beispiel für die bedrängte Tabakindustrie Werbung machten. Bürgeraktivistlnnen gelten, wenn sie einmal von der Industrie gekauft sind, in den USA als besonders effiziente Meinungsbildner. Ähnlich arbeitete die Agentur für Dow Corning, eine Tochterfirma von Dow Chemical. Der Konzern hatte

Silikon-Brustimplantate fabriziert und war von Frauen, die gesundheitliche Schäden davontrugen, verklagt worden. Dank Bursen-Marsteller traten Frauen an die Öffentlichkeit, die die Silikonbrüste lobten und proklamierten, Frauen sollten die freie Wahl haben, sich den Stoff implantieren zu lassen. Mit derartigen Strategien verschaffte Bursen-Marsteller als »Great global greenwashing«- Unternehmen auch anderen Konzernen ein ökologisches Image: Zum Beispiel Union Carbide (nach Bhopal), Exxon (nach Tankerkatastrophe in Alaska). (Ebd.)

Bursen-Marsteller, inzwischen auch in Frankfurt tätig, betreibt von dort aus eine »Sojabohnen«-Homepage, die das »Soja-lnformationsbüro« bekannter machen soll. Das Büro vertreibt u.a. sogenannte wissenschaftliche Studien als Unbedenklichkeitsbescheinigung für »Roundup Ready Sojabohnen« von Monsanto. Für die Zusammenfassung in deutscher Sprache wurden Frau Dr. Gabriele E. Sachse und, vermutlich des positiven Imagetransfers wegen, Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany vom »Molekularbiologischen Zentrum der Forschungsanstalt für Ernährung« in Karlsruhe bemüht. Jany ist in Deutschland für die Überwachung der Kennzeichnung zuständig.

Daß PR und <Werbung> Wahrnehmungen manipuliert, ist nicht neu. Neu ist die Machtballung, die mit EuropaBio und den dahinterstehenden Konzernen entstanden ist. Sie kann nicht nur Regierungen erpressen, sondern auch flächendeckende Werbefeldzüge problemlos finanzieren. Bursen-Marsteller liefert dazu das Know-how. Früher wusch der weiße Riese alles weiß, heute wäscht Bursen-Marsteller transnationale Chemie- und Nahrungsmittelkonzerne grün.

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Unter dem Titel

,,Die EU macht Gen - Tomaten schmackhaft

Bestandteile müssen auf der Packung stehen - 80 Prozent des Anbaus ist manipuliert?"

erschien in der Stuttgarter Nachrichten vom 16.02.2001 ein Artikel zum Trend der genmanipulierten Nahrungsmittel von deren Korrespondenten M. BOMMERSHEIM aus Straßburg.

Hier heißt es, daß die Gen -Tomate auf dem Vormarsch sei, nachdem das Europaparlament den Weg dazu geebnet hat, indem es mit breiter Mehrheit die Aussaat genmanipulierter Pflanzen erlaubt, diese aber zum Schutz des Verbrauchers an Bedingungen knüpfe.

Die dortige Europaabgeordnete Renate Sommer (CDU) bringe zum Ausdruck, daß in wenigen Jahren 80 Prozent der Anbauten genmanipuliert sein werden.

Die gelernte Agraringenieurin zweifle nicht am Erfolg der Gentech - Nahrung: ,,Gen-Tomaten würden gut aussehen, gut schmecken, seien schnittfest und nicht faulend", sage sie, und weiter, ,,daß es keine Frage sei, daß der Verbraucher irgendwann auf den Geschmack kommen werde, weil diese Produkte nicht nur von besserer Qualität, sondern auch preiswerter seien. Wenn die Menschen sich erst einmal daran gewöhnt haben, regelt der Markt den Rest." Ihre Meinung nach wären die Produkte aus herkömmlichem Anbau demnächst wohl nur noch in Drogerien und Reformhäusern zu haben sein, demnach gehöre die Zukunft den knallroten Kunst - Tomaten oder pilzresistenten Gen - Kartoffeln.

. In dem StN - Artikel heißt es weiter, daß diese Abgeordnete zu jener EU - Gruppe gehöre, die seit langem an dem bis zuletzt in der EU strittigen Kompromiß über die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen gearbeitet habe, bei dem es um die Frage ging, ob Gen - Lebensmittel eher eine Chance oder eine Gefahr bedeuten.

Seit 1990 wären 18 Produkte - etwa für Gen - Mais und - Raps - genehmigt worden, weitere 14 Anträge lägen auf dem Tisch von Umweltkommissarin Margot Wallström.

Die Schwedin habe sie auf Eis gelegt, um die verschärften Vorschriften anwenden zu können.

Der neue Kompromiß sähe vor, die Genehmigung für alle genveränderten Organismen auf zehn Jahre zu begrenzen und daß die Öffentlichkeit darüber informiert werden müsse. Demnach würde demnächst bekanntgegeben werden, auf welchem Feld Gen - Pflanzen wachsen und auf der Verpackung würde leichter zu lesen sein, welche Nahrungsmittelteile genmanipuliert sind. Ab 2004 würden Antibiotika - Resistenzgene verboten, denn sie stehen im Verdacht, die Wirksamkeit von Antibiotika beim Menschen zu senken.
 

Was von derartigen (Einlull - ) Anschauungen zu halten ist, erlebt derzeit der sogenannte willige, sprich ,,billigpreisbewußte" Verbraucher alltäglich im Schatten der BSE - Krise, zu deren Bewältigung alternativ wirtschaftende Landwirte auf einmal von allen Seiten, sogar von den konservativen Massenprint - medien, zwecks Aufrechterhaltung des sozialen Friedens zu Rettern der Fleischabhängigen aus der Versenkung der einstigen Verbannung für ,,Nicht - ganz - Ernst - zunehmende" hervorgezaubert werden.

Die derzeit gängige Landwirtschaft, die durch ihre Methoden der industrialisierten Massenfleischproduktion auf Kadaververfütterungsbasis zur BSE - Krise geführt hat, wird hierbei fälschlicher Weise als traditioneller Landbau bezeichnet. Bei aufrichtiger Betrachtung weiß jedoch jeder, daß die sogenannte alternative Landwirtschaft in Wirklichkeit den traditionellen Landbau darstellt, der sich nach uralten Menschen - und Tierewürde und Pflanzenwachstum beachtenden Traditionen ausrichtet, und sich nicht an der Gewinnung der ,,Schnellen Mark" orientiert, welche die Kapitalverleiher den derzeit gängigen industriealisierten landwirtschaftlichen Massenproduktionsbetrieben über die Renditebedingungen diktiert. Anm. P. Bechen

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Prof. Dr. Gerd Brucker:

Gentechnologie -

Freisetzung genetisch veränderter Mikroorganismen

Die ,,zentrale Kommission für Biologische Sicherheit" der Europäischen Gemeinschaft sieht in entsprechenden Richtlinien vor, daß die Freisetzung genetisch manipulierter Mikroorganismen grundsätzlich erlaubt wird. Die Versuche zur Freisetzung sind genehmigungspflichtig. Das EG-,,Biotechnology - Action - Programme" forciert jedoch eine beschleunigte Ausräumung von Engpässen," ... die verhindern, daß Industrie und Landwirtschaft die Materialien und Methoden der modernen Biologie ausbeuten können."

Folgende Gefahren sind bereits bekannt:

  1. Freigesetzte Viren und Bakterien können in nicht vorhersehbarer Weise mit anderen Mikroorganismen genetische Informationen austauschen.
    Folge: Störung und Zerstörung von Wechselbeziehungen in verschiedenen Boden systemen.
    .
  2. Weltweite Verbreitung von nicht mehr rückholbaren genmanipulierten Viren und Bakterien; Entstehung von Krankheiten und Störungen, die nicht mehr auf manipulierbares Material zurückgeführt werden können, da der Beginn der in der Regel nicht beabsichtigten fehlgesteuerten Virulenz zeitlich und lokal nicht mehr eingegrenzt werden kann.
    .
  3. Bereits erfolgte Fehlversuche bei Mikroorganismen hatten zur Folge, daß in Ländern, für die kein generelles Ausbringungsverbot besteht (USA, Großbritannien), Bodenentseuchungsmittel mit verheerenden Folgewirkungen und entsprechender Langzeitwirkung ausgebracht werden mußten.
    .
  4. Die Warnungen des UMWELTBUNDESAMTS, daß das Verhalten neuer Organismen im ,,Ökosystem letztlich nicht absehbar" sei, wird unter dem Druck der Anwenderinteressen in den Hintergrund gedrängt. Greenpeace macht deshalb zu Recht darauf aufmerksam, daß die ,internationale wissenschaftliche und wirtschaftliche Konkurrenz... die Zurückhaltung früherer Jahre verdrängt" hat. Die ,,Verbannung des Nichtwissens aus der rationalen wissenschaftlichen Seriosität der Sicherheitsmodelle" wird gerügt. (Greenpeace Magazin 11/1991)

Aktion

Jede Freisetzung muß z.Zt. noch auf nationaler Ebene beantragt werden. Für Deutschland ist das BUNDESZENTRALE für GESUNDHEITLICHE AUFKLÄRUNG (früher: BGA) in Berlin zuständig.

  1. Richten Sie Anfragen über geplante und beantragte Freisetzungen genetisch manipulierter Mikroorganismen an die EG, Brüssel und vor allem an das BGA.
    .
  2. Alle Anträge auf Freisetzung müssen ein öffentliches Anhörungsverfahren durchlaufen und in örtlichen Zeitungen bekanntgemacht werden. Ein Teil der betreffenden Unterlagen muß öffentlich ausgelegt werden. Jeder kann daraufhin begründete Einwendungen vorbringen, die an einem bestimmten Erörterungstermin verhandelt werden müssen. Dies betrifft nicht nur freigesetzte Mikroorganismen, sondern auch manipulierte höhere Pflanzen und Tiere.

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Prof. Dr. Gerd Brucker:

Washingtoner Krankenhausgen
in ökologischen Äckern Europas?

Gentechnologische Akzente

[...] Die großen Chemiekonzerne haben bereits in ihren eigenen Genlabors oder bei entsprechend damit beauftragten Forschungsfirmen eine Reihe von Nutzpflanzen so manipuliert, daß sie gegen das jeweils eigene Herbizid resistent geworden sind. Daß dieser Markt im europäischen Maßstab finanziell zukunftsträchtig ist, zeigen auch die Aufkäufe von über 30 europäischen Saatgutfirmen durch die DUTCH SHELL COMPANY und durch den schwedischen Autokonzern VOLVO (BRUKKER 1988). Selbst auf dem Gebiet der bodenschonenden Leguminoseneinsaat, eine der Säulen der biologischen Stickstoffversorgung im ökologischen Landbau, bahnt sich seit Jahren eine nicht absehbare gentechnische Rezeptur mit Hilfe der neuen Forschungspolitik der Europäischen Kommission den Weg in den Anbau.

In bedeutenden europäischen bodenbiologischen Forschungsstationen, aber auch in kleineren deutschen Hochschulinstitutionen wurden von der EG-Kommission nämlich Experimente im Freiland mit genetisch veränderten Bakterienstämmen durchgeführt. Es handelt sich um Rhizobienarten, die als Symbionten an Schmetterlingsblütlern nach der Infektion der Wurzeln Wurzelknöllchen hervorrufen. Die geschätzten Knöllchenbakterien (Rhizobium Ieguminosarum) fangen den reichlich vorhandenen Luftstickstoff in der lockeren Bodenkrume ein. Nach der Ernte oder der leichten Einarbeitung der oberirdischen Teile, z. B. der Erbsenpflanzen, werden während der Verrottung der Wurzeln die gebildeten Stickstoffverbindungen in Humus- und an Tonverbindungen angelagert. Die nachfolgende Frucht ist auf diese natürliche Weise mit Stickstoff aus der Luft energetisch sparsam und umweltschonend mit Dünger versorgt worden. Die Bodenlebensgemeinschaften vieler verschiedener Bakterien, Strahlenpilze und Mikropilze sind sehr vielfältig; sie bilden im mikrobiell ablaufenden Konkurrenzkampf ein Gleichgewicht durch die Ausscheidung verschiedener Antibiotika im Boden. Diese Antibiotika können die Besiedlungsaktivität der Rhizobien an Leguminosenwurzeln einschränken. Da künftig auch die Stickstoffausbeute intensiviert werden soll, haben die Gentechnologen z. B. der Rothamsted Experimental - Station in England und das Bodenbiologische Institut in Dijon, Frankreich, aber auch ein deutsches Universitätsinstitut in Bayreuth, die Fähigkeit zur Antibiotikaresistenz auf Rhizobien übertragen und Freiland - Feldversuche angeschlossen. Die Widerstandskraft gegen Antibiotika entstand durch die Übertragung eines mobilen Gens, des Transposons ,Tn5`. Es kann im Labor zwischen Bakterien verschiedener Arten übertragen werden - ein Vorgang, der als Chance für Genübertragungen gesehen wird, aber im Lauf von etwa zwanzig Jahren keine Kontrolle der Herkunft der künstlich herbeigeführten Übertragung mehr zuläßt. In unserem Fall stammte das Resistenzgen aus Bakterien eines Washingtoner Krankenhauses. Über die als Darmbakterien bekannten Kolibakterien gelangte Tn5 schließlich über mehrere Labors nach England, dann nach Deutschland und nach Frankreich. Da hier nicht das gentechnisch übliche Verfahren mit Restriktionsenzymen angewandt worden ist, um an einer bestimmten Basensequenz die DNA der Rhizobien-Plasmide in Vitro (also im Reagenzglas) zu zerteilen, nahmen alle Forscher für sich in Anspruch, es handle sich deshalb um keine genehmigungspflichtigen gentechnologischen Expermimente. Auch die ,Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit beim Bundesgesundheitsamt machte sich dieses Argument zu eigen. Aber gerade der bei der Übertragung des Tn5 herbeigeführte horizontale Gentransfer gilt als Gefahr bei neukonstruierten Bakterien in der Landwirtschaft. Sollte bei unbewußter Verwendung von entsprechend europaweit zertifiziertem Saatgut und von Rhizobium - Impferde ein umstellungsbereiter Landwirt ökologischen Landbau betreiben wollen, so läuft er hier Gefahr, seine Mikrolebensgemeinschaften im Boden einem unkontrollierbaren Experiment mit einem Antibiotika - Resistenzgen aus einem Washingtoner Krankenhaus auszusetzen.

Für alle gentechnologisch veränderten Produkte, ob landwirtschaftlicher, biotechnologischer oder medizinischer Art, gilt ähnliches wie für die Produkte der Nahrungsmittelindustrie in der Europäischen Gemeinschaft. ,,Wird ein Produkt, das gentechnisch veränderte Organismen oder eine Kombination von solchen enthält, mit der Absicht der Freisetzung in die Umwelt in den Verkehr gebracht, und ist dieses Produkt nach dieser Richtlinie angemeldet und angenommen worden, so darf ein Mitgliedsstaat die absichtliche Freisetzung dieses Organismus auf seinem Hoheitsgebiet unter das in der Anmeldung dargelegten Bedingungen weder verbieten, einschränken, noch verhindern." Artikel 11 des europäischen Gentechnikgesetzes sieht die Übermittlung aller Daten an alle Mitgliedsstaaten bei kommerziellen Freisetzungen vor. Aber: ,Die zuständige Behörde entscheidet in eigener Verantwortung darüber, welche Informationen geheimzuhalten sind." Bei Konflikten wird ein beratender Ausschuß mit je einem Mitglied aus jedem Mitgliedsstaat eingesetzt. Aber letztendlich bleibt die Entscheidung bei der Europäischen Kommission.

Gefahren werden deutlich: Die Transparenz ist nicht gewährleistet, die öffentliche Kontrolle ist weitgehend zugunsten rein kommerzieller Interessen ausgeschaltet. Anläßlich des hundertjährigen Forschungsjubiläums des Chemie- und Pharmakonzerns Schering verwiesen renommierte Molekularbiologen während einer Fachtagung auf ökologische Probleme und Gefahren beim Einsatz gentechnisch veränderter Kulturpflanzen.

  1. Es besteht die Gefahr der Generosion (Genverlust) durch die Einführung gentechnisch veränderter Kulturpflanzen. Denn diese verdrängen viele herkömmliche Sorten und deren wertvolles genetisches Potential, da sich kein Landwirt das vorgeschriebene und aufwendige Sortenprüfverfahren leisten kann, wenn seine Sorten als zertifiziertes Saatgut anerkannt werden sollen. Hier haben die Konzerne mit ihren Geningenieuren einen eindeutigen Marktvorteil.
    .
  2. Die unkontrollierbare Übertragung von Resistenzgenen auf andere Bakterien und Pflanzen birgt die Gefahr, daß sich der chemische Pflanzenschutz erneut auf höherem Niveau etabliert.
    .
  3. Die synthetische Herstellung völlig neuer Gene ist technisch möglich, doch die heutigen Kenntnisse über die stereochemischen Eigenschaften von Peptidketten reichen bei weitem nicht aus, um die Wirkungsweise der Genprodukte solcher synthetischer Gene vorhersagen zu können (ROY, GORDON 1992).

Weitere neue Retortenprodukte umfassen die gentechnisch beeinflußten oder produzierten Mikroorganismen, Lebensmittelzusätze und Vitamine (SPELSBERG 1991). Das so trotzig gegen den Rest Europas verteidigte deutsche Reinheitsgebot für Biere kann möglicherweise sehr rasch unterwandert werden, wenn spezielle Hefen, die ein oder mehrere neu eingepflanzte Gene besitzen, bei den Traditionstränken zum Einsatz kommen. So ist eine neu angebotene Hefe in der Lage Zellwandreste (Beta-Glukane) abzubauen, so daß diese Reststoffe nicht mehr abgefiltert werden müssen. Das Reinheitsgebot ist nicht auf genmanipuIierte Hefen bezogen, und so förderte die Brauereizunft, nämlich der Deutsche Brauerbund, die Erprobung.

Gentechnologisch gewonnener Joghurt

Aber auch die Molkereien bleiben nicht unbeeinflußt von neuen gentechnischen manipulierten Mikroorganismen. Der neue Trend geht zur sogenannten ,Biokonservierung". So geben beispielsweise Milchsäurebakterien das Antibiotikum Nisin ab, das den Befall von Weichkäse durch andere Mikroorganismen verhindert. Bestimmte gentechnisch veränderte Bakterien, die für Käseersatz Proteine produzieren können (s.o.), sind in der Lage das in größerem Maßstab ansonsten aus Hühnereiweiß gewonnene Lysozym als Antibiotikum herzustellen. Lysozym (auch in der Tränenflüssigkeit enthalten) zerstört die Zellwände der Mikrokonkurrenten. Auch dem künftigen regulären Käse aus Milch beigesetzt, dienen diese Biotechnikprodukte, indem sie ,Spätblähungen" durch Eliminierung ungewollter Mikroorganismen verhindern. Auch zur Joghurtherstellung und Biokonservierung bei tieferen Temperaturen sind entsprechend manipulierte Bakterienstämme vorgesehen. Die erzeugten Aromastoffe aus Mikropilzen kennen wir bereits aus dem herkömmlichen Früchtejoghurt. Werden entsprechende Gene erfolgreich auch in die Milchsäurebakterien des gewünschten Fruchtgeschmacktyps eingeschleust, so entsteht das entsprechende ,naturidentische" Aroma sofort bei der Herstellung eines Joghurts in einem einzigen Arbeitsgang. Die aromaerzeugenden Mikropilze sind dann überflüssig.

Neben diesen Perspektiven gelangen bereits erfolgreich produzierte Wirkstoffe aus gentechnisch veränderten Escherichia-coli-Bakterien auf den europäischen Markt, so z. B. das gentechnisch erzeugte Chymosin (,Maxiren"), das ursprünglich nur im Labferment, das für die Käseerzeugung verwendet wird, vorhanden war oder Zusatzstoffe wie der Süßstoff Aspartam. Auch die Enzymindustrie ist auf dem Sprung zur überwiegend gentechnisch bewirkten Optimierung der mikrobiellen Enzymausbeute. Die USA haben bereits das Aus für viele Zuckeranbieter eingeleitet: Weizen- und Maisstärke ersetzen die Rüben, denn gentechnisch in großem Maßstab billig produzierbar gewordene Enzyme spalten Weizen und Maismehl zu sogenannter Isoglukose. Diese ersetzt in den USA über ein Drittel des Marktanteils von Zucker, milliardenschwere Importe wurden auf diese Weise gestoppt. Aber auch deutsche Firmen bieten Enzyme für den Lebensmittelmarkt an.

Als weitere erfolgreiche Billigproduktion wird die Massenerzeugung von Vitaminen in Gang gesetzt, denn gentechnisch veränderten Mikroorganismen (E.coli) können bestimmte Vitamine mit einer Steigerung der Ausbeute um bis zum Fünfzigtausendfachen synthetisieren (Vitamin-B12). Verdickungsmittel und Geschmacksverstärker folgen diesem Trend. Alle diese Zusatzstoffe müssen nicht als Gentechnik-Produkte gekennzeichnet werden. So kann ein Milchprodukt, das von gesundheitsbewußten Käufern beispielsweise als echtes ,Bioprodukt" gekauft wird, oder ein entsprechendes Vollkornbrot künftig gen-manipulierte Mikroorganismen oder deren Produkte enthalten; es genügt damit trotzdem den bio-Normen der EG.

Weitere Informationen über Gentechnik und Lebensmittel sowie Faltblätter und Aktionsmaterial bekommt man bei

GEN-ETHISCHES NETZWERK eV.
Schöneweider Str. 3
12055 Berlin
030 - 6857073

Gesundheitsprobleme - offene Fragen:

  • Was geschieht, wenn die Plasmide als DNA-Träger von gentechnisch veränderten Bakterien, die zur Biokonservierung verändert worden sind, die künstlich eingesetzten Informationen auf Bakterien der menschlichen Darmflora übertragen? Was geschieht, wenn unsere Darmbakterien z. B. über Joghurt, Salami oder Käse neue Abbaufähigkeiten erlangen.
  • Was geschieht, wenn plötzlich neue, unerwartete Stoffwechselvorgänge in Nahrungspflanzen induziert werden? So wurde beispielsweise nach der gentechnologisch erzeugten Resistenz gegen das Breitbandherbizid ,,Round up" (Glyphosphat) in Bohnenpflanzen entdeckt, daß diese plötzlich östrogen-wirksame Substanzen herstellen. 20 Gramm Pflanzenmasse reichten zur Isolation des neu gebildeten Stoffwechselproduktes aus, um bei Mäusen Wirkungen auf das Wachstum der Gebärmutter fest stellen zu können.
  • Gentechnisch produzierte Arzneimittel zeigen, daß sie neue noch ungekannte Nebenwirkungen verursachen können (z. B. Tryptophan aus optimierten Bakterienproduktionsstämmen. Aus den USA sind bis zu 5000 Krankheitsfälle bekannt, aus der Bundesrepublik 110>. Auch für Zusatzstoffe und Produkte aus optimierten Stämmen der o. g. Art sind Nebenwirkungen überhaupt nicht auszuschließen. Nicht nur die Produkte sondern auch Produktwege bedürfen somit einer strikten Risikoanalyse. Telefoninformation auch über das ÖKO- INSTITUT FREIBURG, Dr. Trappeser, Tel. 07161 - 473031.

Die folgenden größeren Zentren wirken beispielsweise zusammen; Forschungsberichte oder entsprechende Dissertationen können angefragt werden:

  • TH Darmstadt, Grünenthal-Arzneimittel, Merck (Diagnostika), Röhm (technische Enzyme) sowie ein Fonds der chemischen Industrie, Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT).
  • Zentrum für Molekulare Biologie Heidelberg, BASF, Ludwigshafen, BMFT
  • Universität Heidelberg, BASF, Boehringer, Merck, Gesellschaft zur Förderung Molekularbiologischer Forschung in Heidelberg, e.V.
  • Institut für Genetik, Max-Planck-lnstitut (MPI) für Züchtungsforschung, Köln Bayer AG
  • Genzentrum München, MPI für Biochemie, Hoechst AG, Wacker Chemie, Universität München
  • Zellbiologie GmbH Berlin, Schering AG, MPI für molekulare Genetik, Land Berlin
  • Zentrum für Molekularbiologie Hamburg, Unviersitätskrankenhaus, Universität (Bot. Institut), Land Hamburg, BMFT
  • Bio-Zentrum Frankfurt, Zentrum für Umweltforschung (Biochemie mit Pharmazie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Biotechnologie, Genetik>
  • Gentechnologiezentrum Tübingen (Bau einer größeren Einrichtung am Ort der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere>

Großforschungseinrichtungen:

Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung Neuherberg bei München;

Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig.

Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Kernforschungszentrum Karlsruhe, Kernforschungsanlage Jülich.

.Grundlagentexte mit freundlicher Genehmigung des Autors aus

Prof. Dr. Gerd Brucker,
Ökologie und Umweltschutz,
Ein Aktionsbuch, 1991,
ISBN 3-494-01199-0

noch zu Anfang 2000 war unter
http://www.gruene.bayern-landtag.de/
themen/Gentechnikfrei/NovelFood.html
der folgende Beitrag
zum Thema NovelFood-Verordnung eingestellt:
(Hervorhebungen von der Redakt.) [...]

Novel-Food-Verordnung -
Schlupfloch für Gentech-Lebensmittel

Tomatensalat mit Flunder-Gen, geräuchertes Forellenfilet mit menschlichem Wachstums-Gen, dazu passend überbackene Kartoffeln mit Skorpion-Gen. Als Nachtisch vielleicht Napfkuchen mit genmanipulierter Hefe auf Papayacoulis an Viren-Genen und echter Vanilleglace aus im Fermenter gezogenen, genmanipulierten Zellkulturen. Kein Menü aus Frankensteins Gasthof, sondern demnächst Wirklichkeit auf unserem Speisetisch.

VerbraucherInnen wird auch durch die Novel-Food-Verordnung keine Möglichkeit gegeben, sich frei für oder gegen genmanipulierte Lebensmittel zu entscheiden. Nach jahrelanger Diskussion und wochenlangen Verhandlungen im Vermittlungsausschuß zwischen Europäischem Parlament und Ministerrat der Europäischen Union wurde im Januar dieses Jahres ein Kompromiß für eine Verordnung zum Umgang mit neuartigen Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten <97/258/EWG>, die sog. Novel-Food-Verordnung, beschlossen. [...]

Obwohl die Novel-FoodVerordnung seit Mitte Mai gültiges Gesetz ist, werden die VerbraucherInnen nicht in die Lage versetzt, beim Einkauf genmanipulierte Lebensmittel zu erkennen. Die Verordnung enthält zahlreiche Schlupflöcher und Interpretationsmöglichkeiten.

Gentechnisch erzeugte oder veränderte Enzyme, Aromen, Extraktionsmittel und Zusatzstoffe sind grundsätzlich von Bestimmungen der Verordnung ausgenommen und können frei und ungekennzeichnet vermarktet werden. Gerade Enzyme und Zusatzstoffe jedoch werden zunehmend zu einer der wichtigsten Anwendungen der Gentechnik im Lebensmittelbereich und sind daher für die Industrie von größter Bedeutung.

Es muß gekennzeichnet werden, wenn auf "Grundlage einer angemessenen Analyse nachgewiesen werden kann, daß die geprüften Merkmale Unterschiede gegenüber konventionellen Lebensmitteln aufweisen" (Artikel 8a). Bislang hat die Kommission jedoch keine Liste der Analysemethoden vorgelegt. Nach Artikel 5 der Novel-Food-Verordnung gilt das Prinzip der "substantiellen Äquivalenz", das heißt, es muß nur dann gekennzeichnet werden, wenn ein Gen erstmals in das Erbgut einer Pflanze eingebracht oder daraus entfernt wird und das daraus erzeugte Lebensmittelprodukt damit nicht mehr gleichwertig ist. Diesem Gedanken liegt zugrunde, "daß bestehende Organismen, die als Lebensmittel oder als Quellen für Lebensmittel dienen, Vergleichsgrundlage sein können, wenn es darum geht, die Unbedenklichkeit von veränderten oder neuartigen Lebensmitteln bzw. Lebensmittelzutaten für den menschlichen Verzehr zu bewerten."

[Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuß der EU Kommission: Stellungnahme zur Bewertung neuartiger Lebensmittel. 5. S.6 f].

So gilt eine Herbizidresistenz nur bei der ersten transgenen Pflanze, die gegen Herbizide widerstandsfähig gemacht wurde, als neuartig. Andere herbizidresistente Pflanzen müssen später dann lediglich angemeldet, aber nicht mehr eigens zugelassen werden - ganz gleichgültig, ob es sich dabei um Soja, Mais, Raps, Weizen oder andere herbizidresistente Pflanzen handelt.

Damit stellt sich das Problem, wie nachgewiesen werden kann, daß verschiedene Pflanzenkonstrukte gentechnisch verändert wurden. Eine effektive Kontrolle kann nur dann erfolgen, wenn die Industrie gemeinsam mit den Antragsunterlagen entsprechende Referenzmuster der jeweils vorgenommenen Genmanipulationen mitliefert. Nur so können die Untersuchungsbehörden überhaupt gezielt nach den Veränderungen im Erbgut suchen, alles andere wäre ein Stochern im Nebel.

Leider war es im Vermittlungsausschuß gegenüber den großen Fraktionen nicht durchsetzbar, ein öffentliches Register für genmanipulierte Lebensmittel einzurichten. Auf taube Ohren stieß auch der Vorschlag, die Gentech-Industrie zu verpflichten, bei Anmeldung oder Zulassung für jedes transgene Pflanzenkonstrukt die passenden Nachweismethoden und -instrumente mitzuliefern. Es ist völlig unverständlich, warum gerade in Zeiten knapper, öffentlicher Kassen, die SteuerzahlerInnen die Erforschung von Nachweismethoden finanzieren müssen, während die Industrie bereits fette Profite einfährt.

Nach dem derzeitigen Stand der Technik können Genmanipulationen bei transgenen Pflanzen und deren Früchte nachgewiesen werden, sofern die ganze Frucht in das Endprodukt gelangt und nicht etwa nur daraus gewonnenes Öl. Hohe Erhitzung, starke mechanische Zerkleinerung und Mischen mit herkömmlichen Produkten (Verdünnungseffekt) können den Nachweis erschweren, aber nicht unbedingt verhindern. Diese unangenehme Erfahrung mußte auch der Hersteller der Schokoladenmarke Toblerone, die Firma Kraft-Jacobs-Suchard, machen. Einem staatlichen Untersuchungslabor in der Schweiz gelang der Nachweis, daß die Schokolade trotz gegenteiliger Zusage der Zulieferflrma Lecithin aus Gentech-Soja von Monsanto enthielt. Darauf mußte Kraft-Jacobs-Suchard rund 200 Tonnen Schokolade zurückrufen, die bereits an den Schweizer Einzelhandel ausgeliefert worden waren, weil die Gentech-Soja nicht für die Vermarktung in der Schweiz genehmigt gewesen war. Unter dem Druck der Industrie zogen die Behörden nach und genehmigten die Vermarktung der Gentech-Soja schließlich auch für die Schweiz.

Eigentlich sollte eine Kennzeichnung neuartiger Lebensmittel nach der Novel-FoodVerordnung dann erfolgen, wenn die Neuartigkeit eines Lebensmittels nachgewiesen werden kann oder eines der Kennzeichnungkriterien nach Artikel 8,1a der Verordnung erfüllt ist. Darunter sind "Merkmale oder Ernährungseigenschaften, wie Zusammensetzung, Nährwert oder nutritive Wirkungen, Verwendungszweck des Lebensmittels, die dazu führen, daß ein neuartiges Lebensmittel nicht mehr einem bestehenden Lebensmittel gleichwertig ist" (Artikel 8,1a) zu verstehen. Die Gentech-Industrie ist jedoch der Meinung, daß nur dann gekennzeichnet werden soll, wenn alle Kriterien gleichzeitig erfüllt und die Neuartigkeit nachgewiesen werden. Nur neuartige Lebensmittel, die additiv diese Merkmale erfüllen, würden dann als kennzeichnungspflichtig gelten. Dies jedoch widerspricht dem "Geist der Verordnung", wie ihn der Gesetzgeber verstand. Auch ohne diese Auslegungsvariante der Gentech-Industrie stellt die Novel-Food-Verordnung für über 80 Prozent der Lebensmittel, die mit Hilfe der Gentechnik erzeugt worden sind, eine Geheimhaltungsverordnung dar.

Für die Kennzeichnungspraxis bedeuten die Bestimmungen, daß genmanipulierte Tomaten, sofern sie unverarbeitet verkauft werden, gekennzeichnet werden. Sind die Tomaten jedoch zu Pizzabelag verarbeitet worden, erscheint die Kennzeichnung fraglich. Bei Bonbons, die zu 97 Prozent aus genmanipulierten Zuckerrüben stammen können, und bei Lachs, dem gentechnisch erzeugte Wachstumshormone verabreicht wurden, wird keine Kennzeichnung erfolgen.

Bei Großlieferungen werden in der Regel gentechnisch produzierte Lebensmittel mit herkömmlich erzeugten Produkten gemischt. Diese Großlieferungen sind generell aus der Kennzeichnung herausgenommen. Gerade jedoch bei importierten Großlieferungen aus Drittstaaten wird somit in keiner Weise erkennbar, ob es sich um gentechnisch erzeugte Produkte handelt, da die VerbraucherInnen lediglich über die "mögliche Anwesenheit von genetisch veränderten Organismen [...] informiert" werden. (Erwägung 9 der Novel-FoodVerordnung)

Bislang hat es die Kommission versäumt, Durchführungsbestimmungen zur Kennzeichnung zu erlassen, so daß nicht nur bei Kontrollbehörden, sondern auch bei Industrie Kritik an der faktischen Undurchführbarkeit der Novel-Food-Verordnung laut wird. [...D] ie Bundesländer [...] im Europäischen Parlament haben inzwischen die klare Regelung dieser Fragen verlangt.

Etikettenschwindel

Bei dem kleinen Anteil aller gentechnisch erzeugten oder veränderten Lebensmittel, die überhaupt nach der Verordnung gekennzeichnet werden, ist zudem nicht einmal eine einheitliche Sprachregelung vorgesehen. Für jedes Produkt, das zur Zulassung beantragt wird und dann auch tatsächlich gekennzeichnet werden sollte, darf die Industrie ein eigenes Label vorschlagen: Was dazu bislang von der Industrie zu hören war, ist blanker Hohn: Geht es nach der Industrie, dann soll das Gentech-Food mit Aufschriften, wie etwa "ernährungsphysiologisch optimiert", "mit moderner Biotechnologie erzeugt" oder "nachhaltig umweltfreundlich produziert", versehen werden. Dies wäre keine informierende Kennzeichnung, sondern eine bewußte Irreführung der VerbraucherInnen. 80 Prozent der Verbaucherlnnen in der Bundesrepublik wollen kein Gentech-Food kaufen, 90 Prozent sprechen sich für eine klare und unmißverständliche Kennzeichnung von allen gentechnisch erzeugten Lebensmitteln aus. Umfragen in den anderen Staaten der EU und in der Schweiz gelangen zu ähnlichen Ergebnissen. Deshalb ist davon auszugehen, daß die Gentech-Industrie keinen großen Eifer zeigen wird, sich den Marktnachteil "Genmanipulation" selber auf die Produkte zu schreiben. Die mündigen BürgerInnen bekommen keine freie Entscheidungsmöglichkeit für oder gegen genmanipulierte Lebensmittel.

Aus Sicht der VerbraucherInnen besteht die einzige positive Bestimmung in der Novel-FoodVerordnung in der Möglichkeit, ein Gütesiegel "ohne gentechnische Methoden erzeugt" einzuführen. "Nichts kann den Lieferanten daran hindern, den Verbraucher auf der Etikettierung eines Lebensmittels oder einer Lebensmittelzutat davon zu unterrichten, daß das betroffene Erzeugnis kein neuartiges Lebensmittel im Sinne dieser Verordnung darstellt, oder daß die angegebenen Verfahren zur Herstellung eines neuartigen Lebensmittels in der Herstellung dieses Lebensmittels oder dieser Lebensmittelzutat nicht angewandt wurden" (Erwägung 10). DIE GRÜNEN im Europäischen Parlament haben deshalb eine Initiative gestartet, um ein Gütesiegel "gentechnikfrei" einzuführen. Diese Positivkennzeichnung könnte in Form einer EU-Richtlinie realisiert werden. Darin sollte festgelegt werden, daß nur solche Lebensmittel das Gütesiegel erhalten, bei deren Produktion garantiert keine gentechnisch erzeugten oder veränderten Organismen verwendet wurden, selbst wenn das Endprodukt diese nicht mehr enthalten mag. Öl aus gentechnisch verändertem Raps oder Stärke aus genmanipulierten Kartoffeln bekäme ebensowenig das Gütesiegel wie mit Hilfe von Gentechnik hergestellte Zusatzstoffe, Aromen, Enzyme oder Extraktionsmittel. Produkte von Tieren, an die transgene Pflanzen verfüttert wurden, fielen aus dem Gütesiegel heraus. So erhielte beispielsweise Gelatine, die aus transgenen Tieren gewonnen werden kann, kein Gütesiegel - genausowenig wie Produkte von Tieren, die mit gentechnisch erzeugten Wachstumshormonen behandelt wurden. Damit würde gegenüber den VerbraucherInnen beim Einkauf ein Mindestmaß an Transparenz erreicht. Ein solches Gütesiegel würde zu einem Imagegewinn und Wettbewerbsvorteil der europäischen Lebensmittelindustrie beitragen.

Eine eigene Richtlinie der EU zu einer Positivkennzeichnung ist auch deshalb dringend erforderlich, da die Gentech-Industrie plant, alle nicht von der Novel-Food-Verordnung erfaßten Lebensmittel mit einem eigenen Gütezeichen zu erfassen und diese Möglichkeit zu mißbrauchen. Des weiteren muß an die Zulieferer ein klares Signal gegeben werden, gentechnikfreie Erzeugnisse herzustellen, insbesondere vor dem Hintergrund, daß es für die Lebensmittelindustrie bereits heute fast schon unmöglich ist, ohne Gentechnik erzeugte Vitamine zu beziehen.

Ungekennzeichnetes Gentech-Food
bereits auf dem Markt

Genmanipulierte Pflanzen, wie Soja von Monsanto, Mais von Novaris und Raps von Plant Genetic Systems (PGS, einer Tochter von AgreVo), werden nicht nach der Novel-FoodVerordnung behandelt, da diese Produkte bereits vor Inkrafttreten der Verordnung auf der Grundlage der sog. Freisetzungsrichtlinie 90/220/EWG beantragt bzw. zugelassen worden sind. Trotz massiver Proteste der Mitgliedstaaten der Europäischen Union hat die EU-Kommission keine generelle Kennzeichnungspflicht für Produkte, die aus diesen Pflanzen erzeugt werden, vorgeschrieben. So befinden sich bereits in großem Maßstab genmanipulierte Lebensmittel auf dem europäischen Markt. Da die Freisetzungsrichtlinie jedoch weder eine Pflicht noch ein Verbot einer Kennzeichnung vorsieht, hätte eine generelle Kennzeichnungspflicht festgelegt werden können. Ebenso unverständlich ist es, warum Produkte, die vor Inkrafttreten der NovelFood-Verordnung genehmigt oder beantragt worden sind, nicht automatisch nach den inzwischen gültigen Bestimmungen der Verordnung untersucht und genehmigt werden müssen. Genauso absurd wäre es, eine Geschwindigkeitsbegrenzung nur für neuzugelassene Autos einzuführen und die anderen Autos weiterhin rasen zu lassen. Auf Druck der Öffentlichkeit und der österreichischen Regierung versucht die Kommission über die allgemeine Etikettierungsrichtlinie nun doch noch eine nachträgliche Kennzeichnung für genmanipulierten Mais und Soja zu ermöglichen.

Eß-Kunst statt Kunst-Essen

Die Absicht der Gentechnik-Industrie ist klar: Es soll ein gewaltiger Markt an genmanipulierten Lebensmitteln erschlossen werden. Die ersten Produkte, die inzwischen auf den Markt gelangen, sind aber weder nützlich noch nötig: Was bringt den VerbraucherInnen eine Sojasorte, welche Giftduschen auf dem Acker übersteht? Oder die Tomate, die wochenlang in der Küche nicht matschig wird? Wollen wir Nahrung von Pflanzen, die in sich Bakteriengifte produzieren, um Schädlinge zu töten? Sollen Brot, Bier und Wein mit Gentech-Raffinessen wirklich anderes werden? Darf die Gentech-Industrie unsere Ernährungsgrundlagen und unsere Eßkultur überhaupt ganz in ihre Hände nehmen? Propaganda-Aktionen der GentechnikIndustrie versuchen immer wieder, Genmanipulation und Natürlichkeit gleichzusetzen. Aber: Ist eine Tomate, der ein Fisch-Gen eingesetzt wurde, oder Mais mit Bakteriengift-Genen wirklich noch natürlich? Indem die Gentechniker die Natur mit technischen Mitteln verbessern wollen, entfremden sie die Nahrung immer mehr von ihren natürlichen Ursprüngen.

Die Novel-Food-Verordnung jedenfalls stellt einen Schritt in die falsche Richtung dar: So löcherig wie ein Schweizer Käse, verspricht sie mehr als sie halten kann. Mit ihrer Hilfe werden genmanipulierte Lebensmittel den VerbraucherInnen untergejubelt und nicht etwa für Transparenz gesorgt. Es ist und bleibt jedoch ein Bürgerrecht, darüber informiert zu werden, was man als Nahrung zu sich nimmt. [...] Damit den VerbraucherInnen überhaupt die Möglichkeit gegeben wird, "Politik mit dem Einkaufskorb" zu machen, wird es in den nächsten Wochen darum gehen, doch noch klare Kennzeichnungsbestimmungen für Novel-FoodProdukte durchzusetzen, ebenso für Rohstoffe, wie Saatgut und Futterpflanzen sowie ein Gütesiegel "gentechnikfrei" auf den Weg zu bringen.

Literatur:

• Verordnung Nr. 258/97 des Europäischen Parlaments und des Rates über neuartige Lebensmittel und Lebensmittelzutaten.

• Richtlinie Nr. 220/90 des Rates über die absichtliche Freisetzung von genetisch veränderten Organismen in die Umwelt.

• Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuß der EU-Kommission: Stellungnahme zur Bewertung neuartiger Lebensmittel. 11115915/97. Brüssel 1997.

• <Hiltrud Breyer> [Hrsg.] Morgen. Materialien zur Gentechnologie. Brüssel 1996.

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<Richard Fuchs>

Grüne Gentechnik in der EU
- der Wind hat sich gedreht

Plötzlich will die EU-Kommission den »wachsenden Bedenken« der Öffentlichkeit gegenüber genveränderten Pflanzen Rechnung tragen.

Wie unter anderem dem zuvor zitierten Papier zu entnehmen ist, waren Kommission, Europäisches Parlament und der Rat angetreten, um die grüne Gentechnik zu fördern. Das Gentechnikrecht sollte entrümpelt werden, indem nach Vorschlägen der Kommission die Richtlinien zum Anbau von genveränderten Pflanzen vereinfacht werden sollten.

Inzwischen ist die Stimmung allerdings gekippt. Die Industrie ist geschockt, denn die Freisetzungsrichtlinie ist ein wichtiger Indikator für den Umgang mit der Gentechnik. Vor allem die früheren deutschen und englischen Regierungen unter Helmut Kohl und John Major wollten mit einer drastischen Vereinfachung des Rechts der boomenden Branche den Boden bereiten, um im Wettbewerb mit den USA bestehen zu können.

»Für den früheren Landwirtschaftsminister Jochen Borchert (CDU) stand außer Zweifel: Die Gentechnik bietet >große Potentiale für eine um weltverträgliche und qualitätsorientierte Agrarproduktion<. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bauern sollte sie ebenso sichern wie die Ernährung der Weltbevölkerung.« »Doch der Beweis für dergleichen Vorzüge steht immer noch aus. In einer jetzt veröffentlichten Dokumentation stellt das Berliner Umweltbundesamt (UBA) fest:

Die derzeitige Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft kann nicht als nachhaltig angesehen werden.

»Der Wind hat sich gedreht«, sagte Gerd Romanowski, Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie. Den Wandel in der Beurteilung genveränderter Pflanzen sieht Romanowski im Druck der öffentlichen Meinung begründet. Der Entwurf der EUKommission sieht unter anderem vor

  • daß Genehmigungen erstmals auf sieben Jahre begrenzt werden,
  • eine ständige Kontrolle vorgeschrieben ist und sowohl
  • ethische Bewertungen als auch
  • indirekte Wirkungen, die von genveränderten Pflanzen auf Ökosysteme, Grundwasser und Gesundheit ausgehen,

berücksichtigt werden.

Für Genehmigungen zu Freisetzungen in EU-Staaten ist wieder eine Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen, wie sie in Deutschland vor einigen Jahren abgeschafft wurde. Eine weitere Forderung ist besonders einschneidend: Der Industrie wird eine Haftung für Schäden verordnet, zu deren Nachweis ein Versicherungsschein vorgelegt werden muß. Erste Versicherungsgesellschaften haben es bereits abgelehnt, unabwägbare Risiken der Gentechnik zu versichern.

Im März 1999 hat es die EU erneut abgelehnt, genveränderte Pflanzen zuzulassen. Dabei handelte es sich um zwei Baumwollsorten der Firma Monsanto und um die genveränderte Tomate von Zeneka. Damit hat es seit etwa einem Jahr keine Zulassung mehr für den Anbau und die Vermarktung transgener Pflanzen in der EU gegeben. Die EU-Kommission erlitt einen rasanten Glaubwürdigkeitsverlust, da sie nach wie vor Zulassungsanträge vorbereitet, sie aber nicht durchbringt, denn in sechs Ländern der EU wurden inzwischen Moratorien beschlossen. Dabei gerät Deutschland trotz grüner Ministerlnnen im Gesundheits- und Umweltministerium weiter in eine Außenseiterposition. Gegen die Zulassung der Baumwolle stimmten Großbritannien, Griechenland, Irland, Luxemburg, Dänemark und Schweden. Frankreich enthielt sich der Stimme. Deutschland votierte dafür. In Gerhard Schröders Heimat Niedersachsen ist Deutschlands größter Saatguthersteller, die Kleinwanzlehener Saatzucht AG KWS, heheimatet. Die KWS hat sich in Deutschland seit Jahren für die Entwicklung und Freisetzung transgener Pflanzen stark gemacht. Auf Druck ihrer Kunden haben Handelsketten in fünf europäischen Ländern ein Bündnis gegen die Biowissenschaften geschlossen. Deutsche Unternehmen sind nicht dabei.

Eine von Monsanto in Auftrag gegebene Studie von Stan Greenberg, dem nicht nur Monsanto, BiIl Clinton und Toni Blair, sondern auch Gerhard Schröder gelegentlich ein Ohr leiht, belegt, daß die Politik der Befürworter von Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion in England und in Deutshland ohnehin am Ende ist.

Das kann einem Gentechnikbefürworter wie Gerhard Schröder nicht entgangen sein.

Tony Blair wurde erst durch Schaden klug. In der britischen Tageszeitung »The Guardian« war zu lesen:

»Es besteht der begründete Verdacht, daß der Verzehr von transgenen Pflanzen auch bei Säugetieren erhebliche gesundheitliche Folgen haben kann.«

Diese Warnung stammt aus einem Memorandum, das 22 Wissenschaftler aus mehreren Ländern dort veröffentlicht hatten. Darin fordern Biologen, Human- und Veterinärmediziner sowie Biochemiker die Rehabilitierung des Forschers Arpad Pusztai. Der gebürtige Ungar war im Herbst 1998 in Ungnade gefallen als er am 10. August 1998 im Fernsehen verkündete, seine Fütterungsversuche an Ratten hätten eine gesundheitsschädliche Wirkung genmanipulierter Lebensmittel gezeigt. In den Experimenten hatte er einige der Tiere transgene Kartoffeln fressen lassen, die das Schneeglöckchen-Eiweiß GNA produzierten eine Substanz die gegen Insekten schützen soll, beim Menschen aber das Blut verklumpen läßt und Zellen der Darmwand zerstört. Pusztai hatte das Experiment am schottischen Rowett-Institut gemacht, das sich sogleich von ihm distanzierte und ihn suspendierte. Das Rowett Institut wirbt überdies bei Gentech-Konzernen wie Monsanto um Fördergelder; Monsanto war übrigens Hauptsponsor des Wahlkampfs von Präsident Clinton.

Obwohl nun einige britische Medien offen von »Frankenstein Food« berichteten, sprach sich der britische Wissenschaftsminister Lord Sainsbury für genmanipulierte Lebensmittel aus. Seiner Familie gehört die gleichnamige Supermarktkette die offenbar großes lnteresse an Gen Fond hat. Als erste Supermarktkette und gemeinsam mit Safeway vermarktete Sainsbury Tomatenpüree-Konserven aus transgenen Tomaten von Zeneca mit der Kennzeichnung »made with genetically modified tomatoes«. Außerdem besaß der Lord Rechte auf ein Genpatent. Er wurde von seinen politischen Gegnern zum Rücktritt aufgefordert.

In deutschen Supermärkten sind erstaunlich wenige Lebensmittel zu inden, deren Zutaten als »gentechnisch verändert« gekennzeichnet sind. Das ergab eine bundesweite Marketingerhebung der Verhraucherzentralen. In Hessen war es nur eines der 274 Lebensmittel aus der Stichprobe.

Da Gen Fond laut NovelFond-Verordnung
nur zu maximal 20 Pozent
gekennzeichnet werden muß,
würden Kunden die Katze im Sack kaufen,
beklagen die Verbraucherschützer
.

<Richard Fuchs>
ist Co-Autor von
»
Sterben auf Bestellung«
ISBN 3-89189-071-0

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<Richard Fuchs>

Patente Geschäfte
mit Patent auf Leben

Straßburg, 12. Mai 1998.

Verabschiedung der Patientierungs-Richtlinie durch das Europäische Parlament.

Patente auf lebende Organismen zu Gunsten weniger Konzerne wurden zu einem zentralen Machtmittel zu Lasten der Verbraucher in aller Welt. Zur Disposition stehen die genetischen Ressourcen in den Wäldern aus tropischen und suptropischen Gebieten der Dritten Welt, Kulturpflanzen, die seit Jahrtausenden landwirtschaftlich genutzt und züchterisch bearbeitet wurden, die Gene von Mensch, Tier und Pflanze. Mit der Patentierbarkeit transgener Organismen entstand eine neue Art von Piraterie.

Ein Patent auf Leben konnte als erstes im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erteilt werden. Nachdem Anfang der 50er Jahre der Molekularbiologie die Entschlüsselungdes genetischen Codes, der DNS gelungen war, entstand in den 70er Jahren daraus eine neue Wissenschaft, an der die Wirtschaft sich zunächst nicht sonderlich interessiert zeigte. Dies änderte sich mit der gentechnischen Produktion von lnsulin und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Potential. Die von der Rezession betroffenen Industriestaaten, vor allem die USA, sahen in der neuen Technologie eine Chance, der nationalen Wirtschaft gute Startbedingungen bei der Besetzung des neuen Marktes zu schaffen. Dabei galt es zunächst, die Kluft zwischen wissenschaftlich tätigen Molekularbiologen und der investitionsbereiten Wirtschaft zu überwinden

(Bauer, Carsten: Patente und Sortenschutz in »Kein Patent auf Leben«, Beiträge zur Anhörung vom 5. 10. 1996 von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, Plenarsaal Wasserwerk, Bonn).

Es galt also, das Wissen der Molekularbiologen in marktfähige Ware umzusetzen und Alleinverkaufsrechte an dieser Ware zu sichern. Was lag da näher, als »auf alles unter der Sonne, das von Menschen geschaffen wurde« Patente zuzulassen. Mit 5:4 Richtern entschied der Supreme Court der USA 1980 mit seiner Chakrabarty- Entscheidung, daß Lebewesen darin eingeschlossen seien. (GRUR lnt 80, 627 in ebd.)

1980 erteilte das US-Patentamt erstmalig ein Patent auf einen lebenden Organismus, einem ölfressenden Bakterium. Seit diesem Zeitpunkt kann alles, was neu entdeckt wurde und eine nützliche Anwendung verspricht, patentiert werden. Mit 63 Patenten auf menschliche Gene ist das japanische Unternehmen Takeda weltweit führend. Es folgt das US-Unternehmen Genentech mit 41 Patenten auf menschliches Erbgut vor dem Nationalen Gesundheitsinstitut der USA an dritter Stelle. Von 1985 bis 1995 wurden weltweit 1175 Patente auf menschliches Erbgut erteilt (Deutsches Arzteblatt 93, 26.8.96)

Europäisches Patentamt und die Patentierungsrichtlinie

Die Initiative, ein Europäisches Patentamt EPA zu gründen, entwickelte sich aus dem bereits 1949 einsetzenden Bemühen, das Patentrecht in Europa zu vereinheitlichen. Die Anerkennung des Patentierungsverbots für Pflanzensorten, Tierarten und im wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen und Tieren gemäß Art. 53b des Europäischen Patentübereinkommens EPU, fand mit der Ablehnung der Richtlinie des Rates über den rechtlichen Schutz biotechnologischer Erfindungen am 1.3.1995 durch das Europäische Parlament eine Bestätigung.

Mit der endgültigen Verabschiedung der Patentierungs - Richtlinie wurde nun ein rechtlicher Rahmen zur Aneignung der genetischen Grundlagen pflanzlichen, tierischen und menschlichen Lebens geschaffen. Am 16. Juli 1997 hatte zunächst das Europa-Parlament in Straßburg mit einer überraschenden Dreiviertelmehrheit den Gesetzentwurf für Gen-Patente beschlossen. Das endgültige Votum des Europa-Parlaments am 12. Mai 1998 macht nun den Weg frei für Genpatente.

Nun sollen menschliche Gene patentierbar sein. Der Richtlinienentwurf sieht vor, daß biotechnische Lösungen, also Isolierungen und Synthetisierungen von Genen, sowie Beschreibungen von Anwendungszwecken patentierbar werden. Der Richtlinienentwurf sieht in Art. 4 Abs. 2 vor, daß Pflanzen und Tiere patentierbar sein sollen. Die europäischen Richtlinien könnten jedoch, kaum daß sie verabschiedet sind, wieder zu Makulatur werden. Denn die USA versuchen seit langem, ihr weitergehendes Patentrecht über das Welthandelsabkommen <Gatt> global auszubreiten. In den USA ist es heute schon Praxis, Farmer, die gentechnisch verändertes und patentiertes Saatgut verwenden, im Detail vorzuschreiben,

was sie alles zu unterlassen haben und wieviel Gift sie auf dem Acker zu versprühen haben. Das Landwirteprivileg und damit der Nachbau von Saatgut wird hinfällig, Vertreter der Chemieindustrie kontrollieren so oft sie wollen die Felder der zu Leibeigenen gewordenen Bauern (was über satelitengestützte Computersteuerung in den Landmaschinen und Traktoren noch besser überprüfbar ist Anm. d.R.).

Transgene Tiere für Labor, Pharmazie und Xenotransplantation

Das Interesse an Genmanipulation bei Tieren konzentiert sich überwiegend auf andere Anwendung bei Tieren außerhalb der Tierhaltung in der Landwirtschaft. Die Auswertung von 265 der schätzungsweise 330 existierenden, veröffentlichten Tier-patentanmeldungen bis August 1995 ergibt, daß

  • 53 Prozent der Tieranmeldungen für Labortiere hauptsächlich Mäuse sind, bei denen Gene ausgeschaltet wurden oder neu hinzugefügt wurden.
  • 15,5 Prozent der Anmeldungen sind für Tiere, die zur Protein- und Medikamentengewinnung aus ihrer Milch oder ihrem Blut genetisch verändert wurden
  • 9,3 Prozent der Anmeldungen betreffen Methoden und Tiere, die im Bereich Landwirtschaft bedeutsam sind; Anmeldungen für Hühner fallen darunter; aber auch z. B. zwei Anmeldungen zum gezielten Herdenmanagement, um in einer Herde von Kühen die Milchleistung zu steigern.
  • 1,9 Prozent derAnmeldungen gingen ein für Tiere, deren Organe für Xenotransplantationen verwendet werden sollen.
  • 1,5 Prozent der Anmeldungen sind für den Bereich der Fischwirtschaft,
  • 18,3 Prozent für allgemeine Methoden und Verfahren (Freudling, Crescentia: Übersicht über Tieranmeldungen in Europa und weltweit sowie eine erste Auswertung dieser Anmeldungen, in »Kein Patent auf Leben«, Beiträge zur Anhörung, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Febr.1995)

Das erste Patent, das erteilt wurde, galt der »0ncoMouse«‚ einer Maus, entwickelt von DuPont und der Harvard Universität, die durch ein in die Erbsubstanz eingeschleustes Gen krebskrank gemacht wird, um der Krebsforschung zu dienen. Mit ihr und diesem Verfahren sind alle rund 4000 Säugetier-arten patentiert und dem Patentinhaber für 20 Jahre zur alleinigen Nutzung übereignet. Ein europaweiter Protest führte zu insgesamt 16 Einsprüchen. Erstmals in der Geschichte nicht von konkurrierenden Firmen, sondern von privaten Initiativen, kirchlichen Organisationen, Tierschutzgruppen und einem Sammeleinspruch von 1200 Bürgern, die mit ihrem Beitrag zu je einer Mark, die Einspruchsgebühren in Höhe von 1200 Mark finanzierten.

<Richard Fuchs>

Die neue Generation
transgener Pflanzen

Bisher waren es Pflanzengifte, die in Verbindung mit Tausenden chemischer Lehensmittelzusatzstoffe oder Enzymen aus gentechnischer Produktion ernährungshedingte Krankheiten verursachten - oder ganz eintach der Dauerverzehr denaturierter Nahrung. In Zukunft, und die hat schon lange vor der Einfuhr von gentechnisch verändertem Soja oder Mais begonnen, wird mit einem weiteren krankheitsverursachenden Synergie-Effekt zu rechnen sein, und zwar durch Nahrung aus dem Genlabor.

Während die mit dem Verzehr verbundenen Risiken noch nicht annähernd erforscht sind, werden die Betreiber nicht müde, die Segnungen« der grünen Gentechnik schönzureden. VerbraucherInnen sollen durch Wiederholen von Akzeptanzargumenten zum Verzehr von GenFood animiert oder von den Risiken, die mit dem Verzehr verbunden sein können, abgelenkt werden. Hier die Standardargumente:

1. Grüne Gentechnik - das hat die Natur schon immer gemacht.

2. Grüne Gentechnil - löst das Welthungerproblem.

3. Transgenes Getreide kann sogar auf trockenen oder versalzten Böden wachsen.

4. Gentechnik schafft Arbeitsplätze und ist ein Synonym für Fortschritt.

3. Die ökologischen oder gesundheitlichen Risiken sind nicht bedeutend.

6. Transgene Pflanzen erfordern weniger Pflanzenschutzmiftel (Pestizide).

[...] Da alle Argumente als widerlegt gelten, ist ein Image-Verlust für die Betreiber in der Chemie- und Nahrungsmittelindustrie entstanden. Nun ist die Agrochemieindustrie angetreten um diesem Image-Verlust mit neuen Strategien und einer neuen Generation transgener Pflanzen entgegenzuwirken.

Bei der ersten Generation genvveränderter Pflanzen war selbst für die gutwilligsten Verbraucherlnnen kein Nutzen zu erkennen, denn bei weitaus über 50 Prozent aller Freisetzungen transgener Pflanzen in Deutschland handelte es sich um Pflanzen, die tolerant gegen den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln gemacht worden waren, wie zum Beispiel »Basta« von <Hoechst> bzw. AgrEvo, »Goucho« von <Bayer> Leverkusen oder »Round up« von Monsanto. Aber auch bei gentechnisch veränderten insektenresistenten Pflanzen ist, um Ernteverluste zu vermeiden, der Einsatz teurer chemischer »Pflegemittel«, etwa von der Bayer AG, während der gesamten Wachstumsperiode erforderlich.

Industriell angebaute Hochertragssorten in Monokulturen des konventionellen Landbaus sind krankheitsanfällig und erfordern einen hohen Einsatz von Pestiziden. Deshalb wird der Mangel an natürlicher genetischer Resistenz oder natürlicher Schädlingsbekämpfung durch den gesteigerten Einsatz von Pestiziden kompensiert. Eines von drei Verfahren der grünen Gentechnologie, um den Transfer von Fremdgenen in die Zielpflanze zu ermöglichen, ist die Methode der Gewebe-/ Zellkulturtechnik, mit der die Massenproduktion genetisch identischer Pflanzen möglich wird. Da die geklonten Pflanzen hinsichtlich ihrer genetischen Zusammensetzung exakte Kopien voneinander sind, muß bei deren großflächigem Anbau mit einer weiteren Zunahme der KrankheitsanfäIIigkeit gerechnet werden. Nach Schätzungen von Experten sind durch Klonen vermehrte Pflanzen sechsmal krankheitsanfälliger als ihre aus Samen gezogenen Artverwandten.

Für die VerbraucherInnen bedeutet die neue Entwicklung eine Zunahme gesundheitlicher Gefahren, denn beim Einsatz von Pestiziden werden Rückstände, das heißt Restmengen von Substanzen, die bei der Herstellung von Nahrungsmitteln pflanzlicher oder tierischer Herkunft eingesetzt werden, bis zu bestimmten Höchstmengen in Kauf genommen. Primärsubstanzen und Begleitstoffe, die zur Herstellung von Pestiziden Verwendung finden, können dann in fertigen Nahrungsmitteln den unerwünschten Effekt von Krebs, Unfruchtbarkeit, Geburtsschäden Nervenschäden und ökologischen Schäden haben. Kinder sind durch den Verzehr von Lebensmitteln aus konventionellem Landbau besonders gefährdet. Mit Recht können, auch diese Nahrungsmittel als Functional Food bezeichnet werden, allerdings mit einer unerwünschten Nebenwirkung.

Eine im Auftrag der US-amerikanischen Regierung von der Nationalen Akademie der Wissenschaft erarbeitete Studie kam zu dem Ergebnis, daß als Folge des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft jährlich mehr als 20000 zusätzliche Krebsfälle in der amerikanischen Bevölkerung registriert werden.

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Nach der Lektüre des oben genannten Buches von Prof. Dr. Gerd Brucker aus dem Jahr 1991, nimmt sich der nachfolgende Beitrag aus der aktuellen Tagespresse fast zynisch aus, weil er schlicht und einfach zu spät erscheint. Alle Auswirkungen, die wir derzeit auf dem Lebensmittelmarkt erleben, zeichnen sich bereits seit Jahren ab. Warum die frühen Prognosen niemand hören will, beschreibt der Beitrag <Das Kassandra - Syndrom>.

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,,Der EU - Kommisar warnt vor Dioxin im Fleisch" ...

... titelte die kirch´sche Springerpresse im Februar 2001. Und weiter:
,,Erst BSE, dann der Schweinemastskandal, jetzt [auch noch] Dioxine in [den] Lebensmitteln, das berüchtigte Seveso-Gift...

Der EU-Kommissar für Verbraucherschutz, David Byrne, warnt [...]: ,,Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, daß auf BSE nicht weitere Krisen folgen. Mein Augenmerk gilt auch Gefahren, die von zu viel Dioxinen in Lebensmitteln herrühren." [...] Bei Proben von Hühnern, Schweinen und Fischen sind hohe Dioxinwerte im Fettgewebe festgestellt worden. [.] Sie nehmen das Gift über Rückstände im Futter auf.
Noch eine Schreckensnachricht: Muskelfleisch vom Rind (Steaks, Braten, Gulasch) galt bisher als BSE-unbedenklich. Aber [...] Durch gängige Schlachttechniken mit Kettensägen oder Bolzenschuss kann auch Muskelfleisch mit Erregern aus dem Rückenmark verseucht werden."

PS:
BSE grassiert in Deutschland - keinen interessiert es mehr, die Medien schweigen, wie nach 1986 in GB - oder ?
Der Zweck der Medienpropaganda ist wohl erfüllt, die hilflose Masse hat resigniert, die Macher haben ihre Begründung für die Sozialisierung der Sanierung der industrialisierten lebens- und kulturfeindlichen landwirtschaftlichen Nahrungsmittelproduktion.

| themen |

<Richard Fuchs>

Viagra in der Tütensuppe
Impfschutz aus der Banane

Eine neue Nahrungsmittelgeneration erobert Supermarkt und Apotheke: Functional Food. Auf der Schnittstelle zwischen Nahrungs- und Arzneimittel verspricht sie, leistungssteigernde, vorbeugende, heilende oder kosmetische Effekte. [...] Angepriesen wird Functional Food -mit Zusatzstoffen angereicherte Nahrungsmittel, die vorbeugend und gesundheitsfördernd wirken sollen. Essen wird zur Medizin - der Snack zur Arznei.
(Ausschreibung zu Richard Fuchs; Functional Food, ISBN 3-333-01051-8)

<Richard Fuchs> ist Co-Autor von »Sterben auf Bestellung« ISBN 3-89189-071-0

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[noch immer legale] Tierarzneimittel und ihre mögliche Folgen
aus ,,Was ist Fleisch?" (Forkel, Stascheit), Verbraucherzentrale Hamburg 1986

 

Tierarzneimittel,
auch als Futterzusatzstoffe
Wirkungsweise
beim Tier
Gesundheitsgefahr
für den Menschen
Verbraucherforderung
 
Antibiotika,
z.B. Tylosin, Spiramycin und Chloramphenicol
Schutz bei Krankheiten, Vorbeugung gegen Ansteckung.

Gewichtszunahme durch
bessere Futterausnutzung.

Allergien,

Nachlassen der Wirkung der Antibiotika bei Krankheiten.

Gezielte, vom Tierarzt vorgenommene Therapie im Krankheitsfall der Tiere.

Verstärkte Kontrolle der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeiten nach der AntibIotika- Therapie bis zum Verkauf.

Gesetzliches Verbot von Antibiotika als Masthilfsmlttel.

 
Thyreostatika
(Schilddrüsenhemmer)
z.B. Thloharnstoff und Methylhiouracil
Gewichtszunahme durch Erhöhung des Wassergehalts. Schilddrüsenstörungen, Kropf, Blutkrankhelten, Allergien. Untersuchungen der Schilddrüse im Rahmen der Rückstandskontrollen, um den illegalen Einsatz beim Schlachttier zu unterbinden.
 
Psychopharmaka
z.B. Valium
®,Stresnil®, und Betablocker.
Vermeidung von Transportstreß und frühzeitigem Herztod während des Transports zum Schlachthof.

Auch Anwendung bei der Intensivhaltung zur Ruhigstellung und geringerer Steßanfälligkeit.

Beta-Blocker können für herz- kranke und kreislautschwache Menschen gefährlich und u.U. zu einer akuten Todesgefahr werden.

Rückstände von Beruhigungs mitteln können in Zusammen hang mit Alkoholgenuß zu erheblichen Reaktlons schwächen führen.

Gesetzliches Verbot für die Anwendung von Psychopharmaka bei Schlachttieren.
 
Sexualhormone
z.B. DES (Diäthyistilböstrol) .
Verbesserung der Gewichtszunahme, z.B. bei Kälbern, von 10 bIs 20 Prozent. Krebserregende und erb- schädigende Wirkung bei Babys und Kleinkindern Störungen des Hormonhaushalts und des Wachstums. Verbesserung der Ausrüstung der Untersuchungsämter und häufigere Rückstandstests, um den Schwarzmarkt zu unterbinden.

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© peter bechen