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Der Zauberlehrling
. . . . . . .von
. . J. W. v. Goethe
Inhalt dieser Seite:
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Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
Merkt ich, und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu ich Wunder auch.

Walle! walle
Manche Strecke,
Daß zum Zwecke
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

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Und nun komm, du alter Besen,
Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen,
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf!
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!

Walle! walle
Manche Strecke,
Daß zum Zwecke
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

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Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich, ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasserfüllt!

Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

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Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen,
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach, und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
Kann ich 's lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene, welche Blicke!

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Oh, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen ?
Seh ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!.

Willst am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.

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Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nun auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die platte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!

Wehe!wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

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Und sie laufen! Naß und nässer
Wird's im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! Hört mich rufen!
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd ich nun nicht los.

ln die Ecke
Besen! Besen!
Seid's gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.

* * *

Lesen Sie hierzu auch ,,Wachstum bis zum Kollaps.
Über das faustische Prinzip in unserer Wirtschaft" von <
Manfred Binswanger>

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Grundgedanken zum Verantwortungsbewußtsein

Menschen, die weiter denken, beschäftigen sich mit den Fragen: Können die entfesselten Mächte des Markts gebändigt werden? Können die Hexenmeister die Gewalten noch zähmen, die sie heraufbeschworen haben? Ja, wollen das unsere Politiker und, mehr noch, unsere Wirtschaftsführer überhaupt? Was geschieht mit den Menschen, wenn sich die Wirtschaft die ganze Erde Untertan macht? Wie weit wird die Zahl der Armen und Bettler noch ansteigen, die im Produktionsprozeß aussortiert worden sind? Und schließlich: Kann unser Planet die ökologischen Folgen der Globalisierung aushalten?

zitiert aus:
Peter Köpf,
Stichwort Globalisierung,
ISBN 3-453-14851-7

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Sicherlich kennen Sie den heillos überforderten Zauberlehrling von Goethe? Ihm begegnen viele Menschen in dem Alter, in welchem sie sich den Zaubererzögling eher in der oberflächlich seichten Art der bunt schillernden amerikanischen Comic - Maus mit schnellen und grellen Bildwechseln vorstellen. Sie erfassen so um so weniger den philosophischen, fast magisch - mystischen Tiefgang dieser Ballade. Erst die Lebenserfahrungen lehren schließlich deren tiefere Bedeutung.

Nach einigen tausend Jahren stetigen Bemühens, den Meister dieser Welt zu demontieren, für Machtinteressen zu mißbrauchen, und allenfalls in menschengleicher Gestalt zu respektieren, sind wir Menschen angetreten, uns selbst zu Herren der Erde aufzuschwingen. Kaum daß wir ein paar wenige Funktionsprinzipien des genetischen Codes einiger weniger Lebenwesen vage, also gerade mal in etwa erfaßt haben, gehen wir, gleich dem Zauberlehrling mit seinem Besen, der Bequemlichkeit und vor allem des Profits, der Sachzwänge und der Machtexpansion wegen, dazu über, die ganze Lebenswelt unseres Globuses nach unserem Willen zu (de-)formieren, obwohl wir bis heute nicht eindeutig in der Lage sind, die Auswirkungen unseres Tuns vorauszusagen.

Ebenso verfahren wir auch mit den anderen technischen Errungenschaften unserer Zivilisation. So benutzten wir im Unverstand verantwortungslos das <Auto> zur Kompensation sozialer Unterschiede und fehlgeleiteter gesellschaftlicher Entwicklungen, wie Trabantenstädten, Produktionsstätten und Kaufoasen auf dem Acker, als von daher unentbehrlich notwendig gewordenes Fortbewegungsmittel, bis uns der Gasmief die <Luft> abdreht, unsere Ohren im Motorentakt dröhnen, und unsere Augen(-blicke) statt im Grün des sauerstoffspendenden Chlorophylls im Auspuffruß ergrautem Stahlglanz der Blechlawinen ertrinken, allen voran zuerst unsere <Kinder>. Sie erwerben heute ihre Lebenserfahrungen in virtuellen Kunstwelten und verlieren so ihre Wurzeln, ihren Bezug zur Natur, ihrer kulturellen Identität und somit ihre Grundlage zum sozialen Miteinander. Konkurrenzkampf, Rivalität, immer mehr, immer größer, immer schneller, maximaler Verbrauch ist angesagt, die Bereitschaft zu Gewalt entscheidet über Sieg und Niederlage. Der Begriff ,,Gassenkinder" hat keine Bedeutung mehr. Produktionsmaschinen und künstliche Intelligenz werden zum Rivalen menschlicher Arbeitskraft und zum Kontolleur der Massen.

Vor nichts macht die Spezies Homo sapiens mehr Halt, noch nicht einmal vor dem Leben seiner Mitmenschen. Wir beginnen zunehmend, mehr oder weniger freiwillig oder bewußt, uns nicht aus, sondern von <Abfällen> zu ernähren, die wir des EU-Rechts wegen kilometerweit über Autobahnen karren, und wer sich nicht mehr wehren kann, weil er sein Bewußtsein verliert, dem droht, daß er geschlachtet wird, und das ist tatsächlich wörtlich zu verstehen. Was gestern noch undenkbar gewesen wäre, ja sogar als vorsätzliche Tötung gegolten hat, wird heute als <Gehirntot> definiert und zur Organverwertung freigegeben, um so scheinbar wieder gut zu machen, was wir im Unverstand des materiellen Wertescheffelns <kränken>.

Die Frage nach der moralischen Verantwortung der Mächtigen, ebenso wie der Gewaltbereiten auf der Straße, die Suche nach ethischen Werten und fürsorglichem, rücksichtsvollen Miteinander scheint nicht mehr in unsere Lebenswirklichkeit zu gehören.

Die für marktlex.de von mir gesammelten Beiträge aus Wirtschaft und sozialen Zusammenleben formieren den Eindruck einer Menschheit, die in ihrem Tun dem Handeln eines ahnungslosen Kleinkindes gleicht, das in seinem Laufstall alles, was es sieht und erhaschen kann, sich in genüßlicher Neugier grabscht, zum Mund führt, um es im nächsten Augenblick acht(ungs)los beiseite zu werfen, da es seiner bereits überdrüssig geworden ist.

Es scheint fraglich, ob es unter den aufgezeigten Umständen noch ausreicht, nach dem ursprünglichen Meister zu rufen, wer oder was auch immer das sein mag, um den arimanischen Belzebub der technologischen Vernunft wieder los zu werden, dem wir in unserer menschengemäßen Art des zunehmend aggressiven, rücksichtslosen, hektischen Gegeneinanders nicht mehr Herr zu werden vermögen.

Um wenigstens einen Ausblick auf diesen dringend notwendigen Weg zu wagen, richtet marktlex.de die langsam wachsende Rubrik <Perspektiven> ein, zu der sie unten rechts am Rand den entsprechenden LINK finden.


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.Prof. Dr. Gerd Brucker:

Leugnen, Abwiegeln, Verdrängen, Bedrohen, Töten - das Kassandrasyndrom

,,Vernichtung, Bedrohung und Vergiftung führte zu neuen Erscheinungsformen der Bürgeraktivität: So entstanden Bürgerinitiativen [...] mit einer Initiativ- und einer parlamentarischen Aktionsform, wobei [...] ein fundamentalistischer und ein realpolitischer Flügel neue Wege suchen." ...

... erklärt Prof. Dr. Gerd Brucker in seinem Buch ,,Ökologie und Umweltschutz" unter dem Eindruck der 80ziger Jahre. Inzwischen hat sich die Situation gewandelt. Statt der Zerstörung unserer biologischen Umwelt und somit unserer Lebensgrundlage durch aktivem Einspruch und engagierter Mitarbeit in Umweltorganisationen Einhalt zu gebieten, scheint das Zeitalter der Flucht nach vorne angebrochen zu sein. Da die alltäglich durch die Printmedien flatternden Horrormeldungen über die Qualität unserer Nahrungsmittel die schlimmsten Prognosen der letzten Jahrzehnte zu bestätigen scheinen, versucht, wer kann, sein Einkommen durch rastlose, spekulative und waghalsige Transaktionen zu steigern, um sich hierdurch sein Anwesen im Grünen, am besten auf den abseitsliegenden Inseln und sonstigen sozialen Oasen, zu sichern. An den sozialen Brennpunkten, den Städten bleiben die Alten, die Verarmten, die Ahnungslosen und die um ihre Zukunft ringende Jungen zurück. Egoismus und Gewalt greifen um sich. Vermutlich hat die Resignation, daß sich ja sowieso nichts mehr zum Guten ändert, einen wesentlichen Anteil hieran.

Warum dem so ist, also warum sich positive gesellschaftliche Verhaltens- und Einsichtsänderungen bei den politischen, gesellschaftliche und wirtschaftlichen Funktionsträgern so schleppend, wenn überhaupt ingang kommen, erklärt Herr Brucker am Kassandra - Syndrom:

Er zeigt auf, daß ,,CARL AMERY (1987) versucht hat, in letzter Zeit in diesem gesellschaftspolitischen Zusammenhang darzustellen, daß nicht das Faktum der Bedrohung als solches für verschiedene gesellschaftliche Gruppen und Politiker gefährlich aufleuchte, sondern der Überbringer schlechter Botschaften; die ,Kassandra" werde als Bedrohung erfahren. Deshalb gibt es seiner Ansicht nach fünf Tätertypen gegen die ,,Kassandra" im wissenschaftlichen, aber vor allem auch im praktischen Umweltbereich:

1. Typen des Boten- oder Prophetenmörders:

Früher brachten Feldherren oder Tyrannen die Überbringer schlechter Botschaften um. Heute erfolge die Neutralisierung der Botschaft durch Unterdrückung, Entstellung oder durch Methoden der Fehlplazierung. Das Gitter zum Sortieren der Prioritäten in den Medien zerstört oft die Botschaft.

2. Typus des Verhöhners Kassandras:

Kassandra (auch im klassischen Epos!) benimmt sich unmöglich, hat einen schlechten Stil (Rede, Kleidung, Aussehen), also scheint auch ihre Botschaft unmöglich zu sein. Die Abnormität der Botschaft wird festgestellt, etwa bei Protesten von Naturschützern vor Ort. Besonders kraß fällt dieser Typus aus, wenn sogenannten Versöhnungsrezepte formuliert werden, z. B. die Versöhnung von Arbeit und Umwelt, Versöhnung von Mensch und Natur durch Technikfolgenabschätzung u. v. a. Ziel dieser Versöhnungsstrategie ist es, daß die gesamte Umweltproblematik in den Bereich des kulturell und politisch Vertrauten zurückgeholt wird. Aber so ist sie nicht mehr zu finden, sie schrumpft zum Alltagsproblem zusammen, das uns nicht mehr bewegt, weil es nicht mehr als brisant, sondern als kleines Detailproblem unter anderen gesehen wird. Dabei werden Begriffe verwendet, die ursprünglich aus dem Widerstandsrepertoire der Alternativen und Umweltverbände stammt: ,Umweltverträglichkeit`, ,ganzheitliche´ Betrachtung, ,vernetzte" Sichtweise; das Bild von der ,Erde, die wir von unseren Enkeln nur geliehen" bekommen haben.

3. Typ des hoffnungslosen Chirurgen:

Dieser öffnet wohl die Bauchdecke, stößt darunter jedoch auf einen Zustand, den er als unheilbar diagnostiziert und schließt sie wieder. Er verschreibt ,leichte Diät", Enthaltsamkeit von Zigaretten sowie schmerzstillende Mittel, und dies bedeutet im übertragene Sinne eine punktuelle Symptombehandlung der auftretenden Umweltproblematik oder Kosmetik für Stadt und Landschaft.

4. Typus des ,faulen Zaubers" _ des Schamanentums:

Hierbei handelt es sich nach Amery um Riten und Beschwörungsformeln des modernen Zeitalters, welche die ,beleidigte Wirklichkeit" irgendwie versöhnen oder akzeptabel machen sollen.
Dazu gehören die Aktivitäten im Hinblick auf die internationale Zusammenarbeit zu Reaktorsicherheit und zusätzlichen Standards, die Aufnahme des Umweltschutzes in die Länderverfassungen und ins Grundgesetz, die Aktivitäten der ,Verschönerungsvereine" sowie Baumaktionen und die Kübelpflanzungen in Betonwannen und Rasenbankette inmitten der stark belasteten Verkehrszonen.

5. Typus des Verdrängens:

Teilkatastrophen werden nicht als Aufruf zur Umkehr verstanden, sondern als Anlässe für Umweltschützer und bestimmte Parteikonflikte. Den Vorwurf der Panikmache und des Nihilismus, der dabei gerne ins Spiel gebracht wird, bezeichnet Amery als bösartigen Mißbrauch des Urvertrauens, welches jeder von uns ,in die Wiege gelegt" mitbekommen habe. _ Ja, Teilkatastrophen, sofern sie wirklich begrenzt blieben, seien sogar noch eine Gnade, eine Chance zur Umkehr. Daß diese Analyse zutreffend ist, müssen selbst exponierte und über jeden Verdacht erhabene Persönlichkeit erfahren. So erntete PRINCE CHARLES anläßlich der Eröffnung der Nordseeschutzkonferenz am 24.11.1987 wütenden Protest der offiziellen Politik auf seine Mahnung: >While we wait for the doctor`s diagnosis, the patient may die<. Denn selbst auf dem Weg über wissenschaftliche Symposien und internationale Konferenzen lassen sich bedrohliche Fakten verdrängen. Aus diesem Grund haben namhafte Toxikologen darauf hingewiesen, daß sich Aktionen auf ganz bestimmte Verhaltensmuster richten müssen, die sich aus Industrie-, Verwaltungs- und Politikinteressen ergeben (WASSERMANN, HINRICHS, SIM0NIS 1990):

1. Stufe - Ignorieren:

Dieses Verfahren sichert einem Betrieb, einer Behörde sowie verantwortlichen Politikern vorerst weitere Zeit ungestörter Produktion, Planung bzw. Planungsunterlassung, wenn auch auf Kosten der Geschädigten. Schäden werden dadurch jedoch nicht behoben, sondern verstärkt.

2. Stufe - Abwiegeln:

Wenn es nicht gelingt, kritische und aufmerksame Mitarbeiter oder Außenstehende zum Schweigen zu bringen, und wenn durch größere Öffentlichkeitswirkung der psychologische oder ökonomische Druck wächst, erfolgt die AbwiegeIung. Die Brisanz der Fakten wird herabgespielt, bis hin zur Diskriminierung fachkundiger Kritiker.

3. Stufe - Aufschieben:

Der Ruf der Verwaltungen, Politiker und Verursacher nach dem lückenlosen wissenschaftlichen Beweis ermöglicht einen weiteren Zeitaufschub.

4. Stufe - Ablenken:

Werbeserien und positive Umweltbilanzen, groß in den Medien dargestellte oder in extra Hochglanzschriften und neuerdings auch auf umweltfreundlich hergestelltem Papier gedruckte Graphiken über finanzielle Investitionen für Umweltschutzmaßnahmen sollen von den angemahnten brisanten Problembereichen ablenken.
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Selbst Aufrufe und Veranstaltungsreihen zu umweltfreundlichem Verhalten und das Ausschreiben von Prämien und Umweltpreisen dienen vielerorts der Ablenkung. Risiken und kosten großtechnologischer Anlagen sowie die sozialen kosten von ökologischen Eingriffen werden in der Regel nicht dargestellt.

5. Stufe - Schuldabweisung:

Greifen die vorangegangenen Mechanismen nicht mehr, so verweisen betroffene Produktionsstätten auf Konkurrenten, auf die lückenhafte Rechtslage, auf die Verschiebung der Marktverhältnisse auf Grund der drohenden, vernichtenden Konkurrenz anderer Länder und Gemeinden sowie auf andere Schadenursachen. Behörden berufen sich nicht selten auf konkurrierende Ministerien, Gesetze, Zuständigkeiten, fehlende Rahmenordnungen, politische Verhältnisse.

6. Stufe - Drohen:

Eines der ältesten Argumente seit Beginn der Industrialisierung gegen massive Kritik von Seiten der wissenschaftlichen Ökologie und des privaten aber auch staatlichen Umweltschutzes ist das des Verlustes von Arbeitsplätzen.
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In Ländern mit umweltbewußter Rechtsprechung ist Stufe 5 und 6 in vielen Umweltbereichen gegenstandslos. So werden in Japan beispielsweise alle Emittenden von Luftschadstoffen in einem engmaschigen Meßnetz erfaßt, öffentlich (!) bekanntgegeben und nach dem Verursacherprinzip zur Rechenschaft gezogen. Unabhängig davon, um wieviel sie die vorgegebenen Grenzwerte unterschreiten, müssen die Verursacher jeden an die Atmosphäre abgegebenen Schadstoff finanziell bei einen Umweltfond der Gemeinden begleichen. Kur- und Klinikaufenthalt betroffener Bürger ist kostenlos. Das Geld stammt aus dem Fond. Die juristische Beweislast ist umgekehrt. Die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes errechnet sich somit aus seiner Ungefährlichkeit und Umweltbelastung.

7. Stufe - Handeln:

Wenn immer noch Widerstand gegen Planungen, Unterlassungen sowie anhaltende direkte Schädigung von Pflanzen, Tieren, Menschen und Ökosystemen vorhanden ist, so erfolgt das Handeln und Feilschen um Grenz-, Richt-, tägliche Aufnahmewerte und entsprechende Genehmigungen. ,,Arbeitsgemeinschaften" zwischen Industrieverbänden und Ministerien sind dabei keine Ausnahmen. Oft werden auch Ministerien und Ämter mit Entlastungsunterlagen von angegriffenen Firmen versorgt. Wortgleiche Formulierungen finden sich dann in verschiedenen amtlichen Belegen. Dies gilt auch für ablehnende Bescheide von Ämtern, in denen wortgleiche Aussagen von Parteiorganisationen auftauchen."

Quelle: Prof. Dr. Gerd Brucker,
Ökologie und Umweltschutz,
Ein Aktionsbuch,
ISBN 3-494-01199-0
Stand 1991

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Mögliche Ursachen für
Gier -Knappheit -Ratlosigkeit

Das gesellschaftliche Mit-, Für- und Gegeneinander von uns Menschen wird von meist als Verstandesleistung verkappten ursprünglichen Leidenschaften geprägt. Solange nur wenig Exemplare dieser Spezies die Erde bevölkert haben, war dies ausschließlich deren eigener Schaden, doch angesichts der zunehmenden Überbevölkerung wird dadurch auch die lebenspendende Natur, die Grundlage allen Lebendigens, nachteilig beeinträchtigt. Dies bedingt zunehmende Knappheit der Resourcen. Neben dem vom Geldsystem bewußt geschaffenen Mangel im Überfluß resultiert Ratlosigkeit, die verdrängt wird und zu Kultur- und Identitätsverlust mit all seinen explosiven Nebenwirkungen führt.

Es ist notwendig, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Lebensformen zu entwickeln, die die sozial positiven Kräfte im Menschen fördern. Die Verantwortung hierfür tragen die hemdsämeligen ,,Macher" an den Schaltstellen der Macht in unserer Gesellschaft. Ob sich jedoch deren Hauptinteresse und Bewußtsein an den Anliegen der sozial ,,Schwachen" orientiert, ist mehr als fraglich. Wer dies fordert gilt als romantischer Spinner, bestenfalls als Idealist. Wie sagte doch schon der alte Rockefeller? Es sei gottgegeben, daß es Arme und Reiche, Schwache und Starke gebe. Daran zu drehen, ist gegen Gottes Wille. Nun denn, dann müssen wir uns auch nicht wundern, wenn sich unsere Jugend danach richtet, je mehr die Konsequenzen unserer letzte Massenvernichtung und -verelendung aus unserem Bewußtsein entschwindet, die in solcher Weltanschauung ihre Wurzeln hat.

Hoffen wir, daß das stille Werk derjenigen Menschen eindrucksvoll genug ist, die sich um Würde und Unantastbarkeit aller Lebewesen kümmern, und die sich darum bemühen, daß es mehr gibt, als Kaufen, Konsumieren, Egoismus und Abkassieren.

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Grundlegende Informationen zum Verantwortungsbewußtsein der EU finden Sie im <Fünften Rahmenprogramm> für Forschung und Technologie.


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Knappheit -
Alternativen für die Zukunft?

zur GemäldegalerieIn komplexen politischen, wirtschaftlichen, ethischen und sozialen gesellschaftlichen Systemen, kann der Einzelne die gesamten Zusammenhänge nicht mehr erfassen. Darum verlassen wir uns auf Fachleuten, die meist auch nur durch Schnellbleichen zu ihren Entscheidungen gelangen (müssen). An Stammtischen übrig gebliebener Kneipen sitzen zuweilen Lautstarke, die wissen, was zu tun ist, wer der richtige Mann ist - doch eigentlich tappen wir alle im Dunkeln. Wir ahnen oder glauben zu wissen, wo es lang geht, doch letztendlich ist alles ein ,,try and error" bei dem wir uns bemühen, nach bestem Wissen und Gewissen, negative Folgen für uns und/oder evtl. auch andere nach Möglichkeit zu vermeiden.

<Helmut Creutz> zum Beispiel, den wir, neben anderen, bei uns eingebracht haben, beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Geld- und Zinssystems. Für seine Studien und Untersuchungen wertet er Statistiken von öffentlichen Einrichtungen wie der Bundesbank aus und belegt mit diesen seine Folgerungen. Ob seine freiwirtschaftlichen Erkenntnisse einen gangbaren Weg in eine wünschenswerte Zukunft darstellen, sei dahingestellt.

Gut ist, daß <Helmut Creutz>, <Gerd Brucker>, <Manfred Binswanger>, <Bernard Lietaer>, <Richard Fuchs>, <Anton Zischka> und viele andere, ihre Lebenszeit dafür aufwenden, um zu analysieren, was bei uns sozial, wirtschaftlich, ökologisch und politisch schief läuft, daß sie sich bemühen, Wege aufzeigen, wie wir unseren inhumanen, vor allem egoistischen Entwicklungen entgegensteuern können, egal, ob diese Pfade letztendlich gangbar sind, oder nicht?

Die Autoren werden sehr unterschiedlichen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Orientierungen zugeordnet. Sie alle intendieren jedoch einen Appell an die soziale Verantwortung und Kompetenz der wirtschaftlich Aktiven.

Wie so oft zeigt sich, daß eigenwillige Köpfe mit Mut zum Gegendenstromdenken dem Risiko des Verschwiegenwerdens ausgesetzt sind. Das probateste Mittel hierzu war und ist die unmittelbare Zuordnung zu einer politischen, weltanschaulichen oder religiösen Richtung, die je nach eigenem Standpunkt, und die der öffentlichen Meinung, mal als Rechte/r, mal als Linke/r ausfällt. Dabei werden dann auch noch die Begrifflichkeiten gemixt, so daß Unklarheiten entstehen, die jede Weiterentwicklung dringend notwendiger Lebensbewältigungsmöglichkeiten zunichte machen.

Peter Bechen


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