Wachstum bis zum Kollaps.
Über das faustische Prinzip in unserer Wirtschaft
vom

Prof. Binswanger, Hans Christoph:
Geld und Magie - Deutung und Kritik der modernen Wirtschaft
anhand von Goethes Faust,
Stuttgart 1985

gekürzt

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Die ökologischen Risiken werden in dem Ausmaß größer, in dem sich die Wirtschaft zu einer von der Produktion weitgehend unabhängigen Geldwirtschaft entwickelt, in der laufend aus Geld neues Geld entsteht. [.... Damit] hat sich Goethe in seinem ,Faust' auseinandergesetzt.

[...] Faust als der ,,neue Mensch", der seine Vollendung nicht auf geistiger Ebene sucht, sondern im technischen Fortschritt.

Der Teufelspakt
[...] Mephistopheles [...] will Faust durch den wirtschaftlichen Erfolg zum höchsten Augenblick führen.

Der faustische Plan
[...] die Natur mit Hilfe der Errungenschaften der Technik zu besiegen.

Die drei Elemente des faustischen Plans
Goethe weist [...] auf drei Grundelemente des [...] der modernen Wirtschaft, hin, [...]

- die Papiergeldschöpfung
- das neue Eigentumsrecht (Eigentum als "dominium")
- der Einsatz der mechanischen Energie.

Indem Faust [...] auf diese Elemente baut, gelingt es ihm, sich zum Herrn der Natur aufzuschwingen und das neue Reich der Wirtschaft zu errichten.

Die Papiergeldschöpfung
[...] ,,Zu wissen sei es jedem, der's begehrt: der Zettel hier ist tausend Kronen wert", [... .] Die Staatsbürger erhielten anstelle der Schuldpapiere Banknoten, mit denen sie nicht nur beliebig Güter, sondern auch Aktien [...], die umso mehr im Wert stiegen, je mehr solche Banknoten ausgegeben und für den Kauf dieser Aktien verwendet wurden. Handel und Wandel blühten auf [, ...] der die Basis des neuen Reichtums war.

Das englische Experiment dauert nun schon 300 Jahre an und hat sich auf die ganze Welt ausgebreitet. Es ist die Basis des heutigen Weltwährungssystems, das neben dem Papiergeld der Notenbanken auch noch das Privatbankgeld der Geschäftsbanken und das Zentralbankgeld des Internationalen Währungsfonds kennt. [...]

In diesem Zusammenhang ist entscheidend, daß die Bank von England keine staatliche Institution, sondern eine Geschäftsbank war, die dank des Privilegs der Notengeldausgabe, welche der Staat ihr gewährte, diesem Staat Kredite gewähren konnte [...] im übrigen aber auf eigene Rechnung arbeitete und Handels- sowie Investitionskredite gewährte [...].

Wozu der Staat das Geld nötig hat, braucht keine weitere Erläuterung: Er muß seine Schulden begleichen. [...] Er bezahlt mit Papiergeld seiner eigenen Bank!

Die Bevölkerung wird sich vermehren. Das Sozialprodukt wird wachsen. Die harte Arbeit, die Mühe ist nur der Beginn. Es wird alles bequemer werden. [...]

Faust weiß nämlich, das ist für den Erfolg des ganzen Unternehmens wichtig, daß es sich auf die Mithilfe der Natur und der Naturkräfte verlassen kann. Die Ausbeutung der Arbeiter wird vorübergehend sein. [...]

Beide - Herr und Knechte - sind zusammen Herren über die Natur. Wegen dieser Herrschaft lohnt sich die Bezahlung der Knechte, und sind schließlich auch die Knechte mit dem Lohn- und zum Teil auch mit der Fronarbeit einverstanden. Beide versprechen sich einen Vorteil.

Für diese Unterwerfung der Natur und der Naturkräfte sind allerdings zwei weitere Voraussetzungen außer der Geldschöpfung notwendig, die beide von Goethe im ,Faust' deutlich aufgezeigt werden.

- Eigentum als Herrschaft über die Natur
[...]

,,Herrschaft gewinn ich, Eigentum".

[...] - Energie statt Arbeit
[...] daß die Energie in jeder Form Leben und Wirtschaft vollständig verändern wird.

Mit den neuen technologischen Errungenschaften sind aber auch ,natürliche Risiken" verbunden. Mephistopheles droht:

,,Die Elemente sind mit uns verbunden, und auf Vernichtung läuft's hinaus."

[...] weil der ökonomische Erfolg letztlich auf der Inbesitznahme der Natur und ihrer Ausbeutung, das heißt der Umwandlung der Naturwerte in Geldwerte beruht. [...] die ökologischen Risiken [...] werden ständig zunehmen.

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