Luft, Boden, Wasser -
Verbrauch und Schutz unserer Umwelt und Resourcen

Inhalt dieses Beitrags:
Luft, die wir atmen
Meere als Kloaken
Boden wird zu Wüste
Regenwald - zum Verbrennen?
Menschen - bedrohte Völker
Dritte Welt und Weltbank
Politik und Umwelt
Siehe auch:

Luftverbrauch durch Autoverkehr

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Politik und Umwelt
( = den Bock zum Gärtner machen)

,,Die deutsche Politik hat die Verantwortung für die Natur an die Wirtschaft abgetreten. Per Handschlag, so haben Carsten Krebs und Danyel T. Reiche herausgefunden, soll Bundeskanzler Helmut Kohl bei einem »Geheimgespräch« im August 1995 in Ludwigshafen zwei Spitzenvertretern der Industrie versprochen haben, das Projekt der ökologischen Steuerreform zu beerdigen: BDI-Chef (und Umweltmanager des Jahres 1992) <Hans-Olaf Henkel> und Friedrich Strube, Vorstandsvorsitzender der <BASF>, die in Kohls Wahlkreis residiert und für insgesamt 1,5 Prozent des deutschen Stromverbrauchs verantwortlich ist. Dabei hatte es in der Koalitionsvereinbarung, getroffen nach der Bundestagswahl 1994, noch geheißen, eine kombinierte CO2-/Energiesteuer sei »dringend notwendig«." (P. Köpf)

aus Peter Köpf, Stichwort Globalisierung, ISBN 3-453-14851-7

Prof. Dr. Gerd Brucker:

Die <Luft>, die wir atmen [...]

In nahezu jedem Ort, aber auch fern jeglicher Ansiedlung lassen sich inzwischen die verheerenden Auswirkungen der Luftbelastung erkennen: Ältere Fichten verkahlen oder lassen die Zweige wie Lametta senkrecht nach unten hängen, Tujabäume werden selbst auf den Friedhöfen braun, obwohl sie von den Straßen entfernt wachsen. Die Schwarzkiefern haben vor allem aufgrund der hohen Ozonbelastung nur noch drei Nadeljahrgänge, und Eschen sterben partiell ab. Selbst die robusten Hainbuchen bekommen ein schütteres Aussehen und die Buchen treiben nur noch Langtriebe, die Kurztriebe verkümmern zu krallenförmigen Resten. An den Straßen fällt das lautlose Sterben besonders auf; darüber können auch die von den Städteplanern angepflanzten abgasresistenteren Platanen, Mehlbeeren- und Robinienarten nicht hinwegtäuschen, die vor allem gegenüber Ozon eine größere Entgiftungsleistung durch entsprechende Enzymsysteme aufweisen.

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,,1988 gab das produzierende Gewerbe noch mehr als acht Milliarden Mark für Umweltschutz aus, 1994 waren es in den alten Bundesländern weniger als fünf Milliarden. Der Anteil der Umweltinvestitionen am gesamten Investitionsvolumen verringerte sich von 10,7 auf 4.7 Prozent."
(P. Köpf)

,,[...] beklagte sich Esso-Manager Johst D. Siemer, daß die Herstellung von einer Tonne Mineralöl in Deutschland drei bis vier Mark mehr koste als in Belgien, Holland oder Frankreich - wegen der Umweltauflagen. Für die Branche mache das einen Kostennachteil von einer halben Milliarde Mark aus." (P.Köpf)

Den Heizölschock betreffend schreibt ein Leser der Springerpresse: ,,An den Preisen für Bio-Diesel kann man die Preistreiberei der Multis erkennen. Es wird keine Mineralölsteuer erhoben, die steigenden Rohölpreise sind hier auch nicht vorhanden. Trotzdem steigt der Bio-Diesel kontinuierlich mit den Dieselpreisen und hat nur einen Abstand im Preis von 10 Pfennigen."

Meere

Beispiel-Bericht von einer Region, die zu den am stärksten verschmutzten gehört:

414 Milliarden Tonnen Müll pumpen die Mittelmeerstaaten jährlich ins Mittelmeer, darunter 100 Tonnen Quecksilber, 3.000 Tonnen Blei, 2.400 Tonnen Chrom, 21.000 Tonnen Zink. Neben der Nordadria ist vor allem die Côte d'Azur besonders stark betroffen. Bei Untersuchungen in der Nähe von Marseille wurden 9.000.000 aus Fäkalien stammende Colibakterien pro Liter Meerwasser gezählt.

J. Y. Cousteau fand durchschnittlich 500 000 coliforme Keime pro Liter an der Côte d'Azur. Mehr als 200 000 Keime pro Liter gelten als absolut gesundheitsschädlich. Ritchie Camer, Mitglied der Umweltbehörde der Uno, bezeichnete die Mittelmeerstrände deshalb auch als epidemische Bombe.

An die Küsten Korsikas angeschwemmte Aale enthielten den derzeitigen Welt-Spitzengehalt von 600 Milligramm Quecksilber pro Kilo. Man erwartet, daß Fischer oder andere Menschen, die wöchentlich zwei Kilo Fische verzehren, in einigen Jahren dieselben irreversiblen Schädigungen des Nervensystems aufweisen, wie sie in der japanischen Minimata-Bucht bereits vor Jahrzehnten aufgetreten sind (Störung des Empfindungsvermögens, der Motorik, Paralyse, Erblindung, Koma).

Neben den Ölkatastrophen werden während des Tankertransports jährlich 650.000 Tonnen ÖI ins Meer entlassen (Verluste, Auspumpen, Ballastwasserladungen, Havarie u. a.).

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Boden

35 % der Landoberfläche der Erde sind verwüstet oder von Verwüstung bedroht. 20 % der Erdbevölkerung leben auf dieser Fläche. 3,5 Milliarden Hektar Kulturland, eine Fläche von der Größe von Nord- und Südamerika, sind von Unfruchtbarkeit bedroht. Diese Fläche wächst weltweit jährlich um 21 Millionen Hektar, auch in Europa.

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Regenwald

Über 50 % der lebensnotwendigen Regenwälder sind bereits zerstört. Die Rettung der Restbestände würde nicht nur den bedrohten Völkern ein Überleben, sondern auch Erlöse aus Früchten, Harzen, Ölen und Heilmitteln garantieren, die die Höhe der Gewinne aus dem derzeitigen Raubbau weit übertreffen würden. Das zu rettende genetische Reservoir der Wälder ist für die Nutzpflanzenforschung und Medizin unersetzbar (BRUCKER 1991).

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Jährlich werden weiterhin global
245.000 Quadratkilometer
weltklimatisch wichtiger Regenwald zerstört.

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Wasser und Boden werden längst verkauft!
Ab wann werden wir die Luft zum Atmen kaufen?

Wenn es die Dritte Welt nicht mehr gibt, wer kommt dann dran ?

Jede Sekunde verschwindet eine Urwaldfläche von der Größe eines Fußballfeldes.

Die Produktion von 3 Kilogramm Rindfleisch verursacht 1 Tonne Bodenverlust auf ehemaligen Urwaldflächen bei leichter Hanglage in Mittel- und Südamerika. Neben dem Holzeinschlag in Süd- und Mittelamerika ist vor allem die rücksichtslose Vernichtung der Wälder auch in Malaysia ein Vorgang, der neben der radikalen Verwüstung von jährlichen 1500 Quadratkilometern Tropenwald die zur Zeit massivste Vernichtung von Wald und Eingeborenen bewirkt: Eines der letzten Jäger- und Sammlervölker der Erde, die Penan, befindet sich im ostmalaysischen Sarawak. Seine Zahl sank innerhalb weniger Jahre von 10000 auf nur noch 300. Die Ernährungslage ist katastrophal. Aufgrund der massiven Bodenerosion durch den Kahlschlag sind die Flüsse so verschmutzt, daß die Fische und die mit ihnen verflochtenen Lebensgemeinschaften aussterben. Polizei und Militär gehen gegen jeden Protest brutal vor; Zeitungen im Lande dürfen nicht mehr über den Exodus und die Verwüstung berichten.

Ein Drittel des Welt-Tropenholzexports stammt zur Zeit noch aus Malaysia. Hauptkunden sind die Industrieländer, allen voran Japan und Deutschland. Die ÄRA (Aktionsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz) weist darauf hin, daß Malaysia die Konzessionsgebiete entgegen aller Proteste und der Empfehlung der INTERNATIONALEN TROPENHOLZORGANISATION (ltto) beschleunigt für die internationalen Holzunternehmen zur Verfügung stellt. Die ltto hat als Holzverband empfohlen, zum Schutz der Wälder den Holzeinschlag auf jährlich 6 Millionen Kubikmeter zu halbieren und in Gebieten mit Eingeborenen ganz einzustellen. Bereits 1988 hat das Europa-Parlament einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der die Mitgliedstaaten aufgerufen wurden, den Holzimport aus Sawarak einzustellen, bis das Überleben der Penan und die Stabilisierung der ökologischen Verhältnisse in den Tropenwäldern erreicht sei. Kein europäisches Land folgte bisher dieser Empfehlung. Rund 2000 deutsche Gemeinden und Städte sowie die Regierungen der Bundesländer Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen lassen kein Tropenholz mehr in öffentlichen Bauten verbauen. Außerdem kam zwischen 300 Indianervölkern Amazoniens und einigen deutschen Städten ein Klimabündnis zustande, das die europäischen Mitglieder verpflichtet, bis zum Jahr 2010 die jeweiligen lokalen Kohlendioxidemissionen zu halbieren und die bedrohten Völker zu unterstützen.

Die großen Regen- und Urwälder der gemäßigten und nördlichen borealen Zonen unterliegen ebenfalls einem massiven Kahlschlag. Totalabholzungen von Flächen von über 1000 ha sind in den alten kühlen Regen-Urwäldern des kanadischen Westens keine Seltenheit. Die Hälfte davon geht in die Papierproduktion. Mit 15 Mio t Papierverbrauch jährlich steht Deutschland weltweit an der Spitze. 1990 betrug hierzulande der Pro-Kopf-Verbrauch 230 kg. 80 % des Zellstoffs für Papier werden importiert.

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Ein Land verkaufen?
Warum dann nicht
die Luft verkaufen,
das große Meer
und ebenso die Erde?

Tecumseh, Häuptling
der Shawnee-<
Indianer>, 1811

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Menschen

In fast allen Regionen der Erde werden einheimische Völker, die früher oder zur Zeit noch in einer naturangepaßten Form in bestimmten Lebensräumen ressourcenschonend lebten und leben, in dramatischem Ausmaß stille Opfer von Vertreibung, Mord, Folter, Unterdrückung und Haft. Die Bedrohung nimmt stetig zu, findet aber in der Öffentlichkeit so gut wie keine Beachtung.

1991 hielten sich mehrere Vertreter dieser Völker in der Bundesrepublik Deutschland auf, um auf die akute Gefährdung ihrer Kulturen aufmerksam zu machen (z. B. Indianer aus Brasilien, Inun-Eskimos, Labrador, Papuas und Vertreter von Völkern auf den Philippinen).

Diese Kampagne verlief von den Medien unbeachtet.

Der Raubbau in den uralten Lebensräumen folgt der kurzfristig ausgelegten Profitmaximierung bei der Ausbeutung natürlicher und künstlich ausgebrachter pflanzlicher und tierischer Produkte und dem Gewinnstreben beim Abbau von Bodenschätzen in den Volksgebieten der einheimischen Bevölkerung. Die ökologischen Folgen sind katastrophal. So schwinden die ohnehin stark übernutzten Bodenressourcen Süd-Ostasiens und Südamerikas mit der ursprünglichen Vegetation. Die weltklimatischen Folgen werden mit 10-15 % des anthropogen bedingten Gesamteinflusses eingeschätzt.

Weiter Informationen:

http://www.ruediger-nehberg.de
http://www.gfbv.de.

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Text der rechten Spalte
mit freundlicher Genehmigung des Autors entnommen aus

Prof. Dr. Gerd Brucker,
Ökologie und Umweltschutz,
Ein Aktionsbuch,
ISBN 3-494-01199-0

Dritte Welt und <Weltbank>

Eine dauerhafte Entwicklung von Ländern der sogenannten Dritten Welt ist nur möglich, wenn die natürlichen Reichtümer eines Landes geschont werden. Die Kreditnehmerstaaten des Südens beklagen die marktorientierten Interessen des Nordens, die überwiegend zur Exportproduktion statt zu einer ausreichenden Selbstversorgung und Verbesserung der Infrastruktur geführt haben. Dies führte bei den 17 höchstverschuldeten Ländern zu Verarmung, Zerstörung von Naturlandschaften und Tropenwäldern (mindestens 25 % durch exportorientierten Holzeinschlag, weitere 25 % durch Umwidmung von Tropenflächen zu Weide-, Industrie- und Staudammprojekten sowie zu Gebieten zur Gewinnung von Bodenschätzen), die Verdrängung einheimischer Betriebe durch multinationale Konzerne, Kapitalflucht und Spekulation sowie einseitige Devisenorientierung bei der Produktion von Agrargütern für den Export. 26 % aller Kredite des INTERNATIONALEN WÄHRUNGSFONDS <IWF> und 40 % der sogenannten Anpassungsfinanzierung der WELTBANK (mit Abwertung der Währung zur Exportförderung) haben in den vergangenen Jahren zu dieser Situation geführt. Deshalb fordern Umweltverbände und Initiativen eine Entschuldung zur Eindämmung des Raubbaues und verstärkte Mitspracherechte der Kreditnehmer beim INTERNATIONALEN WÄHRUNGSFONDS sowie regional bezogene ökologische Projekte und Steuerung der Kreditvergabe durch Maßstäbe, die sich an einer langfristig orientierten Umweltverträglichkeit ausrichten. Denn die Stimmenanteile der 150 Mitgliedstaaten der Weltbank verteilen sich entsprechend ihres Bruttosozialproduktes und somit ihrer Finanzkraft. So verfügen allein die USA über 20 %, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Japan zusammen über 23,7 % der Stimmenanteile. Der Rest verteilt sich auf die anderen 145 Mitgliedsländer. [...]

Eine Neubewertung dieser Ressourcen ist erforderlich, damit die natürlichen Ressourcen (Urwälder, Meere, Flüsse, natürliche oder naturnahe Landschaften) keinem Raubbau zur Devisenbeschaffung unterliegen.

Die dezentrale, vom Norden unabhängige Produktion und Verarbeitung von Gütern der Staaten im Süden ist eine Voraussetzung für eine gewisse Unabhängigkeit von Marktschwankungen, ist aber deshalb schwierig zu erreichen, da 25-30 % der weltweiten Verarbeitung und des Handels von multinationalen Konzernen kontrolliert wird. Vier der fünf Größten haben ihren Hauptsitz in den USA und erzielen allein einen jährlichen Umsatz von rund 110 Milliarden Dollar. [...]


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© peter bechen