Womit findet ein Banker neben Abakus und Rechenschieber seine persönliche Identität? Indem er mit seinem Hobby, wie wir alle, einfach den Verführungskünsten seiner eigenen Spezies erliegt und sich auch noch in seiner Freizeit zum Mann von Welt aufschwingt, wie im folgenden Exzerpt aus den Sechzigern des vorigen Jahrhundert intendiert.

 

 

  

Leider vermag die verlockend angebotene materialisierte Verführung ja nie so wirklich richtig und womöglich auch noch endgültig die geschickt geweckten Bedürfnisse zu befriedigen. Dies führte in unsere Geschichte dazu, dass wir heute mit einer umfassenden Serie klassischer Perfektionsversuche aus dem zunächst deutschen und später auch internationalen Kamerabau die einstige Fotohistorie nachzuzeichnen vermögen, nachdem sich unser innerfamiliärer Vorstandsetagenbanker längst wieder zu seinen staubigen Ursprüngen in der kalten, materiell gesehen vermutlich bedürfnisfreien und dennoch unfreiwilligen Gruft begeben hat.

 

 
 

 
 

 

  

Mit Balgenkameras konnte man schon Anfang bis Mitte letzten Jahrhunderts die damals noch unendlich grosse Welt erobern. Unser zusammenklappbares Gerät verfügte sogar bereits über eine Art Fresnellinse zur Scharfstellung der Ablichtungsobjekte. Als Bildträger dienten Rollfilme für die Formate 6 auf 6 und 6 auf 9 cm, die sehr gut überdimensional vergrösserbare Ablichtungen garantierten.

 

 
 

 
 

 

 
 

 
 

 

 
 

 
 

 

 
 

 
 

 

  

Alles in allem natürlich samt intuitiv umsetzbarer Gebrauchsanleitung mit Bildern, Tipps und Tricks für gutes Gelingen. Und damit der damalige Herr von Welt auch gleich wusste, welch ein Prachtstück er in seinen edlen Händen hält, wurde ihm noch die unten folgende Empfehlung ans verehrte Herz gelegt:

Frauen gab es in jener umwälzenden Epoche außer Leni Riefenstahl in der Fotoprofiwelt wie immer noch nicht besonders viele.

 

 

 

 
 

 
 

 

  

Die genannte Epoche verging von so manchem Zeitgenossen unerwünscht zügig und Deutschland demonstrierte von da an nachgerade seine Überlegenheit mit neuen Bilderknipsern, pardon mit einäugigen Spiegelreflexkameras. Heute würde man diese wohl mit "what you see is what you get" (wysiwyg) charakterisieren.

 

 
 

 
 

 

 

  

Natürlich hielten auch diesmal die all zu anmaßenden Versprechungen wieder einmal nicht, was sie vom Himmel herunter parlierten, und so gelang es besagtem Weltmann eben gerade nicht, mit der Grundausstattung allein zurecht zu kommen, mit der Konsequenz eines noch umfangreicheren Fundus auf dieser Seite:

 

 
 

 
 

  

Gemessen am Durchschnittseinkommen waren derartige Errungenschaften natürlich nicht gerade billig. Für ein Vorsatzobjektiv allein ein halbes NormaleLeuteMonatseinkommen war schon recht happig und definierte auch damals schon den Unterschied zum Consumerproduct.

In den damaligen Zeiten hätten die meisten von uns alle noch wagenradgrosse Augen angesichts einer solchen Reflexkamera bekommen, doch heute kräht kein Technikfreak mehr danach, nur Nostalgiker schwelgen angesichts dieser Rarität noch immer in Träumen längst versunkener Zeiten. 


Aber auch die Damenwelt wurde in etwa in jenen Tagen endlich auch als potentielle Kundschaft entdeckt und erobert. Damit der Herr seine heiß geliebte Conta(kt)flex nicht länger an sein schussliges Weib für deren Freundinnenpromenaden herausrücken musste, wurde eine  einfach zu bedienende Kompaktkamera, natürlich ohne Spiegelreflex, kreiert, denn mit all zu viel Technik hatten die Damen jener Welt  ja noch nicht am Hut - oder etwa doch?  Einfach durchgucken und draufdrücken, das war von jetzt an die Devise.

 

 
 

 
 

 

  

Natürlich waren auch diese Geräte bei gediegener Kundschaft grundsätzlich mit entsprechender Tasche versehen. Der Erhaltungszustand unserer ledernen Umhüllungen signalisiert eindrucksvoll, dass der Umgang mit unseren Knipsern äußerst schonend erfolgt war und dass selbige vermutlich nicht all zu häufig und auch nicht all zu lang in Betrieb genommen worden sind.

 

 
 

 
 

  

  

Inmitten der deutschen Wirtschaftswunderjahre entschied natürlich nicht mehr die Bildqualität in der Fotowelt, sondern die Primitivisierung der Bedienung war oberste Maxime neben der allgemeinen Miniaturisierung als Leitslogan. Wesentliche Anstöße hierzu gelangten über den großen Teich und aus den Ländern der Morgenröte in unser alt ehrwürdiges Abendland, doch unsere Minox ist noch immer Made in Gemany.

 

 
 

 
 

 

 
 

 
 

 

 
 

 
 

 

 

 
 

 
 

 

  

Aber was ist schon all dieses Einfuhreinerlei gegen eine echte heimische Vorbilds - Voigtländer, auch wenn diese im Zuge der Emanzipation der Nichttechnikspezialisten nicht dem Stamm der Einäugigen entsprungen war.
Dazu das passende Fixierequipment, und schon ist der verwacklungsfreien Nah- und Fernfotografie in Hochauflösung ohne Memorychip und Akkuparade keine Grenze mehr gesetzt.
Man glaubt es ohnehin kaum, aber alle auf dieser Seite vorgestellten Geräte unseres Fundus sind noch immer voll funktionsfähig. Vielleicht finden wir nun noch auf diesem Weg einen Liebhaber, dem solche Stücke zuzüglich der einschlägigen Herstellerpropaganda jener Zeit ans Herz gewachsen sind.

 

 
 

 
 

  

 
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