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Beitragsreihe verantwortungsbewusstes Handeln
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H  E  L  M  U  T       C  R  E  U  T  Z

 

Taler, Taler, du mußt wandern

- Wohin treibt die Geldwirtschaft ? -

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Von Problemen beim Geld redet man im allgemeinen, wenn man nicht genug davon hat. Dieses Problem läßt sich aber mit Hilfe einer Bank meist leicht beheben. Selbst Schülern werden bereits auf Girokonten Überziehungsmöglichkeiten eingeräumt, und Hausfrauen brauchen für einen Kaufkredit im Warenhaus nur ihren Ausweis vorzulegen. Doch mit solchen Kreditaufnahmen fangen die eigentlichen Geldprobleme oft erst an. Vor allem, wenn die Kredite rascher steigen als die Einkommen. Was aber sind diese eigentlichen Geldprobleme?

Die Symptome:
Die, Überschuldungen

Als Helmut Kohl 1982 die Regierung übernahm, beklagte er, daß die Neuverschuldung kaum noch reiche, um die jährliche Zinslast zu tragen. Denn unser Staat pflegte damals bereits nicht anders als viele Entwicklungsländer - die Zinsbedienungen der Schulden mit neuen Schulden zu finanzieren. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Geändert hat sich nur der Schuldenstand, der in fünfzehn Jahren auf das 3,2fache angestiegen ist, ohne daß der Staat davon einen Nutzen gehabt hätte.

Einen Nutzen hatten nur diejenigen, die ihr Geld dem Staat geliehen haben. Sie wurden in den letzten zwei Jahrzehnten durch Zinsen um rund 1.400 Mrd. DM reicher! Inzwischen sind es tagtäglich 364 Millionen, die aus den Kassen des Staates an die Geldgeber fließen. Und diese Zinslasten rangieren im Bundeshaushalt bereits als zweitgrößter Haushaltsposten, noch vor den Ausgaben für die Verteidigung.

Neben den Verschuldungen des Staates werden in den Statistiken auch noch jene der Unternehmen und der Privathaushalte ausgewiesen. Daraus ergibt sich, daß der Staat "nur" mit 28 Prozent an der Gesamtverschuldung beteiligt ist. Das Gros der Schulden entfällt mit 67 Prozent auf den Unternehmenssektor (einschl. Wohnungswirtschaft). Die privaten Haushalte sind mit ihren Konsumentenschulden nur mit 5 Prozent dabei. Faßt man die Gesamtverschuldung aller Sektoren zusammen, dann ergab sich eine Summe, die 1997 beim zweieinhalbfachen des Sozialprodukts lag.

Ursachen der weltweiten Überschuldungsentwicklung

Schulden kann man nur bei einem machen, der Geld übrig hat. Das heißt, Überschuldungsentwicklungen setzen Überentwicklungen der Ersparnisse und Geldvermögen voraus. Und deren Entwicklung hat es in sich: So sind von 1950 bis 1997 in Deutschland die Geldvermögen auf das 148fache gestiegen, das Sozialprodukt jedoch "nur" auf das 37fache. Das heißt, die Geldvermögen nahmen genau viermal so rasch zu wie die Wirtschaftsleistung.

Diese im Übermaß zunehmenden Einkommensüberschüsse ermöglichen jedoch nicht nur ständig steigende Kreditaufnahmen, sondern erzwingen sie. Denn jede Mark, die jemand übrig hat, muß über Kredite wieder in den Geld- und Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden, "weil anderenfalls eine deflationäre Wirtschaftsentwicklung einsetzten würde" , wie Rüdiger Pohl, einer der damaligen "Fünf Weisen", das bereits 1987 in der ZEIT geschrieben hat.

Was läßt die Geldvermögen eskalieren?

Geldvermögen werden normalerweise durch Rücklagen aus Arbeitseinkommen angespart. Bei der Bank angelegte Rücklagen wachsen jedoch "von alleine" weiter an, und das um so schneller je länger man sie stehen läßt. Ursache ist der Zins- und Zinseszinseffekt, dessen Wirksamkeit wir in der Schule alle durchgerechnet haben. Seit Mitte der 90er Jahre haben die Zinsgutschriften auf Geldvermögen tagtäglich bereits die 1.000 Mio-DM Grenze überschritten, bei einem täglichen Anstieg der Geldvermögen von mehr als 1.300 Mio. DM. Da diese Vermögenszuwächse aber wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden müssen, müssen in gleicher Höhe, tagtäglich neue zusätzliche Schulden gemacht und zu deren dinglicher Sicherheit möglichst in gleicher Höhe auch neue Sachwerte geschaffen werden!

Wachsen Zinsbelastungen im Gleichschritt mit den Schulden?

Während Geldvermögens- und Schuldengrößen relativ kontinuierlich ansteigen, ist die Entwicklung der Zinsstromgrößen sehr unterschiedlich. Ursache dieser Ungleichentwicklung ist das Auf und Ab der Zinssätze, das wiederum von den Inflationsschwankungen beeinflußt wird. So nahmen beispielsweise in den beiden Hochzinsphasen 1978/82 und 1988/92 die Zinslasten und -erträge jeweils auf rund das Doppelte zu, während sie in den anschließenden Zinstälern nur geringfügig anstiegen bzw. anfangs sogar zurückgingen. Das geht auch aus der Abbildung hervor, in der sowohl die Veränderungen der Zinssätze wie die der Bank-Zinserträge eingetragen sind, die man in etwa als Schlüsselgröße für die volkswirtschaftliche Zinsbelastung ansetzen kann.

Rechnet man die Bankzinserträge in Prozent des Sozialprodukts um, erhält man die ebenfalls eingetragene Zinslastquote. Wie ersichtlich, ist diese Lastquote von 1970 bis 1997 von 7,3 auf 16,7 Prozent angestiegen, allerdings, wie die Zinssätze, mit deutlichen Schwankungen.

Verständlich, daß sowohl der Überanstieg wie die Schwankungen der Zinslasten und -erträge entscheidende konjunkturelle und soziale Auswirkungen haben müssen. Denn es handelt sich schon lange nicht mehr um Bagatellbeträge. So lagen die Bankzinserträge 1997 in Gesamtdeutschland beispielsweise bei 70 Prozent des Steueraufkommens.

Die Folgen ...bezogen auf Ökologie und Wirtschaftswachstum

Natürliche Wachstumsvorgänge - verlaufen im allgemeinen mit nachlassenden Wachstumsschritten auf eine optimale Grenze zu. "Kein Baum wächst in den Himmel", sagt schon das Sprichwort. Auch der Mensch, so explosiv sein Wachstum im Mutterleib und in der ersten Lebensphase auch ist, hört mit 18 oder 20 Jahren auf zu wachsen.

In unserem Wirtschaftsorganismus verletzen die Geldvermögen und Schulden mit ihrem Überwachstum diese Regel, beschleunigt vor allem durch den Zinseszinseffekt. Will der wirtschaftliche Organismus die daraus resultierenden Lasten tragen, muß er versuchen, ständig mitzuwachsen.

Denn sonst würde die Bedienun der Zinsen sehr schnell zu Zahlungsengässen führen.

Ein zusätzlicher Druck zum Wirtschaftswachstum geht von der Notwendigkeit aus, die zinsbedingt ins Kraut schießenden Einkommensüberschüsse der Geldbesitzer wieder in die Wirtschaft zurück zu führen. Und auch jeder verschuldete Bürger, jeder verschuldete Unternehmer und jeder verschuldete Staat ist zwangsweise auf Leistungssteigerung und Wirtschaftswachstum angewiesen, wenn die Löcher nicht noch schneller größer werden sollen die der Schuldendienst in die Kassen reißt. Welche Folgen fiir die Umwelt mit diesem ständigen Zwang verbunden ist, bedarf kaum einer näheren Erklärung.

... bezogen auf die soziale Frage

In jeder Volkswirtschaft wird die gesamte Wertschöpfung zwischen Kapital und Arbeit aufgeteilt. Da aber die Ansprüche des Kapitals, vor allem die des Geldkapitals, deutlich rascher ansteigen als das Sozialprodukt, muß der Anteil der Wertschaffenden, trotz ständiger Leistungssteigerung, zwangsläufig zurückbleiben. In den 70er und 80er Jahren war das nur relativ der Fall. Inzwischen aber geht dieser Anteil auch absolut zurück.

Dieser Zwang zur Reduzierung der Lohnanteile tritt vor allem in Zeiten schwachen Wirtschaftswachstum zutage, da die Geldkapitalansprüche davon unbeeinflußt weiterwachsen. Mit dieser zunehmenden Scherenöffnung zwischen dem Wachstum der Wirtschaft und dem der Kapitalansprüche nimmt auch die soziale Spannung in der Gesellschaft zu.

So hat der Sozialsenator von Hamburg schon vor mehreren Jahren festgestellt, daß in seinem Stadtstaat zwei Bevölkerungsgruppen am raschesten zünehmen, nämlich die Sozialhilfeempfänger und die Millionäre. Und er hat gewarnt, daß uns Auseinandersetzungen wie in Lateinamerika drohen, wenn es uns nicht gelingt, dieser Polarisierung Einhalt zu gebieten.

Nun sind sicherlich Verhältnisse wie in Lateinamerika noch weit von uns entfernt. Was uns aber droht, können wir an den Entwicklungen der letzten 15 Jahre in den USA oder auch in Großbritannien studieren: Ein Absinken der Realeinkommen bei einem wachsenden Teil der Bevölkerung und eine Zunahme der Billigjobs, die oft nicht mehr die Familien ernähren. Und ein Ausgleich dieser Entwicklungen durch staatliche Rückverteilungen ist angesichts der schuldenbedingten Kalamitäten in den öffentlichen Kassen immer weniger möglich.

...bezogen auf den einzelnen Haushalt

Die spannungsgeladene Umverteilung durch die Zinsen wird besonders griffig, wenn man sich vergegenwärtigt, daß an den Zinszahlungen jeder Haushalt in einem zunehmenden Maße beteiligt ist. Denn die Haushalte sind nicht nur bei eigenen Verschuldungen an den Zinskosten beteiligt, sondern müssen auch für alle anderen Schulden geradestehen. Denn der Staat gibt seine Zinslasten letztlich über die Steuern an die Bürger weiter und die Unternehmen über die Preise.

Bezogen auf die gesamten Ausgaben eines Haushalts machen diese zu tragenden Zinsanteile inzwischen rund 40 Prozent aus. Da heißt, mit jeder ausgegebenen Mark zahlt j eder Bürger regelmäßig 40 Pfennig in den Zinstopf ein. Von den daraus zurückfließenden Zinseinkommen profitieren aber nur jene Haushalte, deren Zinseinkommen 40 Prozent der jährlichen Ausgaben übersteigen. Das aber ist nur bei zehn bis fünfzehn Prozent der Haushalte der Fall. Alle anderen Haushalte gehören zu den Verlierern dieses Zins-Monopolys, bei dem - im Gegensatz zu Lotto und Toto - fast immer die gleichen Spieler die Gewinner sind und bleiben. Denn der Zins fließt immer nur in einer Richtung, nämlich von der Arbeit zum Besitz. Das erklärt, warum nicht nur zwischen Nord und Süd die Armen ärmer und die Reichen reicher werden, sondern inzwischen auch innerhalb der reichen Staaten.

...bezogen auf Konjunktur und Krise

Auf langsame Kostenveränderungen kann sich eine Wirtschaft einstellen. Plötzliche Kostenanstiege führen jedoch zu problematischen Engpässen. Würden z. B. innerhalb weniger Jahre die Steuern oder Löhne auf das Doppelte erhöht, könnte das von kaum einem Unternehmen verkraftet werden. Schon gar nicht, wenn die Märkte gesättigt und Überwälzungen der erhöhten Belastungen auf die Preise nicht mehr möglich sind.

Wie schon anhand der Zinslastanstiege dargelegt, kommt es j edoch in Hochzinsphasen genau zu solchen Kostenexplosionen. Im Durchschnitt aller Unternehmen nahm die Belastung je Arbeitsplatz von rund 6.000 DM auf knapp 12.000 DM zu. Als Folge solcher plötzlichen Belastungsanstiege fallen zuerst die Einkommenszunahmen aus Unternehmertätigkeit zurück. Hochverschuldete Unternehmen geraten dadurch in die roten Zahlen oder an den Rand des Bankrotts. Zum Ausgleich der erhöhten Zinslasten sind die meisten Unternehmen zu oft rigorosen Einsparungen gezwungen, überwiegend im Lohnbereich. Außerdem werden nach Möglichkeit Investitionen zurückgestellt. Beides bewirkt eine explosive Zunahme der Arbeitslosigkeit.

Wie aus der Abbildung ersichtlich, folgt diesen Zunahmen der Zinslasten die Arbeitslosenkurve jeweils mit zwei bis drei Jahren Verzögerung nach. Und ein Jahr nach dem Zinsgipfel bricht diese schubartige Zunahme jeweils ebenso deutlich ab. Zu einer Erholung der Unternehmenssituationen und damit der Konjunktur, vor allem zu Wiedereinstellungen von Arbeitskräften, kommt es jedoch erst nach. einer längeren Absenkungshase der Zinslastquote. Da diese Absenkungs- und Erhöhungsphase nach dem Konjunktureinbruch von 1993 bislang ausgeblieben ist, erklären sich auch die weiter steigenden Arbeitslosenzahlen und Firmenpleiten.

Die Therapie: Die Optimierung des Geldkreislaufs

Das fiir ein Gebäude das Fundament, ist für die Gesellschaft das Geld: Ohne dessen Stabilität gibt es keine stabile Wirtschaft und Gesellschaft. Voraussetzung fiir ein stabiles Geld aber ist einmal die Anpassung der Geldmenge an das Angebot, zum anderen die Anpassung der Zinsstromgrößen an die Entwicklung der Wirtschaftsleistung. Voraussetzung fiir beides ist wiederum die Stabilisierung des Geldumlaufs.

Wie die Sprichwörter "Taler, Taler, du mußt wandern" oder "der Rubel muß rollen" beweisen, kennt der Volksmund die Bedeutung eines stetigen Geldumlaufs. Die meisten Ökonomen und selbst die Notenbanker versuchen jedoch immer noch, die Stabilität der Geldkaufkraft und damit der Konjunktur alleine mit der Steuerung der Menge des Geldes zu erreichen, ohne direkte Einflußnahme auf den Umlauf.

Allerdings gibt es auch heute zwei Umlaufsicherungsmittel, nämlich Zins und Inflation: Der Zins lockt als Zuckerbrot" das überschüssige Geld " aus den Taschen der Sparer in die Kreditvergabe und damit in den Kreislauf zurück. Die Inflation treibt als "Peitsche" das Geld in die Nachfrage. Beide Umlaufsicherungsmittel erfüllen ihre Aufgabe jedoch nur bei ausreichender Höhe.

Hohe Zins- und Inflationssätze aber sind - wie vorstehend dargelegt wurde - mit besonders hohen destruktiven Folgen verbunden. Bei sinkenden bzw. niedrigen Zins- und Inflationsraten gehen diese Negativfolgen zwar zurück, leider aber auch der Umlaufsicherungseffekt. Denn aufgrund der niedrigen Zinsbelohnung halten Geldbesitzer zunehmend ihr Geld zurück bzw. weichen damit in lukrativere Spekulationen aus. Was volkswirtschaftlich wünschenswert wäre, nämlich niedige Zins- und Inflationssätze und gleichzeitig ein stabiler ungestörter Geldumlauf, ist also heute nicht erreichbar.

Die Ursache des Dilemmas

Auslöser dieser Fehlentwicklung ist der Tatbestand, daß die Preisbildung des Zinses der natürlichen Rückkopplung am Markt entzogen werden kann. Denn während sich die Knappheits Gewinne auf den Gütermärkten mit zunehmender Marktsättigung gegen Null zurückentwickeln, kann bei dem für die Wirtschaft entscheidenden Knappheitspreis, nämlich beim Zins am Kapitalmarkt, ein solches Absinken verhindert werden. Ursache ist die Möglichkeit der Geldbesitzer, Ausleihungen zu verweigern, wenn der Zins ihnen nicht attraktiv genug erscheint. Während Güterproduzenten und Arbeitsleistende auch bei fallenden Preisen noch zum Angebot gezwungen sind, kann das Geld den Fall seines Preises durch eine künstIiche Verknappung verhindern.

Ursache dieser Möglichkeit Geld zurückzuhalten ist dessen stoffliche Überlegenheit gegenüber den damit zu tauschenden Gütern und Leistungen. Denn während der von Arbeit lebende Mensch seine Leistung anbieten muß, um zu überleben und der Produzent seine Güter, um Verluste zu vermeiden, können die Geldhalter warten. Bei ihnen fehlt ein vergleichbarer Druck zum Angebot. Sie verzichten allenfalls vorübergehend auf Zinseinnahmen, müssen aber keine Kosten tragen.

Das heißt, das heutige Recht der Wirtschaftsteilnehmer, durch Blockierung andere an der Nutzung des Geldes zu hindern, und diese Behinderung nur gegen einen Zins aufzugeben, dessen Höhe sie auch noch selbst diktieren, ist mit einem modernen Rechtsstaat unvereinbar.

Wie kann man dem Geld Beine machen?

Wenn man die Überlegenheit des Geldes überwinden und es zu einem neutralen Tauschmittel machen will, muß es zuerst einmal rechtsordnungsmäßig anderen öffentlichen Gütern gleichgestellt werden. Die heutige gespaltene Einstufung des Geldes, sowohl als öffentliche Einrichtung als auch privates Eigentum, ist schlicht schizophren. Da nichts zwei Herren dienen kann, führt dies Spaltung zu einem gespaltenen Geldwert: Für den, der es ausgeben muß, hat ein Hundertmarkschein auch nur den Wert von hundert Mark. Für den, der den Schein übrig hat, beträgt der Wert hundertvier oder hundertsechs Mark, je nach Zinssatz, den er fiir das Verleihen erzielen kann.

Diese Möglichkeit, aus Geld zum privaten Vorteil mehr Geld machen zu können, ob durch Zinsen oder Spekulationen, widerspricht der Aufgabenstellung einer öffentlichen Einrichtung. Öffentliche Einrichtungen sind dadurch gekennzeichnet, daß jeder sie unter gleichen Bedingungen nutzen, jedoch niemand sie blockieren darf.

Das heißt, das heutige Recht der Wirtschaftsteilnehmer, durch Blockierung andere an der Nutzung des Geldes zu hindern, und diese Behinderung nur gegen einen Zins aufzugeben, dessen Höhe sie auch noch selbst diktiert, ist mit einem modernen Rechtsstaat unvereinbar.

Das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in unserer Wirtschaft muß also nicht nur - wie bereits der Fall - unter einem Annahmezwang stehen, sondern ebenso unter einem (vielmals wichtigeren) Weitergabezwang. Oder ander ausgedrückt: Nicht nur die Vermehrung der Geldmenge durch Falschgeld, die zur Inflation führt, muß als gemeinschaftsschädigend eingestuft werden, sondern auch die Verminderung der Geldmenge durch Blockierung, die zur Zinshochhaltung bzw. Deflation führt.

Die verschiedenen technischen Möglichkeiten fiir eine solche konstruktive Umlaufsicherung, können hier - bezogen auf das Bargeld - aus Platzgründen nicht erörtert werden. Bei dem heute dominierenden Giralgeld, sind laufende Bestandshalte-Belastungen im Computerzeitalter sowieso kein Problem.

Mit solchen konstruktiven Maßnahmen könnten also die bisherigen destruktiven Umlaufsicherungsmittel, nämlich Zins und Inflation, von dieser Aufgabe entbunden werden. Damit wiederum könnte die Zinshöhe, im Gleichschritt mit der Wirtschaftsentwicklung, problemlos gegen Null absinken. Da außerdem mit einer solchen konstruktiven Umlaufsicherung die herausgegebene Geldmenge mit der nachfragenden und diese mit dem Angebot in der Wirtschaft in Deckung gebracht werden kann, würde auch ein dauerhaft stabiles Geld erreichbar und mit ihm stabile Konjunkturlagen und Gesellschaften.

Sicherlich werden sich mit einer solchen Korrektur der Fehlstrukturen unserer Geldordnung nicht alle Probleme in der Welt in Wohlgefallen auflösen. Ohne diese Korrektur müssen sie jedoch zwangsläufig immer größer und damit unlösbarer werden. Das gilt einmal fiir die ökologischen Probleme, da die Einfiihrung wirksamer Ökosteuern so lange unmöglich ist, wie alle Volkswirtschaften unter einem zinsbedingten Zwang zum Wachstum stehen. Das gilt aber genauso für die ökonomischen und sozialen Probleme unserer Tage, also letztlich für den sozialen Frieden innerhalb der Gesellschaften, der die Grundläge fvir den Völkerfrieden ist.

 

Helmut Creutz ist Autor des Buches
<
Das Geldsyndrom>, Ullsteintaschenbuch,
ISBN 3-548-35456-4

 

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