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Beitragsreihe verantwortungsbewusstes Handeln
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H  E  L  M  U  T       C  R  E  U  T  Z

 

Die Lohnkosten sind zu hoch!

- Standort Deutschland in Gefahr -


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[...] Natürlich sind zu hohe Ansprüche in jeder Wirtschaft ein Problem, gleichgültig wer sie verursacht und wem sie zugute kommen. Denn überhöhte Ansprüche einer Gruppe führen entweder zu Einkommensrückgängen bei anderen Gruppen oder zu allgemeinen Preiserhöhungen. Die Folgen sind Verteilungsspannungen und Nachfragestörungen mit entsprechenden Auswirkungen für die Konjunktur. Aber waren überhöhte Löhne tatsächlich die Ursache der Rezession von 1993?

[...] Wie aus der Tabelle ersichtlich, können die Lohnkosten nicht die Ursache der Krise gewesen sein. Denn gemessen am Bruttosozialprodukt sind sie nicht übermäßig angestiegen sondern sogar zurückgeblieben: Die Bruttolöhne und -gehälter um rund ein Zehntel, die Nettogrößen sogar um rund zwei Zehntel. Wenn aber die Löhne gegenüber der Wirtschaftsleistung zurückgeblieben sind, müssen andere Einkommen um so mehr gestiegen sein.

[...] Bekanntlich wird in unserem Wirtschaftssystem das Volkseinkommen zwischen Arbeit und Kapital aufgeteilt. Dabei hat das Kapital, vor allem das Geldkapital, den Erstzugriff, dessen Höhe niemals zur Disposition steht.

[...] Wenn nun [...] die Löhne nicht für Kostenauftrieb und Krise verantwortlich waren, liegt es nahe, die Ursache bei den Kapitaleinkommen zu suchen. Denn irgendwie muß die Differenz zwischen Sozialprodukt und Löhnen ja geschlossen werden.

[...] Die Einkommen aus Unternehmertätigkeit nahmen in den vier Jahren um nur 22 Prozent zu, also noch weniger als die Löhne. Dafür aber stiegen die »Einkommen aus Vermögen« mit 97 Prozent dreimal so stark wie das Sozialprodukt!

[...] Die Zinserträge der Banken - also das, was sie im Jahr in der Wirtschaft abkassieren - sind demnach in den vier Jahren vor dem Konjunktureinbruch um 83 Porzent angestiegen. Die Zinsaufwendungen [...] sogar um 101 Prozent. Diese Zahlen bestätigen, daß die krisenauslösenden überhöhten Ansprüche nicht bei den Lohn-, sondern bei den Zinseinkommen festzumachen sind.

[...] Das heißt, die Volkswirtschaft wäre um 124 Mrd. DM weniger belastet worden. Was diese zinsbedingte Mehrbelastung von 124 Mrd. DM für die Wirtschaft bedeutet hat, zeigen wiederum einige Vergleiche: Um dieselbe Belastung zu bewirken, hätte man die Nettolöhne und -gehälter aller Arbeitnehmer in den vier Jahren statt um 26 Prozent um 46 Prozent anheben, bzw. den Anstieg der Umsatz- und Mehrwertsteuern verdoppeln oder den der Krankenkassenbeiträge verdreifachen müssen.

[...] über die [...] Zunahme der Zinsbelastung verlieren jedoch weder die Medien noch die Verantwortlichen in Politik und Wissenschaft ein Wort. Selbst die Gewerkschaften, die sich mit dem Hinweis auf überhöhte Löhne zum Buhmann machen lassen, rühren das Thema nicht an.

[...] vor allem die öffentlichen Haushalte hätten allen Grund, das Thema aufzugreifen, sondern ebenfalls die Unternehmer und die öffentlichen Haushalte. Denn als die höchstverschuldeten Gruppen in unserer Volkswirtschaft leiden sie am meisten unter den Zinslasten und Zinssatzanstiegen. Das zeigt sich [...] an den zinsbedingten Löchern in den öffentlichen Kassen, die man durch Einsparungen an anderen Stellen kaum noch anffangen kann.

 

Helmut Creutz ist Autor des Buches
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Das Geldsyndrom>, Ullsteintaschenbuch,
ISBN 3-548-35456-4

 

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