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Beitragsreihe verantwortungsbewusstes Handeln
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H  E  L  M  U  T       C  R  E  U  T  Z

 

Globalisierung und Krieg

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Die wirtschaftlichen Hintergrunde von Rüstung und Krieg

Ich bin 35 Jahre in der Wirtschaft tätig gewesen, u. a. als Techniker, Architekt und Betriebsleiter. In den siebziger Jahren war ich in der Umwelt- und Friedensbewegung aktiv, Mitbegründer der Grünen und nebenbei auch schriftstellerisch tätig. Auf eines meiner Bücher hin bekam ich die Zuschrift eines Lesers, der meinte, ich solle mich mal mit den Zusammenhängen befassen zwischen Geld und Gesellschaft zwischen Währung und Wirtschaft. Dabei würde ich vielleicht einige Antworten finden auf meine im Buch gestellten Fragen. Ich war anfangs sehr skeptisch, aber habe mich darauf eingelassen. Je mehr Fakten ich zu dem Thema fand, umso mehr merkte ich, es war was dran. Es stimmte etwas an den Einwänden. Das hat mich dann so fasziniert dass ich mich diesem Thema ganz verschrieben und zwanzig Jahre lang nur mit dieser Geldfrage befasst habe.

Ich werde versuchen, Ihnen einiges von dem, was ich inzwischen an Erkenntnissen gewonnen habe, zu vermitteln.

Unsere Geldwirtschaft ist auf dreifache Weise mit Rüstung und Krieg verknüpft

  • als Garant unternehmerischer Profite,
  • als Katalysator des Wirtschaftswachstums
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    und
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  • als Überlebenshilfe für das kapitalistische System.

1. Krieg und Rüstung als Garant unternehmerischer Profite

Ich glaube dieser erste Punkt ist leicht nachvollziehbar. Es gibt ja bekanntlich keinen anderen Bereich, in dem solche Riesenaufträge vergeben werden wie im Bereich der Rüstung, und es gibt auch keinen Bereich, in dem die Provisionen und Schmiergelder so groß sind, was offensichtlich die Profite widerspiegelt. Es ist ein Unternehmensbereich der sich lohnt, vor allen Dingen, wenn man die Waffen auch noch an andere Länder weiterverkaufen kann. Inzwischen sind die Rüstungsausgaben in den USA von 600 auf 780 Milliarden Dollar gestiegen, eine Größenordnung, die es bisher nie gegeben hat. Zusätzlich werden die Amerikaner für den neu zu entwickelnden und zu bauenden Kampfjet in den nächsten zehn Jahren noch 300 Milliarden Dollar ausgeben. Alles Geschäfte, die höchst lukrativ sind und auf jeden Fall Profite garantieren, denn der Staat gibt feste Bestellungszusagen und finanziert zum Teil auch noch die Entwicklungskosten mit.

Als am 11. September (2001) die Welt erschüttert wurde, sanken die normalen Aktienkurse um acht Prozent, aber die Rüstungsaktien stiegen innerhalb eines Tages um 21 Prozent an. Das alles nach dem Motto: Wenn Kanonen donnern, soll man Aktien kaufen. Das Kanonendonnern zeichnete sich offensichtlich damals schon ab. Bei Lockhead - Martin, dem hauptsächlichen Lieferanten der Flugzeugwaffen, stiegen die Aktienkurse sogar um 68 Prozent.

Besonders empörend ist die Belieferung der Entwicklungsländer mit Waffen. Wie die Darstellung 2 zeigt, die in der Zeitschrift ,Finanzierung und Entwicklung" im Dezember 1990 erschienen ist, herausgegeben von Weltbank und Weltwährungsfonds, haben diese Waffenlieferungen ständig zugenommen.

Die obere Grafik in der Darstellung weist aus, dass die Militärausgaben der armen Länder von 1960 bis 1987 vier Mal so stark gestiegen sind wie das Sozialprodukt. Das zweite Bild gibt das Verhältnis wieder zwischen der Entwicklungshilfe, die von uns geleistet worden ist, und den Ausgaben für Waffenimporte. 1960 lagen diese Waffenimporte noch bei einem Fünftel der Entwicklungshilfe, in den letzten Jahren aber wurden die I-Iilfsgelder fast ausschließlich für Waffenlieferungen ausgegeben. Es bleibt also an echter Hilfe gar nichts übrig. Die ganze Entwicklungshilfe ist nur noch eine Hilfe für die Waffenindustrie der reichen Länder!

 

2. Krieg und Rüstung als Katalysator des Wirtschaftswachstums.

Jeder Mensch weil, dass es in einer begrenzten Welt kein unendliches Wachstum gibt - kein Baum wächst in den Himmel, wie das Sprichwort sagt, und kein Mensch wächst über das 20. Lebensjahr hinaus ständig weiter. Außerdem - und das ist eine zweite Regel - kann ein Organismus nur in sich stabil bleiben, wenn alle Teile im Gleichschritt miteinander wachsen. Wenn ein Mensch heranwächst in den ersten zwei Lebensjahrzehnten, dann müssen sich die Organe, die Gliedmaßen, der Körper, also alles, in etwa im Gleichschritt entfalten.

Diese Regeln für biologische Organismen gelten auch für wirtschaftliche Organismen, die letztlich auch in die Gesetze der Natur eingebettet sind. Wenn unser Sozialprodukt im Jahr z.B. um drei Prozent steigt, dann können auch die Löhne um drei Prozent steigen, ebenfalls die Unternehmereinkommen, die Kapitaleinkommen und Steuereinnahmen. Das ist jedem einleuchtend. Wenn aber innerhalb eines Organismus ein Teil schneller wächst als das Ganze, liegt eine krankhafte Entwicklung vor, wie z.B. bei einem Tumor.

In unserem wirtschaftlichen Organismen lässt sich ein solches tumorartiges Überwachstum im Bereich des Geldes nachweisen, wie der nächsten Darstellung zu entnehmen ist!

Wiedergegeben ist in der Grafik die Entwicklung des Inlandsproduktes und der Geldvermögen, denen bekanntlich in gleicher Höhe Schulden gegenüberstehen. Denn, in dem Maße wie die Geldvermögen wachsen, können nicht nur die Schulden zunehmen, sie müssen das auch in diesem Maße tun, weil ohne die Rückführung der Ersparnisse über Kredite das Geld im Kreislauf fehlen würde. Denn jedes übrige Geldeinkommen, das nicht verliehen sondern festgehalten wird, fehlt im Kreislauf und erzeugt Nachfrageausfälle und in der Folge Rückgänge in der Produktion und der Beschäftigung.

 

Aus der Darstellung können wir entnehmen, dass - in inflationsbereinigten Zahlen - die Wirtschaftsleistung in den letzten 50 Jahren auf das Siebenfache gestiegen ist. Das heißt wir produzieren und verbrauchen heute sieben Mal soviel wie in den fünfziger Jahren! Die Geldvermögen aber sind in der gleichen Zeit auf das 32-fache gestiegen. Dabei verläuft der Anstieg nicht linear, sondern sich beschleunigend, also mit einem exponentiellen Trend. Mit den im Übermaß wachsenden Geldvermögen und Schulden wachsen natürlich auch die Zinsströme an, die von den Arbeitleistenden erwirtschaftet werden müssen.

Wenn wir uns nun einmal vorstellen, wir haften den ständigen Zuwachs unserer Wirtschaftsleistung in den siebziger Jahren eingefroren, dann würden heute die Zinsansprüche des Geldkapitals mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung beanspruchen! Denn das Geldkapital, das Geldvermögen, nimmt auch ohne Wirtschaftswachstum weiter zu, ganz einfach aus dem Tatbestand der heute dauernd positiven Zinssätze. Doch trotz unseres ständigen Wirtschaftswachtums beansprucht die Zinsbedienung bereits 18 Prozent des BIP, also fast ein Fünftel der Wirtschaftsleistung.

Und dieser Anteil nimmt von Jahr zu Jahr mehr zu, weil das Wirtschaftswachstum mit der Entwicklung der Geldvermögen und Schulden immer weniger Schritt halten kann. Deshalb der Ruf nach mehr Wachstum, ohne das unsere Gesellschaft unter den heutigen Gegebenheiten sehr rasch sozial und ökonomisch kollabieren würde. Dass dies alles auf Kosten der Umwelt geht, bedarf keiner Erklärung.

Dabei könnten wir ohne Wachstum, also mit gleichbleibender Wirtschaftsleistung, sehr gut leben. Denn wir könnten ja genau so viel kaufen wie im Jahr zuvor! Wir würden sogar noch ständig reicher, da sich die langlebigen Güter ja weiterhin jedes Jahr vermehren und außerdem der technische Fortschritt weiter geht Wollen wir nicht mehr wohlhabender werden, dann könnten wir unsere Arbeitszeit runterfahren, ohne dass der Wohlstand als solcher beeinträchtigt würde. Das alles könnte aber nur funktionieren, wenn die Geldvermögen und Zinsströme nicht ständig, gewissermaßen automatisch, weiter wachsen würden. Da sie das jedoch tun, brauchen wir in unseren Volkswirtschaften auch dann noch Wachstum, wenn sie eigentlich bereits gesättigt sind. Und ein solches Wachstum lässt sich im Rüstungsbereich auch dann erzeugen, wenn die Bürger nicht mehr im genügenden Umfang zur Nachfrage bereit sind.

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Wie kommt es zu den sozialen Problemen in diesem System?

Der volkswirtschaftliche Kuchen, das Sozialprodukt bzw. Volkseinkommen, wird jedes Jahr im wesentlichen zwischen Kapital und Arbeit aufgeteilt. Dabei hat das Geldkapital den Erstzugriff, dessen Höhe vorher festliegt, als Ergebnis von Geldvermögen mal Zinssatz. Denken wir an die unterschiedlichen Entwicklungen in der Darstellung 2, dann schneidet sich das Geldkapital von Jahr zu Jahr ein größeres Stück aus diesem Kuchen, womit zwangsläufig für die Arbeit weniger übrig bleibt. Das war in der Vergangenheit noch nicht so problematisch, weil bis vor etwa zehn Jahren auch für die Arbeitleistenden - also Arbeitnehmer, Unternehmer und Gewerbetreibende -immer noch etwas hinzukam. Aber dieser Zuwachs an Einkommen bei den Arbeitleistenden ist ständig kleiner geworden. Inzwischen haben wir den Punkt erreicht der in England und in Amerika schon vor zehn Jahren erreicht wurde, dass nämlich effektiv die Löhne sinken müssen, um die jährlichen Mehransprüche des Geldkapitals an den Kuchen zu befriedigen.

In der Darstellung 3 habe ich zur Veranschaulichung für die letzter zehn Jahre einige Vergleichszahlen aufgetragen. Demnach lag die nominelle Zunahme des BIP bei 37 Prozent. Wenn das Sozialprodukt aber um 37 Prozent steigt, können das auch alle Einkommen in gleiche Höhe tun. Das heißt in den letzten zehn Jahren hätten die Lohn-, Staats- und Kapitaleinnahmen um 37 Prozent zunehmen können, ohne dass es zu neuen Verteilungsspannungen gekommen wäre. Wie die Wirklichkeit jedoch ausgesehen hat, geht aus der Grafik und den Zahlen hervor: Die Bruttolöhne wuchsen nur um 29 Prozent und die Nettogrößen sogar nur um 23 Prozent. Das heißt, die Arbeitnehmer sind an den Steigerungen ihrer Leistung abnehmend beteiligt. Als Folge können sie auch immer weniger die Produkte kaufen, die sie selbst hergestellt haben. Aber auch die Einkommen aus Unternehmertätigkeit sind deutlich zurück geblieben, was sich nicht zuletzt in den Personaleinsparungen und Firmenpleiten niederschlägt.

Ursache dieser schwindenden Einkommen aus Arbeit sind die Überanstiege der Geldvermögen und deren Zinseinkünfte, für die hier die von der Bundesbank ausgewiesenen Bankzinsaufwendungen angeführt sind. Wären auch diese Größen ,nur" um 37 Prozent gestiegen, hätten die Arbeitseinkommen nicht zurückfallen brauchen.

Auch die Größenordnungen der Zinsströme sind bereits höchst bedenklich. So lagen die Bankzinserträge 2001 mit 382 Milliarden Euro beispielsweise bereits bei 66 Prozent der Nettolöhne, 80 Prozent der Steuereinnahmen und 130 Prozent des Bundeshaushalts! Schon eine Halbierung der Zinslasten in unserer Wirtschaft würde einen Finanzierunsspielraum schaffen, mit dem wir mehr als sechs Millionen Arbeitnehmer bezahlen könnten!

Wenn wir die Entwicklungen der Zinszahlungen des Staates unter die Lupe nehmen, die inzwischen bei knapp 70 Milliarden Euro liegen, dann ergibt sich ebenfalls etwas Unglaubliches. Sie haben nämlich in den letzten 30 Jahren ziemlich genau in dem gleichen Umfang zugenommen, wie die Staatsverschuldung ausgeweitet wurde! Das heißt, der Staat hat mit der ständigen Schuldenausweitung überhaupt nichts Konstruktives anfangen können! Das ganze neu aufgenommene Geld ist praktisch in den Zinsendienst geflossenen! Den einzigen Nutzen von der Schuldenausweitung in Höhe von rund 1000 Milliarden Euro in den letzten 30 Jahren hauen die Geldgeber, die ziemlich genau um den gleichen Betrag reicher geworden sind!

Doch zurück zu Rüstung, Krieg und Wirtschaftwachstum:

Durch Kriege lässt sich die Möglichkeit des systemnotwendigen Wachstums durch Rüstung natürlich noch erheblicher ausweiten als in Friedenszeiten. Nicht nur durch den verstärkten Waffenbedarf und deren Verbrauch, sondern schließlich auch durch den Wiederaufbau der zerstörten Städte und Infrastrukturen. Selbst Finanzminister Eichel, den ich als einen nüchternen und vernünftigen Mann einschätze, hat im Jugoslawienkrieg zwar die Zerstörungen bedauert aber auch darauf hingewiesen, dass dies unserer Industrie beim Wiederaufbau Aufträge bringen würde.

Erlauben Sie mix noch eine Bemerkung, die dann auch überleitet zu dem drillen Themenkomplex

Auch die ,,Globalisierung" die inzwischen in aller Munde ist, ist einer der Versuche, vielleicht der letzte, nochmals weltweit Wachstum zu erzeugen und den tumorartig wachsenden Geldvermögen neue Anlagemöglichkeiten zu bieten. Denn lassen diese Anlagemöglichkeiten zu sehr nach und fallen damit die Zinsen auf eine kritische Grenze, dann drohen uns andere Probleme, die ich dann gleich noch erläutern werde.

 

3. Rüstung und Krieg als Überlebenshilfe für das kapitalistische System.

Geld muss bekanntlich umlaufen, wenn es seinen Zweck erfüllen soll. Der Volksmund weiß das:

,Taler, Taler du musst wandern" oder ,,der Rubel muss rollen". Denn alles Geld, das nicht umläuft, ist so wie nicht vorhandenes Geld, ist fehlendes Geld im Kreislauf. Und jede Unterbrechung des Kreislaufs bedeutet einen entsprechenden Einbruch der Konjunktur mit allen negativen Folgen. Die Sicherung des Geldumlaufs ist also ein ganz wichtiger Faktor. Heut wird dieser Umlauf durch zwei Mittel bewirkt, nämlich Inflation und Zins. Mit Inflation treibt man das Geld in die Nachfrage, da man ja Angst hat, morgen könnte es weniger wert sein. Mit dem Zins lockt man das Geld in die Barken, damit es über Kredite wieder nachfragend zum Einsatz kommen und den Kreislauf schließen kann.

Beide heutigen Umlaufsicherungsmittel sind jedoch mit destruktiven Folgen verbunden, die ich wahrscheinlich nicht zu erklären brauche. Wenn nun beide Werte sinken, was eigentlich höchst wünschenswert ist, dann lässt jedoch auch ihre umlaufsichernde Wirkung nach. Bei einer bestimmten niedrigen Zinshöhe ist es schließlich nicht mehr lohnend, sein Geld zur Bank zu tragen. Da bleibt man lieber liquide. Dieser kritische Zinssockel, bei dem Geld verstärkt zurück gehalten wird, liegt etwa bei zweieinhalb Prozent. Dieser Sockel des Zinses, der Grund- oder Urzins, spiegelt gleichzeitig die Überlegenheit des Geldes über Güter und Arbeit wieder, die so genannte Liquiditätsprämie. Denn das Geld ist als unverderbliches Tauschmittel, das keiner Abnutzung und Alterung unterliegt, wertvoller als jede Ware, auch wegen seiner universalen Einsatzfäbigkeit.

Auch der Börsenboom, dieser Exzess an den Börsen, war ein Versuch, das übrige zinsdrückende Geld zu binden, das in normalen Anlagebereichen nicht mehr genügend attraktive Möglichkeiten findet. Die Wirtschaft ist ausgereizt, die Märkte sind gesättigt in den reichen Ländern. Die Werbung wird immer exzessiver und trotzdem geben die Leute nicht genug aus, um dieses übrigen Geld wieder in die Wirtschaft einzubinden. Diese kritische Grenze des Kapitalmarktzinses von zweieinhalb Prozent, bei der die Bereitschaft zur leihweisen Freigabe von Geld nachlässt und selbst Kriege als ,,Lösung" der Stauungen wieder interessant werden, hat auch Bernard Shaw einmal bestätigt: ,Alle Kapitalisten hassen den Krieg und niemand würde ein Streichholz in ein Pulverfass werfen, damit der Zinssatz steigt. Und trotzdem folgt auf ein Absinken auf zweieinhalb Prozent mit der gleichen Gewißheit Krieg, wie die Nacht dem Tage folgt"

Einen solchen niedrigen Zins haben wir bisher in den letzten fünfzig Jahren nie gehabt. Um ihn ausreichend hoch zu halten, hat notfalls der Staat selber Kredite aufgenommen und investiert. Selbst die nutzlosen Investitionen, die als Milliardengräber in der Landschaft stehen, von der Wiederaufbereitungsanlage über den Schnellen Brüter, den Hochtemperaturreaktor bis hin zum Main-Donau-Kanal, haben ihren Zweck als Kapitalnachfrager und -vernichter erfüllt.

Zum Zusammenhang zwischen Zinshöhe und Krieg brachte vor zehn Jahren ausgerechnet die Kundenzeitschrift des Sparkassenverbandes einen Bericht. Und zwar als Kuriosum, durch den Nachdruck eines Artikels aus der gleichen Zeitschrift von vor hundert Jahren, aus dem Jahre 1891! Darin wurden die damals auf eine empfindliche Grenze gesunkenen Zinssätze beklagt und wie folgt erklärt:

,,Die Ursache für das Sinken des Zinsfußes wird vorzüglich darin gefunden, dass die besonders rentablen Kapitalanlagen großen Maßstabes heute erschöpft sind und nur Unternehmungen von geringer Ergiebigkeit übrig bleiben."

Und um den damals auf drei Prozent gesunkenen Zinssatz vor dem weiteren Fall zu bewahren, müssten - so ging das weiter in der Originalzeitschrift: - 

,, .. die neuen Länder, beispielsweise Afrika, sehr rasch mit europäischen Capitalien erschlossen werden." 

Doch da auch das wahrscheinlich nicht ausreichen würde, schließt die Sparkassenzeitschrift mit den inhaltsschweren Sätzen: 

,,So spricht denn alles dafür, dass wir noch einem weiteren Sinken des Zinsfußes entgegensehen. Nur ein allgemeiner europäischer Krieg könnte dieser Entwicklung Halt gebieten durch die ungeheuren KayitaIzerstörungen, welche er bedeutet."

Hier geht es nicht einfach um einen höheren Zins für die Geldkapitalisten. Es geht vielmehr darum, sie durch eine höhere Belohnung wieder zu einer regelmäßigen Freigabe des Geldes zu bewegen, damit der Kreislauf ,und die Wirtschaft wieder ungestört in Gang kommen. Es lässt sich auch in unseren Zeiten statistisch nachweisen, dass bei sinkenden Zinsen die Bargeldhaltung und die Geldhaltung auf den Girokonten zunimmt Vor allen Dingen erkennbar an der zunehmenden Nachfrage nach und der Haltung großer Scheine, die bei einem Ansteigen der Zinssätze wieder abgebaut werden.

Es wird also auch heute noch in enormem Maße Geld gehortet. So hat die Bundesbank vor zehn Jahren in einer Untersuchung festgestellt dass alleine ein Drittel unseres Geldes ins Ausland verschwunden ist. Vor allem damals in die Ostblockländer und nach Jugoslawien. Und auch im Inland liegen große Geldpakete nicht nur in kriminellen und Steuerhinterziehungskassen. Besonders problematisch sind dabei die kurzfristigen Kassenhaltungen, die mit den Zinsen auf und absteigen.

 

 

Die Zinssituation in Deutschland

In der Darstellung hier darüber sind die langfristigen Zinsen in den wichtigsten Industrienationen aufgetragen. Vor allem an den Hoch- und Tiefpunkten erkennen wir, dass es im Trend weitgehende Übereinstimmungen gibt. Auslöser dieser deutlichen Schwankungen sind wiederum die der Inflationsraten, die sich sehr schnell auf die Zinsen übertragen. Vor allem aber wird der rückläufige Trend in den 90er Jahren deutlich, der besonders krass in Japan zu Buche schlägt. Wenn der Zins aber zu tief sinkt nimmt auch im breiteren Maße die Geldzurückhaltung zu. Es kommt wie in Japan bereits der Fall, zu Rückgängen der Nachfrage, und wenn die Nachfrage zurückgeht, dann fallen natürlich auch die Preise. Wenn die Preise aber erst einmal fallen, hat der Verbraucher nochmals einen Grund, sein Geld festzuhalten, und zu warten, bis die Preise morgen noch niedriger sind.

Ist dieser Punkt erreicht kommt man aus der so genannten Liquiditätsfalle nur noch schwer wieder heraus. Selbst die Geldspritzen des Staates, der inzwischen eine Verschuldung von 140 Prozent des BIP erreicht hat, konnten den Umlauf nicht wieder in Gang bringen. Eine deflationäre Rezession ist dann fast unvermeidlich. Die Japaner haben bisher damit zwar noch halbwegs leben können, weil die Preise schneller gefallen sind als die Löhne. Ebenfalls der Staat kommt Dank der niedrigen Zinsen für seine Schulden, halbwegs zurecht. Aber wehe wenn morgen durch eine Inflation der Umlauf wieder in Gang kommt und die Zinsen explodieren!

 

Was hat das alles mit Krieg zu tun?

Der Krieg ist einfach ein Mittel, um vorhandenes Sachkapital und meist auch noch ein Teil des Geldkapitals, nämlich offene Forderungen an das Sachkapital, zu vernichten. Mit der so entstehenden Knappheit belebt sich der Zins und damit wiederum die Wirtschaft. Das heisst, der Krieg ist eines der Mittel, den Kapitalismus über die Runden zu reifen. Der Krieg ist sogar 

,,die grosszügigste und wirkungsvollste Reinigungskrise zur Beseitigung von Überinvestitionen, die es gibt",

hat Ernst Winkler schon 1952 in seinem Buch ,Theorie der natürlichen Wirtschaftsordnung" geschrieben, ein Mittel, um die endgültige Katastrophe des ganzen kapitalistischen Wirtschaftssystems hinaus zu schieben. Denn mit den Zerstörungen wird künstlich wieder Nachfrage erzeugt. Damit steigt dann auch wieder die Nachfrage nach Krediten. Der Zins bewegt sich wieder auf eine Höhe, die wiederum dafür sorgt, dass das Geld im Umlauf bleibt.

Das Problem sind letztlich also die Unterbrechungen und damit möglichen Verknappungen im Geldkreislauf, im Geldumlauf. Er müsste mit anderen Mitteln als Zins und Inflation gesichert werden. Durch eine Umlaufsicherung des Geldes, die auch dann noch wirkt wenn Zins und Inflation marktgerecht mit den Sättigungen gegen Null herunter gehen. Sicher würden damit noch nicht die Kriege aus der Welt geschaffen, wohl aber einer der direkt oder indirekt wirksamen Gründe und Hintergründe.

An das Ende meines Vortrags möchte ich einen Satz des bekannten evangelischen Theologen Karl Barth setzen, den er ebenfalls bereits in den fünfziger Jahren geschrieben hat:

,,Wo nicht der Mensch, sondern das Kapital der Gegenstand ist, dessen Erhaltung und Mehrung der Sinn und das Ziel der politischen Ordnung ist, da ist der Automatismus schon im Gang, der eines Tages die Menschen zum Töten und Getötetwerden auf die Jagd schicken wird."

Wir haben also nicht Kriege deswegen, weil Millionen Menschen, Millionen Männer Mörder sind, sondern Millionen Menschen werden zu Mördern durch die Kriege!

Nicht eine angeborene Brutalität der Menschen ist also die Ursache, sondern in einem entscheidenden Maße ein Fehler in unserem Geldsystem!

Wie die Inflation, der größte denkbare Betrug, und der Zins, die größte denkbare Ausbeutung, mit dem Geld verbunden sind, so auch der Krieg, das größte denkbare Gewaltverbrechen! Und alle diese drei im doppelten Wortsinn ,,Kapitalverbrechen" sind bei uns legitim - zumindest so lange, wie unser mangelhaftes Wissen über Geld das zulässt!

Vom Autor überarbeitete und gekürzte Fassung des Vortrags vom 8.2. 2003
Redaktion Thomas Rödl

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