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Beitragsreihe verantwortungsbewusstes Handeln
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H  E  L  M  U  T       C  R  E  U  T  Z

 

Die Kassen sind leer - wo ist das Geld geblieben?

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Bundesländer verringern ihre Personalausgaben - Gemeinden schließen Bibliotheken und Schwimmbäder - Bonn kürzt den Sozialetat - Nürnberg verringert die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen... [...] trotz dieser Ausgabenkürzungen - irreführend als »Sparmaßnahmen« bezeichnet - verscherbeln Bund, Länder und Gemeinden auch noch ihr ganzes Tafelsilber: Post, Bahn, Beteiligungen und vor allem Immobilien, Werte, die letztendlich Eigentum der Bürger sind, [...] auch dieser Rückgriff [...] reicht schon lange nicht mehr aus. Darum werden zusätzlich immer höhere Schulden gemacht, die wegen ihrer Zinsbelastung die Engpässe noch vergrößern. [...]

Ist ein Rückgang unserer Wirtschaftsleistung die Ursache der Engpässe? [...] Keinesfalls! Von 1980 bis Ende 1997 haben wir unser reales Sozialprodukt um mehr als die Hälfte erhöht. [...] Zwei Prozent reales Wachstum heute aber sind - was kaum beachtet wird - in produzierten Mengen soviel wie zehn Prozent in den 50er Jahren!

[...] Unser Leistungskuchen - das Sozialprodukt - wird jedes Jahr zwischen Kapital und Arbeit aufgeteilt. Dabei steht der Anspruch des Geldkapitals jedoch schon vorher unverrückbar fest und nie zur Diskussion, resultierend aus Vermögensbestand mal Zinssatz. Dieser Vermögensbestand aber nimmt jedes Jahr um 7-8 Prozent zu, [...] Entsprechend bleibt für die Arbeitseinkommen relativ immer weniger übrig.

[...] Diese Einkommensverluste der Arbeitleistenden sind besonders drastisch, wenn das Wirtschaftswachstum ins Minus geht. Das aber ist regelmäßig in den Hochzinsphasen der Fall, in denen die volkswirtschaftliche Zinsbelastung jeweils förmlich explodiert.

[...] Diese Wechselwirkungen erklären, warum die Politiker bei uns und anderswo [...] nach mehr Wirtschaftswachstum rufen, [...] [d]enn ihnen bleibt heute nur die Wahl:

- entweder ohne Wachstum in den sozialen
- oder mit Wachstum in den ökologischen Kollaps

Da jedoch das Wachstum der Wirtschaft schon lange nicht mehr mit dem der Geldvermögen und Zinsströmen mithalten kann, steuern wir zwangsläufig auf beides zu.

[...] Geldvermögen und Schulden müssen sich heute also wechselseitig hochschaukeln, wenn die Wirtschaft weiter funktionieren soll. Das heißt, unser Wirtschaftssystem funktioniert aufgrund der monetären Störungen wie ein Motor, der nur bei ständig steigender Treibstoffzufuhr und höheren Drehzahlen weiterläuft. Alle Systeme und Prozesse aber, die auf diese Weise rückgekoppelt sind, müssen aus einfachen mathematischen Gründen in Selbstzerstörungen enden. [...]

 

Helmut Creutz ist Autor des Buches
,,Das Geldsyndrom"
, Ullsteintaschenbuch,
ISBN 3-548-35456-4

 

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peter bechen