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Beitragsreihe verantwortungsbewusstes Handeln
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Unsere Wirtschaft: Marktwirtschaft oder Kapitalismus

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,,Was ist mit unserer Wirtschaftsordnung?

So wie wir jahrzehntelang die Begriffe Planwirtschaft und Sozialismus verwechselt oder als Einheit gesehen haben, so ist das auch bei Marktwirtschaft und Kapitalismus der Fall. Dabei haben beide Begriffe gar nichts miteinander zu tun.

Marktwirtschaft ist eine Wirtschaftsordnung bei der - im Gegensatz zur Planwirtschaft - alle wirtschaftlichen Vorgänge, also Produktionen, Preise und Austauschbedingungen, von den Interessen der nachfragenden und anbietenden Menschen bestimmt werden. Marktwirtschaften sind also sich selbst steuernde Regelkreise, die zum Ausgleich hintendieren. Sofern ein Mißbrauch durch Monopole sowie ungerechte Rahmenstrukturen durch den Staat unterbunden werden [...], stellen Marktwirtschaften das gerechteste und effektivste System der Güterversorgung dar.

Kapitalismus dagegen ist ein System, in dem die Interessen des Kapitals die Wirtschaft bestimmen. Alle Produktions- und Dienstleistungen, so notwendig und sinnvoll sie auch sein mögen, kommen immer nur zustande, wenn vorweg die Kapitalbelohnung (Zins/Rendite) abgesichert ist. Und da die Höhe der Belohnung vom Geldzins ausgeht und ein Fallen des Geldzinses durch Geldverknappung verhindert wird, kann man den Zins als »legalisierte Schutzgelderpressung« bezeichnen. Denn so wie die Mafia die Existenz der »Beschützten« mit der Demolierung des Unternehmens bedroht, so das Kapital durch Entzug des Geldes. Auch die oft gebrauchten Begriffskombinationen »freie« oder »soziale Marktwirtschaft« sind ein Etikettenschwindel. Denn wirklich freie Märkte haben wir in unserer Zeit noch nirgendwo gehabt, sondern immer nur kapitalistisch und staatlich verfälschte. Und die sogenannte soziale Marktwirtschaft ist im wesentlichen nur der Versuch, die schlimmsten Auswirkungen des Kapitalismus durch staatlich organisierte Rücktransfers etwas abzumildern, was jedoch angesichts des Überwachstums der Kapitalansprüche immer weniger möglich ist.

Der ebenfalls für unsere heutige Wirtschaft ab und zu benutzte Terminus »kapitalistische Marktwirtschaft« ist ein totaler Widerspruch in sich, da sich Märkte und Monopole (und das Geld ist heute das beherrschendste Monopol!) so wenig vertragen wie Feuer und Wasser.

Solange wir also die Vorherrschaft des Geldes nicht überwinden, können wir weder von einer freien noch von einer sozialen Marktwirtschaft reden. Und schon gar nicht kann eine solche vom Geldkapital beherrschte und mit zunehmenden Zinstransfers belastete Wirtschaft eine störungsfreie sein. Im Gegenteil: Sie muß aus Gründen einfacher mathematischer Gesetzmäßigkeiten in Selbstzerstörungen enden. Eine krisenfreie Marktwirtschaft ist darum ohne Korrektur der Fehlstrukturen unseres Geldsystems nicht erreichbar. Vielleicht ist die Zeit gekommen, sich zur Lösung der Probleme auch mit den Gedanken von Außenseitern zu befassen. Selbst der bereits zitierte Direktor der Pariser Rothschildbank, Esambert, beklagte die Ratlosigkeit der Ökonomen und der Finanzwirtschaft und erwartet eine Wende »nicht von Politikern und Bankern, sondern von unabhängigen Geistern«, wie es in der Fernsehsendung hieß. Dabei sollte man sich auch der Vordenker von gestern erinnern, von Proudhon über Gesell bis zu Keynes. Auch wenn hier sicher manches auf unsere Zeit bezogen umgedacht werden muß, enthält gerade das Hauptwerk des letztgenannten, die »Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes« aus dem Jahr 1936, in vieler Hinsicht interessante Lösungshinweise [...].

 

Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung des Autors entnommen aus:

Helmut Creutz
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Das Geldsyndrom>, Ullsteintaschenbuch,
ISBN 3-548-35456-4

 

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