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Beitragsreihe verantwortungsbewusstes Handeln
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H  E  L  M  U  T       C  R  E  U  T  Z

 

Die Börsen boomen - wie lange noch?

Gekürzte Fassung - zur <Vollversion>

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[... An den Börsen] werden tagtäglich Umsätze getätigt, deren Größenordnungen man kaum noch nachvollziehen kann, z. B. daß an den deutschen Börsen der Aktienhandel 1998 ein Plus von 45 Prozent gemacht hat und der Gesamtumsatz bei 10,7 Billionen DM lag.

[...] So entsprachen beispielsweise die genannten 10,7 Bio DM genau dem Dreifachen unseres Sozialprodukts.

[...] Das heißt, die deutschen Aktienbestände wurden im vergangenen Jahr rund viermal umgesetzt.

[...] die Umsatzzahlen, sind also vor allem eine Folge zunehmender Bestandsumschichtungen, verstärkt noch durch die oft irrealen Kursanstiege. Diese immer hektischeren Bestandsumschichtungen werden überwiegend von einigen Dutzend Großbanken, Investmentfonds und Pensionskassen gemanagt, die über vielstellige Milliardenvermögen von Millionen Einlegern verfügen.

[...] Geht man von Zahlen der Weltbank aus, dann lag der Kurswert des gesamten weltweiten Aktienkapitals Ende 1997 bei 20,2 Billianen USDollar.

[...] Wie sieht das mit den Pro-Kopf-Anteilen aus?

Mit 8142 Dollar gehört Deutschland dagegen bereits zu den drei Schlußlichtern der angeführten 12 Spitzenstaaten.

[...] Rechnet man die von der Weltbank ausgewiesenen 8142 Dollar Aktien pro Kopf in Deutschland in D-Mark um, entfielen auf jeden deutschen Bürger 13 500 DM bzw. auf jeden Haushalt rund 30 000 DM. Berücksichtigt man jedoch, daß nur etwa ein Zehntel der Haushalte überhaupt über Aktien verfügen, kommt man bei diesen bereits auf einen Durchschnittsbetrag von fast 300 000 DM. Aber auch bei diesem Zehntel konzentriert sich das Gros des Aktienkapitals nochmals bei einer Minderheit. So verfügt z.B. allein die Familie Quandt - Hauptaktionär von BMW - über ein Aktienkapital von mehr als zwölf Milliarden DM, also über das Viermillionenfache jenes Durchschnittsbetrags von 30 000 DM, der auf alle Deutschen rechnerisch entfällt!

Wie solche Zahlen und Vergleiche zeigen, liegt das eigentliche Problem weniger bei den ausufernden Spekulationen und Umsätzen an den Börsen, als vielmehr bei den ausufernden Entwicklungen und Verteilungsunterschieden im Bereich der Geldvermögen. Erst diese Eskalation der Besitzstandsgrößen und -umverteilungen, die sich mangels anderer gewinnträchtiger Anlagemöglichkeiten zunehmend auf die Börsen stürzen, machen die Finanzmärkte zu jener tickenden Zeitbombe, die nach mathematischen Gesetzmäßigkeiten irgendwann einmal hochgehen muß. Die Frage ist nur, wie lange der Ballon noch aufzublasen geht und welche Folgen mit seinem Platzen verbunden sein werden.

 

Helmut Creutz ist Autor des Buches
<
Das Geldsyndrom>, Ullsteintaschenbuch,
ISBN 3-548-35456-4

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