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Beitragsreihe verantwortungsbewusstes Handeln
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H  E  L  M  U  T       C  R  E  U  T  Z

 

Wem gehört die Erde?

Von der widerrechtlichen Okkupation der Naturgüter

 
 

Über Bodenpreise wird heute viel Geld bewegt. Kann man Grund und Boden, in dem die Menschheit ihre Lebensgrundlage hat, überhaupt im Privateigentum besitzen und in Folge kaufen und verkaufen? Man stelle sich einmal vor, jemand käme <morgen> auf die Idee, Wasser, Luft und Sonnenlicht zum privaten Eigentum zu erklären, um es dann an andere zu verkaufen oder zu verpachten! 

  • Wie kam es zu diesem Unsinnsverhältnis zum Boden?
      

  • Und was wäre der Sache nach sinnvoll?

 

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag
<Luft, Boden, Wasser - Verbrauch und Schutz unserer Umwelt und Resourcen>

 
 

Die Entwicklung der Bodenpreise in Deutschland, die in den ersten Nachkriegsjahrzehnten förmlich eskalierte, hat sich in den letzten Jahren deutlich verlangsamt. Eigentümer von Grundstücken in besten Geschäftslagen, mit Quadratmeterpreisen von mehreren tausend oder zehntausend Euro, müssen angesichts der Wirtschaftsflaute und vieler Leerstände ihre Preisvorstellungen gelegentlich herunterschrauben, vor allem bei den Vermietungen von Läden und Büroflächen. Dennoch sind diese oft kaum nachvollziehbaren Miethöhen immer noch und ständig häufiger der Grund für Firmenpleiten und Geschäftsaufgaben. 

Doch sind nicht nur diese oft astronomischen Grundstückspreise in den Citylagen zu hinterfragen, sondern die Preise aller Grundstücke. Denn beim Boden handelt es sich nicht um eine von Menschen geschaffene handelbare und eigentumsfähige Ware, sondern um ein nicht reproduzierbares Geschenk der Natur. Aufgrund dieser Unvermehrbarkeit ist der Boden sogar ein Monopolgut, dessen Wert im gleichen Maße steigt wie mit der Zahl der Menschen auf der Erde Bedarf und Nachfrage. Weil das so ist, dürfte es an dieser Lebensgrundlage eigentlich gar kein privates Eigentum geben!

  

 

Woher kommt das Bodeneigentum?

Auch wenn die heutigen Eigentümer den Boden - ob bebaut oder nicht - rechtmäßig erworben oder ererbt haben, sollte allen bewußt sein, daß am Anfang einer jeden Erwerbskette immer eine Aneignung gestanden hat. Jean-Jacques Rousseau hat darum zu Recht beklagt, daß man jenen Menschen nicht daran gehindert hat, der als erster ein Stück Boden mit einem Zaun umgrenzte und sagte: "Das ist mein!"

Inzwischen geht diese Okkupation natürlicher Güter noch über das Naturgut Boden und die darin zu findenden Schätze hinaus. Große Unternehmen kaufen in Provinzen bereits die gesamten Wasserrechte auf und verbieten sogar den Bauern - wie in Indien vorgekommen -, Brunnen oder Bäche zu benutzen. Und allgemein ist schon bekannt, daß Bauern ihr selbstgeerntetes Korn nicht mehr als Saatgut benutzen dürfen, weil ein Chemiekonzern darauf ein Patent erworben hat.

  

 

Auch die in unseren Breiten zunehmenden Privatisierungen bisher öffentlicher Wasserwerke gehen in die gleiche Richtung. Auch hier müssen wir den Investoren zukünftig nicht nur die Kosten für die Wassergewinnung und Aufbereitung zahlen, sondern über alle Zeit hinweg auch die Verzinsung des eingesetzten Kapitals! Und da kein Mensch ohne Wasser leben kann und auch das Wasser ein immer knapper werdendes Monopolgut ist, ist dessen Privatisierung, wie bereits beim Boden, ein phantastisches und zukunftsträchtiges Geschäft für die wachsenden und um die Erde vagabundierenden Geldvermögen. Da umgekehrt die öffentlichen Kassen immer leerer werden, sehen sich die Verantwortlichen immer mehr gezwungen, mit dem letzten Tafelsilber auch diese öffentlichen Versorgungseinrichtungen zu verscheuern.

Natürlich sind für die Wasserversorgung auch bisher kalkulatorische Kapitalkosten eingesetzt worden, aber die von den Verbrauchern bislang dafür gezahlten Zinsen oder Pachten flossen in die öffentliche Kassen, während sie nach dem Verkauf der Versorgungswerke in privaten Taschen landen!

 

 

Genügt die Erde noch?

copyright by PÜPS - polizeiübergreifende GewaltpräventionAber nicht nur auf der Erde werden Boden und andere Naturgüter vermarktet und zu Kapitalgütern gemacht, sondern auch auf den Sternen. So hat der Kalifornier Dennis Hope schon 1980 beim Grundbuchamt in San Franzisko seinen Anspruch auf den Mond angemeldet und dies auch der UNO mitgeteilt. Nach achtjähriger Wartezeit ohne Einspruch betrachtet er sich nun - nach der gleichen Regel, mit der man einst den <Indianern> das Land weggenommen hat - als Eigentümer unseres Trabanten! Inzwischen hat Hope schon für mehr als 15 Millionen Dollar Mond-Parzellen an Interessenten verkauft, inklusive Schürfrechten, katastermäßig erfaßt und notariell beurkundet. Und das gleiche hat er inzwischen weiter auf acht Planeten und 61 Monde ausgeweitet, wie Klaus Rohrbach in der Zeitschrift r-evolution vom August/September 2003 berichtete.

 

Wer nun über solche Nachrichten lächeln mag, sollte nicht vergessen, daß auf ähnliche und meist noch rigorosere Weise auch der Boden in Deutschland einst zu privatem Eigentum geworden ist. Ob durch klammheimliche private Aneignungen oder gewaltsame Eroberungen von Herrschern oder Hasardeuren: in allen Fällen wurde ein Naturgut, auf das alle Menschen gleichermaßen Anrecht haben, anderen entzogen. Auch wenn die Eroberer ganze Landstriche und Länder anschließend als Lehen oder Schenkungen an jene vergaben, die ihnen dabei dienlich waren, bleibt dieses Unrecht bestehen. Man denke nur an die über Generationen vererbten Privilegien der Junker in den Ostprovinzen Preußens oder an das Fürstenhaus Thurn und Taxis und die vielen anderen Fürsten und Barone, denen heute noch ganze Provinzen gehören, auch wenn sie das nicht mehr in dem Umfang kundtun, wie das einst mit ihren Namenaufzählungen geschah.

 

Aber auch in unseren Tagen sind der Boden und die in ihm zu findenden Bodenschätze immer noch der weltweit hauptsächlichste Anlaß von Besetzungen, Bürgerkriegen oder Kriegen, ob am Kongo, dem Golf von Arabien oder anderswo, auch wenn man für solche Gewalteinsätze andere Gründe nennt. Und wegen dieser ungleichen Eigentumsverhältnisse und der damit verbundenen Einkommensumverteilungen ist dieses Bodeneigentum wahrscheinlich auch der Hauptgrund aller sozialen Spannungen in der Welt - und das nicht nur auf der Südhalbkugel.

Diese mit dem Bodeneigentum verbundenen Vorteils- und Umverteilungseffekte sind zweifellos eine der maßgebenden Ursachen für die Zunahme der <Armut- Reichtums- Diskrepanzen> in aller Welt. Aufgrund der wachsenden Menschenzahlen auf der Erde, mit denen das Bodenangebot nicht mithalten . kann, werden diese Diskrepanzen von Tag zu Tag gravierender. Das heißt, die in die Welt Geborenen haben nicht nur immer geringere Chancen, Boden zu erwerben, sie müssen die mit der Knappheit zunehmenden Bodenwertsteigerungen auch noch mit einem ständig höheren Anteil ihrer Arbeitsleistung bedienen.

 

Beispiele von Privatisierungsfolgen

 

Welche konkreten Nachteile für die Allgemeinheit mit der Privatisierung des Bodens verbunden sein können, zeigt das Beispiel der Stadt Zürich: Hätte man dort den Boden der ehemaligen Wallanlagen vor rund 200 Jahren nicht verkauft, sondern nur verpachtet, könnte sich heute die Stadt aus den Pachteinnahmen finanzieren, und kein Zürcher Bürger brauchte für das Leben in der Gemeinde Steuern zu zahlen. Oder ein anderes' Beispiel aus Deutschland: Durch den Bau des. Münchner Flughafens in Erding und die dazugehörende S-Bahn-Verbindung sind die Bauern und sonstigen Bodeneigentümer längs der Strecke und im Umfeld des Flugplatzes - nach einer Hochrechnung des Ökonomieprofessors Wolfram Engels, des langjährigen Herausgebers der <Wirtschaftswoche> - in den letzten Jahrzehnten, ohne eigene Leistung, um 30 Milliarden DM reicher geworden. Das heißt, daß die Volkswirtschaft inzwischen einen um 30 Milliarden erhöhten Kapitalwert zugunsten der Eigentümer auf alle Zeiten zu. bedienen hat. Dabei ist dieser Zugewinn fast ausschließlich auf Investitionen zurückzuführen, die von der gleichen Allgemeinheit, die jetzt die höheren Bodenwerte bedienen muß, finanziert worden sind.

 

Was ist zu tun?

Zuerst einmal sollten alle Wertzugewinne, die aufgrund öffentlicher Maßnahmen entstehen, weggesteuert werden. So wie ein Haus- und Grundbesitzer heute Anspruch auf Entschädigung hat, wenn durch öffentliche Maßnahmen sein Eigentum an Wert verliert, so muß diese Regel selbstverständlich auch im umgekehrten Falle Geltung haben. Zum zweiten müßten die leistungslosen Einkommen aus dem Bodenbesitz, also die Verzinsung des Bodenwertes wie auch die Pachten, steuerlich abgeschöpft werden.

Bezogen auf die weitere Nutzung des Bodens in Städten und Gemeinden, sollte es diesen zukünftig untersagt sein, noch Flächen an Private zu verkaufen. Statt dessen sind alle öffentlichen Körperschaften anzuhalten, Boden nur noch in Form von Verpachtungen beziehungsweise Baurechten abzugeben, wie das die Kirchen seit Jahrhunderten mit ihrem Grundbesitz praktizieren. Darüber hinaus sollten die Gemeinden verpflichtet werden, mit Hilfe dieser Pachteinnahmen das ihnen zustehende Vorkaufsrecht häufiger wahrzunehmen. Das heißt, der Boden sollte nicht nur im Gemeinschaftsbesitz gehalten, sondern nach und nach auch wieder in ihn zurückgeführt werden. Dabei geht es nicht um eine Verstaatlichung, sondern nur um eine treuhänderische Verwaltung des Bodens, auf den alle Menschen gleichermaßen Anspruch haben. Seine Nutzung soll also weiterhin privat erfolgen, aber Eigentum nur das sein, was die Menschen darauf selbst schaffen, also die Gebäude und die Ergebnisse ihrer Arbeit aus der Bodennutzung. Selbstverständlich sollte die Preisbildung bei der Bodennutzung weiterhin den Marktkräften unterliegen, alle Nutzungsrechte also öffentlich ausgeschrieben und meistbietend versteigert werden.

  

Doch selbst wenn nach dem Rückkauf durch die Gemeinden die Bodenflächen im Rahmen unseres Systems sachbezogen zu verzinsen sind, bleiben diese Zinsen doch im Besitz der Allgemeinheit und kommen damit weitgehend allen Bürgern statt einer Minderheit zugute.

Auch wenn wir uns schon seit Jahrhunderten an die Privatisierung von Naturgütern gewöhnt haben: Es lohnt sich, über die Eigentumsfrage an unseren Naturgütern und hier vor allem über die am Boden und seiner Schätze nachzudenken; denn für die Folgen der heutigen ungerechten Gegebenheiten werden wir einmal teuer bezahlen müssen. Nicht nur in Form von Flüchtlingsströmen an unseren Grenzen und Küsten, sondern auch mit solchen Erscheinungen, die wir heute als internationalen Terrorismus bezeichnen. Denn der wirkliche, <soziale> Terrorismus in der Welt geht von jenen aus, die anderen den Zugang zu den naturgegebenen Lebensgütern verweigern oder sie zwingen, dafür immer höhere Gegenleistungen zu erbringen.

Helmut Creutz

Dieser Beitrag ist unter anderer Aufmachung in der Wochenschrift für Antroposophie unter der Rubrik "Lebensraum Erde" am 19. September 2004 im 83. Jahrgang auf den Seiten 1 ff erschienen.

 

bei subventionsberater.de
mit freundlicher Genehmigung
von Herrn Helmut Creutz

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