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Vergiftetes Grundwasser in Calmbach
bei Bad Wildbad?

 
Lesen Sie, wie eine alteingesessene Familie
beim Hausbau auf vergiftetes Grundwasser stieß.

 

 

Umgeben von Wald liegt Calmbach, ein Teilort von Bad Wildbad, an der Bundesstraße 294, welche Pforzheim im Norden zügig mit Freudenstadt im Süden verbindet. Bad Wildbad ist ein weltbekannter Kurort mit heilenden Thermalquellen. Gerade im Fünftälerort Calmbach stoßen vier Zuflüsse aus den folgenden Schwarzwaldtälern zusammen, die kleine Enz aus dem Kleinenztal in Süd-Nordrichtung, die große Enz, von Enzklösterle aus westlicher Richtung her kommend im Großenztal, der Würzbach aus dem Würzbachtal von Osten her und der Calmbach im Tannmühlental von Schömberg, also von Osten her. Diese fließen dann gemeinsam Richtung Norden nach Pforzheim als Enz durch das obere Enztal. Wir können vermutlich davon ausgehen, dass das gesunde Thermalwasser Bad Wildbads hier unter dieser geologischen Gegebenheit zusammenfließt, um danach in den Bädern Wildbads das Licht der Welt zu erblicken.

 

 

 

 

Von Bad Wildbad her nach Calmbach

 

 
Wasserzusammensetzungsanalysen des Chemischen Institut Pforzheim GmbH

vom Oktober und November 2006
 

Wasserzusammensetzungsanalyse Calmbach 2006: Bild vergrößern durch Anklicken

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Genau dieser Tage heißt es nun, dass just in dieser vorgeblichen Schwarzwaldidylle das Grundwasser vergiftet sei. Eine ordentliche, alteingesessene Familie ist beim Hausbau durch reinen Zufall auf das mit (Trichlorethen und Tetrachlorethen) chlorierten Kohlenwasserstoffen verseuchte Wasser gestoßen. Das Landratsamt in Calw sieht sich natürlich in Zugzwang, den Verunreiniger des Grundwassers zu ermitteln, doch wie immer sind die öffentlichen Mittel mau, und es bleibt zu bezweifeln, dass der mutmaßliche Verursacher auch dieses mal wieder den Nachweis auf eigene Kosten zu erbringen bereit sein wird.

 
Die Geschichte klingt wie die Ironie eines schwäbischen Mundartstücks. Eine angesehene Calmbacher Familie mit Haus an der Hauptstrasse, baut sich ein neues Heim in ruhiger Umgebung auf den saftigen Wiesen nahe der Enz. Infolge langjähriger Autolärmerfahrung für Umweltproblematiken sensibilisiert, verwendet die Familie für ihr neues Haus ausschließlich baubiologisch unbedenkliche Baustoffe. Nicht nur die Außen-, auch die Innenwände fallen aus Energiegesichtspunkten besonders dick aus. Um in jedem Fall überhaupt keine Treibhaus-  sprich Verbrennungsgase beim Heizen zu produzieren und in die Umwelt entlassen zu müssen, wird, gewissermaßen als besonderes Sahnehäubchen, eine Pumpheizung als Energiequelle für das durchdachte Haus geplant, welche die Wärme per Austausch aus dem Grundwasser beziehen soll. Das Landratsamt hat grünes Licht gegeben, dass die Bauherren und -frauen zu diesem Zweck fünfzehn Meter tief in die Erde bohren dürfen. Alle sind gespannt, ob sie dort unten dann auch wirklich auf Grundwasser stoßen.

Vor kurzer Zeit erst, war auch in der Nachbargemeinde Höfen schon einmal immerhin 30 Meter in die Tiefe gebohrt worden. Damals war man dann in dieser Tiefe auf eine warmes Thermalwasser führende Ader gestoßen, so dass das mineralhaltige Wasser überschießend aus dem Bohrloch gesprudelt war. Allerdings nicht all zu lange, denn in gleichen Maß, wie in Höfen das kostbare Nass ans Tageslicht herauf schoss, versiegte gleichzeitig im Heilbad Bad Wildbad der Thermalwassernachschub, und so was ist natürlich gar nicht gut fürs Geschäft dort. Also war das Bohrloch in Höfen schleunigst wieder versiegelt worden. Soviel zur Wasservorgeschichte dort im oberen Enztal. Sicherlich hat diese Erfahrung dazu beigetragen, dass die Calmbacher allenfalls nur noch 15 Meter tief bohren sollten.

Die Calmbacher Wasserbohrer hatten dabei zunächst sogar noch spätes Glück, wenn auch Glück im Unglück, wie sich im Nachhinein schließlich herausstellte.
Nach einer schrecklich dicken, sehr trockenen Bundsandsteinschicht, die nicht zu enden schien und somit an den Geduldsnerven zerrte, mündete die Bohrung an der anvisierten Stelle im eigenen Garten der Calmbacher Familie letztlich fast unverhofft doch noch im Grundwasser. Der Jubel war demgemäß zunächst groß, wenn auch nicht all zu lange.
Das frisch herausgepumpte Grundwasser musste umgehend, natürlich von Amts wegen, fach- und sachgerecht auf seine Zusammensetzung hin überprüft werden. Das erste abschließende Ergebnis eines Pforzheimer chemischen Labors gestaltete sich dabei dann niederschmetternd:
Wasserfremde gesundheitsschädigende Substanzen, wie Tri- und Tetrachlorethen machten den weiteren Genuss dieses Grundwassers nicht nur zur Wärmegewinnung generell gänzlich unmöglich. Sogar die daraufhin noch folgenden beiden weiteren Wasseranalysen (siehe linke Spalte) ergab ständig stets noch höhere Giftwerte im gerade heraus gepumpten Grundwasser, genau so, als wäre das Wasser dort tief unten in der Erde von Calmbach an anderen Stellen des Ortes noch viel mehr verseucht.  Unter dieser Voraussetzung wurde den bohrenden Calmbachern umgehend, natürlich von amtswegen augenblicklich verboten, auch das bislang herausgepumpte Wasser womöglich noch irgendwo in die Kanalisation oder gar in die Enz zu schütten. Das "gute" Wasser war somit zum lebensfeindlichen Sondermüll erklärt worden.

Die bezüglich unserer Umwelt doch wirklich verantwortungsbewusste Calmbacher Familie, erlangte mit ihrer aufwendigen Bohraktion statt einer umweltverträglichen Heizung, für viel Geld, nämlich über 10.000 Euro, gerade mal ein paar Fässer mit Wasser, welches für weiteres Geld als Sondermüll zu entsorgen ist. Außerdem ist die Baufamilie auf diese Weise auch noch dazu gezwungen worden, sich mit einer etwas weniger umweltfreundlichen Pelletsheizung zu begnügen, welche natürlich auch wieder extra kostet, z.B. für einen nachträglich zu installierenden bzw. aufzurüstenden Kamin.

 

Glück im Unglück war bislang, dass die Calmbacher Wasserversorgung sich bis dato nicht aus dem Grundwasser bedient hat, und dass auch sonst niemand auf seinem eigenen Grundstück in der Umgebung einen Brunnen zur eigenen Wasserversorgung unterhält, wohl auch nicht bei der benachbarten Gärtnerei.

 

Die im Grundwasser von Calmbach aufgefundenen Giftstoffe werden für gewöhnlich in der Industrie zum Entfetten von Metallen bei verschieden Produktions- und Verformungsprozessen verwendet. Vor Ort kommen deshalb eine Reihe von Betrieben als mögliche Verursacher der umweltfrevlerischen Verunreinigung des Grundwassers in Frage, natürlich auch die für den Giftmüll im Gauthiertal am Calmbach bereits bekannte Produktionsstätte (siehe Giftmülldeponie), deren Fabrikationsgebäude (Prontor) sich etwa 500 Meter von der Grundwasserbohrstelle entfernt befinden.

Nach rechtlicher Grundlage, ist das Landratsamt als untere Aufsichtsbehörde jetzt dafür zuständig, den Verursacher der aktuellen Grundwasserverunreinigung zu ermitteln. Dies gestaltet sich jedoch keineswegs einfach, und ist vor allem kostenintensiv. Mit Geld jedoch happert es ja bekanntlich in der öffentlichen Verwaltung schon seit geraumer Zeit. Nicht umsonst hat die Firma Prontor schon einstens die Untersuchungen anlässlich der zu ermittelnden Unbedenklichkeit ihrer Giftmülldeponie im Waldboden selbst bezahlt, um nachweisen zu können, dass die von dieser Firma ausgebrachten schwermetallhaltigen Giftmüllschlämme für die Gesundheit der Anwohner im Tal des Calmbachs unbedenklich seien. Dieses Giftmülldepot befindet sich übrigens etwa einen Kilometer von der aktuellen Grundwasserbohrstelle entfernt.

Es wären nun also seitens des Landratsamts Calw im oberen Enztal einige Bohrungen ins Grundwasser fällig, um so vielleicht, gewissermaßen per Zufall, den Tri- und Tetrachlorethenemittienten zu ermitteln, der für die Verseuchung das Grundwassers verantwortlich zu machen wäre. Dieser hätte dann evtl. auch für den Verlust gerade zu stehen, der der Calmbacher Familie durch die letztendlichen Fehlbohrung entstanden ist, vor allem dann, wenn die Wasserverseuchung auf eine strafbare Handlung, z.B. auf Mutwilligkeit, zurück zu führen wäre.

Hoffen wir zu diesem Zeitpunkt, dass wenigstens die uralten Gesteinsschichten zwischen Grund- und Thermalwasser mächtig genug sind, die wenig erfreulichen Fremdsubstanzen der arbeitsplatzbeschaffenden neuzeitlichen Industrien oder auch anderer moderner Umweltsünder im Grundwasser vom möglicherweise darunter liegenden Thermalwasser fern zu halten, denn zum Baden eigenen sich derart giftigen Kohlenstoffe eben nicht gerade.
 

Zuschriften mit Meinungsäußerungen
und vor allem fundierten Informationen
sind stets erwünscht !!!

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Bad Wildbad bei Nacht vom Sommerberg aus gesehen

 

In
Der Schatz der Zwerge
(ISBN 3-87407-114-6)
beschreibt der Volksmund die

Entstehung der Thermalquellen
in Bad Wildbad

wie folgt:

"Vor vielen Jahrhunderten hüteten einmal zwei Buben eine Schafherde. Nach einer langen Wanderung kamen sie an einen See, wo sie rasteten und wo die Herde sich erfrischen konnte.

Auf einmal stieg ein großer, schwarzer Stier aus dem Wasser und mischte sich unter die Schafe [...]. Nach einiger Zeit stieg ein kleines Männchen in einem Rattenpelz aus dem Wasser. Mit krächzender Stimme rief es nach dem Stier: »Komm jetzt, Stier, komm endlich! Komm wieder in den See!«

Der Stier aber gehorchte nicht [...]. In seiner Not bat das Männlein die beiden jungen Hirten: »Könnt ihr mir helfen, meinen Stier wieder ins Wasser zu treiben?« Die Buben, die zuerst die Angst gepackt hatte, gehorchten und trieben den großen Stier mit ihren Ruten wieder ins Wasser zurück, wo er augenblicklich in den Fluten versank.

Darauf dankte das Männlein den Hirten und sagte: »Weil ihr mir geholfen habt, schenke ich jedem von euch einen Stein. Wo ihr ihn hinwerft, wird warmes Wasser aus der Erde sprudeln. Dieses Wasser heilt jede Krankheit.«

Die Enz nach Bad Wildbad Richtung Calmbach

Die Buben nahmen ihre Steine und bewahrten sie in ihren Hosentaschen auf. Einige Tage später gingen sie auseinander, jeder mit der Hälfte der Herde in ein anderes Tal.

Der eine [...] dorthin, wo heute Baden-Baden liegt.

Der andere Hirte kam ins Enztal, wo er seinen Stein, so weit er nur konnte, von einem Berg den Hang hinunterwarf. Dort, wo der Stein aufschlug, quollen ab jenem Tag die heißen Wasser aus dem Boden, die heute noch in [Bad] Wildbad viele Krankheiten heilen. Und um die beiden Quellen entstanden im Lauf der Zeit die Ortschaften, die heute noch Baden-Baden und [Bad] Wildbad heißen.

 

Seilbahn vom Sommerberg

 

   

Themenübersicht:
 

Einführung:
Gifttod am Heilbad
?
    

Vorwort:
Schwarzwaldidylle?...

Vom Schweigen im Walde:
Lageplan des Gifttodes...
Tannmühle 1...
Supergau in Calmbach...
Deponiesuche - Spurensicherung...

Vom Leben und Sterben in Bad Wildbad:
Wenn Maikäfer weinen

=>   Vergiftetes Grundwasser in Calmbach
bei Bad Wildbad?

Lesen Sie, wie eine Familie beim Hausbau   
auf vergiftetes Grundwasser stieß.

Verkeimtes Trinkwasser in Calmbach
bei Bad Wildbad?

Im Gauthiertal scheint verkeimtes Wasser
aus den Anschlüssen zu fließen?

Calmbach bei Bad Wildbad ist überall,
Gift gibt es nicht nur im Gauthiertal
Giftmüllkippen und die evtl. Protektion derer Verursacher
durch Behörden gibt es auch an anderen Stellen
bei uns zuhause, hier im aufstrebenden Südwesten

Wer oder was ist die Satirewerkstatt in Calmbach?
zwei Jahrzehnte ziviler Ungehorsam
    

 
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